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Erfahrungsbericht von ClaudiaRetzmann

Cormann, Marte: Lieber gut geschminkt als vom Leben gezeichnet

Pro:

kurzweiliger Roman, amüsant geschrieben

Kontra:

der Schluß ist etwas chaotisch und unglaubwürdig

Empfehlung:

Ja

Kurzweiliger Roman mit chaotischem Schluß

Kurz vor Ostern hatte ich das Glück, bei einem Wettbewerb tatsächlich Platz 1 zu belegen *gg* und bekam vom lieben Betreiber dieses Wettbewerbs den 1. Preis zugeschickt. Hierbei handelte es sich um ein schönes Taschenbuch mit dem verheißungsvollen Titel „Lieber gut geschminkt, als vom Leben gezeichnet“ von der Autorin Marte Cormann.

Bis dato war mir die Autorin an sich unbekannt, doch ein Blick auf den Taschenbuchrücken, der mir in knappen Worten verriet, worum es in diesem Buch geht, ließ mich ein paar kurzweilige Stunden erwarten.


DIE STORY:

Seit 10 Jahren leben Sofia und Norman in wilder Ehe zusammen, selbst ihre zwei Kinder waren für sie kein Grund, den Weg zum Standesamt zu finden. In letzter Zeit jedoch fühlt sich Sofia in ihrer Beziehung immer unzufriedener und von Norman unverstanden. Ihr Leben besteht scheinbar nur noch daraus, sich um die Belange und Wünsche ihrer Kinder und ihres Lebensgefährten zu kümmern, auf ihre Wünsche und Bedürfnisse geht niemand ein. Norman hingegen geht voll in seiner Selbständigkeit als Weinhändler auf und scheint die Veränderung in ihrer Beziehung gar nicht zu merken. Als er wegen eines Computerfehlers total vergißt, dass Sofia liebeshungrig in der Badewanne auf ihn wartet, ist das Maß voll. Sofia ist stocksauer. Wie es der Zufall so will, trifft sie ausgerechnet da auf ihren Traummann – Raimund Lechter, der Mann der sie vor 10 Jahren zu einem kleinen Liebesabenteuer verführt hatte und der sie seit dem in ihren Träumen verfolgte. Sofia fühlt sich plötzlich wie ein Backfisch und ihr Herz schlägt Purzelbäume. Ausgerechnet bei einem gemeinsamen Abendessen mit Raimund, ihren Kindern, ihrer Cousine Britta und ihrer Mutter platzt Norman in die Runde und macht ihr einen Heiratsantrag – einen auf seine ganz persönliche Art und Weise.

„Norman Winter, der Mann mit dem sie seit mehr als zehn Jahren zusammenlebte, strahlte sie an, als hätte er soeben das Ei des Kolumbus entdeckt. ‚Mein Steuerberater sagt, es sei Wahnsinn, dass wir noch nicht verheiratet sind. Wärst du mit Mittwoch in vier Wochen einverstanden?‘ Dann ist das Geschäft geschlossen, vollendete Sofias Gedächtnis automatisch den Satz. Sie konnte den Blick nicht von seinem siegessicheren Lächeln abwenden. Sie schluckte heftig. Ihr fehlten die Worte. Irrte sie sich oder hatte Norman ihr soeben einen Heiratsantrag gemacht?“

Sofia – mehr enttäuscht über diesen Antrag als erfreut – möchte Norman vor versammelter Mannschaft nicht bloßstellen und schlägt erst einmal einen gemeinsamen Urlaub vor (den gab es bei ihnen aus finanziellen Gründen schon lange nicht mehr), Norman hingegen kann sich aus geschäftlichen Gründen keinen Urlaub leisten. Ein wichtiger Kunde interessiert sich ausgerechnet für Weine aus der Schweiz, die Norman noch nicht in seinem Sortiment hat und um den Kunden muß er sich kümmern, daher schlägt er vor, dass Sofia mit den Kindern allein fährt. In diese Enttäuschung hinein kommt von Raimund der Vorschlag, der das Gefühlsleben aller Beteiligten auf eine Achterbahn führen wird. „Und ausgerechnet Raimund brachte die Ereignisse des Sommers ins Rollen. ‚Ich kenne einen Ort, wo Sie beides miteinander verbinden können: Urlaub und Weineinkauf.‘“ Das Fatale an diesem Vorschlag ist, dass alle Anwesenden diesen „Urlaub“ zusammen antreten werden und dabei für einige Verwirrungen sorgen. Ob am Ende die Liebe siegt?


DIE HAUPTPERSONEN:

Da wäre zum einen SOFIA, wie bereits gesagt, unverstandene Hausfrau und Mutter und seit 10 Jahren die Lebensgefährtin von NORMAN, der jedoch mehr in seinem Beruf als in seiner Familie aufgeht. SOFIA trifft ihre alte Liebe und ihren Traummann RAIMUND wieder, der ihr Gefühlsleben ganz schön in Wallung bringt. Doch auch ihre Mutter HILDEGARD hat ein Auge auf diesen smarten Bergsteiger geworfen, während Sofias Cousine BRITTA schon seit Jahren NORMAN liebt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, während dieses gemeinsamen Urlaubs Norman für sich zu gewinnen.


MEINE MEINUNG und MEIN FAZIT:

Ich muß gestehen, dass ich während des Lesens des Buches des öfteren in mich hineingrinsen mußte, da mir die ein oder andere Situation doch auch schon im Leben begegnet war (ohne jetzt zu verraten, welche *lach*). Der Roman an sich ist leicht und flüssig geschrieben. Trotz der Tatsache, dass neben den eigentlichen Hauptpersonen – Sofia und Norman – noch diverse andere Personen immer wieder in den Vordergrund treten, kommt man beim Lesen selbst nicht durcheinander.

Was ich persönlich ein ganz klein wenig verwirrend fand ist die Tatsache, dass das Buch zwar in erster Linie in der Erzählform geschrieben wurde, zwischendurch aber immer wieder ein Kapitel auftaucht, welches schlicht die Überschrift „Britta“ trägt und in dem Britta (die Cousine von Sofia) in der Ich-Form über sich und ihre momentanen Gefühle schreibt. Man gewinnt den Eindruck, das Buch sei aus der Sicht von Britta geschrieben, die zwischendurch ein paar Seiten aus ihrem Tagebuch eingeführt hätte, was dann jedoch unmöglich erscheint, da es auch ein Kapitel mit der Überschrift „Hildegard“ (Sofias Mutter) gibt, in der nun Hildegard wie in einer Art Tagebuch ihre persönlichen Gefühle und Überlegungen preisgibt.

Das Buch selbst ist – gespickt durch viele kleine amüsante Vorkommnisse – alles in allem sehr unterhaltsam und man hat zwischenzeitlich nicht das Gefühl, es könnte sich hier um eine erfundene Geschichte handeln. Vielmehr arbeitete die Autorin in ihrem Roman ganz alltägliche Problemchen ein, die der ein oder andere Leser vielleicht auch schon einmal so ähnlich erlebt hat.

Lediglich der Schluß des Buches ist meiner Meinung nach ziemlich unglaubwürdig und vor allem konfus. Hier habe ich persönlich das Gefühl, als hätte die Autorin – um ein gewisses Seitenlimit nicht zu überschreiten – versucht, alle ihr noch eingefallenen Gedanken mit in den Schluß zu packen.


Mein Fazit fällt trotzdem positiv aus. Marte Cormann ist es in meinen Augen gelungen, einen amüsanten und unterhaltsamen Roman zu schreiben, der nun wirklich mal aus dem Leben gegriffen zu sein scheint. Hat nicht schon jede Frau irgendwann einmal in ihrer Beziehung oder Ehe einen kleinen Frust verspürt, sich gedacht, sie sei nur noch dazu da, um sich um Mann und Kinder zu kümmern, während ihre eigenen Bedürfnisse scheinbar unbeachtet bleiben? Hat nicht jede Frau in so einer Situation schon einmal von ihrem Traummann geträumt und wie ein Leben mit ihm wohl wäre? Ich denke doch *gg*. Marte Cormann zeigt uns, was aus solchen Träumen werden könnte und das auf sehr humorvolle Art und Weise.
Da ich hier immer von „Frau“ rede, läßt sich schon erkennen, dass ich persönlich der Meinung bin, dass dieses Buch eher etwas für die weibliche Leserschaft ist. Allerdings können auch ruhig unsere Herren der Schöpfung diesen Roman einmal zur Hand nehmen, schaden kann es nichts *gg*.

Lediglich der in meinen Augen doch sehr konfuse und eher an das Ende einer überdrehten Liebeskomödie im Kino erinnernde Schluß dieses Romans hat mich ein wenig enttäuscht, so dass ich insgesamt zwar einen Punkt bei der Bewertung abziehe, den Roman an sich aber auf jeden Fall als kurzweilige Lektüre empfehlen kann.

Ich selber habe hier die Taschenbuchausgabe vorliegen (weiß auch nicht, ob es den Roman als gebundenes Buch gibt). Obwohl ich es geschenkt bekommen bzw. gewonnen habe *gg*, kann ich auch über den Preis Auskunft geben, da dieser neben der ISBN-Nr. (3-453-19880-8) auf dem Buchrücken verzeichnet war;-) – die Taschenbuchausgabe kostet 6,95 €.



Zum Schluß noch kurz etwas über die Autorin. Marte Cormann wurde 1956 geboren, ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der schönen Stadt Meerbusch in NRW. Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, war sie hauptberuflich Referentin im Ministerium für Gleichstellung von Frau und Mann des Landes Nordrhein-Westfalen. Nachdem sie zahlreiche Kurzkrimis in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht hatte, legte sie mit „Der Club der grünen Witwen“ ihren ersten erfolgreichen Roman vor. Es folgten „Frauen al dente“, „Der Mann im Ohr“ und „Die Männerfängerin“.


© by Claudia Südkamp-Retzmann 2003

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