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Erfahrungsbericht von emmtie

Galouye,D.-Simulacron 3: Wie wirklich ist unsere Realität?

Pro:

spannender Historienkrimi

Kontra:

Historischer Infos überzeugen nicht immer, unübesetzte lateinische Ausdrücke

Empfehlung:

Nein

Science Fiction beschäftigt sich nicht nur mit dem Weltraum, fremden Planeten und möglichen außerirdischen Lebewesen. Natürlich sind diese die Themen, die man zuerst mit dieser Literaturgattung verbindet und als ich vor ca. 25 Jahren als Junge anfing SF zu lesen, habe ich dies wegen der o.a. Bereiche getan. Doch sobald man sich etwas mehr mit dem Genre beschäftigt, entdeckt man das es zurecht Science Fiktion und nicht Space Fiction genannt wird: Denn alle Bereiche der möglichen zukünftigen Entwicklungen durch Wissenschaft in ihrer weitesten Deutungsform kommen vor. Egal ob Utopien über zukünftige soziale Strukturen, technische Entwicklungen, sei es Gentechnik, Elektronik oder Waffentechniken oder kritischen Betrachtungen jeweils aktueller Probleme wie aufrüstung, Überbevölkerung etc. fanden und finden Eingang in die Romane dieser Gattung. Auch der weite Themenbereich \"Wie wirklich ist unserer Wirklichkeit\" findet hier Aufnahme.

Wie ich schon an anderer Stelle angedeutete, habe ich vor einigen Monaten meine recht umfangreiche SF-Sammlung, die in meinem Elternhaus ausgelagert ist, gesichtet und so manches Buch, das mir aus verschiedenen Gründen in Erinnerung geblieben ist, mitgenommen, um es erneut zu lesen.

Ein Buch, in dem ich zum erstenmal Ideen zum Thema verschiedene Realitäten und deren Wahrnehmung begegnete, war \"Simulacron Drei\" von Daniel F.Galouye, geschrieben 1964, von mir zum erstenmal gelesen Anfang, Mitte der 80er Jahre. Da das Schauspiel Frankfurt momentan eine Theaterumsetzung dieses Buches im Programm hat, für die ich Ende Juni Karten habe, war dies ein gelungener Anlass, die Vorlage ein weiteres mal zu lesen, bevor ich mir das Stück anschaue.


WARNUNG !! Ich werde im Gegensatz zu anderen meiner Meinungen wieder etwas genauer auf den Inhalt eingehen, da dies meiner Ansicht nach für meine weiteren Anmerkungen zum Buch notwendig ist. Wer sich die Spannung nicht verderben will, sollte nicht weiterlesen.


Handlung:
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Im Jahr 2024 ist die Welt fest in der Hand der Meinungsforschung. Egal ob ein neues Produkt eingeführt, ein Modetrend für die neue Saison entworfen oder ein Politiker sich zu einer Wahl stellt. Alles wird vorher zigfach durch Befragungen abgesichert; daher gibt es auch unzählige Meinungsforschungsinstitute und deren Befrager begegnen einem auf Schritt und Tritt. Die Bevölkerung ist sogar gesetzlich verpflichtet zu antworten.

Doch eine Unternehmen, die TEST AG oder kurz TEAG steht kurz davor, dieses Monopol zu durchbrechen, in dem sie auf elektronischem Wege einen Simulator baut, der ein steuerbares Spiegelbild der Realität kreiert. Die Technik wird als Simulektronik bezeichnet. Mit den in dieser künstlichen Realität lebenden fiktiven Menschen, die als ID-Einheiten bezeichnet werden, kann man die Meinungsforschung einfacher abbilden.

Doch der Leiter dieses Forschungsprojektes, Hannon Fuller, verunglückt tödlich und David Hall, sein engster Mitarbeiter und Nachfolger, stößt auf einige Ungereimtheiten. Der Sicherheitschef des Unternehmens bezweifelt den Unfalltod Fullers und ist kurz darauf spurlos verschwunden und niemand kann sich an ihn erinnern außer Hall. Weiterhin entdeckt er bei den ID-Einheiten in seinem Simulator seltsame Entwicklungen. Die Kontaktperson innerhalb des Simulators die sich durch den Kontakt mit den Simulektronikern ihrer fiktiven Wirklichkeit bewusst ist, unternimmt einen Versuch, in die Realität zu fliehen. Auch andere ID-Einheiten scheinen eigenständiger zu werden, als ihre Programmierung es zu lässt und begehen z.B. Selbstmord. Bei seinen Ermittlungen trifft Hall auf die Tochter Fullers und verliebt sich in sie. Doch auch sie verschwindet unerklärlich von einer Sekunde auf die andere und taucht später einfach wieder auf, ohne ihrer Abwesenheit richtig erklären zu können. Nach und nach entwickelt sich bei David Hall ein unglaublicher Verdacht. Kann es sein, das auch seine Welt nur eine große Simulation ist, die zu Meinungsforschungszwecken dient, und die Entwicklung eines Simulators innerhalb der Simulation die Erzeuger seiner Realität dazu bringen, steuernd einzugreifen und den Simulator zu verhindern? Und kaum kommt er zu dieser Erkenntnis, wird er als Mörder Fullers verdächtigt und gejagt, fast so als ob jemand dies zentral steuert ......


Meine Meinung:
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Wieder ein Buch, das mich beim ersten Lesen vor über 20 Jahren total in seinen Bann geschlagen hat und das auch jetzt nach dem vierten oder fünften Lesen nichts von seiner Faszination verloren hat.

Das Buch hat sehr viele Facetten: Zum einen ist natürlich das Thema Marktforschung in fast schon prophetischer Gabe aus dem Jahr 1964 kritische betrachtet worden. Da der Autor Amerikaner ist, war die Entwicklung auf diesem Gebiet dort zur Zeit der Entstehung dieses Romanes zwar schon weiter als z.B. in Deutschland, doch auf keinen Fall so ausgeprägt wie heutzutage. Aber dieses Allgegenwärtigkeit der Marktuntersuchung und die Abhängigkeit von Unfrage-Ergebnisssen im Roman kam mir, wenn ich z.B. an den aktuellen Bundestagswahlkampf denke, erschreckend bekannt vor.

Doch das Hauptthema und der Kernpunkt im Roman ist die Beschäftigung mit der Frage der Realität. In wie weit ist es jemandem innerhalb einer Simulation möglich diese zu erkennen? Zu einem Zeitpunkt, an dem an Virtual Reality noch überhaupt nicht zu denken war, hat Galouye schon einen Schlüsselroman zu diesem Thema geschrieben, der alle Problem dieser Thematik aufzeigt. Was ist Leben? Hat eine simulierte Einheit, die aber zu eigenen Gedanken fähig ist, also über ein Bewusstsein verfügt, ein Leben? Nicht umsonst wird im Buch Descartes mit \"Cogito ergo sum\" = \"Ich denke, also bin ich\" zitiert. In wie weit hat der Schöpfer einer solchen Realität das Recht dort einzugreifen und eventuell sogar ID-Einheiten zu verändern oder zu löschen?

Viel Stoff der zum Nachdenken und eventuell sogar zu weitergehender philosophischer Lektüre anregt.

Und schließlich sollte man nicht vergessen zu erwähnen, das all diese tiefgründigen Gedanken wunderbar in eine spannende und unterhaltsame Krimihandlung verpackt sind, so dass man dieses Buch auch noch einfach als Unterhaltung genießen kann. Außerdem ist die gesamte Handlungsstruktur absolut schlüssig. Im Gegensatz zu anderen Büchern, die eine Botschaft vermitteln wollen und dies dann mehr oder weniger gut in eine Handlung verpacken, ist es Galouye hier gelungen, die philosophischen Gedanken wirklich in der Handlung zu verwurzeln.



Filmische Umsetzungen:
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Der Stoff wurde zweimal verfilmt: Zum einen gibt es einen Fernsehfilm von Rainer Werner Fassbinder mit dem Titel \"Welt am Draht\" aus dem Jahr 1975. es ist zwar schon sehr lange her, das ich diesen Film gesehen habe, aber meiner Erinnerung nach war es eine freie, aber gelungene Umsetzung. 1999 wurde das Buch erneut, jetzt aber von Hollywood verfilmt, nun unter dem Titel \"13th Floor\" (aufgrund der Unart Bücher, sobald sie verfilmt wurde, auch nach dem Film zu benennen, wird der Roman seither unter diesem Titel verlegt). Diesen Film habe ich hier, aber bewusst noch nicht geschaut, bevor ich das Buch nochmals gelesen habe. Dies werde ich nun bald nachholen und vielleicht schreibe ich dann eine vergleichende Meinung Buch contra Film.


Fazit:
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Ein sowohl spannendes als auch nachdenklich stimmendes Buch, das ein sehr gelungener Mix zwischen Krimielementen und philosophischen Gedankenspielen über das Wesen der Realität ist. Eines der absoluten Highlights der SF-Literatur und auch fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen absolut aktuell und lesenswert.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-16 18:19:12 mit dem Titel Glaesener,H.-Die Rechenkünstlerin: Krimi um die Heidelberger Uni im Mittelalter

Krimis mit historischem Hintergrund sind seit einigen Jahren ganz groß in Mode gekommen. Es gibt dieses Genre zwar schon so lange, wie es Unterhaltungsliteratur gibt, aber mir persönlich fällt seit ca. 3 bis 4 Jahren beim Stöbern in den Programmen der Verlage und in Buchhandlungen auf, dass eine Unmenge von mir bislang unbekannten Autoren in diesem Bereich veröffentlichen und diese auch entsprechend präsentiert werden.

Eines dieser Bücher, das mir bei diesen Stöbertouren ins Auge gefallen ist, ist der Roman \"Die Rechenkünstlerin\" von Helga Glaesener. Von der Autorin weiß ich auch nicht mehr, als in der Info des Verlages im Buch steht: Sie ist 55 Jahre und hat 5 Kinder, hat Mathematik studiert und lebt in Aurich/Ostfriesland. Mit dem Vorgängerwerk \"Die Safranhändlerin\", das in keinem Zusammenhang mit dem hier besprochenen Werk steht, war sie angeblich schon in den Bestsellerlisten. (Was ich nicht bestreiten will, da ich zum einen natürlich nicht den globalen Überblick habe und zum anderen der Begriff \"Bestsellerliste\" weder geschützt noch in einer bestimmten Form definiert ist; ich kannte es bisher nicht).


Handlung:
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In Heidelberg wird im Jahr 1389 die erste deutsche Universität gegründet. Hauptperson des Romans ist Carlotta Buttweiler, die Tochter des Pedells (= Hausmeister) dieser Universität. Ungewöhnlich für eine Frau der damaligen Zeit kann sie lesen und schreiben und beschäftigt sich mit mathematischen Problemen. Aber hauptsächlich kümmert sie sich um den Haushalt ihres Vaters, in dem auch acht Scholaren, also Studenten der Universität, leben.

Als die Schwester von zwei dieser Studenten überraschend stirbt, die eine ehemalige Nachbarin ist und in ein Rittergut eingeheiratet hat, wird die Neugier Carlottas geweckt. Viele Umstände, die sie beim Totenbesuch entdeckt, von einer seltsamen, unwürdigen Art der Aufbahrung bis zu merkwürdigen Malen am Hals der Toten, widersprechen dem natürlichen Ableben. Auch die Erklärung, dass man nur einen Selbstmord vertuschen wollte, kann nicht befriedigen.

Carlotta bohrt weiter und findet weitere Hinweise. Unterstützt wird sie mehr oder weniger widerstrebend dabei von einem neuen Mitbewohner, den Tschechen Jovan Palac, der unter etwas seltsamen Umständen, mit nur wenigen Habseligkeiten und einer verbrannten Hand von der Wache des Regenten über die Stadt Heidelberg zu ihrem Heim gebracht wird und der der neue Magister (= Dozent an der Universität) für ziviles Recht ist.

Ohne zuviel zu verraten wird sich im Verlauf des Buches der Verdacht Carlottas erhärten, doch die Geschichte wird viel verwinkelter, als man anfangs erwartet. Sowohl Hexerei, Schwarze Magie als auch handfeste Universitätspolitik spielen eine große Rolle.


Meine Meinung:
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Wer so häufig wie ich Romane aus diesem Genre liest, geht mit einer gewissen Grundhaltung an ein solches Werk:

Zuerst erwarte ich von einem Krimi Spannung und unvorhersehbare Wendungen. Dies ist hier absolut gegeben. Die anfangs wie ein einfacher Mord aussehende Geschichte entwickelt sich zu einer vielschichtigen Intrige, bei der man bis kurz vor Schluss nicht unbedingt weiß, wer wofür verantwortlich ist. Die Handlung ist zum größten Teil auch schlüssig, wobei mir persönlich einige Schwenks dann doch etwas zu sehr konstruiert vorkamen.

Als zweites erwarte ich bei einem historischen Krimi auch, dass das entsprechende historische Umfeld eingearbeitet wird und nicht nur als austauschbare Kulisse für eine nicht darin verwurzelte Krimi-Handlung dient. Auch hier ist Helga Glaesener sehr bemüht: Viele Alltagsszenen aus Heidelberg und der Umgebung sind in die Handlung eingewoben, Themen wie der allgegenwärtige Hexenwahn oder die Thematik der Judenpogrome zu dieser Zeit, die durch den wegen seiner Kritik daran in Ungnade gefallenen Magister Palac ins Spiel gebracht werden, sind Bestandteil des Buches. Doch manchmal kommt mir dieser Mix doch etwas zu konstruiert vor. Es mag daran liegen, dass ich Heidelberg nicht persönlich kenne und daher einige Anekdoten und Anspielungen wahrscheinlich nicht erkenne, im Gegensatz z.B. zu historischen Romanen, die in London spielen ( Kleine Selbstkritik: Da sieht man es wieder: Typisch, die große weite Welt bereisen und die Schönheiten der eigenen Heimat nicht kennen :-))

Die bedeutet keinesfalls, dass der Roman schlecht ist, doch als historische Informationsquelle war er für mich persönlich etwas weniger interessant.

Was mir auch noch auffiel, war der häufigere Gebrauch lateinischer Ausdrücke, ohne das dieses auch übersetzt wurden. Ich konnte zum Glück die paar Brocken die von meinem Großen Latinum noch übrig sind zusammenkratzen und konnte mir so das meiste zusammenreimen. Doch ohne Lateinkenntnisse gibt es einige wenige Stellen im Buch, an denen man ein paar Infos nicht mitbekommt. Zwar nichts wesentliches zu Handlung, aber störend mag es doch sein.

Auch wer aufgrund des Titels „Die Rechnkünstlerin“ ein gewisses Maß mathematischen Inhalt erwartet, sollte seine Ansprüche herabschrauben. Es werden zwar kurze einige Erkenntnisse zur Quadratur des Kreises angesprochen, aber sonst eher Fehlanzeige. Der Titel soll wohl eher ganz allgemein eine Anspielung auf das Wissenschaftsinteresse der weiblichen Hauptfigur sein.


Fazit:
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Ein wirklich spannender Krimi, doch der historische Teil hat mich nicht ganz überzeugt. Doch als spannende Unterhaltungslektüre bereitet es durchaus mehrere Stunden Lesevergnügen.
Aber aufgrund meiner, vielleicht auch etwas überzogenen, Erwartungen gibt es nur eine 3.

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