Eine Frage der Ehre (DVD) Testbericht
D
ab 16,24 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 04/2011
Auf yopi.de gelistet seit 04/2011
Erfahrungsbericht von catmother
Mit dem Kodex für Einheit, Corps, Gott und Vaterland
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Das Militär der USA, seine teilweise veralteten Traditionen und Rituale sind immer wieder Gegenstand für kritische, aber auch sehr publikumswirksame Filme. Diesen hier habe ich mir vor allem deshalb angesehen, weil sich die Darstellerriege wie das Who-is-who von Hollywood liest.
** Die Story **
Auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Guantanamo Bay, Kuba, kommt ein junger Rekrut unter unklaren Umständen ums Leben, als Lance Corporal Harold Dawson und PFC Downey nachts in sein Zimmer eindringen und ihm unmissverständlich den herrschenden Kodex der Truppe einbläuen.
Die Sonderbeauftragte der Inneren Abteilung Ltnt. Commander Joanne Galloway (Demi Moore) bemüht sich darum, den Fall, d.h. die Verteidigung der beiden Angeklagten Rekruten in ihre Hände zu bekommen, weil sie vermutet, daß jener PFC William Santiago einer Disziplinierungsmaßnahme, einem sogenannten Code Red, unterzogen wurde. Und der ist verboten.
Ihre Vorgesetzten halten sie wohl für nicht kompetent genug und so bekommt sie einen Kollegen zur Seite, den jungen, arroganten Anwalt Lieutenant Danny Kaffee (Tom Cruise). Kaffee ist nur auf seine Karriere bedacht. Nach seinem Studium will er die ruhige Zeit bei der Army als Sprungbrett nutzten. Er ist bekannt für seine Absprachen mit den gegnerischen Parteien, hat also noch nie eine Verhandlung geführt, geschweige denn einen Gerichtssaal von innen gesehen.
Zusammen mit seinem Kollegen Sam Weinberg (Kevin Pollack) soll er nun unter der Führung von Galloway die Verteidigung übernehmen.
Bereits bei der ersten Begegnung geraten die beiden aneinander. Galloway, die sich in der Sache erstaunlich engagiert, hält Kaffee für einen ignoranten Schnösel, da er sofort einen Deal plant, ohne überhaupt einmal mit seinen Mandanten gesprochen zu haben. Beim Studium der Unterlagen stellt sich heraus, daß Santiago ein eher schwacher Rekrut mit gesundheitlichen Problemen war und nach einigen Schikanen an alle Vorgesetzten, sogar an seinen Senator Briefe geschrieben hat mit der Bitte, sich von seinem Stützpunkt verlegt zu lassen.
Auf Joannes Druck hin fahren die beiden nach Guantanamo, um den Kommandeur des Stützpunkts Colonel Nathan Jessup (Jack Nicholson) zu der Sache zu hören. Jessup, überzeugter Militarist und gerade auf dem Weg zur Berufung zum Operationschef des Nationalen Sicherheitsrates schmeißt mit plakativen Sprüchen um sich („Unser Geschäft ist es, leben zu retten“) und behauptet, seinem Platoon Commander Jonathan Kendrik (Kiefer Sutherland) eindeutig die Anweisung gegeben zu haben, die Sache so zu regeln, daß Santiago nichts passiert. Warum jedoch ist er dann tot?
Die Angeklagten ihrerseits geben zu, daß es ein Code Red war nach einer Anordnung von Kendrick. Santiago sollte bestraft werden, weil er die Befehlskette gebrochen hatte. Einen Deal mit Staatsanwalt Jack Ross (Kevin Bacon) lehnen sie mit der Begründung ihres Kodex ab, denn sie fühlen sich nicht schuldig, weil sie nur einen Befehl befolgt haben.
Letzteres ist allerdings nicht zu beweisen, weil Jessup alle Unterlagen, beispielsweise eine Verlegungsbefehl für Santiago oder die Logbücher des Flughafentowers fälschen lässt, um seine schützenden Maßnahmen vorzutäuschen.
Als auch noch der einzige Zeuge der Verteidigung, Jessups Stellvertreter Colonel Markenson, Selbstmord begeht und eine Beschuldigung von Jessup Kaffee Kopf und Kragen kosten könnte, scheint der Ausgang des Falles klar.
Trotzdem sagt Kaffee mit dem Antrag „Nicht schuldig“ vor dem Militärstrafsenat dem Militär den Kampf an.
** Darsteller **
Als Lieutenant Kaffee sehen wir Tom Cruise in, wie ich glaube, einer seiner besten Rollen. Den Charakter des oberflächlichen Schnösels beherrscht er ja aus dem Effeff. Aber auch den ernsthaften, engagierten und kämpferischen Anwalt kann er so überzeugend darstellen, daß man nach dem furiosen Verhör mit Jessup erst einmal atemlos bleibt.
Fast noch besser, weil sehr viel authentischer, ist Jack Nickolson als machtbesessener, selbstherrlicher Kommandeur. Der blasiert Blick, das typische zynische Lächeln sind beispiellos.
Doch auch Demi Moore macht in diesem Film eine gute Figur. Mal nicht als vollbusige Schönheit eingesetzt, zeigt sie Charakter, Biß und bietet Cruise mehr als einmal Paroli. Leider nur am Anfang, dann verliert ihre Rolle zugunsten der beiden männlichen Darsteller an Substanz.
Zu erwähnen wären hier noch Kevin Bacon als Staatsanwalt und Kiefer Sutherland als höriger Militär, aber deren Rollen sind zu klein, als daß sie ihre Fähigkeiten hätten richtig ausspielen können.
** Filmkritik **
Obwohl der übertriebene Patriotismus von US-Militär-Filmen allgemein und auch von diesem hier gelegentlich nervig sind, halte ich „Eine Frage der Ehre“ für einen außerordentlich guten Film.
Er behandelt eigentlich drei Problemkreise: einerseits werden die unmenschlichen Erziehungs- und Bestrafungsrituale bei der US-Army, ihre Folgen und ihre Fragwürdigkeit thematisiert. Wie Jessup bei seiner Vernehmung sagt, glauben die Befehlshaber von Einheiten, die sich oft für Gott und für ganz allein für die Sicherheit der Nation zuständig halten, alles sei unter dem Mantel von Verteidigung und Sicherheit erlaubt. Auch wenn es Menschenleben kostet. Und die Schwächeren sind nicht nur eine Last, sondern eine Gefahr für die Nation. Welche Arroganz. Das grenzt schon an Euthanasie.
Zum anderen stellt der Film die Befehlsgewalt und militärischen Gehorsam um jeden Preis in Frage. Das allerdings fand ich fragwürdig, denn es kam fast so rüber, als sollte man prinzipiell dem Rekruten überlassen, einen Befehl als sinnvoll oder sinnlos einzuschätzen.
Im Mittelpunkt steht jedoch die Wandlung von Kaffee vom karrieregeilen, selbstverliebten und oberflächlichen Winkeladvokaten mit militärischem Rang zu einem richtigen Anwalt, der für eine Sache und die Wahrheit kämpft und dabei auch den eigenen Kopf riskiert. Allerdings wird diese Wandlung erst durch die Begegnung mit Jessup initiiert und dessen grenzenlose Arroganz, die bei Kaffee Ehrgeiz und Haß weckt.
** Meine Meinung **
Ein absolut sehenswertes Militärgerichtsdrama mit kritischen Tönen. Die geschliffenen Dialoge machen Spaß, die Schauspieler überzeugen. Wer sich an übertriebenem Pathos und Patriotismus nicht stört, für den ist der Film genau das richtige.
** Daten **
USA 1992
Genre: Thriller
Originaltitel: A Few Good Men
Regie: Rob Reiner
Buch: Aaron Sorkin
Musik: Marc Shaiman
FSK 12
** Die Story **
Auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Guantanamo Bay, Kuba, kommt ein junger Rekrut unter unklaren Umständen ums Leben, als Lance Corporal Harold Dawson und PFC Downey nachts in sein Zimmer eindringen und ihm unmissverständlich den herrschenden Kodex der Truppe einbläuen.
Die Sonderbeauftragte der Inneren Abteilung Ltnt. Commander Joanne Galloway (Demi Moore) bemüht sich darum, den Fall, d.h. die Verteidigung der beiden Angeklagten Rekruten in ihre Hände zu bekommen, weil sie vermutet, daß jener PFC William Santiago einer Disziplinierungsmaßnahme, einem sogenannten Code Red, unterzogen wurde. Und der ist verboten.
Ihre Vorgesetzten halten sie wohl für nicht kompetent genug und so bekommt sie einen Kollegen zur Seite, den jungen, arroganten Anwalt Lieutenant Danny Kaffee (Tom Cruise). Kaffee ist nur auf seine Karriere bedacht. Nach seinem Studium will er die ruhige Zeit bei der Army als Sprungbrett nutzten. Er ist bekannt für seine Absprachen mit den gegnerischen Parteien, hat also noch nie eine Verhandlung geführt, geschweige denn einen Gerichtssaal von innen gesehen.
Zusammen mit seinem Kollegen Sam Weinberg (Kevin Pollack) soll er nun unter der Führung von Galloway die Verteidigung übernehmen.
Bereits bei der ersten Begegnung geraten die beiden aneinander. Galloway, die sich in der Sache erstaunlich engagiert, hält Kaffee für einen ignoranten Schnösel, da er sofort einen Deal plant, ohne überhaupt einmal mit seinen Mandanten gesprochen zu haben. Beim Studium der Unterlagen stellt sich heraus, daß Santiago ein eher schwacher Rekrut mit gesundheitlichen Problemen war und nach einigen Schikanen an alle Vorgesetzten, sogar an seinen Senator Briefe geschrieben hat mit der Bitte, sich von seinem Stützpunkt verlegt zu lassen.
Auf Joannes Druck hin fahren die beiden nach Guantanamo, um den Kommandeur des Stützpunkts Colonel Nathan Jessup (Jack Nicholson) zu der Sache zu hören. Jessup, überzeugter Militarist und gerade auf dem Weg zur Berufung zum Operationschef des Nationalen Sicherheitsrates schmeißt mit plakativen Sprüchen um sich („Unser Geschäft ist es, leben zu retten“) und behauptet, seinem Platoon Commander Jonathan Kendrik (Kiefer Sutherland) eindeutig die Anweisung gegeben zu haben, die Sache so zu regeln, daß Santiago nichts passiert. Warum jedoch ist er dann tot?
Die Angeklagten ihrerseits geben zu, daß es ein Code Red war nach einer Anordnung von Kendrick. Santiago sollte bestraft werden, weil er die Befehlskette gebrochen hatte. Einen Deal mit Staatsanwalt Jack Ross (Kevin Bacon) lehnen sie mit der Begründung ihres Kodex ab, denn sie fühlen sich nicht schuldig, weil sie nur einen Befehl befolgt haben.
Letzteres ist allerdings nicht zu beweisen, weil Jessup alle Unterlagen, beispielsweise eine Verlegungsbefehl für Santiago oder die Logbücher des Flughafentowers fälschen lässt, um seine schützenden Maßnahmen vorzutäuschen.
Als auch noch der einzige Zeuge der Verteidigung, Jessups Stellvertreter Colonel Markenson, Selbstmord begeht und eine Beschuldigung von Jessup Kaffee Kopf und Kragen kosten könnte, scheint der Ausgang des Falles klar.
Trotzdem sagt Kaffee mit dem Antrag „Nicht schuldig“ vor dem Militärstrafsenat dem Militär den Kampf an.
** Darsteller **
Als Lieutenant Kaffee sehen wir Tom Cruise in, wie ich glaube, einer seiner besten Rollen. Den Charakter des oberflächlichen Schnösels beherrscht er ja aus dem Effeff. Aber auch den ernsthaften, engagierten und kämpferischen Anwalt kann er so überzeugend darstellen, daß man nach dem furiosen Verhör mit Jessup erst einmal atemlos bleibt.
Fast noch besser, weil sehr viel authentischer, ist Jack Nickolson als machtbesessener, selbstherrlicher Kommandeur. Der blasiert Blick, das typische zynische Lächeln sind beispiellos.
Doch auch Demi Moore macht in diesem Film eine gute Figur. Mal nicht als vollbusige Schönheit eingesetzt, zeigt sie Charakter, Biß und bietet Cruise mehr als einmal Paroli. Leider nur am Anfang, dann verliert ihre Rolle zugunsten der beiden männlichen Darsteller an Substanz.
Zu erwähnen wären hier noch Kevin Bacon als Staatsanwalt und Kiefer Sutherland als höriger Militär, aber deren Rollen sind zu klein, als daß sie ihre Fähigkeiten hätten richtig ausspielen können.
** Filmkritik **
Obwohl der übertriebene Patriotismus von US-Militär-Filmen allgemein und auch von diesem hier gelegentlich nervig sind, halte ich „Eine Frage der Ehre“ für einen außerordentlich guten Film.
Er behandelt eigentlich drei Problemkreise: einerseits werden die unmenschlichen Erziehungs- und Bestrafungsrituale bei der US-Army, ihre Folgen und ihre Fragwürdigkeit thematisiert. Wie Jessup bei seiner Vernehmung sagt, glauben die Befehlshaber von Einheiten, die sich oft für Gott und für ganz allein für die Sicherheit der Nation zuständig halten, alles sei unter dem Mantel von Verteidigung und Sicherheit erlaubt. Auch wenn es Menschenleben kostet. Und die Schwächeren sind nicht nur eine Last, sondern eine Gefahr für die Nation. Welche Arroganz. Das grenzt schon an Euthanasie.
Zum anderen stellt der Film die Befehlsgewalt und militärischen Gehorsam um jeden Preis in Frage. Das allerdings fand ich fragwürdig, denn es kam fast so rüber, als sollte man prinzipiell dem Rekruten überlassen, einen Befehl als sinnvoll oder sinnlos einzuschätzen.
Im Mittelpunkt steht jedoch die Wandlung von Kaffee vom karrieregeilen, selbstverliebten und oberflächlichen Winkeladvokaten mit militärischem Rang zu einem richtigen Anwalt, der für eine Sache und die Wahrheit kämpft und dabei auch den eigenen Kopf riskiert. Allerdings wird diese Wandlung erst durch die Begegnung mit Jessup initiiert und dessen grenzenlose Arroganz, die bei Kaffee Ehrgeiz und Haß weckt.
** Meine Meinung **
Ein absolut sehenswertes Militärgerichtsdrama mit kritischen Tönen. Die geschliffenen Dialoge machen Spaß, die Schauspieler überzeugen. Wer sich an übertriebenem Pathos und Patriotismus nicht stört, für den ist der Film genau das richtige.
** Daten **
USA 1992
Genre: Thriller
Originaltitel: A Few Good Men
Regie: Rob Reiner
Buch: Aaron Sorkin
Musik: Marc Shaiman
FSK 12
Bewerten / Kommentar schreiben