Der Richter. (Taschenbuch) / John Grisham Testbericht

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ab 13,32
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Erfahrungsbericht von magnifico

Kreative Pause oder schöpferischer Niedergang?

Pro:

ließt sich angenehm und flüssig

Kontra:

kommt nicht an alte (Meister-)Werke heran

Empfehlung:

Ja

„Der Richter“, der neueste Roman von Justiz-Bestseller John Grisham, widerlegt im Anfang und am Ende die Gerüchte und vereinzelte Kritik, dass dem Autor von „Die Akte“, „Die Jury“ oder „Das Urteil“ die Puste ausgehe und sich seine Romane zunehmend im Glanz der alten Werke sonnen würden bzw. müssten. Die Story ist, soweit ich das zumindest überblicken kann, einmal mehr ein völlig neuer Stoff – sieht man einmal davon ab, dass auch dieses Mal wieder Juristen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind. Auch ist das Ende, kennzeichnend für Grisham, überraschend, unvorhersehbar und wohl auch nachdenklich stimmend. Allerdings, das sei eingeräumt, kann die inhaltliche Aufbereitung, insbesondere der Spannungsverlauf, nicht so ganz an die Highlights wie „Die Firma“, „Der Partner“ oder „Die Kammer“ anknüpfen.

Für alle, die den Roman noch nicht gelesen haben, versuche ich kurz, die wesentlichen Punkte zusammen zu fassen, ohne dabei allerdings zu viel vom Inhalt wiederzugeben:

Ray Atlee, Jura-Professor und Sohn eines angesehenen pensionierten Richters in Clanton, Mississipi, trifft im Zuge der Nachlassverwaltung seines unerwartet verstorbenen Vaters auf Bargeld, das in dem ansonsten vollständigen Nachlassverzeichnis nicht aufgeführt ist. Dabei handelt es sich um eine Summe, die der im Ruf absoluter Integrität stehende Richter niemals von seinem Gehalt zurücklegen konnte – schon gar nicht, da er die Angewohnheit hatte, jedermann, der ihn um Hilfe bat, eine Spende zukommen zu lassen.

Und nicht nur die Herkunft des Geldes ist mysteriös und undurchschaubar. Auch seine Zukunft ist keineswegs einfach. Eine Aufnahme in den Nachlass würde eine Abführung der Hälfte an den Staat infolge der Nachlasssteuer bedeuten. Zudem müsste die verbleibende Hälfte mit Forrest, seinem auf die schiefe Bahn geratenen Bruder, geteilt werden, der absehbar mehr Drogen und Alkohol davon konsumieren würde, als ihm und seiner Umwelt gut täte.

Und obwohl niemand aus dem näheren Umfeld des Verstorbenen auch nur die geringste Ahnung von der Existenz des Geldes, seiner möglichen Herkunft oder einem dunklen Kapitel im Leben des Richters hat, wird Ray Atlee in dem Bemühen, die Herkunft des Geldes zu klären und darüber hinaus es vor Behörden und anderen in Sicherheit zu bringen, von einem Unbekannten aufgespürt und gejagt.


Soweit die sicherlich oberflächlich ausgefallene und wenig erschöpfende Inhaltsangabe, die jenen, die den Roman noch nicht gelesen haben, letztlich aber auch nicht die Vorfreude oder gar die Spannung nehmen sollte. Wer einen Vergleich zu den bisherigen Grisham-Romanen sucht, wird sicherlich nach dem Lesen des „Richters“ mit der „Akte“ einige Parallelen entdecken – aber eben nur einige.

Der Roman selbst beeindruckt einmal mehr, wie man es von Grisham gewohnt ist, insbesondere mit dem Beginn und dem Ende. So wird der Leser quasi „medias in res“ mitten in eine offene Geschichte hinein implementiert, die sich nach wenigen Seiten als stabiles Fundament für das nachfolgende ausbreitet. Auch am Ende kommt, paukenschlagähnlich, eine Art „Große Auflösung“, allerdings in deutlich anderer Art, als man es sich vielleicht während der bis dahin zu lesenden Seiten vorstellt.

Untypisch ist dabei nur, dass die Spannung allerdings abfällt und, anders etwa als bei den „Klassikern“, nicht auf einer Höhe bleibt. So gab es durchaus einmal den Moment, wo das Weglegen des Buches keinerlei Überwindung kostete, vielmehr mit „leichter Hand“ ging – ein für mich bei Grisham einmaliges Erlebnis. Zum Ende hin allerdings lebt die Spannung dann wieder in altbewährter Weise auf, so dass unter dem Strich die Zweifel, ob Grisham nicht tatsächlich „in die Jahre gekommen ist“, verblassen und vergessen werden können.

Das Buch eignet sich, da zumindest in der mir vorliegenden Ausgabe des Heyne-Verlages nicht allzu umfangreich, sehr gut als Wochenend- oder Abendlektüre. Meine Ausgabe bringt es auf gute 410 Seiten, wobei mehrmals zum Ende eines der 39 Kapitel eine Leerseite folgt, bevor das nächste begonnen wird. Auch der Schriftgrad unterstreicht die letztlich nicht ganz so subjektive Vermutung, dass „Der Richter“ nicht so ein Wälzer wie etwa „Der Klient“, „Der Partner“ oder „Die Firma“ ist.

So ist es schließlich auch das Fehlen der absoluten Fesselung, die nur mit Mühe und Überwindung ein Loslassen des Buches ermöglicht, die das Buch eher zur Entspannungs- und Freizeitlektüre werden lassen als wirklich zum absoluten „Muß“ für Fans. Sicherlich, gelungen sind auch dieses Mal Schlüssigkeit und inhaltlicher Aufbau. Nur fehlt während des Lesens der gewisse Esprit, der zwar am Ende aufkommt, aber, soweit man vernünftiger Weise das Ende nicht vorher liest, eine mögliche vorige „Durststrecke“ nicht mehr auszugleichen vermag.

Ich empfehle das Buch daher zunächst einmal all jenen Grisham-Lesern, die auch mit einem Werk unterhalb der Meilensteine – Jury, Kammer, Urteil, Partner, Akte – leben können und auch ein solches mit Genuss lesen.
Ebenfalls empfehlen kann ich das Buch jenen, die einfach mal jeden Abend ein paar Kapitel eines Buches durchschmökern wollen, ohne dabei Gefahr zu laufen, mit geröteten Augen und leichtem Kopfschmerz dem nächsten Morgen entgegen zu sehen, weil sie das Buch einfach nicht zugekriegt haben. Gerade in puncto „Ich lese drei bis vier Kapitel“ ist es gut geeignet – was ja leider nicht alle Romane für sich in Anspruch nehmen können – da die einzelnen Kapitel ziemlich gleichmäßig ausfallen und auch einzelne Handlungsabschnitte beinhalten.

Nicht unbedingt empfehlen würde ich das Buch Neugierigen, die zum ersten Mal ein Werk von Grisham ausprobieren wollen, soweit nicht bereits ein zweites, möglichst eines der ersten Werke, als Folgelektüre fest eingeplant ist. Denn wer mit diesem Roman erstmals auf Grisham trifft, wird möglicherweise, angesichts der bisherigen laudatio, die zu Recht ergangen ist, enttäuscht sein und, weniger schön, Grisham als „Schaumschläger“ oder „Seichtling“ abtun, was angesichts seiner früheren Werke verkehrt wäre.

Ob dem Altmeister der juristischen Romane, in denen er das amerikanische Rechts- und Gerichtssystem zum einen sehr detailliert und zugleich gut verständlich vorführt, zum anderen aber auch Kritik und Schwachpunkte unterschwellig anprangert, wirklich „die Puste ausgegangen ist“ oder ob das Ganze nur auf eine baldige Renaissance hinausläuft, bleibt wohl abzuwarten – schade wäre allerdings, wenn „Der Richter“ wegweisend für weitere Schaffensweise von John Grisham wäre.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2004-09-30 18:37:28 mit dem Titel Nicht mehr das gewohnte (hohe) Niveau

„Der Richter“, ein neuerer Roman von Justiz-Bestseller John Grisham, widerlegt zumindest im Anfang und am Ende die Gerüchte und vereinzelte Kritik, dass dem Autor von „Die Akte“, „Die Jury“ oder „Das Urteil“ die Puste ausgehe und sich seine Romane zunehmend im Glanz der alten Werke sonnen würden bzw. müssten. Die Story ist, soweit ich das zumindest überblicken kann, einmal mehr ein völlig neuer Stoff – sieht man einmal davon ab, dass auch dieses Mal wieder Juristen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind. Auch ist das Ende, kennzeichnend für Grisham, überraschend, unvorhersehbar und wohl auch nachdenklich stimmend. Allerdings, das sei eingeräumt, kann die inhaltliche Aufbereitung, insbesondere der Spannungsverlauf, nicht so ganz an die Highlights wie „Die Firma“, „Der Partner“ oder „Die Kammer“ anknüpfen.

Für alle, die den Roman noch nicht gelesen haben, versuche ich kurz, die wesentlichen Punkte zusammen zu fassen, ohne dabei allerdings zu viel vom Inhalt wiederzugeben:

Ray Atlee, Jura-Professor und Sohn eines angesehenen pensionierten Richters in Clanton, Mississipi, trifft im Zuge der Nachlassverwaltung seines unerwartet verstorbenen Vaters auf Bargeld, das in dem ansonsten vollständigen Nachlassverzeichnis nicht aufgeführt ist. Dabei handelt es sich um eine Summe, die der im Ruf absoluter Integrität stehende Richter niemals von seinem Gehalt zurücklegen konnte – schon gar nicht, da er die Angewohnheit hatte, jedermann, der ihn um Hilfe bat, eine Spende zukommen zu lassen.

Und nicht nur die Herkunft des Geldes ist mysteriös und undurchschaubar. Auch seine Zukunft ist keineswegs einfach. Eine Aufnahme in den Nachlass würde eine Abführung der Hälfte an den Staat infolge der Nachlasssteuer bedeuten. Zudem müsste die verbleibende Hälfte mit Forrest, seinem auf die schiefe Bahn geratenen Bruder, geteilt werden, der absehbar mehr Drogen und Alkohol davon konsumieren würde, als ihm und seiner Umwelt gut täte.

Und obwohl niemand aus dem näheren Umfeld des Verstorbenen auch nur die geringste Ahnung von der Existenz des Geldes, seiner möglichen Herkunft oder einem dunklen Kapitel im Leben des Richters hat, wird Ray Atlee in dem Bemühen, die Herkunft des Geldes zu klären und darüber hinaus es vor Behörden und anderen in Sicherheit zu bringen, von einem Unbekannten aufgespürt und gejagt.


Soweit die sicherlich oberflächlich ausgefallene und wenig erschöpfende Inhaltsangabe, die jenen, die den Roman noch nicht gelesen haben, letztlich aber auch nicht die Vorfreude oder gar die Spannung nehmen sollte. Wer einen Vergleich zu den bisherigen Grisham-Romanen sucht, wird sicherlich nach dem Lesen des „Richters“ mit der „Akte“ einige Parallelen entdecken – aber eben nur einige.

Der Roman selbst beeindruckt einmal mehr, wie man es von Grisham gewohnt ist, insbesondere mit dem Beginn und dem Ende. So wird der Leser quasi „medias in res“ mitten in eine offene Geschichte hinein implementiert, die sich nach wenigen Seiten als stabiles Fundament für das nachfolgende ausbreitet. Auch am Ende kommt, paukenschlagähnlich, eine Art „Große Auflösung“, allerdings in deutlich anderer Art, als man es sich vielleicht während der bis dahin zu lesenden Seiten vorstellt.

Untypisch ist dabei nur, dass die Spannung allerdings abfällt und, anders etwa als bei den „Klassikern“, nicht auf einer Höhe bleibt. So gab es durchaus einmal den Moment, wo das Weglegen des Buches keinerlei Überwindung kostete, vielmehr mit „leichter Hand“ ging – ein für mich bei Grisham einmaliges Erlebnis. Zum Ende hin allerdings lebt die Spannung dann wieder in altbewährter Weise auf, so dass unter dem Strich die Zweifel, ob Grisham nicht tatsächlich „in die Jahre gekommen ist“, verblassen und vergessen werden können.

Das Buch eignet sich, da zumindest in der mir vorliegenden Ausgabe des Heyne-Verlages nicht allzu umfangreich, sehr gut als Wochenend- oder Abendlektüre. Meine Ausgabe bringt es auf gute 410 Seiten, wobei mehrmals zum Ende eines der 39 Kapitel eine Leerseite folgt, bevor das nächste begonnen wird. Auch der Schriftgrad unterstreicht die letztlich nicht ganz so subjektive Vermutung, dass „Der Richter“ nicht so ein Wälzer wie etwa „Der Klient“, „Der Partner“ oder „Die Firma“ ist.

So ist es schließlich auch das Fehlen der absoluten Fesselung, die nur mit Mühe und Überwindung ein Loslassen des Buches ermöglicht, die das Buch eher zur Entspannungs- und Freizeitlektüre werden lassen als wirklich zum absoluten „Muß“ für Fans. Sicherlich, gelungen sind auch dieses Mal Schlüssigkeit und inhaltlicher Aufbau. Nur fehlt während des Lesens der gewisse Esprit, der zwar am Ende aufkommt, aber, soweit man vernünftiger Weise das Ende nicht vorher liest, eine mögliche vorige „Durststrecke“ nicht mehr auszugleichen vermag.

Ich empfehle das Buch daher zunächst einmal all jenen Grisham-Lesern, die auch mit einem Werk unterhalb der Meilensteine – Jury, Kammer, Urteil, Partner, Akte – leben können und auch ein solches mit Genuss lesen.
Ebenfalls empfehlen kann ich das Buch jenen, die einfach mal jeden Abend ein paar Kapitel eines Buches durchschmökern wollen, ohne dabei Gefahr zu laufen, mit geröteten Augen und leichtem Kopfschmerz dem nächsten Morgen entgegen zu sehen, weil sie das Buch einfach nicht zugekriegt haben. Gerade in puncto „Ich lese drei bis vier Kapitel“ ist es gut geeignet – was ja leider nicht alle Romane für sich in Anspruch nehmen können – da die einzelnen Kapitel ziemlich gleichmäßig ausfallen und auch einzelne Handlungsabschnitte beinhalten.

Nicht unbedingt empfehlen würde ich das Buch Neugierigen, die zum ersten Mal ein Werk von Grisham ausprobieren wollen, soweit nicht bereits ein zweites, möglichst eines der ersten Werke, als Folgelektüre fest eingeplant ist. Denn wer mit diesem Roman erstmals auf Grisham trifft, wird möglicherweise, angesichts der bisherigen laudatio, die zu Recht ergangen ist, enttäuscht sein und, weniger schön, Grisham als „Schaumschläger“ oder „Seichtling“ abtun, was angesichts seiner früheren Werke verkehrt wäre.

Ob dem Altmeister der juristischen Romane, in denen er das amerikanische Rechts- und Gerichtssystem zum einen sehr detailliert und zugleich gut verständlich vorführt, zum anderen aber auch Kritik und Schwachpunkte unterschwellig anprangert, wirklich „die Puste ausgegangen ist“ oder ob das Ganze nur auf eine baldige Renaissance hinausläuft, bleibt wohl abzuwarten – schade wäre allerdings, wenn „Der Richter“ wegweisend für weitere Schaffensweise von John Grisham wäre.


================= Bei Verschmelzung identischer Produkte angehängt: ==========================

„Der Richter“, ein eher neuerer Roman von Justiz-Bestseller John Grisham, widerlegt im Anfang und am Ende die Gerüchte und vereinzelte Kritik, dass dem Autor von „Die Akte“, „Die Jury“ oder „Das Urteil“ die Puste ausgehe und sich seine Romane zunehmend im Glanz der alten Werke sonnen würden bzw. müssten, ncht wirklich. Die Story ist, soweit ich das zumindest überblicken kann, einmal mehr ein völlig neuer Stoff – sieht man einmal davon ab, dass auch dieses Mal wieder Juristen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind. Auch ist das Ende, kennzeichnend für Grisham, überraschend, unvorhersehbar und wohl auch nachdenklich stimmend. Allerdings, das muss eingeräumt werden, kann die inhaltliche Aufbereitung, insbesondere der Spannungsverlauf, nicht so ganz an die Highlights wie „Die Firma“, „Der Partner“ oder „Die Kammer“ anknüpfen.

Für alle, die den Roman noch nicht gelesen haben, versuche ich kurz, die wesentlichen Punkte zusammen zu fassen, ohne dabei allerdings zu viel vom Inhalt wiederzugeben:

Ray Atlee, Jura-Professor und Sohn eines angesehenen pensionierten Richters in Clanton, Mississipi, trifft im Zuge der Nachlassverwaltung seines unerwartet verstorbenen Vaters auf Bargeld, das in dem ansonsten vollständigen Nachlassverzeichnis nicht aufgeführt ist. Dabei handelt es sich um eine Summe, die der im Ruf absoluter Integrität stehende Richter niemals von seinem Gehalt zurücklegen konnte – schon gar nicht, da er die Angewohnheit hatte, jedermann, der ihn um Hilfe bat, eine Spende zukommen zu lassen.

Und nicht nur die Herkunft des Geldes ist mysteriös und undurchschaubar. Auch seine Zukunft ist keineswegs einfach. Eine Aufnahme in den Nachlass würde eine Abführung der Hälfte an den Staat infolge der Nachlasssteuer bedeuten. Zudem müsste die verbleibende Hälfte mit Forrest, seinem auf die schiefe Bahn geratenen Bruder, geteilt werden, der absehbar mehr Drogen und Alkohol davon konsumieren würde, als ihm und seiner Umwelt gut täte.

Und obwohl niemand aus dem näheren Umfeld des Verstorbenen auch nur die geringste Ahnung von der Existenz des Geldes, seiner möglichen Herkunft oder einem dunklen Kapitel im Leben des Richters hat, wird Ray Atlee in dem Bemühen, die Herkunft des Geldes zu klären und darüber hinaus es vor Behörden und anderen in Sicherheit zu bringen, von einem Unbekannten aufgespürt und gejagt.


Soweit die sicherlich oberflächlich ausgefallene und wenig erschöpfende Inhaltsangabe, die jenen, die den Roman noch nicht gelesen haben, letztlich aber auch nicht die Vorfreude oder gar die Spannung nehmen sollte. Wer einen Vergleich zu den bisherigen Grisham-Romanen sucht, wird sicherlich nach dem Lesen des „Richters“ mit der „Akte“ einige Parallelen entdecken – aber eben nur einige.

Der Roman selbst beeindruckt einmal mehr, wie man es von Grisham gewohnt ist, insbesondere mit dem Beginn und dem Ende. So wird der Leser quasi „medias in res“ mitten in eine offene Geschichte hinein implementiert, die sich nach wenigen Seiten als stabiles Fundament für das nachfolgende ausbreitet. Auch am Ende kommt, paukenschlagähnlich, eine Art „Große Auflösung“, allerdings in deutlich anderer Art, als man es sich vielleicht während der bis dahin zu lesenden Seiten vorstellt.

Untypisch ist dabei nur, dass die Spannung allerdings abfällt und, anders etwa als bei den „Klassikern“, nicht auf einer Höhe bleibt. So gab es durchaus einmal den Moment, wo das Weglegen des Buches keinerlei Überwindung kostete, vielmehr mit „leichter Hand“ ging – ein für mich bei Grisham einmaliges Erlebnis. Zum Ende hin allerdings lebt die Spannung dann wieder in altbewährter Weise auf, so dass unter dem Strich die Zweifel, ob Grisham nicht tatsächlich „in die Jahre gekommen ist“, verblassen und vergessen werden können.

Das Buch eignet sich, da zumindest in der mir vorliegenden Ausgabe des Heyne-Verlages nicht allzu umfangreich, sehr gut als Wochenend- oder Abendlektüre. Meine Ausgabe bringt es auf gute 410 Seiten, wobei mehrmals zum Ende eines der 39 Kapitel eine Leerseite folgt, bevor das nächste begonnen wird. Auch der Schriftgrad unterstreicht die letztlich nicht ganz so subjektive Vermutung, dass „Der Richter“ nicht so ein Wälzer wie etwa „Der Klient“, „Der Partner“ oder „Die Firma“ ist.

So ist es schließlich auch das Fehlen der absoluten Fesselung, die nur mit Mühe und Überwindung ein Loslassen des Buches ermöglicht, die das Buch eher zur Entspannungs- und Freizeitlektüre werden lassen als wirklich zum absoluten „Muß“ für Fans. Sicherlich, gelungen sind auch dieses Mal Schlüssigkeit und inhaltlicher Aufbau. Nur fehlt während des Lesens der gewisse Esprit, der zwar am Ende aufkommt, aber, soweit man vernünftiger Weise das Ende nicht vorher liest, eine mögliche vorige „Durststrecke“ nicht mehr auszugleichen vermag.

Ich empfehle das Buch daher zunächst einmal all jenen Grisham-Lesern, die auch mit einem Werk unterhalb der Meilensteine – Jury, Kammer, Urteil, Partner, Akte – leben können und auch ein solches mit Genuss lesen.
Ebenfalls empfehlen kann ich das Buch jenen, die einfach mal jeden Abend ein paar Kapitel eines Buches durchschmökern wollen, ohne dabei Gefahr zu laufen, mit geröteten Augen und leichtem Kopfschmerz dem nächsten Morgen entgegen zu sehen, weil sie das Buch einfach nicht zugekriegt haben. Gerade in puncto „Ich lese drei bis vier Kapitel“ ist es gut geeignet – was ja leider nicht alle Romane für sich in Anspruch nehmen können – da die einzelnen Kapitel ziemlich gleichmäßig ausfallen und auch einzelne Handlungsabschnitte beinhalten.

Nicht unbedingt empfehlen würde ich das Buch Neugierigen, die zum ersten Mal ein Werk von Grisham ausprobieren wollen, soweit nicht bereits ein zweites, möglichst eines der ersten Werke, als Folgelektüre fest eingeplant ist. Denn wer mit diesem Roman erstmals auf Grisham trifft, wird möglicherweise, angesichts der bisherigen laudatio, die zu Recht ergangen ist, enttäuscht sein und, weniger schön, Grisham als „Schaumschläger“ oder „Seichtling“ abtun, was angesichts seiner früheren Werke verkehrt wäre.

Ob dem Altmeister der juristischen Romane, in denen er das amerikanische Rechts- und Gerichtssystem zum einen sehr detailliert und zugleich gut verständlich vorführt, zum anderen aber auch Kritik und Schwachpunkte unterschwellig anprangert, wirklich „die Puste ausgegangen ist“ oder ob das Ganze nur auf eine baldige Renaissance hinausläuft, bleibt wohl abzuwarten – schade wäre allerdings, wenn „Der Richter“ wegweisend für weitere Schaffensweise von John Grisham wäre.

29 Bewertungen, 2 Kommentare

  • anonym

    12.10.2004, 13:33 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sn LG Silke

  • Tris.

    30.09.2004, 21:15 Uhr von Tris.
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grisham lese ich eigendlich immer ganz gern. Zu diesem Buch bin ich allerdings noch nicht gekomme.n