Todeshauch (Taschenbuch) / Arnaldur Indridason Testbericht

Luebbe-todeshauch-taschenbuch
ab 10,91
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Erfahrungsbericht von stuffeline

Knochen, Schläge und Koma

Pro:

gut geschrieben, verwicklung der Erzählstränge

Kontra:

kein richtiger Krimi, die Namen

Empfehlung:

Ja

Ja, diese Isländer... ich kenn keine, aber wenn die diese Story mit dem Krimipreis(dem Nordischen) auszeichnen und überhaupt auf die Idee kommen, Krimi dazu zu sagen, dann müssen die etwas anders sein als wir.... oder wie so oft: ich.

Ich kaufte mir also dieses Buch weil mich der Titel und die auffällige Aussage \"ausgezeichnet mit dem Nordischen Krimipreis sowie die Inhaltsangabe(In einer Baugrube wurden Knochen gefunden, wer kann das sein, suche,Erlebnisse aus Vergangenheit aufrollen) zusagten.

Erwartungen

Ich erwartete danach eine Suche nach der Identität des Knochen-Besitzers, die dann durch grandiose Untersuchungsmethoden und Zeitzeugen irgendwie zu nem Mord führt.
Und ich als Anhänger des klassischen Kriminalromans erwartete dann auch ganz viele Verdächtige die ich mit meinem geschulten Geist schon vor dem Ende ausmachen kann oder halt einfach dann das Ende mit dem Menschen als Täter, den ich von vornherein ausgeschlossen hatte.

Für Unwissende da noch mal meine Definition von \"klassischem Kriminalroman\":

Es passiert ein Mord und es stehen viele Verdächtige zur Auswahl. Bei Agatha Christie etc. immer gern eine Hausgesellschaft, unter der der Mörder zu finden sein muss, oder Leute die auf irgendetwas stoßen was zu einem Verbrechen führt und dann anhand von Zeitzeugen,Dokumenten oder was weiß ich zu Leiche, Mörder und was so dazugehört führt.
Das mag auch manchmal mit einer Familiären Tragödie oder Gefühlen zu tun haben, die sowas auslösen7dazu führen.
Ich für meinen Teil versuche dann auch wirklich sehr intensiv, vor Herkule Poirot, Miss Marple oder wer da grad den Mord aufklärt,zu der Lösung zu kommen und werde in 80% der Fälle vom Gegenteil überzeugt. Etwas frustrierend, aber auch ganz großartig was da übersehen wird und sämtliche Tatsachen verändert.

Story
Davon gibt es in diesem Buch mehrere. Die Überschrift meines Artikels bringt es schon auf den Punkt.
Wir haben hier einmal den \"Erzählstrang\" in der Gegenwart, in dem 3 Polizeibeamten mit dem gefundenen Skellett \"konfrontiert\" werden und versuchen herauszufinden wer der Mörder ist.
Das ist also so das Stück, was ich sehr interessant fand.
Leider unterteilt sich dieser Strang dann nochmal in das, was mit dem Mordfall zu tun hat, und das persönliche Problem des einen Polizeibeamten.
Der hat nämlich ne Exfrau und 2 Kinder und kommt damit nich klar. Und mit sich selbst auch nich. Das haben die Modernen Kommissare ja immer gern, dieses Selbstfindungsproblem im Allgemeinen...
Dann hat die Tochter...nennen wir es mal \"ein Problem\" und er versucht ihr zu helfen.
Das finde ich außerst langweilig, das interessiert mich nich, dafür kann ich mich begeistern oder so.
Ich wartete also während ich diesen Strang des Stranges eher unkonzentriert und gelangweilt hinter mich brachte, fragte ich mich immer wann es denn mit dem anderen weitergeht.
So, der 2te Strang, der sich in nix aufteilt, handelt von Einer Frau, welche von ihrem Mann \"häusliche Gewalt\" erfährt, wie es immer so schön ausgedrückt wurde.
Auf gut Deutsch: sie wurde misshandelt, geschlagen, geprügelt, körperlich und seelisch fertiggemacht.
Die 3 Kinder müssen es mit ansehen.
Das an sich ist ja sehr ergreifend, auch sehr gut dargestellt.
Man weiß auch es muss was mit dem Toten aus der Baugrube zu tun haben, man ahnt auch nach kurzer Zeit wer da liegt und von wem er getötet wurde.
Aber das kann auch an mir liegen. Während der Normalleser sich vor lauter Mitleid mit Frau und Kindern garnicht mehr einkriegt suche ich die Hinweise aufs Verbrechen.
Keine Angst, ich fand es auch alles total Ungerecht und empfand starke Abneigung gegen den \"Gewaltausüber\".

Die Erzählstränge wechseln häufig, sagen wir mal alle 5-10 Seiten. Der eine ist in normaler Schrift, der andere in einer etwas klararen, sich deutlich abhebenden Schrift, so das man da auch nicht durcheinander kommt.

Ende wird natürlich nich verraten, nur soviel: ich beschreibe es zwar als durchschaubar, muss aber zugeben das am Ende doch noch einige Überraschungen auf mich warteten, die ich nie vermutet hätte.


Schreibweise
Eine sehr gute, klare Schreibweise, sie sehr sympathisch rüberkommt. Am Anfang war es für mich etwas problematisch die Personen wiederzuerkennen, denn es wurden einfach 3 isländische Namen in den Raum geworfen, von denen 3 relativ gleich klangen, so dass ich mich immer fragte wer nun wer ist.
Auch wurden die Personen nicht beschrieben oder so, die Feinheiten bekam man erst im Laufe der Geschichte mit.
Ich wurde manchmal etwas unkonzentriert, aber ich glaube das die Schreibweise keine Schuld hat, sondern die schon erwähnte Story, die nicht meinen Erwartungen entsprach.
Naja und diese isländischen betonungszeichen in den Namen oder Stätenamen gehören ja auch so, wenn sie auch etwas befremdlich anmuten..

Personen

Erlendur ist also der Chef der 3 Polizeibeamten. Wie schon erwähnt hat der Nebenbei das Exfrau-Tochter-Selbstfindungsproblem. Er wirkt eigenbrödlerisch und ist nicht grad n Sunnyboy, wirkt aber keineswegs unsympathisch.

Elinborg oder so ähnlich(habs immer noch nich wirklich drauf) ist eine der wenigen Frauen beider Polizei und es kommen manchmal so Sätze wie \"sie war in Liebesdingen durch etliche Liebesromane sehr geschult\". Aber über sie erfährt man sonst nix, sie wirkt manchmal auch sympathisch, oft aber garnicht..

Singurudur Oli (kann auch ganz anders heißen, da sind so Zeichen im Namen..) ist der 3. im Bunde und man erfährt von ihm schon mehr, und zwar über seine Probleme mit seiner Freundin, die in der letzten Zeit irgendwie Zukunftspanik hat und dadurch zur Nymphomanin mutiert.
Auch nich sonderlich interessant, aber zwischendurch recht erfrischend.

Ein gewisser Benjamin dem das Haus der Familie(die mit dem Schläger und der geschlagenen Frau und den 3 Kindern) gehörte. Er stirbt bald, aber man findet heraus das seine Verlobte spurlos verschwand. Daher vermutet man das sie evtl. die Tote ist und er sie umgebracht hat.

Die Familienmitglieder der eben definierten Familie werden auch sehr klar und genau gezeichnet, vor allem natürlich die Mutter.

Ja..dann gibts noch die Tochter von Erlendur, die aber eigentlich den größten Teil der Geschichte im Koma liegt und daher auch nich wirklich interessant ist(für mich..)

Dann gibts noch viele Leute, die am Rande mitspielen, komische Namen haben und z.B. als Zeitzeugen, Ausgräber der Leiche/Knochen oder sonstiges fungieren.
Dazu gibts nix zu sagen, aber es war immer wieder ein Erfolgserlebnis wenn man sie wiedererkannt hat.

Themen:
Man hat ja immer mehrere Themen die einen interessierten. Ich liste hier mal Themen, die das Buch aufgreift, auf:

Misshandlung
Recherche in der Vergangenheit
Ausgrabungen
Psychologie (Schwerpunkt auf Misshandlung)
Selbstfindung (nich abgehoben sondern eher normal..)
gescheiterte Ehe, Bezug zu Kindern aus eben dieser
Island(Landschaft,Lebensweisen etc.)
Soldaten in Island während 2. Weltkrieg

Das fiel mir so ein...hoffe es hilft.


Preis/Leistung

Ich kaufte das Buch im Bertelsmannclub. Ich finde den recht gut, auch die CLubpreise sind sehr nett.
Nichts desto Trotz musste ich ganze 6,95€ dafür berappen.
Ich bekam dafür ganze364 Seiten Story und dann noch die üblichen zusätzlichen Seiten.
Es ist ein Taschenbuch und hat ein sehr schönes, typisch isländisches Coverbild.

Fazit:

Ich weiß, ich war etwas streng mit dem Buch. Das liegt einfach daran, das ich für mich enttäuscht war, nach den Versprechungen nicht meinen liebgewonnen Krimi zu lesen.
Die Sache mit dem Privatleben des Kommissars finde ich wie schon gesagt extrem uninteressant. Aber ob man drauf verzichten könnte kann ich nicht mit Sicherheit behaupten, denn am Ende werden diese Dinge doch etwas miteinander verstrickt.
Die Recherche hätte öfter/länger interessiert.
Die Geschichte der Misshandlung hätte eigentlich auch für sich ein Buch bilden können und dann wohl meist Psychologen/Hobbypsychologen (öhöm..ich bin Soziologe)
oder auch Betroffene interessiert. So mit diesem bisschen Krimi zusammen war sie für mich sehr interessant, sehr gut dargestellt und bot einen Einblick in für mich Unbekanntes.
Die verstrickung und doch auch Trennung der Themen finde ich sehr gelungen
Mir fehlte es auch, so gefesselt zu sein, das man das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Das muss einfach sein und ist ein sicheres Anzeichen für ein sehr gutes Buch. Am Schluss war ich zwar gefesselter, aber im Vergleich zu den unzähligen Büchern vorher war das eher lau...

Wegen dem \"Nicht-gefesselt-Sein\" und dem langweiligen Privatleben des Kommissars 2 Sterne Abzug. Die verwirrenden Namen hätten glücklicher gewählt sein können, fallen aber nicht so schwer ins Gwicht das man dafür einen Stern abziehen könnte.
Trotz meiner persönlichen Enttäuschung ist es zu empfehlen, der Großteil der Bevölkerung möchte wohl eher das als meine Vorstellung eines gelungenden Krimis.

Viel Spaß beim Lesen

12 Bewertungen, 1 Kommentar

  • nicky82

    26.05.2005, 21:43 Uhr von nicky82
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller bericht lg nicky