Erfahrungsbericht von Volker111
Grisham als siebenjähriger Erzähler
Pro:
eine emotionale literarische Erzählung
Kontra:
kein Thriller im sonstigen Grisham Stil
Empfehlung:
Ja
••• Vorwort •••
Ferienzeit ist außer Reisezeit auch Lesezeit. Drei Bücher las während der Pfingstferien.
Da war das hier schon beschriebene Raumschiff Promet, der historisch orientierte SF Bestseller Timeline, auf CIAO jedoch schon so oft beschrieben, dass nur noch in der 0 Cent Kategorie eingeordnet und schließlich Die Farm von John Grisham.
Nur für YOPI einen Bericht zu schreiben, den ich nicht auf anderen Plattformen einstelle, erscheint mir mit Ausnahmen zu aufwendig.
Letzterer Roman ist für John Grisham recht ungewöhnlich, so dass er es unbedingt verdient hat, besprochen und auch Nicht Grisham Fans empfohlen zu werden.
••• Inhaltsanriss •••
Inhaltlich beschreibt der Roman das letzte Jahr (1952) des siebenjährigen Jungen Luke Chandler auf der Baumwollfarm in Kentucky seines Großvaters, bevor sich die Eltern des Jungen endgültig entschließen, im Norden als Arbeiter in der Automobilindustrie eine bessere Lebensperspektive zu finden.
Doch dieses letzte Baumwollerntejahr hat es in sich. Nicht nur die Schilderung des harten, entbehrungsreichen, von Gemeinschaftspflichten und -zwängen bestimmte Farmleben beeindrucken, sondern auch die Beschreibung der Leidenschaften, Ängste, Erfahrungen, Hoffnungen, Erwartungen, Katastrophen, Konflikte und Versöhnungen aus der Sicht des kleinen Jungen, die sich während dieser einer Erntesaison abspielen.
Das reicht von erwachender, enttäuschter eigener Liebe, von der Wirkung von Affären aufs eigene Familienleben über das Miterleben als Zuschauer eines Totschlages bis hin zur alleinigen Mitwisserschaft eines grausamen Rache- und Raubmordes.
Die vom Jungen zu bewältigenden Geheimnisse drohen ihn seelisch zu verschlingen.
Eine Lösung wird nicht gegeben, doch findet der Junge teilweise in seiner Mutter, vor allem aber in seinem Großvater eine Person, die ihm hilft, die Geheimnisse gemeinsam seelisch leichter zu verkraften.
••• Wertung und Leseproben •••
Juristische Abhandlungen, die Welt der Gerichte, eine Geschichte über Sieger und Verlierer, so wie es in den meisten Romanen Grishams den roten Faden der Handlung bildet, dies alles kommt diesmal nicht vor.
Überhaupt, der Erzählstil, eventuell auch ein Verdienst der Übersetzerin Anette Gruber, ist erfrischend klar und von eher knappen Satzmustern bestimmt, obwohl die Beschreibungen anschaulich und bildlich ausfallen.
Vielleicht sind dem einen oder anderen Leser die Schilderung der Baseballspiele, die jedoch einen ganz wesentlichen Teil des Lebens des kleinen Jungens, seines Vaters und Großvaters ausmachen, etwas zu ausführlich und uns als Europäer von ihrer Dramatik her nicht so verständlich.
Doch wird dies mehr als wett gemacht zum einen durch die Wiedergabe der dramatischen Konflikte, besonders aber auch durch romantische und humorvolle Beschreibung der sich entwickelnden Gefühlswelt des siebenjährigen Luke Chandler.
Zwei Textstellen, die mich zugegebener Maßen an meine eigene Kindheit, Pubertät erinnern, gefallen mir besonders gut.
S. 358 unten
Wieder einmal wurde ich daran erinnert, dass Tally das hübscheste Mädchen war, das ich je gesehen hatte, und wenn sie mich anlächelte, leerte sich mein Kopf. Wenn man ein Mädchen einmal nackt gesehen hat, fühlt man sich in gewisser Weise zu ihr hingezogen.
S. 369 oben
Meine Erleichterung wurde jedoch überschattet von der Tatsache, dass ich von Tally zutiefst enttäuscht war. Ich schaffte es sogar, sie für das, was sie getan hatte, zu hassen. Ich verfluchte sie mit Worten, die ich von Ricky gelernt hatte und als ich alle Schimpfworte ausgespuckt hatte, an die ich mich erinnerte, bat ich Gott, mir zu vergeben.
Und ich bat ihn, Tally zu beschützen.
Erstes Verlieben, erste Enttäuschung, Zorn, scheinbar Hass und doch bleibt dann die Liebe.
Der Roman, eigentlich eher eine Novelle, lässt in anschaulichster Weise die damalige Welt des Luke Chandler, seiner Familie und Nachbarn vor dem geistigen Auge entstehen und angesichts derer damaliger Schwierigkeiten und ihrer trotzdem lebensbejahender Grundhaltung werden eigene Kümmernisse relativiert und ganz klein.
Von der Leserschaft her ein Buch für die ganze Familie, besonders für alle, die Spannung, Dramatik und Gefühlsdarstellung gleichermaßen lieben. Von mir jedenfalls erhält dieses Buch 5 Sterne und eine deutliche Leseempfehlung.
••• Daten zum Buch •••
Meine Ausgabe, deutsche Erstausgabe im Bertelsmann Club, gebunden, ein recht schöner gelungener Schutzumschlag kostete 17,90 Euro. Die gebundene Ausgabe des Heyne-Verlags kostet bei amazon.de 22 Euro. Doch die 463 Seiten kann man auch gebraucht ab 8,95 Euro erstehen. Die Club-Ausgabe wird dort ebenfalls, einmal gelesen in sehr gutem Zustand, für 9 Euro angeboten. Mal sehen, vielleicht biete ich meine Ausgabe dann für 8,50 Euro dort an.
Egal für welche Ausgabe ihr euch auch entscheidet, dieses Buch ist es wert.
Viel Spaß beim Lesen.
46 Bewertungen, 6 Kommentare
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13.10.2008, 17:17 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichganz liebe Grüße Werner
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31.07.2008, 17:55 Uhr von try_or_die87
Bewertung: sehr hilfreichSehr Hilfreich! Liebe Grüße
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15.07.2008, 21:17 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreich.•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.
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12.05.2007, 15:59 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichSh & lg Sarah
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29.10.2006, 15:10 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichDas hab ich auch gelesen, und Grisham schreibt gar nicht mal so übel, aber leider zu ausschweifend.. *gähn* .. Aber dein Bericht ist wie gewohnt TOP!! :o) LG, Marianne
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01.08.2006, 10:49 Uhr von Tweety30
Bewertung: sehr hilfreichsh. Liebe Grüße, Tweety30!
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