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Erfahrungsbericht von ChopSuey

Skuril, aber faszinierend bis zum Schluss

Pro:

spannend und fesselnd erzählt

Kontra:

teilweise etwas grausig beschrieben

Empfehlung:

Nein

Dieses Buch von E.T.A. Hoffmann zählte zur Unterrichtslektüre im Deutsch-LK...obwohl, dies nun schon 2 Jahre her ist, ist es mir noch gut in Erinnerung; hat sozusagen einen bleibenden Eindruck hinterlassen;) Aber mit gutem Grund. \"Der Sandmann\" stammt aus der Epoche der Romantik und erschien Ende 1816...manche würden das Werk wohl als Vorläufer moderner Gruselgeschichten bezeichnen. Obwohl der Titel wenig Aufschluss darauf gibt, denn unter dem Sandmann stellte ich mir eher eine Kindergeschichte vor...doch dem ist auf keinen Fall so.

« (( Charaktere )) »

•~•Nathanael•~•
Nathanael ist der Protagonist des Buches. Er bekommt seit seiner Kindheit Horrorgeschichten vom Sandmann erzählt und muss sein Leben lang mit Ängsten kämpfen, welche schließlich ihren Tribut zollen und Nathanael im wörtlichen Sinne in den Wahnsinn treiben.

•~•Clara•~•
Sie ist die Geliebte/Verlobte von Nathanael und gleichzeitig Lothars Schwester. Clara denkt sehr rational und hat daher wenig Verständnis für Nathanaels \"Hirngespinste\".

•~•Lothar•~•
Obwohl Lothar und Nathanael ein eher gespanntes Verhältnis zueinander haben, fungiert Lothar als sein Vertrauter.

•~•Professor Spalanzani•~•
Professor der Physik...beschäftigt sich auch mit alchimistischen Vorgängen. Er ist der \"Schöpfer\" von Olimpia und macht gemeinsame Sache mit Coppelius.

•~•Olimpia•~•
Olimpia ist die \"Tochter\" vom Professor...zumindest wird sie als solche ausgegeben. Sie wird zum Objekt Nathanaels Begierde und somit die verantwortliche für den dramatischen Verlauf der Geschichte.

•~•Coppola/Coppelius•~•
Der vermeintliche Sandmann. Zu Anfang tritt er als Advokat auf der mit Nathanaels Vater in Verbindung steht und mit ihm zusammen alchimistische Versuche durchführt. Später gibt er sich als Wetterglashändler aus und spricht plötzlich mit italienischem Akzent. Er ist der Initiator, der Nathanaels Schicksal besiegelt.

« (( Wer/Was ist der Sandmann? )) »

Der Sandmann ist eine Figur aus einer Erzählung (im Buch) um unartigen Kindern, die Abends nicht einschlafen wollen Angst zu machen. Ihnen wird erzählt, dass der Sandmann kommt und ihnen Sand in die Augen streut, damit sie \"blutig aus dem Kopf springen\". Er braucht die Augen um seine eigenen Kinder zu füttern.

« (( Was ist Alchimie? )) »
Alchimie wurde hauptsächlich im Mittelalter praktiziert. Man versuchte anorganische Stoffe zu veredeln und aus minderwertigen Metallen Gold zu gewinnen. Das spirituelle Ziel der Alchimisten war die Entdeckung des \"Stein der Weißen\" welcher gleichgesetzt wurde mit dem Lebenselixier. Er sollte die Offenbarung der tiefsten Geheimnisse des Kosmos sein...in Bezug auf den Sandmann : die Konstruktion von Menschen (-> Olimpia).

« (( Handlung )) »

Das Buch beginnt mit einem Brief Nathanaels an Lothar, indem er von jüngster Begegnung mit einem Wetterglashändler spricht, welche alte Kindheitserinnerungen wieder wachruft:
Als Kind wurde Nathanael immer mit den Worten \"der Sandmann kommt\" zu Bett geschickt. Und tatsächlich vernimmt er all abendlich ein Gepolter auf der Treppe, das die Ankunft des Sandmanns verriet. Durch Erzählungen über diesen in Angst und Schrecken versetzt gehorchte er auch immer und ging ins Bett. Doch seine Neugierde wer denn der mysteriöse Sandmann sei siegt über die Angst und Nathanael versteckt sich eines Abends im Arbeitszimmer seines Vaters. Niemand anderes als der Advokat Coppelius betritt das Zimmer...von diesem Zeitpunkt an ist Coppelius für Nathanael gleichbedeutend mit dem Sandmann. Doch er wird in seinem Versteck entdeckt und von dem Advokat misshandelt; nur das Einschreiten des Vaters kann schlimmeres verhindern. Doch Nathanaels Angst entwickelt sich von diesem Zeitpunkt an zu einem regelrechten Wahn, der ihn sein weiteres Leben verfolgen wird.
Besagter Brief in dem diese Geschichte beschrieben wird, landet aber nicht bei Lothar, sondern versehentlich bei Nathanaels Verlobten Clara. Diese allerdings hat kein Verständnis für ihn und tut die traumatischen Erlebnisse als fantastische Ausgeburt ab. Kurz sie hält Nathanael für psychisch gestört.
Verärgert über Claras Reaktion wendet sich Nathanael ein zweites mal per Brief an Lothar mit der Bitte um Unterstützung.
Nun wird die Erzählung aus Sicht eines neutralen Erzählers fortgesetzt:
Nathanael fährt für einige Zeit zu Besuch nach Hause...doch ist er wieder ganz in seine kindliche Angst verfallen und hat sich dementsprechend verändert. Dies hat zur Folge, dass Clara und Nathanael immer öfter streiten.
Nachdem er wieder abreist findet er seine alte Wohnung abgebrannt vor. Er sucht sich ein neues Zimmer - scheinbar zufällig hat er von dort aus Einblick in die Wohnung Spalanzanis und dessen Tochter Olimpia. Er ist so fasziniert von ihr, dass er sie unablässig beobachtet...was ihm durch die Tatsache erleichtert wird, dass er dem Wetterglashändler Coppola ein Fernglas abgekauft hat. Schließlich kommt es wie es kommen muss und Nathanael verliebt sich in Olimpia.
Bei einem Ball, denn der Professor gibt hat er Gelegenheit Olimpia näher zu kommen. Nathanael scheint nicht aufzufallen, was den anderen offensichtlich ist...nämlich das Olimpia kein wirklicher Mensch ist. Sie ist nur eine ferngesteuerte Puppe. Ein Machwerk des Professors. Doch Nathanael ist quasi blind vor Liebe - oder verschließt er die Augen vor der Realität?
Letztendlich werden Nathanael durch einen Streit zwischen Spalanzani und Coppola die Augen geöffnet und er erkennt das Olimpia nichts weiter als ein \"Automat\" ist.
Dem völligen Zusammenbruch nahe reist er wieder nach Hause, wo er durch Claras Hilfe wieder in die Normalität und Realität zurückkehrt. Doch der Schein trügt!
Als er und Clara eines Tages auf einen Turm steigen und Nathanel durch sein Fernglas nach unten schaut meint er plötzlich wieder Coppelius/Coppola zu sehen. Er dreht nun völlig durch und will Clara vom Turm stoßen...dieser Versuch wird aber in letzter Sekunde von Lothar vereitelt.
Das Drama nimmt seinen Lauf und Nathanael stürzt sich wie von Sinnen selbst in den Tod.



« (( Bedeutung der \"Augen\" )) »

Die Augen sind ein immer wiederkehrendes Element der Geschichte. Sie haben von Nathanaels Kindheit an eine große Bedeutung in seinem Leben. Die Angst vorm Verlust seiner Augen weckt in ihm die Angst vorm Sandmann. Bei jeder Figur, die im Roman auftaucht werden die Augen genau beschrieben; ihnen wird also eine zentrale Bedeutung beigemessen und als \"Fenster der Seele\" charakterisiert. Sie sind für Nathanael praktisch ein Charaktermerkmal anhand dessen er zwischen Mensch und Automat zu unterscheiden vermag. Doch letztendlich zerstört sein besonderer Bezug zu den Augen Nathanaels Psyche und das Verhältnis zu Clara.
è Der Grundgedanke des Autors ist, dass das Auge als Sinnesorgan nur einen Teil der Wirklichkeit wiedergibt und nicht alleine maßgebend sein darf.

« (( Schreibstil )) »

Ein gutes Buch, braucht nicht nur eine interessante Geschichte...wichtig ist, dass der Autor es schafft den Leser an die Geschichte zu fesseln. Und Hoffmann gelingt dies Zweifels ohne, da man sich mühelos in die Charaktere hineinversetzen kann und sich ein Spannungsaufbau durch die ganze Geschichte zieht. Die Erzählperspektiven wechseln im Verlauf der Geschichte. Die Briefe am Anfang sind natürlich in Ich-Form geschrieben. Nathanaels Erzählweise is typisch romantisch und sehr ausschmückend. Claras Brief hingegen wirkt eher ernüchternd. Im späteren Verlauf übernimmt dann ein Aussenstehender (ein Freund von Nathanael) die Rolle des Erzählers; er wendet sich direkt an den Leser und berichtet sehr objektiv das Geschehen. Durch diesen Wechsel der Perspektiven wird einem ein guter Einblick in die Figuren geboten.
Da das Buch ja wie gesagt schon im 18. Jhd. geschrieben wurde, werden viele Worte gebraucht, die heute keine Verwendung mehr in der Literatur finden; aber natürlich findet man im Anhang eine Erläuterung zu deren Bedeutung. Hoffmann hat wie viele Autoren seiner Zeit oft sehr lange, komplizierte Sätze verwendet...was aber nicht unbedingt nachteilig ist. Denn man muss sich dadurch eben etwas genauer auf die Geschichte konzentrieren, was ja bekanntlich zum Mitdenken anregt ;)

« (( Fazit )) »

Ein wirklich lesenswertes Buch, welches sich mit Themen wie Wahnsinn, Alchimie, Liebe und Fantasie befasst. Durch die manchmal verwirrende und skurile Geschichte wird man zum Nachdenken angeregt. Obwohl die Handlung an sich etwas realitätsfern scheint wird sie absolut glaubhaft erzählt. Oft weiß man nicht was nun Realität ist und was nur Nathanaels Fantasie entspringt...aber gerade dieses macht das Buch so faszinierend. Auch weiß man nicht wirklich ob denn Coppelius und Coppola nun tatsächlich die selbe Person darstellen...vermutlich schon, aber es wird nicht explizit gesagt. Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.

« (( Kurze Info zum Autor )) »

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann lebte im 17. / 18. Jhd. Er war eine Art Universaltalent, was typisch für die Romantik ist - - Maler, Dichter, Komponist und Schriftsteller in einem. Weitere bekannte Werke von ihm sind z.B. \"Der goldene Topf\" und \"Die Elexiere des Teufels\"...mehr Informationen zum Autor findet man z.B. hier: http://www.xlibris.de/Autoren/Hoffmann/HfBio/HfBio01.htm

«ISBN 3-15-000230-3»...erschienen im Reclam-Verlag
Preis : ca. 2,00 Euro

Das Buch umfasst ca. 70 Seiten und daher beträgt der Leseaufwand gerade mal 1 bis 2 Stunden. Ich kann nur jedem ans Herz legen sich diese Zeit zu nehmen!

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