Erfahrungsbericht von HelgeTeuscher
Harris, Thomas: "Hannibal" - Sympathie für ein Monster?
Pro:
Spannende Lektüre
Kontra:
Die Wendung zum Schluß wirkt gezwungen
Empfehlung:
Nein
Thomas Harris hat ein Sequel geschrieben zum \"Schweigen der Lämmer\": mit \"Hannibal\" ist Dr. Lecter wieder zu uns zurückgekehrt.
Dr. Hannibal Lecter ist Arzt (Psychiater) und schätzt den Genuß von menschlichem Fleisch. Gleichzeitig besitzt er einen gewalten Intellekt, was ihn zu einer faszinierenden Persönlichkeit macht. Im \"Schweigen der Lämmer\" ist Dr. Lecter aus staatlicher Obhut entkommen und seitdem untergetaucht. Es besteht eine bizarr anmutende Beziehung zwischen der FBI-Agentin Clarice Starling und ihm. Dr. Lecter hat im ersten Roman quasi als Profiler Hinweise gegeben, einen Serienmörder zu finden - im Austausch gegen Persönliches aus dem Leben von Starling.
Nun soll Dr. Lecter gefaßt werden. Starling wird auf ihn angesetzt. Dr. Lecter hat ab und an brieflichen Kontakt mit ihr. Er ist in Ialien und dort in einem Museum tätig. Seiner Leidenschaft, Menschenfleisch zu verzehren, geht er weiter nach. Eines seiner überlenden Opfer von früher, ein reicher Unternehmer, versucht ebenfalls, Dr. Lecter zu fassen und grausam Rache zu nehmen: Er läßt Schweine abrichten, gefesselte Menschen bei lebendigem Leib zu fressen. Zwar wird Dr. Lecter immer als \"il monstro\" tituliert, aber das wahre Monster ist sein Jäger.
Starling kommt daher schließlich in eine Zwangslage, ob sie sich für oder gegen Dr. Lecter entscheiden soll.
Eines läßt sich für den Schluß noch verraten: das Buch endet mit einem interessanten Dinner.
Das Reizvolle an der leichten Lektüre ist, daß der Leser immer mehr Sympathie für Dr. Lecter empfindet und die klassische Aufteilung von Gut und Böse am Ende des Buches zu nichts mehr wert ist. Der Kontrast zwischen dem gelehrten Kunstkenner Lecter und seinen intellektuell unterlegenen und teilweise primitiv erscheinenden Verfolgern macht mit einen Reiz dieses Buches aus. Harris wechselt regelmäßig die Perspektive: mal scheint er hinter Dr. Lecter zu stehen, dann sieht er seine Umgebung mit den Augen von Agent Starling oder einem der Jäger von \"il monstro\". Zynismus und schwarzer Humor kommen ebenfalls nicht zu kurz, etwa bei der Darstellung des Todes einer historischen Person, was sich Jahrhunderte später dann wiederholt bei einem Nachkommen. Etwas schade ist, dass die Wendung zum Schluß des Buches ein wenig gezwungen wird. Und ein \"Fortsetzung folgt\" drängt sich geradezu auf.
Ich empfehle die englische Originalfassung.
Nach der Lektüre des Buches fällt die Verfilmung von \"Hannibal\" leider etwas ab.
(Diese Meinung habe ich in etwas kürzerer Form bereits auf dooyoo.de veröffentlicht.)
Dr. Hannibal Lecter ist Arzt (Psychiater) und schätzt den Genuß von menschlichem Fleisch. Gleichzeitig besitzt er einen gewalten Intellekt, was ihn zu einer faszinierenden Persönlichkeit macht. Im \"Schweigen der Lämmer\" ist Dr. Lecter aus staatlicher Obhut entkommen und seitdem untergetaucht. Es besteht eine bizarr anmutende Beziehung zwischen der FBI-Agentin Clarice Starling und ihm. Dr. Lecter hat im ersten Roman quasi als Profiler Hinweise gegeben, einen Serienmörder zu finden - im Austausch gegen Persönliches aus dem Leben von Starling.
Nun soll Dr. Lecter gefaßt werden. Starling wird auf ihn angesetzt. Dr. Lecter hat ab und an brieflichen Kontakt mit ihr. Er ist in Ialien und dort in einem Museum tätig. Seiner Leidenschaft, Menschenfleisch zu verzehren, geht er weiter nach. Eines seiner überlenden Opfer von früher, ein reicher Unternehmer, versucht ebenfalls, Dr. Lecter zu fassen und grausam Rache zu nehmen: Er läßt Schweine abrichten, gefesselte Menschen bei lebendigem Leib zu fressen. Zwar wird Dr. Lecter immer als \"il monstro\" tituliert, aber das wahre Monster ist sein Jäger.
Starling kommt daher schließlich in eine Zwangslage, ob sie sich für oder gegen Dr. Lecter entscheiden soll.
Eines läßt sich für den Schluß noch verraten: das Buch endet mit einem interessanten Dinner.
Das Reizvolle an der leichten Lektüre ist, daß der Leser immer mehr Sympathie für Dr. Lecter empfindet und die klassische Aufteilung von Gut und Böse am Ende des Buches zu nichts mehr wert ist. Der Kontrast zwischen dem gelehrten Kunstkenner Lecter und seinen intellektuell unterlegenen und teilweise primitiv erscheinenden Verfolgern macht mit einen Reiz dieses Buches aus. Harris wechselt regelmäßig die Perspektive: mal scheint er hinter Dr. Lecter zu stehen, dann sieht er seine Umgebung mit den Augen von Agent Starling oder einem der Jäger von \"il monstro\". Zynismus und schwarzer Humor kommen ebenfalls nicht zu kurz, etwa bei der Darstellung des Todes einer historischen Person, was sich Jahrhunderte später dann wiederholt bei einem Nachkommen. Etwas schade ist, dass die Wendung zum Schluß des Buches ein wenig gezwungen wird. Und ein \"Fortsetzung folgt\" drängt sich geradezu auf.
Ich empfehle die englische Originalfassung.
Nach der Lektüre des Buches fällt die Verfilmung von \"Hannibal\" leider etwas ab.
(Diese Meinung habe ich in etwas kürzerer Form bereits auf dooyoo.de veröffentlicht.)

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