Der Eulenspiegel Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Wuschel_F
Ich lach mich schief :-D
Pro:
super lustig
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
So, jetzt will ich euch auch mal von meiner liebsten Zeitschrift berichten, die mir dank meinem Abo schon seit fast 5 Jahren, jeden Monat regelmäßig ins Haus flattert. Es handelt sich um das Satiremagazin Eulenspiegel, das auch für 2,50€ an jedem besseren Kiosk zu haben ist.
GESCHICHTE
°°°°°°°°°°°°°°°°°
Falls jemanden die Ursprünge dieses Blattes interessieren, werde ich hier alles, was ich weiß kurz zusammenfassen.
Leider konnte ich nicht besonders viel zu diesem Thema herausfinden, es gibt eine Quelle, die behauptet, dass die Ersterscheinung des Eulenspiegels bereits 1928, also zur Zeit der Weimarer Republik von Otto Nagel gegründet wurde. Dafür verbürge ich mich aber nicht.
Auf der Internet Seite der Zeitschrift unter http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/, wo man natürlich noch jede Menge Zusatzinfos erhalten kann, ist lediglich vermerkt, dass der Eulenspiegel seit über 50 Jahren existiert und in der Zeit von 1946-1954 unter dem Namen „Frischer Wind“ gehandelt wurde. Der Eulenspiegel ist eine Zeitschrift der ehemaligen DDR, die selbst die Wende überlebt hat und ihre Leserschaft nun auch auf den Westen ausgeweitet hat.
Der Sitz des Verlages ist in Berlin. Die Zeitschrift erschien bis 1991 wöchentlich, hab ich aber da noch nicht gelesen, heute erscheint sie monatlich, mit ca. 80 Seiten.
DER NAME
°°°°°°°°°°
Nicht umsonst wurde die Zeitschrift mit dem Namen des schelmenhaften Till Eulenspiegels behaftet, der in der ersten hälfte des 14. Jahrhunderts sein Unwesen in Deutschland, genauer gesagt in Sachsen trieb. Ob die im 16. jahrhundert über ihn niedergeschriebenen Geschichten wirklich wahr sind weiß zwar keiner, aber die Geschichten über ihn trafen in einer Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels die Leute da, wo sie am verletzlichsten waren, weil sie genau diesen Umbruch und die Unschlüssigkeit der Leute damals unverblümt aufzeigten.
Genau das hat sich ja auch die Zeitschrift zum ziel gesetzt: Missstände aufzeigen und starrköpfige Zeitgenossen da treffen wo es am meisten weh tut, unverblümt über Dinge sprechen, die andere nicht zu sagen wagen und Bilder zu zeichnen, die nicht immer nur Friede-Freude-Eierkuchen darstellen…
Also, welcher Name könnte da wohl treffender sein für eine satirische Zeitschrift???
INHALT
°°°°°°°°
Wie gesagt handelt es sich hier um eine Satire-Zeitschrift, d.h. die Berichte umfassen aktuelle Themen aus allen Gesellschaftsbereichen (Politik, Kultur, Sport), aber eben auf eine witzige Art, die einen selbst zum Nachdenken anregt.
Feste Bestandteile
^^^^^^^^^^^^^
Es gibt einige Sparten in der Zeitschrift, die jeden Monat wieder ein Bestandteil der Zeitschrift sind und somit eine Art Grundgerüst bilden, das wären (in der Reihenfolge, wie sie auch im Heft erscheinen):
o Leserpost: Gleich zu Beginn der Zeitschrift werden die Leserbriefe abgedruckt, die meist auch in einem witzigen Stil gehalten sind und nur immer mit einem Wort oder einem kurzen Satz der Redaktion kommentiert werden . Wenn sich jetzt jemand fragt, warum die Leserbriefe vorne und nicht hinten wie bei den meisten anderen Zeitschriften sind, hier gibt der Eulenspiegel gleich selbst die Lösung: „Der Leser hat das Wort – aber nicht das letzte“
o Modernes Leben: Hier findet der Leser immer ein paar Cartoons von verschiedenen Zeichnern, das Ganze über eine Doppelseite.
o Zeitansagen: Kurze satirische Pressemitteilungen zu aktuellen Themen, ein Beispiel aus dem aktuellen Heft (10/03): „Kein Wunder, dass die Deutschen immer älter werden: Seitdem das Sterbegeld gestrichen werden soll, lohnt sich ja selbst der Tod nicht mehr“ – untermalt ist das Ganze wieder von einigen Cartoons, ebenfalls zu aktuellen Themen.
o Fehl-Anzeiger: das ist eigentlich mein heimlicher Favorit der Zeitung! Auf einer Doppelseite werden kleine Zeitungsausschnitte von witzigen Druckfehlern oder unglücklich gewählten Formulierungen, Verschreibern, vertauschte Fotos etc. gezeigt, z. B.: „Homo-Ehe: Lehmann stellt sich hinter den Papst“ oder „Manche Hotels berechnen zur Messe nur einen geringen Aufschlag, verlangen das Fünffache des üblichen Preises“
o Neues Deutschland: in der Mitte des Heftes befindet sich immer eine Titelseite der Zeitung neues Deutschland, mit dem Untertitel „Organ des Zentralkomitees der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, so hätte es kommen können, ein vereintes Deutschland unter der Herrschaft der SED und dazu passende fiktive Berichte, das Ganze natürlich mit Bildern und alles in Zeitungs-schwarz-weiß.
o Kino/Buch: Vorstellung der aktuellen Kinofilme und Kritiken zu Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, diesmal z. B. wird bei Kinofilme „Fluch der Karibik“ vorgestellt, das ganze durchaus Informativ, aber eben auf die etwas spaßige Tour
o Grand Prix: Leser machen Geschichten: hier werden witzige Beiträge, wie Cartoons, Witze, Limericks, Schüttelreime, Berichte etc. von Lesern abgedruckt.
o Super Funzel: im Gegensatz zum Motto des Eulenspiegels, das da lautet „Unbestechlich – aber käuflich“ heißt es hier nun „Unverkäuflich – aber bestechlich“, es handelt sich um „Das Intelligenzblatt für Andersdenkende“ und will sich als unabhängig vom Eulenspiegel (seit 89/90) verstanden wissen ;-) – hier findet man jeden monat ein Aktfoto einer DDR-Schönheit, mit einem witzigen Textchen dazu (nein, nicht so geschmacklos wie in der Bild-Zeitung!), Das Funzel-Rätsel, einen neuen „Polizeibericht“ unter dem Titel „Die Polizei meldet: Rindvieh 30, bitte kommen!“ und andere nette Berichte
o Rätsel: ziemlich schwierige Rätsel, bei denen man auch etwas um die Ecke denken muss
o LMM…Leser machen mit: Jeden Monat wird ein Cartoon ohne Untertitel gezeigt, zu dem die Leser selbst texte erfinden sollen, die 3 besten werden dann in der nächsten Ausgabe veröffentlicht und mit je 15€ prämiert.
o …und Tschüss!: Zum Schluss gibt es immer noch einen netten großen Cartoon, wie auch schon zu Beginn (hab ich glaub ich vergessen zu erwähnen
anderes
^^^^^^^
neben diesen immer wieder kehrenden Teilen, gibt es natürlich zahlreiche größere Berichte und Reportagen zu aktuellen Themen aus allen bereichen des Lebens, diesmal z. B. ein Bericht über Computerviren unter dem Titel „(Sch)Virige Zeiten“, hier werden fiktive Würmer und Viren genannt und deren Schäden und Bekämpfung, z. b. „Das Glühwürmchen – „Was geschieht? – Wie schon der Name besagt: Erst heimlich an ihren Glühwein gehen, und dann… - Schäden? - …die Tastatur voll kotzen. – Was kann man dagegen tun? – Die Glühwürmchen absammeln und in eine leere Flasche stecken. Fest verkorken. Und bei Einbruch der Dämmerung, wenn sie mit dem Finger gegen das Glas schnippen, müssen sie zu leuchten anfangen“.
Ein anderer Bericht, der die Männerwelt etwas mehr ansprechen wird, ist der „Formulator“ Michael Schumacher „Rebellion der Boliden – Das dunkle Geheimnis des Mike Ferraro“…
Was mich auch immer im Fernsehen die letzte Zeit nervt und da bin ich bestimmt nicht die Einzige, sind die Ganzen „Babyshows“, „Wir machen ein Baby“, „Hallo, Baby!“ und wie die so alle heißen, auch das ist Thema eines Berichtes.
Dazwischen gibt es immer wieder bunte Cartoons, nette Karikaturen und ein paar Anzeigen und Werbung, die sich aber noch in Grenzen hält
ZEICHNER
°°°°°°°°°°°°°°
o Mein absoluter Lieblingszeichner ist Arno „Dagobert“ Funke, vielleicht kennt ihn ja der Eine oder andere noch, saß mal im Knast wegen Erpressung, der malt einfach herrlich wirklichkeitsnah, mit einer nur ihm eigenen Komik. Geboren ist er 1950, machte eine lehre als Fotograf und eine als Schilder- und Lichtreklamehesteller, war als Fotograf und Kunstmaler tätig. 1988 erpresste er dann das Berliner Kaufhaus KaDeWe und 1992-94 versuchte er es beim Karstadtkonzern. 1994 wurde er schließlich verhaftet und 9 Jahre weggesperrt. Und wer richtig rechnen kann hat schon festgestellt, das er da zum heutigen Zeitpunkt noch sitzt und versucht sich durch seine Zeichnungen eine neue berufliche Perspektive aufzubauen. Mehr Infos auf seiner Homepage unter http://www.bmp.de/dagobert/
o Wen ich noch sehr gerne mag ist Burkhard Fritsche, er ist 1952 in Mölln geboren, hat ein Kunststudium absolviert und arbeitet seit 1980 als freier Cartoonist. Auch sein Stil gefällt mir besonders gut, die Menschen mit den übergroßen Nasen und die Comic ist direkt aus dem leben gegriffen. Besonders die politische Richtung seiner Cartoons finde ich absolut korrekt ;-)
o Dann wäre da noch Harm Bengen, dessen Werke auch nicht zu verachten sind. Er ist 1955 in Ostfriesland geboren, lehre als Farbenlithograph, dann Grafik-Design-Studium und seit 1986 Hauptberuflich Cartoonist und Illustrator. Er Zeichnet seine Cartoons sehr liebevoll und auf eine Art, die mir durchaus zusagt, nur die Witze selber sind meist recht seicht
o Alle Cartoonisten aufzuzählen wäre recht lang und zu ausführlich, deshalb möchte ich mich auf diese beschränken und nur noch ein paar Namen nennen: Guido Sieber (hässlich gezeichnete Männchen), Fred & Günther, Ralf Alex Fichtner, Henninger, Martin Zak u.a..
AUTOREN
°°°°°°°°°°°°°
Hier habe ich jetzt keine speziellen Vorlieben, was die Autoren der Berichte angeht, und auch die Namen werden wohl kaum einem was sagen, daher nur soviel, die meisten Berichte sind wirklich unterhaltsam geschrieben und nur selten bin ich geneigt bei der Hälfte des Textes abzubrechen mit dem Lesen, weil mich die Story nicht überzeugt oder einfach der Witz fehlt, wobei mir hier jetzt aber kein spezieller Autor negativ aufgefallen wäre.
FAZIT
°°°°°°°°
Wie ich bereits am Anfang meines Berichtes erwähnt habe, lese ich den „Eulenspiegel“ bereits seit 1998 regelmäßig und bin daher durchaus von dessen Qualität überzeugt. Sonst würde ich ihn ja nicht weiter abonnieren... Ich finde es immer wieder interessanter aktuelle Ereignisse auf eine etwas lockerere, witzigere Art zu lesen und mich damit auseinander zu setzen, als stumpfsinnige Reportagen wie im Focus oder im Stern zu lesen, bei denen man praktisch die Meinung des Autors aufgedrängt bekommt ohne sich ein eigenes Bild machen zu müssen. Die Cartoons sind immer wieder lustig und gut zum anschauen, vor allem, wenn man mal nicht so viel Zeit zum Lesen hat, in der S-Bahn oder im Bus, einfach mal kurz für Zwischendurch. Das Einzige, was ich nicht in der Öffentlichkeit anschauen darf sind die Fehlanzeiger, weil ich mir da manchmal nicht das Lachen verkneifen kann und die Leute doch etwas komisch schauen, wenn jemand plötzlich in der S-Bahn etc. lauthals loslacht ;-)
Schon wenn das Heftchen mit dem bunten Titelbild im Briefkasten liegt freue ich mich aufs Lesen, das gesamte Erscheinungsbild ist sehr angenehm, weil das ganze Heft schön bunt und freundlich ist, nicht in den trüben Farben anderer Magazine, die eher die Stimmung des Lesers senken durch ihre Negativ-Berichterstattung und die triste Farbgebung. Hier wird einem zwar auch nichts vorgegaukelt, aber selbst heikle Themen werden dem leser mit Witz und Charm präsentiert, so dass sie zwar weniger schlimm erscheinen, aber angenehmer zu lesen sind und den Weg für eigene Interpretationen offen lassen.
Den Preis von 2,50€, im Abonnement übrigens 25,50€ für 12 Ausgaben, finde ich durchaus angemessen für ein über 80 Seiten starkes Heft, bei dem, wenn man es genau sieht zwar ca. ¼ Werbung sind, diese aber zumeist nur einen schmalen Streifen vom Rand einnehmen, so dass das kaum auffällt (ehrlich gesagt ist mir die Menge der Werbung auch erst jetzt aufgefallen, wo ich sie extra für diesen Beitrag gezählt habe und auf ca. 24 Seiten gekommen bin, wenn man sie zu vollen Seiten zusammen setzen würde).
Alles in allem kann ich ihn (auch als Wessi) nur empfehlen und jedem raten sich mal ein Exemplar zum Reinlesen am Kiosk zu holen.
Danke an alle, fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!!!!
Schönen Gruß vom Wuschel!!!
GESCHICHTE
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Falls jemanden die Ursprünge dieses Blattes interessieren, werde ich hier alles, was ich weiß kurz zusammenfassen.
Leider konnte ich nicht besonders viel zu diesem Thema herausfinden, es gibt eine Quelle, die behauptet, dass die Ersterscheinung des Eulenspiegels bereits 1928, also zur Zeit der Weimarer Republik von Otto Nagel gegründet wurde. Dafür verbürge ich mich aber nicht.
Auf der Internet Seite der Zeitschrift unter http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/, wo man natürlich noch jede Menge Zusatzinfos erhalten kann, ist lediglich vermerkt, dass der Eulenspiegel seit über 50 Jahren existiert und in der Zeit von 1946-1954 unter dem Namen „Frischer Wind“ gehandelt wurde. Der Eulenspiegel ist eine Zeitschrift der ehemaligen DDR, die selbst die Wende überlebt hat und ihre Leserschaft nun auch auf den Westen ausgeweitet hat.
Der Sitz des Verlages ist in Berlin. Die Zeitschrift erschien bis 1991 wöchentlich, hab ich aber da noch nicht gelesen, heute erscheint sie monatlich, mit ca. 80 Seiten.
DER NAME
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Nicht umsonst wurde die Zeitschrift mit dem Namen des schelmenhaften Till Eulenspiegels behaftet, der in der ersten hälfte des 14. Jahrhunderts sein Unwesen in Deutschland, genauer gesagt in Sachsen trieb. Ob die im 16. jahrhundert über ihn niedergeschriebenen Geschichten wirklich wahr sind weiß zwar keiner, aber die Geschichten über ihn trafen in einer Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels die Leute da, wo sie am verletzlichsten waren, weil sie genau diesen Umbruch und die Unschlüssigkeit der Leute damals unverblümt aufzeigten.
Genau das hat sich ja auch die Zeitschrift zum ziel gesetzt: Missstände aufzeigen und starrköpfige Zeitgenossen da treffen wo es am meisten weh tut, unverblümt über Dinge sprechen, die andere nicht zu sagen wagen und Bilder zu zeichnen, die nicht immer nur Friede-Freude-Eierkuchen darstellen…
Also, welcher Name könnte da wohl treffender sein für eine satirische Zeitschrift???
INHALT
°°°°°°°°
Wie gesagt handelt es sich hier um eine Satire-Zeitschrift, d.h. die Berichte umfassen aktuelle Themen aus allen Gesellschaftsbereichen (Politik, Kultur, Sport), aber eben auf eine witzige Art, die einen selbst zum Nachdenken anregt.
Feste Bestandteile
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Es gibt einige Sparten in der Zeitschrift, die jeden Monat wieder ein Bestandteil der Zeitschrift sind und somit eine Art Grundgerüst bilden, das wären (in der Reihenfolge, wie sie auch im Heft erscheinen):
o Leserpost: Gleich zu Beginn der Zeitschrift werden die Leserbriefe abgedruckt, die meist auch in einem witzigen Stil gehalten sind und nur immer mit einem Wort oder einem kurzen Satz der Redaktion kommentiert werden . Wenn sich jetzt jemand fragt, warum die Leserbriefe vorne und nicht hinten wie bei den meisten anderen Zeitschriften sind, hier gibt der Eulenspiegel gleich selbst die Lösung: „Der Leser hat das Wort – aber nicht das letzte“
o Modernes Leben: Hier findet der Leser immer ein paar Cartoons von verschiedenen Zeichnern, das Ganze über eine Doppelseite.
o Zeitansagen: Kurze satirische Pressemitteilungen zu aktuellen Themen, ein Beispiel aus dem aktuellen Heft (10/03): „Kein Wunder, dass die Deutschen immer älter werden: Seitdem das Sterbegeld gestrichen werden soll, lohnt sich ja selbst der Tod nicht mehr“ – untermalt ist das Ganze wieder von einigen Cartoons, ebenfalls zu aktuellen Themen.
o Fehl-Anzeiger: das ist eigentlich mein heimlicher Favorit der Zeitung! Auf einer Doppelseite werden kleine Zeitungsausschnitte von witzigen Druckfehlern oder unglücklich gewählten Formulierungen, Verschreibern, vertauschte Fotos etc. gezeigt, z. B.: „Homo-Ehe: Lehmann stellt sich hinter den Papst“ oder „Manche Hotels berechnen zur Messe nur einen geringen Aufschlag, verlangen das Fünffache des üblichen Preises“
o Neues Deutschland: in der Mitte des Heftes befindet sich immer eine Titelseite der Zeitung neues Deutschland, mit dem Untertitel „Organ des Zentralkomitees der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, so hätte es kommen können, ein vereintes Deutschland unter der Herrschaft der SED und dazu passende fiktive Berichte, das Ganze natürlich mit Bildern und alles in Zeitungs-schwarz-weiß.
o Kino/Buch: Vorstellung der aktuellen Kinofilme und Kritiken zu Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, diesmal z. B. wird bei Kinofilme „Fluch der Karibik“ vorgestellt, das ganze durchaus Informativ, aber eben auf die etwas spaßige Tour
o Grand Prix: Leser machen Geschichten: hier werden witzige Beiträge, wie Cartoons, Witze, Limericks, Schüttelreime, Berichte etc. von Lesern abgedruckt.
o Super Funzel: im Gegensatz zum Motto des Eulenspiegels, das da lautet „Unbestechlich – aber käuflich“ heißt es hier nun „Unverkäuflich – aber bestechlich“, es handelt sich um „Das Intelligenzblatt für Andersdenkende“ und will sich als unabhängig vom Eulenspiegel (seit 89/90) verstanden wissen ;-) – hier findet man jeden monat ein Aktfoto einer DDR-Schönheit, mit einem witzigen Textchen dazu (nein, nicht so geschmacklos wie in der Bild-Zeitung!), Das Funzel-Rätsel, einen neuen „Polizeibericht“ unter dem Titel „Die Polizei meldet: Rindvieh 30, bitte kommen!“ und andere nette Berichte
o Rätsel: ziemlich schwierige Rätsel, bei denen man auch etwas um die Ecke denken muss
o LMM…Leser machen mit: Jeden Monat wird ein Cartoon ohne Untertitel gezeigt, zu dem die Leser selbst texte erfinden sollen, die 3 besten werden dann in der nächsten Ausgabe veröffentlicht und mit je 15€ prämiert.
o …und Tschüss!: Zum Schluss gibt es immer noch einen netten großen Cartoon, wie auch schon zu Beginn (hab ich glaub ich vergessen zu erwähnen
anderes
^^^^^^^
neben diesen immer wieder kehrenden Teilen, gibt es natürlich zahlreiche größere Berichte und Reportagen zu aktuellen Themen aus allen bereichen des Lebens, diesmal z. B. ein Bericht über Computerviren unter dem Titel „(Sch)Virige Zeiten“, hier werden fiktive Würmer und Viren genannt und deren Schäden und Bekämpfung, z. b. „Das Glühwürmchen – „Was geschieht? – Wie schon der Name besagt: Erst heimlich an ihren Glühwein gehen, und dann… - Schäden? - …die Tastatur voll kotzen. – Was kann man dagegen tun? – Die Glühwürmchen absammeln und in eine leere Flasche stecken. Fest verkorken. Und bei Einbruch der Dämmerung, wenn sie mit dem Finger gegen das Glas schnippen, müssen sie zu leuchten anfangen“.
Ein anderer Bericht, der die Männerwelt etwas mehr ansprechen wird, ist der „Formulator“ Michael Schumacher „Rebellion der Boliden – Das dunkle Geheimnis des Mike Ferraro“…
Was mich auch immer im Fernsehen die letzte Zeit nervt und da bin ich bestimmt nicht die Einzige, sind die Ganzen „Babyshows“, „Wir machen ein Baby“, „Hallo, Baby!“ und wie die so alle heißen, auch das ist Thema eines Berichtes.
Dazwischen gibt es immer wieder bunte Cartoons, nette Karikaturen und ein paar Anzeigen und Werbung, die sich aber noch in Grenzen hält
ZEICHNER
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o Mein absoluter Lieblingszeichner ist Arno „Dagobert“ Funke, vielleicht kennt ihn ja der Eine oder andere noch, saß mal im Knast wegen Erpressung, der malt einfach herrlich wirklichkeitsnah, mit einer nur ihm eigenen Komik. Geboren ist er 1950, machte eine lehre als Fotograf und eine als Schilder- und Lichtreklamehesteller, war als Fotograf und Kunstmaler tätig. 1988 erpresste er dann das Berliner Kaufhaus KaDeWe und 1992-94 versuchte er es beim Karstadtkonzern. 1994 wurde er schließlich verhaftet und 9 Jahre weggesperrt. Und wer richtig rechnen kann hat schon festgestellt, das er da zum heutigen Zeitpunkt noch sitzt und versucht sich durch seine Zeichnungen eine neue berufliche Perspektive aufzubauen. Mehr Infos auf seiner Homepage unter http://www.bmp.de/dagobert/
o Wen ich noch sehr gerne mag ist Burkhard Fritsche, er ist 1952 in Mölln geboren, hat ein Kunststudium absolviert und arbeitet seit 1980 als freier Cartoonist. Auch sein Stil gefällt mir besonders gut, die Menschen mit den übergroßen Nasen und die Comic ist direkt aus dem leben gegriffen. Besonders die politische Richtung seiner Cartoons finde ich absolut korrekt ;-)
o Dann wäre da noch Harm Bengen, dessen Werke auch nicht zu verachten sind. Er ist 1955 in Ostfriesland geboren, lehre als Farbenlithograph, dann Grafik-Design-Studium und seit 1986 Hauptberuflich Cartoonist und Illustrator. Er Zeichnet seine Cartoons sehr liebevoll und auf eine Art, die mir durchaus zusagt, nur die Witze selber sind meist recht seicht
o Alle Cartoonisten aufzuzählen wäre recht lang und zu ausführlich, deshalb möchte ich mich auf diese beschränken und nur noch ein paar Namen nennen: Guido Sieber (hässlich gezeichnete Männchen), Fred & Günther, Ralf Alex Fichtner, Henninger, Martin Zak u.a..
AUTOREN
°°°°°°°°°°°°°
Hier habe ich jetzt keine speziellen Vorlieben, was die Autoren der Berichte angeht, und auch die Namen werden wohl kaum einem was sagen, daher nur soviel, die meisten Berichte sind wirklich unterhaltsam geschrieben und nur selten bin ich geneigt bei der Hälfte des Textes abzubrechen mit dem Lesen, weil mich die Story nicht überzeugt oder einfach der Witz fehlt, wobei mir hier jetzt aber kein spezieller Autor negativ aufgefallen wäre.
FAZIT
°°°°°°°°
Wie ich bereits am Anfang meines Berichtes erwähnt habe, lese ich den „Eulenspiegel“ bereits seit 1998 regelmäßig und bin daher durchaus von dessen Qualität überzeugt. Sonst würde ich ihn ja nicht weiter abonnieren... Ich finde es immer wieder interessanter aktuelle Ereignisse auf eine etwas lockerere, witzigere Art zu lesen und mich damit auseinander zu setzen, als stumpfsinnige Reportagen wie im Focus oder im Stern zu lesen, bei denen man praktisch die Meinung des Autors aufgedrängt bekommt ohne sich ein eigenes Bild machen zu müssen. Die Cartoons sind immer wieder lustig und gut zum anschauen, vor allem, wenn man mal nicht so viel Zeit zum Lesen hat, in der S-Bahn oder im Bus, einfach mal kurz für Zwischendurch. Das Einzige, was ich nicht in der Öffentlichkeit anschauen darf sind die Fehlanzeiger, weil ich mir da manchmal nicht das Lachen verkneifen kann und die Leute doch etwas komisch schauen, wenn jemand plötzlich in der S-Bahn etc. lauthals loslacht ;-)
Schon wenn das Heftchen mit dem bunten Titelbild im Briefkasten liegt freue ich mich aufs Lesen, das gesamte Erscheinungsbild ist sehr angenehm, weil das ganze Heft schön bunt und freundlich ist, nicht in den trüben Farben anderer Magazine, die eher die Stimmung des Lesers senken durch ihre Negativ-Berichterstattung und die triste Farbgebung. Hier wird einem zwar auch nichts vorgegaukelt, aber selbst heikle Themen werden dem leser mit Witz und Charm präsentiert, so dass sie zwar weniger schlimm erscheinen, aber angenehmer zu lesen sind und den Weg für eigene Interpretationen offen lassen.
Den Preis von 2,50€, im Abonnement übrigens 25,50€ für 12 Ausgaben, finde ich durchaus angemessen für ein über 80 Seiten starkes Heft, bei dem, wenn man es genau sieht zwar ca. ¼ Werbung sind, diese aber zumeist nur einen schmalen Streifen vom Rand einnehmen, so dass das kaum auffällt (ehrlich gesagt ist mir die Menge der Werbung auch erst jetzt aufgefallen, wo ich sie extra für diesen Beitrag gezählt habe und auf ca. 24 Seiten gekommen bin, wenn man sie zu vollen Seiten zusammen setzen würde).
Alles in allem kann ich ihn (auch als Wessi) nur empfehlen und jedem raten sich mal ein Exemplar zum Reinlesen am Kiosk zu holen.
Danke an alle, fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!!!!
Schönen Gruß vom Wuschel!!!
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