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Erfahrungsbericht von djaba

Kindesmissbrauch ist bei de Sade harmlos

Pro:

extrem, vom geschichtlichen Interesse, man schlüpft mal in den Kopf eines menschlischen Monsters

Kontra:

abstossend, langweilig, menschenverachtend

Empfehlung:

Nein

*** Einleitung

Heute will ich euch ein weiteres Buch vorstellen, ein echter Klassiker, die Rede ist von \"Justine\". Bei einigen werden jetzt vielleicht schon Glocken läuten bei den meisten jedoch nicht. Der Autor dieses Machwerk ist Marquis De Sade, vermutlich der bekannteste und größte Pornograph der je gelebt hat. Der Sadismus ist nach diesem Schriftsteller benannt worden und noch heute knapp 200 Jahren nach de Sades Tod gilt sein Werk als das gewalttätigste und abartigste was je geschrieben worden ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Pornographen besitzen de Sades Werke jedoch eine gewisse literarische Substanz. Aber dazu später mehr. Mein Bericht ist gegliedert in.

Einleitung
Der Autor
Die Handlung
Auflistung der Perversionen und Verbrechen
Aussage
Kurzinfomationen

*** Der Autor

Marquis de Sade (Voller Name: Donatien Alphonse François Marquis de Sade) wird am 2. Juni 1740 geboren. Seine Eltern entstammen Provinzadel. Im Alter von 6 Jahren wird Donatien von seinem Onkel Abbe` de Sade aufgezogen. Dieser Onkel ist nicht nur sehr gebildet sondern auch sexuell schwer abartig. Mit 14 Jahren läßt sich Donatien als Kavallerist ausbilden und nimmt am siebenjährigen Krieg teil. Nach Kriegsende quittiert Donatien den Militärdienst und führt ein sehr ausschweifendes und skandalöses Leben, dem sein Vater ein Ende setzen will indem er ihn 1763 mit der sehr wohlhabenden Adligen Renée Pélagie de Montreuil vermählt. Im gleichen Jahr muß der 23 Jahre alte Donatien aufgrund seines gottlosen Lebens zum ersten Mal ins Gefängnis, wo er jedoch nur einige Monate einsitzen muß. 1768 wird er zu eine weiteren Haftstrafe verurteilt, da er eine Frau entführen lies und diese schwer mißhandelte. Er entzieht sich der Haftstrafe indem er mit seiner Schwägerin, in die er sich verliebt, nach Italien flieht. Dort verbleibt er kurze Zeit bis Gras über die Sache gewachsen ist um dann wieder erneut nach Frankreich zurückzukehren. 1772 wird er für Schuldig befunden gemeinsam mit seinem Diener 4 Prostituierte durch vergiftete Bonbons getötet zu haben. Donatien flieht erneut nach Italien und wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1774 versucht er erfolgreich von Italien aus, die Aufhebung seiner Todesstrafe zu erreichen. Erneute Rückkehr nach Frankreich. Bereits drei Jahre später muß er aufgrund von weiteren Greultaten ins Gefängnis aus dem er erst 1790 befreit wird, nach der französischen Revolution. In den Jahren 1777-1790 die Marquis im Gefängnis verfaßt er Die 120 Tage von Sodom, Aline und Valcour, Die Leiden der Tugend, sowie Eugénie de Franval. Wenig später nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis begegnet er Marie-Constance Quesnet, mit der er bis an sein Lebensende liiert bleibt. Zwei Jahre später engagiert sich Donatien zusammen mit Robespierres in der Bergpartei und veröffentlicht politische Streitschriften. Dennoch hat man ihm seine begangenen Greultaten nicht verziehen und so wird er 1793 erneut ins Gefängnis gesteckt und zum Tode verurteilt. Der Guillotine kann er im Juli 1749 nur dank eines administrativen Irrtums entgehen. Im Oktober wird er aus der Haft entlassen. 1799 muß er aufgrund finanzieller Probleme sein Schloß verkaufen. Der Erlös kann diese Sorgen jedoch auch nicht völlig lösen. 1801 werden seine Schriften bei Verlegern beschlagnahmt und Donatien wird mit der Begründung, er sei \"wahnhaft vom Laster besessen\" ohne Urteilsspruch in einer Irrenanstalt eingewiesen. 1813 hat er sein letztes Liebesabenteuer mit einem sechzehnjährigen Mädchen ein Jahr später stirbt er. Bemerkenswert ist dass er über ein drittel seines Lebens im Gefängnis und in der Irrenanstalt verbracht hat und es nur viel Glück und seiner Adligen Herkunft zu verdanken hat nicht zum Tode verurteilt zu werden.

Anmerkung: Ich habe hier nur die Greultaten vermerkt für die der Marquis de Sade auch angezeigt worden ist, viele seiner Opfer hat er auch durch die Zahlung von Geld oder durch nackte Gewalt zum Schweigen gebracht.

*** Die Handlung

Die Geschichte beginnt damit das die Eltern von Justine und Julliete verstorben sind und die beiden Schwestern völlig verarmt auf der Straße stehen. Die Schwestern sind von ihrem Charakter total gegensätzlich. Justine die Jüngere der beiden ist ehrlich, gottesfürchtig und naiv, ihre Schwester ist dagegen ist bösartiges, lüsternes und grausames Geschöpf die weiß wie der Hase läuft. Die beiden Schwestern beschließen sich zu trennen und jede versucht ihren Weg zu gehen. Der Roman befaßt sich mit dem Geschick der armen Justine die versucht durch Rechtschaffenheit weiter zu kommen die Fortsetzung (Julliete - Die Wonnen der Wollust) befaßt sich dann mit Juliete. Bereits nach kurze Zeit gerät die arme Justine, die zu diesem Zeitpunkt noch ein besseres Kind ist, in die Gewalt eines alten Lustgreises. Bei diesem muß sie eine fürchterliche Tortur aus Missbrauch und Mißhandlungen erdulden. Nur mit viel Glück kann sie fliehen. Nachdem die gottesfürchtige Justine längere Zeit durch Frankreich gereist ist und in einer Tour von allen Möglichen Kerlen mißhandelt und vergewaltigt worden ist begibt sie sich in ein abgelegenes Kloster in die vermeintliche Sicherheit. Doch bei den Mönchen handelt es sich ausnahmslos um perverse Lüstlinge, die sich nur am Leid anderer erfreuen können. Und so kommt es wie es kommen muß Justine wird erneut vergewaltigt und mißhandelt. An zu merken ist dass sich der Grad der Gewalt und der Abartigkeit stetig steigert. Immer wieder läßt sich de Sade neue Grausamkeiten für die arme Justine einfallen, die dies zu erleiden hat. Wieder kann Justine fliehen um dann wenig später in einem Gasthaus wieder festgehalten zu werden. Auch dort wird sie wieder Opfer neuer Greultaten. Dieses Prinzip das die arme Justine immer festgehalten wird und dann Opfer von Greultaten wird wiederholt sich ständig. Gegen Ende des Buchs trifft Justine noch einmal ihre Schwester Julliete, die kein Mitleid für die mißliche Lage der eigenen Schwester aufweist. Wenig später kommt die arme Justine auf grausamste Art ums Leben.

Anmerkung: Dies ist nur eine sehr grobe Zusammenfassung und ich hab einige Abenteuer der armen Justine komplett weggelassen

*** Auflistung der Perversion und Verbrechen

In Justine werden folgende Handlungen begangen:

Normaler Sex (Hetero, Homo, Bi sowie alle Arten von Gruppensex)
Inzucht mit Minderjährigen
Inzest (Vater-Tochter, Vater-Sohn, Mutter-Sohn, Mutter-Tochter, Bruder-Schwester, Bruder-Bruder, Schwester-Schwester, Großvater-Enkel, Großmutter-Enkel usw.)
Sekt und Kaviarspiele
Nekrophilie (in einer Szene wird eine Frau dazu gezwungen es mit ihrem ermordeten Geliebten zu treiben)
Sodomie (Unzucht mit Tieren)
Sex gepaart mit aller Art von Gewalt (z.B. werden erst Löcher in Menschen geschnitten und diese werden dann zugenäht)
Kannibalismus
jede nur erdenkliche Art von Folter (z.B. werden ungeborene Kinder aus den Bäuchen ihrer ermordeten Müttern geschnitten)

Alle diese Handlungen werden sehr detailliert beschrieben und hier wird nichts, sei es auch noch so entsetzlich, ausgelassen

*** Die Aussage

Die Aussage läßt sich schon im Titel des Romans \"Justine oder Die Leiden der Tugend\" finden. Die Fortsetzung heißt dann \"Julliete oder die Wonnen der Wollust\". De Sade vertritt die Meinung dass sich moralisches Handeln nicht lohnt und dass das Leben denjenigen belohnt der sich seinen Trieben hingibt. Er ist der Meinung dass der Stärkere (womit er in erster Linie sich selbst meint) den Schwachen unterdrücken sollte. Dies ist im wesentlichen die Kernaussage. Dies belegt er am Beispiel der Justine, die immer sich bemüht den Anstand zu wahren und dafür mit dem eigenen Leben zahlen muß während ihre Schwester die sich jeder Ausschweifung hingibt vom Leben reich belohnt wird. Marquis de Sade vertritt also so eine Art Antichristentum oder eine Philosophie des Bösen.
Diese Philosophie vertrat de Sade aber nur solange offen, wie sein schändliches Treiben von der adeligen Kaste geduldet wurde. Nach der Französischen Revolution hielt er sich doch merkbar zurück mit öffentlichen Äußerungen, wohl wissend dass diese ihn wahrscheinlich der Guillotine noch näher gebracht hätten, als er ohnehin schon war.

Viele Menschen sind der Meinung das de Sade frauenfeindlich ist, dies kann man jedoch so nicht sagen. Zwar sind die Frauen in de Sades Werk meist entweder gemeine Huren oder arme Opfer, aber bei den Männern verhält es sich genauso. Sie sind keinen Deut besser. Bei de Sade gibt es nur zwei Arten von Menschen die Starken (Täter) und die Schwachen (Opfer). Manchmal werden allerdings auch die Starken zu Opfern.
Positiv anzumerken ist das, dass Buch die Wesensart von Sexuellen Begehren deutlich macht. So wird verständlich, wie die Übeltäter im Buch immer stärker verrohen und immer grausamere Taten begehen. Der Leser erlebt das gewissermaßen am eigenen Leibe, da er gemeinsam mit den Übeltätern zunehmend abstumpft. Irgendwann beginnt die normale Vergewaltigung den Leser bei Marquis de Sade schlichtweg zu langweilen und man gruselt sich nur noch vor dem wirklich schlimmen Sachen (Ich will damit keine Vergewaltigungen verharmlosen oder gar gutheißen).

*** Kurzinfomationen

Justine - oder die Leiden der Tugend erschien zum ersten Mal 1797

U.a. ist der Roman bei den Insel Taschenbuch erschienen, ich hab vor etwa 4 Jahren 22.80 bezahlt. Das Buch ist aber wahrscheinlich auch in etlichen anderen Verlagen und Formaten erhältlich.

ISBN 3-458-32957-9

*** Fazit

Das Buch ist zweifelsohne ein Klassiker, denke ich kann man auch sehr gut ohne die Lektüre dieses Werks auskommen. Hinzu kommt dass, das ganze trotz der ständigen Gewalt und den ewigen Sexorgien schon sehr schnell langweilig wird. Für Pornographie ist das Buch sicherlich nicht schlecht aber gut ist es definitiv nicht. Und der literarische Wert dürfte bei Null liegen. Ich denke das Buch ist nur für Leute mit geschichtlichen Interesse oder für Leute die harten SM (de Sade geht aber bei weiten über den 08/15 Sex hinaus) mögen und Leute die mal etwas wirklich krasses lesen wollen, interessant. Zu dem Marquis de Sade gibt es viele Verfilmungen von denen so gut wie keine gelungen ist, da sie in der Regel de Sade in erster Linie als Opfer darstellen. Tatsache ist aber das de Sade ein wahres Monster war und trotz seiner Bildung und seines zweifelsfrei großen Intellekts ein menschliches Monster war dass durchaus auf eine Stufe mit Serienmördern wie Edward („Ed“) Geain, Jack the Ripper oder Gräfin Erzsebet Barthory (um auch mal eine weibliche Serienmörderin zu nennen) zu stellen ist

Erstellt bei djaba am 03.03.2002 1614 Wörter

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