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Erfahrungsbericht von starfax

Petra Hammesfahr, "Das Geheimnis der Puppe"

Pro:

spannend

Kontra:

konstruiert, unlogisch

Empfehlung:

Nein

Letztens hat mir meine Schwägerin ein Buch ausgeliehen, es heißt „das Geheimnis der Puppe\" und sollte sehr spannend sein. Nachdem mir spannende Lektüre ohnehin ausgegangen war, nahm ich es mit und konnte es trotz einiger Schwächen nicht aus der Hand legen. Jetzt nach drei Tagen ÄRGERE ICH MICH ABER SO UNGEMEIN - ES IST ZUM AUSDERHAUTFAHREN - ALSO ICH KÖNNTE ES IN DER LUFT ZERREISSEN WENN ES MEINES WÄRE - SO EIN BILLIGER SCHMARREN!!!!!!!!!!!oooooooooohhhhhrgrrgl!
So - jetzt geht’s mir besser - aber nun will ich berichten, was es denn nun damit auf sich hat...

DIE STORY-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ein alter, alleinlebender Anwalt stürzt auf der Treppe seines Hauses, erleidet eine Querschnittslähmung und wird, während er über eine Woche hilflos da herumliegt, von einem Baby (!) mit Keksen und Milch versorgt...
Jahre später - nach seinem Tod ziehen dort ein junger Horror - Schriftsteller, Tom, und seine Frau, Laura, mit ihrem Sohn Danny ein.
Das Haus paßt so gut zu seinem Horrorfilm - Drehbuch, daß er die Atmosphäre nutzen will, sie hat sich längst in das herrliche, weit unter Wert angebotene Anwesen verliebt. Während der Renovierungsarbeiten geschehen einige seltsame Dinge, eine Dienstbotenkammer im Keller wird offensichtlich immer wieder von einer fremden Person (zuerst haben sie abwechselnd Danny oder die Frau selber in Verdacht) aufgesucht, eine seltsame Stoffpuppe taucht immer wieder auf und dann gibt es noch ein fremdes kleines Mädchen, was immer wieder im Garten erscheint und sofort verschwindet, wenn man es ruft.
Als Laura auch noch erfährt, daß ihre geisteskranke Mutter, die sie als Kind mit ihrer übertriebenen Sorge gequält hat, in diesem Haus Dienstbotin gewesen ist, bevor ihr Vater sie geheiratet hat, verfällt sie der Vergangenheit, beginnt, in den Hinterlassenschaften des Vorbesitzers zu wühlen, um dem gemeinsamen Geheimnis des Hauses und ihrer Mutter auf die Schliche zu kommen und zieht sich immer mehr zurück.
Nach dem ersten Besuch der Eltern erhängt sich die Mutter, von Schuldgefühlen überwältigt. Laura findet heraus, daß ihre Mutter vor 30 Jahren ein Verhältnis mit dem Hausherrn hatte und ein Kind von ihm bekam, das sie mit einer Arbeitskollegin heimlich im selben Haus bekam und großziehen mußte, ohne, daß der Hausherr oder seine Frau etwas davon erfuhren. Als es bald darauf starb, erlitt die Mutter jenen schweren Geistesschaden, der sie dann ihr restliches Leben plagte.
Laura gelingt es auch bald, ein Vertrauensverhältnis zu dem streunenden kleinen Mädchen aufzubauen, sie nimmt es auf, kleidet es neu und versorgt es liebevoll, es ist nämlich....

----Achtung, hier wird die Lösung verraten, also am besten diesen Abschnitt überspringen, wenn ihr das Buch noch selber lesen wollt!!!!-------------------------------------------------------------------------------------------------------

...ihre kleine - große Schwester(!!!). Eben ein Geist (ungeachtet dessen, daß sie von allen herumgetragen ,gebadet, an - und ausgezogen wird, das stört die Autorin nicht) und als solcher wird sie dann von ihrer Mutter - Lauras Mutter, 30 Jahre jünger, ebenfalls ein Geist, abgeholt.
Als Tom und Laura dann noch in eine geheimnisvolle Kammer im Haus einsteigen (was sie eigentlich schon viel früher hätten machen wollen, sollen und können - der Leser ahnt, daß es damit noch seine Bewandtnis haben wird), entdecken sie - wer hätts gedacht - die mumifizierte Leiche des kleinen Mädchens. Punkt.

DAS BUCH.-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

So ein Schmarrn! Kurz gesagt. Groschenroman. (Tatsächlich schreibt Tom ja auch solche).
Das Ärgerlichste dabei ist aber, daß das Buch sogar richtig spannend ist. Es hält einen so lange bei der Stange, bis man sich ärgern muß, so einen unlogischen Schwachsinn gelesen zu haben. Dabei gilt mein Ärger gar nicht der Tatsache, daß das kleine Mädchen ein Geist ist, nein, das wäre ja noch drin, aber ein Geist, der tagelang unerkannt mit der Familie lebt, berührt wird undsoweiter usw., das sprengt meiner Meinung nach sämtliche Genreregeln und macht den Roman, der ja noch als „Roman\" ausgewiesen ist - und man erwartet eben eher einen Krimi als einen Mystery-Thriller- unglaubwürdig.
Aber das ist zunächst mal der heftigste Kritikpunkt.
Zunächst mal muß man sagen, das Buch ist aus der Perspektive von Tom geschrieben, der immer hilfloser dasteht und dem Geschehen um Laura und ihre Mutter nur zusehen kann. Dadurch und durch den einfachen, sympathischen Schreibstil liest man es eigentlich ganz gerne. Störend wirkt noch der Aufbau - es spielt nämlich auf drei Ebenen. Es beginnt aus der Sicht eines Säuglings, der immer alleine in einer dunklen Kammer liegt und heimlich versorgt wird. Dieses Geschehen setzt sich fort und durchbricht immer wieder die Haupthandlung. Sobald diese etwas weiter fortgeschritten ist, ahnt man schon worum es sich hierbei handelt- es führt nämlich bis zu dem Unfall des Hausbesitzers und wie das Kind ihn versorgt - bildet aber schon dadurch den ersten unlogischen Knackpunkt - es ist nämlich völlig willkürlich geschrieben und führt den Leser mit falschen Mitteln an der Nase herum: Es wirkt nämlich so, als liege der Säugling immer in seiner Kammer, bis eines Tages der Unfall geschieht und das Baby helfen kann...tatsächlich liegen aber fast 30 Jahre dazwischen!!!
Die Haupthandlung bildet die nächste Ebene (und hätte für das ganze Buch auch genügt - die Brüche ärgern auf die Dauer nämlich nur...aber gut, sie erklären immerhin, was genau bei dem Unfall passiert ist, so daß die Haupthandlung ohne störende, erklärende Exkursionen auskommt.).
Die dritte Ebene ist das Buch, das Tom schreibt und soll wohl sowas wie ein Gimmick sein - er nimmt nämlich immer wahre Begebenheiten und läßt darauf eine haarsträubende Horrorstory basieren...hahaha! Lustig! Wäre toll, wenn das Buch dann noch irgendeine Überraschung bereithielte...aber null..nada!
Der Leser erfährt immer wieder was Tom schreibt, und ja, es ist immer irgendwie parallel zu Haupthandlung, aber enthält keine neuen Informationen, trägt niemals zum Spannungsaufbau bei, noch dazuist die Geschichte völlig beliebig, langweilig und uninteressant und damit total unnötig und hält nur auf.
Insgesamt also ein seltsamer Zwitter aus Groschenroman und versuchtem Anspruch in Konstruktion und Geschichte, den Frau Hammesfahr zu keiner Zeit aufrechterhalten kann.

FAZIT------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Was soll man da noch sagen, spannend wars schon und wer keinen Anspruch an das stellt, was er liest, wird gut unterhalten, aber selbst wenn man über die vielen kleinen Mängel hinwegsieht, die Vorhersehbarkeit der Geschichte außer acht läßt, weil man denkt, die Überraschung am Ende kommt noch, der wird dann von diesem billigen Ende so enttäuscht, daß er sich nur noch maßlos ärgert - schade um die Zeit.

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