Erfahrungsbericht von *sannah*
"Du sollst nicht...
Pro:
detailreiche Handlung, man lernt auch die "Private Seite" der Hauptpersonen kennen
Kontra:
einige wenige Details sind doch überflüüsig
Empfehlung:
Nein
...falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.\" So lautet das achte Gebot in der lutherischen Fassung. Und selbst wenn es lauten würde \"Du sollst keine schlechten Bücher lesen\", hätte ich nicht dagegen verstoßen.
Mit Das achte Gebot (im norwegischen Original: Død joker, erschienen 1999) von Anne Holt habe ich den ersten skandinavischen Krimi bewusst gelesen, auch wenn mir das Buch kürzlich in der Bücherei trotzdem nur zufällig über den Weg lief. Die deutsche Fassung des mir vorliegenden Buches ist 2001 im Piper-Verlag, München, erschienen - die Übersetzung wurde übrigens von der Stiftung \"NORLA\" (Norwegian Literature Abroad) gefördert. Ein weiteres Zeichen dafür, wie beliebt skandinavische Kriminalliteratur im Ausland inzwischen geworden ist. Mankells schwedischer Held Wallander ist sicherlich das größte Aushängeschild, doch ich wage zu behaupten, dass ihm die Norwegerin Anne Holt in nichts nach steht.
ANNE HOLT, geboren 1958, ist studierte Juristin, was man ihren Krimis auch sehr anmerkt. Holt lebt mit ihrer neun Jahre jüngere Freundin Tine Kjär, der das vorliegende Buch auch gewidmet ist, in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammen. Holt war 1996-97 Justizministerin in einer sozialdemokratischen Regierung, musste aber bereits nach wenigen Monaten wegen einer schweren Erkrankung zurücktreten.
In der Hanne-Wilhelmsen-Reihe sind weiterhin erschienen:
1997 - Blinde Göttin
1998 - Selig sind die Dürstenden
2000 - Das einzige Kind
2000 - Im Zeichen des Löwen (zusammen mit Berit Reiss-Andersen)
2001 - Das achte Gebot
Die HANDLUNG ist eigentlich recht einfach erzählt: Die Frau des Staatsanwalts Halvorsrud wird ermordet aufgefunden. Neben der Leiche sitzt ihr blutüberströmter Mann, der jedoch behauptet, sie nicht selbst ermordet zu haben, sondern dazu gezwungen wurde, die Hinrichtung seiner Frau mitzuerleben. Den Namen des Mörders kennt er aber: Ståle Salvesen. Das Motiv: Rache. Doch es gibt Zeugen, die aussagen, dass Ståle Salvesen kurz vor dem Mord, der ihm vorgeworfen wird, Selbstmord begangen hat.
Die Hauptkommissarin Hanne Wilhelmsen muss damit mit ihren Ermittlungen wieder ganz von vorne beginnen. Einfach ist dieser Fall nicht, sie stößt fast an ihre Grenzen. Und Salvesen muss einfach eine wichtige Rolle spielen, denn schließlich lautet die wörtliche Übersetzung des Buches \"Toter Joker\". Keine der vielen Personen, die in einem der Kapitel auftreten, ist überflüssig.
Zu den PROTAGONISTEN gehören neben Hanne Wilhelmsen auch noch weitere Mitglieder des Osloer Polizeiapparates, die eifrigen Lesern von Anne Holts Romanen bereits bekannt sind. Gemeinsam mit Hanne ermittelt Billy T., der gleichzeitig Hannes bester Freund ist. Die Anwältin Karen Borg ist ebenso schon Hauptperson in einem von Holts früheren Romanen gewesen wie Håkon Sand, die ebenfalls auch zu Hannes engerem Freundeskreis gehören. Ohne einen der früheren Romane zu kennen, würde ich aber sagen, dass eventuelle Lücken vermieden werden, indem Holt häufiger die Rückblende wählt bzw. einen der Charaktere zurückschauen lässt oder Informationen beiläufig einstreut.
Neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit bekommt der Leser darüber hinaus noch gezielte Einblicke in die Privatleben der Protagonisten, die auch sehr eng miteinander verflochten sind. Man versteht die spröde Art der Hauptkommissarin Wilhelmsen, die neben dem abscheulichen Mordfall privat mit der Krebserkrankung ihrer Lebensgefährtin Cecilie zu kämpfen hat. Eine Geschichte von der Nebensächlichkeit, mit der wir lieben und plötzlich mit dem Tod konfrontiert werden. Man versteht die Angst Billy T.s, der bereits vier uneheliche Söhne hat, vorm Heiraten und der ewigen Bindung an ein und dieselbe Frau. Anne Holt schafft es, ihren Personen ein Gesicht zu geben - in meinem Kopf entstanden fast reale Persönlichkeiten.
444 Seiten, in zwei Teile und 41 Kapitel plus Epilog aufgeteilt, fesselten mich einen verregneten \"Sommer\"-nachmittag lang. Es ist die Detailverliebtheit der Autorin und ihre juristische wie auch psychologische Genauigkeit, die die Handlung glaubhaft machen. Brüche in der Handlung kommen eigentlich nicht vor - nur die Ursache dafür, dass sich Hanne letztendlich auch von Billy T. abwendet und komplett zur Einzelgängerin wird, erschien mir etwas unwahrscheinlich.
Dennoch möchte ich volle fünf Sterne vergeben, denn kaum ein Roman hat mir in den letzten Jahren so zugesagt. Vor allem bei Kriminalromanen ist es sehr wichtig, den Faden nicht zu verlieren. Anne Holt schreibt logisch, darüber hinaus auch noch psychologisch und manche Details brachten mich zum Schmunzeln - in meinen Augen eine eindeutige Empfehlung!
Oder wie auch schon die norwegische Zeitung \"Dagsavisen\" in Oslo urteilte: \"Faszinierende Charaktere, kluge Milieubeschreibungen - und dazu ein aufsehenerregende Lösung des Mordfalls.\"
Mit Das achte Gebot (im norwegischen Original: Død joker, erschienen 1999) von Anne Holt habe ich den ersten skandinavischen Krimi bewusst gelesen, auch wenn mir das Buch kürzlich in der Bücherei trotzdem nur zufällig über den Weg lief. Die deutsche Fassung des mir vorliegenden Buches ist 2001 im Piper-Verlag, München, erschienen - die Übersetzung wurde übrigens von der Stiftung \"NORLA\" (Norwegian Literature Abroad) gefördert. Ein weiteres Zeichen dafür, wie beliebt skandinavische Kriminalliteratur im Ausland inzwischen geworden ist. Mankells schwedischer Held Wallander ist sicherlich das größte Aushängeschild, doch ich wage zu behaupten, dass ihm die Norwegerin Anne Holt in nichts nach steht.
ANNE HOLT, geboren 1958, ist studierte Juristin, was man ihren Krimis auch sehr anmerkt. Holt lebt mit ihrer neun Jahre jüngere Freundin Tine Kjär, der das vorliegende Buch auch gewidmet ist, in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammen. Holt war 1996-97 Justizministerin in einer sozialdemokratischen Regierung, musste aber bereits nach wenigen Monaten wegen einer schweren Erkrankung zurücktreten.
In der Hanne-Wilhelmsen-Reihe sind weiterhin erschienen:
1997 - Blinde Göttin
1998 - Selig sind die Dürstenden
2000 - Das einzige Kind
2000 - Im Zeichen des Löwen (zusammen mit Berit Reiss-Andersen)
2001 - Das achte Gebot
Die HANDLUNG ist eigentlich recht einfach erzählt: Die Frau des Staatsanwalts Halvorsrud wird ermordet aufgefunden. Neben der Leiche sitzt ihr blutüberströmter Mann, der jedoch behauptet, sie nicht selbst ermordet zu haben, sondern dazu gezwungen wurde, die Hinrichtung seiner Frau mitzuerleben. Den Namen des Mörders kennt er aber: Ståle Salvesen. Das Motiv: Rache. Doch es gibt Zeugen, die aussagen, dass Ståle Salvesen kurz vor dem Mord, der ihm vorgeworfen wird, Selbstmord begangen hat.
Die Hauptkommissarin Hanne Wilhelmsen muss damit mit ihren Ermittlungen wieder ganz von vorne beginnen. Einfach ist dieser Fall nicht, sie stößt fast an ihre Grenzen. Und Salvesen muss einfach eine wichtige Rolle spielen, denn schließlich lautet die wörtliche Übersetzung des Buches \"Toter Joker\". Keine der vielen Personen, die in einem der Kapitel auftreten, ist überflüssig.
Zu den PROTAGONISTEN gehören neben Hanne Wilhelmsen auch noch weitere Mitglieder des Osloer Polizeiapparates, die eifrigen Lesern von Anne Holts Romanen bereits bekannt sind. Gemeinsam mit Hanne ermittelt Billy T., der gleichzeitig Hannes bester Freund ist. Die Anwältin Karen Borg ist ebenso schon Hauptperson in einem von Holts früheren Romanen gewesen wie Håkon Sand, die ebenfalls auch zu Hannes engerem Freundeskreis gehören. Ohne einen der früheren Romane zu kennen, würde ich aber sagen, dass eventuelle Lücken vermieden werden, indem Holt häufiger die Rückblende wählt bzw. einen der Charaktere zurückschauen lässt oder Informationen beiläufig einstreut.
Neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit bekommt der Leser darüber hinaus noch gezielte Einblicke in die Privatleben der Protagonisten, die auch sehr eng miteinander verflochten sind. Man versteht die spröde Art der Hauptkommissarin Wilhelmsen, die neben dem abscheulichen Mordfall privat mit der Krebserkrankung ihrer Lebensgefährtin Cecilie zu kämpfen hat. Eine Geschichte von der Nebensächlichkeit, mit der wir lieben und plötzlich mit dem Tod konfrontiert werden. Man versteht die Angst Billy T.s, der bereits vier uneheliche Söhne hat, vorm Heiraten und der ewigen Bindung an ein und dieselbe Frau. Anne Holt schafft es, ihren Personen ein Gesicht zu geben - in meinem Kopf entstanden fast reale Persönlichkeiten.
444 Seiten, in zwei Teile und 41 Kapitel plus Epilog aufgeteilt, fesselten mich einen verregneten \"Sommer\"-nachmittag lang. Es ist die Detailverliebtheit der Autorin und ihre juristische wie auch psychologische Genauigkeit, die die Handlung glaubhaft machen. Brüche in der Handlung kommen eigentlich nicht vor - nur die Ursache dafür, dass sich Hanne letztendlich auch von Billy T. abwendet und komplett zur Einzelgängerin wird, erschien mir etwas unwahrscheinlich.
Dennoch möchte ich volle fünf Sterne vergeben, denn kaum ein Roman hat mir in den letzten Jahren so zugesagt. Vor allem bei Kriminalromanen ist es sehr wichtig, den Faden nicht zu verlieren. Anne Holt schreibt logisch, darüber hinaus auch noch psychologisch und manche Details brachten mich zum Schmunzeln - in meinen Augen eine eindeutige Empfehlung!
Oder wie auch schon die norwegische Zeitung \"Dagsavisen\" in Oslo urteilte: \"Faszinierende Charaktere, kluge Milieubeschreibungen - und dazu ein aufsehenerregende Lösung des Mordfalls.\"

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