Erfahrungsbericht von Wunderblume
Der Medikus von England
Pro:
sehr unterhaltsam, man lernt einmal den Ursprung der Vampirsagen kennen
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ewig habe ich auf das Nachfolgebuch vom Wanderchirurg von Wolf Serno gewartet, und als mein Vater Der Chirurg von Campodius dann endlich vom Bücherbund bestellt hatte, habe ich es mir natürlich gleich geschnappt. Meine Erwartungen haben sich zwar nicht ganz erfüllt, ich wurde aber auch nicht enttäuscht.
Im ersten Band ist Vitus von Campodius, der als Findelkind in einem Kloster aufgewachsen ist, auf abenteuerliche Weise von Spanien nach England gereist und hat schliesslich seine Familie, die Collincourts, gefunden. Auf dieser Reise lernte er Arlette kennen, eine Verwandte von ihm, die sich auf dem Weg nach Amerika befindet, in die er sich unsterblich verliebte. Durch ein Missverständnis verloren sie sich aber aus den Augen.
Vitus macht eine Prüfung zum Schiffsarzt, um bessere Chancen auf eine Überfahrt nach Amerika zu haben. Am Sterbebett seines Großonkels Lord Collincourt verspricht er diesem, Arlette zu finden, zu heiraten und mit ihr auf dem Gut zu leben. Wenig später macht er sich mit seinen Freunden, dem Zwerg Enano und dem Juristen Magister Ramiro García auf den Weg. Am Hafen von Plymouth lernen sie den Mönch Ambrosius kennen, der ihnen eine Überfahrt auf der Gallant von Kapitän Archibald Stout vermittelt. Kurz nach Weihnachten wird ihr Schiff vom Piraten John Jawy Cutter geentert, ausgeraubt und versenkt. Wie durch ein Wunder überleben Vitus und seine Freunde, aber auch der Steuermann, der Zimmermann, die beiden Matrosen Fraggles und Bantry sowie die beiden Prostituierten Phoebe und Phyllis.
Sie machen sich im Beiboot auf den Weg, doch noch die amerikanische Küste zu erreichen. Kurze Zeit später finden sie auch noch den jungen Matrosen Hewitt, der vom Piraten Jawy wegen eines angeblichen Diebstahls ausgesetzt worden war. Darüber entbrennt der erste Streit, denn Fraggles und Bantry wollen, um die mehr als kargen Vorräte zu schonen, keinen weiteren Esser an Bord haben. Fraggles beginnt, wirr zu reden und schnell steht für Vitus fest, dass es sich nur um das schwarze Erbrechen handeln kann, damals eine sehr gefürchtete Krankheit. Die Seuche greift um sich und schnell sind alle außer den Frauen und Hewitt infiziert, die die Seuche schon einmal überlebt haben. Nacheinander sterben Fraggles, der Zimmermann und der Steuermann.
Bantry geht es als erstes, von den anderen unbemerkt, wieder besser und schmiedet einen teuflischen Plan: er hat vor, die völlig Entkräfteten nachts zu ermorden und mit den beiden Frauen alleine weiterzureisen. Doch Phoebe merkt, dass etwas nicht stimmt und warnt die anderen vor. Mit größter Anstrengung wehren sie sich gegen Bantry, der allerdings im Besitz einer Waffe ist. Bei dem Gerangel löst sich ein Schuss, der aber niemanden verletzt. Aber da er die Waffe nach dem Reinigen nicht wieder richtig zusammengesetzt hat, explodiert sie und zerfetzt sein Gesicht. Wenige Tage später erliegt er seiner Verletzung.
Als gerade Land in Sicht kommt, alle sind jetzt wieder gesund, ereignet sich das nächste Unglück: ein Riesenkrake erdrosselt Phyllis und den Mönch Ambrosius. Es kommt ein Sturm auf, der die Freunde an den Strand spült.
Der Schmied Haffissis geht zufällig mit seinem Hund am Strand spazieren, findet die Schiffbrüchigen und päppelt sie wieder auf. Er selber ist Engländer, lebt aber auf spanischem Gebiet. Nachdem sie sein Vertrauen gewonnen haben, erzählt er ihnen, dass er mit den Cimarrones handelt. Das ist eine Gruppe von entlaufenen Sklaven, die im Urwald lebt und die Kolonialherren bekämpft. Da sie sowieso weiter müssen, nehmen die Freunde eine Ladung Schwerter für die Cimarrones mit, müssen sich aber von Phoebe verabschieden, die bei Haffissis bleibt.
Nach kurzer Zeit treffen sie auch auf eine Gruppe von entlaufenen Sklaven, von denen sie aber zunächst einmal festgenommen werden. Erst nachdem sie nachweisen konnten, dass sie wirklich Freunde von Haffissis sind und ihn nicht ausgeraubt haben, erleben sie eine freudige Überraschung: Okumba, der Anführer der Cimarrones, kennt Arlette!
Er war mit seiner Schwester zusammen von Arlettes Onkel gekauft worden. Nachdem der seine Schwester vergewaltigt hat, ersticht er diesen. Von Arlette dabei ertappt, fliehen die drei zusammen, denn gerade an diesem Tag erobern die Indianer die Insel zurück. In Havana auf Kuba hat Okumba Arlette das letzte Mal gesehen, als sie seinetwegen verhaftet wurde.
Vitus drängt auf die Weiterreise, nun nicht mehr nach Roanoke Island, wo Arlettes Onkel seine Farm hatte, sondern nach Kuba. Dort am Hafen lernen sie gleich den französischen Hermaphrodit Achille/ Arielle kennen, der/ die ein Etablissement namens Escargot betreibt. Die verschleierte und stumme Louise arbeitet als Schankmagd für ihn, und kommt Vitus merkwürdig bekannt vor. Eines Abends verführt sie ihn, aber auch da setzt sie ihr Kopftuch nicht ab.
Da seine Nachforschungen umsonst sind und niemand in Havana von Arlette gehört hat, beschließt Vitus, nach England zurückzukehren, mit der Hoffnung, Arlette habe dasselbe getan.
Doch durch Zufall begegnet Vitus Jawy, der aber entfliehen kann und blutige Rache schwört. Hewitt, der ja mal Matrose bei Jawy war, erinnert sich an eine Bucht ganz in der Nähe, in der Jawy immer sein Schiff repariert. Dort angekommen, schleichen sich Vitus und der Magister heimlich aufs Schiff, wobei sie natürlich prompt von Jawy erwischt werden. Eigentlich wollte Jawy sie ja gleich umbringen, aber Hewitt heuert wieder als Matrose an und erzählt ihm, dass bestimmt einiges an Lösegeld zu holen sei, da Vitus auch Lord Collincourt ist (sein Großvater ist ja gestorben und er ist der nächste männliche Verwandte.)
Hewitt und der sich ebenfalls an Bord befindliche Enano versorgen die beiden mit Lebensmitteln. Nach einiger Zeit auf See wird das Schiff plötzlich angegriffen. Nur in allerletzter Sekunde gelingt es den beiden Gefangenen, aus dem volllaufenden Verlies zu entkommen. Oben an Deck erwartet sie eine freudige Überraschung: ihr alter Freund und Piratenjäger Taggart hat das Schiff angegriffen und sie somit befreit. Die Wiedersehensfreude ist natürlich groß. Jawy bittet um die Ehre, mit seinem Schiff untergehen zu dürfen, was ihm auch gewährt wird. Taggart bringt die Freunde zurück nach Kuba, damit sie ihre Sachen holen können. Als sie schon ein paar Tage auf See sind, schickt Taggart Vitus zurück nach Kuba, denn keiner außer diesem ist überzeugt davon, Arlette in England anzutreffen. Hewitt trennt sich von den anderen, da er in die Dienste von Taggart tritt.
Hier ist die Handlung natürlich noch nicht zu Ende, aber ich will ja nicht alles verraten. Ob er Arlette nun findet und ob er mit ihr glücklich wird, lest selbst.
Parallel zur Handlung um Vitus werden auch noch andere Ereignisse geschildert, das Buch beginnt z.B. mit dem Indianerüberfall auf die Insel. Zwischendurch passieren Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit der Handlung zu tun haben, so z.B. als ein Bauarbeiter die Schankmagd Louise findet.
Wie auch schon im ersten Buch, ist fast jedes Kapitel einer anderen Person gewidmet. Die Kapitelüberschriften heißen dann ganz einfach Die Dame Phyllis oder Der Hermaphrodit Achille, darunter folgt ein kleines Zitat der Person, dass dann auch in der Handlung auftaucht. Man erfährt so das Leben und die Eigenarten von mehreren Personen, ohne sich zu weit von der Handlung zu entfernen, denn alle Personen bekommen ihr Kapitel dann, wenn sie mit den Freunden zu tun haben (z.B. der Schmied oder Achille). Das gefällt mir sehr gut, da sich nicht alles immer nur um die Hauptperson dreht und ganz verschiedene Leute vorgestellt werden.
Das Buch ist sehr einfach zu lesen, da es in ganz alltäglichem Deutsch geschrieben ist. Besonders toll finde ich die Einblicke, die man in die damaligen Heilmethoden erhält. Wenn Vitus auf hoher See eine Schädeloperation durchführt, hält man schon einen Moment die Luft an. Auch wenn Vitus Arzt ist, steht in diesem Buch doch nicht die Heilkunde im Vordergrund, sie taucht nur immer mal wieder auf. Auch die damaligen hygienischen und gesellschaftlichen Zustände werden sehr schön deutlich (Sklaven, Pest, Skorbut).
Ich hatte schon vor einiger Zeit das Buch Der Wanderchirurg von Wolf Serno gelesen, das mir außerordentlich gut gefallen hat, ich stelle es für mich auf eine Stufe mit Noah Gordons Medicus. Deswegen hatte ich mich schon sehr auf den Nachfolgeband gefreut, der zwar nicht so gut wie der erste Band war, aber sicherlich nicht schlecht, denn es hat mich gefesselt und mich dazu gebracht, in jeder freien Minute, und auch in einigen, die eigentlich nicht frei waren, darin zu lesen. Es ist einfach geschrieben und sehr spannend, so dass ich es wirklich nicht wieder aus der Hand legen konnte. Für meinen Geschmack wird er zu oft versenkt bzw. angegriffen, aber darüber kann ich hinwegsehen. Ich kann gar nicht sagen, woran es lag, aber irgendwie fühlte ich mich mit den Hauptpersonen verbunden und fieberte die ganze Zeit mit Vitus mit, der ja das ganze Abenteuer nur angetreten hatte, um seine grosse Liebe wiederzufinden. Manchmal wollte ich eingreifen und auf einige Dinge hinweisen, denn mir ist schon viel eher aufgegangen, was es mit der Schankmagd Louise auf sich hat.
Auch wenn man das erste Buch nicht kennt, hat man überhaupt keine Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzufinden, denn die Vorgeschichte wird noch einmal kurz erklärt.
Am Ende des Buches kann man sich schon denken, wovon das nächste Buch handeln wird, auf das ich mich auch schon wieder richtig freue.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-13 19:09:51 mit dem Titel Dracula - der berühmteste Vampir der Literatur
Graf Dracula ist der berühmteste Vampir der Weltliteratur, den man auch in Kinofilmen und Musicals bewundern kann. Das Buch von Bram Stoker stammt von 1897 und beruht auf noch älteren Sagen und Mythen.
Graf Dracula lebt zurückgezogen auf seinem Schloss im tiefsten Transsylvanien und das schon seit Jahrhunderten. Da er ein Vampir ist, ist er unsterblich, es sei denn, jemand durchbohrt sein Herz und schneidet seinen Kopf ab. Vampire dürfen Häuser nur dann betreten, wenn sie jemand einlädt, danach können sie kommen und gehen wie sie wollen. Mit geweihten Hostien und Kruzifixen dürfen sie nicht in Berührung kommen, ebenso wenig mögen sie Knoblauch und wilde Rosen.
Um noch mächtiger zu werden, benötigt Dracula Menschenblut. Da Transsylvanien nur dünn besiedelt ist, plant Dracula, nach London umzuziehen. Der Anwalt Hawkins schickt seinen Angestellten Jonathan Harker zu Dracula, um die Details eines Grundstückkaufs zu besprechen.
An dieser Stelle setzt die Handlung ein. Harker berichtet in seinem Tagebuch von der Reise, auf der merkwürdige Dinge geschehen. Immer wenn er sagt, wo er hin möchte, machen die Menschen das Zeichen, um einen bösen Blick abzuwenden und versuchen ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Ihre Beteuerungen, er sei ein Vampir, tut er als Aberglaube ab und reist weiter. Der Graf holt ihn abends mit einer Kutsche ab. Um die Kutsche herum befinden sich viele Wölfe, die auf ein Zeichen des Grafen verschwinden.
Im Schloss sind schon Zimmer und ein Abendessen für ihn hergerichtet. Bis zum ersten Hahnenschrei unterhalten sich die beiden Männer, dann geht Jonathan schlafen. Die folgenden Tage verlaufen ähnlich: tagsüber bekommt Jonathan den Grafen nicht zu Gesicht, da dieser angeblicht arbeiten muss, nachts unterhalten sie sich, wobei Jonathan ihn nie essen sieht. Nachdem er die Erlaubnis bekommen hat, sich im Schloss umzusehen und alle Türen zu öffnen, die nicht verschlossen sind, stellt er fest, dass er ein Gefangener ist, denn wie fast alle anderen Türen auch, ist die Haustür verschlossen. Er macht noch weitere Entdeckungen: der Graf steigt nachts aus seinem Fenster und klettert die Wand hinunter. Er zwingt Jonathan Briefe an seinen Chef und seine Verlobte zu schreiben, dass er noch länger bleibt. Eines Abends schläft er in einem Zimmer ein und wacht davon auf, dass drei silbrige Frauen seinen Hals küssen wollen. Zigeunern, die für den Grafen arbeiten, versucht er, Briefe mitzugeben, die diese allerdings dem Grafen aushändigen. Tagsüber klettert er in das Zimmer des Grafen, das von einer dicken Staubschicht bedeckt ist. Er bemerkt eine Tür und steigt in eine Gruft hinab, wo er den Grafen leblos in einem Sarg liegend entdeckt. Daraufhin versucht Jonathan, weiter an der Mauer hinabzuklettern und zu fliehen.
Seine Verlobte Mina Murray und deren Freundin Lucy Westenraa machen gemeinsam Urlaub in Whitby. Lucy beginnt Schlafzuwandeln, weshalb Mina immer die Tür abschließt. Eines nachts erwacht sie und findet Lucy auf dem Friedhof, gemeinsam mit einem schwarzgekleideten Mann. Am Hals hat sie zwei merkwürdige kleine Wunden. In den folgenden Nächten findet Mina sie häufiger auf der Fensterbank liegend, gemeinsam mit einer Fledermaus. Am Morgen darauf ist sie dann immer merkwürdig blass und kraftlos.
Mina reist nach Budapest ab, wo ihr Mann in einem Krankenhaus liegt. Dr. John Seward kümmert sich fortan um Lucy. Seit er ihr einen Heiratsantrag gemacht hat, den sie ablehnte, sind sie gute Freunde. Da er sich ihren Zustand nicht erklären kann, sich aber Sorgen macht, bittet er seinen ehemaligen Lehrer Abraham van Helsing aus Amsterdam, sich die Patientin einmal anzusehen. Auch dieser weiss zunächst keinen Rat, da er den Fall aber interessant findet, will er sie sich auch in Zukunft ansehen.
Als sie am Morgen zu Lucy kommen, ist diese blasser und schwächer als je zuvor. Ihr Verlobter Arthur Helmwood, der gerade angekommen ist, um sie zu besuchen, spendet ihr Blut, das sie wieder lebendiger macht. Durch Zufall entdeckt Van Helsing die beiden kleinen Wunden an ihrem Hals und hat einen ersten Verdacht. An weiteren Tagen ist sie so schwach, dass Dr.Seward, Dr.Van Helsing und der Texaner Quincey Morris, der Lucy ebenfalls heiraten wollte, auch Blut spenden, aber es ist umsonst, Lucy stirbt völlig entkräftet. Van Helsing ist sich nun sicher, dass Lucy von einem Vampir gebissen wurde, nun selber einer ist und überzeugt zunächst den widerstrebenden Seward. Als er auch die anderen beiden davon überzeugt hat, steigen sie bei Tage in die Gruft herab, durchstoßen ihr Herz und schneiden den Kopf ab. Dadurch bekommt das Gesicht einen so friedlichen Ausdruck, dass sie wissen, dass ihre Seele gerettet und bei Gott ist.
Van Helsing durchsucht Lucy Sachen und findet auch die Briefe, die Mina ihr geschrieben hat. Er sucht diese auf, die mittlerweile mit Jonathan Harker verheiratet ist und sich große Sorgen um ihren Mann macht, da er sich seit seiner Reise stark verändert hat. Er ist sich nicht sicher, ob seine Erlebnisse auf Schloss Dracula echt oder nur eingebildet sind und hat seiner Frau sein Tagebuch anvertraut. Kurz vor dem Besuch hat sie dieses gelesen und ist sich auch nicht sicher. Sie übergibt ihm ihr Tagebuch, da er alles wissen möchte, was sich damals in Whitby zugetragen hat. Weil sie mit ihrem Mann nicht weiter weiss, reicht sie Van Helsing auch noch sein Tagebuch, das dieser mit wachsendem Interesse liest. Es erhellt für ihn die Sache ungemein, denn jetzt weiss er, dass Graf Dracula der Vampir ist, der Lucy getötet hat.
Einige Tage später treffen sich Van Helsing, Ehepaar Harker, Arthur Holmwood, der seit dem Tod seines Vaters Lord Godalming ist, und Quincey Morris bei Dr. Seward, der ein Irrenhaus betreibt. Jonathan Harker ist wieder ganz hergestellt und tatendurstig, da er jetzt weiss, dass er nicht wahnsinnig ist und sich die ganzen Ereignisse nicht eingebildet hat. Gemeinsam beschließen sie, Graf Dracula zu besiegen und für immer unschädlich zu machen.
Mina Harker ordnet die Ereignisse, indem sie die Tagebucheinträge von ihrem Mann, Dr. Seward, Lucy und sich selbst in eine chronologische Reihenfolge bringt. Dabei stellen sie fest, dass Graf Dracula das Nachbargrundstück von Dr. Seward besitzt und das einer seiner Patienten immer dann ein merkwürdiges Verhalten zeigt, wenn der Graf gerade in der Gegend aktiv ist. In der Nacht stellen sie einen ersten Erkundungsgang durch sein Haus an.
Sie wissen, dass er 50 Kisten voll Erde aus seiner Heimat mitgebracht hat (die Zigeuner hatten diese gefüllt). Diese ist sehr wichtig für ihn, da er nur bei dieser Erde seine Gestalt ändern kann. Im Haus befinden sich noch 29 Kisten, d.h. er hat 21 irgend woanders hingebracht. Als sie wiederkommen, finden sie den Vampir bei Mina. Er hat von ihrem Blut getrunken und sie auch gezwungen, von seinem zu trinken.
Wenn er in Menschengestalt ist, hat er die geringste Macht. Am Tag teilen sie sich in Gruppen auf und sterilisieren die Erde. Dazu legen sie einfach in die Kisten eine geweihte Hostie, sodass der Graf sie nicht mehr benutzen kann. Außer im Nachbarhaus finden sie in weiteren Häusern, deren Adressen sie gefunden haben, noch zweimal sechs und einmal acht Kisten, d.h. eine ist verschwunden. Sie lauern ihm auf, aber er kann entwischen. Da die Sonne schon untergeht, ist eine Verfolgung in diesem Moment zwecklos.
Aber für die Freunde ist klar, dass sie ihn besiegen müssen, denn sonst wird Mina nach ihrem Tod auch ein Vampir. Am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang hat sie eine Idee: sie lässt sich von Van Helsing hypnotisieren. Da sie von Draculas Blut getrunken hat, kann sie sich in Trance an seinen Aufenthaltsort begeben. Sie berichtet, dass Segel gesetzt werden. Es ist klar, dass Dracula sich mit seiner letzten Kiste auf einem Schiff befindet. Eine Verfolgungsjagd quer durch Europa beginnt.
Das Buch wurde von Bram Stoker 1897 geschrieben. Bram Stoker wurde als Abraham Stoker am 8.November 1847 im irischen Dublin geboren und war die ersten sieben Jahre seines Lebens wegen einer Krankheit ans Bett gefesselt. Nach dem Studium und zehnjähriger Arbeit als Beamter und Theaterkritiker verließ er Irland und wurde der Manager des englischen Schauspielers Sir Henry Irving. Gemeinsam leiteten sie ab 1878 das Lyceum Theatre in London. Am 20.April 1912 starb Stoker in London an Erschöpfung. Von seinen insgesamt zehn Romanen war Dracula der einzige erfolgreiche.
Das Buch ist in Tagebuch- und Briefform gehalten, das heißt, man lernt die Charaktere sehr gut kennen, da man an ihren Gedanken teilhaben kann. Dr. Seward, Jonathan, Mina, Lucy und teilweise auch Van Helsing führen Tagebuch, außerdem werden noch einige Briefe geschrieben. Die Tagebücher wechseln sich ab, sodass einige Sachen von zwei Seiten beleuchtet werden.
Die ganze Handlung spielt vom 3.Mai bis 6. November, an wechselnden Schauplätzen von Transsylvanien bis London. Die Zeit vergeht dabei unterschiedlich rasch. Mal hat man zu einem Tag mehrere Einträge, dann gibt es einige Tage lang überhaupt keinen Eintrag mehr.
Es ist sehr leicht zu lesen, auch wenn es merkwürdig lange dauert. Ich habe für 50 Seiten etwas weniger als eine Stunde benötigt, sonst lese ich eigentlich schneller. Der Stil ist ein wenig altertümlich, an einigen Stellen gibt es nach unserer heutigen Rechtschreibung einige Fehler, insbesondere in der Grammatik. Der Stil ist einfach zu verstehen, wegen der Altertümlichkeit konnte ich nur nicht so schnell lesen wie sonst, allerdings gewöhnt man sich auch daran.
Man sollte sich beim Lesen immer bewusst sein, dass das Buch schon 1897 geschrieben wurde, denn insbesondere das Verhalten von Mina findet man sonst etwas merkwürdig. Die Bemerkung, wir leben ja im fortschrittlichen 18 Jahrhundert löste bei mir immer ein Schmunzeln aus.
Das Buch zählt zwar zur Horrorliteratur, ich fand es allerdings nicht gruselig sondern eher lustig. Ich habe vorher noch nie eine Draculaverfilmung gesehen, kannte die Handlung also nicht, aber durch andere Vampirgeschichten geprägt, konnten mich die grausigen Entdeckungen nicht schockieren. Meine Intention, es zu lesen, war auch nicht, mich zu gruseln, ich wollte eigentlich nur mal das Buch lesen, dass ein ganzes Genre begründet hat.
Es ist zwar nicht gruselig, aber spannend und an einigen Stellen lustig. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen, auch wenn man, wie ich, kein Science Fiction oder Horrorfan ist. Man sollte einfach mal den Verstand abschalten und glauben, dass es Vampire gibt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und sehr viel Spass gemacht. Ich habe es abends im Bett gelesen und konnte gar nicht wieder aufhören. Wer gerne und viel liest, der sollte Dracula unbedingt einmal lesen, und auch für Lesemuffel ist dieses Buch zu empfehlen, da es spannend und einfach zu verstehen ist. Man sollte sich nur bewusst sein, dass einen nicht so sehr Horror erwartet, sondern eher eine Mischung aus Komödie und Detektivgeschichte.
Im ersten Band ist Vitus von Campodius, der als Findelkind in einem Kloster aufgewachsen ist, auf abenteuerliche Weise von Spanien nach England gereist und hat schliesslich seine Familie, die Collincourts, gefunden. Auf dieser Reise lernte er Arlette kennen, eine Verwandte von ihm, die sich auf dem Weg nach Amerika befindet, in die er sich unsterblich verliebte. Durch ein Missverständnis verloren sie sich aber aus den Augen.
Vitus macht eine Prüfung zum Schiffsarzt, um bessere Chancen auf eine Überfahrt nach Amerika zu haben. Am Sterbebett seines Großonkels Lord Collincourt verspricht er diesem, Arlette zu finden, zu heiraten und mit ihr auf dem Gut zu leben. Wenig später macht er sich mit seinen Freunden, dem Zwerg Enano und dem Juristen Magister Ramiro García auf den Weg. Am Hafen von Plymouth lernen sie den Mönch Ambrosius kennen, der ihnen eine Überfahrt auf der Gallant von Kapitän Archibald Stout vermittelt. Kurz nach Weihnachten wird ihr Schiff vom Piraten John Jawy Cutter geentert, ausgeraubt und versenkt. Wie durch ein Wunder überleben Vitus und seine Freunde, aber auch der Steuermann, der Zimmermann, die beiden Matrosen Fraggles und Bantry sowie die beiden Prostituierten Phoebe und Phyllis.
Sie machen sich im Beiboot auf den Weg, doch noch die amerikanische Küste zu erreichen. Kurze Zeit später finden sie auch noch den jungen Matrosen Hewitt, der vom Piraten Jawy wegen eines angeblichen Diebstahls ausgesetzt worden war. Darüber entbrennt der erste Streit, denn Fraggles und Bantry wollen, um die mehr als kargen Vorräte zu schonen, keinen weiteren Esser an Bord haben. Fraggles beginnt, wirr zu reden und schnell steht für Vitus fest, dass es sich nur um das schwarze Erbrechen handeln kann, damals eine sehr gefürchtete Krankheit. Die Seuche greift um sich und schnell sind alle außer den Frauen und Hewitt infiziert, die die Seuche schon einmal überlebt haben. Nacheinander sterben Fraggles, der Zimmermann und der Steuermann.
Bantry geht es als erstes, von den anderen unbemerkt, wieder besser und schmiedet einen teuflischen Plan: er hat vor, die völlig Entkräfteten nachts zu ermorden und mit den beiden Frauen alleine weiterzureisen. Doch Phoebe merkt, dass etwas nicht stimmt und warnt die anderen vor. Mit größter Anstrengung wehren sie sich gegen Bantry, der allerdings im Besitz einer Waffe ist. Bei dem Gerangel löst sich ein Schuss, der aber niemanden verletzt. Aber da er die Waffe nach dem Reinigen nicht wieder richtig zusammengesetzt hat, explodiert sie und zerfetzt sein Gesicht. Wenige Tage später erliegt er seiner Verletzung.
Als gerade Land in Sicht kommt, alle sind jetzt wieder gesund, ereignet sich das nächste Unglück: ein Riesenkrake erdrosselt Phyllis und den Mönch Ambrosius. Es kommt ein Sturm auf, der die Freunde an den Strand spült.
Der Schmied Haffissis geht zufällig mit seinem Hund am Strand spazieren, findet die Schiffbrüchigen und päppelt sie wieder auf. Er selber ist Engländer, lebt aber auf spanischem Gebiet. Nachdem sie sein Vertrauen gewonnen haben, erzählt er ihnen, dass er mit den Cimarrones handelt. Das ist eine Gruppe von entlaufenen Sklaven, die im Urwald lebt und die Kolonialherren bekämpft. Da sie sowieso weiter müssen, nehmen die Freunde eine Ladung Schwerter für die Cimarrones mit, müssen sich aber von Phoebe verabschieden, die bei Haffissis bleibt.
Nach kurzer Zeit treffen sie auch auf eine Gruppe von entlaufenen Sklaven, von denen sie aber zunächst einmal festgenommen werden. Erst nachdem sie nachweisen konnten, dass sie wirklich Freunde von Haffissis sind und ihn nicht ausgeraubt haben, erleben sie eine freudige Überraschung: Okumba, der Anführer der Cimarrones, kennt Arlette!
Er war mit seiner Schwester zusammen von Arlettes Onkel gekauft worden. Nachdem der seine Schwester vergewaltigt hat, ersticht er diesen. Von Arlette dabei ertappt, fliehen die drei zusammen, denn gerade an diesem Tag erobern die Indianer die Insel zurück. In Havana auf Kuba hat Okumba Arlette das letzte Mal gesehen, als sie seinetwegen verhaftet wurde.
Vitus drängt auf die Weiterreise, nun nicht mehr nach Roanoke Island, wo Arlettes Onkel seine Farm hatte, sondern nach Kuba. Dort am Hafen lernen sie gleich den französischen Hermaphrodit Achille/ Arielle kennen, der/ die ein Etablissement namens Escargot betreibt. Die verschleierte und stumme Louise arbeitet als Schankmagd für ihn, und kommt Vitus merkwürdig bekannt vor. Eines Abends verführt sie ihn, aber auch da setzt sie ihr Kopftuch nicht ab.
Da seine Nachforschungen umsonst sind und niemand in Havana von Arlette gehört hat, beschließt Vitus, nach England zurückzukehren, mit der Hoffnung, Arlette habe dasselbe getan.
Doch durch Zufall begegnet Vitus Jawy, der aber entfliehen kann und blutige Rache schwört. Hewitt, der ja mal Matrose bei Jawy war, erinnert sich an eine Bucht ganz in der Nähe, in der Jawy immer sein Schiff repariert. Dort angekommen, schleichen sich Vitus und der Magister heimlich aufs Schiff, wobei sie natürlich prompt von Jawy erwischt werden. Eigentlich wollte Jawy sie ja gleich umbringen, aber Hewitt heuert wieder als Matrose an und erzählt ihm, dass bestimmt einiges an Lösegeld zu holen sei, da Vitus auch Lord Collincourt ist (sein Großvater ist ja gestorben und er ist der nächste männliche Verwandte.)
Hewitt und der sich ebenfalls an Bord befindliche Enano versorgen die beiden mit Lebensmitteln. Nach einiger Zeit auf See wird das Schiff plötzlich angegriffen. Nur in allerletzter Sekunde gelingt es den beiden Gefangenen, aus dem volllaufenden Verlies zu entkommen. Oben an Deck erwartet sie eine freudige Überraschung: ihr alter Freund und Piratenjäger Taggart hat das Schiff angegriffen und sie somit befreit. Die Wiedersehensfreude ist natürlich groß. Jawy bittet um die Ehre, mit seinem Schiff untergehen zu dürfen, was ihm auch gewährt wird. Taggart bringt die Freunde zurück nach Kuba, damit sie ihre Sachen holen können. Als sie schon ein paar Tage auf See sind, schickt Taggart Vitus zurück nach Kuba, denn keiner außer diesem ist überzeugt davon, Arlette in England anzutreffen. Hewitt trennt sich von den anderen, da er in die Dienste von Taggart tritt.
Hier ist die Handlung natürlich noch nicht zu Ende, aber ich will ja nicht alles verraten. Ob er Arlette nun findet und ob er mit ihr glücklich wird, lest selbst.
Parallel zur Handlung um Vitus werden auch noch andere Ereignisse geschildert, das Buch beginnt z.B. mit dem Indianerüberfall auf die Insel. Zwischendurch passieren Dinge, die auf den ersten Blick nichts mit der Handlung zu tun haben, so z.B. als ein Bauarbeiter die Schankmagd Louise findet.
Wie auch schon im ersten Buch, ist fast jedes Kapitel einer anderen Person gewidmet. Die Kapitelüberschriften heißen dann ganz einfach Die Dame Phyllis oder Der Hermaphrodit Achille, darunter folgt ein kleines Zitat der Person, dass dann auch in der Handlung auftaucht. Man erfährt so das Leben und die Eigenarten von mehreren Personen, ohne sich zu weit von der Handlung zu entfernen, denn alle Personen bekommen ihr Kapitel dann, wenn sie mit den Freunden zu tun haben (z.B. der Schmied oder Achille). Das gefällt mir sehr gut, da sich nicht alles immer nur um die Hauptperson dreht und ganz verschiedene Leute vorgestellt werden.
Das Buch ist sehr einfach zu lesen, da es in ganz alltäglichem Deutsch geschrieben ist. Besonders toll finde ich die Einblicke, die man in die damaligen Heilmethoden erhält. Wenn Vitus auf hoher See eine Schädeloperation durchführt, hält man schon einen Moment die Luft an. Auch wenn Vitus Arzt ist, steht in diesem Buch doch nicht die Heilkunde im Vordergrund, sie taucht nur immer mal wieder auf. Auch die damaligen hygienischen und gesellschaftlichen Zustände werden sehr schön deutlich (Sklaven, Pest, Skorbut).
Ich hatte schon vor einiger Zeit das Buch Der Wanderchirurg von Wolf Serno gelesen, das mir außerordentlich gut gefallen hat, ich stelle es für mich auf eine Stufe mit Noah Gordons Medicus. Deswegen hatte ich mich schon sehr auf den Nachfolgeband gefreut, der zwar nicht so gut wie der erste Band war, aber sicherlich nicht schlecht, denn es hat mich gefesselt und mich dazu gebracht, in jeder freien Minute, und auch in einigen, die eigentlich nicht frei waren, darin zu lesen. Es ist einfach geschrieben und sehr spannend, so dass ich es wirklich nicht wieder aus der Hand legen konnte. Für meinen Geschmack wird er zu oft versenkt bzw. angegriffen, aber darüber kann ich hinwegsehen. Ich kann gar nicht sagen, woran es lag, aber irgendwie fühlte ich mich mit den Hauptpersonen verbunden und fieberte die ganze Zeit mit Vitus mit, der ja das ganze Abenteuer nur angetreten hatte, um seine grosse Liebe wiederzufinden. Manchmal wollte ich eingreifen und auf einige Dinge hinweisen, denn mir ist schon viel eher aufgegangen, was es mit der Schankmagd Louise auf sich hat.
Auch wenn man das erste Buch nicht kennt, hat man überhaupt keine Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzufinden, denn die Vorgeschichte wird noch einmal kurz erklärt.
Am Ende des Buches kann man sich schon denken, wovon das nächste Buch handeln wird, auf das ich mich auch schon wieder richtig freue.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-13 19:09:51 mit dem Titel Dracula - der berühmteste Vampir der Literatur
Graf Dracula ist der berühmteste Vampir der Weltliteratur, den man auch in Kinofilmen und Musicals bewundern kann. Das Buch von Bram Stoker stammt von 1897 und beruht auf noch älteren Sagen und Mythen.
Graf Dracula lebt zurückgezogen auf seinem Schloss im tiefsten Transsylvanien und das schon seit Jahrhunderten. Da er ein Vampir ist, ist er unsterblich, es sei denn, jemand durchbohrt sein Herz und schneidet seinen Kopf ab. Vampire dürfen Häuser nur dann betreten, wenn sie jemand einlädt, danach können sie kommen und gehen wie sie wollen. Mit geweihten Hostien und Kruzifixen dürfen sie nicht in Berührung kommen, ebenso wenig mögen sie Knoblauch und wilde Rosen.
Um noch mächtiger zu werden, benötigt Dracula Menschenblut. Da Transsylvanien nur dünn besiedelt ist, plant Dracula, nach London umzuziehen. Der Anwalt Hawkins schickt seinen Angestellten Jonathan Harker zu Dracula, um die Details eines Grundstückkaufs zu besprechen.
An dieser Stelle setzt die Handlung ein. Harker berichtet in seinem Tagebuch von der Reise, auf der merkwürdige Dinge geschehen. Immer wenn er sagt, wo er hin möchte, machen die Menschen das Zeichen, um einen bösen Blick abzuwenden und versuchen ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Ihre Beteuerungen, er sei ein Vampir, tut er als Aberglaube ab und reist weiter. Der Graf holt ihn abends mit einer Kutsche ab. Um die Kutsche herum befinden sich viele Wölfe, die auf ein Zeichen des Grafen verschwinden.
Im Schloss sind schon Zimmer und ein Abendessen für ihn hergerichtet. Bis zum ersten Hahnenschrei unterhalten sich die beiden Männer, dann geht Jonathan schlafen. Die folgenden Tage verlaufen ähnlich: tagsüber bekommt Jonathan den Grafen nicht zu Gesicht, da dieser angeblicht arbeiten muss, nachts unterhalten sie sich, wobei Jonathan ihn nie essen sieht. Nachdem er die Erlaubnis bekommen hat, sich im Schloss umzusehen und alle Türen zu öffnen, die nicht verschlossen sind, stellt er fest, dass er ein Gefangener ist, denn wie fast alle anderen Türen auch, ist die Haustür verschlossen. Er macht noch weitere Entdeckungen: der Graf steigt nachts aus seinem Fenster und klettert die Wand hinunter. Er zwingt Jonathan Briefe an seinen Chef und seine Verlobte zu schreiben, dass er noch länger bleibt. Eines Abends schläft er in einem Zimmer ein und wacht davon auf, dass drei silbrige Frauen seinen Hals küssen wollen. Zigeunern, die für den Grafen arbeiten, versucht er, Briefe mitzugeben, die diese allerdings dem Grafen aushändigen. Tagsüber klettert er in das Zimmer des Grafen, das von einer dicken Staubschicht bedeckt ist. Er bemerkt eine Tür und steigt in eine Gruft hinab, wo er den Grafen leblos in einem Sarg liegend entdeckt. Daraufhin versucht Jonathan, weiter an der Mauer hinabzuklettern und zu fliehen.
Seine Verlobte Mina Murray und deren Freundin Lucy Westenraa machen gemeinsam Urlaub in Whitby. Lucy beginnt Schlafzuwandeln, weshalb Mina immer die Tür abschließt. Eines nachts erwacht sie und findet Lucy auf dem Friedhof, gemeinsam mit einem schwarzgekleideten Mann. Am Hals hat sie zwei merkwürdige kleine Wunden. In den folgenden Nächten findet Mina sie häufiger auf der Fensterbank liegend, gemeinsam mit einer Fledermaus. Am Morgen darauf ist sie dann immer merkwürdig blass und kraftlos.
Mina reist nach Budapest ab, wo ihr Mann in einem Krankenhaus liegt. Dr. John Seward kümmert sich fortan um Lucy. Seit er ihr einen Heiratsantrag gemacht hat, den sie ablehnte, sind sie gute Freunde. Da er sich ihren Zustand nicht erklären kann, sich aber Sorgen macht, bittet er seinen ehemaligen Lehrer Abraham van Helsing aus Amsterdam, sich die Patientin einmal anzusehen. Auch dieser weiss zunächst keinen Rat, da er den Fall aber interessant findet, will er sie sich auch in Zukunft ansehen.
Als sie am Morgen zu Lucy kommen, ist diese blasser und schwächer als je zuvor. Ihr Verlobter Arthur Helmwood, der gerade angekommen ist, um sie zu besuchen, spendet ihr Blut, das sie wieder lebendiger macht. Durch Zufall entdeckt Van Helsing die beiden kleinen Wunden an ihrem Hals und hat einen ersten Verdacht. An weiteren Tagen ist sie so schwach, dass Dr.Seward, Dr.Van Helsing und der Texaner Quincey Morris, der Lucy ebenfalls heiraten wollte, auch Blut spenden, aber es ist umsonst, Lucy stirbt völlig entkräftet. Van Helsing ist sich nun sicher, dass Lucy von einem Vampir gebissen wurde, nun selber einer ist und überzeugt zunächst den widerstrebenden Seward. Als er auch die anderen beiden davon überzeugt hat, steigen sie bei Tage in die Gruft herab, durchstoßen ihr Herz und schneiden den Kopf ab. Dadurch bekommt das Gesicht einen so friedlichen Ausdruck, dass sie wissen, dass ihre Seele gerettet und bei Gott ist.
Van Helsing durchsucht Lucy Sachen und findet auch die Briefe, die Mina ihr geschrieben hat. Er sucht diese auf, die mittlerweile mit Jonathan Harker verheiratet ist und sich große Sorgen um ihren Mann macht, da er sich seit seiner Reise stark verändert hat. Er ist sich nicht sicher, ob seine Erlebnisse auf Schloss Dracula echt oder nur eingebildet sind und hat seiner Frau sein Tagebuch anvertraut. Kurz vor dem Besuch hat sie dieses gelesen und ist sich auch nicht sicher. Sie übergibt ihm ihr Tagebuch, da er alles wissen möchte, was sich damals in Whitby zugetragen hat. Weil sie mit ihrem Mann nicht weiter weiss, reicht sie Van Helsing auch noch sein Tagebuch, das dieser mit wachsendem Interesse liest. Es erhellt für ihn die Sache ungemein, denn jetzt weiss er, dass Graf Dracula der Vampir ist, der Lucy getötet hat.
Einige Tage später treffen sich Van Helsing, Ehepaar Harker, Arthur Holmwood, der seit dem Tod seines Vaters Lord Godalming ist, und Quincey Morris bei Dr. Seward, der ein Irrenhaus betreibt. Jonathan Harker ist wieder ganz hergestellt und tatendurstig, da er jetzt weiss, dass er nicht wahnsinnig ist und sich die ganzen Ereignisse nicht eingebildet hat. Gemeinsam beschließen sie, Graf Dracula zu besiegen und für immer unschädlich zu machen.
Mina Harker ordnet die Ereignisse, indem sie die Tagebucheinträge von ihrem Mann, Dr. Seward, Lucy und sich selbst in eine chronologische Reihenfolge bringt. Dabei stellen sie fest, dass Graf Dracula das Nachbargrundstück von Dr. Seward besitzt und das einer seiner Patienten immer dann ein merkwürdiges Verhalten zeigt, wenn der Graf gerade in der Gegend aktiv ist. In der Nacht stellen sie einen ersten Erkundungsgang durch sein Haus an.
Sie wissen, dass er 50 Kisten voll Erde aus seiner Heimat mitgebracht hat (die Zigeuner hatten diese gefüllt). Diese ist sehr wichtig für ihn, da er nur bei dieser Erde seine Gestalt ändern kann. Im Haus befinden sich noch 29 Kisten, d.h. er hat 21 irgend woanders hingebracht. Als sie wiederkommen, finden sie den Vampir bei Mina. Er hat von ihrem Blut getrunken und sie auch gezwungen, von seinem zu trinken.
Wenn er in Menschengestalt ist, hat er die geringste Macht. Am Tag teilen sie sich in Gruppen auf und sterilisieren die Erde. Dazu legen sie einfach in die Kisten eine geweihte Hostie, sodass der Graf sie nicht mehr benutzen kann. Außer im Nachbarhaus finden sie in weiteren Häusern, deren Adressen sie gefunden haben, noch zweimal sechs und einmal acht Kisten, d.h. eine ist verschwunden. Sie lauern ihm auf, aber er kann entwischen. Da die Sonne schon untergeht, ist eine Verfolgung in diesem Moment zwecklos.
Aber für die Freunde ist klar, dass sie ihn besiegen müssen, denn sonst wird Mina nach ihrem Tod auch ein Vampir. Am nächsten Morgen kurz vor Sonnenaufgang hat sie eine Idee: sie lässt sich von Van Helsing hypnotisieren. Da sie von Draculas Blut getrunken hat, kann sie sich in Trance an seinen Aufenthaltsort begeben. Sie berichtet, dass Segel gesetzt werden. Es ist klar, dass Dracula sich mit seiner letzten Kiste auf einem Schiff befindet. Eine Verfolgungsjagd quer durch Europa beginnt.
Das Buch wurde von Bram Stoker 1897 geschrieben. Bram Stoker wurde als Abraham Stoker am 8.November 1847 im irischen Dublin geboren und war die ersten sieben Jahre seines Lebens wegen einer Krankheit ans Bett gefesselt. Nach dem Studium und zehnjähriger Arbeit als Beamter und Theaterkritiker verließ er Irland und wurde der Manager des englischen Schauspielers Sir Henry Irving. Gemeinsam leiteten sie ab 1878 das Lyceum Theatre in London. Am 20.April 1912 starb Stoker in London an Erschöpfung. Von seinen insgesamt zehn Romanen war Dracula der einzige erfolgreiche.
Das Buch ist in Tagebuch- und Briefform gehalten, das heißt, man lernt die Charaktere sehr gut kennen, da man an ihren Gedanken teilhaben kann. Dr. Seward, Jonathan, Mina, Lucy und teilweise auch Van Helsing führen Tagebuch, außerdem werden noch einige Briefe geschrieben. Die Tagebücher wechseln sich ab, sodass einige Sachen von zwei Seiten beleuchtet werden.
Die ganze Handlung spielt vom 3.Mai bis 6. November, an wechselnden Schauplätzen von Transsylvanien bis London. Die Zeit vergeht dabei unterschiedlich rasch. Mal hat man zu einem Tag mehrere Einträge, dann gibt es einige Tage lang überhaupt keinen Eintrag mehr.
Es ist sehr leicht zu lesen, auch wenn es merkwürdig lange dauert. Ich habe für 50 Seiten etwas weniger als eine Stunde benötigt, sonst lese ich eigentlich schneller. Der Stil ist ein wenig altertümlich, an einigen Stellen gibt es nach unserer heutigen Rechtschreibung einige Fehler, insbesondere in der Grammatik. Der Stil ist einfach zu verstehen, wegen der Altertümlichkeit konnte ich nur nicht so schnell lesen wie sonst, allerdings gewöhnt man sich auch daran.
Man sollte sich beim Lesen immer bewusst sein, dass das Buch schon 1897 geschrieben wurde, denn insbesondere das Verhalten von Mina findet man sonst etwas merkwürdig. Die Bemerkung, wir leben ja im fortschrittlichen 18 Jahrhundert löste bei mir immer ein Schmunzeln aus.
Das Buch zählt zwar zur Horrorliteratur, ich fand es allerdings nicht gruselig sondern eher lustig. Ich habe vorher noch nie eine Draculaverfilmung gesehen, kannte die Handlung also nicht, aber durch andere Vampirgeschichten geprägt, konnten mich die grausigen Entdeckungen nicht schockieren. Meine Intention, es zu lesen, war auch nicht, mich zu gruseln, ich wollte eigentlich nur mal das Buch lesen, dass ein ganzes Genre begründet hat.
Es ist zwar nicht gruselig, aber spannend und an einigen Stellen lustig. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen, auch wenn man, wie ich, kein Science Fiction oder Horrorfan ist. Man sollte einfach mal den Verstand abschalten und glauben, dass es Vampire gibt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und sehr viel Spass gemacht. Ich habe es abends im Bett gelesen und konnte gar nicht wieder aufhören. Wer gerne und viel liest, der sollte Dracula unbedingt einmal lesen, und auch für Lesemuffel ist dieses Buch zu empfehlen, da es spannend und einfach zu verstehen ist. Man sollte sich nur bewusst sein, dass einen nicht so sehr Horror erwartet, sondern eher eine Mischung aus Komödie und Detektivgeschichte.
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