Erfahrungsbericht von egonman
Ozeanische Gefühle !
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
„Lava-Lampe“
Ein Klassiker der gehobenen Nutzlosigkeit !
Was für schöne , elegante und beruhigende Formen , dachte sich Edward Carven Walker , Royal Air Force-Pilot a. D. und enthusiastischer Nudist , als er in den Gewässern vor Korsika die auf- und abschwingenden sekundären Geschlechts-Merkmale eines nackigen Ein-Frau-Unter-Wasser-Balletts filmte . Die rundlich ausgewölbten , fließenden , hüpfenden Gebilde beschäftigten Craven Walker , Jahrgang 1918 , schon seit einigen Jahren . Nach seinen Einsätzen als Pilot eines kleinen Aufklärungs-Flugzeugees im Zweiten Weltkrieg hatte der in Singapur geborene Walker in London eine Agentur für internationalen Wohnungs-Tausch gegründet . Er selbst lebte in höchst bescheidenen Verhältnissen . Genauer gesagt , hauste er in einem schäbigen Wohnwagen im Hinterhof eines Pubs . Eines Abends in den frühen 50er Jahren - so will es die Legende - bemerkte der schon angetrunkene Walker im Pub eine seltsame Lampe . Es war ein Cocktail-Shaker aus Glas , gefüllt mit Öl und Wasser . Beheizt von einer Lampe im Sockel . Das Öl bildete sanft changierende Blasen , die im Wasser auf und ab blubbten . Und ebendiese tollen , rundlichen Gebilde formten , die Craven Walker so sexy fand .
Walker hatte die - neben dem Nudismus - große Faszination seines Lebens gefunden . Kurz entschlossen machte er sich auf die Suche nach dem Erfinder . Der , ein gewisser Mr. Dunnett , war inzwischen verstorben Walker erwarb die Patent-Rechte für das Wunderding von dessen Witwe . Jahrelang experimentierte er mit möglichen Ingredienzen , um schließlich - 1963 - genau die richtige Mischung von Parafin , Öl , Wasser und 13 anderen geheimen Zusätzen zu finden . Die „Lava-Lampe“ war geboren . Die Königin der völlig sinnlosen Produkte . Schöner als Klobrillen-Umpuschelungen , zeitloser als Herren-Täschchen und immer noch nützlicher als Schlüssel-Anhänger . Und eben viel erotischer als die meisten Dinge , die man sich so ins Regal stellt . Wer die „Lava-Lampe“ nicht mag , hat Angst vor Sex , warb Craven Walker brüsk . Das wollte sich Mitte der Sechziger nun wirklich niemand nachsagen lassen . Die „Astro-lamp“ - so der Name des noch heute produzierten Grund-Modells - verkauft sich abermillionen Male . Sie läutete das psychedelische Zeitalter ein , ersetzte im LSD-Rausch so manchen Fernseher und diente in den verkaterten Frühsiebzigern als nostalgisches Souvenir aus bessern Zeiten . Nachdem ein drei Meter hohes Astro-Modell die britische Kult-Serie „The Prisoner“ zierte und sich James Bond in seinem Bett lümmelte , dessen vier Pfosten aus lüstern pulsierenden „Lava-Lampen“ bestand , wurde der bewusstseinserweiternde „Kitsch-Kolben“ zur unangefochtenen Pop-Ikone .
Zum Klassiker Astro gesellten sich über die Jahre noch das Modernisten-Modell „Jet“ - ein schmuckloser schwarzer Zylinder , „Lunar“ , in Tim & Struppi-Mondraketen-Form und seine schlanke Schwester „Telstar“ . Walker widmete sich indes seiner zweiten Leidenschaft und gründete mit seinem neu erworbenen Reichtum eine Nudisten-Kolonie in Bournemouth an der Südküste Englands . Für Walkers „Lava-Lampe“ allerdings brachen indes harte Zeiten an . Punk und New Wave verbreiteten meditationsfeindliche Stimmung . Die Verkäufe gingen folglich in den Keller , die große „Lava-Lampen-Depression der frühen 80er beförderte das einstige Hipster-Utensil zum Ladenhüter . Flauschige Flokati-Gefühle waren eben nicht mehr gefragt . Die „Lava-Lampe“ trat in den Winterschlaf . Wie James Bond . Wie lange , vom Wah-Wah-Pedal verzerrte Gitarrensoli und Hosen mit Schlag . Traurige , lächerliche Dinge von gestern .
Bis die 22 Jahre junge Antiquitäten-Händlerin Cressida Granger einige abgestoßene „Lava-Lampen“ auf einem Flohmarkt in Glasgow entdeckte , erwarb und in Rekordzeit in ihrem kleinen Laden am Londoner Camden Market wieder verkaufte . So wie sich einst ein faszinierter Craven Walker auf die suche nach dem geheimnisvollen Mr. Dunnett machte , belagerte Granger den enttäuschten Lampen-Produzenten . Bis der - wir schreiben das Jahr 1990 - schließlich einen Vertrag mit der jungen Unternehmerin schloss . Wenn es ihr gelingen sollte , binnen eines Jahres mit ihrer Firma „Mathmos“ die „Lava-Lampen“ mit Gewinn zu vertreiben , würde er ihr die Rechte überlassen und nur noch als Berater fungieren.
Granger hatte richtig kalkuliert und erwischte punktgenau die anschwellende Retro-Psychedelic-Welle . Die Verkaufszahlen schossen in bisher unbekannte Höhen . die ehemalige Kunst-Studentin hatte das Schnäppchen ihres Lebens gemacht . „Mathmos“ - sinniggerweise benannt nach der zähflüssigen blasenbildenden bösenKraft „Barbarella“ - produziert und vertreibt seitdem exklusiv Astro , Testar und auch neue Lampen-Designs wie „Fluidum“ . Der Jahres-Umsatz von „Mathmos“ wird heute auf etwa 28 Millionen Euro geschätzt . Und läuft und läuft und läuft .
Was auch an der strengen Auswahl der erweiterten Produkt-Palette liegen mag . Formschön , leuchtend , nutzlos , darunter geht nichts : Der „Space-Projektor“ ein Ufo in der Senkrechte , das lavagleiche Licht-Landschaften auf vormals triste Wände wirft . Oder der „Tumbler“ , ein Ziegelstein großer leuchtender Quader für drinnen und draußen . Oder „Faze 3“ , eine hoch aufgeschlossene Licht-Pyramide , die auf Klang reagiert . außerdem wäre da noch die „Blubble“ . Ein aufladbarer , tragbarer Licht-Ball aus Silikon , der höchst angenehm in der Hand liegt . Ein Druck aufs Silikon aktiviert ein angenehmes bläuliches Glühen . Als wäre man wieder an der korsischen Küste . Als könnte Craven Walker endlich greifen , wonach er sich ein Leben lang gesehnt hatte . Ozeanische Gefühle . Edward Craven Walker ist vor andertalb Jahren gestorben . Seine „Lava-Lampe“ wird ihn wohl noch für Jahrzehnte überleben . Die fließenden , wogenden , hüpfenden Blasen haben längst alle Moden hinter sich gelassen . Ich glaube , die „Lava-Lampe“ wird immer populär bleiben , prophezeite Walker : Sie ist wie der Kreislauf des Lebens . Sie wächst , bricht auseinander , fällt in sich zusammen und dann fängt alles wieder von vorne an .
Das war die berühmte „Lava-Lampe“ , ich weiß von früher die durfte in keiner Wohnung fehlen , wir hatten natürlich auch eine . Aber früher wusste ich nicht so genau die Zusammenhänge wie heute , es hatte mich interessiert deshalb habe ich mich mal näher damit befasst , und die obrigen Ausführungen sind dabei herausgekommen . Wie haben voriges Jahr auch wieder eine geschenkt bekommen , die macht meine Frau abends beim fernsehen an , wenn man sie beobachtet wird man automatisch ruhiger , auch entstehen immer wieder neue Formen . Sie übt eine beruhigende Wirkung auf einen aus , wir sind froh das wir wieder eine „Lava-Lampe“ besitzen und möchten sie auch nicht mehr missen . Die original „Telstar“ kostet 86 Euro und die gute alte „Astro“ gibt es für 76 Euro . Wünsche allen „Lava-Lampen-Fans“ sehr viel Spaß mit ihren Lampen !
Ein Klassiker der gehobenen Nutzlosigkeit !
Was für schöne , elegante und beruhigende Formen , dachte sich Edward Carven Walker , Royal Air Force-Pilot a. D. und enthusiastischer Nudist , als er in den Gewässern vor Korsika die auf- und abschwingenden sekundären Geschlechts-Merkmale eines nackigen Ein-Frau-Unter-Wasser-Balletts filmte . Die rundlich ausgewölbten , fließenden , hüpfenden Gebilde beschäftigten Craven Walker , Jahrgang 1918 , schon seit einigen Jahren . Nach seinen Einsätzen als Pilot eines kleinen Aufklärungs-Flugzeugees im Zweiten Weltkrieg hatte der in Singapur geborene Walker in London eine Agentur für internationalen Wohnungs-Tausch gegründet . Er selbst lebte in höchst bescheidenen Verhältnissen . Genauer gesagt , hauste er in einem schäbigen Wohnwagen im Hinterhof eines Pubs . Eines Abends in den frühen 50er Jahren - so will es die Legende - bemerkte der schon angetrunkene Walker im Pub eine seltsame Lampe . Es war ein Cocktail-Shaker aus Glas , gefüllt mit Öl und Wasser . Beheizt von einer Lampe im Sockel . Das Öl bildete sanft changierende Blasen , die im Wasser auf und ab blubbten . Und ebendiese tollen , rundlichen Gebilde formten , die Craven Walker so sexy fand .
Walker hatte die - neben dem Nudismus - große Faszination seines Lebens gefunden . Kurz entschlossen machte er sich auf die Suche nach dem Erfinder . Der , ein gewisser Mr. Dunnett , war inzwischen verstorben Walker erwarb die Patent-Rechte für das Wunderding von dessen Witwe . Jahrelang experimentierte er mit möglichen Ingredienzen , um schließlich - 1963 - genau die richtige Mischung von Parafin , Öl , Wasser und 13 anderen geheimen Zusätzen zu finden . Die „Lava-Lampe“ war geboren . Die Königin der völlig sinnlosen Produkte . Schöner als Klobrillen-Umpuschelungen , zeitloser als Herren-Täschchen und immer noch nützlicher als Schlüssel-Anhänger . Und eben viel erotischer als die meisten Dinge , die man sich so ins Regal stellt . Wer die „Lava-Lampe“ nicht mag , hat Angst vor Sex , warb Craven Walker brüsk . Das wollte sich Mitte der Sechziger nun wirklich niemand nachsagen lassen . Die „Astro-lamp“ - so der Name des noch heute produzierten Grund-Modells - verkauft sich abermillionen Male . Sie läutete das psychedelische Zeitalter ein , ersetzte im LSD-Rausch so manchen Fernseher und diente in den verkaterten Frühsiebzigern als nostalgisches Souvenir aus bessern Zeiten . Nachdem ein drei Meter hohes Astro-Modell die britische Kult-Serie „The Prisoner“ zierte und sich James Bond in seinem Bett lümmelte , dessen vier Pfosten aus lüstern pulsierenden „Lava-Lampen“ bestand , wurde der bewusstseinserweiternde „Kitsch-Kolben“ zur unangefochtenen Pop-Ikone .
Zum Klassiker Astro gesellten sich über die Jahre noch das Modernisten-Modell „Jet“ - ein schmuckloser schwarzer Zylinder , „Lunar“ , in Tim & Struppi-Mondraketen-Form und seine schlanke Schwester „Telstar“ . Walker widmete sich indes seiner zweiten Leidenschaft und gründete mit seinem neu erworbenen Reichtum eine Nudisten-Kolonie in Bournemouth an der Südküste Englands . Für Walkers „Lava-Lampe“ allerdings brachen indes harte Zeiten an . Punk und New Wave verbreiteten meditationsfeindliche Stimmung . Die Verkäufe gingen folglich in den Keller , die große „Lava-Lampen-Depression der frühen 80er beförderte das einstige Hipster-Utensil zum Ladenhüter . Flauschige Flokati-Gefühle waren eben nicht mehr gefragt . Die „Lava-Lampe“ trat in den Winterschlaf . Wie James Bond . Wie lange , vom Wah-Wah-Pedal verzerrte Gitarrensoli und Hosen mit Schlag . Traurige , lächerliche Dinge von gestern .
Bis die 22 Jahre junge Antiquitäten-Händlerin Cressida Granger einige abgestoßene „Lava-Lampen“ auf einem Flohmarkt in Glasgow entdeckte , erwarb und in Rekordzeit in ihrem kleinen Laden am Londoner Camden Market wieder verkaufte . So wie sich einst ein faszinierter Craven Walker auf die suche nach dem geheimnisvollen Mr. Dunnett machte , belagerte Granger den enttäuschten Lampen-Produzenten . Bis der - wir schreiben das Jahr 1990 - schließlich einen Vertrag mit der jungen Unternehmerin schloss . Wenn es ihr gelingen sollte , binnen eines Jahres mit ihrer Firma „Mathmos“ die „Lava-Lampen“ mit Gewinn zu vertreiben , würde er ihr die Rechte überlassen und nur noch als Berater fungieren.
Granger hatte richtig kalkuliert und erwischte punktgenau die anschwellende Retro-Psychedelic-Welle . Die Verkaufszahlen schossen in bisher unbekannte Höhen . die ehemalige Kunst-Studentin hatte das Schnäppchen ihres Lebens gemacht . „Mathmos“ - sinniggerweise benannt nach der zähflüssigen blasenbildenden bösenKraft „Barbarella“ - produziert und vertreibt seitdem exklusiv Astro , Testar und auch neue Lampen-Designs wie „Fluidum“ . Der Jahres-Umsatz von „Mathmos“ wird heute auf etwa 28 Millionen Euro geschätzt . Und läuft und läuft und läuft .
Was auch an der strengen Auswahl der erweiterten Produkt-Palette liegen mag . Formschön , leuchtend , nutzlos , darunter geht nichts : Der „Space-Projektor“ ein Ufo in der Senkrechte , das lavagleiche Licht-Landschaften auf vormals triste Wände wirft . Oder der „Tumbler“ , ein Ziegelstein großer leuchtender Quader für drinnen und draußen . Oder „Faze 3“ , eine hoch aufgeschlossene Licht-Pyramide , die auf Klang reagiert . außerdem wäre da noch die „Blubble“ . Ein aufladbarer , tragbarer Licht-Ball aus Silikon , der höchst angenehm in der Hand liegt . Ein Druck aufs Silikon aktiviert ein angenehmes bläuliches Glühen . Als wäre man wieder an der korsischen Küste . Als könnte Craven Walker endlich greifen , wonach er sich ein Leben lang gesehnt hatte . Ozeanische Gefühle . Edward Craven Walker ist vor andertalb Jahren gestorben . Seine „Lava-Lampe“ wird ihn wohl noch für Jahrzehnte überleben . Die fließenden , wogenden , hüpfenden Blasen haben längst alle Moden hinter sich gelassen . Ich glaube , die „Lava-Lampe“ wird immer populär bleiben , prophezeite Walker : Sie ist wie der Kreislauf des Lebens . Sie wächst , bricht auseinander , fällt in sich zusammen und dann fängt alles wieder von vorne an .
Das war die berühmte „Lava-Lampe“ , ich weiß von früher die durfte in keiner Wohnung fehlen , wir hatten natürlich auch eine . Aber früher wusste ich nicht so genau die Zusammenhänge wie heute , es hatte mich interessiert deshalb habe ich mich mal näher damit befasst , und die obrigen Ausführungen sind dabei herausgekommen . Wie haben voriges Jahr auch wieder eine geschenkt bekommen , die macht meine Frau abends beim fernsehen an , wenn man sie beobachtet wird man automatisch ruhiger , auch entstehen immer wieder neue Formen . Sie übt eine beruhigende Wirkung auf einen aus , wir sind froh das wir wieder eine „Lava-Lampe“ besitzen und möchten sie auch nicht mehr missen . Die original „Telstar“ kostet 86 Euro und die gute alte „Astro“ gibt es für 76 Euro . Wünsche allen „Lava-Lampen-Fans“ sehr viel Spaß mit ihren Lampen !
7 Bewertungen, 1 Kommentar
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30.03.2002, 17:04 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichguter Bericht - vielleicht liest man sich ja mal öfters;-))
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