Erfahrungsbericht von vampire-lady
Bram Stoker's Dracula
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Angeblich ist meine Bastei-Lübbe Ausgabe von 1993 eine „originalgetreue() Übersetzung“, des Klassikers der „Weltliteratur“: Bram Stoker’s Dracula. Erschienen ist der Roman anno 1897. Er ist eines der wenigen Werke, die von Stoker noch bekannt sind. Stoker wurde 1847 in Dublin geboren, studierte dort Mathematik und war Präsident der Philosophischen Gesellschaft. Von 1867 bis 77 arbeitete er als Beamter, wie einst sein Vater, gleichzeitig veröffentlichte er aber einige Schreibarbeiten. Danach wurde er Theaterkritiker, später Sekretär und Tourneemanager des Schauspielers Henry Irving. Stoker starb im Jahre 1912.
Nun zu Dracula:
Die eigentliche Geschichte hat mich noch nie umgehauen. Allerdings hatte auch ich die Coppola-Verfilmung von 1992 gesehen und meinte daraufhin, mal einen Blick auf das Buch werfen zu müssen. Diese Verfilmung ist bis auf ein paar hollywoodtypische „Verkitschungen“ ziemlich nah am Original – und weniger kurios als die alten Schinken mit Christopher Lee.
Die Geschichte:
Dracula sitzt auf seiner Burg in Transsylvanien und möchte nach London ziehen, weshalb Jonathan Harker, frisch gebackener Notar, anreist, um mit dem Grafen einige Grundstücksgeschäfte zu tätigen. Nicht wissend, daß Dracula bereits Renfield – Harkers Vorgänger – in den Wahnsinn getrieben hat. Zu gleicher Zeit sitzt also dieser Renfield schon in einer Londoner Irrenanstalt. Harker merkt schnell, daß Dracula ihn nicht ohne weiteres wieder ziehen lassen wird, wobei Dracula Hilfe von drei ihm untergebenen Vampirweibern erhält. Während Dracula abreist, verbleibt Harker bei den drei Schönen, denen er schließlich entkommt, um in einem Kloster zu genesen.
In London kündigen Renfields sich steigernde Ausbrüche, die Ankunft des Grafen an. Dieser macht zunächst einen Vampir aus Lucy, der Freundin von Harkers Verlobten Mina. Lucy’s drei Verehrer, Lord Arthur, der Amerikaner Morris und Dr. Seward, Leiter der besagten Irrenanstalt und Schüler van Helsings versuchen sie zu retten. Trotz Erscheinens des Vampirexperten van Helsing haben die drei nur noch die unschöne Aufgabe Lucy den endgültigen Tod zu geben.
Währenddessen wird klar, daß Dracula auch für Renfields Wahnsinn verantwortlich ist, Harker kehrt zurück und bestätigt mit seinem Bericht van Helsings Thesen. Die fünf Männer beginnen umgehend damit, Draculas Liegeplätze zu vernichten, treffen ihn aber schließlich selbst an – bei dem Versuch Mina zu seinesgleichen zu machen.
Da Dracula nun kein Versteck mehr in London hat, flieht er nach Transsylvanien. Mit Minas Hilfe, die als Halbvampir telepatisch mit ihm in Verbindung steht, spüren die Männer ihn auf und vernichten ihn.
Das Buch:
Eigentlich ist der Aufbau des Buches das wirklich interessante. Es setzt sich nämlich wie ein Puzzle aus einigen Fragmenten zusammen. Anscheinend führte damals nahezu jeder ein Tagebuch, zumindest die Figuren des Romans tun es. Ergänzt werden die Tagebucheinträge durch Briefe und Telegramme der Figuren untereinander. Aufzeichnungen des Irrenarztes Seward ergänzen das Bild ebenso, wie Auszüge von Tageszeitungen oder Logbucheintragungen des Schiffes auf dem Dracula nach London kam. Die Anordung der einzelnen Abschnitte ist wirklich schlüssig.
Man bekommt zusätzlich einige Teile der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Weltanschauung der damaligen Zeit geboten, die den heutigen Leser an manchen Stellen zu belustigen vermögen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:06:18 mit dem Titel Das Parfüm
Geschrieben von Patrick Süskind 1985, als Diogenes Taschenbuch (DM 16,90) veröffentlicht im Jahre 1994, gehört „Das Parfum“ zu den wenigen deutschen Romanen, die auch international so richtig eingeschlagen haben.
Patrick Süskind: *1949 in Ambach (Starnberger See)
studierte Geschichte, arbeitete als Journalist, lebt teilweise in Paris
Kopfschüttelnd mußte ich feststellen, daß ich nun also freiwillig einen Roman gelesen habe, mit dem sich wohl andere in Abiturkursen herumärgern müssen oder dürfen... und er hat mir sogar gefallen...
Das Buch lebt von Paradoxien mit denen man gedanklich so lange herumspielen kann bis einem der Kopf raucht.
Geschichte:
Jean-Baptiste Grenouille wird am 17. Juli 1738 in Paris als uneheliches Kind geboren. Ironischerweise erblickt er das Licht der Welt am stinkendsten Ort von ganz Paris. Grenouille sticht nämlich aus der Masse durch seinen exzellenten Geruchssinn hervor. Sein Dilemma dagegen ist, daß er keinen menschlichen Eigengeruch innehat, was ihn von der Welt ausschließen wird. Grenouille wird aus diesem Grunde zum Massenmörder.
Grenouille:
Grenouille bringt Verderben, schon von der Mutter abgelehnt, wird er buchstäblich von Hand zu Hand weitergereicht. Mehr als Ding, denn als Mensch betrachtet, dient er seinen Mitmenschen als Geldquelle, billiger Arbeitssklave, aber keinesfalls als ebenbürtig, liebenswert oder menschlich. Grenouille reagiert unbewusst nach dem Motto, was uns nicht tötet, macht uns hart. Er zieht sich in sich selbst zurück, lässt sich scheinbar ausbeuten, tut sogar ohne zu murren alles, was verlangt wird und lernt dabei, wiegt die „Ausbeuter“ in Vertrauen und gewinnt so Stück für Stück an Freiheit. Grenouille ist Zeit seines Lebens ungebildet, aber nicht dumm, er entwickelt sich Stück für Stück. Während seine anderen Sinne verkümmern, lässt er sich von nur seinem Geruchssinn leiten, was ihn einerseits von der Menschheit trennt, ihm andererseits Überlegenheit verleiht – wie er später erkennen wird. Ironischerweise startet Grenouille sein Erwerbsleben als Gerbergehilfe, ein Handwerk, wo es zum Himmel stinkt. Es gelingt ihm sich zum Parfumeur ausbilden zu lassen – praktisch in der Hierarchie der möglichen Düfte aufzusteigen. Nahezu ein „Running Gag“ des Romans: alle Menschen, auf die er trifft und die ihn auf die eine oder andere Art ausbeuten, finden ihr Ende (nicht durch ihn), wenn Grenouille sie verlässt.
Grenouille entwickelt keine Freundschaften oder Beziehungen. Seine Kommunikationsfähigkeiten bleiben eingeschränkt, weil sich niemand um ihn als Person kümmert. So vegetiert er im emotionslosen Nichts vor sich hin, schnappt aber nach jedem Krümel Wissen, den er kriegen und gebrauchen kann. Am Anfang sogar ohne zu wissen mit welchem Ziel, aber immer auf dieses Ziel zugehend. Sein Ziel erkennt er nach einem 7jährigen Einsiedlerleben auf einem einsamen Berg, wo er eines Nachts in seinen Träumen sein Dilemma erkennt: man kann ihn nicht riechen.
Geruchssinn:
Ein interessantes Spiel: der Geruchssinn wird unterschätzt, weil der moderne Mensch ihn kaum noch nutzt. Der unscheinbare Grenouille hat dadurch einen entscheidenden Vorteil, den aber kaum einer erkennt, auch nicht erkennen will, da dieser menschliche Sinn eher als unwichtig betrachtet wird. Komischerweise können die Menschen Grenouille nicht riechen – d. h. nicht, das er vielleicht stinkt oder unsympathisch wäre, nein, Grenouille hat keinen Körpergeruch. Unterbewusst nimmt sein Umfeld ihn aus diesem Grunde auch überhaupt nicht wahr (zumindest nicht als menschliches Wesen). Genau diese Erkenntnis macht Grenouille vollkommen fertig. Um von der Menschheit angenommen zu werden, kreiert er ein Parfum, das den menschlichen Geruch simuliert – und ist fasziniert, wie anders er nun behandelt wird. Grenouille will diesen Duft vervollkommnen, wobei er dem Wahn erliegt, nicht nur dazugehören zu wollen, sondern der bestriechende Mensch auf Erden sein zu wollen... Nicht nur das: Warum nicht gleich ein Gott?
Grenouille erreicht sein Ziel, in dem er ein Parfum aus den Körpern, der von ihm ermordeten jungfräulichen Mädchen kreiert... muss aber gleichzeitig erkennen, daß er über sein Ziel herausgeschossen ist, er gehört wieder nicht dazu, er ist etwas zu besonderes und: nicht er wird akzeptiert, nur sein Geruch! Was ihm komplett den Rest gibt: niemand vermag zu erkennen, was für ein perfektes Parfum er überhaupt entwickelt hat. Andersherum erkennt er, daß er der einzige „Mensch“ ist, der die Wirkung/den Zauber des Parfums nicht zu spüren vermag. Was Grenouille zu spät begreift ist, daß er nicht nach einem Geruch sucht, sondern nach Anerkennung als Teil der Menschheit.
Ort und Zeit:
Grenouille wächst im Paris des 18. Jahrhunderts auf. Damals war Körperpflege in Bezug auf Hygiene kein Thema, die Welt stank buchstäblich zum Himmel, Parfumeure waren so von dringender Wichtigkeit. Nach seiner Ausbildung verlegt die Hauptfigur ihr Wirken nach Grasse, der Parfumhauptstadt des damaligen Frankreich, um sein Wissen zu vervollständigen. So lernt der Leser einiges über die Kunst des Parfum-Machens. Zum Piepen komisch dagegen die Ansichten der teils „aufgeklärten“ Menschen, wenn man wissenschaftliche Hintergründe betrachtet. Da sollen Mörder durch Bannsprüche des Bischoffs von der Stadt ferngehalten werden (und das ist noch harmlos).
Das perfekte Parfum:
Wurde gemacht aus dem Duft von 25 Jungfrauen. Grenouille, der Mörder dieser Mädchen, wird zum Tode verurteilt, was ihn nicht stört. Ein Tropfen des Parfums rettet ihn vor der gerechten Strafe, in dem es den lauernden Mob in Extase versetzt. Grenouille erscheint der am Schafott versammelten Menge als unschuldig, steht da, wie ein Superstar – was er einfach nicht verkraftet... er kehrt zurück nach Paris, in die Nähe seiner stinkenden Geburtsstätte, wo er seine Existenz beenden will. Er übergießt sich mit dem gesamten Duft und wird vom herumlungernden Gesindel, dem er wie ein Engel erscheint, buchstäblich verschlungen (am 28. Juni 1767). Typisch für Grenouille, keine Spuren seiner Existenz zu hinterlassen...
Schreibe:
„Das Parfum“ ist wohl eins der am besten geschriebenen Bücher, die ich je gelesen habe. Entsprechend der Isolation der Hauptfigur wird wenig gesprochen, man stößt selten auf wörtliche Rede, wichtiges wird häufig mit indirekter Rede wiedergegeben, was zu langen, verschachtelten Satzstrukturen führt. Selten wird hier Grenouille wiedergegeben, häufiger die Nebenfiguren. Der eigentliche Erzähler weiß alles, scheint irgendwie selbst, wie ein „Geruch“ über der Geschichte zu liegen und diese aufzunehmen. Der Erzähler vermittelt dem Leser die Genugtuung, die Grenouille selbst nicht erfährt... alle die ihn mies behandelten und/oder ausbeuteten, bekamen letztendlich doch ihr Fett weg. Genauso wenig wird Grenouille je erfahren, wie viel Glück er gerade zu Anfang seines Lebens hatte. Wäre seine Mutter nicht erst einmal nach seiner Geburt in Ohnmacht gefallen, hätte sie ihn sofort getötet (sie hielt das Messer schon in der Hand). Wäre er nicht zufällig zu seinem späteren Parfumeurmeister geschickt worden, an dem Abend an dem er eigentlich sein Geschäft aufgeben wollte – Grenouilles Leben hätte vielleicht in der Gerberkloake geendet...
Was fesselt, ist die Emotionslosigkeit des Erzählers. Fast schon sachlich, lauernd und beobachtend (manchmal meint man, der Erzähler selbst würde hämisch grinsend in irgendeiner Ecke sitzen) schildert er das Geschehen, dabei ist aber seine Ausdrucksweise in keinster Weise langweilig. Teilweise ist die Nüchternheit des Erzählers so trocken, daß man genau aus diesem Grunde in brüllendes Gelächter ausbrechen möchte. Es gelingt, Düfte und Gerüche nachvollziehbar zu umschreiben, was gar nicht so einfach ist – wenn man darüber mal nachdenkt. Der Erzähler versucht gerade auf diese Art und Weise das Empfinden Grenouilles darzustellen, der alle Erlebnisse und Vorkommnisse an Düfte und Gerüche anbindet. Die Welt der Düfte ist teils so gut beschrieben, daß man endlose Blütenfelder vor Augen sieht, oder daß einem die Nasenhaare zu Berge stehen, wenn man sich die ekelhafteren Stätten des Buches vorstellt.
Die gesamte Ausdrucksweise passt eigentlich nicht zu einem Autoren unseres Zeitalters. Man könnte meinen „Das Parfum“ sei ein historischer Roman, von einem Autor des damaligen Zeitalters geschrieben.
Hinzu kommt, daß der Erzähler den Leser mit einbezieht (was wohl bei französischen Autoren sehr beliebt ist): bereits auf der ersten Seite, schreibt er „wir“, womit Leser und Erzähler gemeint sind. Dadurch nimmt der Erzähler wie selbstverständlich Einfluss auf den Leser, indem er eigene Wertungen der Ereignisse und Figuren auf den Leser überträgt.
Moderne Zeiten:
Bücher über Massenmörder werden heutzutage auf den Markt geschmissen, wie sonst was. In „Das Parfum“ sind aber die Morde nicht das wirklich wichtige, es fließt kein Blut in Strömen, doch sind die Motive des Mörders den Menschen unverständlich. Die Morde finden statt, werden aber nur am Rande beschrieben. Da sie aber um die Figur Grenouille zentriert sind, sind die Morde notwendig.. Aus. Punkt. Fertig. Da ist Grenouille ganz pragmatisch.
Grinsend nahm ich die Aussage Grenouilles Lehrer Baldini zur Kenntnis. Dieser Parfumeurmeister wollte so gar nicht einsehen, daß zu jeder Saison ein neuer Duft für die hohe Pariser Gesellschaft vonnöten war. Was würde wohl Baldini sagen, wenn er heute einen bestimmten Duft (von Gaultier) finden würde, dessen Flakon sogar regelmäßig ein neues Kleid erhält??
Dann die Hinrichtungsszene, der Aufbau des Schafotts, die nach Blut lechzende Menge putzt sich heraus, sucht sich schon Stunden vorher die besten Plätze, speisend und saufend jubelt man dem Henker zu, der seine „Werkzeuge“ aufbaut.. Eine Hinrichtung als Massenevent! Eine Mischung aus Rockkonzerten und dem Gaffen bei Unfällen auf der Autobahn.
Meiner Ansicht nach lebt das Buch nicht allein von seiner Geschichte. Massenmörder gibt es in der Literatur viele. Was fasziniert ist, wie das Buch geschrieben ist – die Idee den Leser in die Welt des Riechens zu führen, eben weil dieser Sinn im menschlichen Leben so in den Hintergrund getreten ist, obwohl man unbewusst mehr durch diesen Sinn beeinflusst wird, als man denkt. Was weiter fesselt, ist Grenouilles innere Kälte, seine Härte, der Pragmatismus mit dem er seine Zeit abwartet, seinen Weg unermüdlich verfolgt. Was nicht loslässt, ist der Erzähler, sein Wechsel der Erzählperspektiven, seine Allwissenheit, seine Nüchternheit. Man mag das Buch einfach nicht aus der Hand legen.
(Mir wurde letztens die Frage gestellt: wonach riecht dein neues Parfum denn? Tja.. öh.. mir ist keine Antwort eingefallen.)
Nun zu Dracula:
Die eigentliche Geschichte hat mich noch nie umgehauen. Allerdings hatte auch ich die Coppola-Verfilmung von 1992 gesehen und meinte daraufhin, mal einen Blick auf das Buch werfen zu müssen. Diese Verfilmung ist bis auf ein paar hollywoodtypische „Verkitschungen“ ziemlich nah am Original – und weniger kurios als die alten Schinken mit Christopher Lee.
Die Geschichte:
Dracula sitzt auf seiner Burg in Transsylvanien und möchte nach London ziehen, weshalb Jonathan Harker, frisch gebackener Notar, anreist, um mit dem Grafen einige Grundstücksgeschäfte zu tätigen. Nicht wissend, daß Dracula bereits Renfield – Harkers Vorgänger – in den Wahnsinn getrieben hat. Zu gleicher Zeit sitzt also dieser Renfield schon in einer Londoner Irrenanstalt. Harker merkt schnell, daß Dracula ihn nicht ohne weiteres wieder ziehen lassen wird, wobei Dracula Hilfe von drei ihm untergebenen Vampirweibern erhält. Während Dracula abreist, verbleibt Harker bei den drei Schönen, denen er schließlich entkommt, um in einem Kloster zu genesen.
In London kündigen Renfields sich steigernde Ausbrüche, die Ankunft des Grafen an. Dieser macht zunächst einen Vampir aus Lucy, der Freundin von Harkers Verlobten Mina. Lucy’s drei Verehrer, Lord Arthur, der Amerikaner Morris und Dr. Seward, Leiter der besagten Irrenanstalt und Schüler van Helsings versuchen sie zu retten. Trotz Erscheinens des Vampirexperten van Helsing haben die drei nur noch die unschöne Aufgabe Lucy den endgültigen Tod zu geben.
Währenddessen wird klar, daß Dracula auch für Renfields Wahnsinn verantwortlich ist, Harker kehrt zurück und bestätigt mit seinem Bericht van Helsings Thesen. Die fünf Männer beginnen umgehend damit, Draculas Liegeplätze zu vernichten, treffen ihn aber schließlich selbst an – bei dem Versuch Mina zu seinesgleichen zu machen.
Da Dracula nun kein Versteck mehr in London hat, flieht er nach Transsylvanien. Mit Minas Hilfe, die als Halbvampir telepatisch mit ihm in Verbindung steht, spüren die Männer ihn auf und vernichten ihn.
Das Buch:
Eigentlich ist der Aufbau des Buches das wirklich interessante. Es setzt sich nämlich wie ein Puzzle aus einigen Fragmenten zusammen. Anscheinend führte damals nahezu jeder ein Tagebuch, zumindest die Figuren des Romans tun es. Ergänzt werden die Tagebucheinträge durch Briefe und Telegramme der Figuren untereinander. Aufzeichnungen des Irrenarztes Seward ergänzen das Bild ebenso, wie Auszüge von Tageszeitungen oder Logbucheintragungen des Schiffes auf dem Dracula nach London kam. Die Anordung der einzelnen Abschnitte ist wirklich schlüssig.
Man bekommt zusätzlich einige Teile der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Weltanschauung der damaligen Zeit geboten, die den heutigen Leser an manchen Stellen zu belustigen vermögen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:06:18 mit dem Titel Das Parfüm
Geschrieben von Patrick Süskind 1985, als Diogenes Taschenbuch (DM 16,90) veröffentlicht im Jahre 1994, gehört „Das Parfum“ zu den wenigen deutschen Romanen, die auch international so richtig eingeschlagen haben.
Patrick Süskind: *1949 in Ambach (Starnberger See)
studierte Geschichte, arbeitete als Journalist, lebt teilweise in Paris
Kopfschüttelnd mußte ich feststellen, daß ich nun also freiwillig einen Roman gelesen habe, mit dem sich wohl andere in Abiturkursen herumärgern müssen oder dürfen... und er hat mir sogar gefallen...
Das Buch lebt von Paradoxien mit denen man gedanklich so lange herumspielen kann bis einem der Kopf raucht.
Geschichte:
Jean-Baptiste Grenouille wird am 17. Juli 1738 in Paris als uneheliches Kind geboren. Ironischerweise erblickt er das Licht der Welt am stinkendsten Ort von ganz Paris. Grenouille sticht nämlich aus der Masse durch seinen exzellenten Geruchssinn hervor. Sein Dilemma dagegen ist, daß er keinen menschlichen Eigengeruch innehat, was ihn von der Welt ausschließen wird. Grenouille wird aus diesem Grunde zum Massenmörder.
Grenouille:
Grenouille bringt Verderben, schon von der Mutter abgelehnt, wird er buchstäblich von Hand zu Hand weitergereicht. Mehr als Ding, denn als Mensch betrachtet, dient er seinen Mitmenschen als Geldquelle, billiger Arbeitssklave, aber keinesfalls als ebenbürtig, liebenswert oder menschlich. Grenouille reagiert unbewusst nach dem Motto, was uns nicht tötet, macht uns hart. Er zieht sich in sich selbst zurück, lässt sich scheinbar ausbeuten, tut sogar ohne zu murren alles, was verlangt wird und lernt dabei, wiegt die „Ausbeuter“ in Vertrauen und gewinnt so Stück für Stück an Freiheit. Grenouille ist Zeit seines Lebens ungebildet, aber nicht dumm, er entwickelt sich Stück für Stück. Während seine anderen Sinne verkümmern, lässt er sich von nur seinem Geruchssinn leiten, was ihn einerseits von der Menschheit trennt, ihm andererseits Überlegenheit verleiht – wie er später erkennen wird. Ironischerweise startet Grenouille sein Erwerbsleben als Gerbergehilfe, ein Handwerk, wo es zum Himmel stinkt. Es gelingt ihm sich zum Parfumeur ausbilden zu lassen – praktisch in der Hierarchie der möglichen Düfte aufzusteigen. Nahezu ein „Running Gag“ des Romans: alle Menschen, auf die er trifft und die ihn auf die eine oder andere Art ausbeuten, finden ihr Ende (nicht durch ihn), wenn Grenouille sie verlässt.
Grenouille entwickelt keine Freundschaften oder Beziehungen. Seine Kommunikationsfähigkeiten bleiben eingeschränkt, weil sich niemand um ihn als Person kümmert. So vegetiert er im emotionslosen Nichts vor sich hin, schnappt aber nach jedem Krümel Wissen, den er kriegen und gebrauchen kann. Am Anfang sogar ohne zu wissen mit welchem Ziel, aber immer auf dieses Ziel zugehend. Sein Ziel erkennt er nach einem 7jährigen Einsiedlerleben auf einem einsamen Berg, wo er eines Nachts in seinen Träumen sein Dilemma erkennt: man kann ihn nicht riechen.
Geruchssinn:
Ein interessantes Spiel: der Geruchssinn wird unterschätzt, weil der moderne Mensch ihn kaum noch nutzt. Der unscheinbare Grenouille hat dadurch einen entscheidenden Vorteil, den aber kaum einer erkennt, auch nicht erkennen will, da dieser menschliche Sinn eher als unwichtig betrachtet wird. Komischerweise können die Menschen Grenouille nicht riechen – d. h. nicht, das er vielleicht stinkt oder unsympathisch wäre, nein, Grenouille hat keinen Körpergeruch. Unterbewusst nimmt sein Umfeld ihn aus diesem Grunde auch überhaupt nicht wahr (zumindest nicht als menschliches Wesen). Genau diese Erkenntnis macht Grenouille vollkommen fertig. Um von der Menschheit angenommen zu werden, kreiert er ein Parfum, das den menschlichen Geruch simuliert – und ist fasziniert, wie anders er nun behandelt wird. Grenouille will diesen Duft vervollkommnen, wobei er dem Wahn erliegt, nicht nur dazugehören zu wollen, sondern der bestriechende Mensch auf Erden sein zu wollen... Nicht nur das: Warum nicht gleich ein Gott?
Grenouille erreicht sein Ziel, in dem er ein Parfum aus den Körpern, der von ihm ermordeten jungfräulichen Mädchen kreiert... muss aber gleichzeitig erkennen, daß er über sein Ziel herausgeschossen ist, er gehört wieder nicht dazu, er ist etwas zu besonderes und: nicht er wird akzeptiert, nur sein Geruch! Was ihm komplett den Rest gibt: niemand vermag zu erkennen, was für ein perfektes Parfum er überhaupt entwickelt hat. Andersherum erkennt er, daß er der einzige „Mensch“ ist, der die Wirkung/den Zauber des Parfums nicht zu spüren vermag. Was Grenouille zu spät begreift ist, daß er nicht nach einem Geruch sucht, sondern nach Anerkennung als Teil der Menschheit.
Ort und Zeit:
Grenouille wächst im Paris des 18. Jahrhunderts auf. Damals war Körperpflege in Bezug auf Hygiene kein Thema, die Welt stank buchstäblich zum Himmel, Parfumeure waren so von dringender Wichtigkeit. Nach seiner Ausbildung verlegt die Hauptfigur ihr Wirken nach Grasse, der Parfumhauptstadt des damaligen Frankreich, um sein Wissen zu vervollständigen. So lernt der Leser einiges über die Kunst des Parfum-Machens. Zum Piepen komisch dagegen die Ansichten der teils „aufgeklärten“ Menschen, wenn man wissenschaftliche Hintergründe betrachtet. Da sollen Mörder durch Bannsprüche des Bischoffs von der Stadt ferngehalten werden (und das ist noch harmlos).
Das perfekte Parfum:
Wurde gemacht aus dem Duft von 25 Jungfrauen. Grenouille, der Mörder dieser Mädchen, wird zum Tode verurteilt, was ihn nicht stört. Ein Tropfen des Parfums rettet ihn vor der gerechten Strafe, in dem es den lauernden Mob in Extase versetzt. Grenouille erscheint der am Schafott versammelten Menge als unschuldig, steht da, wie ein Superstar – was er einfach nicht verkraftet... er kehrt zurück nach Paris, in die Nähe seiner stinkenden Geburtsstätte, wo er seine Existenz beenden will. Er übergießt sich mit dem gesamten Duft und wird vom herumlungernden Gesindel, dem er wie ein Engel erscheint, buchstäblich verschlungen (am 28. Juni 1767). Typisch für Grenouille, keine Spuren seiner Existenz zu hinterlassen...
Schreibe:
„Das Parfum“ ist wohl eins der am besten geschriebenen Bücher, die ich je gelesen habe. Entsprechend der Isolation der Hauptfigur wird wenig gesprochen, man stößt selten auf wörtliche Rede, wichtiges wird häufig mit indirekter Rede wiedergegeben, was zu langen, verschachtelten Satzstrukturen führt. Selten wird hier Grenouille wiedergegeben, häufiger die Nebenfiguren. Der eigentliche Erzähler weiß alles, scheint irgendwie selbst, wie ein „Geruch“ über der Geschichte zu liegen und diese aufzunehmen. Der Erzähler vermittelt dem Leser die Genugtuung, die Grenouille selbst nicht erfährt... alle die ihn mies behandelten und/oder ausbeuteten, bekamen letztendlich doch ihr Fett weg. Genauso wenig wird Grenouille je erfahren, wie viel Glück er gerade zu Anfang seines Lebens hatte. Wäre seine Mutter nicht erst einmal nach seiner Geburt in Ohnmacht gefallen, hätte sie ihn sofort getötet (sie hielt das Messer schon in der Hand). Wäre er nicht zufällig zu seinem späteren Parfumeurmeister geschickt worden, an dem Abend an dem er eigentlich sein Geschäft aufgeben wollte – Grenouilles Leben hätte vielleicht in der Gerberkloake geendet...
Was fesselt, ist die Emotionslosigkeit des Erzählers. Fast schon sachlich, lauernd und beobachtend (manchmal meint man, der Erzähler selbst würde hämisch grinsend in irgendeiner Ecke sitzen) schildert er das Geschehen, dabei ist aber seine Ausdrucksweise in keinster Weise langweilig. Teilweise ist die Nüchternheit des Erzählers so trocken, daß man genau aus diesem Grunde in brüllendes Gelächter ausbrechen möchte. Es gelingt, Düfte und Gerüche nachvollziehbar zu umschreiben, was gar nicht so einfach ist – wenn man darüber mal nachdenkt. Der Erzähler versucht gerade auf diese Art und Weise das Empfinden Grenouilles darzustellen, der alle Erlebnisse und Vorkommnisse an Düfte und Gerüche anbindet. Die Welt der Düfte ist teils so gut beschrieben, daß man endlose Blütenfelder vor Augen sieht, oder daß einem die Nasenhaare zu Berge stehen, wenn man sich die ekelhafteren Stätten des Buches vorstellt.
Die gesamte Ausdrucksweise passt eigentlich nicht zu einem Autoren unseres Zeitalters. Man könnte meinen „Das Parfum“ sei ein historischer Roman, von einem Autor des damaligen Zeitalters geschrieben.
Hinzu kommt, daß der Erzähler den Leser mit einbezieht (was wohl bei französischen Autoren sehr beliebt ist): bereits auf der ersten Seite, schreibt er „wir“, womit Leser und Erzähler gemeint sind. Dadurch nimmt der Erzähler wie selbstverständlich Einfluss auf den Leser, indem er eigene Wertungen der Ereignisse und Figuren auf den Leser überträgt.
Moderne Zeiten:
Bücher über Massenmörder werden heutzutage auf den Markt geschmissen, wie sonst was. In „Das Parfum“ sind aber die Morde nicht das wirklich wichtige, es fließt kein Blut in Strömen, doch sind die Motive des Mörders den Menschen unverständlich. Die Morde finden statt, werden aber nur am Rande beschrieben. Da sie aber um die Figur Grenouille zentriert sind, sind die Morde notwendig.. Aus. Punkt. Fertig. Da ist Grenouille ganz pragmatisch.
Grinsend nahm ich die Aussage Grenouilles Lehrer Baldini zur Kenntnis. Dieser Parfumeurmeister wollte so gar nicht einsehen, daß zu jeder Saison ein neuer Duft für die hohe Pariser Gesellschaft vonnöten war. Was würde wohl Baldini sagen, wenn er heute einen bestimmten Duft (von Gaultier) finden würde, dessen Flakon sogar regelmäßig ein neues Kleid erhält??
Dann die Hinrichtungsszene, der Aufbau des Schafotts, die nach Blut lechzende Menge putzt sich heraus, sucht sich schon Stunden vorher die besten Plätze, speisend und saufend jubelt man dem Henker zu, der seine „Werkzeuge“ aufbaut.. Eine Hinrichtung als Massenevent! Eine Mischung aus Rockkonzerten und dem Gaffen bei Unfällen auf der Autobahn.
Meiner Ansicht nach lebt das Buch nicht allein von seiner Geschichte. Massenmörder gibt es in der Literatur viele. Was fasziniert ist, wie das Buch geschrieben ist – die Idee den Leser in die Welt des Riechens zu führen, eben weil dieser Sinn im menschlichen Leben so in den Hintergrund getreten ist, obwohl man unbewusst mehr durch diesen Sinn beeinflusst wird, als man denkt. Was weiter fesselt, ist Grenouilles innere Kälte, seine Härte, der Pragmatismus mit dem er seine Zeit abwartet, seinen Weg unermüdlich verfolgt. Was nicht loslässt, ist der Erzähler, sein Wechsel der Erzählperspektiven, seine Allwissenheit, seine Nüchternheit. Man mag das Buch einfach nicht aus der Hand legen.
(Mir wurde letztens die Frage gestellt: wonach riecht dein neues Parfum denn? Tja.. öh.. mir ist keine Antwort eingefallen.)
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