Die Chronik der Unsterblichen 06. Die Blutgräfin (gebundene Ausgabe) / Wolfgang Hohlbein Testbericht
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Erfahrungsbericht von margy
die blutgräfin
Pro:
siehe bericht
Kontra:
siehe bericht
Empfehlung:
Ja
Die Vorderseite des Buchdeckels wird geteilt durch einen Vorhang, der eriner Harfe ähnelt. Links erblicke ich eine weiße Schleiereule, rechts eine weiße Türe und ein großes schmales Fenster mit seinem spitzzulaufenden Bogen.
Wolfgang Hohlbein wurde am 15. August 1953 in Weimar geboren. Bereits als Kind zog er mit seinen Eltern nach Düsseldorf. 1972 heiratete er seine Frau Heike. Er ist Vater von 6 Kindern und bekannt für zahlreiche erfolgreiche Romane.
Wir befinden uns im Mittelalter des 16. Jahrhunderts. Andrej Delany und Abu Dun sind auf einer Reise nach Ungarn. Andrej sucht nach seinen Wurzeln und denkt ständig an seine verflossene Liebe Maria. Sie erreichen ein Dorf, dessen Bewohner sehr misstrauisch sind. Sie mögen keine fremden Eindringlinge. Die beiden Reisenden erfahren nach und nach, dass hier eine Gräfin leben soll, die für grausame Taten verantwortlich zu machen ist. Andrej und Abu werden von einem Bauern des Ortes und seiner Familie ausfindig gemacht. Sie folgen einer Einladung und erfahren hier mehr. Ulric, der Bauer erzählt ihnen von der "Blutgräfin" dieser Gegend. Auch Blanche, den Diener der Gräfin, lernen sie kennen. Jedoch sind die Menschen des Ortes hier geteilter Auffassung. Ein Teil denkt so wie der Bauer, die anderen wiederum sind der Meinung, dass es gut sei, die Gräfin hier zu haben. Sie kümmere sich um Mädchen, würde ihnen Arbeit verschaffen und sie gut bezahlen. In deren Augen ist Ulric ein Taugenichts, der Leute beraubt und die gestohlenen Dinge verkauft. Da Andrej jetzt unsicher geworden ist und zweifelt, wem er glauben soll, macht er sich selbst auf den Weg zur Gräfin, um sie aufzusuchen und des Rätsels Lösung zu entschlüsseln.
Etwas aus dem Buch zu lesen:
Die noch vor kurzem friedlich daliegende Waldlichtung hatte sich in ein Schlachtfeld verwandelt. Es fiel Andrej schwer, die Anzahl der Toten zu benennen, die halb oder auch ganz nackt, auf schreckliche Weise verstümmelt, mit abgehackten Gliedmaßen und Köpfen im frisch gefallenen Schnee lagen. Es mochten vier sein oder auch fünf, und Andrej wagte nicht zu mutmaßen, welche Schrecken die unschuldig weiße Schneedecke noch verbergen mochte.
Andrej überwand nur mit Mühe den Widerwillen, den der Anblick der entstellten Körper in ihm wachrief, und ließ sich neben dem enthaupteten Mann in die Hocke sinken, an dem die Eule ihren Hunger gestillt hatte. Es fiel ihm schwer, ihn zu berühren. Andrej hatte keine Furcht vor dem Tod. Abu Dun und er verdienten sich seit mehr als einem Menschenalter ihren Lebensunterhalt als Söldner, und es gab kaum eine Spielart des Todes, die er noch nicht gesehen oder auch von eigener Hand herbeigeführt hatte. Aber das hier schien noch etwas anderes zu sein. Jemand hatte diese Menschen umgebracht, aber er hatte es nicht einfach dabei bewenden lassen, sie zu töten - diese Menschen waren regelrecht abgeschlachtet worden.
Wer war die Blutgräfin wirklich?
Die Blutgräfin hieß mit richtigem Namen Elisabeth Bathory. Sie wurde 1560 geboren und ihre Eltern waren eine der reichsten Familien Ungarns. Sie hatten Macht und Einfluss. Elisabeth litt als Mädchen bereits an eptileptischen Anfällen, viele ihrer Verwandten mied man. Elisabeth war gerade mal 9 Jahre alt, als die Bauernaufstände herrschten. Rebellen stürmten das Schloss. Die Kindermädchen nahmen Elisabeth und ihre beiden Schwestern in den Arm und flohen. Sie schafften es gerade noch, Elisabeth auf einen Baum zu schaffen, für die anderen beiden Kinder blieb keine Zeit mehr, sie in Sicherheit zu bringen. Dann holten die Rebellen die flüchtenden Frauen ein. Vor den Augen Elisabeths wurden die Kindermädchen grausam getötet, ihre Geschwister vergewaltigt und aufgehangen. Das alles sah das Mädchen und saß erstarrt im Baum. Nach den Ereignissen und dem Entfernen der Rebellen lief sie ins nächste Dorf. Sie bekam die Gefangennahme der Bauernrebellen mit. Sie wurden festgenommen, gefoltert und gevierteilt. Auch das musste sich Elisabeth anschauen. 2 Jahre später fand ihre Verlobung mit Ferencz Nadasdy statt. Er war als grausamer Krieger bekannt und folterte auf Kriegszügen seine Gefangenen. Im Alter von 15 Jahren heiratete Elisbeth. Der König Matthias II machte ihr im besoffenen Zustand bei den Hochzeitsvorbereitungen einen Antrag. Wütend darüber schlug Elisabeth ihre Dienstmädchen dermaßen, dass sie bluteten. Der König forderte das Recht der 1. Nacht. So weit jedoch sollte es wegen einem Schlafmittel, das man dem König einflßte, nicht mehr kommen. Nach ihrer Hochzeit bereits begann Elisabeth, ihre Wünsche gegenüber ihrem Mann zu äußern. Sie wollte gerne, dass ihr Mann ein 12jähriges Mädchen foltert und sie während des Aktes auspeitscht. Später vergriff sich die Gräfin an ihrer weiblichen Dienerschaft. Nachdem ihr Mann starb, holte sie Mädchen bis zu einem Alter von 14 Jahren zu sich. Ihr bereitete es Vergnügen, sie zu schlagen und zu demütigen. Die Geliebte ihres Freundes bearbeitete sie mit einer Schere und schnitt ihr damit die Stimmbänder durch. Dann brach die Pest in Ungarn aus. Auf Elisabeths Befehl hin wurden alle Menschen, ob tot oder lebendig, unter der Erde begraben. Danach wurde ihr Lehrer umgebracht. Elisabeth sorgte dafür, dass die Verantwortlichen des Mordes gefoltert , die Rippen, Arme und Beine gebrochen wurden. Danach sollten sie gehäutet sowie geköpft werden. Bis zu ihrer Verwesung spießte man die Köpfe der Mörder entlang der Friedhofstraße auf und klebte ihnen die Prozessprotokolle auf die Haut. Ihr Zorn wurde immer grenzenloser und sie hatte absolut keine Hemmungen mehr. Sie warf ihre Schwiegermutter aus dem Schloss und auch ihre leiblichen Kinder schickte sie weg. Für Folterungen von Hunderten von Kindern soll sie verantwortlich gewesen sein. Dann biss sie ihre Dienerinnen, stach sie mit Nadeln am gesamten Körper und unter den Fingernägeln, legte ihnen rotglühende Schlüssel oder Münzen in die Handflächen und brandmarkte sie. Im Winter ließ sie Mädels in den Schnee werfen, um sie dann mit eiskaltem Wasser zu übergießen, so dass die Opfer erfroren. Eines Tages kümmerte sich eine Zofe - wie jeden Tag - um ihre Frisur. Als diese nicht korrekt angebracht war, benahm sich die Gräfin wie eine Furie. Erst schlug sie ihre Zofe, so dass ihr Blut Elisabeth traf. Als sie den Verdacht hatte, dass dieses Blut verjüngere, ließ sie ihr und noch zwei anderen Dienerinnen die Pulsadern aufschneiden, sammelte das Blut in Bottichen und badete darin.
"...Darvulia, ihre vertrauteste Kammerfrau, brachte einen Eimer Wasser aus dem Haus. Die Frauen stützen Ilonas Körper, während Elisabeth das Wasser über die blasse Gestalt goss. Das Wasser gefror schnell, und das Mädchen erstarrte auf der Stelle.
Einen Moment lang betrachteten die Frauen staunend die lebende Statue. Ein blattförmiger Eiszapfen, scharf wie ein venezianischer Glassplitter, wölbte sich zwischen den Beinen des Mädchens hervor. Das Schamhaar über dem Zapfen war mit glitzernden Kristallen besetzt. Auch ihr Bauchnabel hatte sich mit Kristallen gefüllt, einer funkelnden Traube aus kleinen Juwelen. "Schönheit" sagte Elisabeth kalt, "wie mühelos heftest du dich an die Fügsamen!"..."
Auch vor Adligen machte sie keinen Halt. Davon hörte der könig. Er schickte seine Leute aus, um ihr Schloss und das Grundstück zu untersuchen. Sie fanden 50 verstümmelte Kinderleichen. 350 Zeugen machten vor Gericht ihre Aussage, wurden allesamt durch Verbrennen oder Köpfung hingerichtet. Da Elisabeth eine Adlige war, mauerte man sie in ihrem Schlafzimmer ein, gab ihr Essen und Trinken durch einen kleinen Spalt. 4 Jahre später, am 14. August 1614 starb sie im Alter von 54 Jahren.
Der Schreibstil Wolfgang Hohlbeins ist sehr flüssig. Der Roman lässt sich gut lesen, ist spannend, fesselnd und mitreißend. Er verarbeitet tolle Ideen und supermäßige Einfälle. Der Roman, der um die schreckliche Blutgräfin rankt, ist sehr aufregend geschildert, packend in seinen Inszenierungen und zieht so in den Bann. Bereits am Anfang sieht man deutlich die weiße Schleiereule vor seinem geistigen Auge und auch die verstümmelten Leichen im Schnee. Hohlbein schreibt in der Vergangenheitsform, sehr detailreich, so dass Bilder entstehen. Gedankengänge und Handlungen lässt er sichtbar und spürbar werden.
Der Schluss des Romans war für mich sehr überraschend und sehr schockierend. Mit zahlreichen mystischen Ideen und superguten Einfällen lässt Wolfgang Hohlbein das Mittelalter lebendig werden. Die Blutgräfin verbringt wieder ihre grausamen Morde, gewalttätige Szenen durchfurchen den Roman. Dabei lief mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ich schauderte vor Ekel und Grauen, spürte Emotionen und Gefühle der Menschen und auch in mir hochkommen. Während des Lesens befand ich mich mitten in den Ereignissen, glaubte, mit dabei zu sein und den Machenschaften Elisabeths ein Ende setzen zu müssen. Lauft schrie ich den Mädchen zu. Lasst euch nichts gefallen. Wehrt euch eurer Haut. Tut etwas für euer Leben. Aber ich konnte nichts machen außer immer weiter lesen, um zu sehen, welchen Lauf die Geschichte noch nimmt. Zwischen den Zeilen macht sich das Entsetzen breit. Hohlbein weiß das in seiner Schreibweise ganz geschickt einzusetzen und den Leser das spüren zu lassen. Die bildhaften Beschreibungen wirken sehr lebendig, machen aufmerksam auf das gestörte Wesen und den Charakter der blutrünstigen Frau in dem Schloss. Wie ein Vampir trieb sie ihr Unwesen, befriedigte immer wieder ihre Gier, bis eine höhere Macht, nämlich der König ihr Einhalt gebot und ihr Grenzen setzte. Das schlimmste Übel, das diese Frau erleben musste, waren die letzten 4 Jahre vor ihrem Tod im Kerker ihres eigenen Schlosses, ihrer Heimat. In ihrem eigenen Schlafzimmer war sie ihre eigene Gefangene. Das, was sie über Jahre anderen angetan hatte, widerfuhr ihr jetzt selbst ohne Freiraum und Ausgang. Mit den beiden Männern ging ich also auch auf die Reise zum Schloss bzw. der Burg der Blutgräfin, um von ihren Verbrechen zu erfahren und als Zuschauer dabeizusein. Es war eine Entdeckungsreise, die zur Täterin führen mit schrecklichen Anblicken, mit ekelerregenden, erschauernden und entsetzten Gefühlen, jedoch überaus spannend, packend, mitreißend und in den Bann ziehend. Die Erzählkunst dieses Schriftstellers ist atmosphärisch sehr dicht gestrickt. Ein Roman, der in fesselnder Weise ins blutrünstige Mittelalter entführt.
Fazit: eine lesereise ins finstere mittelalter, die sich lohnt.
26 Bewertungen, 11 Kommentare
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05.05.2008, 11:42 Uhr von MasterSirTobi
Bewertung: sehr hilfreichSchön geschrieben und sehr gut formuliert. SH
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23.04.2008, 09:14 Uhr von ronald65
Bewertung: sehr hilfreichsh
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22.04.2008, 23:42 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichIch wünsche dir noch einen schönen Abend.L.G. derg
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22.04.2008, 21:31 Uhr von broos
Bewertung: besonders wertvollwow, toll geschrieben, Respekt!!!
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22.04.2008, 21:14 Uhr von frankensteins
Bewertung: sehr hilfreichsuper beschrieben lg
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22.04.2008, 21:02 Uhr von barbu
Bewertung: besonders wertvollsehr toller bericht, weiter so! würd mich freun wenn du auch mal bei mir reinschaust.
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22.04.2008, 20:50 Uhr von Qantas
Bewertung: sehr hilfreichBeste Grüße aus Köln! :-)
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22.04.2008, 20:35 Uhr von topfmops
Bewertung: sehr hilfreichIch bleibe dabei: 'Hohlbein' ist ein Pseudonym für 'Hohlkopf'.
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22.04.2008, 20:00 Uhr von Mondlicht1957
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreich liebe Grüsse Pet
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22.04.2008, 19:42 Uhr von emanuels
Bewertung: sehr hilfreichlg
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22.04.2008, 19:38 Uhr von Trolligun
Bewertung: besonders wertvollklasse Bericht. LG Trolli
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