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Erfahrungsbericht von Joebln

Sidney Sheldon "Im Schatten der Götter"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der neugewählte Präsident der USA will völlig neue Wege mit seiner Ostpolitik gehen. Es geht um Entspannung und großzügiges Verhalten gegenüber den Ostmächten.
Mary Ashley ist Mitarbeiterin für Politikwissenschaften mit dem Spezialgebiet Osteuropa an der Kansas State University und hat eine Arbeit bezüglich der Entspannungspolitik veröffentlicht, die genau den Vorstellungen des Präsidenten entspricht.
Da sie also seine Ideen mittragen und entsprechend umsetzen könnte, will er ihr den heiklen Posten der rumänischen Botschafterin anbieten. Als völliges Greenhorn soll sie in ein Land und eine Situation, die sich gerade erst wieder zaghaft den USA gegenüber öffnet.
Natürlich sagt sie ab. Doch nur wenige Tage später verunglückt ihr Mann und Mary steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben – also willigt sie schließlich, auf das erneute Drängen des Präsidenten hin, in den Job ein.
Nach einem Crashkurs in Diplomatie reist Mary nach Rumänien, der Heimat ihres Großvaters. Wie sie schon in Washington unerhört von der Presse gefeiert wurde, so wird sie auch in Rumänien begeistert empfangen.
Doch plötzlich geschehen seltsame Dinge um sie herum und jemand versucht, sie umzubringen. Mary ist völlig auf sich gestellt, da die Mitarbeiter in der Botschaft offensichtlich gegen sie sind. Mehr als einmal steht sie am Rande der Verzweiflung und will nach Hause.
Doch mit dieser Welt hat sie abgeschlossen – mit dem Mut der Verzweiflung stürzt sie sich in die Arbeit und versucht nebenbei noch herauszufinden, wer hinter ihr her ist...

Wir haben es hier mal wieder mit einem typischen Sheldon Roman zu tun. Und das ist einerseits sicherlich ein Lob, andererseits aber auch Kritik. Und fangen wir gleich mal damit an:
Schon wieder skizziert Sheldon diese perfekte Familienidylle, bei der man am liebsten die Tüte rausholen wollte. Alle haben sich furchtbar lieb. Und trotzdem die Eltern bis zu 14 Stunden arbeiten, haben sie genug Zeit und Geduld, sich noch voll ihren Kindern zu widmen, die so viel Verständnis und Begeisterung aufbringen, dass es schon weh tut.
Und als ob das nicht reicht, wird aus Mary auch noch die perfekte amerikanische Heldin: Sie zweifelt, kann aber gar nicht aufgeben und eigentlich auch gar nicht verlieren. Denn sie kommt aus niederen Verhältnis und steigt empor zu den höchsten Rängen (hier) der Diplomatie. Sie verkörpert den ach so tief sitzenden amerikanischen (Alb)traum vom Tellerwäscher zum Millionär in der hundersten abgewandelten Form.
Dabei bleiben aber leider alle Figuren nur Skizzen – niemand bekommt von Sheldon einen solchen Tiefgang, dass man sich identifizieren könnte oder meinetwegen auch nur mitbangen.

Über diese Einstellung könnte man ja hinwegsehen, denn damit ist er bekanntlicher Weise nicht der einzige amerikanische Schreiberling, wenn denn die Story wenigstens entsprechend spannend und rasant inszeniert wäre – wie wir es ja auch von einem Sheldon gewöhnt sind. Aber leider klappt auch das diesmal nicht.

Der Roman ist in drei große Bücher geteilt: Mary zu Hause, Mary in Washington und Mary in Rumänien. Teilweise liest sich diese Idylle und unermüdliche Aufstiegsgeschichte sehr zäh. Ich habe das Buch aber nicht weggelegt, weil Sheldon eben sein Handwerk versteht. Ein ums andere Mal, wenn ich wieder mal herzhaft gähnen wollte, schaffte es Sheldon, überraschende Ereignisse einzubauen, neue Wendungen anzudeuten und ausreichend Spannung für einen Krimi zu erzeugen. Dabei behilflich sind ihm sicher auch die verschiedenen Handlungsebenen, bei denen der Leser nicht immer genau weiß, was und wer dort gerade aktiv ist.

So kämpft man sich also mal mehr, mal weniger motiviert durch das Buch, um am Ende den wie üblich übertriebenen Showdown zu erleben.
Warum legt man das Buch nicht einfach weg. Es ist einfach Sheldons Schreibstil. Er benutzt eine flotte und einfache Sprache. In der Regel verliert er sich nicht in Beschreibungen, die den Leser langweilen. Er weiß, wie man mit geschickten Spannungsbögen den Leser am Ball hält, fordert seinen Geist aber nicht zu sehr – z.B. durch wenige und einfache Figuren.

Fazit: Glücklicherweise habe ich das Buch nur als Strandlektüre gehabt. Denn sonst hätte ich mich vermutlich doch sehr über dieses handwerklich sehr ordentlich gemachte, aber recht einfallslose und teilweise ordentlich gestreckte Werk geärgert.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-22 20:03:13 mit dem Titel Willbur Smith: Die Schwingen des Horus

Der Ägyptologe Duraid Al Simma und seine Frau Royan finden im Grab der altägyptischen Königin Lostris durch Zufall ein Versteck mit 10 Amphoren, die jeweils eine Schriftrolle enthalten.
Zusammen machen sie sich daran, diese Schriftrollen zu übersetzen. Doch das Unterfangen nimmt schon mehrere Jahre in Anspruch, denn der Schreiber war ein kluger Mann.

Taita scheint ein Genie gewesen zu sein. Eigentlich war er ein Sklave. Aber gleichzeitig verkörperte er auch einen genialen Baumeister, gewitzten Schreiber und innovativen Künstler. Und er war der engste Vertraute der Königin Lostris.

Während Duraid und Royan die ersten 6 Rollen, die sie aus der Kammer retten konnten, noch relativ gut übersetzt bekommen haben, legt ihnen Taita in der siebten Rolle Steine in den Weg.
Verschlüsselt durch intrigante Rätsel und geschickte Reime verweist der Inhalt der Rolle auf das im altägyptischen Hinterland (heute Äthiopien) verborgene prunkvolle Grab des Pharao Mamose.

Doch kurz bevor sich Duraid und Royan der Sache ganz sicher sein können und sie die Gelegenheit hätten, einen Sponsor für die Expedition zu gewinnen, werden sie überfallen.
Nur mit äußerstem Willen kann Royan sich retten. Ihr Mann Duraid stirbt einen qualvollen Tod, um ihr Leben zu schützen.
Die Rollen sind weg, die Daten in ihrem PC im Kairoer Museum gelöscht und auf der Straße entgeht sie wieder nur knapp einem erneuten Anschlag auf ihr Leben.
Doch Royan gibt nicht auf, hat sie ihrem sterbenden Mann doch versprochen, dass sie für ihn nach England geht und den Millionär Nicholas Quentin-Harper als Sponsor für die Expedition zu Mamoses Grab gewinnt.
Quentin-Harper ist interessiert, beißt aber erst so richtig an, als Royan auch in England nur knapp einen Mordanschlag überlebt. Er finanziert die Expedition und Royan soll mit ihrem fundamentalen Wissen über die 7. Schriftrolle das Abenteuer auch noch profitabel machen.

Doch sie sind nicht allein. Schon bald lernen sie ihren ebenso mächtigen wie skrupellosen Gegner kennen. Und plötzlich geht es nicht mehr nur darum, als erster das Grab zu finden, sondern auch darum, lebend aus diesem Abenteuer heraus zu kommen ...

Der verfälschte deutsche Titel (im Original heißt das Buch \"Die siebte Rolle\") und die sehr knappe Inhaltsangabe auf dem Cover meiner Ausgabe suggerieren einen altägyptischen Roman.
So landete auch dieses Buch als Geschenk gegen meine Lesesucht in meinem Repertoire.
Leider handelt es sich gar nicht um die gedachte Lektüre, sondern Smith legt hier einen ganz passablen, actionlastigen und teilweise richtig spannenden Abenteuerroman vor.

Im Laufe der Handlung des Buches erfährt man, dass die \"Schwingen des Horus\" ein zweiter Band sein soll. Der erste Band handelt nämlich genau von der Geschichte der Königin Lostris. Etwas merkwürdig fand ich diese Eigenwerbung und den mehrmaligen Cameoauftritt des Autors dann schon.
Die Pharaonenzeit wird hier jedenfalls nur als Handlungshintergrund und Gerüst für einen grausamen Wettkampf gewählt.
Und hier möchte ich auch entgegen aller Gepflogenheiten mit der Kritik beginnen.
Smith zelebriert förmlich die Gewalt!
In seinem Buch kommen logischerweise bei der Art von Geschichte mehrere Menschen auf die verschiedensten Weisen um. Smith lässt es sich dabei nicht nehmen, jeden einzelnen Todesfall so detailliert zu beschreiben, dass man (fast) den Eindruck gewinnt, diese Passagen wären seine liebsten und hätten ihm am meisten Spaß gemacht. In meinen Augen ist das allerdings mehr als unnötig und sehr übertrieben.
Doch keine Angst, der Roman besteht ja nicht nur aus einer Auswahl an Todesarten.

Aber diese Lust an ausschweifenden Beschreibungen taucht später wieder auf. Nämlich beim Showdown. Als Leser ist man bereits atemlos und gierig, das Geschehen weiter zu verfolgen. Und plötzlich schiebt Smith einfach noch ein Kapitel mit ausführlichsten Beschreibungen von Grabkammern und deren Schätzen ein. Das finde ich nicht sehr klug, denn ich habe diese Seiten leider vor Ungeduld nur überflogen.

Das ist wiederum auch Smith\'s Stärke! Der Roman ist von Anfang an unglaublich dicht, spannend und mitreißend. Die Story nimmt den Leser gleich gefangen und zieht ihn mit.
Smith weiß eben durch einfache und klare Figuren und Charaktere (Das Böse ist eben abgrundtief böse und hässlich – das Gute ist attraktiv und lieb) sowie geschickte Spannungsbögen und viel, viel Action und Tempo zu fesseln.

Der Schreibstil ist prägnant und leicht verständlich, so dass sich das Buch wirklich schnell liest - ok, über einige Kapitel bin ich nur drübergeflogen. Und wer die Story nicht ganz so ernst nimmt, wird bestens unterhalten.

Fazit: \"Die Schwingen des Horus\" ist ein actionreicher und spannender – teilweise aber auch brutaler – Abenteuerroman um die Suche nach einem Pharaonengrab.


Die Schwingen des Horus
Willbur Smith
Bechtermünz Verlag
ISBN 3828967906

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