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Erfahrungsbericht von emmtie

Deaver,J.-Die Assistentin: Extrem spannender aber auch brutaler Thriller

Pro:

spannend bis zum Schluß, trotz vieler Wendungen doch logisch

Kontra:

Handlungsstruktur etwas ähnlich wie bei seiner Rhymes-Serie

Empfehlung:

Nein

Wieder einmal habe ich einen Thriller gelesen, der überall nur hochgelobt wurde. Doch da ich Kritiken auf der Rückseite des betreffenden Buches oder auch beim Verlag immer etwas skeptisch betrachte und nicht gerade als neutral einschätze, mache ich mir lieber ein Bild. Was dagegen aus meiner Sicht für das Buch spricht, sind die durchweg guten Kritiken in den diversen Meinungsforen.

Aber kommen wir endlich zum Buch selbst. Gleich vorab der Hinweis, das ich wieder einmal das englische Version dieses Buches mit dem Titel "The bone collector" gelesen habe. Daher kann es zu leichten Abweichungen bei Bezeichnungen etc. kommen, da ich ja selbst "übersetzen" muß.


Handlung:

Lincoln Rhyme, der ehemalige Leiter der Spurensuche der New Yorker Polizei und einer der anerkanntesten Experten auf diesem Gebiet, ist seit einem Unfall vor 3 Jahren querschnittgelähmt. Er kann nur noch seinen Kopf und einen einzigen Finger bewegen. In einer Situation, in der er sich schon aufgegeben hat und an Selbstmord denkt und auch schon Kontakt zu Sterbehelfern aufgenommen hat, wird er bei der Suche nach einem Serienmörder um Hilfe gebeten. Jemand hat einen Banker und eine Bankerin vom Flughafen entführt. Der Mann wird am nächsten Tag tot aufgefunden. Er wurde lebendig begraben. Neben seiner Leiche finden sich vom Mörder plazierte Hinweise, die eventuell den Aufenthaltsort der Frau verraten. Und nur von Lincoln Rhymes erhofft man sich, das er diese Spuren rechtzeitig deuten kann. Da er aufgrund seiner Behinderung selbst keine Tatortuntersuchungen durchführen kann, wird die junge Polizistin Amelia Sachs, die die erste Leiche gefunden hat, zwangsverpflichtet und ist, ohne jede Erfahrung in der Spurensuche, ausgestattet mit Kopfhörer und MiKro Auge und Ohr für Rhyme. Denn es bleibt nicht bei dem einen Opfer und der Täter spielt Katz und Maus mit der Polizei....


Meine Meinung:

Und wieder einmal habe ich ein Buch gelesen, bei dem man sich förmlich zwingen muß, mit dem Lesen aufzuhören und sich unwichtigen Dingen wie der Arbeit, Schlafen oder sonstigen Verpflichtungen zu widmen. Unwahrscheinlich spannend, mit immer wieder überraschenden Wendungen und Sackgassen.

Was bei diesem Buch als erstes in den Bann zieht, ist die interessante Konstellation der Hauptpersonen. Auf der einen Seite Rhyme, ein absoluter Experte auf seinem Gebiet, durch seine Behinderung zynisch geworden, der keine Bezug mehr zur Welt hat und eigentlich nur noch sterben will und sich anfangs weigert, bei dem Fall zu helfen. Auf der anderen Seite die junge, bildhübsche Polizistin Sachs, die eigentlich den letzten Tag auf Streife war und zur Presseabteilung versetzt ist, aber durch die Tatsache, das sie am ersten Tatort umsichtig Spuren gesichert hat, plötzlich zwangsverpflichtet wird, stellvertretend für Rhyme die Spurensuche durchzuführen. Dieser Spannungsbogen zwischen den beiden Hauptprotagonisten wird wunderbar dargestellt, mit all ihren Reibungspunkten, Differenzen und letztendlich doch Gemeinsamkeiten. All dies wird auch so einfühlsam geschildert, daß man sich in die Personen hineinversetzen kann. Und ohne zuviel über den Ausgang dieses Romanes zu verraten, kann man sagen, daß diese Konstellation mittlerweile in zwei weiteren Büchern des Autors weiterentwickelt wurde.

Das zweite große Thema, auf das in diesem Roman großen Wert gelegt wird, ist der Themenkomplex der Forensik, also der wissenschaftlichen Kriminalistik oder noch allgemeiner ausgedrückt der Spurensuche. Im Lauf der im Roman dargestellten Ermittlungen werden die modernsten Methoden, um einem Täter auf die Spur zu kommen, benutzt. Egal ob chemische, physikalische oder optische Analyse von Proben, um festzustellen aus welchem Material eine Faser ist oder welcher Gegend man Dreckbrocken zuordnen kann, neueste Arten Fingerabdrücke auch auf Haut oder glatten Flächen zu entdecken oder historische Recherchen, um festzustellen wann in welchen Gegenden von New York welche Art von Industrie angesiedelt war. Eingebettet in die Handlung werden diese Methoden ausführlich und, soweit man das als Laie beurteilen kann, sehr fachkundig geschildert, ohne in eine Art Dozieren auszuarten. Die Untersuchungen führen den Spannungsmoment der Handlung lückenlos fort.

Im Zusammenhang mit diesen technischen Aspekten muß ich aber auch erwähnen, das es, zumindest im englischen Original, anfangs etwas schwierig ist, den Gesprächen bei diesen Untersuchungen zu folgen, da sie doch sehr häufig mit Fachbegriffen und Abkürzungen gespickt sind. Dafür gibt es auch am Ende des Buches ein kurzes Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen, gut getarnt als ein angeblicher Auszug aus einem von Rhyme geschriebenen Fachbuch. Ein weiterer Bereich, in dem man im englischen Original manchmal etwas zu kämpfen hat, sind die Funksprüche der Polizei. Wobei ich dort das Gefühl habe, das diese Unverständlichkeit eher ein Stilmittel das Autors ist und weniger an meinen Englischkenntnissen liegt.

Das bei einem Behinderten als Hauptperson natürlich auch die Thematik des Umgangs mit Behinderten eine Rolle spielt, ist zu erwarten. Wobei dies eher beiläufig geschieht, wenn z.B. diskutiert wird, daß die Menschen Rhyme immer behandelt als wäre er ein rohes Ei und Konfrontationen scheuen oder die Lebensumstände des Querschnittgelähmten. Der Roman bleibt aber in erster Linie ein Krimi und keine Schilderung behinderten Lebens. Was ich als wichtiger empfinde, ist die Tatsache, daß durch die Hauptperson Rhyme deutlich gemacht wird, daß die körperliche Situation eines Menschen keinerlei Hinweis auf seine geistigen Fähigkeiten geben kann.


Ein Punkt, auf den man dringend hinweisen muß, ist die Detaildichte bei den Verbrechen. Es ist nun nicht so, daß dieses Buch in die Kategorie Splatter, also spritzendes Blut und fliegende Knochen, gehört. Aber der Autor ist nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, zu schildern wie der Täter seine Opfer mißhandelt und auch die Schilderungen bei der Tatort- und Opferuntersuchung ist meiner Ansicht nach nicht geeignet für Leser mit schwächerem Magen.


Zum Abschluß muß ich mich noch einmal wiederholen und etwas zur Spannung, dem Thrill, von dem ja diese ganze Romangattung ihren Namen hat, sagen. Ich lese sehr häufig Bücher aus diesem Segment, aber selten habe ich es wie hier erlebt, das die Spannung eines Buches bis wirklich zur letzten Seite anhält. Ich verrate jetzt nichts vom Ende, aber auch wenn man glaubt, der Fall ist gelöst und jetzt "tröpfelt" das Buch noch die letzten 3-4 Seiten aus, kommt noch einmal ein Knalleffekt !!

Ich habe das Buch ersteigert; die deutsche Ausgabe, die es ursprünglich unter dem Titel "Die Assistentin" verkauft wurde, seit Erscheinen des Kinofilms nach diesem Buch mit Denzel Washington und Angelina Jolie aber unter dem besser und genauer am Original angelehnten Titel "Der Knochenjäger" vertrieben wird, kostet 8,90 € und sollte überall verfügbar sein; die englische Ausgabe dürfte abhängig vom Wechselkurs so bei 11 € (z.B. amazon.de) liegen.

Zusammenfassend betrachtet ein unwahrscheinliche spannendes Buch mit interessanten Charakteren, das ich fast in einem Rutsch durchgelesen habe und nachdem ich sicher weiß, das die Nachfolgebände auch in meinem Regal landen werden.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-18 17:31:19 mit dem Titel Deaver,J.-Letzte Tanz: Ein Thriller voller überraschender Wendungen

Und wieder einmal bin ich in den Fängen eines „Serienschreibers“ gelandet. :-) Jeffrey Deaver heißt der Mann und wird völlig zu Recht als einer der besten Thrillerautoren unserer Zeit bezeichnet. Neben vielen von einander unabhängigen Roman gibt es auch (zu Zeit) 3 Bücher, die das jeweils gleiche Ermittlerteam als Hauptpersonen haben: Lincoln Rhyme, ehemaliger Leiter der Spurensicherung der New Yorker Polizei, der nach einem Arbeitsunfall vom Hals abwärts gelähmt ist und die junge Polizistin Amelia Sachs, die als seine Assistentin quasi sein Auge und sein Ohr am jeweiligen Tatort ist.

Nachdem ich das erste Werk dieser Reihe „Die Assistentin“ (im Original „The bone collector“) vor einigen Wochen förmlich verschlungen habe, ist es bei meiner Ungeduld nicht verwunderlich, dass der 2.Band „Der letzte Tanz“ (im Original „The coffin dancer“) nicht lange auf das „Gelesen werden“ warte musste.

Handlung:

Das Besitzer-Ehepaar einer kleinen Fluggesellschaft und einer ihrer Angestellten machen eine Beobachtung die einen großen Waffenhändler hinter Gitter bringen könnte. Als der Ehemann bei einem Bobenattentat auf sein Flugzeug umgebracht wird, werden die Witwe und der Mitarbeiter in Schutzhaft genommen. Alles deutet darauf hin, das der angeheuerte Killer, der verhindern soll, das die Zeugen aussagen, der „Tänzer“ ist; ein Top-Killer, von dem nichts weiter bekannt ist, außer einem Tattoo auf dem Arm, dass den Tod mit einer Frau vor einem Sarg tanzend zeigt. Da Lincoln Rhyme diesen Killer schon einmal vor 5 Jahren gejagt hat und dabei 2 Mitarbeiter verloren hat und außerdem nur noch 48 Stunden bis zur Zeugenaussage bleibt, bittet die Polizei ihn und Amelia Sachs darum, den Killer aufzuspüren, bevor er noch einmal zuschlagen kann. Dadurch dass die Witwe trotz aller Schutzmaßnahmen unbedingt einen wichtigen Flugauftrag durchführen will, da sonst ihre Firma Pleite geht, dass der „Tänzer“ scheinbar jeden Zug im Voraus ahnt und das Lincoln Rhyme aus nicht ersichtlichen Gründen ganz gegen seine Art nicht nur die Fakten des Falles ermitteln will, sondern scheinbar besessen davon ist, den „Tänzer“ zu fassen, macht die Situation noch komplizierter. Außerdem gibt es auch noch Spannungen zwischen Rhyme und seiner Assistentin Sachs.

Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht der Ermittler als auch aus der Sicht des Täters erzählt.


Meinung:

Wieder einmal ist Jeffrey Deaver das gelungen, was ich persönlich an Thrillern besonders schätze: Bis kurz vor Ende des Buches ist man sich absolut nicht im Klaren darüber, wer was warum getan hat. Und es gibt dann doch eine überraschende, aber absolut logische Erklärung aller Zusammenhänge.

Im Gegensatz zum Vorgängerroman geht es hier erst etwas bedächtiger los, die Grundsituation und das Verhältnis der Personen zueinander waren nach meinem Empfinden nach etwa 100 der 530 Seiten eigentlich geklärt und ich war schon fast etwas enttäuscht. Aber Deaver benutzt diese vermeintliche Ruhe scheinbar nur als Vorspiel dazu, um den Leser auf den restlichen 400 Seiten von einer Überraschung, Finte oder Sackgasse in die Nächste zu führen. Nichts ist so wie es auf den ersten Blick scheint. Diese 400 Seiten habe ich an einem Stück gelesen, ohne Pause. Das ist genau das, was man als Spannung, als „Thrill“, der ja der ganzen Gattung den Namen gegeben hat, definiert.

Trotz aller Schwenks und Überraschungen bleibt aber die Darstellung der Personen und ihrer Motive immer nachvollziehbar. Auch die Probleme und Einschränkungen des Haupthelden, der ja querschnittsgelähmt ist, werden anschaulich dargestellt, ohne das der Roman gleich zu einem Schlüsselwerk der Behindertenintegration wird, der eine Botschaft verbreiten will. Ich habe vielmehr das Gefühl, das die Bewegungslosigkeit Lincoln Rhymes von Deaver als Gegenpol zur Hektik der Verfolgung und der Krimihandlung benutzt wird. Seien Einschränkungen zwingen Rhyme dazu, alles im Kopf durchzuspielen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der große Physiker Stephen Hawking, der ja ebenfalls fast bewegungsunfähig ist, als Anstoß für die Entwicklung des Charakters Lincoln Rhyme gedient hat. Das hier aber ohne diesen „Wink mit dem Zaunfall“ trotzdem ganz nebenbei dargestellt wird, zu was auch ein körperlich eingeschränkter Mensch in der Lage ist, ist für mich ein positiver Nebeneffekt dieser Romanserie.

Neben all der Spannung werden aber auch wieder im Rahmen der Handlung viele Methoden der Forensik, also der kriminalistischen Spurensuche, eingebaut und somit vorgestellt. Auch wenn etwas der Gebrauch der Fachbegriffe fast etwas übertreiben wird, kann man dem Auswerten kleinster Spuren und ihrer Einordnung in den Gesamtzusammenhang gut folgen.

Man sollte an dieser Stelle aber auch wieder erwähnen, das Romane von Deaver nicht unbedingt für Zartbesaitete geeignet sind. Die brutalen Details sind in diesem Roman zwar nicht so ausgeprägt wie in „Der Assistentin“, aber trotzdem schreibt er manchmal sehr „plastisch“.

Komme ich zum Abschluss noch kurz zu 2 Punkten, die ich immer wieder anspreche (meine Stammleser stöhnen schon auf :-)):

Zum einen habe ich mal wieder das englische Original gelesen und rate auch hier jedem dazu, dies auch einmal zu versuchen.Es ist einfacher als viele denken. Ein paar Fachausdrücke aus der Forensik und der Gerichtsmedizin muss man bei diem Buch vielleicht nachschlagen, aber ansonsten liest es sich auch in Englisch absolut flüssig und problemlos.

Zum anderen greife ich bei Romanserien zu gerne das Thema Zusammenhang der einzelnen Folge auf. Auch in diesem Roman baut sich natürlich das Verhältnis gerade der beiden Hauptpersonen vor dem Hintergrund des Vorgängerwerkes auf und wird besser verstanden, wenn man diese kennt. Aber da die wichtigsten Fakten davon noch einmal erwähnt werden und diese nicht zu sehr für das Verständnis wichtig sind, bin ich der Meinung, dass man diese Serie zwar durchaus mit etwas mehr Vergnügen in der richtigen Reihenfolge liest, man aber absolut nichts verliert wenn man dies nicht tut oder nur einzelne Werke herausgreift.

Insgesamt betrachtet wieder ein absoluter Ausnahmethriller, wenn man auch sagen muß, das „Die Assistentin“ doch noch besser war, da es nicht die etwas lange Einleitung gab. Trotzdem gebe ich die volle Punktzahl, da im Vergleich zu anderen Thrillern auch ein „zweitklassiger“ Deaver absolut TOP ist.

Das 3.Werk der Reihe „The Empty Chair“ steht hier auch schon bereit und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich der Spannung nicht lange widerstehen kann. (wo geht es zu den anonymen Serienroman-Lesern ?)


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-19 16:04:59 mit dem Titel Deaver,J.-Der Insektensammler: Wieder bis zur letzten Seite zappeln lassen

Nachdem ich die ersten beiden Romane von Jeffery Deaver mit der Figur Lincoln Rhyme, dem querschnittsgelähmten ehemaligen Chef der Spurensicherung der New Yorker Polizei, förmlich verschlungen habe, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich nicht mehr zurückhalten konnte und auch das dritte Werk dieser locker miteinander verbundenen Reihe mit dem Titel „Der Insektensammler“ (englischer Originaltitel: The empty chair) lese. Insbesondere aufgrund der Tatsache, das das Buch hier bei mir schon einige Zeit rumsteht und mich „angrinst“ :-).


Handlung:
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Ich werde wieder nur in kurzen Worten die Grundstruktur der Handlung anreißen, ohne allzu viele Details preiszugeben. Denn gerade die Bücher Deavers leben davon, dass Handlungsfäden urplötzlich kippen und nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und da ich persönlich es hasse, wenn ich bei einem Thriller schon zu viel von der Handlung weiß, schreibe ich auch meine Meinungen so, wie ich sie gerne lesen würde. Denn es geht hier meiner Meinung nach darum, jemandem Infos zu verschaffen, damit er sich dafür oder dagegen entscheidet, einen bestimmten Titel zu lesen und nicht darum, eine mehr oder weniger komplette Handlungszusammenfassung zu liefern:

Lincoln Rhyme, der in meiner Einleitung erwähnte und vielleicht einigen Lesern aus den Spitzenthrillern „Die Assistentin“ und „Der letzte Tanz“ bekannt Experte für Spurensuche, fährt zusammen mit seiner Assistentin, der jungen Polizistin Amelia Sachs, und seinem Pfleger nach North Carolina, da es dort eine experimentelle Behandlung für seine Querschnittslähmung gibt. Er erhofft sich davon, das er danach wieder mehr als seinen Kopf und einen einzigen Finger bewegen kann.

In der Klinik werden sie vom Sheriff einer Nachbargemeinde, der ein Verwandter eines Mitarbeiters Rhymes in New York ist und daher von dessen Aufenthalt weiß, um Hilfe gebeten. Ein etwas seltsamer Junge mit einer Vorliebe für Insekten hat scheinbar einen anderen Jungen erschlagen und ein Mädchen gekidnappt. Nun versteckt er sich und das Mädchen irgendwo in einem großen Sumpfgebiet. Nach anfänglichem Zögern unterstützen sie die Suche und finden nach einigen Umständen auch den Jungen, der mittlerweile ein zweites Mädchen gekidnappt hat. Doch das erste Opfer bleibt verschwunden. Und Amelia Sachs, die Polizistin, Assistentin und Geliebte von Rhyme, befreit den Jungen und flieht mit ihm zurück in die Sümpfe. Nun ist Lincoln Rhyme gefordert, seine eigen Partnerin zu finden ....



Meine Meinung:
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Zum drittenmal hat es Jeffery Deaver geschafft, das ich bis zur vorletzten Seite eines Romans nicht wusste, wie er aus geht. Ein größeres Kompliment kann man meiner Ansicht nach einem Thrillerschreiber nicht machen. Immer, wenn man glaubt, endlich verstanden zu haben, wie ein Tatverlauf, wer der Schuldige und was das Motiv war, dreht sich die Handlung auf einmal in eine ganz andere, unerwartete Richtung. Doch dabei werden immer alle Infos, die vorher vermittelt wurden, korrekt und logisch eingebaut. Nur die Deutung geschieht plötzlich aus einem anderen Blickwinkel. Absolut faszinierend.

Die Figuren sind, wie bei Deaver gewohnt, gut ausgearbeitet. Insbesondere die Figur des Rhyme, der auf der einen Seite so gut wie bewegungslos, auf der anderen Seite aber einen hellwachen Verstand, der fast allen die ihn umgeben überlegen ist, wird in ihrem Zwiespalt und ihrem Wunsch, wenigstens ein bisschen mehr körperliche Lebensqualität zu bekommen, auch im Hinblick auf sein Verhältnis zu Amelia Sachs. Sachs auf der anderen Seite, wird sehr gut in ihrer sorge um Rhyme, ihren Befürchtungen, das eine Verbesserung seines Zustands sein Möglichkeiten erweitert und eventuell ihre Beziehung gefährdet, darstellt. Der Roman ist also zum einen ein sehr spannender Thriller, aber durch aus auch in einer gewissen Art ein Beziehungsroman.

Das bei all den Ermittlungen auch wieder die Vermittlung von Wissen über die Forensik, also die Kunst des wissenschaftlichen Spurenlesens, nicht ausbleibt, war zu erwarten und ist wieder gut in die Handlung integriert. Dadurch das die Hauptpersonen weit von zuhause sind und daher nicht auf die üblichen Mitarbeiter zugreifen können und daher eine örtliche Hilfskraft bekommen, gibt genügend Raum, gewisse Verfahren dieser Hilfskraft zu erläutern und damit auch dem Leser vorzustellen. Geschickter Schachzug.

Doch bei so viel Lob muss man auch ehrlich anfügen, dass sich im 3.Buch auch die ersten leichten Ermüdungserscheinungen und Wiederholungen einschleichen. Dies geht noch nicht so weit, dass es der Qualität und der Spannung des Buches schaden würde. Aber dadurch das die Grundkonstellation mit dem gelähmten Spurenexperten und seiner Assistentin am Tatort, die durch Funk verbunden als Auge und Ohr funktioniert, auch in der ersten Hälfte dieses Buches letztendlich mit der Situation in den vorherigen Werken identisch ist, lässt relativ wenig Spielraum. Daher ist es auch ganz geschickt zum einen den Handlungsort von New York weg nach North Carolina zu verlegen, da dort das Unbekannte, die Tatsache, das Rhyme nicht mehr sofort Erdkrümel einem bestimmten Ort zuordnen kann; es wird im Buch so schön mit dem Ausdruck „ein Fisch auf dem Lande“ umschreiben. Zum anderen ist die Wendung, das Rhyme plötzlich Amelia Sachs, seine Vertraute und gleichzeitig eigentlich diejenige, die ihm die Spuren liefert, jagen muss und diese Spurensuche natürlich auch von den persönlichen Gefühlen der beiden Figuren überschattet wird, eine frische neue Brise des sonst leicht in einen „Gewohnheitstrott“ absinkenden würde.

Zum andern würde ich als Kritikpunkt noch die Lösung des Romans aufführen, ohne sie natürlich zu verraten. Es passt zwar auch hier alles zusammen, aber im Vergleich zu den genialen Schachzügen, die alle Puzzleteile in den beiden Vorgängern wunderbar zusammenfügen, empfand ich es in diesem Buch zwar immer noch als überraschend und logisch, doch auch ein klein wenig konstruiert.


Zusammenhang mit den Vorgänger-Romanen:
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Komme ich zu meinem „Lieblingspunkt“ bei Romanserien, der Verknüpfung zwischen den einzelnen Bänden. In diesem Punkt bin ich, das muss ich ehrlich zugeben, ein Pedant. Denn häufig setzten Autoren einfach voraus, dass man auch die älteren Bände der Serie kennt. Es werden frühere Ereignisse erwähnt, ohne sie nochmals zu erklären. Viele Leser stören sich nicht daran, aber mir verdirbt es etwas den Lesespaß. Daher versuche ich auch Serien immer in der chronologischen Reihenfolge zu lesen.
Doch für diesen Roman kann ich in diesem Punkt Entwarnung geben. Alles was für das Verständnis der Handlung und der Beziehung der Akteure zueinander wichtig ist, wird auch erklärt. Es mag zwar Feinheiten geben, die fehlen und die die Entwicklung über die einzelnen Bücher hinweg akzentuiert, aber man kann ohne Probleme dieses Werk absolut unabhängig von den Vorgänger lesen, ohne das man etwas vom Lesespaß verliert.


Englische Version:
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Und auch den zweiten Punkt, der Leute, die mehrere Meinungen von mir gelesen haben, bestimmt schon nervt, bringe ich an dieser Stelle wieder an: Ich habe das Buch in der englischen Originalfassung gelesen. Und das sollte ruhig jeder einmal versuchen. Man unterschätzt seine Englischkenntnisse. Dieses Buch ist ein Thriller, also Unterhaltungsliteratur und dementsprechend ist auch die Wortwahl. Nicht kompliziert, mit verschachteltem Satzbau, sondern relativ klar und einfach gehalten. Auch der lokale Touch der Südstaaten, der durch den Handlungsort in die Sprache einfließt, ist meiner Ansicht nach immer noch verständlich und nicht all zu schwierig zu lesen. Einfach mal versuchen. Es ist leicht als man denkt und eine unterhaltsame und praktische Art, ein wenig was für die Bildung zu tun.
(Und ich bekomme irgendwann mal die Ehrennadel des Verbandes der Englischlehrer :-))))


Fazit:
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Zusammenfassend betrachtet wieder ein extrem spannender Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Aber man merkt im Vergleich zu den Vorgängerwerken doch ein klein wenig das Auftauchen von Routine, wie es so häufig bei Romanserien der Fall ist. Doch auch der „nur“ drittbeste Deaver-Roman ist immer noch um Klassen besser, als all die 08/15-Thriller, die man sonst so kaufen kann, Daher eine uneingeschränkte Empfehlung und die Abwertung um eine Kategorie ist nur eine Rangfolge im Vergleich zu seinen noch besseren „Geschwistern“.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-07 18:50:10 mit dem Titel Darnton,J - Neandertal: Waren wir dem Neandertaler wirklich überlegen?

Mal wieder ein Roman in dem naturwissenschaftliche Fakten, fiktive Thesen und eine spannende Handlung zusammengefaßt werden. Während Michael Crichton sich mit Jurrasic Park und dessen Nachfolger mit den Dinosauriern befaßt, widmet sich John Darnton, wie man ja schon aus dem Titel des Buches erkennen konnte, unseren stammesgeschichtlich nächsten Verwandten, dem Neandertalern.

Einige Worte zur Handlung:
(Anmerkung: Ich habe die englische Originalausgabe gelesen, also sollten sich die Leser der deutschen Ausgabe nicht wundern, wenn einige Bezeichnungen eventuell nicht ganz übereinstimmen.)

Im Pamirgebirge im heutigen Tadschikistan auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR verschwinden häufiger Menschen auf unerklärliche Weise, u.a. auch der bekannter Paläontolge Dr. Kellicut. Als letzte Botschaft vor seinem Verschwinden hat er an das Institut, daß ihn beauftragt hat, einen Neandertaler-Schädel geschickt. Bei Untersuchungen stellt sich heraus, daß dieser Schädel gerade einmal 25 Jahre alt ist. Daraufhin beauftragt das Institut Susan Arnot und Matt Mattison, zwei ehemalige Studenten von Kellicut, ihn zusammen mit einem Mitarbeiter des Instituts zu suchen. Arnot und Mattison sind, (wie nicht anders zu erwarten :-) nicht nur eine ehemaliges Liebespaar, sondern sie vertreten auch zwei grundsätzlich verschiedenen Thesen über das Aussterben der Neandertaler. Während der Suche und in Parallelhandlungen erfährt man, daß hinter dem Institut Geheimdienste stecken, die schon wissen, daß in diesen abgelegenen Hochtälern Neandertaler überlebt haben, und die Wissenschaftler nur vorgeschoben haben, um diese zu finden. Denn an einem zufällig gefangenen Exemplar wurde entdeckt, daß diese eine ganz besondere Eigenschaft haben: Sie können scheinbar durch eine Art telepathische Fähigkeit durch die Augen anderer sehen, sogenanntes Remote Viewing. Außerdem gibt es scheinbar einen besonderen Gruppenzusammenhalt auf dieser telepathischen Ebene. Dieses ist natürlich für die Militärs und Geheimdienstler von größtem Interesse und auch die Russen kommen dabei ins Spiel. Ich will hier nicht zuviel von der Handlung verrate, aber nur soviel: Sie finden Kellicut, entdecken, daß es sogar 2 verschieden Stämme von Neandertalern gibt, einen Kriegerischen und einen absolut Friedliebenden und es kommt (wie nicht anders zu erwarten !!) zu einem Showdown.

Natürlich sollte man bei einem Unterhaltungsroman nicht die großen wissenschaftlichen Erklärungen erwarten, aber einige der Überlegungen und Thesen, die hauptsächlich in Gesprächen der beiden suchenden Wissenschaftler dargestellt werden, sind interessant und regen auch mal zum Nachdenken an. Gerade einiges in Bezug auf Evolution und die angebliche Überlegenheit des Homo sapiens sapiens, dem Urahn der heutigen Menschen, gegenüber dem Neandertaler wird zwar mit fiktiven Argumenten, aber durchaus nachvollziehbar, in Frage gestellt. Und es gibt auch einen Erklärungsversuch, warum wir und nicht der Neandertaler überlebt hat, der nachdenklich stimmen kann.

Aber neben diesen durchaus ernsthaften Gedanken ist das Buch natürlich auch ein spannender Thriller mit Aktion, Kampfhandlungen, Intrigen und auch ein wenig Erotik. Nicht alles ist ganz schlüssig und logisch aufgebaut und gerade gegen Ende macht die Handlung ein paar Schlenker, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.

Aber insgesamt ein doch sehr flott und mit Spannung lesbares Buch, daß für einige Stunden gut unterhält und dabei auch ein paar ernsthafter Dankanstöße geben kann.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-14 17:56:06 mit dem Titel Deaver,J. - Devil's Teardrop: Ein Killer, den man nicht stoppen kann?

Jeffery Deaver ist momentan mein absoluter Lieblingsschriftsteller, wenn es um den Bereich Thriller geht. Insbesondere seine Romane um den gelähmten Spurenermittler Lincoln Rhyme sind mit das Spannendste, was ich in den letzten Jahren gelesen haben.

Leider gibt es den vierten Band aus dieser lockeren, inhaltlich jeweils abgeschlossenen Reihen mit dem Titel \"The Stone monkey\" momentan nur in einer gebundenen englischen Ausgabe. Doch da Jeffery Deaver nicht faul war, konnte ich mir die Wartezeit bis zum Erscheinen der englischen Taschenbuch-Ausgabe mit einem seiner anderen Werke verkürzen. Meine Wahl fiel auf \"The Devil\'s Teardrop\" (auf Deutsch unter dem Titel: \"Die Tränen des Teufels\" erschienen.) Grund hierfür war die Tatsache, dass dieses Buch sowohl von diversen Buchkritiken ,als auch in den Meinungsforen immer wieder mit der Rhyme-Serie verglichen wurde und in diesen Vergleichen durchaus standhielt.


Inhalt:
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Der Morgen des 31.12.1999 in Washington: In einer vollen U-Bahn-Station schießt ein Unbekannter in die Menge, tötet und verletzt viele Passanten und verschwindet. Kurze Zeit später geht ein Erpressungsschreiben beim Bürgermeister ein. Es werden 20 Millionen Dollar verlangt, ansonsten wird der Digger, wie der Killer in diesem Schreiben genannt wird, um 4 Uhr, 8 Uhr und um Mitternacht erneut zuschlagen. Nur der Planer der Anschläge kann ihn stoppen, sobald er die Beute erhalten hat. Die Stadt entschließt sich nach einigem zögern zu zahlen, doch das Lösegeld wird nicht abgeholt. Kurze Zeit später wird das tote Opfer eines Verkehrsunfalls mit Fahrerflucht aufgrund von Fingerabdrücken als der Kopf hinter der Erpressung identifiziert. Doch es gibt sonst keine Hinweise, wer er oder der Digger ist. Gibt es nun keinen Weg mehr, den Digger zu stoppen?

Die einzige Spur, die bleibt ist das Erpressungsschreiben und die verantwortlichen FBI-Agenten wenden sich an Parker Kincaid, eine der besten Handschriftexperten des Landes. Kinkaid, allein erziehender Vater zweier Kinder und ehemaliger FBI-Beamter, ist anfangs wenig geneigt, mitzuarbeiten, da er bei FBI ausgeschieden ist, weil ein irrer Killer, gegen den er ermittelte, beinahe seine Kinder getötet hätte und er momentan einen Sorgerechtstreit mit seiner Ex-Frau hat und er verständlicherweise nicht wieder in eine solche Situation kommen will. Doch Margaret Lucas, die verantwortliche FBI-Agentin überredetet ihn zur Mitarbeit, indem sie ihm zusichert, dass seine Mitwirkung nicht an die Öffentlichkeit gerät.

Gemeinsam versuchen sie, aus den wenigen Hinweisen, dem Stil und den Ungereimtheiten im Erpressungsschreiben, innerhalb kürzerster Zeit herauszufinden, wer der Digger ist und wo man ihn vor dem nächsten Anschlag finden kann.


Meinung:
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Bevor ich etwas detaillierter auf das Buch eingehe, will ich gleich mit einer Art Fazit beginnen: Auch mit diesem Buch ist es Deaver gelungen, mich bis zur letzten Seite zu fesseln und dann dem ganzen eine überraschende, aber doch logische Wendung zu geben. Für sich alleine betrachtet, ein absolutes Meisterwerk.


Doch nehmen wir das Buch etwas genauer auseinander und betrachten es auch im Vergleich zu anderen Werken des Autors:

Die Handlung ist absolut spannend, es gibt keine lange Einleitung, sondern schon von der ersten Seite an wird man in das Geflecht der Hinweise, Spuren, Irrwege hineingezogen und ist kaum in der Lage, das Buch zur Seite zu legen. In der für ihn typischen Art hat es Jeffery Deaver auch hier geschafft, alles zu verschachteln, unerwartete Wendungen einzubauen und das Ende bis zu letzt auch für versierte Thrillerleser nicht erratbar zu gestalten. Und bei all diesen Wendungen bleibt doch alles in sich schlüssig und nachvollziehbar.

Der Hintergrundrahmen dieser Geschichte ähnelt der Rhymes-Serie: Während dort der jetzt von Kopf abwärts gelähmte ehemaliger Leiter einer Spurenermittlung und seine Mitarbeiter die Hauptfiguren sind und viel von deren Arbeit detailliert beschreiben werden, ist hier der Schriftenexperte Kincaid mit all seiner Fachkenntnis die zentrale Figur. Auch er arbeitet mit Proben, Spektralanalyse, Linguistik etc. und auch hier hat Deaver scheinbar sehr viel Recherchearbeit investiert, den auch diese Verfahren werden sehr genau beschrieben.
Der Titel des Buches stammt übrigens aus diesem Umfeld: Als Teufelsträne (devil\'s teardrop) bezeichnet man eine spezielle Art, wie ein Schreiber seine I-Punkte \"malt\".
Es mag auch kein Zufall sein, dass die Figur Rhyme sogar in einer kleine Nebenrolle durch ein Telefonat mit Kincaid eingebaut wurde. Man hat ein klein wenig den Eindruck, dass hier ein Konzept das sehr gut und erfolgreich funktioniert hat, mit etwas anderen Parametern nochmals aufgelegt wird. Dies mag dem Stammleser Deavers auffallen, mindert die Qualität dieses Romans meiner Ansicht nach keinesfalls. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch aus dieser Figurenkonstellation eine Romanserie werden könnte. Ich zumindest würde weitere Romane bestimmt kaufen.

Auch wenn es vom Handlungsverlauf noch mehr wichtige Personen gibt, konzentriert sich das Buch aber hauptsächlich auf 3 Personen. Parker Kincaid, der Schriftexperte und allein erziehende Vater und Margaret Lucas, die FBI-Agentin, die aber auch eine nach und nach offengelegte tragische Vergangenheit hat, sind die typischen Protagonisten eines Thrillers. Es gibt das typische Spannungsverhältnis, das letztendlich nur auf das Eine herauslaufen kann. Dies mag nicht gerade neu sein, wird aber gut und glaubwürdig dargestellt. Viel interessanter ist aus meiner Sicht die dritte Hauptfigur: Der Digger, der Killer. Dadurch, das immer wieder ganze Passagen des Buches aus seiner Sicht dargestellt werden, ergibt sich ein ganz neues Bild eines Mörders. Denn hierbei handelt es sich um eine emotionslose Marionette, die scheinbar ohne jede Regung Anweisungen ausführt. Und doch gelingt es Deaver auch, dieser Figur eine gewisse Tragik und damit dem Leser auch etwas Mitgefühl zu vermitteln. Der Digger kann scheinbar nicht anders handeln. Gegen Ende des Buches wird auch noch erklärt warum, aber schon vorher entwickelt man trotz der eindeutigen Rollenverteilung Gut-Böse eine Art Verständnis für diese Figur. Auch der Schreibstil in diesen Passagen unterscheidet sich vom Rest des Buches; die Gedankenwelt des Diggers wird in einer stereotypen, seinem Handeln angepassten Sprache dargestellt. Eine sehr gelungene Variante eines Killers, wie ich sie zuvor noch nie entdeckt habe.

Ich habe wieder einmal die englische Ausgabe gelesen und fand die Sprache, ähnlich wie bei anderen Deavers, leicht verständlich. Wobei man eventuell ab und zu nachschlagen muss, sobald es um Fachbegriffe im Zusammenhang mit den wissenschaftlichen Untersuchungen geht. Aber mehr als drei- bis viermal nachschlagen sollte bei jemandem mit \"normalen\" englischen Sprachkenntnissen, wie man sie z.B. nach 5-6 Jahren Schulenglisch hat, nicht nötig sein. Und wieder mein Aufruf: ruhig einmal Originale lesen; ist einfacher als man denkt und Übung macht den Meister. Wenn man die ersten 1,2 Bücher geschafft hat (die durchaus etwas Überwindung und Anstrengung benötigen), hat man einen Sprachschatz aufgebaut, mit dem man Unterhaltungsliteratur problemlos flüssig lesen kann


Fazit:
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Wieder ein spannender, verwirrender und trotzdem in sich logischer Roman von Jeffery Deaver, der bis zum Schluss zu fesseln weiß. Auch wenn ich persönlich die Rhymes-Reihe noch minimal besser finde und hier durchaus Anleihen bei dieser Serie gemacht wurden, ist auch dieser Roman so gut, dass es nur die volle Punktzahl geben kann.

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