Erfahrungsbericht von Mattis01
'Fever Pitch - Ballfieber von Nick Hornby' - Fußballfans, so wie sie sind!
Pro:
humorvoll, ironisch, pointiert
Kontra:
vielleicht nicht für jedermann interessant
Empfehlung:
Nein
'Man entscheidet sich nur einmal in seinem Leben für einen Verein. Das war es dann.'
Zitat: Campino (Tote Hosen; Edelfan von Fortuna Düsseldorf)
Seit nunmehr 28 Jahren besuche ich nun die Fußballspiele meines Vereins
und habe mit ihm so manches Hoch, aber auch viele, viele Tiefs
durchgemacht. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als junger Fan
bitterlich geweint habe, als der Abstieg meines Lieblingsclubs nicht mehr
zu verhindern war und laut gejubelt, als feststand, daß aufgrund eines
Lizenzentzuges, dann doch ein anderer Verein absteigen mußte. Sicherlich
gehe ich mittlerweile abgeklärter mit den Mißerfolgen des Vereins um, doch
ich habe nach einem Spiel, nach wie vor schlechte Laune, wenn ich mir
mal wieder das klägliche Gestümper und die sich anschließende Niederlage
anschauen mußte.
Vor diesem Hintergrund empfahl mir ein Freund dieses Buch, mit der
Bemerkung, daß ihm der Protagonist irgendwie bekannt vorkomme.
Seit 1997 ist das Buch 'Fever Pitch' von Nick Hornby nun in meinem Besitz,
doch lange habe ich gezögert einen Bericht darüber zu schreiben, obwohl
es zu meinen absoluten Favoriten gehört. Noch immer frage ich mich
nämlich, unter welcher Rubrik dieses Werk einzuordnen sei.
Ein Fußballbuch? Sicherlich. Denn der Fußball ist in diesem Buch das
beherrschende Thema. Oder doch eher eine Psychostudie? Auch das ist
möglich. Der Autor läßt den Leser an seinem jeweiligen Gemütszustand,
ausgelöst durch die Ergebnisse seines Vereins, intensiv teilhaben.
Nebenbei bekommt man eine, zugegebenermaßen unvollständige,
Milieustudie des Lebens in einer Londoner Vorstadt der 70er und 80er
Jahre geliefert.
Von außen macht das Buch nicht viel her. Das rote Cover zeigt neben dem
Titel, Untertitel und dem Namen des Autors einen kleinen blonden Jungen
mit Turnschuhen, Turnhose und Fußballtrikot. Desweiteren sind der Verlag
(KiWi) und ein Hinweis auf den anderen großen Erfolg des Autors 'High
Fidelity' zu sehen. Allerdings gibt es mittlerweile ein neueres Design mit
grünem Umschlag.
Den Autor vorzustellen ist eigentlich überflüssig, da sein Lebensweg in
diesem Buch nachgezeichnet ist. Trotzdem eine kleine Zusammenfassung.
Der 1957 geborene Schriftsteller machte an der Universität von Cambridge
seinen Abschluß und arbeitete als Lehrer. Hornby schrieb Kolumnen für
zahlreiche englische Zeitungen, bevor er sich ganz dem Roman widmete.
Neben dem schon erwähnten Buch 'High Fidelity', ist Nick Hornby der Autor der
Bücher 'Speaking with Angel', 'About a boy' und 'How to be good'. Die beiden
Bestseller 'Fever Pitch' und 'High Fidelity' sind mittlerweile mit großem Erfolg
verfilmt worden ('High Fidelity' lief gerade auf Premiere, mit John Cusack in der
Hauptrolle). Die Filmrechte für 'About a boy' sind für drei Millionen Dollar verkauft.
Er lebt zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn im Norden Londons nur einen
Fußmarsch von Highbury, dem Fußballstadion seines Clubs Arsenal London entfernt.
Die Story von 'Fever Pitch' ist im Grunde schnell erzählt. Hornby schildert,
wie er zum bedingungslosen Fan von Arsenal London wird und beschreibt
die Auswirkungen für sein weiteres Leben.
Seine berufliche Entwicklung, vom kleinen Jungen, der in der Schule eher
Außenseiter ist, über das Studium, welches er lustlos betreibt, bis zum
Lehrer, sowie die persönliche Entwicklung, die er im 'wirklichen' Leben
durchlebt, werden zwar geschildert, doch alles wird von der fanatischen
Liebe zu seinem Verein in den Schatten gestellt, die Hornby in all ihren
Auswüchsen beschreibt.
Und gerade das macht dieses Buch aus. Der Autor beschreibt nicht nur,
was er als Fan erlebt und wie er die Situationen durchleidet, sondern
versucht auch seine Handlungen zu erklären. Dieses geschieht mit einem
gehörigen Schuß Selbstironie und macht dieses Buch nicht nur für
Fußballbegeisterte lesenswert.
Doch gerade diese Spezies Mensch, die sich Woche für Woche auf
irgendwelchen Stadiontribünen herumtreibt, wird dieses Buch lieben.
Jedem, der ein Fußballverein in sein Herz geschlossen hat und zu
denjenigen Fans gehört, die auf Prügeleien und Pöbeleien verzichtet, wird
hier der Spiegel vorgehalten. Dieses geschieht auf eine solche Art und
Weise, daß man geneigt ist, ständig in seinen eigenen Fan-Erinnerungen
zu schwelgen und über sich selbst zu schmunzeln. Doch Hornby will nicht
belehren und die Fußballfans, wie so oft, als zurückgebliebene, minder
bemittelte Zeitgenossen darstellen, sondern versucht zu beschreiben,
warum Fußballfans so sind, wie sie sind.
Fazit:
Dieses Buch ist für alle zu empfehlen, die sich mit dem Phänomen
'Fußballfan' auseinandersetzen wollen.
Sei es, weil man selbst ein Team vergöttert oder weil man endlich
verstehen möchte, was diese Leute Woche für Woche in die Stadien
treibt, auch wenn sie vorher wissen, daß man schlechten Fußball zu sehen
bekommt.
Für mich war es erstaunlich, wie oft ich mich mit dem 'Helden' des Buches
identifizieren konnte und war beruhigt zu lesen, daß ich mit meinen
Gefühlen zu einem Fußballverein nicht alleine bin. Sei es nun das
Unwohlsein vor, die große Nervosität und Anspannung während eines
Spiels oder aber auch die Marotte, seine Aktivitäten so zu planen, daß man
noch rechtzeitig zu einem Auswärtsspiel fahren kann, wo dann der 10. der
Tabelle gegen den 12. ein trostloses Gekicke abliefert.
Denn wie schreibt der Autor so treffend: 'Dieses Buch ist für all jene, die
schon einmal erlebt haben, wie sie mitten in einem Arbeitstag, in einem
Film oder einer Unterhaltung abgedriftet sind, zurück zu einem Volleyschuß
mit links, der vor zehn, fünfzehn oder funfundzwanzig Jahren in den
rechten Winkel gerauscht ist.'
Zitat: Campino (Tote Hosen; Edelfan von Fortuna Düsseldorf)
Seit nunmehr 28 Jahren besuche ich nun die Fußballspiele meines Vereins
und habe mit ihm so manches Hoch, aber auch viele, viele Tiefs
durchgemacht. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als junger Fan
bitterlich geweint habe, als der Abstieg meines Lieblingsclubs nicht mehr
zu verhindern war und laut gejubelt, als feststand, daß aufgrund eines
Lizenzentzuges, dann doch ein anderer Verein absteigen mußte. Sicherlich
gehe ich mittlerweile abgeklärter mit den Mißerfolgen des Vereins um, doch
ich habe nach einem Spiel, nach wie vor schlechte Laune, wenn ich mir
mal wieder das klägliche Gestümper und die sich anschließende Niederlage
anschauen mußte.
Vor diesem Hintergrund empfahl mir ein Freund dieses Buch, mit der
Bemerkung, daß ihm der Protagonist irgendwie bekannt vorkomme.
Seit 1997 ist das Buch 'Fever Pitch' von Nick Hornby nun in meinem Besitz,
doch lange habe ich gezögert einen Bericht darüber zu schreiben, obwohl
es zu meinen absoluten Favoriten gehört. Noch immer frage ich mich
nämlich, unter welcher Rubrik dieses Werk einzuordnen sei.
Ein Fußballbuch? Sicherlich. Denn der Fußball ist in diesem Buch das
beherrschende Thema. Oder doch eher eine Psychostudie? Auch das ist
möglich. Der Autor läßt den Leser an seinem jeweiligen Gemütszustand,
ausgelöst durch die Ergebnisse seines Vereins, intensiv teilhaben.
Nebenbei bekommt man eine, zugegebenermaßen unvollständige,
Milieustudie des Lebens in einer Londoner Vorstadt der 70er und 80er
Jahre geliefert.
Von außen macht das Buch nicht viel her. Das rote Cover zeigt neben dem
Titel, Untertitel und dem Namen des Autors einen kleinen blonden Jungen
mit Turnschuhen, Turnhose und Fußballtrikot. Desweiteren sind der Verlag
(KiWi) und ein Hinweis auf den anderen großen Erfolg des Autors 'High
Fidelity' zu sehen. Allerdings gibt es mittlerweile ein neueres Design mit
grünem Umschlag.
Den Autor vorzustellen ist eigentlich überflüssig, da sein Lebensweg in
diesem Buch nachgezeichnet ist. Trotzdem eine kleine Zusammenfassung.
Der 1957 geborene Schriftsteller machte an der Universität von Cambridge
seinen Abschluß und arbeitete als Lehrer. Hornby schrieb Kolumnen für
zahlreiche englische Zeitungen, bevor er sich ganz dem Roman widmete.
Neben dem schon erwähnten Buch 'High Fidelity', ist Nick Hornby der Autor der
Bücher 'Speaking with Angel', 'About a boy' und 'How to be good'. Die beiden
Bestseller 'Fever Pitch' und 'High Fidelity' sind mittlerweile mit großem Erfolg
verfilmt worden ('High Fidelity' lief gerade auf Premiere, mit John Cusack in der
Hauptrolle). Die Filmrechte für 'About a boy' sind für drei Millionen Dollar verkauft.
Er lebt zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn im Norden Londons nur einen
Fußmarsch von Highbury, dem Fußballstadion seines Clubs Arsenal London entfernt.
Die Story von 'Fever Pitch' ist im Grunde schnell erzählt. Hornby schildert,
wie er zum bedingungslosen Fan von Arsenal London wird und beschreibt
die Auswirkungen für sein weiteres Leben.
Seine berufliche Entwicklung, vom kleinen Jungen, der in der Schule eher
Außenseiter ist, über das Studium, welches er lustlos betreibt, bis zum
Lehrer, sowie die persönliche Entwicklung, die er im 'wirklichen' Leben
durchlebt, werden zwar geschildert, doch alles wird von der fanatischen
Liebe zu seinem Verein in den Schatten gestellt, die Hornby in all ihren
Auswüchsen beschreibt.
Und gerade das macht dieses Buch aus. Der Autor beschreibt nicht nur,
was er als Fan erlebt und wie er die Situationen durchleidet, sondern
versucht auch seine Handlungen zu erklären. Dieses geschieht mit einem
gehörigen Schuß Selbstironie und macht dieses Buch nicht nur für
Fußballbegeisterte lesenswert.
Doch gerade diese Spezies Mensch, die sich Woche für Woche auf
irgendwelchen Stadiontribünen herumtreibt, wird dieses Buch lieben.
Jedem, der ein Fußballverein in sein Herz geschlossen hat und zu
denjenigen Fans gehört, die auf Prügeleien und Pöbeleien verzichtet, wird
hier der Spiegel vorgehalten. Dieses geschieht auf eine solche Art und
Weise, daß man geneigt ist, ständig in seinen eigenen Fan-Erinnerungen
zu schwelgen und über sich selbst zu schmunzeln. Doch Hornby will nicht
belehren und die Fußballfans, wie so oft, als zurückgebliebene, minder
bemittelte Zeitgenossen darstellen, sondern versucht zu beschreiben,
warum Fußballfans so sind, wie sie sind.
Fazit:
Dieses Buch ist für alle zu empfehlen, die sich mit dem Phänomen
'Fußballfan' auseinandersetzen wollen.
Sei es, weil man selbst ein Team vergöttert oder weil man endlich
verstehen möchte, was diese Leute Woche für Woche in die Stadien
treibt, auch wenn sie vorher wissen, daß man schlechten Fußball zu sehen
bekommt.
Für mich war es erstaunlich, wie oft ich mich mit dem 'Helden' des Buches
identifizieren konnte und war beruhigt zu lesen, daß ich mit meinen
Gefühlen zu einem Fußballverein nicht alleine bin. Sei es nun das
Unwohlsein vor, die große Nervosität und Anspannung während eines
Spiels oder aber auch die Marotte, seine Aktivitäten so zu planen, daß man
noch rechtzeitig zu einem Auswärtsspiel fahren kann, wo dann der 10. der
Tabelle gegen den 12. ein trostloses Gekicke abliefert.
Denn wie schreibt der Autor so treffend: 'Dieses Buch ist für all jene, die
schon einmal erlebt haben, wie sie mitten in einem Arbeitstag, in einem
Film oder einer Unterhaltung abgedriftet sind, zurück zu einem Volleyschuß
mit links, der vor zehn, fünfzehn oder funfundzwanzig Jahren in den
rechten Winkel gerauscht ist.'
7 Bewertungen, 1 Kommentar
-
14.02.2002, 15:59 Uhr von Yohko
Bewertung: sehr hilfreichhast viel geschrieben! dass hilf mir weiter- verschaufft einen guten durchblick!

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