Effi Briest (Taschenbuch) / Theodor Fontane Testbericht

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Erfahrungsbericht von saraa

Die dritte berühmte Ehebrecherin in der Literatur des 19.Jahrhunderts

Pro:

Mitgefühl garantiert

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich möchte euch diesmal einen Roman vorstellen, den ich mal gar nicht freiwillig gelesen habe. Effi Briest von Theodor Fontane ist nun mal absolute Pflichtlektüre in der Schule.
Mit einer ähnlichen Einstellung bin ich zunächst auch an diesen Roman heran gegangen.
Die letzten Vorschläge meiner Deutschlehrerin waren etwas anstrengend aber dieses Mal war ich wirklich sehr positiv überrascht. Endlich mal ein Roman, mit dem man auch wirklich etwas anfangen kann. Einmal angefangen liest es sich eigentlich auch ziemlich schnell durch (um die zu beruhigen, die es vielleicht noch lesen müssen und nicht so auf deutsche Literatur des 19. Jahrhundert stehen).

Für die, die sich mit dem Buch näher auseinander setzen müssen oder möchten, kann ich für Interessierte neben dem allgemeinen Inhalt noch die Szeneninhalte, die die Geschichte im Zusammenhang etwas verständlicher machen und für die, die es in der Schule lesen müssen, bestimmt nützlich sind, geben.
Da es absolut den Rahmen sprengen würde, das hier mit reinzusetzen schreibt mir einfach, dann schicke ich es euch per E-mail zu!

Inhalt:
Effi Briest, aus märkischem Landadel stammend, wird als junges Mädchen mit dem wesentlich älteren Baron Geert von Instetten verheiratet, der bereits ihre Mutter ihre Mutter umworben hatte. Sie ist ein sehr verspieltes Kind und erst 17 als sie verheiratet wird und wird mit einem Mann verheiratet, der gut und gerne ihr Vater sein könnte.
Sie muss also ihr zuhause verlassen und mit ihrem Mann nach Kessin zu ziehen.
Dort hat sie kaum Kontakt zu anderen Menschen mit denen sie sich wirklich anfreunden oder zumindest nett unterhalten könnte. Sie ist, wie es für adelige Frauen zu der Zeit üblich war, meist an das Haus und die Umgebung gebunden und auch oft alleine.
In dem großen adeligen Haus fühlt sie sich nicht wohl und ihr wird es schnell langweilig.
Instetten ist sowieso ein sehr ernster Mensch, dem sein Beruf sehr wichtig. So hat er keine Zeit für sie und wenn er da ist, ist er mit Zärtlichkeiten allzu sparsam.
Schnell wird Effi schwanger, so dass sie mit 18 bereits Mutter ist.
Die Wende kommt mit dem Major von Crampas, der neu zuzieht. Mit diesem hat Effi von Anfang an viel zu tun. Zunächst reiten Effi, Instetten und Crampas oft zu dritt aus, dann jedoch hat Instetten dazu keine Zeit mehr und Effi und Crampas führen die Ausritte ohne ihn fort. Schnell kommt es zu Annäherungen zwischen den beiden, was Effi zu vermeiden versucht, ihr aber nicht so richtig gelingen will.
Aber: kann das gut gehen…..?

Weiter möchte ich euch nichts verraten!

Meine Meinung:
Dieser Roman gehört eindeutig zu den besten Romanen, die ich je gelesen habe.
Die Geschichte ist einfach und nachvollziehbar. Auch wenn das ganze über ein Jahrhundert zurück liegt, scheint die Geschichte absolut real.

Die Hauptfigur Effi:
Effi wird als ein junges lebenslustiges Kind vorgestellt und entwickelt sich in dem Roman zur Frau. Fontane zeichnet hier kein Parade-beispiel einer Frau, Effi ist alles andere als perfekt: Sie macht Fehler, zeigt Schwächen und ist doch immer sie selbst.
Genau das ist es, was sie so unglaublich sympathisch macht. Von der ersten Sekunde an fühlt man mit Effi mit. Man freut sich mit ihr, man leidet mit ihr und hofft für sie.
Man verzeiht ihr alles und denkt doch über ihre Fehler nach.
Der Roman ist zum größten Teil aus ihrer Sichtweise geschrieben, so dass man ihre Situation noch besser verstehen kann.

Stil:
Fontanes Stil hat mir sehr gut gefallen. Ich habe oft gehört, wie andere darüber gewettert haben, dass er alles so endlos beschreibt. Das ist auch so; allerdings muss man sagen, dass es einfach nicht anders geht. Er vermittelt einfach fantastisch die Atmosphäre und das Umfeld und Dinge, über die man sich zu Anfang gewundert hat, ergeben zum Schluss dann doch einen Sinn. Es sind so viele versteckte Hinweise, Zierden und Geschichten versteckt, um deretwillen es sich lohnt, es noch mal zu lesen.
Insgesamt schreibt Fontane sehr Ausführlich wobei meistens keine Geschehnisse direkt, sondern rückblickend im Gespräch anderer Personen wieder gegeben werden.
Die Sprache an sich ist sehr einfach geschrieben. Sie hört sich schön an, man kann es aber ohne weiteres verstehen, ohne sich erst mit der Sprache der Zeit auseinander setzen zu müssen.

Ich habe es wirklich genossen bis zum Schluss mit Effi „mitzuleben“ und am Ende floss dann auch doch schon die ein oder andere Träne (ups, das sagt ja jetzt schon was über das Ende aber macht nichts!). Ich kann diesen Roman deshalb wirklich empfehlen, wobei aus der Meinungsbildung in meinem Kurs in der Schule leider ziemlich deutlich hervor ging, dass es wohl schon ein sehr starker Frauenroman ist, was daran liegen mag, dass die Herren der Schöpfung sich nicht unbedingt so benehmen, wie das wahrscheinlich heute der Fall wäre ( oder sein sollte?!)
Aber: Nur Mut, vielleicht könnt ihr daraus ja noch was lernen, was Frauen betrifft, oder wie man es vielleicht nicht machen sollte!
Auch wenn sich das jetzt alles ganz amüsant anhört, ist es doch ein ernstzunehmender bedeutsamer Roman, der mir persönlich doch sehr viel Aufschluss darüber gegeben hat, wie gut ich es eigentlich habe!

Autor :
Theodor Fontane war ein sehr bedeutender gesellschaftskritischer Autor seiner Zeit und heute einer der bedeutendsten Autoren überhaupt.
Werke wie Effi Briest sind Pflichtlektüre in jeder gymnasialen Oberstufe.

Daten:
Effi Briest-Theodor Fontane
Hamburger Lesehefte Verlag
ISBN: 3-87291-170-8
252 Seiten

Bis dann und vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe es hat geholfen!

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