Deutsche Bahn Testbericht

Deutsche-bahn
ab 16,26
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von ewka78

Die Bahn kommt... irgendwann

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

An sich fahre ich eigentlich bis heute recht gerne Bahn, auch wenn es Leute gibt, die behaupten, dass Bahnfahrer Masohisten sein müssen, aber dies gilt nur für Fernstrecken, wo der Zug nicht alle 5-10 Minuten anhält und eine vernünftige Geschwindigkeit beibehält. Die Bahn hat einfach einige entscheidende Vorteile gegenüber Auto - mit der Bahn kann man selbst bei richtig schlechtem Wetter einigermassen sicher ankommen, man muss sich nicht durchgehend konzentrieren und auch ständig auf seinen fünf Buchstaben sitzen. Wenn man müde ist, dann lehnt man sich zurück und schläft ein Weilchen und gefährdet andere Verkehrsteilnehmer nicht, weil man übermüdet fährt. Klarer Nachteil ist natürlich, dass man mit der Bahn nicht überall hinkommt, manchmal muss man auch Umsteigen in Kauf nehmen, wenn es keine Direktstecke zum Zielort gibt und hier kann man manchmal schon so einige undurchdachte Verbindungen erleben, wo man teil schon gut eineinhalb Stunden irgendwo am Bahnhof festgenagelt ist. Noch schlimmer dran ist man, wenn man in einen kleinen Ort fahren muss, wo die Züge selten fahren und auch vom Zielbahnhof man noch einen relativ weiten Weg vor sich hat. Auch die Entwicklung, dass die Deutsche Bahn AG immer mehr Züge aus dem Fahrplan herausnimmt und ersatzlos streicht, macht das ganze nicht besser, sondern zwingt auch da wieder Leute auf die Bahn zu verzichten und Auto zu fahren - die Gesellschaft ist nun mal schnellebig geworden und ein heutiger Durchschnittsmensch reist mindestens 4 Mal so viel, wie noch vor 40 Jahren.

Der Bahn wird auch immer vorgeworfen starr und unflexibel zu sein, was ich auch nie abstreiten konnte. Meist habe ich nämlich immer den Fahrplan im Kopf, wenn ich wegfahre, weil irgendwie muss man ja auch wieder nach Hause kommen, ohne die Nacht irgendwo in der Pampa verbringen zu müssen, weil man den letzten Anschlusszug verpasst hat. Das ist aber nicht das einzige, was mir jetzt Kopfschmerzen bereitet, wenn ich eine Reise plane, die nicht gerade im Umkreis von 200 Kilometern ist - ich würde sogar sagen, dass das heute das kleinste Übel bei der ganzen Sache ist. Vielmehr nervt mich immer mehr das neue Preissystem, was zwar auf dem ersten Blick sehr schön und günstig aussehen mag, aber auf der anderen Seite einfach nur so unflexibel ist, dass es selbst mich als Bahnfahrer so langsam immer mehr dazu zwingt mir Gedanken zu machen von der Schiene auf die Strasse umzusteigen. Schade.

Für alle, die immer noch im Dunkeln tappen, hier eine kleine Einführung auf der Beispielstrecke Hamburg - Köln, wo der Normalpreis 130 Euro beträgt.
Ab dem 15.12.2002 belohnt nun die Bahn Menschen, die ihre Reise im Vorraus planen und vergibt dann Rabatte und die sehen so aus:


  • 10% - In den Genuss kommt man, wenn man sich einen Tag noch vor der Reise entscheidet zu reisen - in diesem Beispiel kostet also das Ticket dann 117 Euro.



  • 25% - Um die bekommen zu können, muss man schon drei Tage im Vorraus buchen, dann würde die Fahrt 97.50 Euro kosten.



  • 40% - Der höchste aller Rabatte ist nur mit einer Einschränkung möglich. So muss hier die Reisezeit am Wochenende liegen, das gilt auch, wenn man nur für ein Wochenende verreist, es muss einfach ein Sonntag dazwischen liegen. Für diesen Tarif muss man auch gleich eine Woche im Vorraus buchen, besser aber schon eher, warum erkläre ich gleich.
    Hier würde allerdings die Fahrt nur noch 78 Euro kosten.


Für all diese Rabatte gilt aber auch noch, dass man ein Ticket bekommt, was strickt zuggebunden ist. Das heisst, wenn man beispielsweise günstig fahren möchte und gleich 40% Rabatt einsacken möchte, muss man sich schon eine Woche im Vorraus entscheiden wann man genau hinfahren und zurückfahren möchte, welche Strecke man nimmt und welchen Zug. Wer allerdings hier nicht weiss wann er nun genau hin will, kann schon mal die Rabatte vergessen. Auch eine spätere Umbuchung ist ziemlich schwierig und auch teuer, denn dann kostet das gleich 25 Euro. Bei betriebsbedingter Verspätung eines Zuges entfällt dies allerdings.

Das Kontingent für sämtliche Rabatte ist auch recht begrenzt, darum meinte ich auch, dass wenn man tatsächlich in den Genuss der 40% kommen möchte, dass man wirklich schnell sein muss. Manche Strecken sind nun mal recht begehrt und da kann man es auch erleben, wenn man buchen möchte, dass der Kontingent bereits erschöpft wurde und man nun etwas teuerer reisen muss. Ich sage mal so: Für Menschen, die gern mal spontan fahren, ohne am besten noch 3 Monate im Vorraus zu planen, oder auch Menschen, die wenig Zeit haben und manches überhaupt nicht vorhersehen können, ist dieses Tarifsystem einfach inakzeptabel. Es gibt einfach immer wieder Sachen, wo man es nicht vorhersehen kann und dann langt die Bahn heftigst zu.

Bei mir wirft sich aber auch die Frage auf, wieso man die bis dato vorhandenen Schüler und Studententarife, 25% des Normalpreises, einfach ersatzlos abgeschafft hat - glaubt man denn allen Ernstes bei der Bahn, dass nun diese Gruppe zu viel Geld hat? Gerade nämlich die Gruppe ist oft auf die Bahn mangels Geld für ein eigenes Fahrzeug angewiesen und auch hier wird normal wie bei allen in die Tasche reingegriffen, wenn man nicht im Vorraus bucht.

Lange musste sich auch die Bahn den Vorwurf gefallen lassen, dass sie für Gruppen und Familien zu teuer ist. Nun ja, hier hat sich es eindeutig gebessert, denn wenn man heute in einer Gruppe fährt, dann zahlt der erste zwar den vollen Preis, aber die restlichen Mitglieder zahlen dann nur noch 50% des Fahrpreises. Kinder unter 14 fahren sogar nun kostenlos mit, allerdings nur wenn es sich dabei um eigene Kinder handelt. Für Familienangehörige gilt dies aber nicht mehr und auch nicht für Gruppen mit Kindern. Hier scheint die Bahn nämlich verhindern zu wollen, dass gleich ganze Schulklassen umsonst fahren.

Auch die Bahncard ist eine Sache für sich - zwar kostet die jetzt nur noch 60 Euro, statt 130 wie zuvor (Normalpreis für die 2. Klasse), allerdings bekommt man hier nur noch 25%, statt 50%. Hier kann man aber noch kombinieren, dass man dann bei der Beispielstrecke Hamburg - Köln im Falle eines Rabattes von 40% würde dann der Fahrpreis nur noch 58.50 Euro kosten. Aber die wirkliche Verbesserung hier ist, dass Familienangehörige eine Bahncard schon für 5 Euro zu haben ist.

Streckennetz ist auch eine Sache, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, denn hier gibt es einige Verschlechterungen. Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, dass man sämtliche Interregios von der Schiene genommen hat, wo das eigentlich auch bei mir sehr beliebte Züge waren. Interregios hatten es einfach an sich schneller und bequemer als Regionalexpress zu sein und mit einem Interregio kam man auch schon viel weiter, denn die Strecken betrugen auch schon mal 400km. So bedauere ich heute immer noch, dass der Interregio 2600 Köln - Hamburg nun weg ist, der quasi eine Art Nachtzug war, denn mit dem konnte ich Nachts kurz nach 1 im Ruhrgebiet losfahren und war dann am frühen Morgen zu Hause. Interregios hatten aber auch noch eine andere Spezialität. Während die heutigen Inter City Züge umgebaut wurden und die Abteile grösstenteils abgeschafft wurden, waren bei den Interregios noch normale Abteile, die nicht nur den Komfort der Reise deutlich erhöht haben, sondern auch einfach nur angenehm waren und so manchmal konnte man Bekanntschaften mit den Mitfahrgästen schliessen.

Auch bei den ICs wurden einige Strecken geteilt, dass einige Direktstrecken abgeschafft wurden und man nun öfters umsteigen muss. Auch mir ist es aufgefallen, als ich mir den Fahrplan in den Ruhrgebiet angeschaut habe, dass da irgendwie die Züge nicht mehr ganz so oft direkt hinfahren, als wie vorher, so dass ich darauf angewiesen bin in Dortmund dann wieder umzusteigen. Früher fuhr nämlich jede Stunde ab Hamburg ein Zug in die Ecke ab. Zu der Innenausstattung der ICs möchte ich mich eigentlich nicht allzu sehr äussern, denn die finde ich einfach nur total unpraktisch. Die Bequemlichkeit der 80er Jahre, wo man den IC an der blauen Farbe noch erkennen konnte und die Waggons noch eine angenehme Atmosphäre mit Abteilen hatten, ist schon lange vorbei. Besonders witzig finde ich dabei immer, wenn so ein Grossraumwaggon in Raucher- und Nichtraucherabteile durch eine Glasscheibe getrennt ist. Wer wirklich nicht eingeräuchert werden will, der muss sich da einen Grossraumwaggon nur für Nichtraucher suchen.

Seltsam finde ich überhaupt die Politik auf Fernstrecken den Inter City Express vorzuziehen. Es gibt einfach einige Strecken in Deutschland, wo der ICE nur teurer ist gegenüber dem IC, aber kein Zeitgewinn bringt, im Gegensatz, es gibt auch Strecken, wo man sogar Zeit verliert durch einen ICE, aber das scheint man bei der Bahn vergessen zu haben. Nennenswert wäre zb. da wieder die Strecke Hamburg - Köln, wo man erstmal nach Hannover geschickt wird, um dann von dort aus weiter Richtung Dortmund und dann Köln zu fahren - das bringt gegenüber der IC-Variante fast eine halbe Stunde Zeitverlust. Wenn man sich das schon auf der Karte anschaut, dann weiss man warum, denn das ist es schon ein ziemlicher Umweg, aber der Grund ist klar: Die kürzere Strecke Hamburg - Bremen - Osnabrück - Dortmund ist bis heute nicht ICE-tauglich und wird wahrscheinlich in absehbarer Zeit es nicht werden. So dürfte es aber wahrscheinlich auf einigen anderen Strecken aussehen.

Am Ende bleibt mir nur zu sagen, dass ich wirklich nicht weiss, was die Bahn damit erreichen wollte. Für mich ist die Bahn noch unflexibler als zuvor geworden, denn für einen Alleinreisenden bringt das neue Tarifsystem mehr Nachteile als Vorteile und selbst einen hartgesottenen Bahnfahrer kann das auch schon mal ärgern, wenn man in die Lage kommt, dass man nicht ganz genau sagen kann wann man reisen wird und schon gar nicht zu welcher Uhrzeit. Damit gewinnt man nämlich wirklich keine Kundschaft und holt schon gar nicht die Leute von der Strasse, die schon davor eher eine negative Einstellung gegenüber der Bahn hatten, eben wegen der Unflexibilität. Schade, denn damit hat man wirklich die Chance vertan ein wirklich kundenorientiertes und einfaches Preissystem zu gestalten.







ãewka - 20.01.2003

20 Bewertungen