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Erfahrungsbericht von audicla

Hammesfahr, Petra: Der Puppengräber

Pro:

spannender Nervenkitzel, guter Aufbau, gut recherchiert

Kontra:

persönl. Geschichte des Inspektors überzogen, Person noch nicht ausgereift

Empfehlung:

Nein

Er tut doch keiner Fliege etwas zuleide? Oder etwa doch?

Da ist der geistig behinderte Ben, der bei seiner Familie auf dem Lande aufwächst. Zunächst harmlos mehren sich die Anzeichen dafür, dass Ben auch grausame Anteile hat oder ihm doch zumindest das Feingefühl fehlt, um die Wesen um ihn her nicht zu verletzen. Im Grund ist er ein guter Kerl, den auch fast alle im Dorf mögen. Nur zu Hause hält er es nicht lange aus. Immerzu streift er in der Landschaft umher, meist auch nachts. Seine Mutter toleriert das. Und doch ist sie die einzige, die darum weiß, dass er auch schon mal Katzen tötet oder kleine Küken in der Hand zerquetscht. Sie hat Angst davor, dass er ihr irgendwann weggenommen werden könnte und in ein Heim gesteckt wird. Deshalb schweigt sie, egal was sie sieht, bis ganz zum Schluß.
In dem Dorf verschwinden mehrere junge Mädchen. Niemand weiß, was mit ihnen geschehen ist, die Polizei hat keine Spur. Aber man glaubt an ein Verbrechen.
Da beginnt das Mißtrauen - nicht nur im Dorf - auch im Leser, auch in mir begann das Mißtrauen. Dies ist die zentrale Frage, die man sich immer wieder stellt - war er es oder war er es nicht.
Man sieht die Mutter, ihren Konflikt und doch kann man ihr Verhalten nicht recht verstehen, ihr Schweigen, weil man weiß, wie verhängnisvoll dieses Schweigen sein kann.
Eine Geschichte voller Spannung bis zur allerletzten Seite. Eine gelungene Auseinandersetzung mit Vorurteilen und deren Entstehung. Aber auch ein Fingerzeig darauf, dass die totale Behütung eines Menschen wie Ben, wie gut sie auch gemeint sein mag, schlimme Folgen haben kann.

Nachdem ich das Buch nach einem Tag ausgelesen hatte, stand ich am Abend kurz vor Kassenschluß schon in der Buchhandlung um mir die Fortsetzung "Lukkas Erbe" zu besorgen.

Den "Puppengräber" gibt es bei rororo als Taschenbuch, ISBN-Nr. 3-499-22528-X und er kostete im letzten Jahr noch 16,90 DM.





----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-29 20:54:12 mit dem Titel Hammesfahr, Petra: Die Chefin

Ehrgeiz & Co

Petra Hammesfahr, geb. 1951, hat in den letzten drei Jahren den deutschen Buchmarkt geradezu mit Veröffentlichungen überschwemmt. Nachdem „der Puppengräber“, „die Sünderin“ und „die Mutter“ Bestseller wurden, haben ihre letzten beiden Bücher etwas weniger Beachtung gefunden.

Nachdem ich anfänglich von der Machart ihrer Bücher geradezu fasziniert war, hat mich schon ihr „Meineid“ keineswegs beeindruckt und recht ähnlich erging es mir auch mit dem Buch „Die Chefin“, welches 2001 bei Rowohlt erschienen ist. Im Taschenbuch ist es unter der ISBN-Nr. 3 499 23132 8 zu bekommen.


Doch nun zum Inhalt:

Betty Theissen ist eine ehrgeizige Frau, die intelligent ist und weiß, was sie will. Sie hat sich hochgearbeitet, kommt aus einfachen Verhältnissen.
Die Firma ist ihr ein und alles. Schon ihr Vater hat hier gearbeitet, war aber wegen seines Alkoholismus als Nichtsnutz vor die Tür gesetzt worden. Betty glaubt schon früh, dass sie anders ist. Sie kann arbeiten und Leistung zeigen. Also bewirbt sie sich in der gleichen Firma und will zeigen, was sie kann.

Leider kommt auch sie nicht darum herum: Geschenkt wird ihr nichts. Erst muss sie den Sohn des Mannes heiraten, dem die Firma gehört, bevor sie wirklich Einfluss nehmen kann. Zum Glück weiß sie, dass sie den Sohn schnell in der Hand hat, ist er doch ein ähnlicher Nichtsnutz wie ihr Vater, der die Firma schon längst in den Bankrott getrieben hätte, wäre Betty nicht gewesen.

Doch ihr Einfluss reicht nicht aus, um zu verhindern, dass ihr Mann auf dem besten Weg ist, das letzte bisschen zu verjubeln, was noch da ist. Betty ist verantwortungsbewusst, sie will die Arbeiter nicht entlassen, die Firma ist ihr Werk, so meint sie.

Also heckt sie einen Plan aus. Mit Hilfe von Thomas Lehnerer, der ihr ein treu ergebener Geliebter ist (denn Betty ist zu allem auch noch schön und attraktiv) gelingt es ihr, ihren lästigen Ehemann zu töten. Es soll nach einem Unfall aussehen und wenn es dennoch rauskommt, dann wäre einfach Thomas Schuld, so ihr Plan (denn Betty ist auch hinterhältig und gerissen).

Und nun der Clou: Das Glück will es, dass die polizeiliche Untersuchung von einem naiven Dummkopf geleitet wird, Kommissar Georg Wassenberg, der zudem auch noch völlig unter Strom steht, weil er schon lange keine Frau mehr gehabt hat. Natürlich fällt er auf Bettys Masche komplett rein und es dauert das ganze Buch hindurch, bis er sie durchschaut.


Meine Meinung:

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, klingt in meiner Inhaltsangabe eine ganze Portion Ironie mit. Und das hat seinen Grund. Nachdem ich von der Sünderin, der Mutter und dem Puppengräber wirklich aufrichtig angetan war, finde ich, dass die Bücher von Petra Hammesfahr seither immer schlechter werden.

Dieses Buch war eine einzige Enttäuschung. Die Hauptperson Betty ist dermaßen überzeichnet, dass es einfach nur langweilig war. Anders als in vielen ihrer anderen Bücher gelingt es Petra Hammesfahr überhaupt nicht, den Leser auch nur einen Moment in Ungewissheit darüber zu versetzen, ob die Person nicht doch ganz anders sein könnte. So sehr entspricht sie dem Klischee.

Ebenso der naive Georg Wassenberg und nicht zuletzt Thomas Lehnerer, die Betty total ergeben sind und vor lauter Hingerissenheit nicht mehr klar denken können. Klischee Klischee Klischee.

Da fehlt jede Spannung und jede ernsthafte Auseinandersetzung mit den Protagonisten. Ja, man kann sie einfach nicht ernst nehmen.

Ein paar Andeutungen über Kindesmord und weitere grimmige Geschichten der Vergangenheit, in die sich das Buch verliert, die es jedoch nie restlos aufgreift und aufklärt, können auch nicht dazu beitragen, dass das Buch gewinnt.

Ein Buch, was bei mir den Eindruck hinterlassen hat, dass es nur geschrieben oder veröffentlicht wurde (vielleicht lag es ja schon lange in der Schublade), um die derzeitige Popularität noch mal so richtig auszukosten (auch finanziell).

Da lobe ich mir doch Autoren, die sich lieber ein oder zwei Jahre Zeit lassen, bevor sie ein neues Buch herausbringen, auf das man sich dann richtig freuen kann.

Gerade noch ein mittelmäßig, aber nicht ernsthaft empfehlenswert, so mein Resümee.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-28 14:54:39 mit dem Titel Hofmann, Corinne: Die weiße Massai

Die weiße Frau und ihr Geld

Ich hatte Corinne Hofmann einmal durch Zufall bei Biolek gesehen, wo sie kurz über ihre Erlebnisse in Kenia als Frau eines Massai berichten durfte. Als Zuschauerin schwankte ich zwischen dem Gefühl sie als naiv abzustempeln und andererseits aber doch Interesse an ihrer Geschichte zu empfinden. Ich hatte dann auch schon einige Meinungen über ihr Buch „Die weiße Massai“ gehört – z. T. auch hier bei Ciao gelesen – die nicht unbedingt dafür sprachen das Buch zu lesen.
Als ich es dann aber bei 2001 für 5 Euro angeboten sah, schlug ich schließlich doch zu und bestellte es mir.

Für diejenigen, die noch nicht von dem Buch gehört haben sollten: Das Buch ist ein autobiographischer Bericht der Schweizerin Corinne Hofmann, einer in der Schweiz recht erfolgreichen Geschäftsfrau im Bereich Mode, die sich in einem Urlaub in Kenia in einen Massai-Krieger verliebt, schließlich Kontakt herstellt und zurückkehrt und bei ihm bleibt. Sie verbringt insgesamt vier Jahre in Kenia, dabei eine lange Zeit im Busch unter sehr einfachen und kargen Lebensbedingungen, heiratet ihn und bekommt auch eine Tochter. Nach vier Jahren jedoch hat sie vor allem wegen der zunehmenden krankhaft anmutenden Eifersucht ihres Mannes die Nase voll und geht in die Schweiz zurück. Dies als ganz kurzer Abriß.

Gerade zu Beginn des Berichtes war ich tatsächlich von der Naivität und der romantischen Verklärtheit ziemlich befremdet. Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass besagter Massai-Krieger gar nicht so besonders an Corinne interessiert war und sie sich ihm sehr aufdrängte. Natürlich kann ich mir nicht anmaßen zu behaupten, dass diese Liebe niemals auf Gegenseitigkeit beruhte, so sehr steckt man ja als Leser da nicht drin, aber dass hier doch sehr unterschiedliche Interessen und Vorstellungen aufeinandergestoßen sind, kann man schon schnell erkennen. Im Laufe des weiteren Berichtes wird deutlich wie krass die kulturellen Unterschiede sind und dass von einem wirklichen gegenseitigen Verständnis gar nicht die Rede sein kann. Corinne gibt jede Menge Geld aus, was sie eine zeitlang relativ problemlos in der Schweiz anfordern kann und sichert sich damit eine Position, die es ihrem Mann, seiner Familie und auch den übrigen Dorfbewohnern sehr schwer macht, sie wieder nach Hause zu schicken. Schließlich erfahren sie ja durch Corinne eine Art materiellen Aufstieg – wer sagt da schon nein.

Ich konnte aber auch die inneren Kämpfe von Corinne zumindest zum Teil nachvollziehen, die es ihr schwer machten das Land und ihren Mann schon viel früher wieder zu verlassen, als die es tat. Da sind zum einen ihre starken Gefühle für den Mann, ihr Erlebnishunger, ihr Verantwortungsgefühl und vielleicht auch die Schmach, die ihr in der Schweiz drohte, wenn sie zugeben müsste, dass sie gescheitert war. Trotzdem fiel es mir schwer nachzuvollziehen, warum sie trotz Not (in allen Bereichen: existentiell, gesundheitlich, seelisch) nicht früher die Notbremse zog. Am Ende hat sie noch Glück gehabt, dass ihr Mann sie mit der gemeinsamen Tochter das Land verlassen ließ. Es gibt mittlerweile genug Geschichten aus denen wir wissen, dass dies durchaus nicht immer der Fall ist.

Bewundert habe ich trotzdem ihr Durchhaltevermögen, ihre Zähigkeit (auch nach schwerer Malaria-Erkrankung immer wieder weiterzumachen) und ihren großen Ideenreichtum, der es ihr erlaubte auch ihre eigene Lebenssituation zumindest teilweise in den vier Jahren immer weiter zu verbessern. So eröffnet sie z. B. einen Laden und kann damit zeitweilig dem Hungern entkommen und auch die übrigen Dorfbewohner dadurch vor dem Hungern bewahren. Trotzdem darf man dabei ihre europäische Erziehung, ihre Erfahrungen als Geschäftsfrau in der Schweiz und das nötige Kleingeld in Form von Startkapital nicht vergessen, das den Einwohnern in dieser Form nie zugänglich war.

Es fällt ihr dann schwer damit zu leben, dass ihr Mann diese Fortschritte immer wieder zunichte macht, weil er wenig Bildung, keinen Geschäftssinn und auch nicht die nötige (europäische?) Einstellung hat. Hier denke ich, dass sie genau mit diesen Problemen hätte rechnen müssen und ihr die Enttäuschung erspart geblieben wäre, wenn sie vorher von Ihrem Verstand Gebrauch gemacht hätte.

Dass sie über diesen verfügt ist offensichtlich. Und ich bin weit davon entfernt, sie für dumm zu halten. Das ist sie ganz und gar nicht. Dann hätte sie diese vier Jahre nicht so gestaltet, wie sie waren und auch dieses Buch nicht geschrieben, dass durchaus gut lesbar ist, auch sehr spannend. Ich habe es trotz aller Vorbehalte in drei Tagen durchgelesen und darin vieles über die Lebensbedingungen der Massai erfahren. Auch so manches Aussteigerschicksal wird am Rande erzählt.

Dem, der sich für fremde Länder und deren Leben, Alltag und Kultur interessiert, wird in ihrem Buch eine ganze Menge geboten, da sie durch ihr Leben unter den Massai vieles an eigener Haut erlebt hat. Allerdings bin ich den Eindruck trotzdem nicht losgeworden, dass sie sich nie gänzlich in das Denken und Fühlen ihres Mannes und der übrigen Dorfbewohner hat einfühlen können. Diese Art von abschließendem Verständnis fehlt.

Alles in allem ist das Buch aber zurecht ein Bestseller geworden, weil es einfach spannend und gut lesbar ist. Der Schreibstil ist dabei o.k., allerdings nicht als literarisch zu bezeichnen.

Insgesamt bewerte ich das Buch als „befriedigend“.

Es ist 1999 im A1-Verlag erschienen und unter der ISBN-Nr. 3-927743-36-4 erhältlich. Das Buch hat etwas über 300 Seiten und im Anhang einige Farbfotografien. Mittlerweile ist es über Buchclubs oder z. B. 2001 auch gebundener Form sehr günstig zu haben.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-08 09:06:58 mit dem Titel Hammesfahr, Petra: Die Mutter - eine Mutter sucht ihr Kind-

Spurlos verschwunden – Eine Mutter sucht ihr Kind

Einige der zuletzt erschienenen Bücher von Petra Hammesfahr haben mir überhaupt nicht mehr gefallen. Ich hatte dabei den Eindruck, sie wären irgendwo in der Schublade gelegen und noch mal schnell auf den Markt geworfen worden, bevor es mit der Popularität der Autorin wieder den Bach runtergeht.

Anders erging es mir jedoch bei ihrem Buch „Die Mutter“, welches 2000 bei Rowohlt erschien, seit 2001 als Taschenbuch auf dem Markt ist. „Die Mutter“ ist ein wirklicher Psycho-Thriller, der einem an den Nerv geht. Vor allem für Menschen, die selber Eltern sind, ist es harter Tobak.

Auf der Taschenbuch-Ausgabe von Rowohlt sehen wir vorn auf dem Cover in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme zwei ca. 10jährige Mädchen mit hübschen Sommerkleidchen und langen Haaren auf einem Rasen miteinander tanzen. Ein schönes idyllisches Bild, welches verbunden mit dem Titel „Die Mutter“ kaum einen Leser, der Petra Hammesfahr nicht kennt, auf die Idee bringen würde, worum es in diesem Buch geht. Denn die Idylle ist lediglich der Ausgangspunkt ihre Buches, von wo sie sich dann immer weiter entfernt:

Vera Zardiss ist die Mutter. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann, welcher als Gynäkologe tätig ist, sowie mit ihren beiden Töchtern Anne und Rena und ihren Eltern erst seit kurzer Zeit auf einem ausgebauten Bauernhof auf dem Lande. Alles scheint idyllisch. Die neue Heimat ist für Tochter Anne sofort akzeptabel. Schöne Räumlichkeiten und schließlich hat sie ja einen motorisierten Freund. Anders für Rena. Sie findet es öde auf dem Land zu wohnen, fernab von all ihren Freunden – solange bis sie eines Tages die Liebe zu einem Pferd entdeckt, zunächst noch ein Fohlen. So kommt es, dass Rena bald schon kaum noch zu Hause ihre Zeit verbringt, sondern eigentlich fast immer im Reitstall zu finden ist, der jedoch ganz in der Nähe liegt. Auch dass das Haus genügend Platz für Veras Eltern bietet, empfindet diese als Segen. Eine perfekte Großfamilie sind sie nun. Sorgen gibt es nicht.

Solange nicht, bis Rena kurz vor ihrem 16. Geburtstag eines Abends spurlos verschwindet. Nach einem Unwetter kommt sie am Abend nicht mehr wie verabredet aus dem Reitstall nach Hause. Zunächst denken alle, sie wäre wegen des Regens im Stall geblieben. Doch man findet sie dort nicht. Lediglich ihr Fahrrad wird etwas später in der Nähe des Bahnhofs gefunden, womit die Suche beginnt.

Nun gelingt es Petra Hammesfahr im weiteren Verlauf der Geschichte eine starke Spannung permanent aufrecht zu erhalten. Neben der Sorge und furchtbaren Angst um die Tochter fliegt nun das Idyll der Familie Stück um Stück auseinander. Da tauchen auf einmal Freunde der Tochter auf, von denen niemand gedacht hätte, dass sie mit diesen überhaupt noch etwas zu tun gehabt hätte. Das Verhältnis zu Veras Eltern entpuppt sich nach und nach zu dem, was es eigentlich immer war. Von Familienidyll keine Rede. Auch Veras Verhältnis zu ihrem Mann wird auf eine harte Probe gestellt und mit einmal fühlt sie sich ganz allein auf der Suche nach ihrem Kind. Doch auch diese Tochter und ihre Beziehung zu ihr gestalten sich anders, werden im Rückblick noch einmal zerlegt und zeigen einen tiefen inneren Konflikt, der sie die ganzen Jahre über begleitet hat und doch jetzt erst, nach ihrem Verschwinden, wieder Gestalt annimmt.

So gelingt es Hammesfahr die Fassaden dieser Familie zu lüften. Doch daneben geht es immer und voller Spannung um die Suche nach der vermissten Tochter, um die Ängste, sie verloren zu haben.
Wir sie wiedergefunden? Das werde ich hier nicht verraten.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich finde, dass es eines der besten Bücher von Petra Hammesfahr ist. Einerseits basiert es auf der Spannung, die permanent erzeugt wird. Andererseits entfaltet der Roman seine Stärke bei der Analyse der Familie und deren Geschichte, die ebenfalls spannend und oft überraschend ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass eine so angespannte krisenhafte Situation tatsächlich dazu führen kann in einer Familie vieles auf den Tisch zu bringen, worüber vorher geschwiegen wurde. Durch die Ängste und Sorgen kommt man sich näher, kann sich weniger verstecken oder den ganzen Alltagskram in den Vordergrund stellen. Durch die Notwendigkeit wirklich zusammenzuhalten und an einem Strang zu ziehen, kommen die Differenzen, die vielleicht doch vorhanden sind, offener auf den Tisch. Insofern eine Geschichte, die gut vorstellbar ist und mir nachvollziehbar erscheint.

Der Roman ist in der Ich-Form aus der Sicht der Mutter, Vera, geschrieben, was ihn noch authentischer erscheinen lässt, da er sich wie ein wirklicher Bericht der Geschehnisse liest.

Ein spannendes interessantes Buch, welches man aber nicht unbedingt jeder Mutter oder jedem Vater empfehlen sollte, weil es doch auch die ohnehin meist vorhandenen Ängste davor, das eigene Kind einmal verlieren zu können, sehr stark anspricht.

Das Buch „Die Mutter“ gibt es als rororo Taschenbuch für 9,90 Euro. ISBN-Nr. 3-499-22992-7. Es hat 397 Seiten.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-08 09:08:52 mit dem Titel Hammesfahr, Petra: Die Mutter (Eine Mutter sucht ihre Tochter)

Spurlos verschwunden – Eine Mutter sucht ihr Kind

Einige der zuletzt erschienenen Bücher von Petra Hammesfahr haben mir überhaupt nicht mehr gefallen. Ich hatte dabei den Eindruck, sie wären irgendwo in der Schublade gelegen und noch mal schnell auf den Markt geworfen worden, bevor es mit der Popularität der Autorin wieder den Bach runtergeht.

Anders erging es mir jedoch bei ihrem Buch „Die Mutter“, welches 2000 bei Rowohlt erschien, seit 2001 als Taschenbuch auf dem Markt ist. „Die Mutter“ ist ein wirklicher Psycho-Thriller, der einem an den Nerv geht. Vor allem für Menschen, die selber Eltern sind, ist es harter Tobak.

Auf der Taschenbuch-Ausgabe von Rowohlt sehen wir vorn auf dem Cover in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme zwei ca. 10jährige Mädchen mit hübschen Sommerkleidchen und langen Haaren auf einem Rasen miteinander tanzen. Ein schönes idyllisches Bild, welches verbunden mit dem Titel „Die Mutter“ kaum einen Leser, der Petra Hammesfahr nicht kennt, auf die Idee bringen würde, worum es in diesem Buch geht. Denn die Idylle ist lediglich der Ausgangspunkt ihre Buches, von wo sie sich dann immer weiter entfernt:

Vera Zardiss ist die Mutter. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann, welcher als Gynäkologe tätig ist, sowie mit ihren beiden Töchtern Anne und Rena und ihren Eltern erst seit kurzer Zeit auf einem ausgebauten Bauernhof auf dem Lande. Alles scheint idyllisch. Die neue Heimat ist für Tochter Anne sofort akzeptabel. Schöne Räumlichkeiten und schließlich hat sie ja einen motorisierten Freund. Anders für Rena. Sie findet es öde auf dem Land zu wohnen, fernab von all ihren Freunden – solange bis sie eines Tages die Liebe zu einem Pferd entdeckt, zunächst noch ein Fohlen. So kommt es, dass Rena bald schon kaum noch zu Hause ihre Zeit verbringt, sondern eigentlich fast immer im Reitstall zu finden ist, der jedoch ganz in der Nähe liegt. Auch dass das Haus genügend Platz für Veras Eltern bietet, empfindet diese als Segen. Eine perfekte Großfamilie sind sie nun. Sorgen gibt es nicht.

Solange nicht, bis Rena kurz vor ihrem 16. Geburtstag eines Abends spurlos verschwindet. Nach einem Unwetter kommt sie am Abend nicht mehr wie verabredet aus dem Reitstall nach Hause. Zunächst denken alle, sie wäre wegen des Regens im Stall geblieben. Doch man findet sie dort nicht. Lediglich ihr Fahrrad wird etwas später in der Nähe des Bahnhofs gefunden, womit die Suche beginnt.

Nun gelingt es Petra Hammesfahr im weiteren Verlauf der Geschichte eine starke Spannung permanent aufrecht zu erhalten. Neben der Sorge und furchtbaren Angst um die Tochter fliegt nun das Idyll der Familie Stück um Stück auseinander. Da tauchen auf einmal Freunde der Tochter auf, von denen niemand gedacht hätte, dass sie mit diesen überhaupt noch etwas zu tun gehabt hätte. Das Verhältnis zu Veras Eltern entpuppt sich nach und nach zu dem, was es eigentlich immer war. Von Familienidyll keine Rede. Auch Veras Verhältnis zu ihrem Mann wird auf eine harte Probe gestellt und mit einmal fühlt sie sich ganz allein auf der Suche nach ihrem Kind. Doch auch diese Tochter und ihre Beziehung zu ihr gestalten sich anders, werden im Rückblick noch einmal zerlegt und zeigen einen tiefen inneren Konflikt, der sie die ganzen Jahre über begleitet hat und doch jetzt erst, nach ihrem Verschwinden, wieder Gestalt annimmt.

So gelingt es Hammesfahr die Fassaden dieser Familie zu lüften. Doch daneben geht es immer und voller Spannung um die Suche nach der vermissten Tochter, um die Ängste, sie verloren zu haben.
Wir sie wiedergefunden? Das werde ich hier nicht verraten.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich finde, dass es eines der besten Bücher von Petra Hammesfahr ist. Einerseits basiert es auf der Spannung, die permanent erzeugt wird. Andererseits entfaltet der Roman seine Stärke bei der Analyse der Familie und deren Geschichte, die ebenfalls spannend und oft überraschend ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass eine so angespannte krisenhafte Situation tatsächlich dazu führen kann in einer Familie vieles auf den Tisch zu bringen, worüber vorher geschwiegen wurde. Durch die Ängste und Sorgen kommt man sich näher, kann sich weniger verstecken oder den ganzen Alltagskram in den Vordergrund stellen. Durch die Notwendigkeit wirklich zusammenzuhalten und an einem Strang zu ziehen, kommen die Differenzen, die vielleicht doch vorhanden sind, offener auf den Tisch. Insofern eine Geschichte, die gut vorstellbar ist und mir nachvollziehbar erscheint.

Der Roman ist in der Ich-Form aus der Sicht der Mutter, Vera, geschrieben, was ihn noch authentischer erscheinen lässt, da er sich wie ein wirklicher Bericht der Geschehnisse liest.

Ein spannendes interessantes Buch, welches man aber nicht unbedingt jeder Mutter oder jedem Vater empfehlen sollte, weil es doch auch die ohnehin meist vorhandenen Ängste davor, das eigene Kind einmal verlieren zu können, sehr stark anspricht.

Das Buch „Die Mutter“ gibt es als rororo Taschenbuch für 9,90 Euro. ISBN-Nr. 3-499-22992-7. Es hat 397 Seiten.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-08 09:16:25 mit dem Titel Hammesfahr, Petra: Die Mutter - eine Mutter sucht ihr verschwundenes Kind-

Spurlos verschwunden – Eine Mutter sucht ihr Kind

Einige der zuletzt erschienenen Bücher von Petra Hammesfahr haben mir überhaupt nicht mehr gefallen. Ich hatte dabei den Eindruck, sie wären irgendwo in der Schublade gelegen und noch mal schnell auf den Markt geworfen worden, bevor es mit der Popularität der Autorin wieder den Bach runtergeht.

Anders erging es mir jedoch bei ihrem Buch „Die Mutter“, welches 2000 bei Rowohlt erschien, seit 2001 als Taschenbuch auf dem Markt ist. „Die Mutter“ ist ein wirklicher Psycho-Thriller, der einem an den Nerv geht. Vor allem für Menschen, die selber Eltern sind, ist es harter Tobak.

Auf der Taschenbuch-Ausgabe von Rowohlt sehen wir vorn auf dem Cover in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme zwei ca. 10jährige Mädchen mit hübschen Sommerkleidchen und langen Haaren auf einem Rasen miteinander tanzen. Ein schönes idyllisches Bild, welches verbunden mit dem Titel „Die Mutter“ kaum einen Leser, der Petra Hammesfahr nicht kennt, auf die Idee bringen würde, worum es in diesem Buch geht. Denn die Idylle ist lediglich der Ausgangspunkt ihre Buches, von wo sie sich dann immer weiter entfernt:

Vera Zardiss ist die Mutter. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann, welcher als Gynäkologe tätig ist, sowie mit ihren beiden Töchtern Anne und Rena und ihren Eltern erst seit kurzer Zeit auf einem ausgebauten Bauernhof auf dem Lande. Alles scheint idyllisch. Die neue Heimat ist für Tochter Anne sofort akzeptabel. Schöne Räumlichkeiten und schließlich hat sie ja einen motorisierten Freund. Anders für Rena. Sie findet es öde auf dem Land zu wohnen, fernab von all ihren Freunden – solange bis sie eines Tages die Liebe zu einem Pferd entdeckt, zunächst noch ein Fohlen. So kommt es, dass Rena bald schon kaum noch zu Hause ihre Zeit verbringt, sondern eigentlich fast immer im Reitstall zu finden ist, der jedoch ganz in der Nähe liegt. Auch dass das Haus genügend Platz für Veras Eltern bietet, empfindet diese als Segen. Eine perfekte Großfamilie sind sie nun. Sorgen gibt es nicht.

Solange nicht, bis Rena kurz vor ihrem 16. Geburtstag eines Abends spurlos verschwindet. Nach einem Unwetter kommt sie am Abend nicht mehr wie verabredet aus dem Reitstall nach Hause. Zunächst denken alle, sie wäre wegen des Regens im Stall geblieben. Doch man findet sie dort nicht. Lediglich ihr Fahrrad wird etwas später in der Nähe des Bahnhofs gefunden, womit die Suche beginnt.

Nun gelingt es Petra Hammesfahr im weiteren Verlauf der Geschichte eine starke Spannung permanent aufrecht zu erhalten. Neben der Sorge und furchtbaren Angst um die Tochter fliegt nun das Idyll der Familie Stück um Stück auseinander. Da tauchen auf einmal Freunde der Tochter auf, von denen niemand gedacht hätte, dass sie mit diesen überhaupt noch etwas zu tun gehabt hätte. Das Verhältnis zu Veras Eltern entpuppt sich nach und nach zu dem, was es eigentlich immer war. Von Familienidyll keine Rede. Auch Veras Verhältnis zu ihrem Mann wird auf eine harte Probe gestellt und mit einmal fühlt sie sich ganz allein auf der Suche nach ihrem Kind. Doch auch diese Tochter und ihre Beziehung zu ihr gestalten sich anders, werden im Rückblick noch einmal zerlegt und zeigen einen tiefen inneren Konflikt, der sie die ganzen Jahre über begleitet hat und doch jetzt erst, nach ihrem Verschwinden, wieder Gestalt annimmt.

So gelingt es Hammesfahr die Fassaden dieser Familie zu lüften. Doch daneben geht es immer und voller Spannung um die Suche nach der vermissten Tochter, um die Ängste, sie verloren zu haben.
Wir sie wiedergefunden? Das werde ich hier nicht verraten.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich finde, dass es eines der besten Bücher von Petra Hammesfahr ist. Einerseits basiert es auf der Spannung, die permanent erzeugt wird. Andererseits entfaltet der Roman seine Stärke bei der Analyse der Familie und deren Geschichte, die ebenfalls spannend und oft überraschend ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass eine so angespannte krisenhafte Situation tatsächlich dazu führen kann in einer Familie vieles auf den Tisch zu bringen, worüber vorher geschwiegen wurde. Durch die Ängste und Sorgen kommt man sich näher, kann sich weniger verstecken oder den ganzen Alltagskram in den Vordergrund stellen. Durch die Notwendigkeit wirklich zusammenzuhalten und an einem Strang zu ziehen, kommen die Differenzen, die vielleicht doch vorhanden sind, offener auf den Tisch. Insofern eine Geschichte, die gut vorstellbar ist und mir nachvollziehbar erscheint.

Der Roman ist in der Ich-Form aus der Sicht der Mutter, Vera, geschrieben, was ihn noch authentischer erscheinen lässt, da er sich wie ein wirklicher Bericht der Geschehnisse liest.

Ein spannendes interessantes Buch, welches man aber nicht unbedingt jeder Mutter oder jedem Vater empfehlen sollte, weil es doch auch die ohnehin meist vorhandenen Ängste davor, das eigene Kind einmal verlieren zu können, sehr stark anspricht.

Das Buch „Die Mutter“ gibt es als rororo Taschenbuch für 9,90 Euro. ISBN-Nr. 3-499-22992-7. Es hat 397 Seiten.



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-28 09:16:48 mit dem Titel Hayder, Mo: Die Behandlung - Wenn ich das geahnt hätte ...

Wenn ich das geahnt hätte ....

„Mo Hayder“, den Namen hatte ich schon ein paar Mal gehört. Ich wusste allerdings gar nicht so recht, was sich dahinter verbirgt. Einmal hatte ich den Erstlingsroman „Der Vogelmann“ von ihr verschenken wollen, mich dann aber doch für ein anders Buch entschieden.

Nun machte mir der Bücherclub wieder einmal ein verlockendes Wiedereinstiegsangebot (ich war gerade ausgetreten). Für nur 4 Euro durfte ich mir 4 schöne gebundene Bücher ihres Sortiments aussuchen. Spontan griff ich zu und das Buch „Die Behandlung“ von besagter Mo Hayder bestellte ich wohl mehr aus Neugier mit.

Mo Hayder wurde durch den Roman „Der Vogelmann“ international bekannt. Ihre Thriller werden mit denen von Highsmith aber auch mit Werken wie „Das Schweigen der Lämmer“ verglichen und das nicht zu Unrecht. Die Autorin, so erfahre ich es aus dem Klappentext, wurde in England geboren, verließ bereits mit 15 Jahren ihr Elternhaus, tingelte einige Jahre durchs Ausland und lebt heute mit Tochter und Lebensgefährten in London. Zur Zeit arbeitet sie noch an ihrem dritten Buch.

Als das Buch bei mir eintraf, war ich gar nicht mehr so überzeugt davon, dass es etwas für mich wäre. Schließlich mag ich Krimis, aber richtige Schocker sind eigentlich nicht so mein Ding.

Zum Inhalt:
Inspektor Jack Caffery hat hier einen schwierigen Fall zu lösen. Ein Unbekannter hat eine ganze Familie überfallen, Mutter und Vater tagelang gefesselt und deren kleinen 8jährigen Sohn misshandelt. Als er überrascht wird, schleppt er den Jungen mit sich fort. Tagelang sucht die Polizei nach ihm, bis er schließlich angekettet auf einem Baum im naheliegenden Park tot aufgefunden wird. Der Junge ist verdurstet.

Für Jack Caffery ist der Fall nicht nur deshalb schwierig, weil es sich um ein besonders grausiges Verbrechen handelt, sondern weil es ihn an sein eigenes Trauma erinnert. Vor vielen Jahren verschwand sein eigener kleiner Bruder und wurde nie wieder gefunden. Schon lange hat er einen bestimmten Mann aus pädophilen Kreisen in Verdacht, ohne aber etwas beweisen zu können.

Die Eltern des Jungen machen wenig nützliche Aussagen, die zur Aufklärung des Verbrechens beitragen könnten. Doch recht schnell kommt plötzlich das alte Gerücht von einem „Troll“ auf, der in den Bäumen herumspringt und kleine Kinder frisst. Caffery ahnt, dass dieser Troll eine Bedeutung hat und findet heraus, dass es bereits in der Vergangenheit ähnliche Verbrechen gegeben hat und besagter „Troll“ nur ein Pseudonym für die Person ist, nach der sie suchen müssen.

Nun beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit, denn Caffery ahnt, was auch bald schon Realität ist, dass der Täter bereits die nächste Familie im Visier hat.

Dieses Buch ist extrem grausig und geht wirklich an die Nieren. Pädophile Verbrechen und deren Netzwerke werden auseinandergenommen. Internet, Video, versklavte Kinder und das Netzwerk, dass sich diese Kreise aufbauen, beleuchtet. Daneben aber immer wieder die fiebernde Suche nach dem Täter mit dem Wissen des Lesers, dass er bereits eine neue Familie in seiner Gewalt hat. So gruselig dieses Buch auch ist, so spannend ist es auch, so dass ich es wie süchtig weiterlesen musste, immer in der Hoffnung darauf, dass es doch noch am Ende ein happy end geben würde, was meine angereizten Nerven wieder beruhigen würde.

Auf jeden Fall kein Buch für Leute mit schlechten Nerven oder dem Hang zu Alpträumen.

Von den Stilmitteln her fällt besonders der rasche Wechsel zwischen den einzelnen Szenen auf. Verschiedenste Situationen und Personen werden in absolut kurzer Weise nacheinander weitergeführt. Manchmal widmet sie einem der Handlungsstränge nur eine halbe Seite und schon sind wir wieder woanders. Zunächst dachte ich, dass dies irritierend sein müsste. Ist es aber nicht. Man verliert nicht den Faden und die Spannung wird dadurch sogar noch gesteigert. Von der Außergewöhnlichkeit des Verbrechens erinnert es fast ein wenig an Mankells Krimis, der ja zumeist auch psychopathische Täter erfindet deren Verbrechen einen komplexen Hintergrund haben. Auch dies ist hier gegeben.

Weniger gut allerdings hat mir der Inspektor Caffery gefallen. Seine persönliche Geschichte und sein Privatleben fand ich oft überzogen dargestellt. Dass er nicht nur seinen kleinen Bruder früh verloren hat, sondern seine Partnerin auch noch das Opfer eines Gewaltverbrechens ist, welches sie noch nicht verarbeitet hat, fand ich ein wenig zu viel des Guten. Allerdings scheint dies an den ersten Roman „Der Vogelmann“ anzuknüpfen, den ich auch nicht kenne, sondern von dem ich nur den groben Inhalt weiß.
Dass Caffery nach ca. 20 Jahren immer noch mit solcher Akribie nach seinem Bruder sucht, erschien mir unwahrscheinlich und unglaubwürdig. So wurde ich mit der Person des Inspektors nicht so recht warm, was jedoch der Spannung des Buches keinen Abbruch tut.

Wer glaubt bei diesem Buch mit einem Umfang von 500 Seiten, dass man sich schon bald eine ungefähre Vorstellung vom Täter oder seinen Verbrechen machen kann, irrt sich. Bis zum Schluss hin steigert Mo Hayder die Scheußlichkeiten noch, mit denen man sich hier auseinandersetzen muss. Und doch ist es nicht undenkbar, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Tägliche Zeitungsmeldungen über Missbrauch und sexuelle Ausbeutung von Kindern lassen uns leider wissen, dass dieses Thema keinesfalls an den Haaren herbeigezogen ist.

Fazit:
Garantierte Spannung und Nervenkitzel, die einem immer mal wieder sauer aufstoßen, weil das Thema so ernst ist und Angst erzeugt. Von der Machart dabei ziemlich genial. Ein in meinen Augen allerdings noch nicht wirklich ausgereifter und überzeugender Ermittler.
Alles in allem hat es auf jeden Fall eine Bewertung mit 4 Sternen bzw. als gut verdient.
Nicht für alle und in jedem Fall empfehlenswert. Verschenken würde ich das Buch jedenfalls nur an die Menschen, von denen ich garantiert weiß, dass sie so starken Tobak auch vertragen können.

Den Roman „Die Behandlung“ von Mo Hayder gibt es als gebundene Ausgabe im Bertelsmann Club zum Preis von 17,90 Euro. Die verlagseigene Ausgabe bei Goldmann kostet 22,90 Euro. Als Taschenbuch gibt es dieses Buch meines Wissen noch nicht.

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