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Erfahrungsbericht von Redwing51

Absolut lesenswert! (Der Sandmann / Hoffmann, E.T.A)

Pro:

kurz, aber packend, wenig Personen, man kann sich gut hineinversetzen, spannend

Kontra:

anfangs nicht glaubwürdig, Hintergrund mit den Augen schwierig zu verstehen

Empfehlung:

Nein

Der Sandmann ist eine Novelle, geschrieben von E.T.A Hoffmann (1776-1822). Entstanden in der Romantik (1816) mit düsterem Hintergrund und gespickt mit phantasievollen Ereignissen und Geschehnissen.

Kurz zum Autor:
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Ernst Theodor Hoffmann wurde in Königsberg geboren und studierte dort Rechtswissenschaften. Seine große Leidenschaft war die Kunst und vor allem die Musik mit der er sich in den späteren Jahren immer intensiver beschäftige. So wurde der Vertreter der Hochromantik Komponist und Musikkritiker. Da er sehr begabt und vielseitig war sowie große Interessen der Kunst vertrat, ?diente? er in seinen Lebensjahren als Maler und Zeichner. Berühmte Werke brachte er nicht hervor, Hoffmann wollte sich nur beweisen und flexibel wirken, was er auch schaffte in der damaligen Zeit.

Den Sandmann schrieb er spontan nach seiner neuen Beschäftigung mit dem Wahnsinn. Alkoholexzesse und ein wirres Weltbild trieb ihn dazu, diese Novelle zu schreiben. Die alltägliche Wirklichkeit mußte in seinen Augen verändert werden und sollte nun phantastischer, lebendiger und gespenstisch wirken. Hinzukam die Weltsicht anderer Philosophen, Schriftsteller und Künstler, die diesen Wahnsinn hervorbrachten und unterstützten. Die Phantasie des Alltags war sein neues Leitbild.

Bekannte Werke: Ritter Gluck, Die Elixiere des Teufels, Nachtstücke, Das Fräulein Scuderie u.a. ...


Die Geschichte
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Der kleine NATHANAEL schreibt einen Brief an Lothar und erzählt ihm von einem Wetterglashändler. Nathanael fürchtete sich früher stark vor dem Sandmann, der angeblich allen Kindern Sand ins Auge streuen würde und diese anschließend aus dem Gesicht platzen. Er bekam furchtbare Angst, die ihn jeden Tag verfolgte, dennoch wurde er immer neugieriger und wollte endlich den Sandmann zu Gesicht bekommen.
Advocaat Coppelius stellte sich als ?der Sandmann? heraus und Nathanael staunt nicht schlecht als er das Zimmer seines Vaters betritt. N. wird bei seiner Beobachtung/Spionage entdeckt und in ein fremdes Zimmer geschleppt, wo ihm seine Augen entfernt werden sollen. Coppelius schreit ihn an, doch der Vater schreitet noch rechtzeitig ein und schmeißt Coppelius raus.
Der kleine Junge behält dieses Trauma noch Wochen danach in seinem Gedächtnis. Eines Tages kommt der fiese Sandmann wieder und verbrennt den Vater im Ofen. Dieses gräßliche Ereignis wird Nathanael nie vergessen und schreibt wie schon oben erwähnt einen Brief an LOTHAR. Dieser kommt jedoch irrtümlich bei CLARA, seiner Geliebten und gleichzeitig Schwester von Lothar, an. Er berichtet von den grausamen Taten, doch Clara glaubt ihm kein Wort und hält ihn für psychisch gestört sowie phantasievoll im negativen Sinne.
N. ist nun sehr ärgerlich und schreibt an Lothar in der Hoffnung Unterstützung zu bekommen.
Er schreibt von einem Professor der Physik namens SPALANZANZI und deren Tochter OLYMPIA.
Getrieben von seinem Wahn kehrt er nach Hause zurück, wo sein Studienzimmer in Schutt und Asche liegt. Ganz zufällig bekommt er eine neue Wohnung, wo er Olympia jeden Tag erblicken kann. Coppelius tritt wieder in den Vordergrund und verkauft Nathanael ein Fernglas, damit er Olympia noch besser beobachten und beschatten kann. Er fühlt sich zu ihr hingezogen und verliebt sich auch in sie. Seine Phantasie und Wahnvorstellungen bringen dieses introvertierte Mädchen zum Leben und verschafft ihr neue Wege.
Olympia stellt sich als eine Puppe heraus und N. wird immer verrückter in seinen Handlungen. Die Augen des Gestells findet er nur noch an seiner Brust wieder und hier sieht man wieder das Motiv der Augen. Er landet im Tollhaus, wo er kurze Zeit später von Clara wieder befreit und behandelt wird.
Sie steigen auf einen Turm, er schaut in sein Fernglas und wird plötzlich wieder verrückt als Clara unmittelbar vor ihm steht und versucht sie hinunter zu werfen, was ihm aber nicht gelingt, denn Lothar ist Retter in letzter Not.
Der völlig gestörte Nathanael erblickt Coppelius und stürzt sich eigenhändig vom Turm.


Meine Einschätzung + Interpretation
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Auf jeden Fall lesen, wenn man es nicht schon getan hat. Auch wenn es sehr gespenstisch und phantastisch klingt und auch zu lesen ist, es fesselt trotzdem und weckt pure Spannung beim Leser.
In diesem Buch wird das serapiontische Prinzip erkennbar nach Weltsicht des Einsiedlers Serapion, der das große Vorbild des Freundeskreises ist. Angewandt auf Nathanael, der Hauptfigur in dieser Novelle, kann man dieses Prinzip nachvollziehen. Typisch romantisch und wahnhaftig besitzt er so viel Phantasie, daß es außen zur Realität wird. Was er innerlich denkt, wird später ins äußere Leben getragen. Das erkennt man an seinen Vorstellungen vom Leben und vor allem bösen Geistern. Daß diese Personen nie existieren und nur eine Vision darstellen, stört ihn nicht bzw. weiß er es nicht.

Des weiteren ist Nathanael ein typischer Vertreter der Romantik aufgrund seiner Phantasie und Wirklichkeit, die durcheinander geraten. Intensive Gefühlseindrücke verdichten sich zu einer inneren Bilderwelt, die man heutzutage bei vielen Leuten wiederfindet bzw. erkennt. Nicht umsonst möchte ich hier solch eine Interpretation liefern, denn zunehmende Probleme in der Gesellschaft mit der Phantasie, Kunst bis hin zu Selbstmordgedanken belasten uns alle irgendwann und sollten schon früh erkannt werden. Motive der Romantik kommen langsam wieder in Mode...

Ein Auszug aus dem Buch bietet solch ein Beispiel. Dort glaubt N., daß ?jeder Mensch sich frei wähnend nur dunklen Mächten zum grausamen Spiel diene?.
Ich denke, daß ist sehr erschreckend, denn was in der heutigen Zeit und vor allem in der Geschichte so ablief und warum wir jetzt diese schwerwiegenden Probleme haben, sieht man hier dran. Sicher auch ein bißchen aus dem Hut gezaubert, aber die dunkle Seite hat nun mal viel Macht und man läßt sich vor allem leicht bekehren und endet im Wahnsinn. Diese Vorstellungen wurden leider zu lange getragen und fortgesetzt und deshalb auch zu spät erkannt. Es gibt einfach zu viele Beispiele für diese Phantasie, die bei zahlreichen Bewohnern dieser Erde Wirklichkeit wurde und deshalb finde ich dieses Buch absolut gelungen und lesenswert.

Weltansichten entscheiden nun mal zwischen Gut und Böse und wer dieses Buch gelesen hat, wird sich schon so seine Gedanken machen. Anfangs hab ich mir auch gedacht, daß es doch alles Quatsch sei und der Typ einfach nur nen bißchen daneben ist, aber wer sich tiefer hineinversetzt und die Probleme erkennt, bei dem wird sich einiges aufdecken. Was ich damit sagen will ist, daß man nicht allen glauben soll, sich aber dennoch nicht von der Gesellschaft abkoppeln sollte wie es Nathanael tat, denn so endet man schnell in der Sackgasse und wer weiß wo noch. Wahnsinnige brauchen wir alle nicht!

Eine gute Novelle auch für Erwachsene, denn Wege der Erziehung spielen hier ebenfalls eine Rolle. Kinder bekommen schnell eine subjektive Meinung und wissen später nicht zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. D.h. man sollte immer ernst mit Kindern umgehen und ihn keine großen Steine in den Weg legen. Falschaussagen und Vermittlungen von Wahnvorstellungen sind sicher nicht fördernd.

Ich kann es wirklich nur betonen, daß man dieses Buch mal lesen sollte, denn wie schnell ?verliert? man seine Identität und seine Augen...

Das macht Fontane nämlich hervorragend indem er mit dem Motiv der Augen arbeitet und somit dem Leser die Augen öffnen will.
Es handelt sich hierbei meiner Meinung nach um eine Doppelfunktion des Augen (physisch/psychisch) Einerseits nimmt Nathanael etwas mit seinen Augen wahr, indem er die Außenwelt von innen nach außen holt, andererseits sind sie Ausdruck (Inneres nach außen kehren). Er beobachtet gern und macht sich ein Bild von etwas. Das ist für ihn die Wirklichkeit, deutet sich jedoch falsch und verliert sich immer mehr in seinem Wahn. Das Fernglas spielt ebenfalls auf diese Funktion an. Er schaut eigentlich in sich selbst, das Gerät raubt ihm seine Erkenntnisfreiheit. Er verirrt sich in visuellen Personen, die angeblich das Leben für ihn bedeuten und da ist sein Schicksal schon begraben.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß er die Hinweise des Augenmotivs nicht wahrgenommen und vor allem falsch gedeutet hat. Wer ebenfalls solche Probleme kennt oder selbst besitzt...laßt euch helfen und vor allem eure Augen öffnen.

Fazit: Nie abhängig machen, aber auch nicht jeden Rat oder Hinweis mißachten!

Das war meine Ansicht der Novelle ?der Sandmann? und ich hoffe jedem Leser seine Augen geöffnet zu haben...

ISBN: 3-15-000230-3
Preis: Bücherei ca. 3-4 EUR (variiert)
Verlag: Reclam

©RedWing

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