HVV Hamburger Verkehrs Verbund Testbericht

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Erfahrungsbericht von fuerstklaas

HVV - Hamburg Verspätet Verpassen

Pro:

Alles, was mit "öko" anfängt

Kontra:

Verspätet, verspätet und verspätet

Empfehlung:

Nein

Ich geb´s zu: Ich war noch nie ein Fan von Massenbeförderungsmitteln. Das fing schon früh an, im Schulbus, und in jedem Urlaubsflieger krieg ich einen Anfall, manchmal auch zwei. Aber hin und wieder gebietet es die Vernunft (Betriebsfeier), die höhere Gewalt (Wetter) oder einfach die Lust am Reisen (haha!), auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Hier in Hamburg ist das dann der HVV.

Seit – lasst mich nicht lügen – etwa 1,5 Jahren ist der HVV klassenlos. Vorher gab´s in den U- und S-Bahnen noch eine erste und eine zweite Klasse. Ich bin immer erster gefahren. Nicht weil ich so reich oder so versnobt bin (na ja, jedenfalls nicht nur, hüstel), hauptsächlich, weil man da tatsächlich noch Platz hatte. Aber seit das aufgehoben wurde, sind alle Waggongs gleichvoll.

Das Leben könnte so schön sein: Der HVV bietet Buslinien an, S-Bahnen und U-Bahnlinien. Das ist theoretisch sehr komfortabel. Ich z.B. muss nur aus der Tür kommen, zwei Mal lang hinschlagen, und schon habe ich die nächste Bushaltestelle erreicht. Die Busse fahren alle 5 Minuten oder so, nur ab ca. 23h werden die Intervalle etwas länger, aber das ist ok. Ich steige also in den Bus, zeige entweder meine Karte vor oder löse beim freundlichen Fahrer eine, und dann chauffiert er mich zum nächsten US, also dem U-/S-Bahnhof. Dort warte ich ebenfalls max. 5 Minuten auf meine Bahn, steige ein, vielleicht um, und komme am Ziel an. Ausgeruht, pünktlich und theoretisch.

Bevor ich jetzt zum Schlag aushole: Der HVV hat auch gute Seiten. Man kann sich z.B. im Internet vorher genau schlau machen, wie man am besten an sein Ziel kommt. Und wenn ich nicht weiß, wie die Haltestelle heißt, an der ich aussteigen muss, kann ich mein Ziel auch über Straße/Hausnr. oder als „Besonderen Ort“, bspw. „Gänsemarkt“ angeben. Dann sagt mir der Planer, wann ich wo rein, raus und rüber muss, wie lange ich noch zu Fuß unterwegs bin, und natürlich, was der Spaß kostet. Und ich mag die rote Farbe des HVV.

Genug gezärtelt.

Wenn die Bahn, also DIE BAHN, ein Management, eine Planung und eine Koordination wie der HVV hätte, würde Deutschland im Chaos versinken. Glücklich ist, wer sich irgendwo in eine S-Bahn setzen und an seinem Ziel wieder aussteigen kann. Weniger glücklich ist, wer umsteigen muss. Und komplett angesch... ist, wer zwischen S- und U-Bahn und Buslinien wechseln muss. Die Chance, die Anschlüsse zu bekommen, liegen bei unter 50%. Das hat mit Organisation nichts zu tun, das ist Improvisation. Nun haben wir ja das Glück, dass die Intervalle ganz ok sind, ich muss also nicht wirklich lange warten. Aber bei 3-4 Mal umsteigen kommen da auch locker +/- 20 Minuten zusammen. Soll ich also jeden Tag 20 Minuten früher aus dem Haus, um sicher zu sein, nicht zu spät zu kommen? Dann kann ich mein Glück ja gleich als Anhalter versuchen.

Ja, sicher, der HVV ist bemüht. Wenn Gleisbauarbeiten anliegen, wird das NATÜRLICH lange vorher angekündigt, und es stehen – gerade in der Anfangszeit – auch genügend Peoples auf dem Bahnsteig, im schmucken HVV-Dress gewandet, und geben Auskunft, wie das hier nun weitergeht, wo doch die U3 plötzlich aufhört, wo´s früher noch weiterging. Erkenne ich alles an.

Aber mal reduziert aufs Wesentliche: Ich zahle Geld dafür, dass der HVV mich von A nach B bringt, meinetwegen über G und L, und das zu einem bestimmten Preis und zu einer bestimmten Zeit. Und gerade mit dem letzten Punkt gibt es massive Probleme. Warum? Ist es so schwer, die paar Züge und Busse aufeinander abzustimmen? Ich meine, wir reden hier von Hamburg, nicht von Deutschland! Ok, die Busse und die U-Bahn werden von der Hochbahn betrieben, während die S-Bahn Hamburg ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ist. Mag sein, dass es da Reibungsverluste bei der Koordination gibt. Aber kann das mein Problem sein?

Die Wagons sind relativ sauber, aber ich erwarte ja auch keinen Mülleimer auf Schienen. Das Personal ist relativ freundlich, manchmal gibt es Verständigungsschwierigkeiten. Kann ich mit leben. Und sogar das bargeldlose Zahlen ist möglich. Hurra.

Wenn man nur mit dem Bus fährt, kann das auch schon abenteuerlich abgehen. Ich habe 4 Typen von Busfahrern ausgemacht:

1. Der schweigende Finsterling
„Guten Tag, einmal Christuskirche!“ strahle ich ihn an. Seine Brauen ziehen sich zusammen und ein Geräusch, wie wenn man rückwärts über einen Frosch fährt, entringt sich seinem Sprechapparat. Recherchen ergeben, dass er „Zweidreißig!“ sagte. Dann rückt er die Karte raus, streicht die Kohle ein, und fährt. Finster blickend, die Last des gesamten Fahrplanes auf seinen mutmaßlich behaarten Schultern schleppend. Sorry, ich werde unsachlich.

2. Der Witzbold
„Ja wie, ist denn heut schon Weihnachten!?“ quittiert der Gute meinen oben angeführten Wunsch. Und schüttet sich aus vor Lachen, überwältigt von seinem eigenen Heiterkeitspotential. Auch der Zahlungsvorgang spielt sich in einer Atmosphäre heitersten Beisammenseins ab, das Feuerwerk der guten Laune findet seinen Höhepunkt in dem Bonmot „Zweidreißig, und der Christusexpress startet!“ oder ähnlich.

3. Michael Schumacher
Typ „Eigentlich-fahre-ich-ja-einen-318i-mit-M-Power-Aufkleber-hinten-drauf,-mit-dem-versäg-ich-euch-alle...nämlich“. Ihm fällt der Rollenwechsel schwer und die Erkenntnis, dass sein aktuelles Gefährt gute 10 Meter länger ist als seine Privatschleuder. Macht nichts. Zwei Vollbremsungen pro Kilometer sind Pflicht, für jede weitere gibt´s Bonuspunkte.

4. Normalo
Gibt´s auch, scheint mir aber in der Minderheit zu sein.

Auch hier gilt: Ankommen tut man immer, die Frage ist: Wann! Haltet mich bitte nicht für hysterisch, aber ich kann bald nicht mehr zählen, wie oft ich einen Busfahrer schon anfeuerte „Ja, fahr zu, Du kannst es, ich glaube an Dich!“, während er an einer GRÜNEN Ampel vor sich hin dämmerte. Oder bei grün im Heranfahren aufgrund seiner profunden Kenntnis der Ampeltakte schon mal präventiv bremste und dann widerwillig doch noch die Kreuzung überqueren musste. Wirklich, kein Quatsch.

Fazit:
Wer sich auf öffentliche Verkehrsmittel einlässt, rechnet vielleicht mit Verspätungen. Ich finde es nur schlimm, wenn man sie – bei steigenden Preisen - voraussetzen muss.

15 Bewertungen, 1 Kommentar

  • anonym

    19.03.2006, 17:54 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    *** sh & lg *** Lg, Christina