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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von der_Baer
Akunin, Boris - Mord auf der Leviathan
Pro:
witziger Kulturcrash im Krimiformat
Kontra:
keines
Empfehlung:
Ja
1913 läuft am 14. März in der Hamburger Werft von Blohm und Voss das damals größte Schiff der Welt von Stapel, die \"Vaterland\". Eigentlich hätte sie ja Europa heißen sollen, aber angesichts des bevorstehenden Ersten Weltkrieges sollte der Name doch etwas patriotischer sein. Die Jungfernfahrt begann am 14. Mai 1914 und führte von Cuxhaven nach New York. 1917 von den Amerikanern beschlagnahmt, wurde sie schließlich auf den Namen \"Leviathan\" umgetauft. Ihre 54.282 Bruttoregistertonnen wurden zunächst als Truppentransporter verwendet und 1923 wieder dem Passagierverkehr zugeordnet, wo die Leviathan als zweitschnellster Schiff galt, das auf der Transatlantikroute zwischen New York und Southampton verkehrte.
Aber Boris Akunin hält sich in seinem Roman \"Mord auf der Leviathan\" nicht an die historischen Fakten, sondern siedelt seine Jungfernfahrt des Luxusliners in das Jahr 1878 und lädt die Passagiere auf eine Reise von Paris nach Kalkutta. Eine Zweiklassengesellschaft bemächtigt sich der Decks, wobei die Unterdecks dem gemeinen Volk vorbehalten sind, während am Oberdeck in der \"Ersten Klasse\" nur wenige Auserwählte mitreisen dürfen. Alle Erstklassler erhielten anlässlich dieser Reise einen goldenen Wal zum Anstecken und dieser ist auch der Grund, warum sich Kommissar Coche an Bord begeben hat.
Der alte Lord Littleby, seines Zeichens Sammler fernöstlicher Kostbarkeiten, wurde in seiner Pariser Villa brutal ermordet. Und mit ihm ging auch die gesamte Dienerschaft in die ewigen Jagdgründe ein, ermordet mit einer Giftspritze. Das einzige Indiz am Tatort war einer dieser besagte goldenen Ansteckknöpfe, den der Täter, offensichtlich Erster-Klasse-Passagier, verloren hatte. Kommissar Coche braucht also nur nach dem- oder derjenigen zu suchen, die ohne das Abzeichen an Bord gegangen ist. Alle jene, darunter auch der Detektiv Fandorin, werden in einem Salon vergattert und treten die Reise unter Aufsicht des Kriminalisten an.
Jeder ist verdächtig, jeder hat Dreck am Stecken und einiges zu verbergen. Fantorin, den man als \"James Bond des 19. Jahrhunderts\" bezeichnet, gibt sich jedoch nicht zu erkennen und ermittelt auf eigene Faust, wobei es nicht aus bleibt, dass auch er unter dem gestrengen Auge des Kommissars als potentieller Killer da steht. Aber wie immer kommt es anders als man denkt, bis die überraschende Lösung des Falles nach 304 Seiten fest steht.
Boris Akunin, (Jahrgang 1956) der eigentlich Grigori Tschchartischwili heißt, hat diesen Kriminalroman in sehr altertümlicher Schreibweise erstellt, die in zahlreichen Sequenzen an Agatha Christie erinnert. Jedes Kapitel des Romanes wird aus der Sichtweise eines der Passagiere geschildert, wobei man unzweifelhaft erkennt, warum und wieso jeder einzelne von Ihnen diese Reise unternimmt und weshalb sich die Wege der handelnden Personen kreuzen. Im Gegensatz zum humanistisch gebildeten Fandorin wird der Kommissar als ziemlich engstirniger Patron gezeichnet und auch die anderen Reisenden haben mindestens einen gravierenden Tick, wenn nicht sogar mehrere.
Durch die etwas gezierte und verworrene Erzählart Akunins wird zwar ein konzentrierter Spannungsaufbau verhindert, dennoch wird mit Fortdauer die Neugierde gesteigert und die Entwirrung des Knotens im Handlungsfaden erfolgt reichlich überraschend. Trotzdem muss man feststellen, dass die Fabulierkunst des Russen nicht unbedingt dazu geeignet ist, ein ständiges Lesevergnügen zu sein. Der Ablauf plätschert gemütlich dahin und das Lesevergnügen hält sich in mäßigen Grenzen. Die verschrobenen Charaktere und der ständige Sprung von einem Spinner zum nächsten lassen die Story ziemlich unglaubhaft werden und der Einsatz von Fandorin erreicht nur selten die Klasse eines großen Detektivs.
Auf Grund der Vorschußlorbeeren habe ich mir eindeutig mehr von diesem Roman erwartet. Ein nettes Buch für das Lesevergnügen vor dem Einschlafen ist daraus geworden, aber so fesselnd, dass man das Licht nicht abdrehen möchte und bis zum Morgengrauen durchliest, ist es beileibe nicht. Der Schmöker ist guter Durchschnitt, der vor allem auf Grund des originellen Schauplatzes einen etwas anderen Lesecharakter bekommt.
Broschiert - 280 Seiten - Aufbau Tb
Erscheinungsdatum: Juni 2002
ISBN: 3746617626
€ 8,50
(c)W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-06 15:46:01 mit dem Titel Ani Friedrich - Süden und die Frau mit dem harten Kleid
Wenn auf einem Buch der Aufkleber „Deutscher Krimipreis 2002“ klebt, erwartet man sich doch einen kriminalistischen Lesegenuss besonderer Güte. Deshalb griff ich auch sofort zu, als ich das Buch von Friedrich Ani „Süden und die Frau mit dem harten Kleid“ entdeckte.
Tabor Süden ist Hauptkommissar und arbeitet vornehmlich an der Suche nach vermissten Personen. Kein Wunder also, dass ihn und seine Kollegin ein Hilferuf der Polizeidienststelle Münzing erreicht, bei der sich eine betrunkene Frau gemeldet hat, die ihren Bruder vermisst. Alle Jahre wieder hat sich ihr Bruder bei ihr wenigstens zum Geburtstag gemeldet, aber in diesem Jahr blieb der Anruf aus. Reichlich vage ist die ganze Meldung ja, aber Kriminalist Süden spürt, dass mehr dahinter steckt.
Der Bruder betätigt sich als Kunstmaler, aber angesichts seines mangelnden Talents liegen seine erwähnenswerten Fähigkeiten eher in der Tatsache, dass er säuft und seine Klappe nicht halten kann. Nun ist er also seit Wochen nicht aufgetaucht, seine Behausung gibt keinerlei Aufschlüsse auf eine Reisetätigkeit und die Nachbarn zeichnen in ihren Schilderungen das bekannte Bild vom erfolglosen Trinker. Nur hin und wieder taucht ein flippiges Mädel auf, dass den Alten besucht hat und das auch Süden über den Weg läuft. Kurz und gut, Johann Farak, wird gesucht, weil er möglicherweise selbstmordgefährdet ist.
Süden interviewt Familie und Bekannte, allesamt aus kleinbürgerlichem Milieu und gezeichnet mit den Schrammen des Lebens. Da auch Süden den eigenen Vater nicht finden kann und auch sein Leben nicht gerade rosig abläuft, sinniert er nun auf knappen zweihundert Seiten über die Schlechtigkeiten des Lebens, die Einsamkeit, das Alleinsein und Gott und die Welt und schreibt seine Erkenntnisse aus diesem Fall in einem Brief an das junge Mädchen nieder, das er im Lauf der Handlung mehrfach zu Gesicht bekommt.
So weit die Handlung, die bis zur letzten Seite ohne jegliche Leiche oder Straftat auskommt. Friedrich Ani (geboren 1959 in Kochel am See, lebt heute als Schriftsteller in München) macht aus der Suche nach einem Menschen ein familiäres Melodram, ohne dass dabei Ermittlungen zu irgendwelchen zielführenden Ergebnissen kommen. Diese Geschichte als Krimi einzustufen ist schon mal gewaltiger Tobak, auch wenn darin ein psychisch gebeutelter Polizist vorkommt. Darüber hinaus beschreibt Herr Ani Menschen und ihre konstruierten Schicksale und handelt diese in pseudopsychologischen Überlegungen ab, wobei er vor allem Anleihen in der christlichen bzw. katholischen Denkweise nimmt. Irgendwo fehlt dem ganzen Buch die Handlung, die ein wenig die Spannung aufrecht erhalten kann. Natürlich will man wissen, was denn nun tatsächlich passiert ist, aber hier schweigt sich der Autor aus. Sprachlich durchaus passabel schlendert diese Erzählung wie die Katze um den heißen Brei, ohne aber jemals die Nase hinein zu tauchen.
Vielleicht ist dieser Krimi eine andere Art von Detektivgeschichte, mir persönlich fehlt darin Handlung, Spürnase und Ergebnis. Nur das Herumhacken auf gescheiterten Existenzen ist nicht nach meinem Geschmack. Von meiner Warte aus ist das Buch seinen Preis absolut nicht wert. Und warum eine Jury einen deutschen Krimipreis für dieses Elaborat vergibt, ist mir in jeder Hinsicht schleierhaft.
Broschiert - 206 Seiten - Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. , GmbH & Co.
Erscheinungsdatum: Juli 2002
ISBN: 3426620723
(c)W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-09 07:48:24 mit dem Titel Anhalt, Gert - Tote mögken keine Sushi
Es gibt Detektive, denen sieht man ihren Beruf überhaupt nicht an. Da wäre zum Beispiel Kenji Hamada, der kleine Japaner, der abgetrocknet gerade mal siebzig Kilo inklusive Plattfüsse auf die Waage bringt und sich selbst Ken nennt, weil er dem männlichen Pendant zu Barbie gerne ähnlich wäre. Ist er aber so ganz und gar nicht und darum hockt er in einem vergessenen Blechcontainer vis-a-vis des neuen Einkaufszentrums, in dem früher die Bauleitung untergebracht war. Arbeit gibt es für den Knilch eigentlich nicht, den Japaner haben kein Privatleben und so braucht es wohl auch keinen Privatdetektiv. Ergo bleibt dem Möchtegernermittler nur, seine geliebten Megaman-Mangas zu lesen, aus denen er seine tiefschürfenden Berufsgeheimnisse erlernt.
Doch eines Tages trampelt jemand die Blechstiegen des Containers hoch und tritt in das Behelfsbüro ein. Einer von den ganz reichen, japanischen Industriebossen, namens Takahana stellt zwei Köfferchen auf den Tisch, in denen sich schlappe zehn Millionen Dollar befinden, die Hamada schleunigst nach Deutschland bringen soll, denn der dortige Repräsentant des Unternehmens benötigt dringend Lösegeld für seinen entführten Sohn.
Hamada, der das typische Deutsch spricht, das gelehrte Japaner so von sich geben, rühmt sich auch einer Affäre mit einer deutschen Frau ,und so macht er sich mit Feuereifer ans Werk, um endlich deren Heimat zu sehen und seine Sprachkenntnisse auszuprobieren. In Furankufuruto, wie Japaner Frankfurt bezeichnen, wird Ken erstmal von den bedauernswerten Eltern des entführten Jungen in ein japanisches Restaurant zum Essen ausgeführt. Allerdings scheint deutsches Bier nicht unbedingt für einen japanischen Magen geeignet zu sein und den ansonsten trinkfesten Detektiv haut es gehörig aus den Pantoffeln.
Als er wieder zu sich kommt, liegt er auf einer Wiese und sein Klient liegt neben ihm. Kopflos! Eines dieser japanischen Schwerter, die man Katana nennt und die auch der Firma des Opfers den Namen gegeben haben, hat das Haupt fein säuberlich vom Rumpf getrennt. Und Kenji steht nun da und alles sieht danach aus, als wäre er der Ninja-Killer mit dem Nipponsäbel. Abhauen heißt die Devise und genau das macht unser Superheld. Er forscht die Wohnung seiner Exfreundin Susanne aus und flieht zu ihr, unwissend, dass die frühere Flamme heute als Regional Assistant Manager bei Katana tätig ist.
Irgendjemand hat den leicht naiven Kenji kräftig geleimt und versucht ihn als Sündenbock hinzustellen. In den Zeitungen als wüster Killer dargestellt und von den Behörden gesucht, plagt sich unser kleiner Japaner ab sofort mit seiner Bekannten, um herauszufinden, wer hinter diesem ganzem Schlamassel in Deutschland und Japan steckt. Und dabei stolpert er von einem Verrat zum nächsten, bis es ihm endlich gelingt ...... aber das erzähle ich natürlich nicht.
„Tote mögen keine Sushi“ nennt sich das Buch von Gert Anhalt, dass 2002 bei der Droemerschen Verlagsanstalht Th. Knaur Nachf. In München erschienen ist. Broschiert - 320 Seiten - Erscheinungsdatum: Mai 2002 ISBN: 3426621363, Preis EUR 8,90
Über den Autor: (zitiert aus dem Buch)
Gert Anhalt, Jahrgang 1963, studierte Japanologie in Marburg und Tokio und berichtet seit vielen Jahren für das Zweite Deutsche Fernsehen aus dem Fernen Osten, gegenwärtig aus Japan. Nach einem Sachbuch über seine fünf Jahre in Peking (Chinas nackte Fallschirmspringer, Lichtenberg 1999), ist dies sein erster Kriminalroman, in dem er frech und humorvoll die japanische Seelenlandschaft erforscht.
Schon auf den ersten Seiten musste ich laut auflachen. Vor über zwanzig Jahren besuchte mich das erste Mal mein japanischer Freund Kimihiko in Wien. Er hatte am Goetheinstitut in Tokio Deutsch studiert und war schriftlich ein grammatisches As. Als er jedoch seine erste deutsche Konversation im Kreise meiner Familie über sich (und uns) ergehen ließ, griffen wir umgehend auf die Gebärdensprache zurück. Mittlerweile kann er seine Sprachübungen, aber wir lachen noch immer darüber, wie er meine Mutter bat, ihm sein Lieblingsessen zu kochen, nämlich „Watasipatati“. Wer von euch käme darauf, dass es sich dabei um Petersilienkartoffel handelt?
Anhalts Detektiv Hamada kann man nicht einmal als Karikatur bezeichnen. Wer sich mit Japanern hierzulande und auch in deren Heimat beschäftigt hat, entdeckt in jeder Darstellung die rührende Faszination dieses Volkes, dessen Verhängnis wohl der plötzliche Übergang vom japanischen Altertum zur Moderne ist. Aus jedem Wort des Autors spricht seine Kenntnis von den uns unverständlichen Sitten und Gebräuchen und dem Zwiespalt in denen die Burschen (und natürlich Mädchen) gelangen, wenn sie plötzlich in unseren Kulturkreis gestoßen werden.
Daraus allein ergibt sich schon genügend Witz, aber Gert Anhalt hat auch in die Story genügend Überraschungen verpackt und daraus ein spannendes und humorvolles Krimikleinod entwickelt, dass von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Für diesen erquicklichen Kulturcrash kann es vom Bären nur die volle Wertung geben.
Gert Anhalt - Tote mögen keine Sushi
Broschiert - 294 Seiten - Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. , GmbH & Co.
Erscheinungsdatum: Mai 2002
ISBN: 3426621363
(c) W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
Aber Boris Akunin hält sich in seinem Roman \"Mord auf der Leviathan\" nicht an die historischen Fakten, sondern siedelt seine Jungfernfahrt des Luxusliners in das Jahr 1878 und lädt die Passagiere auf eine Reise von Paris nach Kalkutta. Eine Zweiklassengesellschaft bemächtigt sich der Decks, wobei die Unterdecks dem gemeinen Volk vorbehalten sind, während am Oberdeck in der \"Ersten Klasse\" nur wenige Auserwählte mitreisen dürfen. Alle Erstklassler erhielten anlässlich dieser Reise einen goldenen Wal zum Anstecken und dieser ist auch der Grund, warum sich Kommissar Coche an Bord begeben hat.
Der alte Lord Littleby, seines Zeichens Sammler fernöstlicher Kostbarkeiten, wurde in seiner Pariser Villa brutal ermordet. Und mit ihm ging auch die gesamte Dienerschaft in die ewigen Jagdgründe ein, ermordet mit einer Giftspritze. Das einzige Indiz am Tatort war einer dieser besagte goldenen Ansteckknöpfe, den der Täter, offensichtlich Erster-Klasse-Passagier, verloren hatte. Kommissar Coche braucht also nur nach dem- oder derjenigen zu suchen, die ohne das Abzeichen an Bord gegangen ist. Alle jene, darunter auch der Detektiv Fandorin, werden in einem Salon vergattert und treten die Reise unter Aufsicht des Kriminalisten an.
Jeder ist verdächtig, jeder hat Dreck am Stecken und einiges zu verbergen. Fantorin, den man als \"James Bond des 19. Jahrhunderts\" bezeichnet, gibt sich jedoch nicht zu erkennen und ermittelt auf eigene Faust, wobei es nicht aus bleibt, dass auch er unter dem gestrengen Auge des Kommissars als potentieller Killer da steht. Aber wie immer kommt es anders als man denkt, bis die überraschende Lösung des Falles nach 304 Seiten fest steht.
Boris Akunin, (Jahrgang 1956) der eigentlich Grigori Tschchartischwili heißt, hat diesen Kriminalroman in sehr altertümlicher Schreibweise erstellt, die in zahlreichen Sequenzen an Agatha Christie erinnert. Jedes Kapitel des Romanes wird aus der Sichtweise eines der Passagiere geschildert, wobei man unzweifelhaft erkennt, warum und wieso jeder einzelne von Ihnen diese Reise unternimmt und weshalb sich die Wege der handelnden Personen kreuzen. Im Gegensatz zum humanistisch gebildeten Fandorin wird der Kommissar als ziemlich engstirniger Patron gezeichnet und auch die anderen Reisenden haben mindestens einen gravierenden Tick, wenn nicht sogar mehrere.
Durch die etwas gezierte und verworrene Erzählart Akunins wird zwar ein konzentrierter Spannungsaufbau verhindert, dennoch wird mit Fortdauer die Neugierde gesteigert und die Entwirrung des Knotens im Handlungsfaden erfolgt reichlich überraschend. Trotzdem muss man feststellen, dass die Fabulierkunst des Russen nicht unbedingt dazu geeignet ist, ein ständiges Lesevergnügen zu sein. Der Ablauf plätschert gemütlich dahin und das Lesevergnügen hält sich in mäßigen Grenzen. Die verschrobenen Charaktere und der ständige Sprung von einem Spinner zum nächsten lassen die Story ziemlich unglaubhaft werden und der Einsatz von Fandorin erreicht nur selten die Klasse eines großen Detektivs.
Auf Grund der Vorschußlorbeeren habe ich mir eindeutig mehr von diesem Roman erwartet. Ein nettes Buch für das Lesevergnügen vor dem Einschlafen ist daraus geworden, aber so fesselnd, dass man das Licht nicht abdrehen möchte und bis zum Morgengrauen durchliest, ist es beileibe nicht. Der Schmöker ist guter Durchschnitt, der vor allem auf Grund des originellen Schauplatzes einen etwas anderen Lesecharakter bekommt.
Broschiert - 280 Seiten - Aufbau Tb
Erscheinungsdatum: Juni 2002
ISBN: 3746617626
€ 8,50
(c)W. Weninger
www.baerenhoehle.tv
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-06 15:46:01 mit dem Titel Ani Friedrich - Süden und die Frau mit dem harten Kleid
Wenn auf einem Buch der Aufkleber „Deutscher Krimipreis 2002“ klebt, erwartet man sich doch einen kriminalistischen Lesegenuss besonderer Güte. Deshalb griff ich auch sofort zu, als ich das Buch von Friedrich Ani „Süden und die Frau mit dem harten Kleid“ entdeckte.
Tabor Süden ist Hauptkommissar und arbeitet vornehmlich an der Suche nach vermissten Personen. Kein Wunder also, dass ihn und seine Kollegin ein Hilferuf der Polizeidienststelle Münzing erreicht, bei der sich eine betrunkene Frau gemeldet hat, die ihren Bruder vermisst. Alle Jahre wieder hat sich ihr Bruder bei ihr wenigstens zum Geburtstag gemeldet, aber in diesem Jahr blieb der Anruf aus. Reichlich vage ist die ganze Meldung ja, aber Kriminalist Süden spürt, dass mehr dahinter steckt.
Der Bruder betätigt sich als Kunstmaler, aber angesichts seines mangelnden Talents liegen seine erwähnenswerten Fähigkeiten eher in der Tatsache, dass er säuft und seine Klappe nicht halten kann. Nun ist er also seit Wochen nicht aufgetaucht, seine Behausung gibt keinerlei Aufschlüsse auf eine Reisetätigkeit und die Nachbarn zeichnen in ihren Schilderungen das bekannte Bild vom erfolglosen Trinker. Nur hin und wieder taucht ein flippiges Mädel auf, dass den Alten besucht hat und das auch Süden über den Weg läuft. Kurz und gut, Johann Farak, wird gesucht, weil er möglicherweise selbstmordgefährdet ist.
Süden interviewt Familie und Bekannte, allesamt aus kleinbürgerlichem Milieu und gezeichnet mit den Schrammen des Lebens. Da auch Süden den eigenen Vater nicht finden kann und auch sein Leben nicht gerade rosig abläuft, sinniert er nun auf knappen zweihundert Seiten über die Schlechtigkeiten des Lebens, die Einsamkeit, das Alleinsein und Gott und die Welt und schreibt seine Erkenntnisse aus diesem Fall in einem Brief an das junge Mädchen nieder, das er im Lauf der Handlung mehrfach zu Gesicht bekommt.
So weit die Handlung, die bis zur letzten Seite ohne jegliche Leiche oder Straftat auskommt. Friedrich Ani (geboren 1959 in Kochel am See, lebt heute als Schriftsteller in München) macht aus der Suche nach einem Menschen ein familiäres Melodram, ohne dass dabei Ermittlungen zu irgendwelchen zielführenden Ergebnissen kommen. Diese Geschichte als Krimi einzustufen ist schon mal gewaltiger Tobak, auch wenn darin ein psychisch gebeutelter Polizist vorkommt. Darüber hinaus beschreibt Herr Ani Menschen und ihre konstruierten Schicksale und handelt diese in pseudopsychologischen Überlegungen ab, wobei er vor allem Anleihen in der christlichen bzw. katholischen Denkweise nimmt. Irgendwo fehlt dem ganzen Buch die Handlung, die ein wenig die Spannung aufrecht erhalten kann. Natürlich will man wissen, was denn nun tatsächlich passiert ist, aber hier schweigt sich der Autor aus. Sprachlich durchaus passabel schlendert diese Erzählung wie die Katze um den heißen Brei, ohne aber jemals die Nase hinein zu tauchen.
Vielleicht ist dieser Krimi eine andere Art von Detektivgeschichte, mir persönlich fehlt darin Handlung, Spürnase und Ergebnis. Nur das Herumhacken auf gescheiterten Existenzen ist nicht nach meinem Geschmack. Von meiner Warte aus ist das Buch seinen Preis absolut nicht wert. Und warum eine Jury einen deutschen Krimipreis für dieses Elaborat vergibt, ist mir in jeder Hinsicht schleierhaft.
Broschiert - 206 Seiten - Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. , GmbH & Co.
Erscheinungsdatum: Juli 2002
ISBN: 3426620723
(c)W. Weninger
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----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-09 07:48:24 mit dem Titel Anhalt, Gert - Tote mögken keine Sushi
Es gibt Detektive, denen sieht man ihren Beruf überhaupt nicht an. Da wäre zum Beispiel Kenji Hamada, der kleine Japaner, der abgetrocknet gerade mal siebzig Kilo inklusive Plattfüsse auf die Waage bringt und sich selbst Ken nennt, weil er dem männlichen Pendant zu Barbie gerne ähnlich wäre. Ist er aber so ganz und gar nicht und darum hockt er in einem vergessenen Blechcontainer vis-a-vis des neuen Einkaufszentrums, in dem früher die Bauleitung untergebracht war. Arbeit gibt es für den Knilch eigentlich nicht, den Japaner haben kein Privatleben und so braucht es wohl auch keinen Privatdetektiv. Ergo bleibt dem Möchtegernermittler nur, seine geliebten Megaman-Mangas zu lesen, aus denen er seine tiefschürfenden Berufsgeheimnisse erlernt.
Doch eines Tages trampelt jemand die Blechstiegen des Containers hoch und tritt in das Behelfsbüro ein. Einer von den ganz reichen, japanischen Industriebossen, namens Takahana stellt zwei Köfferchen auf den Tisch, in denen sich schlappe zehn Millionen Dollar befinden, die Hamada schleunigst nach Deutschland bringen soll, denn der dortige Repräsentant des Unternehmens benötigt dringend Lösegeld für seinen entführten Sohn.
Hamada, der das typische Deutsch spricht, das gelehrte Japaner so von sich geben, rühmt sich auch einer Affäre mit einer deutschen Frau ,und so macht er sich mit Feuereifer ans Werk, um endlich deren Heimat zu sehen und seine Sprachkenntnisse auszuprobieren. In Furankufuruto, wie Japaner Frankfurt bezeichnen, wird Ken erstmal von den bedauernswerten Eltern des entführten Jungen in ein japanisches Restaurant zum Essen ausgeführt. Allerdings scheint deutsches Bier nicht unbedingt für einen japanischen Magen geeignet zu sein und den ansonsten trinkfesten Detektiv haut es gehörig aus den Pantoffeln.
Als er wieder zu sich kommt, liegt er auf einer Wiese und sein Klient liegt neben ihm. Kopflos! Eines dieser japanischen Schwerter, die man Katana nennt und die auch der Firma des Opfers den Namen gegeben haben, hat das Haupt fein säuberlich vom Rumpf getrennt. Und Kenji steht nun da und alles sieht danach aus, als wäre er der Ninja-Killer mit dem Nipponsäbel. Abhauen heißt die Devise und genau das macht unser Superheld. Er forscht die Wohnung seiner Exfreundin Susanne aus und flieht zu ihr, unwissend, dass die frühere Flamme heute als Regional Assistant Manager bei Katana tätig ist.
Irgendjemand hat den leicht naiven Kenji kräftig geleimt und versucht ihn als Sündenbock hinzustellen. In den Zeitungen als wüster Killer dargestellt und von den Behörden gesucht, plagt sich unser kleiner Japaner ab sofort mit seiner Bekannten, um herauszufinden, wer hinter diesem ganzem Schlamassel in Deutschland und Japan steckt. Und dabei stolpert er von einem Verrat zum nächsten, bis es ihm endlich gelingt ...... aber das erzähle ich natürlich nicht.
„Tote mögen keine Sushi“ nennt sich das Buch von Gert Anhalt, dass 2002 bei der Droemerschen Verlagsanstalht Th. Knaur Nachf. In München erschienen ist. Broschiert - 320 Seiten - Erscheinungsdatum: Mai 2002 ISBN: 3426621363, Preis EUR 8,90
Über den Autor: (zitiert aus dem Buch)
Gert Anhalt, Jahrgang 1963, studierte Japanologie in Marburg und Tokio und berichtet seit vielen Jahren für das Zweite Deutsche Fernsehen aus dem Fernen Osten, gegenwärtig aus Japan. Nach einem Sachbuch über seine fünf Jahre in Peking (Chinas nackte Fallschirmspringer, Lichtenberg 1999), ist dies sein erster Kriminalroman, in dem er frech und humorvoll die japanische Seelenlandschaft erforscht.
Schon auf den ersten Seiten musste ich laut auflachen. Vor über zwanzig Jahren besuchte mich das erste Mal mein japanischer Freund Kimihiko in Wien. Er hatte am Goetheinstitut in Tokio Deutsch studiert und war schriftlich ein grammatisches As. Als er jedoch seine erste deutsche Konversation im Kreise meiner Familie über sich (und uns) ergehen ließ, griffen wir umgehend auf die Gebärdensprache zurück. Mittlerweile kann er seine Sprachübungen, aber wir lachen noch immer darüber, wie er meine Mutter bat, ihm sein Lieblingsessen zu kochen, nämlich „Watasipatati“. Wer von euch käme darauf, dass es sich dabei um Petersilienkartoffel handelt?
Anhalts Detektiv Hamada kann man nicht einmal als Karikatur bezeichnen. Wer sich mit Japanern hierzulande und auch in deren Heimat beschäftigt hat, entdeckt in jeder Darstellung die rührende Faszination dieses Volkes, dessen Verhängnis wohl der plötzliche Übergang vom japanischen Altertum zur Moderne ist. Aus jedem Wort des Autors spricht seine Kenntnis von den uns unverständlichen Sitten und Gebräuchen und dem Zwiespalt in denen die Burschen (und natürlich Mädchen) gelangen, wenn sie plötzlich in unseren Kulturkreis gestoßen werden.
Daraus allein ergibt sich schon genügend Witz, aber Gert Anhalt hat auch in die Story genügend Überraschungen verpackt und daraus ein spannendes und humorvolles Krimikleinod entwickelt, dass von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Für diesen erquicklichen Kulturcrash kann es vom Bären nur die volle Wertung geben.
Gert Anhalt - Tote mögen keine Sushi
Broschiert - 294 Seiten - Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. , GmbH & Co.
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