Erfahrungsbericht von emmtie
Hahn, Nikola - Die Detektivin: Spannender Krimi im Frankfurt/M des Jahres 1882
Pro:
spannende Unterhaltung, mit einem Schuß historischer Information
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
„Die Detektivin“ von Nicola Hahn ist ein historischer Krimi, der in Frankfurt am Main im Jahr 1882 spielt. In der Handlung geht es um eine junge Frau aus gutbürgerlichem Haus, die sich nicht damit abfinden will, die Rolle, die ihr in der damaligen Zeit zugedacht ist, zu erfüllen. Statt mit Handarbeiten und der Vorbereitung auf die Ehe beschäftigt sie sich lieber mit Detektivromanen und kriminalistischen Abhandlungen, zu denen sie nur heimlich Zugang hat. Als am Wäldchestag, einem lokalen Frankfurter Feiertag, eine Hausangestellte ihres Onkels verschwindet, versucht sie auf eigenen Faust zu ermitteln. Das sie dabei mit dem zuständigen Kommissar, einem aus Berlin in das damals preussisch verwaltete Frankfurt versetzen Beamten, aneinander gerät und sich gar manches Wortgefecht liefert, bleibt nicht aus. Ohne zuviel von der Spannung zu nehmen, sei nur soviel verraten: Eine zehn Jahre alte Mordserie und die Familie der jungen „Detektivin“ spielen im weiteren Verlauf eine nicht unmaßgebliche Rolle.
Was an diesem Romanerstling gefällt ist die Verbindung einer spannenden und logisch aufgebauten Kriminalgeschichte mit der historischen Darstellung Frankfurts.
Das der eigentliche Krimi „funktioniert“, liegt höchstwahrscheinlich am beruflichen Hintergrund der Autorin: sie ist seit 1984 Polizistin und momentan Kriminaloberkommisarin in Offenbach. Dies mag zwar noch keine Garantie für eine gute Krimiautorin sein, aber man merkt dem ganzen Aufbau, den Wendungen und der dahinterliegenden Logik an, daß hier jemand geschrieben hat, die weiß, wovon sie spricht.
Auch die Darstellung der Personen ist vielschichtig und nachvollziehbar. Es wird viel Wert auf Details gelegt und man kann sich daher in diese Personen hineinversetzen. Die Liebe kommt im Roman natürlich auch nicht zu kurz.
Was weiterhin sehr interessant dargestellt wird, ist der damalige Stand der Polizeiarbeit und die langsame Einführung neuer Techniken. Aufgrund historischer Tatsachen, die im Anhang des Buches genauer erläutert werden, werden erkennungsdienstliche Praktiken wie z.B. Fingerabdrücke, oder Gerichtsmedizin geschickt in die fiktive Handlung eingebaut und erläutert.
Und als letztes beeindruckt natürlich der historischen Kontext und die Darstellung der damaligen Zeit. Ob es um die Besetzung Frankfurts durch die Preussen und die daraus entstandenen Vorurteile geht oder die damaligen Lebensumstände, sowohl in den höheren als auch den unteren Schichten geht, immer wird sehr detailliert und genau geschildert. Aber dies wird keineswegs trocken als Gegebeneiten „heruntergebetet“, nein man bekommt es durch Gespräche, Erzählungen etc. quasi „nebenbei“ vermittelt. Besonderen Spaß hatte ich, der seit über 10 Jahren in Sachsenhausen wohnt, an der Darstellung der groben, fluchenden, aber trotzdem das Herz am richtigen Fleck haben Sachsenhäuser. Auch historische Persönlichkeiten wie der Frankfurter Irrenarzt Hoffmann, bekannt geworden durch den Struwelpeter, oder der Mundartdichter Stolze werden in den Roman eingebunden.
Insgesamt ein spannender Krimi und gleichzeitig eine gutgeschriebene und flüssig zu lesende „Geschichtsstunde“. Absolut empfehlenswert, auch wenn man nicht wie ich in Frankfurt wohnt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-13 12:26:06 mit dem Titel Harding,P.-Galerie der Nachtigallen: Spannung im London des 14.Jahrhunderts
Mit diesem Roman bekommt man einen sehr guten Krimi, der zusätzlich auch noch detailreich das London des 14.Jahunderts schildert.
„Galerie der Nachtigallen“ erzählt eine Geschichte von Sir John Cranston, dem Untersuchungsrichter des Königs und dem ihm zugewiesenen Schreiber, dem Mönch Athelstan. Diese beiden werden beauftragt, den Mord an einem reichen Kaufmann aufzuklären. Eigentlich erscheint alles ganz einfach: Der Diener, der mit dem Kaufmann Streit hatte und ihm als letztes lebend gesehen hat, hat Selbstmord begangen. Aber wie so häufig ist nicht alles so einfach wie es aussieht und es gibt auch noch reichlich Verwicklungen bis in die höchsten politischen Kreise.
Was mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, waren zum einen die plastische Darstellung der beiden Hauptfiguren und die Entwicklung der Beziehung zwischen dem auf den ersten Blick etwas grobschlächtigen, dicken, ständig saufend und fressenden Richter und dem nachdenklicheren, an Astronomie, Naturwissenschaften und Logik interessiertem Mönch, der eine der ärmsten Pfarrgemeinden Londons betreut. Im Laufe des Buchs erfährt man neben der Krimihandlung auch viel über die Vergangenheit dieser beiden und dies macht die fiktiven Charaktere noch wirklichkeitsgetreuerer (soweit man das als Leser für eine Szenerie im 14.Jahundert beurteilen kann). Nicht umsonst wird soviel Wert auf diese Rahmenhandlung gelegt, den dieser roman ist der Beginn einer ganzen, locker zusammenhängenden Serie von Krimis mit diesen beiden Hauptpersonen.
Auch die Schilderung des Londons des Jahres 1377 ist sehr ausführlich und mit vielen kleinen Details angereichert. Gerade wenn man sich im heutigen London etwas auskennt, kann man einiges noch viel besser genießen, da durchaus auch einige Spitzen eingebaut sind, z.B. im Bezug auf Westminster. Diese Detailtreue ist auch kein Wunder, da der Autor Paul Harding, der auch unter dem Namen P.C. Doherty schreibt und damit bekannter sein dürfte, promovierter Historiker mit Spezialgebiet ältere englische Geschichte ist.
Wobei ich dann doch ein kleines „Haar in der Suppe“ finde. Harding hat das Genre des Historienkrimis natürlich nicht erfunden. Und wer etwas mehr in diese Richtung liest, kommt an einer Serie von Krimis nicht vorbei: Die Bruder Cadfael-Serie von Ellis Peters. Und obwohl diese Geschichten etwa 200 Jahre früher und nicht in London spielen, kann man bei diesen vor Hardings Romanen geschriebenen Büchern vieles finden, was auch hier verwandt wird: Die Kombination eines Mönches, der aber auch den Krieg kennt, mit einem offiziellen Ermittlers oder die Einbindung in den historischen Kontext. Dabei sind die Cadfael-Bücher nach meiner Meinung noch etwas besser als die ziemlich sicher von ihnen beeinflußten Athelstan/Cranson-Bücher Hardings. Aber auch wenn es einen „Spitzenreiter“ gibt, heißt das ja noch lange nicht, daß der „Zweite“ schlecht sein muß.
Insgesamt gesehen hat man mit den 260 Seiten von „Galerie der Nachtigallen“, bei dem der Titel übrigens auf einen Flur, der Töne macht, anspielt, ein unterhaltsames, spannendes, mit vielen Details gespickten und wirklich gut zu lesenden Historienkrimi, bei dem man am liebsten sofort nach den Fortsetzungen greifen will.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-13 18:19:21 mit dem Titel Hawks,T. - Mit dem Kühschrank durch Irland: Kühlschrank sucht Mitfahrgelegenheit
Ein junger Engländer wettet in einer durchzechten Nacht, daß er mit einem Kühlschrank innerhalb eines Monats einmal komplett um die Küste Irlands herum trampen kann.
Klingt absolut abgedreht und wie ein hervorragender Romanstoff. Doch weit gefehlt, denn es handelt sich hierbei um eine reale Reiseerzählung. Der englischen Entertainer und Komödiant Tony Hawks, hat vorher mit Irland nicht sehr viel zutun, außer der Tatsache, das er bei einem Besuch dort einen Mann mit einem Kühlschrank am Straßenrand gesehen hatte, der mitgenommen werden wollte. Als er diese Geschichte auf einer Party erzählt, wird er nicht für voll genommen und ein Freund wettet mit ihm um 100 Pfund, daß er die Küste Irlands in Begleitung eines Kühlschranks nicht innerhalb von 4 Wochen umrunden kann.
Normalerweise nimmt man solche Wetten im Suff am nächsten morgen nicht mehr ernst, doch unser Autor hat an dem Gedanken gefallen gefunden und setzt ihn in die Tat um.
Als ich den Titel des Buches zum erstenmal sah, dachte ich, daß dies unmöglich ist; allein wegen der Ausmaße und des Gewichts eines Kühlschranks. Doch man sollte nicht immer von dem ausgehen, was sich der typischen deutsche unter einem Kühlschrank vorstellt. Das „corpus delicti“, sprich der Kühlschrank, in diesem Fall ist ein Würfel von etwa 60 cm Kantenlänge, der auf einem kleinen Wägelchen gezogen werden kann. Dies macht die Sachen zumindest vorstellbar, wenn auch die Aufgabe auch mit diesem Gerät kaum leicht gewesen ist.
Eine Einschränkung wird auf der Tour gemacht: Nordirland wird ausgelassen, da Hawks nicht ganz sicher ist, ob der weiße Kasten, den er bei sich hat, nicht zu gefährlichen Mißverständnissen führen könnte (Das er dann doch noch in Nordirland landet und warum, sollte man selbst lesen)
Was auf den nächsten ca. 300 Seiten des Buches folgt, ist sowohl ein Reisebericht als auch gleichzeitig eine Beschreibung des Wesens Irlands bzw. der Leute, die dort leben. Man erfährt von der Hilfbereitschaft und von der Begeisterungsfähigkeit für die eigentlich völlig sinnlose Aktion. Ob Radiosender dazu aufrufen, den „Fridge man“ (=Kühlschrankmann) mitzunehmen, ein ganzes Dorf im Nordwesten Irlands Tod und Teufel versuchen und sogar das Militär einschalten, um Hawks und den Kühlschrank trotz einer nicht funktionierenden Fähre nach Tory Island zu transportieren und sich dann doch eine völlig andere Möglichkeit ergibt oder Hawks in eine Jungesellenauktion eingebunden wird. . Ganz zu schweigen von den unzähligen Pubs, in die er eingeladen wird. Der Kühlschrank bekommt u.a. einen Namen, wird von einer Ordensschwester gesegnet und surft in Strandhill sogar ganz alleine auf dem Atlantik. Und alle Beteiligten müssen natürlich auf dem Kühlschrank unterschreiben.
Natürlich ist das Buch und die darin geschilderten Erlebnisse in erster Linie einfach lustig zu lesen. Denn eigentlich ist das Ganze ja eine bekloppte Idee. Aber neben all dem Spaß bei dieser Sache erfährt man auch sehr viel über Irland. Zum einen wird natürlich auch die Route geschildert und was es dort zu sehen gibt. Und ich gebe zu, daß ich, der zu meiner Schande zwar Unmengen irischer Musik höre und irische Autoren lese, aber noch nie in Irland war, habe jede Menge gelernt, in dem ich die Route mit dem Finger verfolgte. Viele Orte, die ich zwar von Namen her kannte, aber nicht richtig zuordnen konnte sind mir jetzt ein Begriff. Man sollte jetzt keinen echten Reiseführer erwarten mit konkreten Tips, aber so ganz nebenbei werden doch Sehenswürdigkeiten und die Schönheit der Landschaft nahegebracht.
Zum anderen wird das ganze Buch irgendwie getragen von der fast sprichwörtlichen, etwas anderen Lebensart der Iren. Und scheinbar färbt die Landschaft ab, denn es sind nicht nur Iren, sondern auch dort lebenden Engländer oder Touristen, die mit einer Inbrunst dem „Fridge man“ helfen, als hätten sie nichts anderes zu tun.
Insgesamt irgendwie ein richtiges „Feel-good-Buch“ nach dessen Lektüre man sich am liebsten gleich in den Flieger nach Irland setzen möchte. Das es sich auch sehr flüssig liest, sieht man an der Tatsache, das ich das Buch am 25.12. bekommen habe und am 27.12. trotz allerlei Weihnachstverpflichtungen fertig war :-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 14:37:41 mit dem Titel Harding,P.-Haus des roten Schlächters: 2.Krimi im London des 14.Jh mit Cranston/Athelstan
Und wieder ein historischer Krimi aus dem 14. Jahrhundert, der in London spielt. "Das Haus des roten Schlächters" ist nach "Galerie der Nachtigall" der 2.Roman von Paul Harding, der sich mit dem Fällen von Sir John Cranston, dem Coroner (=Untersuchungsrichter) des Königs und Athelstan, seinem Schreiber, beschäftigt.
Die Einleitung des Buches spielt 15 Jahre vor der eigentlichen Handlung des Romans, die im Jahr 1377 angesiedelt ist. In dieser Einleitung wir nur kurz erzählt, wie ein zypriotisches Schiff mit einem Kreuzritter an Bord von maurischen Piraten, die sich dann als Elitetruppe des Kalifen herausstellen, aufgebracht und versenkt wird. Ob diese Geschichte wohl etwas mit der Haupthandlung zutun hat?? :- )
Die eigentlich Geschichte beginnt mit der Ermordung des Constables des Londoner Towers. Im Laufe ihrer Ermittlungen entdecken unsere beiden Hauptakteure, daß dieser Constable scheinbar schon länger in Angst gelebt hat und wenige Tage vor seiner Ermordung auch eine Warnung bekommen hat, wie sie von gedungenen orientalischen Meuchelmördern, sogenannten Assassinen, geschickt wird. Sowohl er als auch einige der im Tower zum Zeitpunkt des Mordes Anwesende haben vor 15 Jahren im Orient gekämpft. (Wie war das mit der Einleitung??) Während den weiteren Ermittlungen kommt es noch zu mehreren Morden, aber ich will hier nicht zu viel von der Spannung nehmen, von der ein Krimi ja lebt. In einer Nebenhandlung wird noch erzählt, wie vom Friedhof der von Athelstan betreuten Gemeinde Leichen von Menschen ohne Angehörigen verschwinden.
Wie schon beim ersten Roman glänzt dieses Buch neben der hervorragenden Krimihandlung mit einer Vielzahl von historischen Details und Informationen, an denen man erkennt, daß Harding, der auch unter dem Namen P.C. Doherty schreibt, studierter Historiker ist. Egal ob es um Dinge wie die damals bevorstehenden Bauernaufstände, die Kreuzzüge oder das Gerichtswesen allgemein geht Es werden Infos quasi "im Vorübergehen" vermittelt, ohne daß dabei doziert wird. Was im hier vorliegenden Buch noch etwas mehr als im ersten Band hervorgehoben wird, ist das Aufkommen der Wissenschaft und die dabei entstehende Problematik. In "Galerie .." wurde es hauptsächlich durch die Neigungen Athelstans in Richtung Logik und Astronomie ins Spiel gebracht, hier wir es zum Teil der Handlung. Aber es gilt auch hier, daß ich nicht zu viel sagen will, damit ich niemanden dem Spaß beim Lesen verderbe. Weiterhin ist es, wenn man sich etwas im heutigen London auskennt, lustig und interessant, die historischen Parallelen (Ursprung von Namen, Zweck bestimmter Viertel etc.) zu sehen.
Die Figuren sind gewohnt vielschichtig dargestellt, damit man sich mit ihnen identifizieren kann. Auch das persönliche Umfeld der beiden Protagonisten wird wieder ausgiebig mit einbezogen und macht die ganze Sache noch plastischer. Man begegnet mit dem ständig saufenden, fressenden, aber trotzdem scharfsinnigen Richter und seinem zwangsverpflichteten Mönchsscheiber und ihrem Umfeld quasi alten Bekannten, deren Leben weitergeschrieben wird. Aber da dies nie in die eigentliche Handlung einfließt und genügend Infos gegeben werden, muß man den ersten Roman nicht kennen, um dieses Buch genießen zu können.
Der Titel ist ausnahmsweise mal wirklich einfach übersetzt worden und spielt auf den Tower of London an, um den sich ja schon zur damaligen Zeit viele Sagen rankten und der ja auch Gefängnis und Richtplatz war. Und somit war der rote Schlächter, also der Tod dort zuhause.
Vielleicht kurz auch bei diesem Buch die Anmerkung, daß man natürlich Vergleiche mit der Bruder Cadfael-Reihe von Ellis Peters ziehen muß. Aber es können mehrere Reihen ähnlichen Inhalts durchaus parallel bestehen und gut sein (Wer genaueres wissen will, sollte meine Meinung zum 1.Buch lesen : -))
Insgesamt wieder ein sehr schöner, spannender und mit History gespickter Krimi, der wieder innerhalb weniger Tage verschlungen wurde. Man sollte natürlich nicht zu viel Anspruch erwarten, aber wer so etwas sucht, sollte keine historischen Krimis, sondern Geschichtsbücher lesen. Als Unterhaltungslektüre wärmstens zu empfehlen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-22 21:54:53 mit dem Titel Harding,P.-Sakristei des Todes: Schon wieder ein mittelalterlicher London-Krimi
Schon wieder ein mittelalterlicher Krimi aus London von Paul Harding mit dem Richter Cranston und seinem Schreiber, dem Mönch Athelstan, den ich innerhalb weniger Tage „verschlungen“ habe. So langsam wir es ja fast schon zur Sucht bei mir :-)
Das hier besprochenen Buch „Sakristei des Todes“ ist der 3.Teil einer lockeren Reihe von Krimis, die im 14. Jahrhundert in London spielen und von den beiden immer gleichen Hauptpersonen getragen werden: John Cranston, Untersuchungsrichter des Königs für London, verfressen, versoffen, manchmal ein wenig tranig wirkend aber trotzdem blitzgescheit und hellwach, wenn es um die Lösung der ihm aufgetragenen Fälle geht und der ihm zwangsweise als Schreiber zugewiesene Mönch Athelstan, eher nachdenklich und ruhig, sehr an den aufkommenden Wissenschaften interessiert, mit einer etwas dunklen Vergangenheit mit Kriegserfahrungen.
In diesem Buch müssen sie sich gleich um 3 Fälle kümmern: Zum einen wir der Richter vom Regenten von England bei einem großen Bankett in eine Wette mit einem italenischen Adligen gelockt, bei der er eine von diesem erzählte Mordgeschichte innerhalb einer Woche lösen muß. Wenn er dies nicht kann, verschuldet er sich entweder bis zum Äußersten oder er wird vom Regenten abhängig. Zum anderen wird bei Renovierungsarbeiten in der von Athelstan betreuten Kirche ein Skelett unter dem Altar gefunden. Als dann auch noch ein „Wunder“ am aufgebahrten Sarg mit diesem Skelett geschieht, wittert seine umtriebige Gemeinde ein Geschäft mit der vermeindlichen Heiligen. Und zu allem Überfluß geschieht im Kloster Blackfriars, aus dem Athelstan stammt, auch noch ein Mord und ein Klosterbruder verschwindet, während dort ein Versammlung zur Überprüfung einer neuen theologischen Schrift stattfindet. Somit eilen unsere „Helden“ zwischen den Schauplätzen hin und her, um alle Rätsel zu lösen.
Ich will ja meine Kritik zu den beiden Vorgänger-Werken hier nicht jedesmal wortwörtlich wiederholen (wen es interessiert, kann sie ja selbst lesen :-), aber auch bei diesem Buch zeigt sich, daß es Paul Harding gelingt, sein Wissen als studierter Historiker mit Fachgebiet England im Mittelalter (es wird behauptet, sein Latein sei fast besser als sein Englisch) und sein Talent für spannendes und flüssiges Schreiben zu vereinen. Alles Personen sind glaubwürdig und vielschichtig beschrieben, so daß man deren Handeln nachvollziehen kann. Und so ganz nebenbei gibt es wieder jede Menge historische Informationen; dieses mal, nicht weiter verwunderlich, wenn 2 der 3 Fälle mit Kirche und Kloster zu tun haben, besonders viele Fakten über die Praktiken der Heiligenverehrung, des Ablaßhandels und der Inquisition. Auch über das historische London gibt es wieder einige interessante Schmaklerl. Und wieder wird sehr eingehend die Lebensweise der „normalen“ Bevölkerung in der damaligen Zeit beschreiben.
In diesem Buch sind die beiden Hauptfiguren direkter als in den beiden vorherigen Romanen in die eigentliche Krimihandlung involviert, sie kommen nicht nur als Ermittler hinzu. Somit werden naturgemäß auch ihr Umfeld etwas mehr miteinbezogen. Aus diesem Grund wäre es zwar ganz gut, die beiden ersten Romane zu kennen, weil viele Personen auch dort schon auftauchen (Athelstans Gemeinde, insbesondere Benedicta, die Frau des Richters etc.) Aber da Harding dieses Wissen nicht als Voraussetzung nimmt und immer noch genügend Infos zu den Personen im vorliegenden Buch gibt, kann man es auch mit Genuß lesen, wenn man die Vorgänger nicht kennt.
Zu Vergleichen zu ähnlichen Büchern habe ich ja in den anderen Meinungen genügend gesagt.
Wieder ein gelungener Historienkrimi, bei dem man bis zur letzten Seite nicht zur Seite legen kann. Und die beiden nächsten Bücher der Reihe stehen auch schon hier zum „Verschlingen“ bereit, aber da Vorfreude die schönste Freude ist, werde ich mir jetzt bewußt etwas Zeit lassen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 15:14:06 mit dem Titel Harding,P.-Zorn Gottes: Historische London-Krimis machen süchtig
Schon wieder ein historischer Krimi aus dem mittelalterlichen London? Diejenigen, die häufiger Berichte von mir lesen, werden gemerkt haben, dass der Autor Paul Harding doch recht häufig in meinen Berichten auftaucht. Doch seine Romane, und davon ganz speziell seine Reihe um den Londoner Untersuchungsrichter Cranson und seinen Schreiber, den Mönch Athelstan, die im 14. Jahrhundert spielt, haben es mir angetan.
Auch auf die Gefahr hin, mich zu meinen früheren Berichten zu wiederholen, will ich auch hier nochmals kurz schildern, was aus meiner Sicht das besondere an seinen Büchern ist. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass alle meine alten Berichte lesen (auch wenn es schön wäre :-) ):
Paul Harding ist ein Pseudonym des englischen Historikers Paul Doherty. Mittlerweile veröffentlich er auch die Romane der hier besprochenen Reihe unter seinen richtigen Namen. Wenn man etwas recherchiert, erfährt man aber auch, dass er ein echter Vielschreiber ist und zumindest mir sind 3 weitere Pseudonyme bekannt. Aber trotz des Massenausstoßes von Büchern leidet die Qualität meiner Ansicht nicht darunter.
Durch sein Beruf als Historiker kann er natürlich sehr viele Details und Informationen in seinen Geschichtsromanen unterbringen. Das Besondere ist aber die Tatsache, dass diese Fakten nicht einfach „doziert“ werden, sondern das sich auch Informationen über die damals aktuelle politische Situation oder Regeln das Zusammenlebens immer quasi selbstverständlich aus der erzählten Geschichte ergeben. Man hat nie das Gefühl, der Autor würde erst einmal eine Art Grundlage „herunterbeten“, wie ich es schon bei anderen Geschichtsromanen erlebt habe, und darauf dann seine Erzählung aufbauen. In Hardings Büchern erfährt man dies ganz nebenbei aus Unterhaltungen oder bei der Recherche für die Fälle.
Wie auch schon früher mehrmals geschrieben, sind die Romane selbstverständlich keine Geschichtsbücher und haben auch nicht diesen Anspruch. Aber für Unterhaltungsliteratur wird erstaunlich viel an Fakten vermittelt. Und gerade ich als alter London-Fan amüsiere mich auch über viele Anspielungen über mir bekannte Orte.
Jetzt aber genug „allgemeines Gelaber“, jetzt noch einiges über „Der Zorn Gottes“:
Wieder einmal ist es Harding gelungen, eine Vielzahl von Handlungssträngen in einem Buch unterzubringen. Die Hauptstory, auf die sich auch der Titel bezieht, handelt von einem Geheimbund, der den Mächtigen der Stadt den Kampf angesagt hat und dessen rätselhafter Führer „Ira dei“, Der Zorn Gottes genannt wird. Der uns schon aus den vorherigen Büchern bekannte Regent Englands, Gaunt, versucht sich mit den reichen Gildenherren der Stadt zu verbünden. Doch dann werden der Sheriff Londons und einer der Gildemeister ermordet und der Goldschatz, der von beiden Seiten in einer mehrfach verschlossenen Truhe hinterlegt wurde, verschwindet. Da natürlich auch wieder die Rivalität zwischen dem Regenten und dem eigentlichen König, der noch ein Kind ist und von seinen Beratern gesteuert wird, eine große Rolle spielt, bleibt für unsere Helden wieder viel zu tun. Und so ganz nebenbei klären sie noch den Tod eines der besten Freunde des Coroners, untersuchen ein angeblich besessenen Mädchen und Athelstan versucht in seiner Gemeinde eine Heirat von zwei Kindern aus verfeindeten Familien zu deichseln. Neben all der Spannung bleibt aber auch wieder genügend Zeit für viele nette Nebenepisoden; wenn ich nur an die Art und Weise denke, wie der griesgrämige, manchmal fast wilde Coroner an einen neuen Diener und zwei Riesenhunde kommt und dann Angst wie ein Schulkind hat, dies seiner kleine, aber resoluten Frau beizubringen, lache ich jetzt noch.
Wieder einmal ein absolutes Lesevergnügen, dass sowohl die Fans dieser Buchreihe als auch Neueinsteiger zu begeistern weiß. Denn obwohl dieser Bücher eine Art Serie darstellen, ist jedes in sich abgeschlossen und auch wenn viele handelnde Personen immer wieder auftauchen, werden sie in jedem Buch so ausreichend charakterisiert und ihr Verhältnis untereinander dargestellt, dass man es auch ohne Kenntnis der Vorgängerwerke genießen kann.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 22:14:45 mit dem Titel Harding,P.-Tod auf der Themse: Historischer Londonkrimi, mal wieder :-)
Irgendwie komme ich von den historischen London-Krimis einfach nicht los. Nachdem ich zuletzt eine aktuellen Thriller gelesen haben, wanderte meine Hand fast automatisch beim Aussuchen des nächsten Buches in die Reihe, in der ich vorsorglich immer 2-3 nicht gelesene Bücher aus der historischen Krimireihe um den Richter Cranston und seinen Schreiber, den Ordensbruder Athelstan, von Paul Harding stehen. Vielleicht sollte ich mir Gedanken machen, den das sieht ja fast nach den ersten Sucht-Anzeichen aus :-)
Da ich mich bei dieser Reihe immer schön chronologisch vorarbeite, griff ich zum 5.Band „Tod auf der Themse“.
Für diejenigen, die die Reihe noch nicht kennen ein paar Worte zur allgemeinen Einführung und zur Handlung dieses speziellen Romans:
Alle Romane der Serie spielen im London des 14.Jahrhunderts und haben immer die gleichen zwei zentrale Hauptfiguren: Sir John Cranston, Untersuchungsrichter der Stadt London, dick, gefräßig, ständig versoffen, angeberisch und geschwätzig, aber trotzdem immer hellwach und schlau, wenn es um die Lösung seiner Fälle geht, außerdem das Herz am richtigen Fleck. Und als Gegenpart der ruhige, nachdenkliche, den damals aufkommenden Wissenschaften zugetane Ordensbruder Athelstan, der den Richter ursprünglich zwangsweise als Schreiber zugeteilt wurden und parallel dazu eine Kirchengemeinde in London betreut. Gerade diese unterschiedlichen Charaktere und deren Zusammenarbeit und daraus sich im verlaufe der Bücher entwickelte Freundschaft macht meiner Ansicht nach einen der Punkte aus, warum es mich immer wieder zu dieser Serie zieht.
Im vorliegenden Roman müssen sich unsere zwei Helden um mehrere mysteriöse Ereignisse im Zusammenhang mit einem im Hafen liegenden Kriegsschiff beschäftigen. Der unbeliebte Kapitän stirbt an einer seltsamen Krankheit und kurze Zeit später verschwinden 3 Seeleute, die als Wache auf den Schiff waren, ohne das irgendjemand etwas davon mitbekommt. Und schließlich wird auch noch der Geschäftspartner des Kapitäns ermordet und der mutmaßliche Mörder flieht in das Kirchenasyl in das Gotteshaus, dass Athelstan betreut. Das dabei natürlich mehr dahinter steckt, dass aufzulösen ist, sollte wohl klar sein, oder? Da der Haupthandlungsstrang schon aus mehreren Verbrechen besteht, gibt es dieses mal im Gegensatz zu den Vorgängerwerken nur noch eine kleine Nebengeschichte um Einbrüche. Aber natürlich wird auch wieder über die Streitigkeiten in Athelstans Gemeinde, dieses mal bei der Aufführung eines Mysterienspiels berichtet.
Meine Meinung:
Fast alles, was ich in meinen Meinungen zu den 4.Vorgängerwerken, könnte ich hier wortwörtlich aufführen. Aber da es ja Leute gibt, die meine Meinungen regelmäßig lesen (Danke!) und ich außerdem nichts davon halte, mich immer wieder zu wiederholen, werde ich mich hierbei kurzfassen: Die ganze Reihe ist meiner Ansicht nach so faszinierend, weil es der gelernte Historiker Paul Doherty, der unter dem Pseudonym Paul Harding schreibt (aber ab dem 8.Band der Reihe plötzlich seinen eigenen Namen benutzt), hervorragend versteht eine spannende und unterhaltende Krimigeschichte fast nebenbei mit vielen, genau recherchierten historischen Informationen zu durchsetzten. Ob Ortsangaben, Lebensweise der „normalen“ Bevölkerung oder politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit; alles wird schlüssig dargestellt und es wirkt nie, als ob jemand quasi gewisse Vorgaben herunterbetet um die Geschichte schlüssig darzustellen, sondern es wird einfach im Verlauf eingearbeitet. Durch meine Faszination für diese Reihe und mein schon lange anhaltendes Faible für London, dass ich auch immer wieder auslebe, habe ich mich etwas mit den geschichtlichen und geographischen Fakten der Reihe (Ortsnamen, Regierungen etc) beschäftigt und musste feststellen, dass soweit ich das als Laie beurteilen kann, alles hundertprozentig stimmig ist.
In jedem Buch gibt es quasi eine Art Schwerpunkt Thema: Dieses mal ist es verständlicherweise die Seefahrt, oder noch genauer die Bedingungen der Kriegsmarine in einer Zeit, in der es immer wieder Übergriffe französischer Schiffe auf englische Gebiete und umgekehrt und Piratenaktionen auf beiden Seiten gab. Die „höhere“ Politik, die ja gerade im Vorgänger eine große Rolle gespielt hat, wird hier fast völlig außen vor gelassen. Sie ist nur der Rahmen für die Ereignisse des Falls. Stattdessen erfährt man viel über den Alltag der Seeleute, die kleine Intrigen und Nebengeschäfte und man bekommt außerdem eine Schlacht geschildert.
Zuletzt noch der Hinweis auf die Verbindungen zu den Vorgängerwerken. In meinem letzten Bericht über den Thriller „..denn zum Küssen sind sie da“ hatte ich eine zu enge Anbindung an den Vorgänger kritisch und störend angemerkt. Auch bei der Cranston-Athelstan-Reihe wird natürlich durch das ständige Auftauchen der immer gleichen Nebenfiguren wie der Frau und den Söhne des Richters, der Witwe, die von Athelstan angehimmelt wird oder seiner Pfarrgemeinde vieles verständlicher und auch lustige, wenn man die Vorgeschichte kennt. Aber da dabei die Haupthandlung nicht berührt wird, bin ich weiterhin der Meinung, dass man einzelnen Bände der Serie auch außerhalb der vorgegebene Reihenfolge lesen kann, ohne Probleme zu haben. Ich gebe zu, dass diese Sicht eventuell davon beeinflusst ist, das ich diese Reihe im Gegensatz zum Patterson-Roman, den ich einfach „mitten raus“ gegriffen hatte, wirklich nacheinander lese und somit gar nicht abschätzen kann, wie es ist, wenn man manche Anektdote der Vorgänger nicht kennt.
Damit will ich zum Ende kommen: Wer unbedingt mehr über z.B. ein Vergleich zu ähnlichen Werken oder , der darf gerne meine anderen Berichte lesen; ich fände es Blödsinn all dies jedes Mal zu wiederholen :-)
Insgesamt betrachtet wieder ein sehr spannendes, ungemein unterhaltendes und ganz nebenbei einige historische Infos vermittelnde buch, dessen Qualität und Spannung man schon daran abschätzen kann, dass ich trotz der Tatsache, dass ich ja auch zur Arbeit muss, die 270 Seiten in etwas mehr als einem Tag gelesen habe.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-04 13:12:00 mit dem Titel Harding,P.-Parlament der Toten: Mittelalterlicher Londonkrimi, die Sechste :-)
Kaum zu glauben, schon wieder ein historischer Londonkrimi aus dem 14.Jahrhundert von Harding, den ich hier besprechen will. Dieses mal geht es um „Das Parlament der Toten“, den 6.Band aus der lockeren Reihe um Athelstan und Cranston von Paul Harding. Diejenigen, die langsam aufstöhnen, wie oft ich den noch Bücher dieser Reihe besprechen will, können sich beruhigen, denn es gibt bisher nur 9 Bände, bleiben also nur noch 3 übrig. Aber es gibt ja noch andere historischen Romane bzw. sogar ganze Reihen von diesem Vielschreiber. :-)
Eigentlich wollte ich ja diesen Band bewusst noch nicht lesen, sondern etwas warten, damit ich „die Reihe nicht so schnell durch habe“. Aber auf meiner letzten Dienstreise nach München mit dem Zug hatte ich meinem ersten Buch so schnell fertiggelesen (sieh letzte Meinung), dass mir nichts anderes übrig blieb, als auch mein „Ersatzbuch“, dass ich für den Fall, das mir mal ein Buch beim Lesen wider Erwarten nicht gefällt, dabei habe, zu lesen. Und das war nun mal der Harding.
Es soll ja Leute geben, die nicht alle meine Meinungen lesen. :-) Daher hier eine kurze Einführung zu dieser Buchreihe. Aber wirklich nur ganz grob; ich will mich nicht im Hinblick auf die anderen Meinungen zu dieser Serie wiederholen:
Es geht um Kriminalfälle in London gegen Ende des 14.Jahrhunderts, die von zwei immer wiederkehrenden Hauptpersonen gelöst werden: Dem Untersuchungsrichter des Königs, Sir. John Cranston, und dem im anfangs zwangsweise als Schreiber zugeteilten Ordensbruder Athelstan, der gleichzeitig eine arme Gemeinde in London als Pfarrer betreut. Während der Richter vordergründig, versoffen, grob und prahlerisch ist, aber in Wirklichkeit ein heller Kopf und eine Seele von Mensch, ist der Ordensbruder eher nachdenklich, grüblerisch und den aufkommenden Wissenschaften zugetan. Das soll aber jetzt als Einführung reichen.
Handlungszusammenfassung:
Im vorliegenden Buch muss sich unser „Detektivduo“ mit seltsamen Morden an Parlamentsangehörigen beschäftigen. Um neue Steuern zu erheben hat der amtierende Regent das sogenannte Common, ein Ständeparlament, einberufen. Einige seiner schärfsten Kritiker, adlige Abgeordnete aus dem Shrewsbury, werden nacheinander umgebracht. Um den Verdacht zu entkräften, er hätte etwas damit zu tun, beauftragt der Regent Cranston mit den Ermittlungen. Doch dieser und vor allem sein Schreiber erkennen bald, das hinter den Morden noch mehr steckt; aber auch Politik. In den für diese Serie typischen Nebenhandlungen erscheit zum einen ein „Dämon“ auf dem Friedhof von Athelstans Gemeinde und eines seiner Gemeindemitglieder wird gesucht. Außerdem verschwinden Katzen im Viertel.
Meine Meinung:
Eigentlich kann ich diesen Part immer wieder aus den alten Meinungen hier her kopieren, aber ich will versuchen mich nicht zu wiederholen und jedes Mal ein klein wenig andere Schwerpunkte zu setzen :-)
Wie in allen Vorgängern gelingt es Paul Harding, einem Historiker mit dem Schwerpunkt mittelalterliche Städte, der wahrscheinlich unter seinem richtigen Namen Paul Doherty, unter dem er ebenfalls schreibt, noch bekannter ist, eine spannende, realistisch wirkende Kriminalgeschichte.
Aber auch wenn die „große“ Politik, wie die Rivalität zwischen dem Regenten John von Gaunt und dem minderjährigen König oder die drohenden Bauernaufstände immer den Rahmen für die Handlung vorgeben, wird sehr viel Wert auf eine realistische Schilderung des „normalen“ Lebens in London in diesen Zeiten gelegt (Soweit der Leser, als Mensch des 21.Jh, dies überhaupt einschätzen kann). Wie schon häufiger geschrieben, aber trotzdem immer wieder erwähnens- und lobenswert, wird sehr viel Wert auf die kleinen Details gelegt. Sei es die Müllbeseitigung in London, oder der Transport von Getreide mit Lastkähnen die Themse hinauf. Viele solche Details werden in die Handlung „im Vorübergehen“ eingebaut.
Aber was für einen Krimi das Wichtigste ist: Das Buch ist spannend, mit vielen unvorhersehbaren Wendungen und Aufdeckungen. Auch wer sich nicht so tief für die historischen Details interessiert, kann den Roman mit der entsprechenden Spannung und dem entsprechenden Genuss lesen.
Nur der Vollständigkeit noch der Hinweis, dass man zwar aufgrund vieler immer wieder auftauchenden Nebenfiguren etwas mehr Vergnügen hat, wenn man die Serie in ihrer Chronologie liest, ich aber trotzdem der Meinung bin, das genügend Infos zu diesen Personen gegeben werden, damit man auch jeden Band für sich alleine problemlos lesen kann.
Zusammenfassend betrachtet wieder ein sehr spannender historischer Krimi, der in erster Linie unterhaltsam ist, aber wie seine Vorgänger einiges an historischen Infos ganz nebenbei beinhaltet.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-09 00:36:50 mit dem Titel Harding,P.-Tödliche Rätsel: Das Ende dieser historischen London-Krimis naht :-)
Eine Romanreihe, der ich „verfallen“ bin, nähert sich ihrem Ende. Es ist kaum zu glauben, aber mit dem Band „Tödliches Rätsel“, dem 7.Roman der lockeren Reihe von mittelalterlichen Krimis rund um den Londoner Untersuchungsrichter Cranston und seinem Schreiber, dem Ordensbruder Athelstan bin ich schon beim drittletzten Band angekommen. Und da der letzte Band schon von 1999 stammt, gehe ich bei einem Vielschreiber wie es der Autor Paul Doherty, der neben vielen anderen Pseudonymen auch unter dem Namen Paul Harding schreibt, ist, davon aus, dass die Serie beendet wird.
Zur Handlung:
Wieder müssen sich der auf den ersten Anschein nur fette, weinsaufende, ständig bei Vernehmungen einschlafende Londoner Untersuchungsrichter Cranston, der aber eigentlich blitzgescheit und herzensgut ist und sein Schreiber und Freund, der Ordensbruder Athelstan einem Hauptfall und einigen Nebenstories im London des ausklingenden 14.Jahrhunderts widmen. In der Hauptgeschichte geht es um die Ermordung von mehreren Schreibern der „Kanzlei des grünen Wachses“, des Amtes in dem Pässe, Auslandsreisegenehmigungen etc. ausgestellt werden. Bei den nach und nach im Laufe der Ermittlungen umgebrachten Schreibern findet man Nachrichten mit Rätseln, die unsere Protagonisten entschlüsseln müssen, um dem Täter auf die Spur zu kommen und weitere Morde zu verhindern. Daneben gibt es noch eine kleinere Rahmenhandlung, in der es um einen Geldverleiher geht, der scheinbar in einem von innen abgeschlossenen Raum, zu dem es keine weiteren Zugänge gibt, ermordet wird. Und natürlich gibt es auch wieder Teile der Handlung, die sich mit der Kirchengemeinde, in der Athelstan Pfarrer ist, beschäftigen. Dieses mal beginnt ein neu aufgestelltes Kreuz zu bluten und wird als sofort Reliquie verehrt und vermarktet.
Meinung:
Wie schon in den sechs Büchern vorher hat es unwahrscheinlichen Spaß gemacht, dieses Buch zu verschlingen. Die Verknüpfung des historischen Kontextes mit spannenden, sehr flüssig geschriebenen Krimihandlungen, sympathischen Hauptpersonen und einem Schuß historischer Lebensbeschreibung sind genau die Mischung, die ich für einen unterhaltsamen Leseabend benötige. Paul Harding, oder besser gesagt Paul Doherty, denn ab den 8.Band der Reihe legt er komischerweise sein Pseudonym ab und schreibt die beiden bisher letzten und von mir noch zu lesenden Bände unter seinem wirklichen Namen, hat zwar das Genre des historischen Krimis definitiv nicht erfunden und der Anspruch in diesen Bänden mag nicht allzu hoch sein. Aber der studierte Historiker vermittelt meiner Ansicht nach neben einer soliden und nicht sofort zu durchschauenden Krimihandlung noch genügend an historischen Informationen über das Leben der allgemeinen Bevölkerung im London des 14.Jh., politische Verwicklungen der damaligen Zeit und Details über das Rechtssystem und die Stellung der Kirche, das ich persönlich dies als informativ ansehe.
Und wie bei allen anderen Romanen der Serie merke ich and dieser Stelle an, dass es sich natürlich nicht um ein Sachbuch handelt und dies auch gar nicht das Ziel eines historischen Krimis sein sollte. Ich sehe schon einen anderen, von mir hochgeschätzten Autor hier (und indirekt durch seine Buchtipps Verschulder größeren Kosten auf meiner Seite :-), einwenden, dass sich diese Buchserie und einige andere der in den letzten Jahren immer stärker aufkommenden Historienkrimis mit Zitat: „Mönchlein“ immer mehr dem Niveau von Fernseh-Soaps annähern und den historischen Bachground nur als Deckmantel für 08/15-Krimihandlungen nutzen. Ganz entkräften kann ich diese Argumentation nicht und den historischen Background bzw. dessen Wahrheitsgehalt kann ich nur insoweit hinterfragen, wie es mir als Laie möglich ist. Da mag der Fachmann viele Fehler entdecken, aber ich, der ich mich als recht guter London-Experte aufgrund vieler Aufenthalte dort sehe, habe z.B. in jedem Band meine klammheimliche Freude daran, wie mir bekannte Orte eingebracht werden, die im historischen Umfeld ganz andere Bedeutung und rang hatten, als sie es in heutiger Zeit haben.
Und letztendlich sehe ich diese Buchreihe in erster Linie als Unterhaltungsliteratur an, doch im Gegensatz zu den Fernseh-Soaps, gibt es hier ausgefeilte Charaktere, logischen Handlungsbögen und zumindest für mich immer wieder gleichzeitig Spannung, ein paar historischen Informationen und damit das, was ich von Unterhaltungsliteratur erwarte: Lesespaß.
Es würde zwar noch einige andere Gebiete geben, auf die man eingehen kann, z.B. der Vergleich zu anderen Romanen mit ähnlicher Konstellation (z.B. von Ellis Peters). Doch dies habe ich in den Meinungen zu den anderen Romanen der Serie schon betrachtet und ich will mich ja nicht immer wiederholen. Wen es interessiert, der kann ja die alten Meinungen lesen :-)))
Ach ja, und wer jetzt schon die Hoffnung hat, das ich nach den letzten 2.Bänden endlich Ruhe gebe mit den Meinungen über historischen Krimis, der kann diese gleich wieder aufgeben, denn vom gleichen Autor gibt es eine momentan zwölfbändige Reihe um „Hugh Corbett“, die ähnlich aufgebaut ist und die auch schon auf meiner „Zu-Lesen“-Liste stehen :-)
Was an diesem Romanerstling gefällt ist die Verbindung einer spannenden und logisch aufgebauten Kriminalgeschichte mit der historischen Darstellung Frankfurts.
Das der eigentliche Krimi „funktioniert“, liegt höchstwahrscheinlich am beruflichen Hintergrund der Autorin: sie ist seit 1984 Polizistin und momentan Kriminaloberkommisarin in Offenbach. Dies mag zwar noch keine Garantie für eine gute Krimiautorin sein, aber man merkt dem ganzen Aufbau, den Wendungen und der dahinterliegenden Logik an, daß hier jemand geschrieben hat, die weiß, wovon sie spricht.
Auch die Darstellung der Personen ist vielschichtig und nachvollziehbar. Es wird viel Wert auf Details gelegt und man kann sich daher in diese Personen hineinversetzen. Die Liebe kommt im Roman natürlich auch nicht zu kurz.
Was weiterhin sehr interessant dargestellt wird, ist der damalige Stand der Polizeiarbeit und die langsame Einführung neuer Techniken. Aufgrund historischer Tatsachen, die im Anhang des Buches genauer erläutert werden, werden erkennungsdienstliche Praktiken wie z.B. Fingerabdrücke, oder Gerichtsmedizin geschickt in die fiktive Handlung eingebaut und erläutert.
Und als letztes beeindruckt natürlich der historischen Kontext und die Darstellung der damaligen Zeit. Ob es um die Besetzung Frankfurts durch die Preussen und die daraus entstandenen Vorurteile geht oder die damaligen Lebensumstände, sowohl in den höheren als auch den unteren Schichten geht, immer wird sehr detailliert und genau geschildert. Aber dies wird keineswegs trocken als Gegebeneiten „heruntergebetet“, nein man bekommt es durch Gespräche, Erzählungen etc. quasi „nebenbei“ vermittelt. Besonderen Spaß hatte ich, der seit über 10 Jahren in Sachsenhausen wohnt, an der Darstellung der groben, fluchenden, aber trotzdem das Herz am richtigen Fleck haben Sachsenhäuser. Auch historische Persönlichkeiten wie der Frankfurter Irrenarzt Hoffmann, bekannt geworden durch den Struwelpeter, oder der Mundartdichter Stolze werden in den Roman eingebunden.
Insgesamt ein spannender Krimi und gleichzeitig eine gutgeschriebene und flüssig zu lesende „Geschichtsstunde“. Absolut empfehlenswert, auch wenn man nicht wie ich in Frankfurt wohnt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-13 12:26:06 mit dem Titel Harding,P.-Galerie der Nachtigallen: Spannung im London des 14.Jahrhunderts
Mit diesem Roman bekommt man einen sehr guten Krimi, der zusätzlich auch noch detailreich das London des 14.Jahunderts schildert.
„Galerie der Nachtigallen“ erzählt eine Geschichte von Sir John Cranston, dem Untersuchungsrichter des Königs und dem ihm zugewiesenen Schreiber, dem Mönch Athelstan. Diese beiden werden beauftragt, den Mord an einem reichen Kaufmann aufzuklären. Eigentlich erscheint alles ganz einfach: Der Diener, der mit dem Kaufmann Streit hatte und ihm als letztes lebend gesehen hat, hat Selbstmord begangen. Aber wie so häufig ist nicht alles so einfach wie es aussieht und es gibt auch noch reichlich Verwicklungen bis in die höchsten politischen Kreise.
Was mir an diesem Buch sehr gut gefallen hat, waren zum einen die plastische Darstellung der beiden Hauptfiguren und die Entwicklung der Beziehung zwischen dem auf den ersten Blick etwas grobschlächtigen, dicken, ständig saufend und fressenden Richter und dem nachdenklicheren, an Astronomie, Naturwissenschaften und Logik interessiertem Mönch, der eine der ärmsten Pfarrgemeinden Londons betreut. Im Laufe des Buchs erfährt man neben der Krimihandlung auch viel über die Vergangenheit dieser beiden und dies macht die fiktiven Charaktere noch wirklichkeitsgetreuerer (soweit man das als Leser für eine Szenerie im 14.Jahundert beurteilen kann). Nicht umsonst wird soviel Wert auf diese Rahmenhandlung gelegt, den dieser roman ist der Beginn einer ganzen, locker zusammenhängenden Serie von Krimis mit diesen beiden Hauptpersonen.
Auch die Schilderung des Londons des Jahres 1377 ist sehr ausführlich und mit vielen kleinen Details angereichert. Gerade wenn man sich im heutigen London etwas auskennt, kann man einiges noch viel besser genießen, da durchaus auch einige Spitzen eingebaut sind, z.B. im Bezug auf Westminster. Diese Detailtreue ist auch kein Wunder, da der Autor Paul Harding, der auch unter dem Namen P.C. Doherty schreibt und damit bekannter sein dürfte, promovierter Historiker mit Spezialgebiet ältere englische Geschichte ist.
Wobei ich dann doch ein kleines „Haar in der Suppe“ finde. Harding hat das Genre des Historienkrimis natürlich nicht erfunden. Und wer etwas mehr in diese Richtung liest, kommt an einer Serie von Krimis nicht vorbei: Die Bruder Cadfael-Serie von Ellis Peters. Und obwohl diese Geschichten etwa 200 Jahre früher und nicht in London spielen, kann man bei diesen vor Hardings Romanen geschriebenen Büchern vieles finden, was auch hier verwandt wird: Die Kombination eines Mönches, der aber auch den Krieg kennt, mit einem offiziellen Ermittlers oder die Einbindung in den historischen Kontext. Dabei sind die Cadfael-Bücher nach meiner Meinung noch etwas besser als die ziemlich sicher von ihnen beeinflußten Athelstan/Cranson-Bücher Hardings. Aber auch wenn es einen „Spitzenreiter“ gibt, heißt das ja noch lange nicht, daß der „Zweite“ schlecht sein muß.
Insgesamt gesehen hat man mit den 260 Seiten von „Galerie der Nachtigallen“, bei dem der Titel übrigens auf einen Flur, der Töne macht, anspielt, ein unterhaltsames, spannendes, mit vielen Details gespickten und wirklich gut zu lesenden Historienkrimi, bei dem man am liebsten sofort nach den Fortsetzungen greifen will.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-13 18:19:21 mit dem Titel Hawks,T. - Mit dem Kühschrank durch Irland: Kühlschrank sucht Mitfahrgelegenheit
Ein junger Engländer wettet in einer durchzechten Nacht, daß er mit einem Kühlschrank innerhalb eines Monats einmal komplett um die Küste Irlands herum trampen kann.
Klingt absolut abgedreht und wie ein hervorragender Romanstoff. Doch weit gefehlt, denn es handelt sich hierbei um eine reale Reiseerzählung. Der englischen Entertainer und Komödiant Tony Hawks, hat vorher mit Irland nicht sehr viel zutun, außer der Tatsache, das er bei einem Besuch dort einen Mann mit einem Kühlschrank am Straßenrand gesehen hatte, der mitgenommen werden wollte. Als er diese Geschichte auf einer Party erzählt, wird er nicht für voll genommen und ein Freund wettet mit ihm um 100 Pfund, daß er die Küste Irlands in Begleitung eines Kühlschranks nicht innerhalb von 4 Wochen umrunden kann.
Normalerweise nimmt man solche Wetten im Suff am nächsten morgen nicht mehr ernst, doch unser Autor hat an dem Gedanken gefallen gefunden und setzt ihn in die Tat um.
Als ich den Titel des Buches zum erstenmal sah, dachte ich, daß dies unmöglich ist; allein wegen der Ausmaße und des Gewichts eines Kühlschranks. Doch man sollte nicht immer von dem ausgehen, was sich der typischen deutsche unter einem Kühlschrank vorstellt. Das „corpus delicti“, sprich der Kühlschrank, in diesem Fall ist ein Würfel von etwa 60 cm Kantenlänge, der auf einem kleinen Wägelchen gezogen werden kann. Dies macht die Sachen zumindest vorstellbar, wenn auch die Aufgabe auch mit diesem Gerät kaum leicht gewesen ist.
Eine Einschränkung wird auf der Tour gemacht: Nordirland wird ausgelassen, da Hawks nicht ganz sicher ist, ob der weiße Kasten, den er bei sich hat, nicht zu gefährlichen Mißverständnissen führen könnte (Das er dann doch noch in Nordirland landet und warum, sollte man selbst lesen)
Was auf den nächsten ca. 300 Seiten des Buches folgt, ist sowohl ein Reisebericht als auch gleichzeitig eine Beschreibung des Wesens Irlands bzw. der Leute, die dort leben. Man erfährt von der Hilfbereitschaft und von der Begeisterungsfähigkeit für die eigentlich völlig sinnlose Aktion. Ob Radiosender dazu aufrufen, den „Fridge man“ (=Kühlschrankmann) mitzunehmen, ein ganzes Dorf im Nordwesten Irlands Tod und Teufel versuchen und sogar das Militär einschalten, um Hawks und den Kühlschrank trotz einer nicht funktionierenden Fähre nach Tory Island zu transportieren und sich dann doch eine völlig andere Möglichkeit ergibt oder Hawks in eine Jungesellenauktion eingebunden wird. . Ganz zu schweigen von den unzähligen Pubs, in die er eingeladen wird. Der Kühlschrank bekommt u.a. einen Namen, wird von einer Ordensschwester gesegnet und surft in Strandhill sogar ganz alleine auf dem Atlantik. Und alle Beteiligten müssen natürlich auf dem Kühlschrank unterschreiben.
Natürlich ist das Buch und die darin geschilderten Erlebnisse in erster Linie einfach lustig zu lesen. Denn eigentlich ist das Ganze ja eine bekloppte Idee. Aber neben all dem Spaß bei dieser Sache erfährt man auch sehr viel über Irland. Zum einen wird natürlich auch die Route geschildert und was es dort zu sehen gibt. Und ich gebe zu, daß ich, der zu meiner Schande zwar Unmengen irischer Musik höre und irische Autoren lese, aber noch nie in Irland war, habe jede Menge gelernt, in dem ich die Route mit dem Finger verfolgte. Viele Orte, die ich zwar von Namen her kannte, aber nicht richtig zuordnen konnte sind mir jetzt ein Begriff. Man sollte jetzt keinen echten Reiseführer erwarten mit konkreten Tips, aber so ganz nebenbei werden doch Sehenswürdigkeiten und die Schönheit der Landschaft nahegebracht.
Zum anderen wird das ganze Buch irgendwie getragen von der fast sprichwörtlichen, etwas anderen Lebensart der Iren. Und scheinbar färbt die Landschaft ab, denn es sind nicht nur Iren, sondern auch dort lebenden Engländer oder Touristen, die mit einer Inbrunst dem „Fridge man“ helfen, als hätten sie nichts anderes zu tun.
Insgesamt irgendwie ein richtiges „Feel-good-Buch“ nach dessen Lektüre man sich am liebsten gleich in den Flieger nach Irland setzen möchte. Das es sich auch sehr flüssig liest, sieht man an der Tatsache, das ich das Buch am 25.12. bekommen habe und am 27.12. trotz allerlei Weihnachstverpflichtungen fertig war :-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-16 14:37:41 mit dem Titel Harding,P.-Haus des roten Schlächters: 2.Krimi im London des 14.Jh mit Cranston/Athelstan
Und wieder ein historischer Krimi aus dem 14. Jahrhundert, der in London spielt. "Das Haus des roten Schlächters" ist nach "Galerie der Nachtigall" der 2.Roman von Paul Harding, der sich mit dem Fällen von Sir John Cranston, dem Coroner (=Untersuchungsrichter) des Königs und Athelstan, seinem Schreiber, beschäftigt.
Die Einleitung des Buches spielt 15 Jahre vor der eigentlichen Handlung des Romans, die im Jahr 1377 angesiedelt ist. In dieser Einleitung wir nur kurz erzählt, wie ein zypriotisches Schiff mit einem Kreuzritter an Bord von maurischen Piraten, die sich dann als Elitetruppe des Kalifen herausstellen, aufgebracht und versenkt wird. Ob diese Geschichte wohl etwas mit der Haupthandlung zutun hat?? :- )
Die eigentlich Geschichte beginnt mit der Ermordung des Constables des Londoner Towers. Im Laufe ihrer Ermittlungen entdecken unsere beiden Hauptakteure, daß dieser Constable scheinbar schon länger in Angst gelebt hat und wenige Tage vor seiner Ermordung auch eine Warnung bekommen hat, wie sie von gedungenen orientalischen Meuchelmördern, sogenannten Assassinen, geschickt wird. Sowohl er als auch einige der im Tower zum Zeitpunkt des Mordes Anwesende haben vor 15 Jahren im Orient gekämpft. (Wie war das mit der Einleitung??) Während den weiteren Ermittlungen kommt es noch zu mehreren Morden, aber ich will hier nicht zu viel von der Spannung nehmen, von der ein Krimi ja lebt. In einer Nebenhandlung wird noch erzählt, wie vom Friedhof der von Athelstan betreuten Gemeinde Leichen von Menschen ohne Angehörigen verschwinden.
Wie schon beim ersten Roman glänzt dieses Buch neben der hervorragenden Krimihandlung mit einer Vielzahl von historischen Details und Informationen, an denen man erkennt, daß Harding, der auch unter dem Namen P.C. Doherty schreibt, studierter Historiker ist. Egal ob es um Dinge wie die damals bevorstehenden Bauernaufstände, die Kreuzzüge oder das Gerichtswesen allgemein geht Es werden Infos quasi "im Vorübergehen" vermittelt, ohne daß dabei doziert wird. Was im hier vorliegenden Buch noch etwas mehr als im ersten Band hervorgehoben wird, ist das Aufkommen der Wissenschaft und die dabei entstehende Problematik. In "Galerie .." wurde es hauptsächlich durch die Neigungen Athelstans in Richtung Logik und Astronomie ins Spiel gebracht, hier wir es zum Teil der Handlung. Aber es gilt auch hier, daß ich nicht zu viel sagen will, damit ich niemanden dem Spaß beim Lesen verderbe. Weiterhin ist es, wenn man sich etwas im heutigen London auskennt, lustig und interessant, die historischen Parallelen (Ursprung von Namen, Zweck bestimmter Viertel etc.) zu sehen.
Die Figuren sind gewohnt vielschichtig dargestellt, damit man sich mit ihnen identifizieren kann. Auch das persönliche Umfeld der beiden Protagonisten wird wieder ausgiebig mit einbezogen und macht die ganze Sache noch plastischer. Man begegnet mit dem ständig saufenden, fressenden, aber trotzdem scharfsinnigen Richter und seinem zwangsverpflichteten Mönchsscheiber und ihrem Umfeld quasi alten Bekannten, deren Leben weitergeschrieben wird. Aber da dies nie in die eigentliche Handlung einfließt und genügend Infos gegeben werden, muß man den ersten Roman nicht kennen, um dieses Buch genießen zu können.
Der Titel ist ausnahmsweise mal wirklich einfach übersetzt worden und spielt auf den Tower of London an, um den sich ja schon zur damaligen Zeit viele Sagen rankten und der ja auch Gefängnis und Richtplatz war. Und somit war der rote Schlächter, also der Tod dort zuhause.
Vielleicht kurz auch bei diesem Buch die Anmerkung, daß man natürlich Vergleiche mit der Bruder Cadfael-Reihe von Ellis Peters ziehen muß. Aber es können mehrere Reihen ähnlichen Inhalts durchaus parallel bestehen und gut sein (Wer genaueres wissen will, sollte meine Meinung zum 1.Buch lesen : -))
Insgesamt wieder ein sehr schöner, spannender und mit History gespickter Krimi, der wieder innerhalb weniger Tage verschlungen wurde. Man sollte natürlich nicht zu viel Anspruch erwarten, aber wer so etwas sucht, sollte keine historischen Krimis, sondern Geschichtsbücher lesen. Als Unterhaltungslektüre wärmstens zu empfehlen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-22 21:54:53 mit dem Titel Harding,P.-Sakristei des Todes: Schon wieder ein mittelalterlicher London-Krimi
Schon wieder ein mittelalterlicher Krimi aus London von Paul Harding mit dem Richter Cranston und seinem Schreiber, dem Mönch Athelstan, den ich innerhalb weniger Tage „verschlungen“ habe. So langsam wir es ja fast schon zur Sucht bei mir :-)
Das hier besprochenen Buch „Sakristei des Todes“ ist der 3.Teil einer lockeren Reihe von Krimis, die im 14. Jahrhundert in London spielen und von den beiden immer gleichen Hauptpersonen getragen werden: John Cranston, Untersuchungsrichter des Königs für London, verfressen, versoffen, manchmal ein wenig tranig wirkend aber trotzdem blitzgescheit und hellwach, wenn es um die Lösung der ihm aufgetragenen Fälle geht und der ihm zwangsweise als Schreiber zugewiesene Mönch Athelstan, eher nachdenklich und ruhig, sehr an den aufkommenden Wissenschaften interessiert, mit einer etwas dunklen Vergangenheit mit Kriegserfahrungen.
In diesem Buch müssen sie sich gleich um 3 Fälle kümmern: Zum einen wir der Richter vom Regenten von England bei einem großen Bankett in eine Wette mit einem italenischen Adligen gelockt, bei der er eine von diesem erzählte Mordgeschichte innerhalb einer Woche lösen muß. Wenn er dies nicht kann, verschuldet er sich entweder bis zum Äußersten oder er wird vom Regenten abhängig. Zum anderen wird bei Renovierungsarbeiten in der von Athelstan betreuten Kirche ein Skelett unter dem Altar gefunden. Als dann auch noch ein „Wunder“ am aufgebahrten Sarg mit diesem Skelett geschieht, wittert seine umtriebige Gemeinde ein Geschäft mit der vermeindlichen Heiligen. Und zu allem Überfluß geschieht im Kloster Blackfriars, aus dem Athelstan stammt, auch noch ein Mord und ein Klosterbruder verschwindet, während dort ein Versammlung zur Überprüfung einer neuen theologischen Schrift stattfindet. Somit eilen unsere „Helden“ zwischen den Schauplätzen hin und her, um alle Rätsel zu lösen.
Ich will ja meine Kritik zu den beiden Vorgänger-Werken hier nicht jedesmal wortwörtlich wiederholen (wen es interessiert, kann sie ja selbst lesen :-), aber auch bei diesem Buch zeigt sich, daß es Paul Harding gelingt, sein Wissen als studierter Historiker mit Fachgebiet England im Mittelalter (es wird behauptet, sein Latein sei fast besser als sein Englisch) und sein Talent für spannendes und flüssiges Schreiben zu vereinen. Alles Personen sind glaubwürdig und vielschichtig beschrieben, so daß man deren Handeln nachvollziehen kann. Und so ganz nebenbei gibt es wieder jede Menge historische Informationen; dieses mal, nicht weiter verwunderlich, wenn 2 der 3 Fälle mit Kirche und Kloster zu tun haben, besonders viele Fakten über die Praktiken der Heiligenverehrung, des Ablaßhandels und der Inquisition. Auch über das historische London gibt es wieder einige interessante Schmaklerl. Und wieder wird sehr eingehend die Lebensweise der „normalen“ Bevölkerung in der damaligen Zeit beschreiben.
In diesem Buch sind die beiden Hauptfiguren direkter als in den beiden vorherigen Romanen in die eigentliche Krimihandlung involviert, sie kommen nicht nur als Ermittler hinzu. Somit werden naturgemäß auch ihr Umfeld etwas mehr miteinbezogen. Aus diesem Grund wäre es zwar ganz gut, die beiden ersten Romane zu kennen, weil viele Personen auch dort schon auftauchen (Athelstans Gemeinde, insbesondere Benedicta, die Frau des Richters etc.) Aber da Harding dieses Wissen nicht als Voraussetzung nimmt und immer noch genügend Infos zu den Personen im vorliegenden Buch gibt, kann man es auch mit Genuß lesen, wenn man die Vorgänger nicht kennt.
Zu Vergleichen zu ähnlichen Büchern habe ich ja in den anderen Meinungen genügend gesagt.
Wieder ein gelungener Historienkrimi, bei dem man bis zur letzten Seite nicht zur Seite legen kann. Und die beiden nächsten Bücher der Reihe stehen auch schon hier zum „Verschlingen“ bereit, aber da Vorfreude die schönste Freude ist, werde ich mir jetzt bewußt etwas Zeit lassen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 15:14:06 mit dem Titel Harding,P.-Zorn Gottes: Historische London-Krimis machen süchtig
Schon wieder ein historischer Krimi aus dem mittelalterlichen London? Diejenigen, die häufiger Berichte von mir lesen, werden gemerkt haben, dass der Autor Paul Harding doch recht häufig in meinen Berichten auftaucht. Doch seine Romane, und davon ganz speziell seine Reihe um den Londoner Untersuchungsrichter Cranson und seinen Schreiber, den Mönch Athelstan, die im 14. Jahrhundert spielt, haben es mir angetan.
Auch auf die Gefahr hin, mich zu meinen früheren Berichten zu wiederholen, will ich auch hier nochmals kurz schildern, was aus meiner Sicht das besondere an seinen Büchern ist. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass alle meine alten Berichte lesen (auch wenn es schön wäre :-) ):
Paul Harding ist ein Pseudonym des englischen Historikers Paul Doherty. Mittlerweile veröffentlich er auch die Romane der hier besprochenen Reihe unter seinen richtigen Namen. Wenn man etwas recherchiert, erfährt man aber auch, dass er ein echter Vielschreiber ist und zumindest mir sind 3 weitere Pseudonyme bekannt. Aber trotz des Massenausstoßes von Büchern leidet die Qualität meiner Ansicht nicht darunter.
Durch sein Beruf als Historiker kann er natürlich sehr viele Details und Informationen in seinen Geschichtsromanen unterbringen. Das Besondere ist aber die Tatsache, dass diese Fakten nicht einfach „doziert“ werden, sondern das sich auch Informationen über die damals aktuelle politische Situation oder Regeln das Zusammenlebens immer quasi selbstverständlich aus der erzählten Geschichte ergeben. Man hat nie das Gefühl, der Autor würde erst einmal eine Art Grundlage „herunterbeten“, wie ich es schon bei anderen Geschichtsromanen erlebt habe, und darauf dann seine Erzählung aufbauen. In Hardings Büchern erfährt man dies ganz nebenbei aus Unterhaltungen oder bei der Recherche für die Fälle.
Wie auch schon früher mehrmals geschrieben, sind die Romane selbstverständlich keine Geschichtsbücher und haben auch nicht diesen Anspruch. Aber für Unterhaltungsliteratur wird erstaunlich viel an Fakten vermittelt. Und gerade ich als alter London-Fan amüsiere mich auch über viele Anspielungen über mir bekannte Orte.
Jetzt aber genug „allgemeines Gelaber“, jetzt noch einiges über „Der Zorn Gottes“:
Wieder einmal ist es Harding gelungen, eine Vielzahl von Handlungssträngen in einem Buch unterzubringen. Die Hauptstory, auf die sich auch der Titel bezieht, handelt von einem Geheimbund, der den Mächtigen der Stadt den Kampf angesagt hat und dessen rätselhafter Führer „Ira dei“, Der Zorn Gottes genannt wird. Der uns schon aus den vorherigen Büchern bekannte Regent Englands, Gaunt, versucht sich mit den reichen Gildenherren der Stadt zu verbünden. Doch dann werden der Sheriff Londons und einer der Gildemeister ermordet und der Goldschatz, der von beiden Seiten in einer mehrfach verschlossenen Truhe hinterlegt wurde, verschwindet. Da natürlich auch wieder die Rivalität zwischen dem Regenten und dem eigentlichen König, der noch ein Kind ist und von seinen Beratern gesteuert wird, eine große Rolle spielt, bleibt für unsere Helden wieder viel zu tun. Und so ganz nebenbei klären sie noch den Tod eines der besten Freunde des Coroners, untersuchen ein angeblich besessenen Mädchen und Athelstan versucht in seiner Gemeinde eine Heirat von zwei Kindern aus verfeindeten Familien zu deichseln. Neben all der Spannung bleibt aber auch wieder genügend Zeit für viele nette Nebenepisoden; wenn ich nur an die Art und Weise denke, wie der griesgrämige, manchmal fast wilde Coroner an einen neuen Diener und zwei Riesenhunde kommt und dann Angst wie ein Schulkind hat, dies seiner kleine, aber resoluten Frau beizubringen, lache ich jetzt noch.
Wieder einmal ein absolutes Lesevergnügen, dass sowohl die Fans dieser Buchreihe als auch Neueinsteiger zu begeistern weiß. Denn obwohl dieser Bücher eine Art Serie darstellen, ist jedes in sich abgeschlossen und auch wenn viele handelnde Personen immer wieder auftauchen, werden sie in jedem Buch so ausreichend charakterisiert und ihr Verhältnis untereinander dargestellt, dass man es auch ohne Kenntnis der Vorgängerwerke genießen kann.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-24 22:14:45 mit dem Titel Harding,P.-Tod auf der Themse: Historischer Londonkrimi, mal wieder :-)
Irgendwie komme ich von den historischen London-Krimis einfach nicht los. Nachdem ich zuletzt eine aktuellen Thriller gelesen haben, wanderte meine Hand fast automatisch beim Aussuchen des nächsten Buches in die Reihe, in der ich vorsorglich immer 2-3 nicht gelesene Bücher aus der historischen Krimireihe um den Richter Cranston und seinen Schreiber, den Ordensbruder Athelstan, von Paul Harding stehen. Vielleicht sollte ich mir Gedanken machen, den das sieht ja fast nach den ersten Sucht-Anzeichen aus :-)
Da ich mich bei dieser Reihe immer schön chronologisch vorarbeite, griff ich zum 5.Band „Tod auf der Themse“.
Für diejenigen, die die Reihe noch nicht kennen ein paar Worte zur allgemeinen Einführung und zur Handlung dieses speziellen Romans:
Alle Romane der Serie spielen im London des 14.Jahrhunderts und haben immer die gleichen zwei zentrale Hauptfiguren: Sir John Cranston, Untersuchungsrichter der Stadt London, dick, gefräßig, ständig versoffen, angeberisch und geschwätzig, aber trotzdem immer hellwach und schlau, wenn es um die Lösung seiner Fälle geht, außerdem das Herz am richtigen Fleck. Und als Gegenpart der ruhige, nachdenkliche, den damals aufkommenden Wissenschaften zugetane Ordensbruder Athelstan, der den Richter ursprünglich zwangsweise als Schreiber zugeteilt wurden und parallel dazu eine Kirchengemeinde in London betreut. Gerade diese unterschiedlichen Charaktere und deren Zusammenarbeit und daraus sich im verlaufe der Bücher entwickelte Freundschaft macht meiner Ansicht nach einen der Punkte aus, warum es mich immer wieder zu dieser Serie zieht.
Im vorliegenden Roman müssen sich unsere zwei Helden um mehrere mysteriöse Ereignisse im Zusammenhang mit einem im Hafen liegenden Kriegsschiff beschäftigen. Der unbeliebte Kapitän stirbt an einer seltsamen Krankheit und kurze Zeit später verschwinden 3 Seeleute, die als Wache auf den Schiff waren, ohne das irgendjemand etwas davon mitbekommt. Und schließlich wird auch noch der Geschäftspartner des Kapitäns ermordet und der mutmaßliche Mörder flieht in das Kirchenasyl in das Gotteshaus, dass Athelstan betreut. Das dabei natürlich mehr dahinter steckt, dass aufzulösen ist, sollte wohl klar sein, oder? Da der Haupthandlungsstrang schon aus mehreren Verbrechen besteht, gibt es dieses mal im Gegensatz zu den Vorgängerwerken nur noch eine kleine Nebengeschichte um Einbrüche. Aber natürlich wird auch wieder über die Streitigkeiten in Athelstans Gemeinde, dieses mal bei der Aufführung eines Mysterienspiels berichtet.
Meine Meinung:
Fast alles, was ich in meinen Meinungen zu den 4.Vorgängerwerken, könnte ich hier wortwörtlich aufführen. Aber da es ja Leute gibt, die meine Meinungen regelmäßig lesen (Danke!) und ich außerdem nichts davon halte, mich immer wieder zu wiederholen, werde ich mich hierbei kurzfassen: Die ganze Reihe ist meiner Ansicht nach so faszinierend, weil es der gelernte Historiker Paul Doherty, der unter dem Pseudonym Paul Harding schreibt (aber ab dem 8.Band der Reihe plötzlich seinen eigenen Namen benutzt), hervorragend versteht eine spannende und unterhaltende Krimigeschichte fast nebenbei mit vielen, genau recherchierten historischen Informationen zu durchsetzten. Ob Ortsangaben, Lebensweise der „normalen“ Bevölkerung oder politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit; alles wird schlüssig dargestellt und es wirkt nie, als ob jemand quasi gewisse Vorgaben herunterbetet um die Geschichte schlüssig darzustellen, sondern es wird einfach im Verlauf eingearbeitet. Durch meine Faszination für diese Reihe und mein schon lange anhaltendes Faible für London, dass ich auch immer wieder auslebe, habe ich mich etwas mit den geschichtlichen und geographischen Fakten der Reihe (Ortsnamen, Regierungen etc) beschäftigt und musste feststellen, dass soweit ich das als Laie beurteilen kann, alles hundertprozentig stimmig ist.
In jedem Buch gibt es quasi eine Art Schwerpunkt Thema: Dieses mal ist es verständlicherweise die Seefahrt, oder noch genauer die Bedingungen der Kriegsmarine in einer Zeit, in der es immer wieder Übergriffe französischer Schiffe auf englische Gebiete und umgekehrt und Piratenaktionen auf beiden Seiten gab. Die „höhere“ Politik, die ja gerade im Vorgänger eine große Rolle gespielt hat, wird hier fast völlig außen vor gelassen. Sie ist nur der Rahmen für die Ereignisse des Falls. Stattdessen erfährt man viel über den Alltag der Seeleute, die kleine Intrigen und Nebengeschäfte und man bekommt außerdem eine Schlacht geschildert.
Zuletzt noch der Hinweis auf die Verbindungen zu den Vorgängerwerken. In meinem letzten Bericht über den Thriller „..denn zum Küssen sind sie da“ hatte ich eine zu enge Anbindung an den Vorgänger kritisch und störend angemerkt. Auch bei der Cranston-Athelstan-Reihe wird natürlich durch das ständige Auftauchen der immer gleichen Nebenfiguren wie der Frau und den Söhne des Richters, der Witwe, die von Athelstan angehimmelt wird oder seiner Pfarrgemeinde vieles verständlicher und auch lustige, wenn man die Vorgeschichte kennt. Aber da dabei die Haupthandlung nicht berührt wird, bin ich weiterhin der Meinung, dass man einzelnen Bände der Serie auch außerhalb der vorgegebene Reihenfolge lesen kann, ohne Probleme zu haben. Ich gebe zu, dass diese Sicht eventuell davon beeinflusst ist, das ich diese Reihe im Gegensatz zum Patterson-Roman, den ich einfach „mitten raus“ gegriffen hatte, wirklich nacheinander lese und somit gar nicht abschätzen kann, wie es ist, wenn man manche Anektdote der Vorgänger nicht kennt.
Damit will ich zum Ende kommen: Wer unbedingt mehr über z.B. ein Vergleich zu ähnlichen Werken oder , der darf gerne meine anderen Berichte lesen; ich fände es Blödsinn all dies jedes Mal zu wiederholen :-)
Insgesamt betrachtet wieder ein sehr spannendes, ungemein unterhaltendes und ganz nebenbei einige historische Infos vermittelnde buch, dessen Qualität und Spannung man schon daran abschätzen kann, dass ich trotz der Tatsache, dass ich ja auch zur Arbeit muss, die 270 Seiten in etwas mehr als einem Tag gelesen habe.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-04 13:12:00 mit dem Titel Harding,P.-Parlament der Toten: Mittelalterlicher Londonkrimi, die Sechste :-)
Kaum zu glauben, schon wieder ein historischer Londonkrimi aus dem 14.Jahrhundert von Harding, den ich hier besprechen will. Dieses mal geht es um „Das Parlament der Toten“, den 6.Band aus der lockeren Reihe um Athelstan und Cranston von Paul Harding. Diejenigen, die langsam aufstöhnen, wie oft ich den noch Bücher dieser Reihe besprechen will, können sich beruhigen, denn es gibt bisher nur 9 Bände, bleiben also nur noch 3 übrig. Aber es gibt ja noch andere historischen Romane bzw. sogar ganze Reihen von diesem Vielschreiber. :-)
Eigentlich wollte ich ja diesen Band bewusst noch nicht lesen, sondern etwas warten, damit ich „die Reihe nicht so schnell durch habe“. Aber auf meiner letzten Dienstreise nach München mit dem Zug hatte ich meinem ersten Buch so schnell fertiggelesen (sieh letzte Meinung), dass mir nichts anderes übrig blieb, als auch mein „Ersatzbuch“, dass ich für den Fall, das mir mal ein Buch beim Lesen wider Erwarten nicht gefällt, dabei habe, zu lesen. Und das war nun mal der Harding.
Es soll ja Leute geben, die nicht alle meine Meinungen lesen. :-) Daher hier eine kurze Einführung zu dieser Buchreihe. Aber wirklich nur ganz grob; ich will mich nicht im Hinblick auf die anderen Meinungen zu dieser Serie wiederholen:
Es geht um Kriminalfälle in London gegen Ende des 14.Jahrhunderts, die von zwei immer wiederkehrenden Hauptpersonen gelöst werden: Dem Untersuchungsrichter des Königs, Sir. John Cranston, und dem im anfangs zwangsweise als Schreiber zugeteilten Ordensbruder Athelstan, der gleichzeitig eine arme Gemeinde in London als Pfarrer betreut. Während der Richter vordergründig, versoffen, grob und prahlerisch ist, aber in Wirklichkeit ein heller Kopf und eine Seele von Mensch, ist der Ordensbruder eher nachdenklich, grüblerisch und den aufkommenden Wissenschaften zugetan. Das soll aber jetzt als Einführung reichen.
Handlungszusammenfassung:
Im vorliegenden Buch muss sich unser „Detektivduo“ mit seltsamen Morden an Parlamentsangehörigen beschäftigen. Um neue Steuern zu erheben hat der amtierende Regent das sogenannte Common, ein Ständeparlament, einberufen. Einige seiner schärfsten Kritiker, adlige Abgeordnete aus dem Shrewsbury, werden nacheinander umgebracht. Um den Verdacht zu entkräften, er hätte etwas damit zu tun, beauftragt der Regent Cranston mit den Ermittlungen. Doch dieser und vor allem sein Schreiber erkennen bald, das hinter den Morden noch mehr steckt; aber auch Politik. In den für diese Serie typischen Nebenhandlungen erscheit zum einen ein „Dämon“ auf dem Friedhof von Athelstans Gemeinde und eines seiner Gemeindemitglieder wird gesucht. Außerdem verschwinden Katzen im Viertel.
Meine Meinung:
Eigentlich kann ich diesen Part immer wieder aus den alten Meinungen hier her kopieren, aber ich will versuchen mich nicht zu wiederholen und jedes Mal ein klein wenig andere Schwerpunkte zu setzen :-)
Wie in allen Vorgängern gelingt es Paul Harding, einem Historiker mit dem Schwerpunkt mittelalterliche Städte, der wahrscheinlich unter seinem richtigen Namen Paul Doherty, unter dem er ebenfalls schreibt, noch bekannter ist, eine spannende, realistisch wirkende Kriminalgeschichte.
Aber auch wenn die „große“ Politik, wie die Rivalität zwischen dem Regenten John von Gaunt und dem minderjährigen König oder die drohenden Bauernaufstände immer den Rahmen für die Handlung vorgeben, wird sehr viel Wert auf eine realistische Schilderung des „normalen“ Lebens in London in diesen Zeiten gelegt (Soweit der Leser, als Mensch des 21.Jh, dies überhaupt einschätzen kann). Wie schon häufiger geschrieben, aber trotzdem immer wieder erwähnens- und lobenswert, wird sehr viel Wert auf die kleinen Details gelegt. Sei es die Müllbeseitigung in London, oder der Transport von Getreide mit Lastkähnen die Themse hinauf. Viele solche Details werden in die Handlung „im Vorübergehen“ eingebaut.
Aber was für einen Krimi das Wichtigste ist: Das Buch ist spannend, mit vielen unvorhersehbaren Wendungen und Aufdeckungen. Auch wer sich nicht so tief für die historischen Details interessiert, kann den Roman mit der entsprechenden Spannung und dem entsprechenden Genuss lesen.
Nur der Vollständigkeit noch der Hinweis, dass man zwar aufgrund vieler immer wieder auftauchenden Nebenfiguren etwas mehr Vergnügen hat, wenn man die Serie in ihrer Chronologie liest, ich aber trotzdem der Meinung bin, das genügend Infos zu diesen Personen gegeben werden, damit man auch jeden Band für sich alleine problemlos lesen kann.
Zusammenfassend betrachtet wieder ein sehr spannender historischer Krimi, der in erster Linie unterhaltsam ist, aber wie seine Vorgänger einiges an historischen Infos ganz nebenbei beinhaltet.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-09 00:36:50 mit dem Titel Harding,P.-Tödliche Rätsel: Das Ende dieser historischen London-Krimis naht :-)
Eine Romanreihe, der ich „verfallen“ bin, nähert sich ihrem Ende. Es ist kaum zu glauben, aber mit dem Band „Tödliches Rätsel“, dem 7.Roman der lockeren Reihe von mittelalterlichen Krimis rund um den Londoner Untersuchungsrichter Cranston und seinem Schreiber, dem Ordensbruder Athelstan bin ich schon beim drittletzten Band angekommen. Und da der letzte Band schon von 1999 stammt, gehe ich bei einem Vielschreiber wie es der Autor Paul Doherty, der neben vielen anderen Pseudonymen auch unter dem Namen Paul Harding schreibt, ist, davon aus, dass die Serie beendet wird.
Zur Handlung:
Wieder müssen sich der auf den ersten Anschein nur fette, weinsaufende, ständig bei Vernehmungen einschlafende Londoner Untersuchungsrichter Cranston, der aber eigentlich blitzgescheit und herzensgut ist und sein Schreiber und Freund, der Ordensbruder Athelstan einem Hauptfall und einigen Nebenstories im London des ausklingenden 14.Jahrhunderts widmen. In der Hauptgeschichte geht es um die Ermordung von mehreren Schreibern der „Kanzlei des grünen Wachses“, des Amtes in dem Pässe, Auslandsreisegenehmigungen etc. ausgestellt werden. Bei den nach und nach im Laufe der Ermittlungen umgebrachten Schreibern findet man Nachrichten mit Rätseln, die unsere Protagonisten entschlüsseln müssen, um dem Täter auf die Spur zu kommen und weitere Morde zu verhindern. Daneben gibt es noch eine kleinere Rahmenhandlung, in der es um einen Geldverleiher geht, der scheinbar in einem von innen abgeschlossenen Raum, zu dem es keine weiteren Zugänge gibt, ermordet wird. Und natürlich gibt es auch wieder Teile der Handlung, die sich mit der Kirchengemeinde, in der Athelstan Pfarrer ist, beschäftigen. Dieses mal beginnt ein neu aufgestelltes Kreuz zu bluten und wird als sofort Reliquie verehrt und vermarktet.
Meinung:
Wie schon in den sechs Büchern vorher hat es unwahrscheinlichen Spaß gemacht, dieses Buch zu verschlingen. Die Verknüpfung des historischen Kontextes mit spannenden, sehr flüssig geschriebenen Krimihandlungen, sympathischen Hauptpersonen und einem Schuß historischer Lebensbeschreibung sind genau die Mischung, die ich für einen unterhaltsamen Leseabend benötige. Paul Harding, oder besser gesagt Paul Doherty, denn ab den 8.Band der Reihe legt er komischerweise sein Pseudonym ab und schreibt die beiden bisher letzten und von mir noch zu lesenden Bände unter seinem wirklichen Namen, hat zwar das Genre des historischen Krimis definitiv nicht erfunden und der Anspruch in diesen Bänden mag nicht allzu hoch sein. Aber der studierte Historiker vermittelt meiner Ansicht nach neben einer soliden und nicht sofort zu durchschauenden Krimihandlung noch genügend an historischen Informationen über das Leben der allgemeinen Bevölkerung im London des 14.Jh., politische Verwicklungen der damaligen Zeit und Details über das Rechtssystem und die Stellung der Kirche, das ich persönlich dies als informativ ansehe.
Und wie bei allen anderen Romanen der Serie merke ich and dieser Stelle an, dass es sich natürlich nicht um ein Sachbuch handelt und dies auch gar nicht das Ziel eines historischen Krimis sein sollte. Ich sehe schon einen anderen, von mir hochgeschätzten Autor hier (und indirekt durch seine Buchtipps Verschulder größeren Kosten auf meiner Seite :-), einwenden, dass sich diese Buchserie und einige andere der in den letzten Jahren immer stärker aufkommenden Historienkrimis mit Zitat: „Mönchlein“ immer mehr dem Niveau von Fernseh-Soaps annähern und den historischen Bachground nur als Deckmantel für 08/15-Krimihandlungen nutzen. Ganz entkräften kann ich diese Argumentation nicht und den historischen Background bzw. dessen Wahrheitsgehalt kann ich nur insoweit hinterfragen, wie es mir als Laie möglich ist. Da mag der Fachmann viele Fehler entdecken, aber ich, der ich mich als recht guter London-Experte aufgrund vieler Aufenthalte dort sehe, habe z.B. in jedem Band meine klammheimliche Freude daran, wie mir bekannte Orte eingebracht werden, die im historischen Umfeld ganz andere Bedeutung und rang hatten, als sie es in heutiger Zeit haben.
Und letztendlich sehe ich diese Buchreihe in erster Linie als Unterhaltungsliteratur an, doch im Gegensatz zu den Fernseh-Soaps, gibt es hier ausgefeilte Charaktere, logischen Handlungsbögen und zumindest für mich immer wieder gleichzeitig Spannung, ein paar historischen Informationen und damit das, was ich von Unterhaltungsliteratur erwarte: Lesespaß.
Es würde zwar noch einige andere Gebiete geben, auf die man eingehen kann, z.B. der Vergleich zu anderen Romanen mit ähnlicher Konstellation (z.B. von Ellis Peters). Doch dies habe ich in den Meinungen zu den anderen Romanen der Serie schon betrachtet und ich will mich ja nicht immer wiederholen. Wen es interessiert, der kann ja die alten Meinungen lesen :-)))
Ach ja, und wer jetzt schon die Hoffnung hat, das ich nach den letzten 2.Bänden endlich Ruhe gebe mit den Meinungen über historischen Krimis, der kann diese gleich wieder aufgeben, denn vom gleichen Autor gibt es eine momentan zwölfbändige Reihe um „Hugh Corbett“, die ähnlich aufgebaut ist und die auch schon auf meiner „Zu-Lesen“-Liste stehen :-)
20 Bewertungen, 1 Kommentar
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09.05.2002, 01:45 Uhr von Nokia183
Bewertung: sehr hilfreichGut Geschrieben !

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