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Erfahrungsbericht von Axolotl2002

Nick Hornby: How to be Good

Pro:

Einige nette Passagen

Kontra:

Alles in allem langweilig und belanglos

Empfehlung:

Nein

Ist es gut?

Nee, "How to be Good" ist kein gutes Buch! Es ist banal und überflüssig. Nick Hornby verabschiedet sich mit diesem Machwerk aus der Riege interessanter und amüsanter Autoren. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass eine dieser Autorinnen, die billige Zeitgeist-Frauenromane schreiben (a la "Frauen, die Prosecco trinken" oder "Beim nächsten Mann wird alles anders", Ihr kennt das Zeug bzw. habt schon mal davon gehört), mit der richtigen Sorte und Menge Drogen durchaus ebenfalls in der Lage gewesen, so etwas zu schreiben.

Worum geht es?

Hornby erzählt diesen Text aus der Perspektive von Katie, einer Ärztin mittleren Alters. Sie lebt mit ihren zwei Kindern und ihrem Mann in einer eher unglücklichen Schicksalsgemeinschaft und beginnt eine kurze Affäre mit einem Kollegen. Sie spricht das erste Mal gegenüber ihrem Mann das Thema Scheidung an. Doch plötzlich nimmt sein ursprünglich verbittertes und zynisches Verhalten eine seltsame Wandlung. Er lernt den Heiler DJ GoodNews kennen, der ihn durch das Fließenlassen irgendwelcher Ströme (so was soll es ja geben) von seinen quälenden Rückenschmerzen befreit. Aus dem ursprünglich "zornigsten Mann von Holloway" (der Name seiner Zeitungskolumne) wird ein gutmütiger Familienmensch, der seinen Altruismus zum Unwillen seiner Familie manchmal ein wenig übertreibt, als er zum Beispiel Computer und Spielzeug der Kinder an Arme verschenkt. Zu allem Überfluss zieht sein Guru (DJ GoodNews, der klägliche Versuch, eine schräge Figur zu entwerfen) ins Haus der Familie ein.

Ach wie blöd, wie es ausgeht, kann ich Euch gar nicht erzählen, denn ca. 100 Seiten vor Schluss habe ich das Buch verärgert zur Seite gelegt, weil ich keine Lust mehr auf Zeitverschwendung hatte.

Wieso das?

Nick Hornby, der mit den großartigen Romanen "High Fidelity" und "Fever Pitch" ein Begründer der sogenannten Popliteratur war, also dieser Art von Texten, die relativ alltägliche Geschichten aus der Lebenswelt mittelständischer Mittzwanziger bis Mittdreißiger erzählen, ist alt geworden und/oder hat sich mit seiner Masche verschlissen. Aus einer ohnehin schon unoriginellen Story (das war z.B. bei "High Fidelity" kein Problem) macht Hornby, der doch durch seine frische, volksnahe und britisch-witzige Sprache bekannt und zurecht beliebt wurde, einen ermüdenden, uninteressanten und absolut langweiligen Roman. Die Tiraden auf das verkorkste Eheleben zu Beginn sind quälend, aber es entsteht gar kein richtiger Kampf innerhalb der Protagonistin, zu seicht sind die Figuren und Gedanken. Die Wendung zum Gutmenschen kommt unvermittelt, unnachvollziehbar und bedauerlich platt daher. DJ GoodNews soll, wie erwähnt, eine schräge Figur sein, ist aber nur ein peinlicher Watschenmann mit einer außergewöhnlichen Begabung. Die Kinder sind wie aus der menschelnden Glossenkolumne eines Lokalkäseblatts entsprungen. Und das Schlimmste, Freunde: Esoterik, Spiritualität, Gutmenschentum! Themen, die nun wirklich seit Ende der 80er durch sind, bereits totgeprügelte Pferde, aus denen auch ein Hornby keinen humoristischen Gewinn mehr destillieren kann.

Schade schade, wieder ein literarischer Held aus meiner Studienzeit weniger, aber vielleicht kann Nick Hornby ja dieses kreative Tief überwinden, auch wenn es sicher schwierig wird, einen Stil zu finden, der die positiven Aspekte seiner frühen Romane fruchtbar nutzt und trotzdem etwas Neues bietet und nicht jämmerlich und abgedroschen wirkt. Sorry für den bösen Verriss, aber manchmal geht es nicht anders. Wer vorher nichts von Hornby gelesen hat, mag diesen Text anders empfinden...

Nick Hornby: How to be Good, Köln 2001, € 20,41

12 Bewertungen, 3 Kommentare

  • DirkWG

    06.03.2002, 19:28 Uhr von DirkWG
    Bewertung: sehr hilfreich

    *grins* Armer enttäuschter Axolotl ...

  • owesen

    06.03.2002, 13:06 Uhr von owesen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Scheint nicht so dolle zu sein ! Gruß, Sönke (owi13)

  • forgi

    06.03.2002, 13:05 Uhr von forgi
    Bewertung: sehr hilfreich

    vielen dank für den bericht, wollte mir das buch an sich kaufen, werde es mir jetzt aber noch mindestens zweimal überlegen