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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Mandinka
Andreas Gryphius (1616-1664)
Pro:
interessante Geschichte
Kontra:
teilweise etwas alt
Empfehlung:
Nein
Biographie
Am 2. Oktober 1616 wurde Gryphius im schlesischen Glogau geboren. Der Dreißigjährige Krieg und die damit verbundenen konfessionellen Konflikte prägten seine Jugend:
Sein Vater, ein streng protestantischer Geistlicher, kam auf ungeklärte Weise ums Leben, als Friedrich V. von der Pfalz 1621 auf der Flucht durch Glogau zog.-
Das evangelische Gymnasium in Glogau, das Gryphius seit 1621 besuchte, wurde in Zuge der Gegenreformation 1628 geschlossen. Erst 1632 konnte Gryphius, dessen Mutter inzwischen ebenfalls gestorben war, wieder eine Schule, das Gymnasium in Fraustadt, besuchen.
Trotz dürftigen Schulbesuchs eignete sich Gryphius umfangreiche Kenntnisse alter und neuer Sprachen an; in seiner Danziger Zeit (1634-36) kam er auf dem Akademischen Gymnasium auch in Kontakt mit der neueren deutschen Dichtung. Nach Abschluss seiner Schulausbildung wirkte er von 1636 bis 1638 als Hauslehrer auf dem Gut des angesehenen Rechtsgelehrten Georg Schönborner in der Nähe von Fraustadt. Dieser war einst Anhänger des Winterkönigs, sah sich aber als kaiserlicher Beamter gezwungen, zum Katholizismus überzutreten. Er machte später diesen Schritt rückgängig und verzichtete auf öffentliches Wirken. Gryphius fand offenbar einen von Gewissensbissen gequälten Mann vor, der trübsinnig den Tod erwartete.
Das gute Verhältnis zur Familie Schönborner führte dazu, dass Gryphius die beiden Söhne zum Studium an die calvinistische Universität Leiden begleiten durfte, beliebter Studienort für protestantische Schlesier. In dieser und der anregenden Atmosphäre der aufblühenden Niederlande widmete sich Gryphius intensiv dem Studium der Staats- und Naturwissenschaften und knüpfte in zahlreichen Gesprächen Verbindungen zu Herrscherhäusern, die im politischen Leben Europas eine wichtige Rolle spielten. - Nach mehr als 5 Jahren in Holland reiste Gryphius weitere zwei Jahre durch Frankreich und Italien (1644-46); auch hier schaffte er wissenschaftliche und literarische Kontakte und erweiterte seine Kenntnisse des europäischen Theaters.
Anschließend hielt er sich mehr als sechs Monate in Straßburg auf, wo er wiederum mit berühmten Professoren zusammentraf, kehrte kurz nach Holland zurück und entschloss sich dann doch - trotz ehrenvoller Berufsangebote -, sich als Rechtsberater der Landstände in der schlesischen Provinz endgültig niederzulassen (1650). !652 wurde er in den „Palmenorden“ (=fruchtbringende Gesellschaft; bedeutenste Sprachgesellschaft) mit dem Beinahmen der „Unsterbliche“ aufgenommen.
Seine eindeutige Parteinahme für die protestantische Sache und deren Verfechter könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass ihm im Unterschied zu anderen schlesischen, öffentliche Ämter bekleidenden Dichtern keine Ehrung durch den Kaiser zuteil wurde. Mit 48 Jahren, am 16. Juli 1664, starb er mitten in einer Sitzung der Landstände am "plötzlichen Schlag-Flusse".
Die bis in die frühe Kindheit zurückreichenden leidvollen Erlebnisse und die konfessionellen Auseinandersetzungen haben auch Gryphius’ Dichtungen nachhaltig beeinflusst, denn viele Menschen starben an Pest wodurch Gryphius Leben ein melancholische und schwermütige Farbe bekam, was sich in seinen Werken sehr genau wiederspiegelte und vorgegebene Muster und Traditionen nutzte. Man hat mit Recht von einer Poetik der Klage gesprochen und damit vor allem seine Weltverachtung, seine Vanitas(Vergänglichkeit)-Betrachtungen und seine Memento-mori-Mahnungen gemeint. Diese finden sich schon in seiner ersten Gedichtsammlung, den Lissaer Sonetten (1637), mit der berühmten Trauerklage des verwüsteten Deutschlandes, dem Vanitas, Vanitatum-Sonett oder der Klage Menschliches Elende. - Schönborn verlieh dem Einundzwanzigjährigen im gleichen Jahr den Adelstitel sowie die Magisterwürde und krönte ihn zum Poeta laureatus.
In den Folgejahren erschienen:
Son- und Feyrtags Sonnete (1639) in diesen Gedichten kommt Gryphius` Lebensverachtung und Vertrauen an Gott zum Ausdruck
Epigrammata. Oden. Sonette; Erstes Buch (1643)
Oden; Zweites Buch (1650)
Oden; Drittes Buch (1657)
Nur wenige Jahre nach Opitz' Buch von der Deutschen Poeterey (1624) hatte damit ein Autor unabweisbar dargelegt, dass die deutsche Sprache durchaus für eine sehr anspruchsvolle Poesie geeignet war.
Von religiösen und teilweise politischen Überzeugungen geprägt sind Gryphius’ in deutscher Sprache abgefassten Dramen: Leo Armenius (1650), Catharina von Georgien (1657), durch dieses Stück bringt er zum Ausdruck, dass die irdischen Sachen, auch die Liebe, sehr nichtig sind, der Tod bezwingt alles Diesseitige, Cardenio und Celinde (1657), Carolus Stuardus (1657) und Papinianus (1659). Trotz erkennbarer Anspielungen auf zeitgenössische Vorgänge kann aber von deutlicher Kritik an politischen Zuständen nicht gesprochen werden, da es ihm vor allem darauf ankommt, in seinem dichterischen Schaffen die Vergänglichkeit menschlichen Tuns und Schaffens aufzuzeigen.
Neben Trauerspielen entstehen Komödien, die deutlicher noch erkennen lassen, dass Gryphius keinesfalls an eine Änderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse denkt. Wer in den Lustspielen Horribilicribifax (1657) und Peter Squentz (1658) den ihm zugewiesenen Platz im sozialen Gefüge nicht annimmt, wirkt schlichtweg komisch.
Andreas Gryphius repräsentiert die höchste Stufe der deutschen Barockliteratur. Er wird in die Reihe der schlesischen Dichter gestellt, die im 17. Jahrhundert das dichterische Niveau in Deutschland bestimmt hatten. Flüchtigkeit und Anfälligkeit des menschlichen Lebens sind die Grundmotive seiner von der kriegerischen Zeitumständen beeindruckten Lyrik. Sein tiefer Pessimismus und seine Frömmigkeit lassen ihn den Vanitas-Gedanken und die Allmacht Gottes in Kontrast stellen. Seine dramatischen Werke behandeln in erster Linie historische Motive und sind in Alexandrinern abgefasst.
Am 2. Oktober 1616 wurde Gryphius im schlesischen Glogau geboren. Der Dreißigjährige Krieg und die damit verbundenen konfessionellen Konflikte prägten seine Jugend:
Sein Vater, ein streng protestantischer Geistlicher, kam auf ungeklärte Weise ums Leben, als Friedrich V. von der Pfalz 1621 auf der Flucht durch Glogau zog.-
Das evangelische Gymnasium in Glogau, das Gryphius seit 1621 besuchte, wurde in Zuge der Gegenreformation 1628 geschlossen. Erst 1632 konnte Gryphius, dessen Mutter inzwischen ebenfalls gestorben war, wieder eine Schule, das Gymnasium in Fraustadt, besuchen.
Trotz dürftigen Schulbesuchs eignete sich Gryphius umfangreiche Kenntnisse alter und neuer Sprachen an; in seiner Danziger Zeit (1634-36) kam er auf dem Akademischen Gymnasium auch in Kontakt mit der neueren deutschen Dichtung. Nach Abschluss seiner Schulausbildung wirkte er von 1636 bis 1638 als Hauslehrer auf dem Gut des angesehenen Rechtsgelehrten Georg Schönborner in der Nähe von Fraustadt. Dieser war einst Anhänger des Winterkönigs, sah sich aber als kaiserlicher Beamter gezwungen, zum Katholizismus überzutreten. Er machte später diesen Schritt rückgängig und verzichtete auf öffentliches Wirken. Gryphius fand offenbar einen von Gewissensbissen gequälten Mann vor, der trübsinnig den Tod erwartete.
Das gute Verhältnis zur Familie Schönborner führte dazu, dass Gryphius die beiden Söhne zum Studium an die calvinistische Universität Leiden begleiten durfte, beliebter Studienort für protestantische Schlesier. In dieser und der anregenden Atmosphäre der aufblühenden Niederlande widmete sich Gryphius intensiv dem Studium der Staats- und Naturwissenschaften und knüpfte in zahlreichen Gesprächen Verbindungen zu Herrscherhäusern, die im politischen Leben Europas eine wichtige Rolle spielten. - Nach mehr als 5 Jahren in Holland reiste Gryphius weitere zwei Jahre durch Frankreich und Italien (1644-46); auch hier schaffte er wissenschaftliche und literarische Kontakte und erweiterte seine Kenntnisse des europäischen Theaters.
Anschließend hielt er sich mehr als sechs Monate in Straßburg auf, wo er wiederum mit berühmten Professoren zusammentraf, kehrte kurz nach Holland zurück und entschloss sich dann doch - trotz ehrenvoller Berufsangebote -, sich als Rechtsberater der Landstände in der schlesischen Provinz endgültig niederzulassen (1650). !652 wurde er in den „Palmenorden“ (=fruchtbringende Gesellschaft; bedeutenste Sprachgesellschaft) mit dem Beinahmen der „Unsterbliche“ aufgenommen.
Seine eindeutige Parteinahme für die protestantische Sache und deren Verfechter könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass ihm im Unterschied zu anderen schlesischen, öffentliche Ämter bekleidenden Dichtern keine Ehrung durch den Kaiser zuteil wurde. Mit 48 Jahren, am 16. Juli 1664, starb er mitten in einer Sitzung der Landstände am "plötzlichen Schlag-Flusse".
Die bis in die frühe Kindheit zurückreichenden leidvollen Erlebnisse und die konfessionellen Auseinandersetzungen haben auch Gryphius’ Dichtungen nachhaltig beeinflusst, denn viele Menschen starben an Pest wodurch Gryphius Leben ein melancholische und schwermütige Farbe bekam, was sich in seinen Werken sehr genau wiederspiegelte und vorgegebene Muster und Traditionen nutzte. Man hat mit Recht von einer Poetik der Klage gesprochen und damit vor allem seine Weltverachtung, seine Vanitas(Vergänglichkeit)-Betrachtungen und seine Memento-mori-Mahnungen gemeint. Diese finden sich schon in seiner ersten Gedichtsammlung, den Lissaer Sonetten (1637), mit der berühmten Trauerklage des verwüsteten Deutschlandes, dem Vanitas, Vanitatum-Sonett oder der Klage Menschliches Elende. - Schönborn verlieh dem Einundzwanzigjährigen im gleichen Jahr den Adelstitel sowie die Magisterwürde und krönte ihn zum Poeta laureatus.
In den Folgejahren erschienen:
Son- und Feyrtags Sonnete (1639) in diesen Gedichten kommt Gryphius` Lebensverachtung und Vertrauen an Gott zum Ausdruck
Epigrammata. Oden. Sonette; Erstes Buch (1643)
Oden; Zweites Buch (1650)
Oden; Drittes Buch (1657)
Nur wenige Jahre nach Opitz' Buch von der Deutschen Poeterey (1624) hatte damit ein Autor unabweisbar dargelegt, dass die deutsche Sprache durchaus für eine sehr anspruchsvolle Poesie geeignet war.
Von religiösen und teilweise politischen Überzeugungen geprägt sind Gryphius’ in deutscher Sprache abgefassten Dramen: Leo Armenius (1650), Catharina von Georgien (1657), durch dieses Stück bringt er zum Ausdruck, dass die irdischen Sachen, auch die Liebe, sehr nichtig sind, der Tod bezwingt alles Diesseitige, Cardenio und Celinde (1657), Carolus Stuardus (1657) und Papinianus (1659). Trotz erkennbarer Anspielungen auf zeitgenössische Vorgänge kann aber von deutlicher Kritik an politischen Zuständen nicht gesprochen werden, da es ihm vor allem darauf ankommt, in seinem dichterischen Schaffen die Vergänglichkeit menschlichen Tuns und Schaffens aufzuzeigen.
Neben Trauerspielen entstehen Komödien, die deutlicher noch erkennen lassen, dass Gryphius keinesfalls an eine Änderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse denkt. Wer in den Lustspielen Horribilicribifax (1657) und Peter Squentz (1658) den ihm zugewiesenen Platz im sozialen Gefüge nicht annimmt, wirkt schlichtweg komisch.
Andreas Gryphius repräsentiert die höchste Stufe der deutschen Barockliteratur. Er wird in die Reihe der schlesischen Dichter gestellt, die im 17. Jahrhundert das dichterische Niveau in Deutschland bestimmt hatten. Flüchtigkeit und Anfälligkeit des menschlichen Lebens sind die Grundmotive seiner von der kriegerischen Zeitumständen beeindruckten Lyrik. Sein tiefer Pessimismus und seine Frömmigkeit lassen ihn den Vanitas-Gedanken und die Allmacht Gottes in Kontrast stellen. Seine dramatischen Werke behandeln in erster Linie historische Motive und sind in Alexandrinern abgefasst.
22 Bewertungen, 1 Kommentar
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31.05.2002, 19:45 Uhr von roma1
Bewertung: sehr hilfreichEin toller Bericht von Dir. Liebe Grüße aUS Regensburg. Joanna
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