Dawn of the Dead (DVD) Testbericht

ab 10,53
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 04/2011

Erfahrungsbericht von Ghostface

Wenn die Zombies dich fressen wollen...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hollywoods größte Kreativität bestand ja schon immer darin, alte Ideen und Muster neu zu verwursten. Ein Sequel jagt das nächste, alle Nase lang wird irgendein Remake gedreht. Unbedingt gut sind diese Werke zwangsweise nicht. Doch es gibt auch eine Handvoll gute Ausnahmen. Zu den jüngsten gehört Zack Snyders gelungene Neuauflage von George A. Romeros Kult-Klassiker „Zombie - Dawn of the Dead“ von 1978, der seit dem 15. April in unseren Kinos läuft.

[Story]

Darin begegnet der Zuschauer einem Szenario, das direkt dem Abspann von „Resident Evil“ entliehen sein könnte. Als die Krankenschwester Ana [Sarah Polley] in ihrem Bett aufwacht, sind ihr Mann und ihre Tochter zu bissigen Zombies mutiert. Einfach so, keine Motive, keine langatmigen Erklärungen. Sie stürzt aus dem Fenster, hechelt in ihr Auto, fährt los, ziellos, Hauptsache weit weg. Links und rechts von ihr gleicht der Wohnblock einem Trümmerfeld. Scheinbar ist jeder zu einem Zombie mutiert, die wenigen, die noch „normal“ sind, schießen wie wild um sich, um der schlurfenden Plage Herr zu werden.

Die einzige Bastion, die die gemeinen Allesfresser noch nicht eingenommen haben, ist ein Einkaufszentrum, in das sich Ana mit ein paar anderen „Überlebenden“ flüchtet. Darunter ein Joe Jedermann [Jack Weber], der Polizist Kenneth [Ving Rhames], ein Pärchen, das bald ein Kind erwartet [Mehki Phifer, Inna Korobkina], ein paar Kaufhausangestellte und diverse andere kleine Männer (und Frauen) von der Straße.

Dank Kabelfernsehen erfährt das Grüppchen recht bald, dass offensichtlich eine Seuche ausgebrochen ist. So gut wie jeder ist infiziert und somit ein Zombie, sprich: eine potentielle Tötungsmaschine. Jeder, den es noch nicht erwischt hat, soll sich von den Viechern möglichst fern halten und sich bloß nicht beißen lassen. Einzig probates Bekämpfungs-Rezept: Kopfschuss!

Früher oder später werden die Barrikaden, die man notdürftig um das Einkaufszentrum errichtet hat, brechen. Jetzt muss ein Plan geschmiedet werden, sonst ist jeder früher oder später Zombie-Futter…

[Eindrücke]

Was sich anhört wie Ramsch aus der untersten Videotheken-Schublade, ist ein richtig guter Film geworden. Natürlich mopst Drehbuchautor James Gunn eifrig bei Genre-Vorbildern, verlässt sich aber nicht nur auf dumpfe Wiederverwertung, sondern entwickelt auch eine Reihe eigener (guter) Ideen. Dem Kaufhaus gegenüber befindet sich ein Waffen-Shop, dessen Besitzer mit Kenneth über Ferngläser Schach spielt. Besonders gelungen finde ich die Sequenz, in der die Überlebenden ihren Ausbruch planen und dafür zwei Trucks zombie-sicher ausstaffieren. Ich habe mich im Kinosessel gekringelt, es hätte nur noch die A-Team-Musik gefehlt!

Natürlich ist kein Film der Welt perfekt, und so hat auch „Dawn of the Dead“ seine Schwächen und Hänger. Einige Nebenfiguren, die nur rudimentär eingeführt werden, entpuppen sich erwartungsgemäß als Kanonen- (oder Zombie-) Futter. Einige sterben den unvermeidlichen Heldentod („Geht weiter, lasst mich zurück!“), der leider schon etwas arg abgedroschen wirkt. Und warum knallt der Waffenhändler nicht einfach so lange mit seiner Wumme Zombies über den Jordan, bis er einigermaßen gefahrlos über die Straße in das Einkaufszentrum gehen kann, sitzt er doch auf einem scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Patronen und Schusswaffen? Doch unter dem Strich sieht man als dankbarer Horror-Fan über solche Ungereimtheiten hinweg und genießt das Gemetzel.

Ein weiterer Pluspunkt sind die mitunter gut gezeichneten Figuren und die Darsteller, die ihre Rollen mit Leben ausfüllen. Allen voran die Independent-Königin Sarah Polley, die die Krankenschwester Ana so gut verkörpert, dass man wirklich mit ihr fiebert. Der begnadete Ving Rhames gibt den Polizisten gewohnt lässig, Jack Weber (Claire Forlanis öliger Verlobter aus „Rendevouz mit Joe Black“) gönnt man nach dieser Leistung weitere (größere) Rollen. Mehki Phifer und Inna Korobkina sind als schwangeres Pärchen (dem eine infizierte Missgeburt droht, weil sie von einem Zombie gebissen wurde) wirklich greifbar. Und als der seit fünf Tagen isolierte Waffenhändler ein Schild hochhält, auf dem hungry (=hungrig) steht, ist man betroffen (so sehr ich diese Wort auch hasse). Grund dafür ist, dass es echte Menschen sind, die hier leiden und nicht hochgezüchtete Kampfkolosse wie in „Resident Evil“.

Wer nicht nur einfach ins Kino geht, um einen Film zu sehen, sondern Filmwissenschaften an der Universität Mainz studiert, kann in den alles zerfleischenden Zombie-Horden auch noch ein Parabel auf unsere Ellenbogen-Gesellschaft erkennen, in der die Menschen auch nicht davor scheuen, einen anderen über die Klinge springen zu lassen, wenn es nur dem eigenen Vorteil nützt. Für mich ist dieser Vergleich etwas an den Haaren herbeigezogen, genossen habe ich den Film auf jeden Fall.

[Zielgruppe]

Ganz klar: Der Film ist arge Geschmackssache. Wer „Der englische Patient“ seinen Lieblingsfilm nennt, der sollte den Gang in das Kino tunlichst vermeiden. Der Streifen ist nicht umsonst erst ab 18 Jahren freigegeben. (c)2004HansGruber Die Effekt-Spezialisten verströmen mehr Kunstblut als in allen „Stirb langsam“-Filmen zusammen, der Bodycount ist extrem hoch. Ein paar gut getimte Schocker haben mich deftig aus dem Kinosessel gerissen (und ich halte mich für hartgesotten, grölte ich doch bei „Starship Troopers“ wie ein albernes Kind). Fans des Genres kommen allerdings ordentlich auf ihre Kosten, wer ins Multiplex tingelt, um sich mal wieder so richtig zu gruseln, der bekommt für das Eintrittsgeld ordentlich etwas geboten. Mit solchen Sätzen wie „Das passiert doch im richtigen Leben nie so“ sollte man sich zurückhalten, will man nicht eine doppelte Portion Nachos ins Fressbrett gezimmert bekommen!

[Fazit]

Ein herrlich gruseliger Schocker, der greifbare Figuren in einer nahezu ausweglosen Lage zeigt. Kamera, Musik, Schnitt und Sound gehen eine perfekte Symbiose ein, die dem Zuschauer die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Er ist spannend, mitreißend und mitunter ziemlich ekelig, also genau das richtige für einen Horror- und Splatter-Fan. Zudem bietet er einige skurrile Momente, in denen man sich trotz des Horrors das Lachen schwer verkneifen kann. Das Beste ist der Bobby McFerrin-Song „Don’t worry, be happy“, der während der gesamten Kaufhaus-Eröffnungssequenz in einer Endlosschleife dudelt. Alles in allem ein Old-School-Splatter-Spaß vom feinsten, der seinem Original in nichts nachsteht.

Für Fans von: Resident Evil, 28 Days later, Zombie -Dawn of the Dead (das Original)

19 Bewertungen