Guatemala Testbericht

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Erfahrungsbericht von EverBaby

^Guatemala - Land der Träume? ^

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Guatemala, ein Traumland? Man könnte sagen: ja klar, angenehmes Klima, schöne Strände und ideales Urlaubsziel. Eine solche Betrachtung zeugt jedoch von Oberflächlichkeit.
Guatemala - ein Land mit vielen Gesichtern. Dies würde schon eher zutreffen. Denn Armut und Wohlstand sind oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt, wie das Beispiel Guatemala City deutlich zeigt. Auf der einen Seite findet man das Zentrum von Guatemala City mit seinen prachtvollen Villenvierteln, Nobelkarossen und Menschen die es sich leisten können, Gucci, Kelvin Klein und andere Designermode zu tragen. Nur ein paar Meter weiter, am Rande von Guatemala City, sieht man Menschen die im Müll leben und Arbeiten, um so ihre \"Existenz\" weit unterhalb der Armutsgrenze zu sichern. Ihr Tag besteht darin den großen Müllplatz nach brauchbaren Gegenständen welche den Ansprüchen der Oberschicht nicht mehr genügen, und halbwegs genießbaren Nahrungsmitteln zu durchsuchen, und diese dann vielleicht auf dem \"Marktplatz\" verkaufen zu können . Sie leben praktisch vom Abfall der High Society.
Dies ist nur ein Beispiel für die vielen Disparitäten die das Bild von Guatemala prägen.
Um ihren Wohlstand zu sichern , hemmen die Großgrundbesitzer die Entwicklung der Kleinbauern, in dem sie ihre Ländereien zu Preisen verpachten, die ihren Reichtum weiter ansteigen lassen, oder sie besitzen große Plantagen , deren Erträge sie billiger verkaufen als die Kleinbauern es sich leisten können, und somit den Kleinbauern daran hindern seine Erträge komplett verkaufen zu können. Wenn die Großgrundbesitzer ihre Pachtpreise niedriger gestalten würden- ohne dadurch in die Verlustzone abzurutschen-, würden sie den Bauern so die Möglichkeit geben ihren sozialen Standart zu verbessern. Dies ist jedoch nicht der Fall, deswegen lebt der Großteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, ohne eine Chance auf sozialen Aufstieg.
In einem vom Krieg zerstörten Land in dem die Wirtschaft am Boden ist, ist die Oberschicht in der Lage sich ihre Wünsche zu erfüllen und die schönen Seiten des Landes auszukosten, während für den Rest der Bevölkerung die Vorstellung von einer gesicherten und rosigen Zukunft nur ein Wunschtraum ist. Der Großteil der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig und auf Grund der geringen landwirtschaftlichen Erträge der Kleinbauern, und ihrer Armut haben sie eine große Anzahl Kinder ( auf jede Frau kommen im Schnitt 4,46 Kinder ) um so irgendwie ihre Zukunft im Alter zu sichern, denn wegen dieser Armut müssen die Kinder ebenfalls arbeiten, um die Erträge zu sichern, dabei haben sie keinerlei Möglichkeiten eine Ausbildung in irgendeiner Form von Bildung zu genießen. Und selbst wenn zwischen der harten Arbeit noch etwas Zeit bliebe, gäbe es so gut wie keine schulischen Einrichtungen in den ländlichen Gebieten. Aus eben dieser Situation, resultiert die wahnsinnig hohe Analphabetenquote von 44.4 % ( 1995 ). Da diese Kinder keine Bildung erhalten ist ihre Zukunft eigentlich vorprogrammiert, da sie ohne Bildung kaum eine Chance haben diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Ihre Alternative zur Armut auf dem Land besteht darin , in die Stadt zu gehen , mit der Hoffnung auf Arbeit, um dann wie die meisten anderen vom Land gekommenen Menschen im Müll zu landen, und vom Abfall und dessen Verkauf, sowie vom betteln zu leben. Was haben diese Menschen da noch von den tollen Landschaften und den Traumstränden, sie können es sich nicht leisten ihre \"Arbeit\" ruhen zu lassen um diese Vorzüge des Landes zu genießen.

Hinzu kommen katastrophale hygienische Zustände, insbesondere auf dem Land: Es gibt kein sauberes Trinkwasser, keine sanitären Anlagen und Arztbesuche und Medikamente sind ein Luxus, den sich viele nicht leisten können. Oft gibt es auch keinen Arzt in der näheren Umgebung; es sind sehr lange Märsche nötig, um medizinische Versorgung zu erhalten, vorausgesetzt, man kann es bezahlen. Doch welcher kranke Mensch, der dringend ärztliche Hilfe benötigt ist schon imstande, viele Stunden zu laufen, um versorgt zu werden. Dies ist in Guatemala City kein Thema, zumindest für die Oberschicht. Man sieht, dass auch in diesem Punkt geradezu extreme Disparitäten festzustellen sind, die es zu beheben gilt.

Wie schon erwähnt bietet Guatemala eine hervorragende naturräumliche Ausstattung mit faszinierenden Landschaften, malerischen Stränden und antiken Kulturstädten, was bewirkt das der Tourismus die 2 höchste Einnahmequelle des Landes darstellt( 600.000 Besucher
jährlich bei 364 Mio. Dollar Umsatz ), jedoch kann das Land dieses Potential nicht vollends ausschöpfen. Da vor allem in den Tourismuszentren ( Antigua Guatemala, Chichcastenango, Panajachet, nördl. Quicke, Peten )die Kriminalitätsrate dermaßen hoch ist, wagen es nur wenige, ihren Urlaub in Guatemala zu verbringen.
Berichte und Warnungen von brutalen Überfällen schrecken viele Urlauber ab, da es genügend alternative Urlaubsziele gibt. Denn wer reist schon gern in ein Land in dem davor gewarnt wird sich nach Einbruch der Dunkelheit auf die zu Straße begeben und in dem es sehr riskant ist Schmuck und andere Wertgegenstände mit sich zu führen. Außerdem besteht eine erhebliche Unfallgefahr auf Grund von schlecht oder gar nicht gewarteten Verkehrsmitteln, die auch ein beliebtes Ziel von bewaffneten Banden darstellen.

Daraus folgt, das die Notwendigkeit besteht, diese Kriminalitätsprobleme zu beheben, um so die Anzahl der Touristen und damit die Umsätze zu erhöhen, was wiederum zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und somit zur Belebung des Arbeitsmarktes führen könnte. Hier werden jedoch schwerwiegende Probleme sichtbar: Wie will man in einem Land, wo die Armut so ausgeprägt ist, dass die Menschen in ihren Augen nichts mehr zu verlieren haben, die Kriminalität bekämpfen, wenn es der Regierung nicht einmal gelingt, die Sozialstandards für die Masse auf ein Niveau des Existenzminimums zu bringen.

^Daraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen:^
Ohne Sicherheit keine Touristen; ohne Touristen erschwerte Bedingungen für einen Aufschwung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft; ohne Aufschwung keine Verbesserung der sozialen Standards der Bevölkerung. Das soll jedoch nicht heißen, dass es zu einer Monostrukturierung der Wirtschaft in Guatemala in Bezug auf Tourismus kommen soll, weil dies langfristig erneut zu Problemen führen würde, wie man zum Beispiel in anderen Tourismusregionen wie der Algarve sehen kann, wo jahrelanger Massentourismus zu einer Zerstörung der Umwelt und einer immer unattraktiver werdenden Umgebung geführt hat. Dies würde daher in einigen Jahrzehnten auch auf das \"Traumland\" Guatemala zukommen, womit man wieder vor den selben Problemen stehen würde.
Vielmehr müßte man durch Subventionen ausländischer Hilfsorganisationen (sowie IWF) und Investitionen eine Basis für eine breitgefächerte wirtschaftliche Entwicklung sorgen, da dies langfristig gesehen ein sichereres Fundament für einen konjunkturellen Aufschwung sein würde.

Dadurch ergäben sich für viele Menschen die Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz mit einer angemessenen Bezahlung zu bekommen, was wiederum ihre Lebenslage erheblich verbessern würde. Grundlage hierfür ist jedoch ein staatliches Schul- und Bildungssystem, was jedem Kind die Möglichkeit bietet, eine ordentliche Bildung zu erhalten. Jedoch müsste es für die Familien, die ihre Kinder eigentlich zur Arbeit auf dem Land benötigen einen finanziellen Ausgleich geben, da es für sie sonst keine Möglichkeit gibt, auf die Leistung ihrer Kinder zu verzichten und diese somit keine Schule besuchen könnte, weil ihnen die Zeit fehlt.. Dies ist jedoch nur mit einer breitgefächerten Entwicklungshilfe der Industriestaaten zu ermöglichen; insbesondere muss dafür gesorgt werden, dass in den ländlichen Gebieten schulische Einrichtungen vorhanden sind, was bis jetzt nur vereinzelt der Fall ist. Ebenso müssen sich Lehrkräfte finden, die bereit sind, in irgendeinem Dorf auf dem Land zu arbeiten; der Job muss ihnen also dem entsprechend \"schmackhaft\" gemacht werden. Dafür fehlen allerdings auch wieder die Mittel womit abermals deutlich wird, wie wichtig ausländische Subventionen sind.

^Fazit:^
Die Disparitäten zwischen Stadt und Land müssen unbedingt vermindert werden, z.B. indem man außerhalb von Guatemala City zentrale Wirtschaftspole ansiedelt die sich auf die gesamte Umgebung positiv auswirken würden und Arbeitsplätze schaffen.
Wenn es dem Staat gelingt, ein multiples Wirtschaftssystem aufzubauen, d.h., viele verschiedene Wirtschaftszweige zu etablieren, hat das Land die Möglichkeit aus dem konjunkturellen Tief herauszukommen und langfristig in den oberen Ligen der Weltwirtschaft mitzuspielen um somit den Lebensstandard langsam zu steigern, ohne Subventionen von Außen ist dieses Ziel jedoch kaum erreichbar.
Zu guter letzt kann man sagen, dass Guatemala ein Traumland für die Wenigen ist, die genügend Geld zur Verfügung haben, dass ihnen Tür und Tor zu einem luxuriösem Leben geöffnet werden womit es ihnen möglich ist, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen, während der Großteil der Bevölkerung sich zwar nicht in einem nicht endenden Alptraum, sehrwohl aber in einem Traum von einer besseren Zukunft befinden.

17 Bewertungen, 1 Kommentar

  • anonym

    29.06.2007, 14:48 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich war selbst mal dort, schöner bericht :)