Guinness Draught Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Allerweltsvorgeschichte + Erfahrungsbericht (Double Feature)

5
  • Geschmack:  sehr gut
  • Wirkungsgrad:  hoch

Pro:

siehe Text

Kontra:

siehe Text

Empfehlung:

Ja

Am Pfingstwochenende war es mal wieder so weit. Freunde hatten anlässlich des Geburtstages ihrer kleinen Tochter zum Grillen eingeladen, dann angesichts der wankelmütigen Wetterprognosen das Grillen auch wieder abgesagt. Stattdessen gab’s mehrere Bleche mit Pizza in geselliger Runde.


Die war diesmal noch etwas größer als sonst, denn eine mit der Hausherrin um ein paar Ecken herum verschwägerte Dame hatte den Anlass beim Schopfe ergriffen, der Gemeinde einen Herrn vorzustellen, mit dem sie dem Vernehmen nach nun schon seit ungefähr einem Jahr verbandelt ist. Fraglicher Mensch stellte sich der Gemeinde ganz überaus leutselig als „der Michael“ vor. Bis zum Knie trug der Michael Jeans, über der Jeans trug der Michael Bauch, über dem ein orangefarbenes Hemd bereits vor Eröffnung der eigentlichen Feierlichkeiten sichtlich spannte. Noch weiter oben trug der Michael einen grauen Vollbart in einem Gesicht, das auf mich stets eine Spur grämlich wirkte.

Einen Nachnamen hatte der Michael offenbar nicht. Und offenkundig schloss der Michael von sich auf den Rest der Welt. Jedenfalls befand er es nicht für nötig, sich bei den versammelten Angehörigen verschiedenster Jahrgänge erst einmal einschlägig zu erkundigen.

Der Michael duzte einfach unterschiedslos alle, und die meisten der Anwesenden sprach er dabei mit ihrem Vornamen an. Damit, sich meinen zu merken, war der Michael aber anscheinend überfordert. Weshalb der Michael mich den ganzen Abend über der Einfachheit halber „Guinness“ nannte. Ihm war nämlich nicht entgangen, dass ich mich an Guinness hielt. Nämliches Guinness war der Rest einer Palette, die ich bei einem meiner letzten Besuche mitgebracht hatte, und wem immer der Sinn danach stand, der durfte sich natürlich ebenso daran schadlos halten.

Der Michael kannte Guinness selbstverständlich und erzählte erst einmal eine ziemlich witzlose Geschichte, in der eine Kneipe in Hamburg eine Rolle spielte und in deren Pointe der Name „Guinness“ und das Wort „Spülwasser“ vorkamen. Immerhin der Michael fand die Pointe so amüsant, dass er das Wort „Spülwasser“ im Laufe des Abends noch sehr oft wiederholte. Unmittelbar im Anschluss auf seine Hamburg-Schilderung sang der Michael dann ein kurzes Loblied auf die Süffigkeit holländischer Biere. Vor meinem geistigen Auge formte sich ein Bild. Auf dem stattete der Michael zusammen mit ein paar guten Kumpels der Reeperbahn einen Besuch ab. Der Michael und seine Kumpels trugen Bärte im Gesicht und Hawaiihemden über den Bäuchen. Die Bäuche trugen der Michael und seine Kumpels blusig über dem Gürtel.

Ich schüttelte den Kopf, um das Bild zu verscheuchen. Die Kumpels und die Reeperbahn-Kulisse verschwanden, der Michael leider nicht. Schade.

Zum Glück blieb der Michael bei seinen Spülwasser-Witzeleien und beim Altbier, das die Gastgeber neben Pils ausschenkten. Ich taufte den Michael also auf Alt (ich hätte den Michael natürlich auch auf Billig-Alt taufen können, verkniff mir das aber mit Rücksicht auf die Gastgeber).

Als ich dann später zum Guinness noch einen Whisky der Marke Aberlour trank, stand das Urteil vom Michael endgültig fest: ich tränke wohl alles, befand der Michael und spülte das Altbier der Handelsmarke „Landfürst“ zum wiederholten Male mit einem leckeren Kräuterlikör hinunter. Den hatte der Michael nämlich umgehend eingefordert, nachdem er sich das zigste Stück Pizza in den Wanst geschaufelt hatte. So fällt das Lob der Hausfrau von Mensch zu Mensch und von Kulturkreis zu Kulturkreis eben recht verschieden aus: Der Chinese rülpst, der Michael verlangt nach einem „Fettverteiler“.

Im Laufe des Abends erfreute der Michael sein Publikum dann noch mit so manchem launigen Ausspruch. Irgendwann verabschiedete sich der Michael dann mit dem Versprechen, er komme gern wieder, wenn es dann zur Abwechslung auch mal kaltes Bier zu trinken gebe. Nachdem der Michael die Tür hinter sich ins Schloss hatte fallen lassen, rätselten wir noch eine Weile lang herum, wo Jutta den Michael aufgegabelt haben mochte, ob sich da wirklich nichts Besseres hätte finden lassen können und ob wir den Michael demnächst wohl noch öfter ertragen müssen. Je nun, wer weiß; mensch soll die Hoffnbung ja nie aufgeben – mit ein bisschen Glück haut dem Michael vor seinem nächsten Besuch ja mal jemand auf die Fresse?


G u i n n e s s


Mit Guinness ist es wie mit so vielen Dingen: Man mag es oder man mag es nicht, und sich über Geschmäcker zu streiten lohnt bekanntlich nicht.

Ich mag Guinness, und seitdem das irische Dunkelbier als „Guinness Draught“ daherkommt, mag ich es noch lieber. „Draught“ – das soll so viel heißen wie: das schmeckt so gut wie vom Fass. Und dass es das tatsächlich tut, kann ich nur bestätigen: ein gut gekühltes Draught Guinness aus der Dose ist mir jedenfalls allemal lieber als ein schlecht gezapftes Guinness vom Fass. Und dass es Guinness nicht nur gut gezapft gibt, ist leider eine Binsenweisheit. Ich könnte mir vorstellen, dass es um die Reeperbahn herum mehr als nur eine Spelunke gibt, die ein ganz, ganz mieses Guinness ausschenkt.

Guinness war eine von zwei ausländischen Biermarken, die es in Deutschland zu kaufen gab, bevor laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes im Jahr 1987 Deutschland seine Grenzen auch für Biere öffnen musste, die nicht entsprechend dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut werden. Mit anderen Worten: Auch Guinness wird unter Verwendung von Wasser, Hopfen, Malz und Hefe gebraut. Weitere Zusätze sucht man in Guinness vergebens. Seinen kräftigen Geschmack und seine tiefschwarze Farbe verdankt die Biersorte der Gerste, die nicht nur gemälzt, sondern auch geröstet wird – einer Legende zufolge ist diese Besonderheit eine Folge des Großen Feuers von London im Jahre 1665. Das kann man glauben oder auch nicht, eine hübsche Entstehungsgeschichte ist das allemal. Guinness ist, wie seine Kollegen Beamish und Murphy’s, ein so genanntes „Porter“ oder „Stout“. Diese Namen wiederum spielen an auf die Lastenträger, die dem Bier ihrer Wahl bei einer Befragung Eigenschaften attestierten, die die Brauerei flugs in einen Werbespruch ummünzte, der heute ein Klassiker ist: „Guinness is good for you“, hatten damals die Träger befunden.

Liebhaber des Dunkelbieres werden dem sicher zustimmen, und solange der Guinness-Genuss mit dem richtigen Maß geschieht, ist gegen das eine oder andere Pint of Guinness sicher nichts einzuwenden.

Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben handelt es sich bei Guinness übrigens nicht um ein Starkbier. Tatsächlich unterscheidet sich der Alkoholgehalt eines Guinness mit seinen 4,2 Volumenprozent nicht wesentlich von dem eines landläufigen Pils, Alt, Kölsch, Export, Weizen oder einer anderen Bierspezialität. Für den deutschen Markt wird Guinness zwar mit einer etwas höheren Stammwürze eingebraut als für den irischen, aber das war’s dann auch schon. Das Prozedere, dem Bier einer bestimmten Marke beim Export ein „Feintuning“ zu verpassen, mit dem man dem angeblichen Massengeschmack entgegenzukommen versucht, ist auch beileibe nicht ungewöhnlich.

Beim „Draught Guinness“ handelt es sich allerdings um eine geschmackliche Variante, die dem, was in der irischen Heimat des Guinness aus den Zapfhähnen rinnt, schon sehr nahe kommt. Der Clou, der das „Guinness“ zum „Draught Guinness“ macht, ist eine kleine Plastikpatrone. Die schwimmt frei in der Dose umher und gibt beim Öffnen der Dose eine Dosis Stickstoff frei, die beim Einschenken dafür sorgt, dass das Guinness seine charakteristische Krone aus cremigem, hellbraunem Schaum erhält. Neben der tiefschwarzen Farbe eines Guinness sorgt vor allem die Konsistenz dieser Schaumkrone für Wiedererkennungswert. Die Schaumkrone, so heißt es zuweilen, müsse so fest sein, dass man einen irischen Penny darauf platzieren können müsse – wer mag, kann das beizeiten ja mal ausprobieren, sollte aber wohl nicht gleich beim Wirt reklamieren, wenn der Trick nicht funktioniert. Verlässlicher erscheint mir da schon der Rat, man möge eine kleine Zeichnung in die Krone ritzen und darauf achten, ob die dann zumindest in groben Zügen noch zu erkennen ist, wenn die Schaumkrone mit Leeren des Glases auf den Boden abgesunken ist.

Damit der Test Aussicht auf Erfolg hat, muss das „Draught Guinness“ vernünftig gekühlt sein – was aber ohnehin Bedingung ist, da sonst auch der Trick mit der Stickstoffpatrone nicht so gut funktioniert, wie sich der Erfinder das gedacht hat.

Besagte Patrone ist übrigens für einen weiteren grundsätzlichen Unterschied zwischen einem „Draught Guinness“ und anderen Dosenbieren verantwortlich: Nach dem Öffnen der Dose blubbert’s und zischt’s erstmal kräftig – ein Glas, in das man das schäumende Bier schenken kann, sollte deshalb griffbereit sein. Davon, das Guinness direkt aus der Dose zu trinken, sollte man aber wohl Abstand nehmen (schon allein, weil das Schauspiel eines sich langsam setzenden Guinness im Glase so schön ist).

Bedauerlicherweise gewinne ich in der letzten Zeit den Eindruck, dass sich das Guinness seit Einführung des Dosenpfandes zunehmend rar macht: Mehr und mehr Super- und Getränkemärkte kegeln das „Draught Guinness“ aus dem Sortiment – wahrscheinlich, weil die Rücknahme der leeren Dosen zu lästig erscheint oder der geneigten Kundschaft der Guinness-Genuss nun endgültig zu kostspielig geworden ist, denn wirklich billig war das Guinness nie. Ich glaube, der Kurs liegt seit Jahr und Tag bei etwa 1,60 EUR für die Dose mit 0,33 l Inhalt – wer bedeutend weniger für die Dose zahlt, darf sich also über ein Schnäppchen freuen. Zuweilen wird das gute Draught Guinness auch in der schmucken Halbliterdose gesichtet – die ist dann in der Regel noch ein bisschen teurer, kann aber in diesen Tagen eine echte Alternative zum „echten“ Guinness vom Fass sein. Das schmeckt im Zweifelsfalle nämlich auch nicht besser, wird von einigen Wirten aber mittlerweile zu wahren Apothekenpreisen abgeschlagen: Ich finde, wenn der halbe Liter plötzlich stolze 5 EUR kostet, kann einem der Durst schnell vergehen.

Für mich ist Guinness deshalb, was es schon immer war: ein Bier, das ich dann und wann sehr gern trinke, das aber von jeher eine Spur zu teuer war, als dass es für mich wirklich das Zeug zum Allerwelts-Feierabendbier gehabt hätte. Was in meinen Augen aber auch nicht weiter schlimm ist – denn so besteht wenigstens weder Gefahr, des Guinness überdrüssig zu werden noch Gefahr für die Leber.

21 Bewertungen, 9 Kommentare

  • speedy13

    03.08.2007, 19:23 Uhr von speedy13
    Bewertung: sehr hilfreich

    YEAH! Da haben wir ja noch etwas gemeinsam!

  • hjid55

    03.01.2007, 19:49 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah

  • LilaLisa

    16.06.2006, 16:59 Uhr von LilaLisa
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse Lisa :-)

  • anonym

    16.06.2006, 01:08 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Edith und Claus

  • SuicideToday

    15.06.2006, 20:55 Uhr von SuicideToday
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~*~sehr hilfreich~*~man liest sich~*~

  • Estha

    15.06.2006, 18:21 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨¨*:•. ... sh ... .•:*¨¨*:•.

  • phobee

    15.06.2006, 16:56 Uhr von phobee
    Bewertung: sehr hilfreich

    Genialer Bericht! Dickes Lob!

  • leomanleo

    15.06.2006, 16:18 Uhr von leomanleo
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht. lg LEO

  • Eurovision

    15.06.2006, 15:31 Uhr von Eurovision
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr informativ, sh