Bizarre Festival Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak
BIZARRE 2002 - Ein etwas anderer Blick...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Mein Wochenende ist vorbei und ich bin fix und fertig. Wieso werden sicherlich jetzt einige fragen und dabei ist die Antwort doch so einfach: Drei Tage laute alternative Musik an der holländischen Grenzen können einen armen Studenten schon mitnehmen. Vor allem wenn man das Bizarre Festival auf eine etwas andere Art und Weise genossen hat. Aber lässt euch überraschen...
Um euch die Navigation durch meinen Bericht zu erleichtern, wurde dieser von mir in zwei Teile gespalten. Die erste Hälfte behandelt vorwiegend die einzelnen Bands des Festivals – wohlgemerkt schreibe ich nicht zu jeder Band etwas nur zu den in meinen Augen wichtigsten werde ich Worte verlieren. Um auf der Suche nach einer bestimmten Band nicht gänzlich den Überblick zu verlieren, wird die jeweilige Band zu Beginn ihres Absatzes in Großbuchstaben geschrieben, was den Effekt hat, dass man beim schnellen Suchen nicht notwendigerweise unnötig lange blättern muss. Der zweite Teil spaltet sich hingegen in die Untergruppen „Kleine Tipps für den zukünftigen Festivalbesuch“ und „Allgemeinen Verhältnisse auf dem Bizarre“.
So genug der einleitenden Worte, es kann losgehen mit dem...
*Musikalischen Teil*
Freitagmorgen, zwanzig Minuten nach fünf – wohlgemerkt morgens! Mein Wecker klingelt. Schlaftrunken pelle ich mich aus meinem gemütlichen Bett und beginne mit der allmorgendlichen Dusche. Sechs Uhr, noch die letzten hygienischen Vorkehrung treffend – man will ja schließlich nicht ohne Zahnpasta auf dem Festival aufkreuzen –, es klopft an mein Fenster. Bestens mein Fahrer ist angekommen und holt mich für die lange Fahrt nach Weeze ab.
Ein kleiner Zeitsprung später: Wir sind angekommen, das riesengroße Festivalgelände liegt vor uns. Doch wo müssen wir hin? Verdutzt fragen wir einen der holländischen Ordner: „Wo ist denn der Eingang für Mitarbeiter?“ Einmal erneut um das ganze Gelände gefahren gelangen wir endlich an unseren Zeltplatz. Noch ermüdet von der langen Fahrt – 290 Kilometer fahren sich schließlich auch nicht von selbst, so dass ich die letzten 150 Kilometer eigenhändig bewältigen musste – machen wir uns an das Aufstellen des mitgebrachten Zeltes, eine Aufgabe die ich als Festival-erprobter Student mittlerweile im Schlaf bewältigen kann. Doch was muss ich da von meinem Mitfahrer erfahren? Wir müssen gar nicht die zwei Nächte campieren? Wir haben von unserem Chef noch zwei Schlafplätze in einem der umliegenden Hotels bekommen? Welche göttliche Botschaft, dass heißt morgens eine saubere Dusche, ohne jeglichen schlammverdreckten Fußboden. Keine Dixie-Klos benutzen, die einen dazutreiben den Gang aufs Klo in weite Ferne zu verschieben.
Um euch nun nicht gänzlich in einen gelangweilten Schlaf zu versetzten, erneut ein kleiner Zeitsprung: Mein Bierstand vor der Mainstage ist auf Vordermann gebracht und wird den ersten Anströmen der Festival-Gänger standhalten. Der modische Colabier-Mix von Diebels – Dimix kurzgenannt – befindet sich in einer Kühltruhe, in die ich mich am liebsten ohne Umschweifen einquartieren würde: Die Sonne brennt auf das Festivalgelände und dennoch wollen die musikbegeisterten Kunden kaum Getränke kaufen. Gelangweilt sitze ich so mit meinen Kollegen an meinem Stand und warte auf das erste Festivalhighlight...
17:45 Uhr, die Bühne wird von BADLY DRAWN BOY in Beschlag genommen. Ich verlasse meinen Bierhahn und stelle mich an die vordere Front des Bierstandes. Einen „kurzen“ Blick auf die Bühne will ich mir hier schließlich nicht entgehen lassen. Und meine Erwartungen waren nicht zu groß. Damon Gough steht in der Mitte der Festivalbühne in seinem typischen Sozialpädagogen-Outfit - Blue Jeans, eine graue Adidas-Jacke und sein Markenzeichen: eine Wollmütze – und bietet einen hervorragenden Pop-Rock-Mix, der die vorhergehenden Bands nahezu komplett erblassen lässt. Zwar bietet Damon Gough keine halsbrecherischen Showeinlagen, aber wer erwartet so etwas schon von dem schüchtern-wirkenden Briten?
19:00 Uhr, die Masse bewegt sich auf die Bühne zu, das erste massenkompatible Highlight betritt selbige: NICKELBACK. Angeführt von ihrem Sänger Chad Kroeger können sie mich bei weitem nicht überzeugen. Zwar ist ihre Show energiegeladener als die ihres Vorgängers, aber musikalisch liegen zwischen Badly Drawn Boy und Nickelback Welten. War das erste Album „The State“ noch eine gute Alternative-Rock-Scheibe, die man sich ohne größere Qualen im Hintergrund anhören konnte, so ist der Nachfolger „Silver Side up“ doch ziemlich durchwachsen. Einige hörbare Songs – unter ihnen natürlich auch der Durchbruchssong „How you remind me“ – und viel unnötiges Füllmaterial. Der Masse gefällt der Auftritt der Kanadier augenscheinlich mehr als mir kritischen Zeitgenossen. Sie feiern die neuen Sterne am Rockhimmel und singen begeistert bei den bekannten Hits mit. Ob es nun der sterbenslangweilige „Spider-Man“ Beitrag „Hero“ ist oder das finale „How you remind me“, Nickelback haben die Masse in der Hand.
20:45 Uhr, freudestrahlend gucke ich auf die Bühne. Arbeiten? Was ist das? Die vier sympathischen Jungs von JIMMY EAT WORLD erobern die Bühne und bieten eine Rock-Show der Extraklasse. Keine unnötigen Effekte, nur die Amerikaner mit ihren Instrumenten. Emo-Core der aller ersten Güte. Ob ruhigere Songs wie „Lucky Denver Mint“ oder gitarrenlastigere Stücke wie „The Middle“, die Masse genießt die Show genauso wie meinereiner. Und so kann ich auf meiner langen Liste von Bands, welche ich in meinem weiteren Leben noch live sehen möchte, erneut einen kleinen Haken neben Jimmy eat World machen. Oder vielleicht lasse ich es auch, dann gucke ich mir die sympathischen Amerikaner halt noch mal an und bilde mir ein es wäre das „erste Mal“...
22:10 Uhr, der Headliner des ersten Tages macht sich auf den Weg zur Bühne. Die Spannung steigt, wie werden die CHEMICAL BROTHERS bei dem gitarrengewöhnten Publikum ankommen? Zwar leert sich das Festivalgelände, doch die verbleibende Masse kann eindeutig eines der Festival-Highlights bestaunen. Ist die Bühne zu Beginn in tiefste Schwärze gehüllt, so kann man mit Einsetzen der ersten Beats eine perfekte Lightshow begutachten. Die hämmernden Rhythmen gehen ins Blut und mein Tanzbein ist seit einer Ewigkeit im Einsatz, zwar verspottet von den musikalischen Banausen (den Kollegen, Anmerkung der Redaktion), aber das ist mir egal. Tanzend zapfe ich den Kunden ihr Bier und genieße den Auftritt der chemischen Brüder. Zwar gab es im Mittelteil der Show einen kleinen Durchhänger – vor allem die Songs des neusten Albums konnten mich nicht überzeugen – sobald aber großartige elektronische Kompositionen wie „Hey Boy, hey Girl“ oder der ultimative Sterngucker-Song „the Sunshine Underground“ durch die Lautsprecher erklingen, ist garantiert beste Tanzstimmung angesagt. Auch die geniale Lightshow und die später einsetzenden „expressionistischen“ Filmchen – die über den einzigen Bildschirm der Bühne flackern – untermalen perfekt die elektrolastigen Kompositionen der chemischen Brüder.
Der erste Tag neigt sich nun endlich dem Ende entgegen. Erschöpft von der Arbeit fahren wir in unser Hotel. Nach einer erfrischenden Dusche, die die verspannten Muskeln etwas zu lockern wusste, steige ich in mein Bett und muss feststellen, dass ich eine ultraweiche Matratze unter mir habe. Da kann ich ja schon die nächsten Verspannung direkt einplanen.
Trotz der körperlichen Müdigkeit zappe ich noch ein letztes Mal durch die nächtlichen Fernsehprogramme, vielleicht finde ich doch noch die Ergebnisse der freitäglichen Spiele der zweiten Liga. Doch mein wildes Umhergezappe verharrt auf dem WDR. Komisch sind das nicht Morcheeba? Und spielen die nicht gerade auf der zweiten Bühne des Bizarre-Festivals? Wie interessant, der WDR Rockpalast bietet auch in diesem Jahr eine Live-Übertragung des Festivals. So genieße ich die entspannten Sounds und den relaxten Gesang der Frontfrau und entschwinde langsam in Morpheus Reich.
Der nächste Tag bricht herein, nach einem ausgiebigen Frühstück auf dem „Marktplatz“ Uemdens begeben wir uns zurück auf das Festival-Gelände. Arbeiten ist wieder angesagt. Doch ähnlich wie am vorgehenden Tage sind die Festival-Gänger mit sehr wenigen Getränken zufrieden zustellen. Liegt es an den Preisen? Zwei Euro und fünfzig Eurocent für ein 0.3er Getränken sind doch für Festival-Verhältnisse wirklich sehr humane Preise und auch im Vergleich zu einigen Kneipen in meiner Umgebung sind das Unterschiede von nicht einmal fünfzig Eurocent. Oder liegt es vielleicht daran, dass die Zuschauer noch sehr gut mit eigenen Getränken versorgt sind? Oder mag die Masse etwa kein Alt-Bier? Wieso nur, dabei schmeckt doch Diebels so lecker? Alles Banausen! Nun ja, mir soll es egal sein, so kann ich mich um einiges besser auf die Bühne konzentrieren.
Nach der Eröffnung des zweiten Tages mit dem letztjährigen Gewinner des Newcomer-Wettbewerbs durch Lacuna – die durchaus das gewisse Talent haben um energiegeladenen Rock auf die Bühne zu bringen; aber dennoch merkt man ihnen die fehlende Erfahrung an – erwartet mich bis um 14 Uhr 15 musikalische Magerkost. Trust Co. sind ein simpler KoRn-Verschnitt und werden wohl auf ewig im Schatten der großen Vorbilder bleiben, doch dann schlägt meine Stunde: PHANTOM PLANET erscheinen auf der Mainstage. Wer sich in meiner ciao-Vergangenheit etwas besser auskennt, weiß wie sehr es mir die fünf Kalifornier mit ihrem energiegeladenen Pop-Rock angetan haben. Und nachdem ich beim diesjährigen Rock im Park-Festival nur einen kurzen Blick – der aber schon sehr beeindruckend war – auf die Combo werfen konnte, freute ich mich wie eine kleines Kind am Weihnachtsabend auf den bevorstehenden Auftritt. Und ich wurde definitiv nicht enttäuscht! Die Jungs haben eine unbändige Energie, die sie zu einer ausgelassenen Bühneshow vorantreibt, Jason Schwarzmann tobt hinter seinen Drums und treibt die saiteninstrumentspielenden Bandkollegen zu Höchstleistungen. Am liebsten würde Schwarzmann seine Drums verlassen und sich auf der Bühne richtig austoben – hier und da spielt er immer mal wieder im Stehen oder springt mit einer Wucht von seinem Stuhl. Und auch seine über die Bühne tobenden Freunde wissen wie man ausgelassen feiert. Sie toben über die Bühne und bieten eine exzellente Rockshow. Und trotz ihres Getobes vernachlässigen sie nicht den gewohnt hochwertigen Sound. Ihr alternativer Sommerhit „California“ wird mit Begeisterung vom Publikum aufgenommen und der abschließende Rausschmeißer – ich müsste lügen, wenn ich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen könnte, dass es „All over again“ war – wird durch die artistischen Fähigkeiten Alexander Greenwalds (der Sänger) aufgewertet. Mit unglaublicher Leichtigkeit klettert er das Bühnengerüst empor und singt die finalen Klänge aus schwindelerregender Höhe. Sichtlich glücklich verschwinde ich wieder hinter meinem Bierhahn und versuche verzweifelt das leckere Diebels an den Mann zu bringen. Wieso will denn niemand was trinken?? Mir ist langweilig.
Die Folgezeit ist ähnlich schwerfällig wie der Tagesbeginn. The Cooper Temple Cause überraschen mit experimentelleren Klängen, können mich aber dennoch nicht gänzlich überzeugen und Filter sind eine große Enttäuschung, so dass ich mich um 17 Uhr auf den Weg zur zweiten Bühne mache. Obwohl ich die drei Wahlhamburger von TOCOTRONIC in diesem Jahr schon dreimal live genießen konnte, wollte ich einen erneuten Blick auf die Rockcombo werfen. Nachdem mich einer der „netten“ Ordner trotz meines Mitarbeiter-Bändels nicht durch den Ausgang hineinlassen wollte, musste ich mich wohl oder übel durch die Masse quälen und konnte so lediglich die abschließenden drei Songs noch live verfolgen.
So begab ich mich erneut zurück zur Mainstage und konnte eine der besten Bands des gesamten Festivals begutachten. Zwar sind MOTORPSYCHO mit ihrem teilweise sehr experimentellen Sound nicht für ein großes Massenpublikum geeignet, wer aber auf der Suche nach großen Kompositionen ist, wird hier garantiert fündig. Eine atemberaubende Melange aus Saiten- und Blasinstrumenten garantieren besten Rock aus dem kalten Norwegen. Zwar wurde auch von Motorpsycho keine explosive Live-Show geboten, aber mit einem kleinen Verweis auf die oberen Zeilen: Wer erwartet so etwas bei Motorpsycho?
18:50 Uhr, erneut wird die Bühne von einer absoluten Kult-Band in Beschlag genommen: Die Punkrocker von TURBONEGRO, die im Publikum eine enorme Menge an Fans hatten – einer mit dem ich mich kurzzeitig unterhielt, erzählte mir, dass er extra aus Norwegen angereist sei, um „seine“ Band zu sehen. Mit schwarz-geschminkten Augen hält es der Sänger Hank von Helvete nicht langer in seiner klassischen Turbonegor-Kluft – sprich: dunkle Blue Jeans mit dazupassender Jeans-Jacke; ein Outfit, das man auf dem Festival in Mengen begutachten konnte – aus, mit nacktem Oberkörper – inklusive Rettungsringansatz – bringt Sänger Hank von Helvete das Publikum innerhalb kürzester Zeit unter seine Kontrolle. Er erzählt von seiner Vergangenheit (Alkohol und Drogen) und bekräftigt, dass er endlich wieder komplett auf dem Dampfer ist. Eine Aussage die man nur unterschreiben kann. Zwar bieten die Norweger keine tiefgreifenden Songs, dafür aber Punk-Rock der aller ersten Kategorie. Dreckig, schnell und ohne jeglichen Sinn! Eine energiegeladene Show, die definitiv zu den Highlights des Festivals zählt.
20:30 Uhr, das Festivalgelände um die Mainstage füllt sich zusehends und mit KORN kommen die wahren Headliner auf die Bühne. Sie bieten erneut eine Show, die für mich eher durchwachsen ist. Aber spätestens wenn Jonathan Davis als Zugabe zu seinem Dudelsack greift, hat er auch mich überzeugt. Soundtechnisch aller erste Sahne, aber für meinen Geschmack sind die Psycho-Rocker von KoRn auf der Bühne zu steif.
22:00 Uhr, als Special-Guest des Abends darf in der nächsten Stunde der derzeitig tierisch angesagte JUNKIE XL auf der Bühne seinen Elektro-Sound verbreiten. Trotz des chart-kompatiblen „A little less conversation“ sind seine Klänge doch ziemlich langweilig. Zwar schwingt das Tanzbein im Rhythmus mit, vom Hocker, äh vom Bierfass reißt es mich aber bei weitem nicht.
22:50 Uhr, FAITHLESS betreten die Bühne und ich würde am liebsten das Festivalgelände verlassen. Vor allem nach ihrem letzten komplett misslungenen und strunzlangweiligen Album „Outrospecitve“ haben sie sämtlich geringen Sympathien bei mir verloren. Konnten sie zu Beginn ihrer Karriere noch mit Ohrwürmern Marke „Insomnia“ oder „God is a DJ“ dienen, so sind sie jetzt gänzlich zu einer billigen Trip Hop Kopie mutiert. Auch live kann mich die Band um Sänger Maxi Jazz nicht überzeugen. Ohne die liebliche Dido fällt der Backgroundgesang teilweise sehr schwach aus und live ist die Stimme von Maxi Jazz wirklich grauenhaft. Völlig unverdient wurde so der Platz des Tages-Headliners an eine gänzlich überbewertete Band verschenkt. Da kann man nur noch auf den nächsten Morgen hoffen...
Eine erfrischende Nacht im Hotel später reisen wir gegen 13 Uhr auf dem Gelände an. Noch müssen wir nicht arbeiten, unsere Schicht beginnt erst um 16 Uhr, so dass wir jetzt noch genügend Zeit haben unser nicht benutztes Zelt abzubauen und uns für die Nacht abreisefertig zu machen. Nachdem ich nun fertig mit meinen Vorbereitungen für die Abreise war wollte ich ursprünglich noch ein bisschen Lambretta – den derzeitg heißen Schwedenexport – live genießen, immerhin haben sie mit der blonden Linda Sundblad eine der schönsten Sängerinnen. Doch was musste ich feststellen? Als ich schließlich in der Nähe der Bühne war und meine Ohren geschützt hatte, waren Lambretta mit ihrem Auftritt fertig. Super, mal wieder das typische Jens-Glück.
So verweilte ich die nächste Zeit auf dem Gelände und machte mich auf die Suche nach einem passenden Erinnerungsstück. Zwar wurde ich nicht fündig, keines der T-Shirts entsprach meinen Ansprüchen, aber immerhin konnte ich einige Promo-CDs abgreifen...
15:10 Uhr, GLUECIFER betreten die Bühne. Sänger Biff Malibu ist gänzlich in schwarz gekleidet und verziert sein Kurzarmhemd mit einem weißen Schlips. Mit seinen Bandkollegen präsentiert er eine ziemlich hörbare Punk’n’Roll Mischung die durchaus in die Beine geht. Zwar sind die Kompositionen nicht auf allerhöchstem Niveau, aber dennoch treiben sie die Zuschauer zu ausgelassenem Getanze. Gute Unterhaltung am frühen Nachmittag; nicht mehr, aber auch nicht weniger!
16:10 Uhr, zu Beginn meines Arbeitstages werde ich so gleich mit meinen absoluten live-Favoriten beglückt: die Münchner Rock-Combo SPORTFREUNDE STILLER erklimmen die Bühne und erobern wie immer die Herzen des Publikums. Mit ihren fröhlichen Monologen zum Publikum und ihrer ebenso hervorragenden Song-Präsentation beweisen sie, dass sie nicht länger eine zweitklassige Band sind, sondern deutschlandweit unter den führenden Rock-Combos zu finden sind. Und diesen Status haben sie sich in jahrelanger Kleinstarbeit „fast wie von selbst“ erobert, immerzu spielen sie auf den wichtigsten Festivals des Jahres, immerzu bieten sie Shows der Extraklasse. Aber bevor ich in „ein Kompliment“ der Extraklasse verfalle muss ich gestehen, dass dies definitiv der schwächste Auftritt meiner Sportfreunde-Stiller-Konzert-Geschichte ist, aber auch mit dieser Vorstellung liegen sie noch weit über dem Durchschnitt anderer Bands.
17:10 Uhr, es ist Zeit für den Chefarzt, für den Meister des Wortwitzes, für ein Drittel der besten Band der Welt, für FARIN URLAUB. Zwar wollte dieser eigentlich nicht auf Tour gehen, zumal er erst ein Solo-Album veröffentlicht hat, aber die Möglichkeit nach seinen grandiosen Auftritten bei Rock im Park, beziehungsweise Rock am Ring, noch einmal auf Solopfaden die Bühne zu erklimmen hat, sich dieser nicht nehmen lassen. Erneut erfreut uns der Berliner mit seinen locker-leichten Punk-Rock-Songs, die allesamt jenseits jeglichen Ernstes anzusiedeln sind. Mit seinen Background-Sängerinnen macht er das gesamte Festivalpublikum „glücklich“, ohne seine beiden Assistenzärzte beweist Farin Urlaub große Entertainer-Qualitäten bei denen garantiert kein Auge trocken bleibt. „Phänomenal egal“ bleibt diese Show sicherlich bei keinem und wenn doch so sind diesem Neider sicherlich „1000 Jahre schlechter Sex garantiert“!
18:30 Uhr, die diesjährigen Newcomer PUDDLE OF MUDD wollen die Herzen des Publikums erobern. Und erneut sind sie bei mir gescheitert. Zwar hat die Entdeckung von Limp Bizkit Frontmann Fred Durst mit den bisher ausgekoppelten Singles „Blurry“ und „Control“ zwei richtiger Kracher am Start, die auch live zu zünden wissen – aber daneben präsentieren sie für meinen Geschmack ziemlich viel Füllmaterial.
19:50 Uhr, Mädchenschwarm Brendan Boyd betritt mit seinen Kollegen von INCUBUS die Mainstage. Nach ihrem letztjährigen Kracher „Morning View“ sind meine Erwartungen entsprechend hoch, doch leider werden diese ein wenig enttäuscht. Sicherlich ist Brendan stimmlich gesehen eine wahre Bereicherung des härteren Rocks, aber live konnten sie mich dennoch nicht gänzlich überzeugen, „Pardon me“!
21:45, das Festivalgelände ist zum bersten voll, nachdem nun auch die Second Stage ihre Tore geschlossen haben müsste, pilgern alle zur Mainstage, denn gleich werden die sonntäglichen Headliner DIE TOTEN HOSEN die Bühne im Sturm erobern. Über die Live-Qualitäten der Band muss ich wohl hier nichts mehr schreiben. Trotz einer kleinen Abneigung gegenüber den Düsseldorfer-Proll-Punks muss man einfach gestehen, dass sie eine perfekte Live-Band sind. Mit ihren unzähligen Ohrwürmern sorgen sie für eine ausgelassene Stimmung. Und wenn Campino als krönenden Abschluss auch noch das Bühnengerüst emporklimmt und auf der höchsten Querlatte eine rote Leuchtfackel entzündet, dann ist dies ein brillanter Rausschmeißer für ein auf dem musikalischen Sektor brillantes Festival.
*Allgemeinen Verhältnisse auf dem Bizarre*
Der Ticketpreis war in diesem Jahr mit 89.50 Euro veranschlagt worden. In meinen Augen schon ein stattlicher Preis, dafür bekam man aber erneut hochkarätige Bands geboten. Ebenso war in diesem Preis schon das Camping- und Parkticket mit inbegriffen. Wie letztendlich die Verhältnisse auf den Campingplätzen waren kann ich verständlicherweise nicht aus erster Hand berichten, aber aus zuverlässigen Quellen kann ich garantieren, dass es erneut so geregelt worden ist, dass Autos und Campinggelände strikt getrennt worden sind. In meinen Augen ein Riesenvorteil gegenüber dem großen Bruder Rock am Ring – beziehungsweise Rock im Park – zumal hier einige Campingchaoten ihre Autos mit überdimensionalen Boxen voll stopfen und so den Campingplatz bis in die frühen Morgenstunden mit lautstarker Musik versorgen. Auch wird mit dem Verbot von Glasgegenständen, der unnötigen Verletzungsgefahr vorgebeugt, so dass man durchaus beruhigter barfuss über das Gelände laufen kann.
Bühnentechnisch wurden dem Festivalgänger zwei Locations angeboten. Zumal sich das Gelände auf einem alten Militärflughafen der Briten befindet, wird die kleinere Second-Stage in einem Hangar untergebracht. Laut Angaben des Veranstalters sollen hier 8.000 Besucher Platz finden, für meinen Geschmack wäre dies aber eindeutig zu voll. Hingegen bietet die nur wenige Meter entfernte Mainstage Platz für knapp 40.000 Musikfreunde. Um eine gute Sicht auf selbige zu garantieren befindet sich ein großer Monitor in der Mitte der Bühne. In schwindelerregender Höhe präsentiert dieser bei den wichtigsten Acts – sprich ab circa 16 Uhr – Aufnahmen einer Kamera.
Die hygienischen Verhältnisse der Toiletten waren – wohlgemerkt auf dem Festivalgelände – auf normalen Dixie-Klo-Niveau. Zwar wurden diese mehrmals am Tag geleert, aber freiwillig würde ich niemals auf ein solches gehen. Ein großer Vorteil hingegen waren erneut die Bezahl-Klos – sprich: man entbehrt einen Betrag von 50 Eurocent und kann so auf einem sauberen Toilettenwagen sein Geschäft verrichten. Verständlich, dass hier immerzu lange Schlangen herrschten...
In Sachen Entertainment neben der Musik bietet das Festivalgelände zum wiederholten Male einige Attraktivitäten, die garantiert Abwechslung bieten. Vom Bungee-Jumping über einen Karussell und Kart-Bahn bis hin zu Videospielgeräten (kostenfrei) und einem kleinen Plattenmarkt – damit man so schnell wie möglich, die gerade liebgewonnene Band für daheim käuflich erstehen kann – wird alles geboten, was das Herz begehrt. Verständlich, dass hier auf den begeisterten Festivalgänger Nebenkosten zukommen, die aber alle im normalen Bereich liegen.
Essenstechnisch wurde erneut die gesamte weltweite Palette angeboten. Vom Indianischen über Pizzagerichte bis hin zur klassischen Bratwurst. Hier musste wirklich keiner hungern. Die Preise waren zwar auch hier in schwindelerregende Höhen geschnellt, aber dem knauserigen Festival-Besucher bleibt immer noch die Möglichkeit der Selbstversorgung. Geschmacklich kann ich für meine Verhältnisse vor allem jegliche Pizza von Mario – beziehungsweise von seinem Kollegen Luigi empfehlen. Nicht allzu teuer bieten vor allem die mit Käse und Schinken gefüllten Calazone-Verschnitte Sättigung und Geschmack erster Güte.
Der einzige Negativpunkt des gesamten Festival ist das stark durchwachsene Publikum. War ich im letzten Jahr noch auf dem „Schwester-Festival“ Highfield, welches in meiner persönlichen Hitliste ohne größere Probleme die Pole Position des besten Festivals erobern konnte – unter anderem auch ein Verdienst des familiären Ambientes – so muss ich gestehen, dass ich vom Bizarre etwas enttäuscht wurde. Viele Besucher kamen nur um sich vollaufen zu lassen und benahmen sich dann auch dementsprechend. Neun Festnahmen sprechen wohl ebenso eine deutliche Sprache, die man nicht in die Kategorie familiäres Ambiente einstufen würde.
Ebenso tumultartige Aufstände muss es in der finalen Sonntagnacht gegeben haben, mit Freude wurden die Wagen der Standbetreiber umgeschmissen und vereinzelte Zelte in Brand gesteckt. Ein großer Dank an das asoziale (Entschuldigung für das Wort, nicht jeder hat sich derartig verhalten!) Publikum.
Trauriger Höhepunkt des Festivals war – wie ich am gestrigen Tage von meinem Chef erfahren musste – dann am abschließenden Sonntag der Tod eines kleinen Kindes, welches in einem Teich ertrunken ist. Auch am Rahmen dieses Todes soll es zu einige Festnahmen gekommen sein, zumal einige Anwesende untätig in der Gegend herumstanden und so hoffentlich mit einem ordentlichen Strafmaß gemäß §323c StGB (unterlassene Hilfeleistung) rechnen dürfen.
*Kleine Tipps für den zukünftigen Festivalbesuch*
Als kleine Tipps sei hier für zukünftige Besucher erwähnt, dass man unbedingt an Ohrstöpsel denken sollte, wenn man auch noch in Zukunft das Bedürfnis haben sollte Musik zu hören. Vor allem in den ersten Reihen – die ich leider aufgrund des Arbeitens nur kurzzeitig besuchen konnte, war die Lautstärke enorm und selbst an meinem Bierstand, der gut und gerne fünfzig Meter von der Bühne entfernt war, war der „Lärm“ immer noch derartig ohrenbetäubend, dass ich meine Kollegen, die nahezu alle ohne Ohrenstöpsel herumliefen, nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln bedenken konnte.
Bei der Anreise sollte man hingegen einplanen, dass man nicht der einzige Festival-Besucher ist, so kann es zu den Mittagsstunden des Donnerstages – wie bei jedem größeren Festival – zu enormen Stauungen kommen. Daher lieber etwas früher losfahren und vor verschlossenen Toren warten – beim Bizarre wurde der Campingplatz laut Plan erst um 14 Uhr geöffnet – als zu den Abendstunden in einem meilenweiten Stau stehen und im Auto vor sich hinbrutzeln.
Aufgrund der expliziten Trennung von Park- und Campingplatz sollte man bezüglich der Verpflegung gänzlich auf Glasgegenstände verzichten. Diese werden von der Security ohne große Ansage aussortiert und müssen dann das Wochenende über ein einsames Dasein im höllenheißen Auto verbringen. Daher solltet ihr eure mitgebrachte Nahrung auf Dosenfutter Marke Ravioli oder andere nicht glasige Gegenstände beschränken.
Auch Glasflaschen sind (verständlicherweise) bei der Security nicht gerne gesehen und sollten daher ebenso vermieden werden. Daher sollte man, um Probleme zu vermeiden, seine Getränke auf Plastikflaschen und Tetrapacks einschränken. Hier auch ein kleiner Tipp von meiner Seite. Um die Wirkung der Kühlbox zu verstärken, sollte man die Tetrapacks vor dem Abfahren einfrieren. So kann man bei einer Hitzewelle auch noch am zweiten Tag halbwegs kalte Getränke genießen. Auf dem Festivalgelände selbst sind pro Person ein Tetrapack, beziehungsweise eine Plastikflasche erlaubt.
Gänzlich meinen Bericht abschließend möchte ich das Bizarre-Festival nur mit einer starken Einschränkung empfehlen. Sicherlich bieten die Veranstalter jedes Jahr ein musikalisches Ambiente der Extraklasse, doch wer auf ein wundervoll familiäres Ambiente hofft, wird hier nicht fündig werden. Einige der Zuschauer können ihre Gefühle nicht beherrschen und müssen immer wieder für kleine Tumulte sorgen. Was für mich der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden des Festivals ist. Wer letztendlich die Möglichkeit hat, sollte doch den Weg zum gleichzeitig stattfindenden Highfield-Festival finden, zwar hat dieses nur eine Bühne und dementsprechend nicht das gesamte Line-up des Bizarre-Festivals, aber in Sachen Atmosphäre ist dies die eindeutig beste Wahl des gesamten Festival-Sommers.
Um euch die Navigation durch meinen Bericht zu erleichtern, wurde dieser von mir in zwei Teile gespalten. Die erste Hälfte behandelt vorwiegend die einzelnen Bands des Festivals – wohlgemerkt schreibe ich nicht zu jeder Band etwas nur zu den in meinen Augen wichtigsten werde ich Worte verlieren. Um auf der Suche nach einer bestimmten Band nicht gänzlich den Überblick zu verlieren, wird die jeweilige Band zu Beginn ihres Absatzes in Großbuchstaben geschrieben, was den Effekt hat, dass man beim schnellen Suchen nicht notwendigerweise unnötig lange blättern muss. Der zweite Teil spaltet sich hingegen in die Untergruppen „Kleine Tipps für den zukünftigen Festivalbesuch“ und „Allgemeinen Verhältnisse auf dem Bizarre“.
So genug der einleitenden Worte, es kann losgehen mit dem...
*Musikalischen Teil*
Freitagmorgen, zwanzig Minuten nach fünf – wohlgemerkt morgens! Mein Wecker klingelt. Schlaftrunken pelle ich mich aus meinem gemütlichen Bett und beginne mit der allmorgendlichen Dusche. Sechs Uhr, noch die letzten hygienischen Vorkehrung treffend – man will ja schließlich nicht ohne Zahnpasta auf dem Festival aufkreuzen –, es klopft an mein Fenster. Bestens mein Fahrer ist angekommen und holt mich für die lange Fahrt nach Weeze ab.
Ein kleiner Zeitsprung später: Wir sind angekommen, das riesengroße Festivalgelände liegt vor uns. Doch wo müssen wir hin? Verdutzt fragen wir einen der holländischen Ordner: „Wo ist denn der Eingang für Mitarbeiter?“ Einmal erneut um das ganze Gelände gefahren gelangen wir endlich an unseren Zeltplatz. Noch ermüdet von der langen Fahrt – 290 Kilometer fahren sich schließlich auch nicht von selbst, so dass ich die letzten 150 Kilometer eigenhändig bewältigen musste – machen wir uns an das Aufstellen des mitgebrachten Zeltes, eine Aufgabe die ich als Festival-erprobter Student mittlerweile im Schlaf bewältigen kann. Doch was muss ich da von meinem Mitfahrer erfahren? Wir müssen gar nicht die zwei Nächte campieren? Wir haben von unserem Chef noch zwei Schlafplätze in einem der umliegenden Hotels bekommen? Welche göttliche Botschaft, dass heißt morgens eine saubere Dusche, ohne jeglichen schlammverdreckten Fußboden. Keine Dixie-Klos benutzen, die einen dazutreiben den Gang aufs Klo in weite Ferne zu verschieben.
Um euch nun nicht gänzlich in einen gelangweilten Schlaf zu versetzten, erneut ein kleiner Zeitsprung: Mein Bierstand vor der Mainstage ist auf Vordermann gebracht und wird den ersten Anströmen der Festival-Gänger standhalten. Der modische Colabier-Mix von Diebels – Dimix kurzgenannt – befindet sich in einer Kühltruhe, in die ich mich am liebsten ohne Umschweifen einquartieren würde: Die Sonne brennt auf das Festivalgelände und dennoch wollen die musikbegeisterten Kunden kaum Getränke kaufen. Gelangweilt sitze ich so mit meinen Kollegen an meinem Stand und warte auf das erste Festivalhighlight...
17:45 Uhr, die Bühne wird von BADLY DRAWN BOY in Beschlag genommen. Ich verlasse meinen Bierhahn und stelle mich an die vordere Front des Bierstandes. Einen „kurzen“ Blick auf die Bühne will ich mir hier schließlich nicht entgehen lassen. Und meine Erwartungen waren nicht zu groß. Damon Gough steht in der Mitte der Festivalbühne in seinem typischen Sozialpädagogen-Outfit - Blue Jeans, eine graue Adidas-Jacke und sein Markenzeichen: eine Wollmütze – und bietet einen hervorragenden Pop-Rock-Mix, der die vorhergehenden Bands nahezu komplett erblassen lässt. Zwar bietet Damon Gough keine halsbrecherischen Showeinlagen, aber wer erwartet so etwas schon von dem schüchtern-wirkenden Briten?
19:00 Uhr, die Masse bewegt sich auf die Bühne zu, das erste massenkompatible Highlight betritt selbige: NICKELBACK. Angeführt von ihrem Sänger Chad Kroeger können sie mich bei weitem nicht überzeugen. Zwar ist ihre Show energiegeladener als die ihres Vorgängers, aber musikalisch liegen zwischen Badly Drawn Boy und Nickelback Welten. War das erste Album „The State“ noch eine gute Alternative-Rock-Scheibe, die man sich ohne größere Qualen im Hintergrund anhören konnte, so ist der Nachfolger „Silver Side up“ doch ziemlich durchwachsen. Einige hörbare Songs – unter ihnen natürlich auch der Durchbruchssong „How you remind me“ – und viel unnötiges Füllmaterial. Der Masse gefällt der Auftritt der Kanadier augenscheinlich mehr als mir kritischen Zeitgenossen. Sie feiern die neuen Sterne am Rockhimmel und singen begeistert bei den bekannten Hits mit. Ob es nun der sterbenslangweilige „Spider-Man“ Beitrag „Hero“ ist oder das finale „How you remind me“, Nickelback haben die Masse in der Hand.
20:45 Uhr, freudestrahlend gucke ich auf die Bühne. Arbeiten? Was ist das? Die vier sympathischen Jungs von JIMMY EAT WORLD erobern die Bühne und bieten eine Rock-Show der Extraklasse. Keine unnötigen Effekte, nur die Amerikaner mit ihren Instrumenten. Emo-Core der aller ersten Güte. Ob ruhigere Songs wie „Lucky Denver Mint“ oder gitarrenlastigere Stücke wie „The Middle“, die Masse genießt die Show genauso wie meinereiner. Und so kann ich auf meiner langen Liste von Bands, welche ich in meinem weiteren Leben noch live sehen möchte, erneut einen kleinen Haken neben Jimmy eat World machen. Oder vielleicht lasse ich es auch, dann gucke ich mir die sympathischen Amerikaner halt noch mal an und bilde mir ein es wäre das „erste Mal“...
22:10 Uhr, der Headliner des ersten Tages macht sich auf den Weg zur Bühne. Die Spannung steigt, wie werden die CHEMICAL BROTHERS bei dem gitarrengewöhnten Publikum ankommen? Zwar leert sich das Festivalgelände, doch die verbleibende Masse kann eindeutig eines der Festival-Highlights bestaunen. Ist die Bühne zu Beginn in tiefste Schwärze gehüllt, so kann man mit Einsetzen der ersten Beats eine perfekte Lightshow begutachten. Die hämmernden Rhythmen gehen ins Blut und mein Tanzbein ist seit einer Ewigkeit im Einsatz, zwar verspottet von den musikalischen Banausen (den Kollegen, Anmerkung der Redaktion), aber das ist mir egal. Tanzend zapfe ich den Kunden ihr Bier und genieße den Auftritt der chemischen Brüder. Zwar gab es im Mittelteil der Show einen kleinen Durchhänger – vor allem die Songs des neusten Albums konnten mich nicht überzeugen – sobald aber großartige elektronische Kompositionen wie „Hey Boy, hey Girl“ oder der ultimative Sterngucker-Song „the Sunshine Underground“ durch die Lautsprecher erklingen, ist garantiert beste Tanzstimmung angesagt. Auch die geniale Lightshow und die später einsetzenden „expressionistischen“ Filmchen – die über den einzigen Bildschirm der Bühne flackern – untermalen perfekt die elektrolastigen Kompositionen der chemischen Brüder.
Der erste Tag neigt sich nun endlich dem Ende entgegen. Erschöpft von der Arbeit fahren wir in unser Hotel. Nach einer erfrischenden Dusche, die die verspannten Muskeln etwas zu lockern wusste, steige ich in mein Bett und muss feststellen, dass ich eine ultraweiche Matratze unter mir habe. Da kann ich ja schon die nächsten Verspannung direkt einplanen.
Trotz der körperlichen Müdigkeit zappe ich noch ein letztes Mal durch die nächtlichen Fernsehprogramme, vielleicht finde ich doch noch die Ergebnisse der freitäglichen Spiele der zweiten Liga. Doch mein wildes Umhergezappe verharrt auf dem WDR. Komisch sind das nicht Morcheeba? Und spielen die nicht gerade auf der zweiten Bühne des Bizarre-Festivals? Wie interessant, der WDR Rockpalast bietet auch in diesem Jahr eine Live-Übertragung des Festivals. So genieße ich die entspannten Sounds und den relaxten Gesang der Frontfrau und entschwinde langsam in Morpheus Reich.
Der nächste Tag bricht herein, nach einem ausgiebigen Frühstück auf dem „Marktplatz“ Uemdens begeben wir uns zurück auf das Festival-Gelände. Arbeiten ist wieder angesagt. Doch ähnlich wie am vorgehenden Tage sind die Festival-Gänger mit sehr wenigen Getränken zufrieden zustellen. Liegt es an den Preisen? Zwei Euro und fünfzig Eurocent für ein 0.3er Getränken sind doch für Festival-Verhältnisse wirklich sehr humane Preise und auch im Vergleich zu einigen Kneipen in meiner Umgebung sind das Unterschiede von nicht einmal fünfzig Eurocent. Oder liegt es vielleicht daran, dass die Zuschauer noch sehr gut mit eigenen Getränken versorgt sind? Oder mag die Masse etwa kein Alt-Bier? Wieso nur, dabei schmeckt doch Diebels so lecker? Alles Banausen! Nun ja, mir soll es egal sein, so kann ich mich um einiges besser auf die Bühne konzentrieren.
Nach der Eröffnung des zweiten Tages mit dem letztjährigen Gewinner des Newcomer-Wettbewerbs durch Lacuna – die durchaus das gewisse Talent haben um energiegeladenen Rock auf die Bühne zu bringen; aber dennoch merkt man ihnen die fehlende Erfahrung an – erwartet mich bis um 14 Uhr 15 musikalische Magerkost. Trust Co. sind ein simpler KoRn-Verschnitt und werden wohl auf ewig im Schatten der großen Vorbilder bleiben, doch dann schlägt meine Stunde: PHANTOM PLANET erscheinen auf der Mainstage. Wer sich in meiner ciao-Vergangenheit etwas besser auskennt, weiß wie sehr es mir die fünf Kalifornier mit ihrem energiegeladenen Pop-Rock angetan haben. Und nachdem ich beim diesjährigen Rock im Park-Festival nur einen kurzen Blick – der aber schon sehr beeindruckend war – auf die Combo werfen konnte, freute ich mich wie eine kleines Kind am Weihnachtsabend auf den bevorstehenden Auftritt. Und ich wurde definitiv nicht enttäuscht! Die Jungs haben eine unbändige Energie, die sie zu einer ausgelassenen Bühneshow vorantreibt, Jason Schwarzmann tobt hinter seinen Drums und treibt die saiteninstrumentspielenden Bandkollegen zu Höchstleistungen. Am liebsten würde Schwarzmann seine Drums verlassen und sich auf der Bühne richtig austoben – hier und da spielt er immer mal wieder im Stehen oder springt mit einer Wucht von seinem Stuhl. Und auch seine über die Bühne tobenden Freunde wissen wie man ausgelassen feiert. Sie toben über die Bühne und bieten eine exzellente Rockshow. Und trotz ihres Getobes vernachlässigen sie nicht den gewohnt hochwertigen Sound. Ihr alternativer Sommerhit „California“ wird mit Begeisterung vom Publikum aufgenommen und der abschließende Rausschmeißer – ich müsste lügen, wenn ich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen könnte, dass es „All over again“ war – wird durch die artistischen Fähigkeiten Alexander Greenwalds (der Sänger) aufgewertet. Mit unglaublicher Leichtigkeit klettert er das Bühnengerüst empor und singt die finalen Klänge aus schwindelerregender Höhe. Sichtlich glücklich verschwinde ich wieder hinter meinem Bierhahn und versuche verzweifelt das leckere Diebels an den Mann zu bringen. Wieso will denn niemand was trinken?? Mir ist langweilig.
Die Folgezeit ist ähnlich schwerfällig wie der Tagesbeginn. The Cooper Temple Cause überraschen mit experimentelleren Klängen, können mich aber dennoch nicht gänzlich überzeugen und Filter sind eine große Enttäuschung, so dass ich mich um 17 Uhr auf den Weg zur zweiten Bühne mache. Obwohl ich die drei Wahlhamburger von TOCOTRONIC in diesem Jahr schon dreimal live genießen konnte, wollte ich einen erneuten Blick auf die Rockcombo werfen. Nachdem mich einer der „netten“ Ordner trotz meines Mitarbeiter-Bändels nicht durch den Ausgang hineinlassen wollte, musste ich mich wohl oder übel durch die Masse quälen und konnte so lediglich die abschließenden drei Songs noch live verfolgen.
So begab ich mich erneut zurück zur Mainstage und konnte eine der besten Bands des gesamten Festivals begutachten. Zwar sind MOTORPSYCHO mit ihrem teilweise sehr experimentellen Sound nicht für ein großes Massenpublikum geeignet, wer aber auf der Suche nach großen Kompositionen ist, wird hier garantiert fündig. Eine atemberaubende Melange aus Saiten- und Blasinstrumenten garantieren besten Rock aus dem kalten Norwegen. Zwar wurde auch von Motorpsycho keine explosive Live-Show geboten, aber mit einem kleinen Verweis auf die oberen Zeilen: Wer erwartet so etwas bei Motorpsycho?
18:50 Uhr, erneut wird die Bühne von einer absoluten Kult-Band in Beschlag genommen: Die Punkrocker von TURBONEGRO, die im Publikum eine enorme Menge an Fans hatten – einer mit dem ich mich kurzzeitig unterhielt, erzählte mir, dass er extra aus Norwegen angereist sei, um „seine“ Band zu sehen. Mit schwarz-geschminkten Augen hält es der Sänger Hank von Helvete nicht langer in seiner klassischen Turbonegor-Kluft – sprich: dunkle Blue Jeans mit dazupassender Jeans-Jacke; ein Outfit, das man auf dem Festival in Mengen begutachten konnte – aus, mit nacktem Oberkörper – inklusive Rettungsringansatz – bringt Sänger Hank von Helvete das Publikum innerhalb kürzester Zeit unter seine Kontrolle. Er erzählt von seiner Vergangenheit (Alkohol und Drogen) und bekräftigt, dass er endlich wieder komplett auf dem Dampfer ist. Eine Aussage die man nur unterschreiben kann. Zwar bieten die Norweger keine tiefgreifenden Songs, dafür aber Punk-Rock der aller ersten Kategorie. Dreckig, schnell und ohne jeglichen Sinn! Eine energiegeladene Show, die definitiv zu den Highlights des Festivals zählt.
20:30 Uhr, das Festivalgelände um die Mainstage füllt sich zusehends und mit KORN kommen die wahren Headliner auf die Bühne. Sie bieten erneut eine Show, die für mich eher durchwachsen ist. Aber spätestens wenn Jonathan Davis als Zugabe zu seinem Dudelsack greift, hat er auch mich überzeugt. Soundtechnisch aller erste Sahne, aber für meinen Geschmack sind die Psycho-Rocker von KoRn auf der Bühne zu steif.
22:00 Uhr, als Special-Guest des Abends darf in der nächsten Stunde der derzeitig tierisch angesagte JUNKIE XL auf der Bühne seinen Elektro-Sound verbreiten. Trotz des chart-kompatiblen „A little less conversation“ sind seine Klänge doch ziemlich langweilig. Zwar schwingt das Tanzbein im Rhythmus mit, vom Hocker, äh vom Bierfass reißt es mich aber bei weitem nicht.
22:50 Uhr, FAITHLESS betreten die Bühne und ich würde am liebsten das Festivalgelände verlassen. Vor allem nach ihrem letzten komplett misslungenen und strunzlangweiligen Album „Outrospecitve“ haben sie sämtlich geringen Sympathien bei mir verloren. Konnten sie zu Beginn ihrer Karriere noch mit Ohrwürmern Marke „Insomnia“ oder „God is a DJ“ dienen, so sind sie jetzt gänzlich zu einer billigen Trip Hop Kopie mutiert. Auch live kann mich die Band um Sänger Maxi Jazz nicht überzeugen. Ohne die liebliche Dido fällt der Backgroundgesang teilweise sehr schwach aus und live ist die Stimme von Maxi Jazz wirklich grauenhaft. Völlig unverdient wurde so der Platz des Tages-Headliners an eine gänzlich überbewertete Band verschenkt. Da kann man nur noch auf den nächsten Morgen hoffen...
Eine erfrischende Nacht im Hotel später reisen wir gegen 13 Uhr auf dem Gelände an. Noch müssen wir nicht arbeiten, unsere Schicht beginnt erst um 16 Uhr, so dass wir jetzt noch genügend Zeit haben unser nicht benutztes Zelt abzubauen und uns für die Nacht abreisefertig zu machen. Nachdem ich nun fertig mit meinen Vorbereitungen für die Abreise war wollte ich ursprünglich noch ein bisschen Lambretta – den derzeitg heißen Schwedenexport – live genießen, immerhin haben sie mit der blonden Linda Sundblad eine der schönsten Sängerinnen. Doch was musste ich feststellen? Als ich schließlich in der Nähe der Bühne war und meine Ohren geschützt hatte, waren Lambretta mit ihrem Auftritt fertig. Super, mal wieder das typische Jens-Glück.
So verweilte ich die nächste Zeit auf dem Gelände und machte mich auf die Suche nach einem passenden Erinnerungsstück. Zwar wurde ich nicht fündig, keines der T-Shirts entsprach meinen Ansprüchen, aber immerhin konnte ich einige Promo-CDs abgreifen...
15:10 Uhr, GLUECIFER betreten die Bühne. Sänger Biff Malibu ist gänzlich in schwarz gekleidet und verziert sein Kurzarmhemd mit einem weißen Schlips. Mit seinen Bandkollegen präsentiert er eine ziemlich hörbare Punk’n’Roll Mischung die durchaus in die Beine geht. Zwar sind die Kompositionen nicht auf allerhöchstem Niveau, aber dennoch treiben sie die Zuschauer zu ausgelassenem Getanze. Gute Unterhaltung am frühen Nachmittag; nicht mehr, aber auch nicht weniger!
16:10 Uhr, zu Beginn meines Arbeitstages werde ich so gleich mit meinen absoluten live-Favoriten beglückt: die Münchner Rock-Combo SPORTFREUNDE STILLER erklimmen die Bühne und erobern wie immer die Herzen des Publikums. Mit ihren fröhlichen Monologen zum Publikum und ihrer ebenso hervorragenden Song-Präsentation beweisen sie, dass sie nicht länger eine zweitklassige Band sind, sondern deutschlandweit unter den führenden Rock-Combos zu finden sind. Und diesen Status haben sie sich in jahrelanger Kleinstarbeit „fast wie von selbst“ erobert, immerzu spielen sie auf den wichtigsten Festivals des Jahres, immerzu bieten sie Shows der Extraklasse. Aber bevor ich in „ein Kompliment“ der Extraklasse verfalle muss ich gestehen, dass dies definitiv der schwächste Auftritt meiner Sportfreunde-Stiller-Konzert-Geschichte ist, aber auch mit dieser Vorstellung liegen sie noch weit über dem Durchschnitt anderer Bands.
17:10 Uhr, es ist Zeit für den Chefarzt, für den Meister des Wortwitzes, für ein Drittel der besten Band der Welt, für FARIN URLAUB. Zwar wollte dieser eigentlich nicht auf Tour gehen, zumal er erst ein Solo-Album veröffentlicht hat, aber die Möglichkeit nach seinen grandiosen Auftritten bei Rock im Park, beziehungsweise Rock am Ring, noch einmal auf Solopfaden die Bühne zu erklimmen hat, sich dieser nicht nehmen lassen. Erneut erfreut uns der Berliner mit seinen locker-leichten Punk-Rock-Songs, die allesamt jenseits jeglichen Ernstes anzusiedeln sind. Mit seinen Background-Sängerinnen macht er das gesamte Festivalpublikum „glücklich“, ohne seine beiden Assistenzärzte beweist Farin Urlaub große Entertainer-Qualitäten bei denen garantiert kein Auge trocken bleibt. „Phänomenal egal“ bleibt diese Show sicherlich bei keinem und wenn doch so sind diesem Neider sicherlich „1000 Jahre schlechter Sex garantiert“!
18:30 Uhr, die diesjährigen Newcomer PUDDLE OF MUDD wollen die Herzen des Publikums erobern. Und erneut sind sie bei mir gescheitert. Zwar hat die Entdeckung von Limp Bizkit Frontmann Fred Durst mit den bisher ausgekoppelten Singles „Blurry“ und „Control“ zwei richtiger Kracher am Start, die auch live zu zünden wissen – aber daneben präsentieren sie für meinen Geschmack ziemlich viel Füllmaterial.
19:50 Uhr, Mädchenschwarm Brendan Boyd betritt mit seinen Kollegen von INCUBUS die Mainstage. Nach ihrem letztjährigen Kracher „Morning View“ sind meine Erwartungen entsprechend hoch, doch leider werden diese ein wenig enttäuscht. Sicherlich ist Brendan stimmlich gesehen eine wahre Bereicherung des härteren Rocks, aber live konnten sie mich dennoch nicht gänzlich überzeugen, „Pardon me“!
21:45, das Festivalgelände ist zum bersten voll, nachdem nun auch die Second Stage ihre Tore geschlossen haben müsste, pilgern alle zur Mainstage, denn gleich werden die sonntäglichen Headliner DIE TOTEN HOSEN die Bühne im Sturm erobern. Über die Live-Qualitäten der Band muss ich wohl hier nichts mehr schreiben. Trotz einer kleinen Abneigung gegenüber den Düsseldorfer-Proll-Punks muss man einfach gestehen, dass sie eine perfekte Live-Band sind. Mit ihren unzähligen Ohrwürmern sorgen sie für eine ausgelassene Stimmung. Und wenn Campino als krönenden Abschluss auch noch das Bühnengerüst emporklimmt und auf der höchsten Querlatte eine rote Leuchtfackel entzündet, dann ist dies ein brillanter Rausschmeißer für ein auf dem musikalischen Sektor brillantes Festival.
*Allgemeinen Verhältnisse auf dem Bizarre*
Der Ticketpreis war in diesem Jahr mit 89.50 Euro veranschlagt worden. In meinen Augen schon ein stattlicher Preis, dafür bekam man aber erneut hochkarätige Bands geboten. Ebenso war in diesem Preis schon das Camping- und Parkticket mit inbegriffen. Wie letztendlich die Verhältnisse auf den Campingplätzen waren kann ich verständlicherweise nicht aus erster Hand berichten, aber aus zuverlässigen Quellen kann ich garantieren, dass es erneut so geregelt worden ist, dass Autos und Campinggelände strikt getrennt worden sind. In meinen Augen ein Riesenvorteil gegenüber dem großen Bruder Rock am Ring – beziehungsweise Rock im Park – zumal hier einige Campingchaoten ihre Autos mit überdimensionalen Boxen voll stopfen und so den Campingplatz bis in die frühen Morgenstunden mit lautstarker Musik versorgen. Auch wird mit dem Verbot von Glasgegenständen, der unnötigen Verletzungsgefahr vorgebeugt, so dass man durchaus beruhigter barfuss über das Gelände laufen kann.
Bühnentechnisch wurden dem Festivalgänger zwei Locations angeboten. Zumal sich das Gelände auf einem alten Militärflughafen der Briten befindet, wird die kleinere Second-Stage in einem Hangar untergebracht. Laut Angaben des Veranstalters sollen hier 8.000 Besucher Platz finden, für meinen Geschmack wäre dies aber eindeutig zu voll. Hingegen bietet die nur wenige Meter entfernte Mainstage Platz für knapp 40.000 Musikfreunde. Um eine gute Sicht auf selbige zu garantieren befindet sich ein großer Monitor in der Mitte der Bühne. In schwindelerregender Höhe präsentiert dieser bei den wichtigsten Acts – sprich ab circa 16 Uhr – Aufnahmen einer Kamera.
Die hygienischen Verhältnisse der Toiletten waren – wohlgemerkt auf dem Festivalgelände – auf normalen Dixie-Klo-Niveau. Zwar wurden diese mehrmals am Tag geleert, aber freiwillig würde ich niemals auf ein solches gehen. Ein großer Vorteil hingegen waren erneut die Bezahl-Klos – sprich: man entbehrt einen Betrag von 50 Eurocent und kann so auf einem sauberen Toilettenwagen sein Geschäft verrichten. Verständlich, dass hier immerzu lange Schlangen herrschten...
In Sachen Entertainment neben der Musik bietet das Festivalgelände zum wiederholten Male einige Attraktivitäten, die garantiert Abwechslung bieten. Vom Bungee-Jumping über einen Karussell und Kart-Bahn bis hin zu Videospielgeräten (kostenfrei) und einem kleinen Plattenmarkt – damit man so schnell wie möglich, die gerade liebgewonnene Band für daheim käuflich erstehen kann – wird alles geboten, was das Herz begehrt. Verständlich, dass hier auf den begeisterten Festivalgänger Nebenkosten zukommen, die aber alle im normalen Bereich liegen.
Essenstechnisch wurde erneut die gesamte weltweite Palette angeboten. Vom Indianischen über Pizzagerichte bis hin zur klassischen Bratwurst. Hier musste wirklich keiner hungern. Die Preise waren zwar auch hier in schwindelerregende Höhen geschnellt, aber dem knauserigen Festival-Besucher bleibt immer noch die Möglichkeit der Selbstversorgung. Geschmacklich kann ich für meine Verhältnisse vor allem jegliche Pizza von Mario – beziehungsweise von seinem Kollegen Luigi empfehlen. Nicht allzu teuer bieten vor allem die mit Käse und Schinken gefüllten Calazone-Verschnitte Sättigung und Geschmack erster Güte.
Der einzige Negativpunkt des gesamten Festival ist das stark durchwachsene Publikum. War ich im letzten Jahr noch auf dem „Schwester-Festival“ Highfield, welches in meiner persönlichen Hitliste ohne größere Probleme die Pole Position des besten Festivals erobern konnte – unter anderem auch ein Verdienst des familiären Ambientes – so muss ich gestehen, dass ich vom Bizarre etwas enttäuscht wurde. Viele Besucher kamen nur um sich vollaufen zu lassen und benahmen sich dann auch dementsprechend. Neun Festnahmen sprechen wohl ebenso eine deutliche Sprache, die man nicht in die Kategorie familiäres Ambiente einstufen würde.
Ebenso tumultartige Aufstände muss es in der finalen Sonntagnacht gegeben haben, mit Freude wurden die Wagen der Standbetreiber umgeschmissen und vereinzelte Zelte in Brand gesteckt. Ein großer Dank an das asoziale (Entschuldigung für das Wort, nicht jeder hat sich derartig verhalten!) Publikum.
Trauriger Höhepunkt des Festivals war – wie ich am gestrigen Tage von meinem Chef erfahren musste – dann am abschließenden Sonntag der Tod eines kleinen Kindes, welches in einem Teich ertrunken ist. Auch am Rahmen dieses Todes soll es zu einige Festnahmen gekommen sein, zumal einige Anwesende untätig in der Gegend herumstanden und so hoffentlich mit einem ordentlichen Strafmaß gemäß §323c StGB (unterlassene Hilfeleistung) rechnen dürfen.
*Kleine Tipps für den zukünftigen Festivalbesuch*
Als kleine Tipps sei hier für zukünftige Besucher erwähnt, dass man unbedingt an Ohrstöpsel denken sollte, wenn man auch noch in Zukunft das Bedürfnis haben sollte Musik zu hören. Vor allem in den ersten Reihen – die ich leider aufgrund des Arbeitens nur kurzzeitig besuchen konnte, war die Lautstärke enorm und selbst an meinem Bierstand, der gut und gerne fünfzig Meter von der Bühne entfernt war, war der „Lärm“ immer noch derartig ohrenbetäubend, dass ich meine Kollegen, die nahezu alle ohne Ohrenstöpsel herumliefen, nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln bedenken konnte.
Bei der Anreise sollte man hingegen einplanen, dass man nicht der einzige Festival-Besucher ist, so kann es zu den Mittagsstunden des Donnerstages – wie bei jedem größeren Festival – zu enormen Stauungen kommen. Daher lieber etwas früher losfahren und vor verschlossenen Toren warten – beim Bizarre wurde der Campingplatz laut Plan erst um 14 Uhr geöffnet – als zu den Abendstunden in einem meilenweiten Stau stehen und im Auto vor sich hinbrutzeln.
Aufgrund der expliziten Trennung von Park- und Campingplatz sollte man bezüglich der Verpflegung gänzlich auf Glasgegenstände verzichten. Diese werden von der Security ohne große Ansage aussortiert und müssen dann das Wochenende über ein einsames Dasein im höllenheißen Auto verbringen. Daher solltet ihr eure mitgebrachte Nahrung auf Dosenfutter Marke Ravioli oder andere nicht glasige Gegenstände beschränken.
Auch Glasflaschen sind (verständlicherweise) bei der Security nicht gerne gesehen und sollten daher ebenso vermieden werden. Daher sollte man, um Probleme zu vermeiden, seine Getränke auf Plastikflaschen und Tetrapacks einschränken. Hier auch ein kleiner Tipp von meiner Seite. Um die Wirkung der Kühlbox zu verstärken, sollte man die Tetrapacks vor dem Abfahren einfrieren. So kann man bei einer Hitzewelle auch noch am zweiten Tag halbwegs kalte Getränke genießen. Auf dem Festivalgelände selbst sind pro Person ein Tetrapack, beziehungsweise eine Plastikflasche erlaubt.
Gänzlich meinen Bericht abschließend möchte ich das Bizarre-Festival nur mit einer starken Einschränkung empfehlen. Sicherlich bieten die Veranstalter jedes Jahr ein musikalisches Ambiente der Extraklasse, doch wer auf ein wundervoll familiäres Ambiente hofft, wird hier nicht fündig werden. Einige der Zuschauer können ihre Gefühle nicht beherrschen und müssen immer wieder für kleine Tumulte sorgen. Was für mich der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden des Festivals ist. Wer letztendlich die Möglichkeit hat, sollte doch den Weg zum gleichzeitig stattfindenden Highfield-Festival finden, zwar hat dieses nur eine Bühne und dementsprechend nicht das gesamte Line-up des Bizarre-Festivals, aber in Sachen Atmosphäre ist dies die eindeutig beste Wahl des gesamten Festival-Sommers.
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