Chinesische Mauer Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2005
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Erfahrungsbericht von Schlingel62
DURCHS TOR ZUR HÖLLE: EINE "KREUZFAHRT" AUF DEM YANGZI
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Vorwort
********
Was ihr geht nach China, und das ohne Reisegruppe und Reiseführer, ganz individuell, „ihr seit verrückt“. Wir haben es im September 2000 gewagt und es bis heut nicht bereut, ganz im Gegenteil. Es war eine ganz tolle Erfahrung dieses Land auf diese Weise kennen zu lernen.
„Wir haben ja unsere Hände und Füße“, war die Devise, so schaffen wir es auch mit der entsprechenden Geduld und Freundlichkeit, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf eigene Faust zu erkunden. Dazu gehört natürlich auch eine Fahrt durch die „Schluchten des Yanzi“.
Was passierte denn?
********************
Zwei Flugstunden entfernt von Xian landeten wir in Chongqing, Ausgangspunkt für unsere Fahrt durch die Schluchten des Yangzi.
Von Chongqing haben wir bis zu diesem Tag noch nicht viel gehört, außer, dass hier die Kreuzfahrtschiffe starten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich im klimatisierten Bus saß, der uns in die Stadt brachte. Sieht ja nicht schlecht aus, dachte ich zu Beginn. Mal lesen wieviel Einwohner Chongqing hat: „Über 14 Millionen Einwohner zählt die Industriemetropole am Zusammenfluß von Jangtsekiang und Jialing.
Chongqing ist „Chinas Backofen“, berüchtigt wegen der erbarmungslosen Sommerhitze, 38 Grad heiß ist es hier. „Oh je, nicht wie weg von hier“, war von nun an die Devise und irgendwie schafften wir es auch in ein paar Stunden in einer chinesischen Millionenmetropole eine dreitägige Flußkreuzfahrt zur organisieren, die letztendlich pünktlich am Abend losging.
Mit insgesamt acht Touristen an Bord und etwa 500 Chinesen ging es dann los. Wir wurden ganz nach oben direkt neben die Karaoke-Bar für uns ganz überraschend in die angebliche erste Klasse verfrachtet und waren letztendlich auch ganz glücklich mit unseren Einzelzimmern.
Unter dem langgezogenen Heulen der Schiffssirene gleiten wir auf den Strom hinaus. Mit 6380 Kilometern ist der Jangtsekiang oder Changjiang – was soviel bedeutet wie langer Fluß – der längste Fluß Chinas und der drittlängste der Welt. Hier zeigt er sich als ölig schimmernde schmutzigbraune Brühe, angereichert mit Unrat und Industrieabwässern.
Auf dem Jangtsekiang fährt alles, was schwimmfähig ist: Luxusliner, Tragflügelboote, Dampfer, Fischerboote, Transportbarken und Fähren.
Wir bleiben an den Tagen fast immer auf dem Oberdeck. Die vielen Chinesen laufen, nachdem sie erst einmal ihre gesamte Wäsche gewaschen haben in Schafanzügen oder Unterwäsche umher. „Das ist ganz normal hier“, erzählt uns ein chinesischer Geschäftsmann, der neben uns seine Kajüte hatte. Hier gibt es ja noch sauberes Wasser und der Jangtsekiang ist eine braune Brühe. Nach drei Tagen kam aber auch leicht braunes Wasser aus den Wasserhähnen und der Dusche.
Wir versorgen uns am Kiosk mit Bier, Wasser und Instant-Nudeln. Von der Küche genießen wir lieber nichts, hier sieht es nicht besonders appetitlich aus. Wir diskutieren viel über das Jahrtausendprojekt (seit 1994 wird gebaut, 18 Jahre Bauzeit geplant!) , die große Dammbaustelle bei Sandouping. 30 Milliarden Mark wird der Bau des größten Wasserkraftwerkes der Erde kosten. Nur Superlativen reichen aus, um das Projekt zu beschreiben.
Oder ein Wort: Größenwahn. 1,2 Millionen Menschen, vielleicht auch 2, müssen umgesiedelt werden, weil Städte, Dörfer und Felder in dem Stausee ertrinken.
Aber Wirtschaftswachstum braucht Energie: 18200 Megawatt, soviel Strom wie 15 Kernkraftwerke vom Typ Biblis, werden die Turbinen im Jangtsekiang liefern. Und nicht zuletzt muss der Damm ein Schutz sein vor jenen verheerenden Flutkatastrophen mit denen der „Blaue Drache“ seine Ufer immer wieder heimsucht.
Ab und zu sieht man bei der „Kreuzfahrt auf dem Jangste“. sogenannte Höhen-Meter-Linien, bis zu denen der Fluß ansteigt. Bis zur 175 Meter-Linie geht viel unter, nicht nur über 1200 historische Denkmäler versinken.
Neue Hochhäuser werden einfach auf die Hügel gebaut, wann die Umsiedlung stattfindet und wohin die Menschen kommen, darüber kann uns keiner eine Auskunft geben. Es ist schon ein imposantes Erlebnis durch die hoch aufragenden Faltungen des Gebirges zu fahren. Nicht vieles beeindruckt einen Reisenden mehr.
Aber welche Faszination hätte ein um die Hälfte reduziertes Panorama? Die Berge am Ufer sind inzwischen zusammengerückt.
Nur hundert Meter ist die Qutang-Schlucht breit, die erste, kürzeste, tückischste der drei Schluchten. Wir merken dies erst als fast ein Chaos ausbricht und viele Fahrgäste aus den unteren Decks nach oben kommen.
Ich denk mir „Was ist denn jetzt schon wieder los?“, da seh ich ,als ich aus meiner Kabine gehe, dass sich das Schiff nur ganz langsam bewegt und man fast die Steilwände berühren kann.
Mittlerweile nähern wir uns unweigerlich dem „Tor zur Hölle“, wie die „Drei Schluchten des Yangzi“ zwischen Fengjie und Yichang früher auch genannt wurden.
Wir steigen in kleinere Boote um, die dann auf abenteuerliche Weise die Fluten und Untiefen meistern.
Auf der Fahrt durch die 80 Kilometer lange Xiling-Schlucht, die eigentlich aus mehreren kleineren Schluchten besteht, kommt wieder mal die Sonne durch.
Kurz vor Yichang, unserer Endstation wird der Bordlautsprecher aktiv, längst ist es dunkel, wir können nur vermuten wo wir sind, bei Sandouping, in der Schleuse am großen Staudamm. Die Schleusen des Gezhouba-Damms zu passieren, ist auch nicht gerade einfach.
So stürmt jetzt alles die Reling, um der Durchschleusung beizuwohnen. Doch ohne ersichtlichen Grund tut sich nichts, das Warten nimmt kein Ende, wir sitzen auf Kohlen, denn eigentlich wollen wir am nächsten Tag schon nach Gullin fliegen.
Als wir um halb zehn endlich von Bord gehen, ist es bereits stockdunkel. Das Resümee beim Bier am Abend lautet dann: „Gräßliche Stadt, schöne Schluchten, nichts wie weg, auf nach Hongkong!“.
Doch das war wiederum nicht so einfach, selbst in China ist es etwas schwierig abends um halb elf einen Flug zu organisieren, der von einem Flughafen losgeht, der „nur 300 Kilometer entfernt ist“.
Viel Spass wünscht Euch auf dem Yangzi
Euer
Schingel62
********
Was ihr geht nach China, und das ohne Reisegruppe und Reiseführer, ganz individuell, „ihr seit verrückt“. Wir haben es im September 2000 gewagt und es bis heut nicht bereut, ganz im Gegenteil. Es war eine ganz tolle Erfahrung dieses Land auf diese Weise kennen zu lernen.
„Wir haben ja unsere Hände und Füße“, war die Devise, so schaffen wir es auch mit der entsprechenden Geduld und Freundlichkeit, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf eigene Faust zu erkunden. Dazu gehört natürlich auch eine Fahrt durch die „Schluchten des Yanzi“.
Was passierte denn?
********************
Zwei Flugstunden entfernt von Xian landeten wir in Chongqing, Ausgangspunkt für unsere Fahrt durch die Schluchten des Yangzi.
Von Chongqing haben wir bis zu diesem Tag noch nicht viel gehört, außer, dass hier die Kreuzfahrtschiffe starten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich im klimatisierten Bus saß, der uns in die Stadt brachte. Sieht ja nicht schlecht aus, dachte ich zu Beginn. Mal lesen wieviel Einwohner Chongqing hat: „Über 14 Millionen Einwohner zählt die Industriemetropole am Zusammenfluß von Jangtsekiang und Jialing.
Chongqing ist „Chinas Backofen“, berüchtigt wegen der erbarmungslosen Sommerhitze, 38 Grad heiß ist es hier. „Oh je, nicht wie weg von hier“, war von nun an die Devise und irgendwie schafften wir es auch in ein paar Stunden in einer chinesischen Millionenmetropole eine dreitägige Flußkreuzfahrt zur organisieren, die letztendlich pünktlich am Abend losging.
Mit insgesamt acht Touristen an Bord und etwa 500 Chinesen ging es dann los. Wir wurden ganz nach oben direkt neben die Karaoke-Bar für uns ganz überraschend in die angebliche erste Klasse verfrachtet und waren letztendlich auch ganz glücklich mit unseren Einzelzimmern.
Unter dem langgezogenen Heulen der Schiffssirene gleiten wir auf den Strom hinaus. Mit 6380 Kilometern ist der Jangtsekiang oder Changjiang – was soviel bedeutet wie langer Fluß – der längste Fluß Chinas und der drittlängste der Welt. Hier zeigt er sich als ölig schimmernde schmutzigbraune Brühe, angereichert mit Unrat und Industrieabwässern.
Auf dem Jangtsekiang fährt alles, was schwimmfähig ist: Luxusliner, Tragflügelboote, Dampfer, Fischerboote, Transportbarken und Fähren.
Wir bleiben an den Tagen fast immer auf dem Oberdeck. Die vielen Chinesen laufen, nachdem sie erst einmal ihre gesamte Wäsche gewaschen haben in Schafanzügen oder Unterwäsche umher. „Das ist ganz normal hier“, erzählt uns ein chinesischer Geschäftsmann, der neben uns seine Kajüte hatte. Hier gibt es ja noch sauberes Wasser und der Jangtsekiang ist eine braune Brühe. Nach drei Tagen kam aber auch leicht braunes Wasser aus den Wasserhähnen und der Dusche.
Wir versorgen uns am Kiosk mit Bier, Wasser und Instant-Nudeln. Von der Küche genießen wir lieber nichts, hier sieht es nicht besonders appetitlich aus. Wir diskutieren viel über das Jahrtausendprojekt (seit 1994 wird gebaut, 18 Jahre Bauzeit geplant!) , die große Dammbaustelle bei Sandouping. 30 Milliarden Mark wird der Bau des größten Wasserkraftwerkes der Erde kosten. Nur Superlativen reichen aus, um das Projekt zu beschreiben.
Oder ein Wort: Größenwahn. 1,2 Millionen Menschen, vielleicht auch 2, müssen umgesiedelt werden, weil Städte, Dörfer und Felder in dem Stausee ertrinken.
Aber Wirtschaftswachstum braucht Energie: 18200 Megawatt, soviel Strom wie 15 Kernkraftwerke vom Typ Biblis, werden die Turbinen im Jangtsekiang liefern. Und nicht zuletzt muss der Damm ein Schutz sein vor jenen verheerenden Flutkatastrophen mit denen der „Blaue Drache“ seine Ufer immer wieder heimsucht.
Ab und zu sieht man bei der „Kreuzfahrt auf dem Jangste“. sogenannte Höhen-Meter-Linien, bis zu denen der Fluß ansteigt. Bis zur 175 Meter-Linie geht viel unter, nicht nur über 1200 historische Denkmäler versinken.
Neue Hochhäuser werden einfach auf die Hügel gebaut, wann die Umsiedlung stattfindet und wohin die Menschen kommen, darüber kann uns keiner eine Auskunft geben. Es ist schon ein imposantes Erlebnis durch die hoch aufragenden Faltungen des Gebirges zu fahren. Nicht vieles beeindruckt einen Reisenden mehr.
Aber welche Faszination hätte ein um die Hälfte reduziertes Panorama? Die Berge am Ufer sind inzwischen zusammengerückt.
Nur hundert Meter ist die Qutang-Schlucht breit, die erste, kürzeste, tückischste der drei Schluchten. Wir merken dies erst als fast ein Chaos ausbricht und viele Fahrgäste aus den unteren Decks nach oben kommen.
Ich denk mir „Was ist denn jetzt schon wieder los?“, da seh ich ,als ich aus meiner Kabine gehe, dass sich das Schiff nur ganz langsam bewegt und man fast die Steilwände berühren kann.
Mittlerweile nähern wir uns unweigerlich dem „Tor zur Hölle“, wie die „Drei Schluchten des Yangzi“ zwischen Fengjie und Yichang früher auch genannt wurden.
Wir steigen in kleinere Boote um, die dann auf abenteuerliche Weise die Fluten und Untiefen meistern.
Auf der Fahrt durch die 80 Kilometer lange Xiling-Schlucht, die eigentlich aus mehreren kleineren Schluchten besteht, kommt wieder mal die Sonne durch.
Kurz vor Yichang, unserer Endstation wird der Bordlautsprecher aktiv, längst ist es dunkel, wir können nur vermuten wo wir sind, bei Sandouping, in der Schleuse am großen Staudamm. Die Schleusen des Gezhouba-Damms zu passieren, ist auch nicht gerade einfach.
So stürmt jetzt alles die Reling, um der Durchschleusung beizuwohnen. Doch ohne ersichtlichen Grund tut sich nichts, das Warten nimmt kein Ende, wir sitzen auf Kohlen, denn eigentlich wollen wir am nächsten Tag schon nach Gullin fliegen.
Als wir um halb zehn endlich von Bord gehen, ist es bereits stockdunkel. Das Resümee beim Bier am Abend lautet dann: „Gräßliche Stadt, schöne Schluchten, nichts wie weg, auf nach Hongkong!“.
Doch das war wiederum nicht so einfach, selbst in China ist es etwas schwierig abends um halb elf einen Flug zu organisieren, der von einem Flughafen losgeht, der „nur 300 Kilometer entfernt ist“.
Viel Spass wünscht Euch auf dem Yangzi
Euer
Schingel62
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