Erfahrungsbericht von Raileigh
Alkohol und Spiele - Fiesta von Ernest Hemingway
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ernest Hemingway gehört wohl zu den bekanntesten Literaten, die das letzte Jahrhundert hervorgebracht hat. Selbst radikale Bücherhasser haben diesen Namen schon gehört und mit Literatur in Verbindung gebracht.
Die meisten Menschen wissen mehr über ihn, während seine Werke eher nur vom Titel bekannt sind.
Durch die überaus anschauliche Reportage der BBC, in deren vier Folgen Michael Palin den Spuren des Dichters rund um die Welt folgte, wurde ich angeregt, mich intensiver mit Hemingway zu beschäftigen, als ich es bisher wollte. Ich habe mich also an sein Frühwerk gewagt und tatsächlich begonnen Hemingway zu lesen.
\"Fiesta\"
In diesem Buch schildert er das Leben einer Gruppe Amerikaner und Engländer, die im Paris der zwanziger Jahre leben. Jake, ein amerikanischer Redakteur ist der Erzähler, der sich in den Bars, Restaurants und Tanzschuppen der Stadt herumtreibt und mit ein paar Freunden von Laden zu Laden zieht. Die Gruppe benimmt sich dem Klischee entsprechen, das man gelangweilten Amerikanern und Engländern gern übergießt. Sie sind laut, stellen übertriebene Herzlichkeit zur Schau, kurz, es überzieht eine Patina aus Arroganz und extremen Selbstvertrauen den schwammigen Kern aus Unsicherheit, Komplexen und Verzweiflung.
Hemingway beleuchtet die Oberflächlichkeit, die Emotionslosigkeit und die Unfähigkeit zu Lieben. Eine Folge, mit der die Protagonisten zu kämpfen haben, nachdem ihnen der erste Weltkrieg die ungestüme Neugier der Jugend gestohlen und zerstört hat.
Abgeklärt und gelangweilt treiben sie durch ihr sinnlos friedliches Leben und suchen Zerstreuung in der Fiesta von Pamplona, diesem mehrtägigen und mehrnächtigen Fest der Feuerwerker und Matadore.
Hemingway versucht seine eigene Begeisterung für den Stierkampf auszudrücken, ohne den Roman zu einem Loblied auf die öffentliche Stierschlachtung verkommen zu lassen. Er bremst sich aus, als auf der Straße ein Mann von einem Stier durchbohrt und getötet wird. \"Alles für Spaß\" sagt ein Kellner kopfschüttelnd, während sich die Protagonisten eine weitere Flasche mit sinnersetzendem Getränk bestellen.
Wenn ich von Stierkampf lese oder, wie ich gestehen muss, Stierkampf sehe - ein Satellitenkanal auf Astra übertrug eine Zeitlang das Gemetzel - so gilt mein Mitgefühl immer dem Stier. Sollte tatsächlich ein Matador oder bei der Treibjagd durch die Strassen Pamplonas einer dieser Idioten, die vor den Stieren her rennen, verletzt werden, so beschleicht mich das wohlig schmierige Gefühl von Häme. Es mag zwar eine alte Tradition sein, dieser Stierkampf, aber das heißt ja nicht, das nicht auch alte Traditionen ziemlich bescheuert sein können.
Die Stiere sind, wie die Gladiatoren im alten Rom, dem Tod geweiht. Doch während ein guter Gladiator die Chance hat begnadigt zu werden, hat ein guter Stier nur die Chance einen besonders langsamen Tod zu sterben.
Hemingways Frühwerk wird einem erst bei der Betrachtung mit etwas Abstand klarer. Es ist ein stilistisches Lehrbuch und ein erzählerisches Glanzstück.
Warum?
Nun. Zum Beispiel habe ich mich während der Dialoge, die aus übertriebenen Nettigkeiten und permanenten Wiederholungen bestanden, sehr gelangweilt. Die Stimmung, in der sich die Protagonisten befunden haben, hat sich damit direkt auf mich übertragen. Ich habe mich über die Dummheit der Leute geärgert, in dem ich sie ständig für blöd erklärt habe und über ihre Maßlosigkeit beim Alkoholkonsum.
Und doch habe ich festgestellt, das mir das Schicksal der Romanfiguren egal war.
Selbst das, der umtriebigen Lady Brett Ashley, die Angst vor jeden stillen Moment hat, da sie dann gezwungen wäre, über sich und ihr Leben nachzudenken.
In dieser nervösen Überspanntheit gelingt es der Erzählperson Jake auch nur ein einziges Mal Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Nämlich, beim Forellenfischen in einem ruhigen Flusstal des Baskenlandes.
Irgendwo liegt darin die Moral dieser Erzählung verborgen. Doch es ist eine pessimistische Weltsicht, die sich dabei offenbart.
Jeder in der Geschichte ist sich selbst der Nächste, jeder sucht nach spannender Ablenkung, die ihn aus der Langeweile erlöst und jedem ist dabei des Nachbarn Leid und Liebe nicht wichtiger, als das Klappern von nachgefüllten Gläsern.
Das Bildnis der Fiesta benutzt Hemingway dabei ganz bewusst als Metapher. Der Stier kann sich zwar über einen Matador hermachen oder über einen der vielen Leute, die vor den Stieren wegrennen.
Am Ende bleibt aber für ihn nur die Rolle des Schlachtviehs, der vor dem stolzen Matador in die Knie gehen muss.
Die meisten Menschen wissen mehr über ihn, während seine Werke eher nur vom Titel bekannt sind.
Durch die überaus anschauliche Reportage der BBC, in deren vier Folgen Michael Palin den Spuren des Dichters rund um die Welt folgte, wurde ich angeregt, mich intensiver mit Hemingway zu beschäftigen, als ich es bisher wollte. Ich habe mich also an sein Frühwerk gewagt und tatsächlich begonnen Hemingway zu lesen.
\"Fiesta\"
In diesem Buch schildert er das Leben einer Gruppe Amerikaner und Engländer, die im Paris der zwanziger Jahre leben. Jake, ein amerikanischer Redakteur ist der Erzähler, der sich in den Bars, Restaurants und Tanzschuppen der Stadt herumtreibt und mit ein paar Freunden von Laden zu Laden zieht. Die Gruppe benimmt sich dem Klischee entsprechen, das man gelangweilten Amerikanern und Engländern gern übergießt. Sie sind laut, stellen übertriebene Herzlichkeit zur Schau, kurz, es überzieht eine Patina aus Arroganz und extremen Selbstvertrauen den schwammigen Kern aus Unsicherheit, Komplexen und Verzweiflung.
Hemingway beleuchtet die Oberflächlichkeit, die Emotionslosigkeit und die Unfähigkeit zu Lieben. Eine Folge, mit der die Protagonisten zu kämpfen haben, nachdem ihnen der erste Weltkrieg die ungestüme Neugier der Jugend gestohlen und zerstört hat.
Abgeklärt und gelangweilt treiben sie durch ihr sinnlos friedliches Leben und suchen Zerstreuung in der Fiesta von Pamplona, diesem mehrtägigen und mehrnächtigen Fest der Feuerwerker und Matadore.
Hemingway versucht seine eigene Begeisterung für den Stierkampf auszudrücken, ohne den Roman zu einem Loblied auf die öffentliche Stierschlachtung verkommen zu lassen. Er bremst sich aus, als auf der Straße ein Mann von einem Stier durchbohrt und getötet wird. \"Alles für Spaß\" sagt ein Kellner kopfschüttelnd, während sich die Protagonisten eine weitere Flasche mit sinnersetzendem Getränk bestellen.
Wenn ich von Stierkampf lese oder, wie ich gestehen muss, Stierkampf sehe - ein Satellitenkanal auf Astra übertrug eine Zeitlang das Gemetzel - so gilt mein Mitgefühl immer dem Stier. Sollte tatsächlich ein Matador oder bei der Treibjagd durch die Strassen Pamplonas einer dieser Idioten, die vor den Stieren her rennen, verletzt werden, so beschleicht mich das wohlig schmierige Gefühl von Häme. Es mag zwar eine alte Tradition sein, dieser Stierkampf, aber das heißt ja nicht, das nicht auch alte Traditionen ziemlich bescheuert sein können.
Die Stiere sind, wie die Gladiatoren im alten Rom, dem Tod geweiht. Doch während ein guter Gladiator die Chance hat begnadigt zu werden, hat ein guter Stier nur die Chance einen besonders langsamen Tod zu sterben.
Hemingways Frühwerk wird einem erst bei der Betrachtung mit etwas Abstand klarer. Es ist ein stilistisches Lehrbuch und ein erzählerisches Glanzstück.
Warum?
Nun. Zum Beispiel habe ich mich während der Dialoge, die aus übertriebenen Nettigkeiten und permanenten Wiederholungen bestanden, sehr gelangweilt. Die Stimmung, in der sich die Protagonisten befunden haben, hat sich damit direkt auf mich übertragen. Ich habe mich über die Dummheit der Leute geärgert, in dem ich sie ständig für blöd erklärt habe und über ihre Maßlosigkeit beim Alkoholkonsum.
Und doch habe ich festgestellt, das mir das Schicksal der Romanfiguren egal war.
Selbst das, der umtriebigen Lady Brett Ashley, die Angst vor jeden stillen Moment hat, da sie dann gezwungen wäre, über sich und ihr Leben nachzudenken.
In dieser nervösen Überspanntheit gelingt es der Erzählperson Jake auch nur ein einziges Mal Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Nämlich, beim Forellenfischen in einem ruhigen Flusstal des Baskenlandes.
Irgendwo liegt darin die Moral dieser Erzählung verborgen. Doch es ist eine pessimistische Weltsicht, die sich dabei offenbart.
Jeder in der Geschichte ist sich selbst der Nächste, jeder sucht nach spannender Ablenkung, die ihn aus der Langeweile erlöst und jedem ist dabei des Nachbarn Leid und Liebe nicht wichtiger, als das Klappern von nachgefüllten Gläsern.
Das Bildnis der Fiesta benutzt Hemingway dabei ganz bewusst als Metapher. Der Stier kann sich zwar über einen Matador hermachen oder über einen der vielen Leute, die vor den Stieren wegrennen.
Am Ende bleibt aber für ihn nur die Rolle des Schlachtviehs, der vor dem stolzen Matador in die Knie gehen muss.

Bewerten / Kommentar schreiben