Der Mann aus Sankt Petersburg (Taschenbuch) / Ken Follett Testbericht

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ab 5,13
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Erfahrungsbericht von freaknature

Historischer Roman vor dem 1. Weltkrieg

Pro:

Spannung, einfach zu lesen, informativ, interressante Zeit

Kontra:

Follett kann das noch besser

Empfehlung:

Ja

Ich hatte mal eine Zeit, in der ich nur Follett gelesen habe. Angefangen hat alles mit „Die Nadel“. Ich habe dieses Buch so geil gefunden, dass ich fortan die ganze Bibliothek ausgeraubt habe. Leider besitze ich nur zwei Bücher von ihm. „Die Löwen“ und „Der Mann aus St. Petersburg“.

Letzteres spielt in London im Jahre 1914.
Der Krieg rückt immer näher und man wusste, dass er kommen muss. England und Russland streben eine Militärallianz gegen Deutschland an, da sie es sonst schwerer hätten zu gewinnen. So kommt es zu Verhandlungen, geführt von Sir Edward Walden und Fürst Orlow, einem Verwandten des Zaren.
Nun herrscht in der russischen Bevölkerung jedoch große Unzufriedenheit und die revolutionären Oppositionen fangen an sich zu organisieren. Ein Exilrusse namens Felix Kschessinsky ist Anarchist. Nachdem er sogar im GULag (weiß nicht, ob die in der Zarenzeit auch schon so hießen) war, wo er jedoch unter schlimmsten Strapazen flüchten konnte, ging er in die Schweiz, wo er an einer revolutionären Zeitung arbeitete. Dann bekommt er den Auftrag Orlow zu töten. Er reist nach London und kundet die Situation aus.
Doch als er mit der Pistole vor seinem Opfer steht, trifft es ihn wie ein Schlag. Als er sein Opfer ausmachen will, fällt sein Blick auf die Frau Waldens. Lydia - vor 19 Jahren in St. Petersburg war sie seine heimliche Liebe. Während er versucht Kontakt aufzunehmen, plant er seinen Mord weiter. Als die Nachricht vom Mord des Österreichischen Thronfolgers die Beteiligten erreicht spitzt sich die Lage zu. Felix fliegt auf und muss sehr aufpassen, was er tut.
Die Tochter von Walden und Lydia (zumindest denkt das Walden :) ) namens Charlotte ist während der ganzen politischen Geschehnisse gerade dabei die ganze Welt zu entdecken. Heimlich geht sie zu Versammlungen von Feministinnen und sie entdeckt auch die Sexualität, über die sie mit ihren Eltern nie hätte reden können.

Vorher hatte ich noch nie etwas von der Vorkriegszeit des 1. Weltkriegs gelesen, sodass ich dieses Buch und dessen Informationen quasi ausgelutscht habe. Es wird sogar beschrieben wie sich Felix mit doch recht einfachen Mitteln eine Granatenbombe baut. Gleich im ersten Kapitel tritt sogar eine berühmte Persönlichkeit auf. Sie wird als etwas aufdringlicher und nerviger Minister beschrieben. Winston Churchill, der ja, wie man weiß, im Laufe der Weltgeschichte noch seinen Platz gefunden hat.
Die Erlebnisse von Charlotte lockern die eher politsche Geschichte merklich auf. Mit ihr werden auch viele Probleme und Sitten der Zeit verdeutlicht. Zum Beispiel mussten sich alle edlen Mädchen dem Königspaar vorstellen. Die Lebensverhältnisse von Felix zeigen dagegen die Seite der armen Bevölkerung.

Auf jeden Fall ist das Buch ist ein super historischer Roman, bei dem wirklich gut recherchiert wurde. Man lernt viel über die Verhälnisse zu der Zeit im London der Reichen, der Armen und auch der russischen Revolution. Die Standesunterschiede waren wirklich derb. Erschreckend ist die Unwissenheit Charlottes im Thema Sexualität. Ohne ihre Freundin hätte sie nie erfahren wie Sexualität überhaupt funktioniert. Wie man schwanger wird, habe ich mit 10 Jahren längst gewusst. Charlotte ist 19.
Die Frauenbewegung ist auch an ihren Ursprüngen. Vor allem geht es hier um arme gequälte Frauen, die mühsam für jedes Stück Brot kämpfen müssen.
Die politische Seite ist einfach und verständlich beschrieben. Deutschland rüstet auf und ihre Gegner müssen reagieren. Die Verhandlungen sind zwar gut umschrieben, machen das Buch, aber in keiner Situation langweilig.
Felix’ Vergangenheit wird sehr interessant geschildert. Als er aus dem Lager floh, war er am Rande seiner Kräfte. Solche Szenen werden sehr tragisch dargestellt.
Dazu kommen noch spannende Verfolgungsjagden, bei den Felix sogar manchmal Polizisten direkt gegenübersteht.
Jedoch muss es trotz der Spannung und Informationsgehalt im Gegensatz zu anderen Büchern Folletts noch zurückstecken. Follett ist ein genialer Autor, hat dies jedoch nicht bei all seinen Werken eindeutig unter Beweis gestellt.

Das Buch hat 14,90 DM gekostet. Ich habe die Taschenbuchausgabe mit 415 Seiten! Somit ist es ein normaler Standartpreis. Dafür bekommt man Spannung, etwas Erotik :) und Informationen über eine Zeit, in der sich die Gesellschaft einem Wandel unterzog. Und all das ist in einem wirklich guten Roman verpackt. Zum verschlingen. Durch die vielseitige Geschichte ist es eigentlich auch für alle Leser empfehlenswert.
Superbuch. Empfehlung, aber erstmal in der Bibliothek nachgucken. Gibts da bestimmt.

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