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Erfahrungsbericht von pueritia

Signale von Christiane Busta

Pro:

siehe oben

Kontra:

siehe oben

Empfehlung:

Nein

Das grelle Leuchten einer roten Ampel! Sofort quietschen die Reifen eines sich nähernden Autos, es kommt gerade noch zum Stehen.
Ein lauter Schrei in einer gutbesuchten Fußgängerzone. Augenblicklich wenden sich zahlreiche Köpfe diesem entgegen, Passanten ereilen um zu helfen, wenn nötig. Kopfschmerzen. Ein Hilferuf des Körpers, welcher lange einer Sresssituation ausgesetzt wurde? Der Betroffene weiß sich mit dem Einnehmen einer Aspirin-Tablette oder einer kleinen Ruhepause zu helfen. Signale sind dazu da, um erhört zu werden und eine Reaktion folgen zu lassen, doch was ist mit solchen, die in der Dunkelheit verhallen? Ist es überhaupt sinnvoll akustische oder motorische Mitteilungen zu senden, wenn diese keinen Adressaten finden können?
Christine Busta versucht uns, die Leser ihres Gedichtes „Signale“, als Empfänger dieser unbeantworteten Zeichen zu gewinnen.
Christine Busta beginnt ihr Gedicht mit dem Wort „damals“, einer unbestimmten Zeitangabe, aber warum? Weil sie das Datum verdrängt oder gar nicht mehr weiß? Darf es sich nicht mehr in ihren Erinnerungen befinden? Spielt diese Nacht überhaupt eine Rolle für sie? Wahrscheinlich berichtet sie von einem Ereignis, welches sich permanent wiederholt und zwar jede Nacht um 2 Uhr. Nahe liegt, dass sie persönlich anwesend war und ihre Erinnerungen einige Zeit später zu Papier brachte. Der Ort des Geschehens ist ein Bahnhof in Nürnberg. Die ganze Stadt schläft, nur die Postverantwortlichen gehen ihrer Arbeit nach, als ein Zug an den Gleisen hält. Inmitten aller Ruhe taucht eine Grille aus dem Nichts um zu zirpen. An dieser Stelle erlangt das Gedicht seinen Höhepunkt, ungewöhnlich , da es gleichzeitig als Schlusssatz fungiert. Sie „schrie und schrillte und schrie“ , es scheint ein endloser Vorgang zu sein, welcher aus ständigen Wiederholungen besteht. Durch das der Grille zugeordnete Adjektiv „verirrte“, klingen ihre Schreie beinahe dramatisch. Man erkennt: die Grille möchte hier nicht sein, hat sich verlaufen, ist auswegslos. Ihre Rufe erscheinen nun hilflos, in dem Leser wird Mitleid erzeugt. Niemals sonst würde man auf solche Nichtigkeiten Wert legen... Normalerweise würde dieses Schrillen unter den Geräuchen des Zuges, der Arbeiter und des Windes untergehen, nie erhört werden. Doch man erfährt von keinem solchen Lärm, im Gegenteil man bekommt das Gefühl einer lähmenden, schweren Stille, wird beinahe von ihr erdrückt.
In der zweiten Strophe wird durch die Verwendung des Passivs die Anonymität der Anwesenden gewahrt. So schreibt Frau Bussa: „man hat verladen“. Auf dem ersten Blick wirkt dieser Ausdruck für die Angestellten der Post beinahe als herabstufend , von oben herab geschrieben. Ähnlich bei der Benutzung des Synonyms „Schläfer“ für Aufgeber von Briefen oder Menschen in Erwartung einen zu erhalten. Die Bezeichnung „Schläfer“ wird im normalen Sprachgebrauch vornehmlich als Schimpfwort für Langweiler oder Faule benutzt und ist daher in seiner wahren Bedeutung verkannt. Die Ironie darin vergessen passt das Wort gut zur Beschreibung des wahren Umstandes. Immerhin ist es weit nach Mitternacht und jeder normal in die Gesellschaft eingebundene Mensch tankt nun durch die Nachtruhe neue Energie für den nächsten Tag.
Auffällig von der Autorin bezüglich der Form gestaltet: die Satzanfänge. Sie beginnt stets mit der Kleinschreibung, um den Leser selbst über die Wichtigkeit ihres Textes entscheiden zu lassen , um nicht aufdringlich zu wirken ? Weiterhin bedarf sie weniger Substantive und beliebt einige Male das Prädikat uneingesetzt zu lassen. Durch die Knappheit des Gedichtes lässt es dich trotz fehlenden Reimmusters gut überblicken, wobei sich keiner hochtrabenden Sprache bedient wurde und somit leicht verständlich für jedermann zu lesen ist.
Diese Verse stellen die Seite des Lebens vor, die für den Größteil der Bevölkerung verdeckt funktioniert. Viele Menschen denken nicht weiter als sie sehen, sind daher sehr engstirnig und ich- bezogen, versetzten sich zu wenig in die Haut ihrer Mitmenschen. Christine Busta möchte dagegen ankämpfen: sie stößt die Leute direkt mit der Nase auf Handlungen, welche parallel zu ihrem Leben verlaufen und niemals Beachtung geschenkt bekommen würden, obwohl aus ihnen Nutzen getragen, beziehungsweise selber ein gewisser Drang zum Geltungsbedürfnis verspürt wird.. Etwas mehr Umsicht für die kleinen Dinge im Leben, die Erde dreht sich auch in der Nacht ..! Ich denke, dass das Gedicht einige Leser bekehren konnte und durch es das eigentliche Signal der Solidaritätsidee und der zu fördernden Feinfühligkeit durchaus übermittelt worden ist.
675Wörter

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