Erfahrungsbericht von Ingwer
Brave New World- Die Welt in der wir leben?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Utopien und Zukunftprognosen schwirren in der Literatur umher wir Fliegen um den Kuhfladen. Science Fiction, Fantasy, Romane; Prophezeihungen wohin das Auge blickt. Die meisten jedoch wirklich unrealistisch auf den Leser: Zuviele Fragen tun sich auf (à la: Und welcher Superman hat die Erde gerettet?)
Brave New World ist anders: Ein düsterer utopischer Roman, der jedoch in einem so hohen Maße authentisch wirkt, dass einem beim Lesen schon manchmal ganz komisch werden kann. Mit ging es jedenfalls so, dass ich- je weiter ich las- immer mehr Parallelen unserer heutigen Welt zur fiktionalen Welt des Romans herstellen konnte.
Zuerst möchte ich ein wenig über den Autor, Aldous Huxley, informieren:
Geboren 1894, gestorben 69 Jahre später. Schon zu Lebzeiten war Huxley ein bekannter Englischer Schriftsteller, dessen Werke sich vornehmlich kritisch mit der herrschenden Gesellschaftsordnung auseinandersetzten und dieses der Leserschaft auf einer satirisch- ironische Weise übermittelten. Huxley hatte aufgrund seiner recht priveligierten Stellung alle Möglichkeiten, auf diese Weise seine Gesellschaftskritik loszuwerden. Sein Großvater war ein bekannter Biologe; und Huxley selbst genoss eine ausgezeichnete Ausbildung an den Colleges Eton und Oxford. Sein ausgedehntes Wissen sowie sein familiärer Hintergrund bildeten somit die perfekte Grundlage für eine schriftstellerische Karriere.
BRAVE NEW WORLD entstand im Jahr 1931, wurde 1932 dann veröffentlicht. Wenn man den Inhalt des Buches näher betrachtet, wird deutlich, was für eine Vorraussicht Huxley in diesen frühen Jahren bewiesen hat.
Nun aber endlich zum Buch selbst:
Den Inhalt möchte ich nur kurz umreißen, um nicht zuviel zu verraten: Jeder sollte selbst das Erlebnis haben, dieses Buch unbeeinflusst zu lesen. Deshalb nur eine kurze Zusammenfassung:
(kurze Anmerkung: Wie gesagt habe ich dieses Buch auf Englisch gelesen: Ich erwähne nur die englsichen Namen. In der deutschen Ausgabe kann es dort Unterschiede geben)
Die Handlung spielt in London, 600 Jahre nach Ford.
Ford, der Begründer der Massenproduktion, Erfinder des Fließbandes, steht als gottähnliche Figur über der NEUEN Gesellschaft.
Effizienzwahn bestimmt das Denken. Um ja keine Arbeitskraft unnötig zu vergeuden bzw. etwa Zeit oder Geld zu verlieren, werden Menschen am Fließband erzeugt. Aufgeteilt in bestimmte Fähigkeitsgruppen (Alphas, Betas... Epsilons) werden sie bestimmten Aufgabenbereichen zugeteilt.
Durch Hypnose im Schlaf bzw. frühkindliche psychologische Bearbeitung nach allen Regeln der Kunst (Konditionierung, Psychoanalytische Aspekte nach Freud etc.) wird jeder Mensch auf seine Rolle eingespielt und dazu gebracht, ohne Fragen glücklich zu sein.
Für alle Momente, in denen Unwohlsein sich ausbreiten könnte, gibt es SOMA, die glücklichmachende und gnadenlos verdummende Droge. Oder einfach wilde Sexorgien, denn Monogamie ist natürlich längst aus der Mode gekommen. Gefühle? Hoffnungslos veraltet.
Inmitten dieser Welt spielt sich eine kleine Geschichte ab. Bernhard Marx (man achte auf den politisch angehauchten Namen) holte einen "Wilden", klassenlosen Menschen (John) aus einem Reservat der "alten Welt" ins neuzeitliche London. Das Experiment zieht für alle Beteiligten schwere Folgen nach sich.
Mehr wird nicht verraten.
Nun, an meiner kurzen Inhaltszusammenfassung kann man sicherlich schon erkennen, dass Huxley seiner Zeit weit vorraus war. Wusste er etwa schon vom deutschen Faschismus (extremes Kastensystem, Ausstoßung Andersdenkender in Brave New World weist auf Kritik daran hin)? Wieso kritisierte er den Kommunismus (Aufbau der Wirtschaft in BNW)? Konnte er ahnen, dass 60 Jahre später die Debatten um das Klonen von Tier und Mensch in Gang geraten würden, wo er doch weder Dolly noch die Maus mit dem implantierten Menschenohr kannte? Ahnte er vom kommenden Drogenproblem; von der immer weiter fortschreitenden Abkühlung jeglicher zwischenmenschlicher Beziehungen???
Huxley schuf mit diesem Buch eine- leicht überzogende- Schilderung unserer heutigen Verhältnisse. Genial, sage ich.
Gleichzeitig bleiben jedoch Fragen: Wieso konnte es so weit kommen, wie wir heute sind?
Brave New World ist eine Warnung. Anscheinend wurde sie lange zeit nicht wahrgenommen... Vielleicht ist es jedoch nicht zu spät.
Vielen Dank fürs Lesen und einen schönen Abend noch
wünscht Ingwer
Brave New World ist anders: Ein düsterer utopischer Roman, der jedoch in einem so hohen Maße authentisch wirkt, dass einem beim Lesen schon manchmal ganz komisch werden kann. Mit ging es jedenfalls so, dass ich- je weiter ich las- immer mehr Parallelen unserer heutigen Welt zur fiktionalen Welt des Romans herstellen konnte.
Zuerst möchte ich ein wenig über den Autor, Aldous Huxley, informieren:
Geboren 1894, gestorben 69 Jahre später. Schon zu Lebzeiten war Huxley ein bekannter Englischer Schriftsteller, dessen Werke sich vornehmlich kritisch mit der herrschenden Gesellschaftsordnung auseinandersetzten und dieses der Leserschaft auf einer satirisch- ironische Weise übermittelten. Huxley hatte aufgrund seiner recht priveligierten Stellung alle Möglichkeiten, auf diese Weise seine Gesellschaftskritik loszuwerden. Sein Großvater war ein bekannter Biologe; und Huxley selbst genoss eine ausgezeichnete Ausbildung an den Colleges Eton und Oxford. Sein ausgedehntes Wissen sowie sein familiärer Hintergrund bildeten somit die perfekte Grundlage für eine schriftstellerische Karriere.
BRAVE NEW WORLD entstand im Jahr 1931, wurde 1932 dann veröffentlicht. Wenn man den Inhalt des Buches näher betrachtet, wird deutlich, was für eine Vorraussicht Huxley in diesen frühen Jahren bewiesen hat.
Nun aber endlich zum Buch selbst:
Den Inhalt möchte ich nur kurz umreißen, um nicht zuviel zu verraten: Jeder sollte selbst das Erlebnis haben, dieses Buch unbeeinflusst zu lesen. Deshalb nur eine kurze Zusammenfassung:
(kurze Anmerkung: Wie gesagt habe ich dieses Buch auf Englisch gelesen: Ich erwähne nur die englsichen Namen. In der deutschen Ausgabe kann es dort Unterschiede geben)
Die Handlung spielt in London, 600 Jahre nach Ford.
Ford, der Begründer der Massenproduktion, Erfinder des Fließbandes, steht als gottähnliche Figur über der NEUEN Gesellschaft.
Effizienzwahn bestimmt das Denken. Um ja keine Arbeitskraft unnötig zu vergeuden bzw. etwa Zeit oder Geld zu verlieren, werden Menschen am Fließband erzeugt. Aufgeteilt in bestimmte Fähigkeitsgruppen (Alphas, Betas... Epsilons) werden sie bestimmten Aufgabenbereichen zugeteilt.
Durch Hypnose im Schlaf bzw. frühkindliche psychologische Bearbeitung nach allen Regeln der Kunst (Konditionierung, Psychoanalytische Aspekte nach Freud etc.) wird jeder Mensch auf seine Rolle eingespielt und dazu gebracht, ohne Fragen glücklich zu sein.
Für alle Momente, in denen Unwohlsein sich ausbreiten könnte, gibt es SOMA, die glücklichmachende und gnadenlos verdummende Droge. Oder einfach wilde Sexorgien, denn Monogamie ist natürlich längst aus der Mode gekommen. Gefühle? Hoffnungslos veraltet.
Inmitten dieser Welt spielt sich eine kleine Geschichte ab. Bernhard Marx (man achte auf den politisch angehauchten Namen) holte einen "Wilden", klassenlosen Menschen (John) aus einem Reservat der "alten Welt" ins neuzeitliche London. Das Experiment zieht für alle Beteiligten schwere Folgen nach sich.
Mehr wird nicht verraten.
Nun, an meiner kurzen Inhaltszusammenfassung kann man sicherlich schon erkennen, dass Huxley seiner Zeit weit vorraus war. Wusste er etwa schon vom deutschen Faschismus (extremes Kastensystem, Ausstoßung Andersdenkender in Brave New World weist auf Kritik daran hin)? Wieso kritisierte er den Kommunismus (Aufbau der Wirtschaft in BNW)? Konnte er ahnen, dass 60 Jahre später die Debatten um das Klonen von Tier und Mensch in Gang geraten würden, wo er doch weder Dolly noch die Maus mit dem implantierten Menschenohr kannte? Ahnte er vom kommenden Drogenproblem; von der immer weiter fortschreitenden Abkühlung jeglicher zwischenmenschlicher Beziehungen???
Huxley schuf mit diesem Buch eine- leicht überzogende- Schilderung unserer heutigen Verhältnisse. Genial, sage ich.
Gleichzeitig bleiben jedoch Fragen: Wieso konnte es so weit kommen, wie wir heute sind?
Brave New World ist eine Warnung. Anscheinend wurde sie lange zeit nicht wahrgenommen... Vielleicht ist es jedoch nicht zu spät.
Vielen Dank fürs Lesen und einen schönen Abend noch
wünscht Ingwer
22 Bewertungen, 3 Kommentare
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14.06.2002, 00:22 Uhr von Lieselotte5
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr schöner Bericht! Ich habe das Buch auf Englisch in der Schule gelesen und auf deutsch halb. Ich finde es sehr schön und werde es bestimmt noch einmal lesen.
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30.05.2002, 00:43 Uhr von Andreas68
Bewertung: sehr hilfreichDie meiste SF-Literatur ähnelt eher "Schöne , neue Welt" als dem Wildwest im Weltall, das Ihr zurecht kritisiert. Auf Wunsch benenne ich Euch gerne eine Reihe von Romanen, die dafür beispielhaft sind. Mit 14 gelesen, prägte
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02.05.2002, 23:26 Uhr von Geiler_Typ
Bewertung: sehr hilfreichSehr schöner Bericht, weiter so. hoffe,man liest sich...gruß michi...

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