Erfahrungsbericht von AlinaBaby
All unsere Liebe für Kate
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Nachdem ich „Luc, das Kind mit den zwei Müttern“ regelrecht verschlungen habe, war für mich klar, dass mein nächstes Buch wieder aus der Erfahrungsserie des Bastei-Lübbe Verlag sein musste. Montag waren eine Freundin und ich in Schweinfurt und ich machte mich auf die Suche nach einen neuen Buch. Im Internet hatte ich mich schon ein wenig umgesehen, und zwei Bücher standen zur Auswahl: „Grenzenlose Liebe“ und „All unsere Liebe für Kate“. Leider konnte ich nur eines finden, oder zum Glück, weil ich sonst das doppelte ausgegeben hätte. Wie ihr am Titel unschwer erkennen könnt, war das auserwählte Buch „All unsere Lieben für Kate“.
Dieses Buch habe ich noch schneller gelesen, auch wenn ich es nicht so mitreißend fand, wie das von Liza Freilicher.
DER INHALT
Wendy und Ben sind schon einige Zeit verheiratet, als Wendy ständig unerträgliche Rückenschmerzen bekommt. Sie rennt von Arzt zu Arzt doch keiner kann etwas sicheres sagen. Ihr Hausarzt kommt dann darauf, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Hormonstörung handelt und die effektivste Behandlung eine Schwangerschaft wäre. Wendy und Ben hatten sich zuvor schon öfter Gedanken über ein gemeinsames Kind gemacht, aber nie ernsthaft. Jedoch entschließen sie sich sofort dafür und schon im nächsten Monat ist Wendy schwanger.
Bis auf die üblichen Wehwehchen verläuft Wendy Schwangeschaft absolut problemlos und auch bei der Geburt gibt es keinerlei Schwierigkeiten. Sie dauerte zwar ein wenig lang, was aber beim ersten Kind ja total normal ist und war sehr anstrengend, aber Kind und Mutter geht es absolut bestens. Somit sind Wendy, Ben und die kleine Kate nun eine glückliche Familie.
Ben arbeitet nach der Geburt seiner Tochter normal weiter als Richter, ein Beruf der ihm zwar Spaß macht, er vermisst aber eine neue Herausforderung. Wendy hingegen legt ihre Karriere als Opersängerin erst mal auf Eis, allerdings nur kurzfristig. Als Kate 5 Monate ist, fängt sie wieder mit ihrer Arbeit an, für die sie Feuer und Flamme ist. Während Wendy arbeitet wird Kate von einer befreundeten Nachbarin, mit Kind (Andrea) in Kates Alter, betreut.
Als Kate 7 Monate alt ist, äußert die Tagesmutter den Verdacht, Kate hätte eine Entwicklungsverzögerung, da sie noch nicht sitzen kann. Alle Kinder in ihrem Alter konnten es bereits, nur nicht Kate. Wendy und Ben sind natürlich besorgt und sprechen den Kinderarzt darauf an, welcher ihre Besorgnis nur belächelt. Kate ist ein sehr fröhliches und ausgelassenes Kind, dass sie noch nicht sitzen kann, sagt lauf ihm überhaupt nichts. Wendy und Ben sind beruhigt, jedenfalls solange, bis Kate sich mit einem Jahr noch nicht an den Möbeln hochzieht. Sitzen kann sie jetzt schon, das andere wird auch bald kommen, war der Kommentar des Kinderarztes. Doch die beiden machen sicher immer mehr Sorgen um Kate.
2 Monate vor ihren zweiten Geburtstag läuft Kate immer noch nicht. Kein bisschen, deshalb reagiert der Kinderarzt endlich und schickt sie zur Therapie. Und tatsächlich, innerhalb von 2 Monaten lernt Kate laufen, aber dass sie unter einer Entwicklungsverzögerung leidet, kann nun nicht mehr ignoriert werden. Auch spricht sie noch nicht, außer ein paar Silben. Deshalb muss Kate nun Untersuchung um Untersuchung über sich ergehen lassen. Resultate gibt es nicht wirklich. Kate ist geistig behindert, doch woher das kommt weiß keiner so genau. Später wird vermutet, dass eine spezielle Mischung aus den Genen der Eltern dafür verantwortlich ist.
Ben und Wendy sind am Boden zerstört, doch sie wollen alles tun, um ihrer kleinen Kate später mal ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Auf Rat der Ärzte hin, versuchen sie, die Sprach in Kate förmlich reinzuprügeln. Kate trinkt wahnsinnig gerne Saft und zeigt immer auf die Flasche, wenn sie etwas möchte. Doch dass lassen Ben und Wendy nun nicht mehr durchgehen, Kate soll deutlich „Saft“ sagen, erst dann soll sie bekommen was sie will. Ihre Rechnung geht nicht auf, jeden Tag schreit Kate bis zu einer Stunde, um den heißersehnten Saft zu bekommen. Natürlich geben die beiden irgendwann stets auf. Eines Tages, nach einen erneuten Kampf, sitzt Kate auf dem Boden, trinkt ihren Saft leer, stellt den Becher beiseite, grinst ihre Mutter an und sagt laut und deutlich: „SAFT!“ Für lange Zeit war dies das einzige Mal, dass sie dieses Wort ausgesprochen hat.
Mittlerweile ist Wendy 3 Jahre alt und Ben und Wendy sind der Meinung, sie sollte langsam eine Spielgruppe besuchen. Recht bald finden sie eine geeignete, die behinderte Kinder aufnimmt, zusätzlich zu den „normalen“. Kate geht in dieser Gruppe total auf, die anderen Kinder, das viele Spielzeug begeistern sie ohne Ende. Auch macht sie in dieser Zeit erhebliche Fortschritte, besonders in Punkto Sprache. Sie beherrscht einige wenige zweitwortsätze, unter anderem: Saft pitte. Mit den Betreuerinnen verstehen die Eltern sich prächtig und sind froh, für Kate eine solch tolle Einrichtung gefunden zu haben.
Doch zum Leid der Eltern, kann Kate nicht ewig in der Spielgruppe bleiben, mit 4 Jahren wird es für sie Zeit für den Kindergarten. Ein normaler ist für Kate ausgeschlossen, doch in einen behinderten Kiga wollen Wendy und Kate sie auch nicht stecken. Nach etwas suchen, finden sie einen integrativen Kingergarten, mit dem sie sehr glücklich sind. Kate wird sehr gut gefördert und die Fortschritte werden immer mehr, auch wenn es sich immer nur um ganz kleine handelt.
Kate ehemalige Tagesmutter (die Nachbarin) weiß nichts von ihrer geistigen Behinderung. Kurz nach ihren Kindergarteneintritt trifft die Nachbarin Ben und erzählt, dass ihre Tochter Andrea in einem Kindergarten einen Platz bekommen hat, in der die Erzieherin den Kindern sogar französisch lernt. Als Ben dann zähneknirschend erzählt in welchen Kiga Kate nun untergebracht ist, reagiert die Nachbarin mit Entsetzen. „Aber das ist doch ein gemischter Kindergarten. Ich würde nicht wollen das mein Kind mit Krüppeln zusammen ist.“ Für Ben ist das wie ein Schlag ins Gesicht. Er liebt Kate über alles, doch er schämt sich sehr für ihre geistige Behinderung. Deshalb wissen nur die engesten Vertrauten etwas davon.
Ben hat übrigens mittlerweile aufgehört zu arbeiten, um nicht mehr auf eine halbherzige Tagesmutter angewiesen zu sein und Kate besser fördern zu können. Er geniesst die Zeit mit ihr sehr, auch wenn er oft am Ende seiner Kräfte ist.
Auch im Kindergarten kann Kate natürlich nicht für immer bleiben. Zweimal schieben Ben und Wendy die Entscheidung auf, aber irgendwann ist der Tag gekommen, an dem entschieden wird, welche Schule Kate besuchen soll. Im Kindergarten wird ein großes Gespräch veranlasst, an dem außer Ben und Wendy noch einige Spezialisten teilnehmen. Wendy und Ben sind sehr zuversichtlich, da Kate in der letzten Zeit ernorme Fortschritte gemacht hat. Ihr Verständnis für Formen, Farben und Bilder ist fast auf dem Stand der anderen Kinder. Doch ein Gutachten zerstört ihre Zuversicht sofort. Kate ist mit ihren 6 Jahren auf dem Stand eines 2 jährigen Kindes und ihre Leistung hängt extrem von der Tagesform ab, weshalb es nie in Frage kommen würde, Kate eine Regelschule besuchen lassen zu können.
Erneut bricht für Ben und Wendy eine Welt zusammen, nun wurde ihnen auch die letzte Hoffnung genommen, ihre Tochter könnte später mal ein normales Leben führen.
Also kommt Kate in die Sonderschule, wo sie noch mal enorme Fortschritte macht. Der Kinderarzt äußerte sich bereits sehr skeptisch, ob Kate überhaupt noch neue Fähigkeiten erwerben würde, als sie grade mal 3 Jahre alt war.
Auch Ben möchte noch ein Mal zur Schule, denn er möchte Lehrer werden. Nach einem kleinen Kampf wird er endlich an der Uni genommen und ist sehr froh darüber. Doch dann kommt etwas sehr unerwartetes: Wendy ist wieder schwanger. Nicht einfach nur schwanger, sondern mit Zwillingen schwanger. Trotz der schlechten Umstände freuen sich beide sehr auf die Kinder, sie sind sicher Kate wird sie lieben.
Als die Zwillinge geboren werden ist Kate fast 8 Jahre alt und schließt ihre beiden Schwestern, Francesca und Clare sofort ins Herz. Als Francesca einmal schwer stürzt und blutend in die Ambulanz gefahren wird, kann Kate erst schlafen, als sie wieder da ist und sie sieht, dass es Francesca wieder gut geht.
Ben und Wendy haben schreckliche Angst, die Zwillinge könnten ebenfalls behindert sein, doch zu deren Erleichterung entwickeln sie sich prächtig. Ihnen wird bald klar, dass Kate anders ist als sie, was für sie aber kein Problem ist. Nur einmal beneiden sie Kate, dass sie so tolle Sachen mit der Schule macht wie Zoobesuche, basteln, usw und sie so einen langweiligen Kindergarten haben. Da sagen sie ganz deutlich, sie wollen beide so wie Kate sein, weil sie immer viel mehr Spaß hat und sie meinen ihr Vater möge Kate lieber.
Mit der Zeit wird das Leben der 5 immer normaler. Sie werden ein eingespieltes Team und vor allem wird Kate auch von ihren Schwestern akzeptiert und geliebt. Es geht immer auf und ab, aber letztendlich sind sie glücklich mit ihrem Leben.
MEINE MEINUNG
Am Anfang hatte ich ziemliche Probleme mit dem Buch, da alles sehr schnell ging. Innerhalb von nicht mal 30 Seiten wurde Kate 3 Jahre alt. Ich finde, dass grade diese Zeit hätte näher beschrieben werden müssen, da sie für Kates weiter Entwicklung sehr ausschlaggebend war. Im ganzen Buch geht alles sehr schnell, bis Kate 9 Jahre ist. Die Zwillingen sind kaum geboren, da können sie auf einmal schon reden und laufen. Das war für mich sehr verwirrend, da man der Geschichte nur schwer folgen kann und sich immer sehr konzentrieren muss.
Den Schreibstil des Autors fand ich auch nicht sonderlich angenehm, besonders die ersten 100 Seiten. Er versuchte oft witzig zu sein, was meiner Meinung nach aber nicht so besonders gelang. Was eigentlich ironisch gemeint war, kam nur noch sarkastisch rüber und nicht sehr ansprechend. Aber das änderte sich im Verlauf des Buches, weshalb ich das jetzt ganz anders sehe. Die ersten Jahre war Ben immer sehr verkrampft und konnte sich nicht mit Kates Schicksal abfinden. Erst mit der Zeit gewöhnt er sich daran und dann entdeckt er auch seinen Humor wieder.
Es werden häufig andere Leute erwähnt, Freunde und Verwandte. Viele tauchen aber nur ein einziges Mal im ganzen Buch auf, weshalb ich mit ihnen nie viel anfangen konnte. Bens Mutter, Wendys Mutter, Bens Cousine und sein bester Freund sind die Personen die regelmäßig auftauchen. Sie geben Ben die Kraft sich um seine Kinder zu kümmern und nie aufzugeben, weshalb ich es wichtig fände, wenn sie ausführlicher behandelt würden.
Dieses Buch handelt zwar über Kate, aber dennoch hat es mich ein wenig gestört, dass die Zwillinge nicht richtig in die Erzählung einbezogen wurden. Immer wenn es irgendwelche Probleme gab, zum Beispiel mit dem Schlafen, erzählte der Autor auch etwas von ihnen, aber sonst wurden sie meist nur in belanglosen Zusammenhängen erwähnt. Ich finde das deshalb so schade, weil bei einer solchen Geschichte doch eigentlich der Rest der Familie auch eine tragende Rolle spielt und damit meine ich nicht nur die Eltern, über die ja genug geschrieben würde. Sicher haben grade Francesca und Clare ihre Schwester Kate sehr beeinflusst. Eben durch ihr Anderssein, aus Kates Sicht.
Spannung gibt es eigentlich gar keine, was ja bei einem Erfahrungsbuch auch nicht unbedingt zu erwarten ist. Aber es gibt da so einige Situationen in denen ein wenig Spannung schön und angebracht gewesen wäre, zum Beispiel, als Kate ihren ersten vollständigen Satz gesprochen hat. Stattdessen werden die Tatsachen einfach in den Raum geworfen, was mir doch ein wenig die Freude an diesem Buch genommen hat.
Diese Kritik zu äußern ist mir jetzt sehr schwer gefallen und das Bewerten fällt mir noch viel schwerer. Es handelt sich hier nicht um eine erfundene Geschichte, sondern um das Schicksal einer Familie. Ich frage mich grade, ob ich denn überhaupt das Recht habe, diese niedergeschriebenen Ereignissen zu bewerten? Aus diesem Grund will ich auch trotzdem die Bestnote geben. Hinter diesem Buch steht ein Mann, der das Geschehene alles selbst erlebt hat und ich hätte das Gefühl, ihn damit persönlich zu beleidigen. Außerdem hatte das Buch ja auch sehr viele gute Seiten, die ich jetzt auch noch aufführen werde.
Der Autor verstand es sehr gut, über seine Gefühle zu schreiben. Ich denke, es ist sehr schwer so etwas in Worte zu fassen, aber Ben gelang es sehr gut. Auch wurde ausführlich über Wendy Gefühlszustand geschrieben, den er ebenso analysierte wie den eigenen. Die Gefühle sind meines Erachtens in einem Buch, in dem es um persönliche Erfahrungen geht das A und O.
Die Geschichte an sich finde ich auch sehr interessant, deshalb habe ich das Buch ja auch gekauft. Die kleine Kate ist so ein liebes Mädchen, da kann man jede Seite aufs neue lesen. Ich denke, kaum ein Buch kann das Tabu-Thema geistige Behinderung so einfühlsam (allein durch die Wortwahl) beschreiben und auf den Punkt bringen.
Natürlich verlangt es auch eine unheimliche Portion Mut so ein Buch zu schreiben. Bens Gedanken über andere Leute sind nicht immer die besten und wenn die das lesen, dass könnte bei der nächsten Begegnung ganz schön peinlich werden. Also ich könnte mich in dieser Hinsicht sicher nicht so offenbaren.
Viel Mut gehört sicher auch dazu, sich zum Anderssein zu bekennen. Er ist in dem Sinn anders, als dass er nicht das perfekte Kind hat, wie er selbst schreibt. Aber wer hat das schon? Ja, wir manchmal. Dieser Zustand hält so 5 Minuten an, bis aus dem wunderhübschen Engelchen namens Alina ein kleiner Teufel wird.
Bens Leistung muss auf jeden Fall auch honoriert werden. Er ist ein Mann mittleren alters mit guten Job. Doch dann gibt er alles auf um für seine Tochter da zu sein. Auch die andere beiden Mädchen zieht er praktisch alleine groß, da Wendy oft bist nachts arbeiten muss. Und wer das Buch gelesen hat, der kann sich vorstellen wie sehr er teilweise leiden musste, besonders was die Nächte anging. Also ich persönlich wäre wahrscheinlich schon vollkommen durchgedreht. Alina schließ mit 7 Wochen komplett durch und das war einfach ein Segen.
DATEN:
Jetzt kommt wieder der langweilige, aber leider unumgängliche Teil, die Daten.
Titel und Autor: „All unsere Liebe für Kate“ von Ben Harrington
Cover: Oranger Hintergrund und ein Bild auf dem ein kleines Mädchen (kate?) abgebildet ist, dass sich an einen Baum drückt.
316 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe aus der Serie „Erfahrungen“
Preis: 7,90 Euro
ISBN: 3-404-61489-5
FAZIT: Dieses Buch ist auf jeden Fall lesenswert. Warum? Ganz einfach, wegen Kate. Sie ist schwierig und anders, aber es werden so viele Momente beschrieben, in denen man ihre andere Seite sieht. Da ist sie nicht mehr das behinderte Kind, sonder das Mädchen das ständig lacht, sich so schön über etwas freuen kann und ihre Eltern über alles liebt. In vielen Hinsichten wünsche ich mir, dass Alina auch mal so wird, aber bis auf das ständige Lachen haben wir da wohl eher schlechte Chancen.
Aber wen das Thema an sich nicht sonderlich interessiert, dem würde ich eher vom Kauf abraten, da manche Teile sehr schleppend sind und die Spannung ist stets gleich null.
Es ist auch kein Buch, das man abends einfach weglesen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Also wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe, dann viel Spaß beim lesen.
Gruß Jenny!
Dieses Buch habe ich noch schneller gelesen, auch wenn ich es nicht so mitreißend fand, wie das von Liza Freilicher.
DER INHALT
Wendy und Ben sind schon einige Zeit verheiratet, als Wendy ständig unerträgliche Rückenschmerzen bekommt. Sie rennt von Arzt zu Arzt doch keiner kann etwas sicheres sagen. Ihr Hausarzt kommt dann darauf, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Hormonstörung handelt und die effektivste Behandlung eine Schwangerschaft wäre. Wendy und Ben hatten sich zuvor schon öfter Gedanken über ein gemeinsames Kind gemacht, aber nie ernsthaft. Jedoch entschließen sie sich sofort dafür und schon im nächsten Monat ist Wendy schwanger.
Bis auf die üblichen Wehwehchen verläuft Wendy Schwangeschaft absolut problemlos und auch bei der Geburt gibt es keinerlei Schwierigkeiten. Sie dauerte zwar ein wenig lang, was aber beim ersten Kind ja total normal ist und war sehr anstrengend, aber Kind und Mutter geht es absolut bestens. Somit sind Wendy, Ben und die kleine Kate nun eine glückliche Familie.
Ben arbeitet nach der Geburt seiner Tochter normal weiter als Richter, ein Beruf der ihm zwar Spaß macht, er vermisst aber eine neue Herausforderung. Wendy hingegen legt ihre Karriere als Opersängerin erst mal auf Eis, allerdings nur kurzfristig. Als Kate 5 Monate ist, fängt sie wieder mit ihrer Arbeit an, für die sie Feuer und Flamme ist. Während Wendy arbeitet wird Kate von einer befreundeten Nachbarin, mit Kind (Andrea) in Kates Alter, betreut.
Als Kate 7 Monate alt ist, äußert die Tagesmutter den Verdacht, Kate hätte eine Entwicklungsverzögerung, da sie noch nicht sitzen kann. Alle Kinder in ihrem Alter konnten es bereits, nur nicht Kate. Wendy und Ben sind natürlich besorgt und sprechen den Kinderarzt darauf an, welcher ihre Besorgnis nur belächelt. Kate ist ein sehr fröhliches und ausgelassenes Kind, dass sie noch nicht sitzen kann, sagt lauf ihm überhaupt nichts. Wendy und Ben sind beruhigt, jedenfalls solange, bis Kate sich mit einem Jahr noch nicht an den Möbeln hochzieht. Sitzen kann sie jetzt schon, das andere wird auch bald kommen, war der Kommentar des Kinderarztes. Doch die beiden machen sicher immer mehr Sorgen um Kate.
2 Monate vor ihren zweiten Geburtstag läuft Kate immer noch nicht. Kein bisschen, deshalb reagiert der Kinderarzt endlich und schickt sie zur Therapie. Und tatsächlich, innerhalb von 2 Monaten lernt Kate laufen, aber dass sie unter einer Entwicklungsverzögerung leidet, kann nun nicht mehr ignoriert werden. Auch spricht sie noch nicht, außer ein paar Silben. Deshalb muss Kate nun Untersuchung um Untersuchung über sich ergehen lassen. Resultate gibt es nicht wirklich. Kate ist geistig behindert, doch woher das kommt weiß keiner so genau. Später wird vermutet, dass eine spezielle Mischung aus den Genen der Eltern dafür verantwortlich ist.
Ben und Wendy sind am Boden zerstört, doch sie wollen alles tun, um ihrer kleinen Kate später mal ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Auf Rat der Ärzte hin, versuchen sie, die Sprach in Kate förmlich reinzuprügeln. Kate trinkt wahnsinnig gerne Saft und zeigt immer auf die Flasche, wenn sie etwas möchte. Doch dass lassen Ben und Wendy nun nicht mehr durchgehen, Kate soll deutlich „Saft“ sagen, erst dann soll sie bekommen was sie will. Ihre Rechnung geht nicht auf, jeden Tag schreit Kate bis zu einer Stunde, um den heißersehnten Saft zu bekommen. Natürlich geben die beiden irgendwann stets auf. Eines Tages, nach einen erneuten Kampf, sitzt Kate auf dem Boden, trinkt ihren Saft leer, stellt den Becher beiseite, grinst ihre Mutter an und sagt laut und deutlich: „SAFT!“ Für lange Zeit war dies das einzige Mal, dass sie dieses Wort ausgesprochen hat.
Mittlerweile ist Wendy 3 Jahre alt und Ben und Wendy sind der Meinung, sie sollte langsam eine Spielgruppe besuchen. Recht bald finden sie eine geeignete, die behinderte Kinder aufnimmt, zusätzlich zu den „normalen“. Kate geht in dieser Gruppe total auf, die anderen Kinder, das viele Spielzeug begeistern sie ohne Ende. Auch macht sie in dieser Zeit erhebliche Fortschritte, besonders in Punkto Sprache. Sie beherrscht einige wenige zweitwortsätze, unter anderem: Saft pitte. Mit den Betreuerinnen verstehen die Eltern sich prächtig und sind froh, für Kate eine solch tolle Einrichtung gefunden zu haben.
Doch zum Leid der Eltern, kann Kate nicht ewig in der Spielgruppe bleiben, mit 4 Jahren wird es für sie Zeit für den Kindergarten. Ein normaler ist für Kate ausgeschlossen, doch in einen behinderten Kiga wollen Wendy und Kate sie auch nicht stecken. Nach etwas suchen, finden sie einen integrativen Kingergarten, mit dem sie sehr glücklich sind. Kate wird sehr gut gefördert und die Fortschritte werden immer mehr, auch wenn es sich immer nur um ganz kleine handelt.
Kate ehemalige Tagesmutter (die Nachbarin) weiß nichts von ihrer geistigen Behinderung. Kurz nach ihren Kindergarteneintritt trifft die Nachbarin Ben und erzählt, dass ihre Tochter Andrea in einem Kindergarten einen Platz bekommen hat, in der die Erzieherin den Kindern sogar französisch lernt. Als Ben dann zähneknirschend erzählt in welchen Kiga Kate nun untergebracht ist, reagiert die Nachbarin mit Entsetzen. „Aber das ist doch ein gemischter Kindergarten. Ich würde nicht wollen das mein Kind mit Krüppeln zusammen ist.“ Für Ben ist das wie ein Schlag ins Gesicht. Er liebt Kate über alles, doch er schämt sich sehr für ihre geistige Behinderung. Deshalb wissen nur die engesten Vertrauten etwas davon.
Ben hat übrigens mittlerweile aufgehört zu arbeiten, um nicht mehr auf eine halbherzige Tagesmutter angewiesen zu sein und Kate besser fördern zu können. Er geniesst die Zeit mit ihr sehr, auch wenn er oft am Ende seiner Kräfte ist.
Auch im Kindergarten kann Kate natürlich nicht für immer bleiben. Zweimal schieben Ben und Wendy die Entscheidung auf, aber irgendwann ist der Tag gekommen, an dem entschieden wird, welche Schule Kate besuchen soll. Im Kindergarten wird ein großes Gespräch veranlasst, an dem außer Ben und Wendy noch einige Spezialisten teilnehmen. Wendy und Ben sind sehr zuversichtlich, da Kate in der letzten Zeit ernorme Fortschritte gemacht hat. Ihr Verständnis für Formen, Farben und Bilder ist fast auf dem Stand der anderen Kinder. Doch ein Gutachten zerstört ihre Zuversicht sofort. Kate ist mit ihren 6 Jahren auf dem Stand eines 2 jährigen Kindes und ihre Leistung hängt extrem von der Tagesform ab, weshalb es nie in Frage kommen würde, Kate eine Regelschule besuchen lassen zu können.
Erneut bricht für Ben und Wendy eine Welt zusammen, nun wurde ihnen auch die letzte Hoffnung genommen, ihre Tochter könnte später mal ein normales Leben führen.
Also kommt Kate in die Sonderschule, wo sie noch mal enorme Fortschritte macht. Der Kinderarzt äußerte sich bereits sehr skeptisch, ob Kate überhaupt noch neue Fähigkeiten erwerben würde, als sie grade mal 3 Jahre alt war.
Auch Ben möchte noch ein Mal zur Schule, denn er möchte Lehrer werden. Nach einem kleinen Kampf wird er endlich an der Uni genommen und ist sehr froh darüber. Doch dann kommt etwas sehr unerwartetes: Wendy ist wieder schwanger. Nicht einfach nur schwanger, sondern mit Zwillingen schwanger. Trotz der schlechten Umstände freuen sich beide sehr auf die Kinder, sie sind sicher Kate wird sie lieben.
Als die Zwillinge geboren werden ist Kate fast 8 Jahre alt und schließt ihre beiden Schwestern, Francesca und Clare sofort ins Herz. Als Francesca einmal schwer stürzt und blutend in die Ambulanz gefahren wird, kann Kate erst schlafen, als sie wieder da ist und sie sieht, dass es Francesca wieder gut geht.
Ben und Wendy haben schreckliche Angst, die Zwillinge könnten ebenfalls behindert sein, doch zu deren Erleichterung entwickeln sie sich prächtig. Ihnen wird bald klar, dass Kate anders ist als sie, was für sie aber kein Problem ist. Nur einmal beneiden sie Kate, dass sie so tolle Sachen mit der Schule macht wie Zoobesuche, basteln, usw und sie so einen langweiligen Kindergarten haben. Da sagen sie ganz deutlich, sie wollen beide so wie Kate sein, weil sie immer viel mehr Spaß hat und sie meinen ihr Vater möge Kate lieber.
Mit der Zeit wird das Leben der 5 immer normaler. Sie werden ein eingespieltes Team und vor allem wird Kate auch von ihren Schwestern akzeptiert und geliebt. Es geht immer auf und ab, aber letztendlich sind sie glücklich mit ihrem Leben.
MEINE MEINUNG
Am Anfang hatte ich ziemliche Probleme mit dem Buch, da alles sehr schnell ging. Innerhalb von nicht mal 30 Seiten wurde Kate 3 Jahre alt. Ich finde, dass grade diese Zeit hätte näher beschrieben werden müssen, da sie für Kates weiter Entwicklung sehr ausschlaggebend war. Im ganzen Buch geht alles sehr schnell, bis Kate 9 Jahre ist. Die Zwillingen sind kaum geboren, da können sie auf einmal schon reden und laufen. Das war für mich sehr verwirrend, da man der Geschichte nur schwer folgen kann und sich immer sehr konzentrieren muss.
Den Schreibstil des Autors fand ich auch nicht sonderlich angenehm, besonders die ersten 100 Seiten. Er versuchte oft witzig zu sein, was meiner Meinung nach aber nicht so besonders gelang. Was eigentlich ironisch gemeint war, kam nur noch sarkastisch rüber und nicht sehr ansprechend. Aber das änderte sich im Verlauf des Buches, weshalb ich das jetzt ganz anders sehe. Die ersten Jahre war Ben immer sehr verkrampft und konnte sich nicht mit Kates Schicksal abfinden. Erst mit der Zeit gewöhnt er sich daran und dann entdeckt er auch seinen Humor wieder.
Es werden häufig andere Leute erwähnt, Freunde und Verwandte. Viele tauchen aber nur ein einziges Mal im ganzen Buch auf, weshalb ich mit ihnen nie viel anfangen konnte. Bens Mutter, Wendys Mutter, Bens Cousine und sein bester Freund sind die Personen die regelmäßig auftauchen. Sie geben Ben die Kraft sich um seine Kinder zu kümmern und nie aufzugeben, weshalb ich es wichtig fände, wenn sie ausführlicher behandelt würden.
Dieses Buch handelt zwar über Kate, aber dennoch hat es mich ein wenig gestört, dass die Zwillinge nicht richtig in die Erzählung einbezogen wurden. Immer wenn es irgendwelche Probleme gab, zum Beispiel mit dem Schlafen, erzählte der Autor auch etwas von ihnen, aber sonst wurden sie meist nur in belanglosen Zusammenhängen erwähnt. Ich finde das deshalb so schade, weil bei einer solchen Geschichte doch eigentlich der Rest der Familie auch eine tragende Rolle spielt und damit meine ich nicht nur die Eltern, über die ja genug geschrieben würde. Sicher haben grade Francesca und Clare ihre Schwester Kate sehr beeinflusst. Eben durch ihr Anderssein, aus Kates Sicht.
Spannung gibt es eigentlich gar keine, was ja bei einem Erfahrungsbuch auch nicht unbedingt zu erwarten ist. Aber es gibt da so einige Situationen in denen ein wenig Spannung schön und angebracht gewesen wäre, zum Beispiel, als Kate ihren ersten vollständigen Satz gesprochen hat. Stattdessen werden die Tatsachen einfach in den Raum geworfen, was mir doch ein wenig die Freude an diesem Buch genommen hat.
Diese Kritik zu äußern ist mir jetzt sehr schwer gefallen und das Bewerten fällt mir noch viel schwerer. Es handelt sich hier nicht um eine erfundene Geschichte, sondern um das Schicksal einer Familie. Ich frage mich grade, ob ich denn überhaupt das Recht habe, diese niedergeschriebenen Ereignissen zu bewerten? Aus diesem Grund will ich auch trotzdem die Bestnote geben. Hinter diesem Buch steht ein Mann, der das Geschehene alles selbst erlebt hat und ich hätte das Gefühl, ihn damit persönlich zu beleidigen. Außerdem hatte das Buch ja auch sehr viele gute Seiten, die ich jetzt auch noch aufführen werde.
Der Autor verstand es sehr gut, über seine Gefühle zu schreiben. Ich denke, es ist sehr schwer so etwas in Worte zu fassen, aber Ben gelang es sehr gut. Auch wurde ausführlich über Wendy Gefühlszustand geschrieben, den er ebenso analysierte wie den eigenen. Die Gefühle sind meines Erachtens in einem Buch, in dem es um persönliche Erfahrungen geht das A und O.
Die Geschichte an sich finde ich auch sehr interessant, deshalb habe ich das Buch ja auch gekauft. Die kleine Kate ist so ein liebes Mädchen, da kann man jede Seite aufs neue lesen. Ich denke, kaum ein Buch kann das Tabu-Thema geistige Behinderung so einfühlsam (allein durch die Wortwahl) beschreiben und auf den Punkt bringen.
Natürlich verlangt es auch eine unheimliche Portion Mut so ein Buch zu schreiben. Bens Gedanken über andere Leute sind nicht immer die besten und wenn die das lesen, dass könnte bei der nächsten Begegnung ganz schön peinlich werden. Also ich könnte mich in dieser Hinsicht sicher nicht so offenbaren.
Viel Mut gehört sicher auch dazu, sich zum Anderssein zu bekennen. Er ist in dem Sinn anders, als dass er nicht das perfekte Kind hat, wie er selbst schreibt. Aber wer hat das schon? Ja, wir manchmal. Dieser Zustand hält so 5 Minuten an, bis aus dem wunderhübschen Engelchen namens Alina ein kleiner Teufel wird.
Bens Leistung muss auf jeden Fall auch honoriert werden. Er ist ein Mann mittleren alters mit guten Job. Doch dann gibt er alles auf um für seine Tochter da zu sein. Auch die andere beiden Mädchen zieht er praktisch alleine groß, da Wendy oft bist nachts arbeiten muss. Und wer das Buch gelesen hat, der kann sich vorstellen wie sehr er teilweise leiden musste, besonders was die Nächte anging. Also ich persönlich wäre wahrscheinlich schon vollkommen durchgedreht. Alina schließ mit 7 Wochen komplett durch und das war einfach ein Segen.
DATEN:
Jetzt kommt wieder der langweilige, aber leider unumgängliche Teil, die Daten.
Titel und Autor: „All unsere Liebe für Kate“ von Ben Harrington
Cover: Oranger Hintergrund und ein Bild auf dem ein kleines Mädchen (kate?) abgebildet ist, dass sich an einen Baum drückt.
316 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe aus der Serie „Erfahrungen“
Preis: 7,90 Euro
ISBN: 3-404-61489-5
FAZIT: Dieses Buch ist auf jeden Fall lesenswert. Warum? Ganz einfach, wegen Kate. Sie ist schwierig und anders, aber es werden so viele Momente beschrieben, in denen man ihre andere Seite sieht. Da ist sie nicht mehr das behinderte Kind, sonder das Mädchen das ständig lacht, sich so schön über etwas freuen kann und ihre Eltern über alles liebt. In vielen Hinsichten wünsche ich mir, dass Alina auch mal so wird, aber bis auf das ständige Lachen haben wir da wohl eher schlechte Chancen.
Aber wen das Thema an sich nicht sonderlich interessiert, dem würde ich eher vom Kauf abraten, da manche Teile sehr schleppend sind und die Spannung ist stets gleich null.
Es ist auch kein Buch, das man abends einfach weglesen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Also wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe, dann viel Spaß beim lesen.
Gruß Jenny!

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