Jung, blond, tot (Taschenbuch) / Andreas Franz Testbericht

Droemer-knaur-jung-blond-tot-taschenbuch
ab 5,25
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
5 Sterne
(2)
4 Sterne
(2)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von Turbinefan

Mein erster Franz

4
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  hoch
  • Spannung:  sehr gering
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  ausschmückend
  • Zielgruppe:  Männer

Pro:

Spannend und emotional

Kontra:

Wiederholte Erwähnung von Produkten

Empfehlung:

Ja

Hallo zusammen,

in meinem ersten Bericht möchte ich euch einen Kriminalroman von Andreas Franz vorstellen. Es handelt sich um den Roman Jung, blond, tot, den er schon 1996 schrieb.

Andreas Franz war mir, obwohl ich gerne Krimis lese, bis vor einem Jahr kein Begriff. Erst auf einer Empfehlung hin, besorgte ich mir beim Weltbild-Verlag dieses Buch.
Für 4,95 Euro konnte ich eigentlich nichts falsch machen und habe die Kaufentscheidung auch nicht bereut.


Buch-Daten:

511 Seiten Taschenbuchausgabe,
Lizenzausgabe für Weltbild Verlagsgruppe,
Originalverlag: Knaur Taschenbuchverlag


Der Autor:

Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) geboren.
Mit 17 Jahren machte er seinen Abschluss in Wirtschaftsenglisch. Sein größtes Hobby war aber die Musik, so dass er sich nach dem Abschluss lieber einer Band anschloss und als Schlagzeuger sein Geld verdiente.
Schon in seiner Jugendzeit begann Andreas Franz Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben.
Heute lebt er mit seiner Frau und fünf Kindern in der Nähe von Frankfurt/Main.


Zum Inhalt:

In Frankfurt am Main ist ein Serienkiller unterwegs, der es auf junge blonde Mädchen abgesehen hat, die er immer auf die gleiche brutale und grausame Art tötet.
Seine Opfer werden von ihm vergewaltigt, getötet und dann nach einem Ritual zurechtgemacht, in dem er ihnen Zöpfe mit roten Schleifen bindet.
Zum Ritual gehören noch andere Dinge, die ich jetzt aber nicht näher erläutern möchte, weil sie einfach grausam sind und vom Autor sehr detailgetreu dargestellt werden.
Die Kommissarin Julia Durant, erst seit kurzem bei der Mordkommission und ihre Kollegen, stehen vor einem Rätsel.
Der Täter hinterlässt kaum auswertbare Spuren. Dennoch ist sich die Kommissarin sicher, dass sich der Täter in der feinen Gesellschaft Frankfurts finden lässt.
Trotz intensiver Ermittlungen können weitere Morde nicht verhindert werden.
Mit großem Ergeiz und eisernem Willen geht Julia Durant an die Lösung des Falles und lässt sich auch durch Rückschläge nicht von ihrem Weg abbringen.
Durch viel Kleinarbeit und natürlich auch durch Kommissar Zufall kommt sie dem Täter immer näher und ahnt nicht, welche Überraschung sie erwartet.


Zum Ermittlerteam:

Chef der Mordkommission ist Berger, ein gebrochener Mann, der sich nur noch auf die Büroarbeit konzentriert und stets ein Fläschchen in der Schublade seines Schreibtisches versteckt. Seine Frau und seinen Sohn verlor er bei einem Autounfall und ist seit diesem Schicksalsschlag verbittert.
Julia Durant ist die Chefermittlerin der Frankfurter Mordkommission und war vorher im Bereich Sitte tätig. Auf Grund ihrer Erfahrungen und Ermittlungserfolge bei der Sitte wurde sie zur Mordkommission versetzt. Sie ist vom Ehrgeiz zerfressen und gibt erst Ruhe wenn der oder die Täter dingfest gemacht wurden. Julia Durant ist geschieden, kinderlos und hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Vater, einem ehemaligen Pfarrer. Ihr Vater spielt für sie eine große Rolle, weil er stets für sie da ist und ihr zuhört wenn es ihr schlecht geht oder sie nicht weiter weiß. Er gibt ihr Kraft und Zuversicht für die weiteren Ermittlungen.
Die nervliche Anspannung während der Ermittlungsarbeiten lässt sie immer wieder zur Zigarette greifen, obwohl ihre Mutter an Lungenkrebs starb und sie schon oft mit dem Rauchen aufhören wollte.

Weiterhin zum Team gehört Frank Hellmer, gleichzeitig Julias bester und einziger Freund.
Er wird in späteren Fällen noch eine große Rolle spielen.
Dann wäre noch Peter Kullmer zu erwähnen, ein Typ den Julia auf Grund seiner Arroganz eher abstoßend als liebenswert empfindet. Aber im Team muss man sich eben arrangieren und an einem Strang ziehen.

Ebenfalls zum Team gehört Kommissar Schulz, allerdings nur in diesem Fall. Schulz leidet sehr unter seinen familiären Verhältnissen, todkranke Tochter und gleichgültige Frau.
Während das Team in den Ermittlungsarbeiten steckt, stirbt seine Tochter und er nimmt sich das Leben.


Nun eine kleine Leseprobe: Seite 399

Sie sah ihn verstohlen von der Seite an, fragte, als er sie plötzlich ansah:
„Aber warum schaust du mich so komisch an? Wenn ich ehrlich bin, machst du nicht gerade ein sehr freundliches Gesicht. Hattest du einen schlechten Tag?“
„Nein, es war ein guter Tag, ein sehr guter Tag sogar. Er wird vielleicht sogar noch besser werden, wenn…“
„Wenn was?“
„Du wirst es gleich sehen“ sagte er ernst, doch mit einem kaum merklichen Lächeln.
„Oh, du bist also doch deswegen gekommen! Du bist tatsächlich wegen mir gekommen!“
Sie schnalzte leise mit der Zunge.
„Ich verstehe. Aber es geht heute nicht, doch wie gesagt, ich bin…“
Zu mehr kam sie nicht. Mit einem schnellen Schritt war er dicht bei ihr, rammte das Stilett blitzschnell ein paar Mal von hinten in ihren Körper, die andere Hand presste er brutal auf ihren Mund. Er zerrte sie rasch die steile, doch nicht sehr tiefe Böschung hinunter Richtung Bach und unter die Brücke.
Ihre angstvoll geweiteten Augen flehten ihn stumm an, sie war noch nicht tot.
Soweit eine kleine Leseprobe.


Meine Meinung zum Roman:
Am Anfang hatte ich ein paar Probleme mich zurechtzufinden, denn für einen normal sterblichen ist es eher ungewohnt sich in dieser „Oberschicht“ zu bewegen. Der Leser wird aber von Anfang an von Andreas Franz in diese Welt voller Geld und Macht geworfen.
Neben Wohlstand und heiler Welt kommen aber auch düstere Seiten zum Vorschein, die durch Machtmissbrauch, Drogen und pädophilen Neigungen gekennzeichnet sind.
Wer sich dennoch vom Autor führen lässt, wird sich nach kurzer Zeit zurechtfinden und schon bald selbst versuchen, den Täter zu entlarven.
Ich empfand das Buch von Anfang an als spannend und nie langweilig. Sehr gut finde ich, dass bei jedem Schauplatzwechsel Datum und Uhrzeit angegeben werden. Diese Art der Aufzeichnung dient dem Leser der besseren Übersichtlichkeit.
Die Autorensprache wirkt manchmal etwas platt und dann wieder extrem hart, teilweise sogar sexistisch.
So finden die Gespräche und Dialoge der Ermittler in einem ziemlich moderaten und manchmal auch spöttischen Ton und die Beschreibung der Taten in einem sehr derben und schonungslosen Ton statt.
Ich bin aber der Meinung, dass gerade die Sprache des Autors den Leser nicht mehr loslässt.

Andreas Franz lässt den Leser am Geschehen teilhaben, legt ständig neue Spuren und gibt ihm die Überzeugung, schon lange zu wissen wer der oder die Täter sind.
Sein Schreibstil ist flüssig und bildlich zugleich. Durch die einfache Beschreibung der Personen, werden diese für den Leser leibhaftig.
Schon nach dem Lesen der Einführung, beginnt das Rätselraten, denn hier gibt es einen Blick in die Vergangenheit des Täters, ohne das ein Name genannt wird. Hier beginnt auch der Spannungsbogen, der bis zum Ende nicht nachlässt.
Die einzelnen Charaktere kommen sehr glaubwürdig rüber, sind zumeist sympathisch und leicht einprägsam. Da das Ermittlerteam nicht allzu groß ist und sich auch das Täterumfeld im überschaubaren Rahmen hält, wird wohl kein Leser durcheinander kommen und zurückblättern müssen, um nachzulesen –wer gehört zu wem- …
So fiebert man dem Ende entgegen und ist dann doch überrascht, dass ein anderer Täter präsentiert wird, als vom Leser angenommen.
Nach Abschluss der Ermittlungen ist aber noch lange nicht Schluss. Hier muss ich Andreas Franz ein großes Kompliment machen, denn nun gewährt er dem Leser Einblicke in die Psyche des Täters.
Für mich ein Krimi, der von Anfang bis Ende spannend und unterhaltsam ist.

An dieser Stelle möchte ich kurz Andreas Franz zitieren:
Zitat Anfang:
„Knapp ein Jahr nach Erscheinen des Romans erhielt ich von einer Hauptkommissarin der Kripo Frankfurt ein Schreiben, in dem ich gefragt wurde, ob ich ein Kollege sei, dem ein Fall besonders nahe gegangen ist. Ich antwortete natürlich prompt, woraufhin ein sehr intensiver Kontakt zu zwei Hauptkommissaren entstand, die mir für meine weiteren Bücher sehr wertvolle Informationen lieferten und es auch immer noch tun. Außerdem lernte ich dadurch nach und nach weitere Beamte aus ganz Deutschland kennen, Gerichtsmediziner, durfte bei Obduktionen anwesend sein… Insgesamt gesehen sind mir durch „Jung, blond, tot“ bei der Polizei und anderen Stellen viele Türen geöffnet worden, wofür ich sehr dankbar bin.
Zitat Ende: (Quelle: andreas-franz.org)

Einige Anmerkungen noch zu Dingen die mir nicht so gut gefallen haben, aber meinen positiven Gesamteindruck nicht beeinflussen.
Da ist die Kommissarin Julia Durant. Warum muss auf fast jeder Seite erwähnt werden, dass sie sich eine Zigarette nach der anderen ansteckt?
Des weiteren empfinde ich folgende Situation unrealistisch. Julias Vater ist Pfarrer im Ruhestand, aber sie glaubt nicht an Gott. Das ist für mich nicht nachvollziehbar, weil ich der Meinung bin, eine Pfarrerstochter wird mit dem Glauben zu Gott erzogen. Laut ihren Aussagen hat sie niemals an Gott geglaubt und wird dies auch nicht tun. Passt irgendwie nicht.
Ein wenig stören mich die Klischees, denen sich der Autor bedient. Massives Rauchen und ständiger Alkoholmissbrauch der Kommissare, Probleme mit den Ehefrauen, die mit dem Job ihres Mannes nicht klarkommen und die Angst der Kommissarin sich zu binden.
Ansonsten sind die Charaktere sehr gut beschrieben und kommen, wie bereits erwähnt, sympathisch beim Leser an.
Noch eine Empfehlung, die ich gerne weitergeben möchte. Wer sich den Fällen von Julia Durant hingibt, sollte versuchen, die Fälle der Reihe nach zu lesen, denn in jedem Roman werden zwar neue Täter und eine neue Story geboten, aber auch die Geschehnisse und persönlichen Geschichten der Ermittler gehen weiter. So leben die Romane nicht nur von der Krimi-Story sondern auch von den Geschichten rund um das Team.


Tja, dies war mein erster Bericht und ich hoffe, dass ich nicht zu viele Fehler rein gehauen habe.
Ich freue mich auf eure Bewertungen und Kommentare, egal ob Lob oder Kritik, beides wird wohlwollend entgegengenommen.
Vielen Dank für das Lesen!!

56 Bewertungen, 17 Kommentare

  • Humpen77

    01.10.2010, 20:02 Uhr von Humpen77
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht! Lieben Gruß

  • ronald65

    03.07.2010, 09:53 Uhr von ronald65
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg

  • Striker1981

    29.06.2010, 15:00 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER ;)

  • paula2

    08.06.2010, 02:47 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • Lale

    06.06.2010, 02:46 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß

  • oxalife

    04.06.2010, 21:27 Uhr von oxalife
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe grüße

  • Free22

    30.05.2010, 18:12 Uhr von Free22
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht (: ...Wer hat Interesse an einer Leserunde? Ich spare für ein neues Handy (C905)&du?

  • Lakisha_1

    30.05.2010, 18:05 Uhr von Lakisha_1
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh von mir. würde mich über deine gegenlesung sehr freuen. lg

  • Mondlicht1957

    30.05.2010, 15:27 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • echodelta

    30.05.2010, 15:24 Uhr von echodelta
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH von mir und einen schönen Restsonntag! LG echo-delta

  • Grambo

    30.05.2010, 15:16 Uhr von Grambo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht! Ich freue mich immer über Gegenlesungen und bin auch immer gerne bereit für eine schnelle Leserunde. Liebe Grüße Grambo

  • sigrid9979

    30.05.2010, 14:27 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut geschrieben .... Lg Sigi

  • morla

    30.05.2010, 14:02 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^petra

  • Clarinetta2

    30.05.2010, 13:45 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gutg eschrieben

  • peter_nordberg

    30.05.2010, 13:40 Uhr von peter_nordberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht von dir. lg Peter

  • minasteini

    30.05.2010, 13:30 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Erstbericht. Freue mich über Gegenlesung. LG Marina

  • TheHammer

    30.05.2010, 13:30 Uhr von TheHammer
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter bericht, weiter so!