Erfahrungsbericht von denali
Suter, Martin /"Ein perfekter Freund" - Gedächtnisschwund
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Urlaubszeit = Lesezeit. Und diesmal, nachdem ein Kollege mir von dem mir unbekannten Autor, Martin Suter, vorgeschwärmt hatte, nahm ich also „den perfekten Freund“ mit auf große Reise. Es war eine angenehme Freundschaft, soviel sei hier schon mal verraten....
Inhalt:
Fabio Rossi, von Beruf Journalist, erwacht in einem Krankenhaus und kommt nur langsam wieder zu sich. Er hat keinerlei Erinnerung daran, warum er überhaupt in diesem Medizintempel liegt. Von seinen behandelnden Ärzten erfährt er, dass eine Kopfverletzung der Grund für seine Einweisung war. Die Verletzung ist auch Ursache dafür, dass sein Erinnerungsvermögen ihm in Stich lässt. 50 Tage sind weg, ausradiert, sie fehlen einfach....
Und schon im Hospital fangen die seltsamen Begebenheiten an. Er erhält regelmäßig Besuch von einer jungen Frau. Angeblich seine jetzige feste Freundin. Aber er ist doch mit Norina zusammen – denkt er. Wenigstens Lucas ist noch da, sein Freund und Arbeitskollege. Mit ihm geht er gleich nach seiner Entlassung an seinen Arbeitsplatz, um so auch dem Rat seiner Ärzte „etwas zu tun“, Folge zu leisten. Dort angekommen wundert er sich, dass jemand anderes seinen Schreibtisch in Beschlag hat. Er erfährt auch sofort den Grund dafür, er hat nämlich gekündigt – auch diese Tatsache war ihm nicht mehr bewusst. So nimmt er von dort seine persönliche Habe mit und quartiert sich bei seiner ihm unbekannten Freundin ein.
Auch aus den Eintragungen in seinem Terminkalender wird er nicht schlauer. Merkwürdigerweise hören die Aufzeichnungen 2 Wochen vor seinem Unfall auf. Auch sein jetziger „Freundeskreis“ macht ihn stutzig. Wieso gibt er sich mit einem früheren Mitschüler ab, den er eigentlich noch nie leiden konnte?
So nach und nach erfährt er, dass er zuletzt an einer ganz „großen Sache“ dran war, die er im Anschluss an seine letzte Reportage aufgetan hat. Aber was war das? Er hatte einen Artikel über die Selbstmörder geschrieben, die durch den Zusammenprall mit Eisenbahnen aus dem Leben schieden. Das letzte Opfer dieses Schemas war ein Dr. Barth, der angeblich eine Methode zur Früherkennung von Bakterien (wir sprechen von BSE!) in Milch und Schokolade gefunden hat. War das die große Sache, im schokoladen-verrückten Land, der Schweiz? Warum erzählt sein Freund ihm nicht, woran er arbeitete. Hat er nach seinem Unfall die Recherchen alleine weitergeführt und zum krönenden Abschluss gebracht? Lucas’ Verhalten und weitere Erkenntnisse bestärkten Fabio in diesem Glauben. Endgültig wird Lucas zu seinem Feindbild, als er ihn mit seiner Ex-Flamme Norina erwischt.
Und so versucht er weiter nach alten Indizien zu forschen und den sich ergebenden Spuren nachzugehen. Je weiter er kommt, um so mehr muss er einsehen, dass er Lucas Unrecht tat.
Mein Eindruck:
Ein starkes Buch. Es hat zwar nur wenige Seiten (ganze 338 im kleineren Format), aber der Autor verblüfft den Lesen immer wieder mit einer ungeahnten Wendung in diesem Drama. Dadurch ist der vielzitierte Spannungsbogen von A-Z gegeben und als Leser saugt man den Inhalt nur so in sich auf. Über die in der Handlung vorkommenden Hauptpersonen verrät Suter auch nur zögerlich weitere Details. Auch dieses kommt der Spannung des Buches zu Gute. Gleichermaßen scheinen auch die Milieustudien dieser Personen in meinen Augen geglückt. Suter beweist Talent, die Geschichte erzählerisch so zu gestalten, dass im Prinzip das Buch doch ein wenig länger hätte sein können. Einige Dialoge zwischen den Romanfiguren entbehren auch nicht einer gewissen Komik, so dass am Rande auch geschmunzelt werden darf. Mir nur unverständlich, warum jede Person in diesem Buch eine „Agenda“ (Terminkalender) bei sich trägt. Gehört in der beschaulichen Schweiz wohl zur Grundausstattung eines Jeden dazu.
Der Autor:
Martin Suter ist gelernter Medienfachmann. Leser der Züricher Zeitung „Die Weltwoche“ werden ihm als Kolumnist kennen. Immerhin waren diese Kolumnen, in dem er die Welt der Firmen-Manager auf die Schippe nimmt, so erfolgreich, dass sie auch als eigene Buchreihe zu haben sind (Titel „Business-Class“). Daneben hat er aber auch schon weitere Romane veröffentlicht (u.a. „Small World“).
Das Buch:
Wie oben schon kurz angeführt, 338 Seiten im Kleinformat, d.h. die DIN -A 5 Größe wird knapp verfehlt. Bisher in der 1. Auflage nur als gebundenes Werk im Diogenes Verlag erschienen. Der Schutzumschlag zeigt den Ausschnitt einer Seite von einer Gartenlaube – passt zum weiteren Inhaltes des Romans. Unter der ISBN Nummer 3-257-06306-7 ist das absolut lesenswerte Buch momentan für wohlfeile 19,90 Euro zu haben. Zugegeben, nicht ganz preiswert, aber vielleicht habt ihr ja Glück auf dem Second-hand-Markt.
Nicht nur aufgrund seiner kompakten Größe ein idealer Reisebegleiter.
Viele Grüße
denali
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-06 21:23:13 mit dem Titel Simon, Alvah: "Nördlich der Nacht" - Licht zum Läusezupfen
Eigentlich war das Buch ein Fehlkauf und ich wollte es schon fast wieder zurückschicken. Davon bin ich aber nach einem groben Durchblättern irgendwie von abgekommen und so stach ich, während meines Urlaubes unter wärmender Sonne in See. Ziel war die Arktis (lesetechnisch gesehen), denn Kälteschockattacken während des Lesens waren mir bisher nicht überliefert....
Inhalt:
Alvah Simon ist ein Globetrotter auf seinem Segelboot. Auf seiner unendlichen Reise um die Welt lernte er nicht nur die verschiedensten Völker an fremden Küsten sondern auch seine Frau kennen, die fortan mit ihm durch die Wellen kreuzte.
Nach langen Jahren wieder zu Hause in Florida angekommen (hat so ein Mann überhaupt ein Zuhause bzw. Heimat?) hielt das Paar das Leben als \"Landratten\" nicht lange durch. Außerdem nagte in Alvah noch etwas, denn er hatte fast alle Naturvölker kennen gelernt, außer den Inuit (fälschlicherweise sagen wir fast alle \"Eskimo\" zu den in der Arktis lebenden Menschen).
Das sollte es also sein. Auf in die Arktis. Seine Frau hat er von dem Vorhaben schnell überzeugt, da Sie mehr Angst davor hatte, etwas Wundervolles zu verpassen als das die Fahrt in einer Katastrophe endet. Dann begann die mühevolle Suche nach einem für die nördlichen Breiten geeignetes Schiff. Nachdem diese \"Klippe\" in Kolumbien (!!) umschifft wurde startete die Zeit der langwierigen Vorbereitungen. Proviant, Notfallausrüstung, Ersatzteile und so weiter, denn Ziel des \"Törns\" war es eben nicht, da oben im Norden nur einmal vorbeizuschauen, sondern auch einen ganzen langen Winter dort zu bleiben. 2 Personen auf einem knapp 11 Meter langem Boot in einem Gebiet, in dem es 4 Monate am Stück stockdunkel ist....
So schipperten sie dann los und legten im US-Bundesstaat Maine ihre erste Überwinterung zur Probe ein. Verschiedene Materialien, die den Witterungsbedingungen nicht gewachsen waren, konnten so nochmals ausgetauscht werden, bevor es im Sommer dann endgültig los ging. Vor der langen entbehrungsreichen Zeit, lief man unterwegs jeden größeren Hafen an, um die Treibstoffvorräte aufzufüllen bzw. sich noch den Schiffskobold in Form einer Katze zuzulegen. Getauft wurde sie nach dem Ort der Familienzusammenführung und hörte fortan auf den Namen \"Halifax\".
Der überwiegende Teil der Leute - nein, eigentlich alle- denen sie von ihrem Plan erzählten, tippten sich an die Stirn....
Endlich im hohen Norden angekommen, begann die Suche nach einem geeigneten \"Hafen\" für die Überwinterung, der dann doch südlicher lag, als der Autor es wollte. Man richtete sich auf dem immer dichter werdenden Eis ein, verlagerte die Notfallausrüstung auf einem Schlitten außerhalb des Bootes und hoffte auf die Warnhinweise vor Eisbären von Halifax. Doch ein Notruf zerbrach die kleine Idylle. Alvah’s Schwiegervater lag im Sterben und so heuerte seine Frau in einer Nacht- und Nebelaktion ab und fuhr zu ihrem Vater.
Danach beschreibt Simon seinen Winter im Eis. Er berichtet von der Faszination des Nordlichts, tierischen Begegnungen und seinen eigenen Fehlern mit fast fatalen Folgen. Beispielsweise wurde die Kohlenmonoxidentwicklung der Heiz- und Kochgeräte nicht beachtet. Dies setzte ihm doch sehr zu, da er das Boot wegen der Kälte nicht ausreichend genug belüftete.
Ab und an erhielt Simon Besuch von den Inuit, die er während seiner Tour nordwärts eingeladen hatte, ihn doch mal zu besuchen, um ihr Leben besser kennen zulernen. Und so verging im langen arktischen Winter die Zeit, bis im Frühjahr seine Frau wieder auftauchte.
Doch während des kurzen arktischen Frühlings begannen die Probleme. Die Eisdrift drohte das Boot mit dem Heck unter die Wasserlinie zu drücken Ob die Drei ihr Boot retten konnten und was sie sonst noch so an Abenteuern erlebten, nun, das müsst Ihr schon selbst herausfinden....
Meinung:
Während ich das Buch so las, warf ich dem Autor im Stillen so einiges an den Kopf. Nachdem er seinen Plan darlegte war er für mich ein \"Spinner\" und als die Stärke seiner Besatzung feststand, reichte nicht einmal mehr das. Als seine Frau per Hubschrauber abgeholt wurde (was kostete eigentlich die Rettungsaktion?) und er allein im Eis zurückblieb, war Alvah Simon schon aus dem Stadium der Tollkühnheit hinaus. Am Ende hatte er seinen Schutzpatronen viel Arbeit aufgehalst. Wenn seine Geschichte wirklich so stimmt wie hingeschrieben (glaubhaft ist es allemal), dann ist er der größte \"Glücksmurmler\" des 20. Jahrhunderts, der den faszinierenden Lauf der Natur in der Arktis er- und überlebt hat. Aufgelockert und unterstützt wird das Werk von 20 Fotos aus der Eiswüste sowie einigen Kartenmaterialien. Insgesamt ist das Werk auch für diejenigen interessant, die schon immer mal was über die Inuit wissen wollten. Simon berichtet über deren Familienbande wie über Ess-, Schlaf- und Jagdgewohnheiten genauso wie über die Unterdrückung des Volkes durch den Staat. Und das alles sehr flott geschrieben, so dass das Buch allemal leicht lesbar bleibt.
Allerdings trägt die Übersetzung ins Deutsche doch manchmal sehr zur unfreiwilligen Erheiterung bei.
Buch/Autor:
Das Buch \"Nördlich der Nacht\" ist als Taschenbuch im Aufbau Taschenbuch Verlag (ISBN 3-7466-1821-5) erschienen und für stolze 8,50 Euro zu erwerben. Für gerade 308 Seiten kann ich mich nicht des Eindruckes erwehren, hier Jemandem seine kostspieligen Träume zu finanzieren. Im Preis inbegriffen sind auch solche Stilblüten á la \"als die Temperaturen nach Norden hin immer weiter sanken auch öfter\".....
Alvah Simon finanzierte seine Reisen durch Gelegenheitsjobs und Vorträgen (z.B. Dia-Shows). Für seine Berichte über erlebte Segelabenteuer wurde er auch mit Preisen bedacht. Angabegemäß lebt er noch immer auf seinem Schiff, wo auch immer auf dieser Welt.
Fazit:
Sowohl für Freunde wirklicher Abenteuergeschichten als auch für Interessenten an Flora und Fauna der nördlichen Hemisphäre ein sehr schönes Buch. Für diejenigen unter Euch, die mehr kriminalistische Einflüsse brauchen, ist das Buch eher ein Fehlgriff.
Auflösung der Überschrift: Mit \"Licht zum Läusezupfen\" beschrieb ein Inuk die Helligkeit des arktischen Vollmondes.... :o)
Viele Grüße
denali
Inhalt:
Fabio Rossi, von Beruf Journalist, erwacht in einem Krankenhaus und kommt nur langsam wieder zu sich. Er hat keinerlei Erinnerung daran, warum er überhaupt in diesem Medizintempel liegt. Von seinen behandelnden Ärzten erfährt er, dass eine Kopfverletzung der Grund für seine Einweisung war. Die Verletzung ist auch Ursache dafür, dass sein Erinnerungsvermögen ihm in Stich lässt. 50 Tage sind weg, ausradiert, sie fehlen einfach....
Und schon im Hospital fangen die seltsamen Begebenheiten an. Er erhält regelmäßig Besuch von einer jungen Frau. Angeblich seine jetzige feste Freundin. Aber er ist doch mit Norina zusammen – denkt er. Wenigstens Lucas ist noch da, sein Freund und Arbeitskollege. Mit ihm geht er gleich nach seiner Entlassung an seinen Arbeitsplatz, um so auch dem Rat seiner Ärzte „etwas zu tun“, Folge zu leisten. Dort angekommen wundert er sich, dass jemand anderes seinen Schreibtisch in Beschlag hat. Er erfährt auch sofort den Grund dafür, er hat nämlich gekündigt – auch diese Tatsache war ihm nicht mehr bewusst. So nimmt er von dort seine persönliche Habe mit und quartiert sich bei seiner ihm unbekannten Freundin ein.
Auch aus den Eintragungen in seinem Terminkalender wird er nicht schlauer. Merkwürdigerweise hören die Aufzeichnungen 2 Wochen vor seinem Unfall auf. Auch sein jetziger „Freundeskreis“ macht ihn stutzig. Wieso gibt er sich mit einem früheren Mitschüler ab, den er eigentlich noch nie leiden konnte?
So nach und nach erfährt er, dass er zuletzt an einer ganz „großen Sache“ dran war, die er im Anschluss an seine letzte Reportage aufgetan hat. Aber was war das? Er hatte einen Artikel über die Selbstmörder geschrieben, die durch den Zusammenprall mit Eisenbahnen aus dem Leben schieden. Das letzte Opfer dieses Schemas war ein Dr. Barth, der angeblich eine Methode zur Früherkennung von Bakterien (wir sprechen von BSE!) in Milch und Schokolade gefunden hat. War das die große Sache, im schokoladen-verrückten Land, der Schweiz? Warum erzählt sein Freund ihm nicht, woran er arbeitete. Hat er nach seinem Unfall die Recherchen alleine weitergeführt und zum krönenden Abschluss gebracht? Lucas’ Verhalten und weitere Erkenntnisse bestärkten Fabio in diesem Glauben. Endgültig wird Lucas zu seinem Feindbild, als er ihn mit seiner Ex-Flamme Norina erwischt.
Und so versucht er weiter nach alten Indizien zu forschen und den sich ergebenden Spuren nachzugehen. Je weiter er kommt, um so mehr muss er einsehen, dass er Lucas Unrecht tat.
Mein Eindruck:
Ein starkes Buch. Es hat zwar nur wenige Seiten (ganze 338 im kleineren Format), aber der Autor verblüfft den Lesen immer wieder mit einer ungeahnten Wendung in diesem Drama. Dadurch ist der vielzitierte Spannungsbogen von A-Z gegeben und als Leser saugt man den Inhalt nur so in sich auf. Über die in der Handlung vorkommenden Hauptpersonen verrät Suter auch nur zögerlich weitere Details. Auch dieses kommt der Spannung des Buches zu Gute. Gleichermaßen scheinen auch die Milieustudien dieser Personen in meinen Augen geglückt. Suter beweist Talent, die Geschichte erzählerisch so zu gestalten, dass im Prinzip das Buch doch ein wenig länger hätte sein können. Einige Dialoge zwischen den Romanfiguren entbehren auch nicht einer gewissen Komik, so dass am Rande auch geschmunzelt werden darf. Mir nur unverständlich, warum jede Person in diesem Buch eine „Agenda“ (Terminkalender) bei sich trägt. Gehört in der beschaulichen Schweiz wohl zur Grundausstattung eines Jeden dazu.
Der Autor:
Martin Suter ist gelernter Medienfachmann. Leser der Züricher Zeitung „Die Weltwoche“ werden ihm als Kolumnist kennen. Immerhin waren diese Kolumnen, in dem er die Welt der Firmen-Manager auf die Schippe nimmt, so erfolgreich, dass sie auch als eigene Buchreihe zu haben sind (Titel „Business-Class“). Daneben hat er aber auch schon weitere Romane veröffentlicht (u.a. „Small World“).
Das Buch:
Wie oben schon kurz angeführt, 338 Seiten im Kleinformat, d.h. die DIN -A 5 Größe wird knapp verfehlt. Bisher in der 1. Auflage nur als gebundenes Werk im Diogenes Verlag erschienen. Der Schutzumschlag zeigt den Ausschnitt einer Seite von einer Gartenlaube – passt zum weiteren Inhaltes des Romans. Unter der ISBN Nummer 3-257-06306-7 ist das absolut lesenswerte Buch momentan für wohlfeile 19,90 Euro zu haben. Zugegeben, nicht ganz preiswert, aber vielleicht habt ihr ja Glück auf dem Second-hand-Markt.
Nicht nur aufgrund seiner kompakten Größe ein idealer Reisebegleiter.
Viele Grüße
denali
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-06 21:23:13 mit dem Titel Simon, Alvah: "Nördlich der Nacht" - Licht zum Läusezupfen
Eigentlich war das Buch ein Fehlkauf und ich wollte es schon fast wieder zurückschicken. Davon bin ich aber nach einem groben Durchblättern irgendwie von abgekommen und so stach ich, während meines Urlaubes unter wärmender Sonne in See. Ziel war die Arktis (lesetechnisch gesehen), denn Kälteschockattacken während des Lesens waren mir bisher nicht überliefert....
Inhalt:
Alvah Simon ist ein Globetrotter auf seinem Segelboot. Auf seiner unendlichen Reise um die Welt lernte er nicht nur die verschiedensten Völker an fremden Küsten sondern auch seine Frau kennen, die fortan mit ihm durch die Wellen kreuzte.
Nach langen Jahren wieder zu Hause in Florida angekommen (hat so ein Mann überhaupt ein Zuhause bzw. Heimat?) hielt das Paar das Leben als \"Landratten\" nicht lange durch. Außerdem nagte in Alvah noch etwas, denn er hatte fast alle Naturvölker kennen gelernt, außer den Inuit (fälschlicherweise sagen wir fast alle \"Eskimo\" zu den in der Arktis lebenden Menschen).
Das sollte es also sein. Auf in die Arktis. Seine Frau hat er von dem Vorhaben schnell überzeugt, da Sie mehr Angst davor hatte, etwas Wundervolles zu verpassen als das die Fahrt in einer Katastrophe endet. Dann begann die mühevolle Suche nach einem für die nördlichen Breiten geeignetes Schiff. Nachdem diese \"Klippe\" in Kolumbien (!!) umschifft wurde startete die Zeit der langwierigen Vorbereitungen. Proviant, Notfallausrüstung, Ersatzteile und so weiter, denn Ziel des \"Törns\" war es eben nicht, da oben im Norden nur einmal vorbeizuschauen, sondern auch einen ganzen langen Winter dort zu bleiben. 2 Personen auf einem knapp 11 Meter langem Boot in einem Gebiet, in dem es 4 Monate am Stück stockdunkel ist....
So schipperten sie dann los und legten im US-Bundesstaat Maine ihre erste Überwinterung zur Probe ein. Verschiedene Materialien, die den Witterungsbedingungen nicht gewachsen waren, konnten so nochmals ausgetauscht werden, bevor es im Sommer dann endgültig los ging. Vor der langen entbehrungsreichen Zeit, lief man unterwegs jeden größeren Hafen an, um die Treibstoffvorräte aufzufüllen bzw. sich noch den Schiffskobold in Form einer Katze zuzulegen. Getauft wurde sie nach dem Ort der Familienzusammenführung und hörte fortan auf den Namen \"Halifax\".
Der überwiegende Teil der Leute - nein, eigentlich alle- denen sie von ihrem Plan erzählten, tippten sich an die Stirn....
Endlich im hohen Norden angekommen, begann die Suche nach einem geeigneten \"Hafen\" für die Überwinterung, der dann doch südlicher lag, als der Autor es wollte. Man richtete sich auf dem immer dichter werdenden Eis ein, verlagerte die Notfallausrüstung auf einem Schlitten außerhalb des Bootes und hoffte auf die Warnhinweise vor Eisbären von Halifax. Doch ein Notruf zerbrach die kleine Idylle. Alvah’s Schwiegervater lag im Sterben und so heuerte seine Frau in einer Nacht- und Nebelaktion ab und fuhr zu ihrem Vater.
Danach beschreibt Simon seinen Winter im Eis. Er berichtet von der Faszination des Nordlichts, tierischen Begegnungen und seinen eigenen Fehlern mit fast fatalen Folgen. Beispielsweise wurde die Kohlenmonoxidentwicklung der Heiz- und Kochgeräte nicht beachtet. Dies setzte ihm doch sehr zu, da er das Boot wegen der Kälte nicht ausreichend genug belüftete.
Ab und an erhielt Simon Besuch von den Inuit, die er während seiner Tour nordwärts eingeladen hatte, ihn doch mal zu besuchen, um ihr Leben besser kennen zulernen. Und so verging im langen arktischen Winter die Zeit, bis im Frühjahr seine Frau wieder auftauchte.
Doch während des kurzen arktischen Frühlings begannen die Probleme. Die Eisdrift drohte das Boot mit dem Heck unter die Wasserlinie zu drücken Ob die Drei ihr Boot retten konnten und was sie sonst noch so an Abenteuern erlebten, nun, das müsst Ihr schon selbst herausfinden....
Meinung:
Während ich das Buch so las, warf ich dem Autor im Stillen so einiges an den Kopf. Nachdem er seinen Plan darlegte war er für mich ein \"Spinner\" und als die Stärke seiner Besatzung feststand, reichte nicht einmal mehr das. Als seine Frau per Hubschrauber abgeholt wurde (was kostete eigentlich die Rettungsaktion?) und er allein im Eis zurückblieb, war Alvah Simon schon aus dem Stadium der Tollkühnheit hinaus. Am Ende hatte er seinen Schutzpatronen viel Arbeit aufgehalst. Wenn seine Geschichte wirklich so stimmt wie hingeschrieben (glaubhaft ist es allemal), dann ist er der größte \"Glücksmurmler\" des 20. Jahrhunderts, der den faszinierenden Lauf der Natur in der Arktis er- und überlebt hat. Aufgelockert und unterstützt wird das Werk von 20 Fotos aus der Eiswüste sowie einigen Kartenmaterialien. Insgesamt ist das Werk auch für diejenigen interessant, die schon immer mal was über die Inuit wissen wollten. Simon berichtet über deren Familienbande wie über Ess-, Schlaf- und Jagdgewohnheiten genauso wie über die Unterdrückung des Volkes durch den Staat. Und das alles sehr flott geschrieben, so dass das Buch allemal leicht lesbar bleibt.
Allerdings trägt die Übersetzung ins Deutsche doch manchmal sehr zur unfreiwilligen Erheiterung bei.
Buch/Autor:
Das Buch \"Nördlich der Nacht\" ist als Taschenbuch im Aufbau Taschenbuch Verlag (ISBN 3-7466-1821-5) erschienen und für stolze 8,50 Euro zu erwerben. Für gerade 308 Seiten kann ich mich nicht des Eindruckes erwehren, hier Jemandem seine kostspieligen Träume zu finanzieren. Im Preis inbegriffen sind auch solche Stilblüten á la \"als die Temperaturen nach Norden hin immer weiter sanken auch öfter\".....
Alvah Simon finanzierte seine Reisen durch Gelegenheitsjobs und Vorträgen (z.B. Dia-Shows). Für seine Berichte über erlebte Segelabenteuer wurde er auch mit Preisen bedacht. Angabegemäß lebt er noch immer auf seinem Schiff, wo auch immer auf dieser Welt.
Fazit:
Sowohl für Freunde wirklicher Abenteuergeschichten als auch für Interessenten an Flora und Fauna der nördlichen Hemisphäre ein sehr schönes Buch. Für diejenigen unter Euch, die mehr kriminalistische Einflüsse brauchen, ist das Buch eher ein Fehlgriff.
Auflösung der Überschrift: Mit \"Licht zum Läusezupfen\" beschrieb ein Inuk die Helligkeit des arktischen Vollmondes.... :o)
Viele Grüße
denali
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