Mehr zu AutorInnen mit H Testbericht

ab 14,15
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von kaffeetrinkerin

"Fünf Viertel einer Orange" - noch schmackhafter als "Chocolat"

Pro:

das Geheimnis wird bis zum Schluss gewahrt Sehr logischer, wenn auch unerwarteter Schluss tolles Cover

Kontra:

teilweise sehrschwieriger Stoff, da häufiger Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Empfehlung:

Nein

\"Fünf Viertel einer Orange\" ist nach dem bekannten und verfilmten \"Chocolat\" der dritte Roman der erfolgsautorin Joanne Harris.
Aber wer da glaubt, dass das Debut immer am besten gelingt, der irrt.

Dieses Buch mit dem etwas aussergewöhnlichen Titel stellt Chocolat in den Schatten.

Die Geschichte dreht sich um Framboise, einer alten Dame, die in einem kleinen französischen Dorf eine Creperie betreibt.
Joanne Harris lässt sie ihre Geschichte in der Ich-Form selber erzählen, dabei wechselt sie so rasant zwischen ihrer Kindheit und dem Jetzt, dass der Eindruck erweckt wird, hier erzähle jemand wirklich sein Leben.

Framboise also betreibt ihre Creperie. Sie gilt zwar als Aussenseiterin, wird aber durchaus akzeptiert.
Dies könnte sich jedoch ändern, sobald die Leute erfahren, wer sie wirklich ist.
Und genau davor fürchtet sie sich. Sie verrrät niemandem, dass sie schon als Kind in diesem Dorf lebte, bis diese schreckliche Sache passierte...

Framboise hatte eine etwas aussergewöhnliche Kindheit: ihre Mutter war eine sehr harte, introvertierte Frau, die ihre Bäume und ihren Garten mehr liebte als ihre Kinder.
Der Vater war tot, so waren die Kinder den häufigen Migräneattacken der Mutter ausgeliefert.
Die Kopfschmerzen begannen stets damit, dass sich die Mutter Orangenduft einbildete. Kurz darauf zog sie sich in ihr Zimmer zurück, die Kinder tagelang sich selbst überlassen.

Diese fanden solche Anfälle manchmal durchaus nützlich, konnten sie doch in dieser Zeit leben, wie es ihnen in den Sinn kam.
Bald fand Framboise heraus, wie man die Anfälle herbeirufen kann...

Im \"Heute\" der Geschichte hat Framboise noch ein anderes Problem: Sie hatte von ihrer Mutter nichts als die Kladde, das selbstverfasste Rezeptbuch ihrer Mutter geerbt. Aber genau darauf war ihre restliche Verwandtschaft scharf.
Neffe und Nichte benötigten unbedingt die ausgezeichneten Rezepte für ihr nicht mehr ganz gut gehendes Sterne-Restautant.

Anfangs wollte Framboise das Buch nur aus Misstrauen nicht herausgeben, später entdeckte sie mit diesem Rezeptbuch, das gleichzeitig das Tagebuch der Mutter war, die Gefühle ihrer Mutter und zu ihrer Mutter neu.

Die Verwandschaft aber versucht sie zur Herausgabe zu zwingen, indem sie damit droht, die alte Frau auffliegen zu lassen.
Sobald jemand im Dorf erführe, wer sie wirklich war, würde sie geächtet sein.

Und all das nur wegen dieses schlimmen Ereignisses, dass sich durch den Roman zieht wie ein roter Faden, um erst zum Schluss Form anzunehmen.
Und nur durch das Lüften dieses Geheimnisses schliesslich versteht man den ganzen Hintergrund und damit auch die Geschichte selbst.

Ich werde hier weder das Geheimnis der Framboise aufdecken noch verraten, wie der etwas ungleiche Kampf mit den Restaurantbesitzern
ausgeht, nur soviel sei gesagt:

\"Fünf Viertel einer Orange\" ist nicht nur ein wunderbarer Sommerroman, zwischendurch werden die leckersten Rezepte verraten, so dass man meinen könnte, das Dorf in Frankreich schmecken zu können.

Zum Schluss ein guter Rat: Immer erst essen, dann den Roman weiterlesen.....



Fünf Viertel einer Orange, Joanne Harris;
405 Seiten, 17, 90 DM im Club Bertelsmann

13 Bewertungen, 1 Kommentar

  • burk68

    04.06.2002, 18:33 Uhr von burk68
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der abschlusstipp ;-)))) Gilt für fast alle guten Bücher. ;-)