Queensland Testbericht

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Erfahrungsbericht von LosGatos

Neue Heimat ?

Pro:

man möchte nicht so schnell wieder weg

Kontra:

die meisten müssen wieder weg

Empfehlung:

Ja

Gut Ding braucht bekanntlich Weile. Es ist schon über ein Jahr her, dass ich begann, über Australien zu berichten, und eine fünfteilige Serie versprach. Bislang ist es bei drei Teilen geblieben. Aber das, was ich (LosGatos) anfange, führe ich auch zu Ende. Und die Zeit ist jetzt reif dafür, wieder einen Schritt zu gehen. Zeit sich zurückzuerinnern an Wochen, die zu den schönsten meines Lebens gehören.

Endlich hatten wir uns gelöst von unserer Reisegruppe, die uns während 2 Wochen Bus-Tour zunehmend genervt hatte. In Darwin waren wir in den Flieger gestiegen und mit der Ansett nach Cairns geflogen. Cairns ist mit 86.000 Einwohnern für australische Verhältnisse schon eine Großstadt, immerhin nach Brisbane die zweitgrößte Stadt von Queensland, dem australischen Bundesstaat im Nordosten mit Zugang zum größten Korallenriff der Welt. Queensland ist mit 727.000 qkm mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nicht mal 5% unserer Einwohnerzahl. „Keirns is wery neuss“ so hatte uns eine deutschstämmige Australierin während unserer Busreise in typisch australischem Akzent im Vornherein versichert.

Am Flughafen stiegen wir in unseren Mietwagen, den wir schon von Deutschland aus bei Hertz reserviert hatten. Rechtssteuerung. Zum ersten Mal in meinem Leben. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Und spätestens am zweiten Tag meint man, noch nie anders gefahren zu sein. Und von dort aus ins vorgebuchte Hotel, wo wir eigentlich dreimal nächtigen wollten. Gegen das Hotel war an sich nichts einzuwenden, aber richtig gefallen hat es uns nicht. Am nächsten Tag fuhren wir durch die Gegend. Etwas außerhalb von Cairns entdeckten wir Apartments, die direkt am Pazifik lagen. Ich habe mich sofort erkundigt. Da war was frei und übermäßig teuer war es auch nicht. Wir sind sofort zurück ins Hotel und haben für den nächsten Tag unsere Abreise angekündigt. In dem Apartment sind wir dann etwa eine Woche geblieben. Am liebsten länger, aber wir hatten ja noch einige Tausend Kilometer Ostküste vor uns, um von Melbourne aus wieder heimzufliegen.

Das Städtchen Cairns verfügt nicht über nennenswerte Sehenswürdigkeiten, aber es ist ein idealer Ausgangspunkt für Unternehmungen in alle Himmelsrichtungen. Lediglich die bunte Statue, die zu Ehren von Captain James Cook neben einer befahrenen Straße errichtet wurde, sollte in keinem Fotoalbum fehlen.

So fuhren wir für einen Tag zum Great Barrier Riff hinaus. Dazu fuhren wir zunächst mit dem Auto in das nördlich von Cairns gelegene Städtchen Port Douglas und von dort mit dem Schnellboot (Quicksilver) hinaus aufs Meer. Selbst mit dem Schnellboot braucht man 2-3 Stunden, bevor man das Riff erreicht. Dieser Ausflug ist natürlich auch nicht ganz billig, obwohl das mit dem Quicksilver nichts anderes als touristische Massenabfertigung ist. Inklusiv buchte ich für mich auch zwei Tauchgänge, denn sonst hat man vom Great Barrier Riff meiner Meinung eher wenig. Allerdings muss ich im Nachhinein sagen, dass ich schönere Tauchgebiete erlebt habe (Seychellen oder Kuba). Zum anderen ist das Great Barrier Riff so riesig, als dass man sich nach zwei Tauchgängen ein umfassendes Urteil erlauben könnte.

Ferner besuchten wir eine Krokodilfarm. Gefährliche Salzwasserkrokodile werden dort gezüchtet wie hierzulande Schweine. Man bekommt sie in allen Größen zu Gesicht. Natürlich gehören auch touristische Vorführungen dazu. Da die Tiere dort gezüchtet werden, ist es auch nicht verwunderlich, dass Krokodilfleisch in australischen Restaurants angeboten wird. Es handelt sich um sehr helles Fleisch, auch vom Geschmack her Hähnchenfleisch nicht unähnlich.

Und dann fuhren wir weiter gen Norden, soweit es mit einem normalen Mietwagen gestattet ist. In Mossman könnte man den Daintree River per Fähre überqueren. Wäre sicher nicht uninteressant gewesen. Im Fluss hätte es gewiss genügend Rettungsboote von Lacoste gegeben. Jedenfalls gibt es hier am Ufer ausreichend Warnschilder. Die Biester sind hier bis zu 7 m lang und wenn man ihnen begegnet, sollte man bereits sein Testament gemacht haben. Es sei denn, man ist Crocodile Dundee. Doch für die Weiterfahrt über eine unbefestigte Straße war dringend ein Geländewagen mit 4-Rad-Antrieb empfohlen. Aber vielleicht würden wir nächstes oder übernächstes Jahr wiederkommen und uns dann per Geländewagen die Halbinsel Cape York vornehmen! Vom Daintree River bis zur nördlichen Spitze Cape York wären es noch um die 500 km gewesen. Und wohlbemerkt nicht über die Autobahn. Wollte man diese Wildnis erkunden, müsste man dafür gewiss eine ganze Woche einplanen. Ein neuer Traum, nachdem sich der Traum Australien mit Melbourne, Outback und Ayers Rock schon erfüllt hatte? Seitdem war ich (LosGatos) in der Tat nie wieder in „Down Under“. Und ich bin mir im Moment nicht sicher, ob sich der Traum irgendwann noch einmal erfüllt. Aber Träume sind dafür da, dass sie irgendwann mal wahr werden.

Ein lohnender Ausflug ab Cairns ist auch die Fahrt mit der historischen Eisenbahn (heute dieselgetrieben) nach Kuranda. Dieser kleine Ort liegt im kühlen Atherton-Hochland. Die Fahrt führt an Zuckerrohrfeldern vorbei durch zahlreiche Tunnel und Regenwald. Immer wieder hat man Ausblick in Richtung Pazifik. Natürlich wartet man dort auch auf Touristen und spielt ihnen „Waltzing Mathilda“ vor. Mitten im Ort findet Bunjee-Jumping statt. Damals war ich so aufgedreht, dass ich mir das fast angetan hätte. Eine Schnapsidee, würde ich heute sagen. Man müsste mir was zahlen, damit ich’s täte.

Traumstrände gibt es natürlich genug. Meist sind sie auch nicht stark bevölkert. Allerdings gibt es einen dicken Wermutstropfen. Während des australischen Sommers (zu Europa entgegengesetzt) ist das Baden im Meer im tropischen Teil nördlich des Wendekreises des Steinbocks (damit in fast ganz Queensland) nicht ganz ungefährlich. Zu dieser Jahreszeit lauern an den Stränden und im seichten Wasser sogenannte „Seawasps“, eine Quallenart, die für den Menschen tödliche Gifte beinhalten. An Stränden gibt es meist Tafeln, die vor „Stingers“ warnen, Plastikflaschen mit Essig (Vinegar) dienen als Erste-Hilfe-Mittel. Deshalb haben wir uns kaum ins Wasser hineingetraut.

Wer meine anderen Berichte über Australien gelesen hat, weiß, dass das Erklimmen des Ayers Rock und eine Ballonfahrt über das Outback für mich zu den Highlights der Reise zählten. Allerdings wurden diese Aktivitäten noch übertroffen durch eine mehrstündige Rafting-Tour durch Regenwälder. Gebucht hatte ich die Tour in Cairns. Dort war dann an einem der folgenden Tage auch Treffpunkt in aller Frühe. Dann ging es mit einem Bus in südwestlicher Richtung ins Landesinnere. Dort warteten zahlreiche Schlauchboote auf uns. Es waren noch ein paar Landsmänninnen dabei, die ich als Typ Stewardess einstufte. Schnell organisierten wir ein deutsches Boot und gaben zwei Engländern Asyl. Unser Bootsmann, der den Fluss und seine Stromschnellen gut kannte, war Kiwi, sprich Neuseländer. Bei den Australiern haben die eine Art Ostfriesen-Status. Somit waren wir im Boot zu acht. Insgesamt gab es wohl an die zehn Schlauchboote, die sich durch die Stromschnellen und Katarakte schlängelten. Besonders hoch war der Anteil an jungen Japanern. „They love it“ hatte man mir schon bei der Anmeldung versprochen. Ausgerüstet waren wir neben dem Paddel einjede(r) mit Schutzhelm und Schwimmweste. Es blieb nicht aus, dass man gelegentlich im Wasser landete, wenn dass Boot mal in einer Stromschnelle 2-3m hinunterstürzte. Das gehörte einfach dazu. Das Wasser war herrlich warm und Rettungsboote von Lacoste waren dort nicht unterwegs. Die Sonne brannte höllisch herunter. Aufgrund des erfrischenden Nasses störte das vorerst wenig. Gelegentlich legten wir am Ufer an. Mit Hilfe von Lianen konnten wir uns wie Tarzan ins Wasser schwingen. Im rechten Moment loslassen. Platsch. Einfach herrlich. Das ganze ging ein paar Stunden. Die Busse sammelten uns wieder auf. Zwischenzeitlich wurden Fotos gemacht, die man am nächsten Tag abholen konnte. Die hängen noch heute bei mir in der Diele neben dem Spiegel. Zum Abschluss gab es die Möglichkeit, sich in ein Gästebuch einzutragen und einen Kommentar zu hinterlassen. Ich erinnere mich noch genau: „My best day in Australia - even better than Ayers Rock“ habe ich geschrieben.

Für den nächsten Tag hatten wir wieder ein Event gebucht. Einen Bootsausflug zu einer kleinen Robinson-Insel. Ich konnte mich jedoch kaum Rühren. Die Rafting-Tour hatte ihre Spuren in Form eines heftigen Sonnenbrandes vor allem auf den Oberschenkeln, wo ich mich nicht ausreichend eingeschmiert hatte, hinterlassen. Das Inselchen war unbewohnt. D.h. die 10-20 Touristen waren hier inklusive der Veranstalter unter sich. Die Insel war schell erkundet. Natürlich wurde gegrillt. Der Wortschatz des Tour Guide’s war beeindruckend. Jedes zweite Wort war „bjudiful“. Ich hatte noch einen kleinen Tauchgang gebucht. Ich zeigte dem Tour-Guide meinen Tauchschein: PADI-Zertifikat. Er war beeindruckt und sein Kommentar, wie könnte es anders sein, war „bjudiful“. Auf der Insel konnte man endlich auch unbedenklich baden. Denn die „Stingers“ würden sich nicht soweit hinaus verirren. Another day in paradise...oder wie würden Sie sagen, Herr Collins?

Gern wären wir noch länger in Cairns geblieben und hätten vom einen in den anderen Tag hineingelebt. Am liebsten für immer. Ich denke, so geht es vielen, die es schaffen, mal in Australien und speziell in Queensland Urlaub zu machen. Sie denken an eine neue Heimat. Hier ist so viel Platz, ewige Sonne, keine Hektik, kein Stress... Aber da war ja noch die Sache mit dem Millionengewinn, auf den wir schon so lange vergeblich warten.

Deshalb mussten wir uns nach etwa 8-10 Tagen von Cairns verabschieden. Jetzt ging es nur noch gerade aus. Immer an der Wand lang sozusagen. Oder genauer gesagt, an der Ostküste. Ich erinnere mich speziell an ein Lied, was ich während dieser Zeit täglich mindestens einmal im Autoradio hörte: „Sometimes love just ain’t enough“ von Patti Smyth und Don Henley

Wir haben dann noch so manchen Wasserfall besucht. Und uns auch noch mal einen Inseltrip gegönnt. In Townsville ließen wir unser Auto stehen. Und setzten nach Magnetic Island über. Dort mieteten wir einen kleinen Geländewagen und fuhren das Inselchen ab. Und irgendwann war natürlich noch einmal baden angesagt.

Schließlich ging es an einem der Hausstrände Brisbane’s (sprich: Brisbin) vorbei: der Sunshine Coast. Auch hier machten wir halt. Schließlich hatten wir die Tropen längst verlassen und die Stinger-Gefahr war gebannt. Also nichts wie ins Wasser. Eindringlich wird hier, wie in ganz Australien, vor den Gefahren des Ozon-Loches gewarnt unter dem Motto „Slip, Slap, Slop“: Schlüpfe in ein T-Shirt, klatsch dir einen Sonnenhut auf den Kopf und schütte dir etwas Sonnenmilch auf die ungeschützten Körperteile. Dennoch erinnere ich mich, wie sich dort ein Mann in der Mittagshitze regelrecht in der Sonne grillt. Er war wirklich schon fast schwarz.

Unser letztes Etappenziel in Queensland war die Hauptstadt Brisbane. Eine wachsende Wolkenkratzer-Silhouette ziert die drittgrößte Stadt Australiens, die am gleichnamigen Fluss liegt und knapp 1,5 Millionen Einwohner zählt. Noch heute trage ich ein T-Shirt, das ich damals auf einem Flohmarkt bei Greenpeace Australia erstanden hatte.


FAZIT

Es bleibt mein Traum, Queensland nochmals zu bereisen. Gern würde ich dort viel mehr Zeit in der Inselwelt des Great Barrier Riffs verbringen. Allerdings sind die Unterkünfte dort für längere Aufenthalte nahezu unerschwinglich. Vielleicht muss ich mir doch woanders eine neue Heimat suchen.


Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 21.6.2003
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi

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