Liebeskummer und Beziehungsprobleme Testbericht

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Erfahrungsbericht von trenker26

Dieser Urlaub hat mich vor dem Wahnsinn bewahrt

Pro:

Wir sind ein unschlagbares Team

Kontra:

Probleme kosten viel Nerven

Empfehlung:

Nein

Servus Leute!

Vorwort für alle die mich noch nicht kennen:

Ich bin mit einer Ausländerin verheiratet. Meine Frau ist aus Kenia und wäre hier in Deutschland fast gestorben, weil die Ärzte eine einfache Lungenentzündung nicht feststellen konnten. Im April 2002 flog sie dann zurück nach Nairobi. Ich empfehle Euch, lest einfach meine anderen Berichte durch, dann ist es einfacher, diesen zu verstehen. Außerdem: Da Beziehungsprobleme nicht nur zwischenmenschlich sein können, bin ich mir sicher, die richtige Kategorie gewählt zu haben. Auch Krankheiten können die Beziehung auf eine harte Probe stellen.

Als ich bei meinen diesjährigen Urlaub in Nairobi am Flughafen ankam, überwog erst mal die Freude. Ich wurde von meiner Frau empfangen und mein erster Eindruck war, daß sie um Welten besser aussah als noch einige Monate vorher. Sie sah richtig gut und wunderschön aus. Ich machte ihr einige Komplimente darüber und der Frust der letzten Monate schien vergessen. Am nächsten Tag sprachen wir dann über die schwerste Zeit in unseren Leben. Da waren einmal die letzten Wochen in Deutschland, die für Wairimu ( meine Frau ) die reinste Hölle waren. Die Ärzte konnten ihr nicht helfen, dadurch wurde sie immer schwächer und magerte regelrecht ab. Den Rückflug nach Kenia im April 2002 überstand sie ganz schlecht. Im Flieger schwollen ihre Beine an, daß sie nicht mehr ohne fremde Hilfe aussteigen konnte. Per Rollstuhl brachte man sie hinaus.

Einige Tage später erlitt sie die Lungenembolie, an der sie fast gestorben wäre. Es kamen weitere Krankheiten wie Asthma oder Tuberkulose hinzu. Auf den Weg der Besserung folgte ein weiterer Rückschlag in Form einer Lungenentzündung. Trotzdem ging es ihr irgendwann besser und sie konnte im Juni eine Therapie beginnen, damit ihre Lunge wieder ganz gesund wird. Vorher ist es nicht empfehlenswert, nach Deutschland zurückzukommen.

Wir saßen da und sie erzählte mir ihre ganze Geschichte. Wir hatten während dieser Zeit immer wieder telefonisch Kontakt miteinander. Doch bei jeden Anruf hatte ich Angst vor der nächsten schlechten Nachricht. Bei diesen Telefonaten sprachen wir fast nie über mich. Ich wollte sie schützen und deshalb nicht mit meinen eigenen Problemen belasten. Auch an diesen Tag sprachen wir nicht darüber. Mir lag zwar so viel auf dem Herzen, aber irgendwie wußte ich nicht, wie ich anfangen sollte. Dies führte dazu, daß ich fast eine Woche teilnahmslos und in meinen Gedanken versunken, meinen Urlaub verbrachte. Einige Leute, die mich aus meinen ersten Urlaub kannten, waren ziemlich verwundert. Die hatten mich ganz anders in Erinnerung. Meine Frau fragte mich mehrmals, was denn los sei, aber ich sagte ihr, daß alles in Ordnung ist.

Nach einigen Tagen wurde es ihr zu bunt. Wieder fragte sie mich was los ist. Doch diesmal konnte ich nicht anders: Ich fing an, wie ein kleines Kind zu weinen. Ich ließ diesen Gefühl freien Lauf und meine Frau versuchte mich zu trösten. Als meine Tränen getrocknet waren, war ich dran mit meiner Leidensgeschichte.

So verrückt es klingt, ich war erleichtert, als Wairimu zurück nach Nairobi flog. Nicht, weil ich jetzt sturmfreie Bude hatte, sondern weil ich dachte, daß sie jetzt in guten Händen ist. Ich hoffte, daß sie schnell wieder gesund wird und schnell wieder zu mir zurückkommen kann. Um so schlimmer war es dann für mich, als sie nach zwei Wochen anrief und mir von ihren Krankenhausaufenthalt erzählte. Diese Nachricht schockierte und verärgerte mich zugleich. Schockiert war ich, weil wir uns anscheinend nie bewußt waren, wie krank sie wirklich war. Verärgert war ich, weil mein Schatz mehr tot als lebendig im Krankenhaus lag, und ich das nicht mal gewußt habe.

Jedenfalls ab diesen Tag fingen meine eigenen Probleme an. Ich konnte nicht mehr schlafen und wenn doch, hatte ich Alpträume. Ich erschien völlig übermüdet in der Arbeit und lieferte dabei nur Mist ab. Alle möglichen Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Ich dachte daran, Deutschland Hals über Kopf zu verlassen, nur um bei meiner Frau zu sein. Falls ich dies zu diesen Zeitpunkt getan hätte, wäre ich ganz sicher nie wieder gekommen. Doch was hätte mir das gebracht? Hier würde ich meinen Job verlieren und in Kenia habe ich eine kranke Frau und auch keinen Job.

Ich blieb also in Deutschland und mir ging es immer schlechter. Ich hatte das Gefühl, daß ich anfange, durchzudrehen. Ich igelte mich zu Hause ein und versank in Selbstmitleid. In der Arbeit wurde ich wegen Kleinigkeiten agressiv zu meinen Arbeitskollegen. Ich hatte einfach niemanden zum Reden. Das lag auch daran, daß wir erst einige Monate vorher in diese Stadt gezogen sind und ich noch keine Freunde hatte. In meiner alten Heimat in Bayern erzählte ich lange niemanden was davon. Irgendwann rief ich dann meine Schwester an und erzählte ihr alles. Doch nach diesen Gespräch ging es mir nicht wirklich besser. Im Gegenteil! Ab und zu raffte ich mich auf und ging in eine Kneipe, um etwas unter Leuten zu sein. An so einen Tag ließ ich mich dann wirklich vollaufen und in diesen Zustand wurde alles noch viel schlimmer. Es kamen Selbstmordgedanken auf, die mir Angst einjagten. Ich verzichtete voll und ganz auf Alkohol und ich verließ das Haus nur noch um zur Arbeit oder in den Supermarkt zu gehen. Zwangsläufig mußte ich irgendwann in der Arbeit von meinen Problemen erzählen, denn sonst hätte ich Ärger bekommen. Ich stieß auf sehr viel Mitgefühl und Verständnis, als ich sagte, nach Nairobi fliegen zu wollen.

Nun war ich in Kenia und meine Frau hat sich meine ganze Geschichte angehört. Als ich fertig war, umarmte sie mich und sagte mir, wie sehr sie mich liebt. Von diesen Tag an war ich wie ausgewechselt. Ich fing an, meinen Urlaub in vollen Zügen zu genießen. Es war, als würde jemand eine tonnenschwere Last von mir nehmen und ich kann mich wieder frei bewegen. Wir redeten viel, manchmal stundenlang. Wie ich das vermißt habe, wurde mir da klar. Meistens redeten wir über unsere gemeinsame Zukunft. Wenn mein Schatz ihre Therapie beendet hat, wird sie zu mir zurückkommen. Im Winter wird sie Deutschland dann immer fluchtartig verlassen, denn so was wollen wir kein zweites mal mitmachen. Außerdem wollen wir uns in Nairobi ein Haus bauen und irgendwann dort leben. All dies werden wir genauestens planen, damit alles perfekt wird.

Auch wenn wir jetzt wieder getrennt voneinander sind, sehen wir alles viel positiver. Diese vier Wochen in Nairobi waren die bisher schönste Zeit in unseren Leben. Und ich glaube, ich lüge nicht, wenn ich sage: Dieser Urlaub hat mich vor dem Wahnsinn gerettet.

Inzwischen wünschen wir uns auch ein Baby. Allein der Gedanke daran macht mich unendlich glücklich. Unser Kind, eine
Bayrisch-Kenianische Mischung! Was gibt es denn schöneres?

Schlußwort:
Oft genügt eine Umarmung oder ein \"Ich liebe Dich\", und viele Probleme in einer Partnerschaft sind gelöst. Trotz aller Probleme, die wir in unserer Ehe hatten, hatten wir nie Probleme miteinander. Durch die Krankheit meiner Frau und ihren Rückflug nach Nairobi waren wir über viele Monate voneinander getrennt. Es hat unsere Liebe nur noch stärker werden lassen.

MFG Werner

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