Bundeswehr Grundausbilung Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoerner2001

\"Im Namen der Bundesrepublik Deutschland...

Pro:

Kameradschaft, Herausfordernd

Kontra:

Beschäftigungstherapie in der Grundausbildung

Empfehlung:

Ja

... ernenne ich Sie mit sofortiger Wirkung zum Obergefreiten. Für den Bundesminister der Verteidigung,...\".

Diesen Satz zu hören, stellte mich in höchsten Maße zufrieden. Noch die OG-Schulterklappen vom \"Spieß\" in die Hand gedrückt bekommen und schon fühlt man sich um einiges besser. Meine Karriere in der Bundeswehr ging, wie die eines jeden W9ers, (Grundwehrdienstleistender) \"steil bergauf\". Innerhalb von 3 Monaten 2 Beförderungen und 2 Gehaltsstufen, das ist doch was. Wer kann das schon von sich behaupten?

Aber eh es soweit war musste ich schon einiges über mich ergehen lassen.


1. Die Allgemeine Grundausbildung (AGA) im Jahrhundertsommer - Von Kameradschaft, Dummfick und Rekrutenprüfung

2. Beförderung und Versetzung in eine neue Einheit

3. Der größte Feind des Soldaten: Der Stab

4. Schlussgedanken eines scheidenden Soldaten



1. Die Allgemeine Grundausbildung (AGA) im Jahrhundertsommer – Von Kameradschaft, Dummfick und Rekrutenprüfung
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Was dachte ich mir eigentlich dabei mich im Juli einziehen zu lassen? Nach der Musterung im Januar 2003, und mitten im Abiturstress versinkend, wollte ich nur recht schnell den Bund hinter mich bringen und dann mit dem Studium anfangen – also gleich nach dem ABI.

Der erste Tag in der Bundeswehr sollte nicht gerade der Schönste werden. Noch leicht geschwächt vom ABI-Ball machte ich mich also auf den Weg nach Erfurt. Auf meiner Einberufung stand 6. Fernmeldebatallion 383, was sich schon mal nicht allzu schlecht anhörte. Ich wollte es nämlich schon von vornherein vermeiden zu den Panzergrenadieren oder gar Jägern zu kommen. Meine Stube (ich habe es immer Zimmer genannt, aber in der Bundeswehr heißt es nun mal Stube) war schon früh um 11 Uhr komplett und das freute unseren Gruppenführer (Feldwebel M., mittlerweile schon Oberfeldwebel) sehr, denn die Spielchen mit Meldung machen usw. fingen für uns schon etwas früher an als für alle anderen in der Kompanie.

Um das mit der Meldung mal für einen Außenstehenden zu erklären. In der Grundausbildung (im folgenden AGA abgekürzt) müssen die in der Stube befindlichen Kameraden aufspringen und die Grundstellung einnehmen. Einer, der sich spontan oder nach Absprache bereit erklärt die Meldung zu machen, trällert dem Vorgesetzten dann einen schönen Satz vor in dem beschrieben wird, wie viele Kameraden auf der Stube sind und was gerade gemacht wird (Gruppendiskussion ist immer eine gute Antwort). Aber nicht nur die Meldung nervt auf Dauer. Die Spielchen von Antreten und wieder Wegtreten in möglichst kurzer Zeit auf dem Gang sind auf Dauer schon recht belastend. Eingangs erwähnte ich bereits, dass es mir gesundheitlich am Anfang nicht so gut ging. Es stellte sich dann heraus, dass es eine Grippe war, aber irgendwie hielt es der Arzt nicht für nötig mich krank zu schreiben oder sonstiges zu unternehmen.

Nun ja, so mittlerweile hatte man die ganzen Sachen verinnerlicht, die wichtig waren (Meldung, Antreten, Anzugsordnung etc.) und so langsam gingen auch die Tage an denen nur Unterricht war (meist Schlafenszeit für die gestressten Rekruten) vorbei und es wurde etwas praktischer. Einwöchige intensive Sanitätsausbildung mit abschließendem Test und einige sportliche Leistungstests wurden verlangt. Nun wurde es langsam richtig interessant für mich, denn wir bekamen die ersten Waffen in die Hand. Ich bin kein Waffennarr, aber die Technik faszinierte mich irgendwie. In meiner Einheit wurde schon das G36 verwendet, was viele als Plastikgewehr oder Spielzeugwaffe bezeichnen, da es aufgrund des kleineren Kalibers im Vergleich zum alten G3 auch kleinere Löcher macht. Das es genauso töten kann, wollten die meisten dann nicht hören. Manche G3 sind mittlerweile schon 3 mal so alt wie manche Rekruten und der Ruf nach einer handlicheren Waffe wurde auch laut.

Die Ausbildung an den Waffen fand prinzipiell 0,5 km vom Block auf der sog. Ausbildungswiese entfernt statt. Unnötigerweise mussten wir jedes Mal die komplette Ausrüstung für’s Feld mitschleppen. Eines Nachtmittags fiel es meinem Gruppenführer auch noch ein zurückzujoggen... und das in der 3. Woche. Das schaffte einige, mich inklusive, ganz schön. Aber im Nachhinein bin ich dankbar dafür sonst hätte ich auf den Märschen Probleme gehabt.

Die ersten Geländetage ließen auch nicht lang auf sich warten. Marsch zu Fuß mit ganzem Gepäck auf den sog. Drosselberg, von den Rekruten auch Drosselacker genannt. Das war schon ganz schön anstrengend, vor allem als es dann so ca. 1,5km bergauf ging. Angemerkt sei hierbei, dass es an jenem Tag 27°C im Schatten waren und wir mussten mit Helm und Handschuhen laufen! Oben angekommen hieß es Lager einrichten und die Klappe halten, denn es ist ja schließlich Krieg und der Feind kann ja überall sein... Überflüssigerweise fing es dann irgendwie an zu donnern. Ich war mir nicht sicher ob es eine Laune der Natur war, oder man uns irgendwas von Panzern simulieren wollte. Naja, es war dann doch ein Gewitter und es regnete heftigst. Mit nassem Holz Feuer machen ist auch ein Spaß gewesen... im Alarmposten liegen und langsam im Schlamm zu versinken ebenfalls. Das wäre alles nur halb so wild gewesen wenn ich mir nicht riesige Blasen an den Fersen gelaufen hätte.

Die Nacht war dann natürlich auch schön frisch und vor allem schlaflos dank des ständigen Alaaaaaaaarrrrmmms. Von den ständigen Störungen wegen Manövermunition beim Feuerkampf ganz abzusehen. So zog sich dann die ganze AGA hin. Ich hatte 8 Gefechtsausbildungen, inklusive 100 Sterne-Übernachtung unter freiem Himmel bei jedem erdenklichen Wetter, 20km Gefechtsmarsch in 2:20h, Sporteinheiten jeden Tag, einen angenehmen Reinigungsplan (Toilette!!), penibel kontrollierende Ausbilder in jeder Beziehung (Anzugsordnung, Reinigung von Stube und Toilette etc.) und tolle Kameraden in meiner Gruppe und das meine ich ernst. Der Zusammenhalt stimmte denn wir saßen letztendlich alle in einem Boot.
Im großen und ganzen habe ich auch allerhand mit Waffen hantiert. Ich habe geschossen: G-36 (Gewehr), P-8 (Pistole), Panzerfaust, Granatpistole, MG-3 (nicht scharf, nur Manöver) und sogar Gefechtshandgranaten. Das Zeugs wummst ganz schön und man sollte immer den Gehörschutz drin haben.

Der Abschluss der AGA fand sich dann im feierlichen Gelöbnis, was auch 1-stündiges Rumstehen beinhaltete. \"Ich gelobe der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.\" Mit viel Tammtamm nahmen ca. 700 Rekruten am Gelöbnis teil um dann alsbald als Gefreite die Bundeswehr unsicher zu machen.


2. Beförderung und Versetzung in eine neue Einheit
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Nachdem ich am 1.10.2003 zum Gefreiten befördert wurde, hieß es Abschied nehmen von den alten Kameraden. Ich sollte anfangs in Fernmeldebatallion bleiben und Aufgaben im Stab übernehmen, kam dann aber doch ins WBK III, ebenfalls in Erfurt stationiert. Anfangs war ich mir nicht sicher ob das wirklich der Hit ist, da ich im Fernmeldebatallion noch viele Kameraden kannte, im WBK III, hingegen nur eine Handvoll.

Was mich im WBK erwartete, überraschte mich sehr. Klar, ich war Stabsdienstsoldat, aber das... Als ich mich mit Meldung (wie in der AGA gelernt) zum Dienst meldete, wurde mir in meiner Abteilung die Hand entgegengestreckt. Verwundert schüttelte ich die Hand und beantwortete noch etwas verängstigt die Fragen meines Abteilungsleiters (Oberst i.G. seines Zeichens).

Natürlich gab es da noch ein paar Formalitäten zu erledigen (Schulterklappen abholen etc.). Meine Stube musste ich auch noch beziehen und sehr zu meiner Freude stellte ich fest, dass sie frisch renoviert wurde. Mit anderen 4 Kameraden bezog ich die Stube, von denen ich nur 2 kannte. Aber wir lernten uns schnell kennen und kommen gut miteinander aus.


3. Der größte Feind des Soldaten: Der Stab
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So sagt man in den grünen Kompanien (Kampfkompanien), denn die Umgangsformen im Stab sind etwas anders als die in den kämpfenden Kompanien. Wo ein Stabsunteroffizier noch viel bedeutete, sehe ich im WBK nur Leute von Hauptfeldwebel und Hauptmann aufwärts. In meiner Abteilung gibt es 3 Obergefreite und 2 Gefreite und im Gegenstück 8 Oberstleutnante und einen Oberst. Der Dienststellenleiter ist sogar ein Generalmajor, so was sehen normale Grundwehrdienstleistende nie.

Stab bedeutet im Prinzip Büroarbeit. Kaffe kochen und Abwaschen gehört auch mal dazu, im Allgemeinen arbeitet man aber an Akten oder Computern, umso glücklicher darf ich mich schätzen, da ich in der IT-Abteilung arbeite und man dort auch noch so einiges in punkto Hard- und Software lernt.
Aber neben Büroarbeit gibt es auch immer die Möglichkeit Leistungsmärsche zu absolvieren oder Schießen zu gehen. Natürlich habe ich davon immer regen Gebrauch gemacht und bekomme in absehbarer Zeit dafür auch Auszeichung(en). Das Interessanteste ist aber immer noch die Bewachung von US-Liegenschaften in Deutschland für die die unterschiedlichsten Einheiten Soldaten stellen. Ich war auch schon einmal dabei und fahre in ein paar Tagen das Zweite Mal. Die Amerikaner sind recht freundlich und froh darüber, dass wir sie unterstützen. Mag da jetzt jeder denken was er will.


4. Schlussgedanken eines scheidenden Soldaten
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Anfangs war ich wirklich nicht sicher ob ich mit der Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen richtig lag. Im Nachhinein würde ich es aber wieder tun. Da ich nun nach 9 Monaten bald ausscheide und auch nicht vorhabe noch länger zu dienen, denkt man so langsam über Erlebtes nach.
Natürlich war die AGA sehr entbehrungsvoll und auch gewöhnungsbedürftig, aber die Zeit danach entschädigt meist sehr. Finanziell ist man als Grundi sicherlich auf der schlechten Seite denn mit rund 8 Euro Tageslohn auf die 9 Monate gerechnet, kann man kaum leben, wenn man vorher schon Lehre oder ähnliches gemacht hat. Ich, als Abiturient, hatte da weniger Probleme, da ich das Geld eher spärlich ausgebe und keinen eigenen Haushalt unterhalten muss.

Während der AGA lernte ich viele Leute kennen und manche von ihnen waren klasse Kumpels auf die man sich 100%ig verlassen konnte. Das mag jetzt blöd klingen und ich habe nicht wirklich gedacht, dass ich das sagen würde, aber Kameradschaft gab es wirklich und man war für einander da.

Die Zeit im WBK war eher Bundeswehr light, aber es hat auch Spaß gemacht. Das Gerücht, dass in der Bundeswehr viel getrunken wird, kann ich nicht bestätigen. Klar, manche haben mal an einem Abend 2 Bier in lustiger Runde getrunken, aber das sehe ich nicht als schlimm an. Ich persönlich habe mich nie am Trinken von Alkoholika beteiligt, wurde aber auch entgegen mancher Gerüchte zu nichts gezwungen oder deswegen dumm angemacht. Man respektierte einander einfach so wie man war. Ich habe zwar noch knapp 2 Dienstmonate, aber die meiste Zeit bin ich auf Wache und dann Urlaub, was also meinen Dienst in der Bundeswehr quasi abschließt. Ich werde nicht mehr großartig in Aktion treten und mich jetzt um mein Studium kümmern. Lehrgänge bei der Bundeswehr waren mir teilweise auch sehr hilfreich und Studienberatung von zivilen Experten war auch kostenfrei. Die Bundeswehr tut also auch etwas dafür, dass man beruflich oder in punkto Bildung weiterkommt.

Abschließend kann ich nur noch sagen, dass mir die Zeit beim Bund viel Spaß bereitet hat und ich auch viele interessante Leute kennen gelernt habe. Würde ich wieder in die Verlegenheit kommen, würde ich die Bundeswehr dem Zivildienst vorziehen!



Kommentare zum Diskutieren sind Willkommen. Das ich jetzt wirklich nur einen kleinen Teil meiner Eindrücke schildern konnte, sollte klar sein, also nutzt ruhig die Kommentare um mich löchrig zu fragen.


© 2004 by Bjoerner2001

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