Erfahrungsbericht von Peter3110
WIE VERHALTE ICH MICH RICHTIG???
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Was bewegt den Menschen? Was liegt seinem Verhalten zu Grunde? Wie ist seine persönliche Ausrichtung? Dies war und ist eine der interessantesten philosophischen Fragestellungen, die das ganz alltägliche Leben für uns bereithält.
So schrieben über dieses Thema Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin und viele andere, um hier nur wenige zu nennen.
Und wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, so fragen auch wir uns manchmal, ob das was wir tun richtig ist, oder wir fragen uns wieso sich andere auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.
Der berühmte Tragiker Sophokles hat diese Problemstellung in seinem Werk „Philoktet“ behandelt und diskutiert.
Zu Sophokles nur ein paar Worte: Er lebte im 5Jhd. v.Chr., war Staatsmann und hochgebildet.
Solche Politiker würde man sich heute wünschen.
Die Vorgeschichte
Die Geschichte beginnt schon etwas länger vor der eigentlichen Tragödie mit dem Tod des Herakles (Herkules). Herakles wird langsam von dem Gift des Kentauren (Halb Pferd-Halb Mensch) Nessus zerfressen. So bittet er seinen Sohn darum nicht wie ein Sterblicher sondern wie ein Gott verbrannt zu werden. Sein Sohn bringt es jedoch nicht übers Herz seinen eigenen Vater zu verbrennen. So erfüllt ihm sein bester Freund Philoktet diesen Wunsch und erhält dafür zum Dank den unfehlbaren Bogen des Herakles mit den Drachengift überzogenen Pfeilen. Zu dieser Zeit tobte der trojanische Krieg, an dem auch Philoktet teilnehmen wollte.
Auf der Schiffsreise wurde jedoch bei einer Rast auf einer Insel von einer Schlange gebissen. Dieser Biss war jedoch nicht tödlich, sondern er schuf eine ewig eiternde Wunde. Die Qualen und die damit verbundenen Schreie des Philoktet waren so laut, dass seine Gefährten ihn auf einer Insel zurückließen und zwar durch eine List des Odysseus.
In Troja angekommen und nach einigen weiteren Jahren des Kampfes erhielten die Griechen den Orakelspruch, dass nur mit dem unfehlbaren Bogen des Herakles, den jetzt Philoktet hatte, der Krieg zu gewinnen sei.
So schickten die Griechen Odysseus und den Neoptolemos des Sohn des Achilleus des Bogen zu holen.
Die Tragödie
Odysseus schwört Neoptolemos gleich darauf ein sich bloß nicht von der schrecklichen Situation des Philoktet beeindrucken zu lassen und keinesfalls Mitleid mit ihm zu haben. Ihm würden aber wenn er den Bogen beschaffen könnte eine große Belohnung und viel Ruhm und Ehre winken.
Der junge Neoptolemos lässt sich dazu verführen und verwickelt auf der Insel angekommen Philoktet in ein Gespräch und erweckt so dessen Vertrauen. Philoktet bittet daraufhin seinen Bogen mitzubeschützen, da dieser seine einzige Möglichkeit sein Nahrung zu bekommen, da er wegen seiner Wunde nicht richtig jagen könne.
Nun tritt Odysseus auf, der nicht mehr auf Neoptolemos warten wollte und reißt den Bogen an sich. Philoktet ist am Boden zerstört und ergibt sich fast in sein Schicksal, doch Neoptolemos schwenkt plötzlich um und erkennt, dass er falsch gehandelt hat. So bietet er an Philoktet mitzunehmen und in Troja heilen zu lassen. In dem nun folgenden heftigen Streit wird zwischen den dreien keine Löschung, da niemand so recht dem anderen traut.
Diese Situation wird nun für den bei Sophokles unüblichen „deus ex machina“ (=Gott aus der Maschine, ein Schauspieler erschien am oberen Teil des Bühnenbildes als Gott und löste Konflikte). Herakles löste somit als Gott den Konflikt.
Damit endet die Tragödie mit einem guten Ende und im trojanischen Krieg kamen alle drei zu höchster Ehre.
Die Botschaft des Sophokles
Im „Philoktet“ wird explizit die Frage behandelt, wie man sich richtig zu verhalten hat. Der junge Neoptolemos wird von Odysseus dazu verführt dem armen Philoktet, den seine Freunde einfach ausgesetzt haben, seine Überlebensmöglichkeit und das letzte Geschenk seines Freundes Herakles zu nehmen. Hier zeigt sich eine unglaubliche Skrupellosigkeit. Diese hat Sophokles sein ganzes Leben lang angeprangert.
Und wenn man sich die heutige Zeit so anschaut machen einfach zu viele Menschen nur das was ihnen nützt oder was sie persönlich voranbringt. Dabei kennen sie keine Schranken. Diese Entwicklung ist überall in der Gesellschaft zu bemerken, nicht nur wie die meisten jetzt wahrscheinlich denken in der Politik.
Dieser Personenkreis wird durch Odysseus symbolisiert, während Neoptolemos die Jugend die zwischen Gut und Böse wählen muss, repräsentiert. So bekommt er das verlockende Angebot zu Geld und Ruhm zu kommen, mit dem man heute sicher auch noch viel erreichen kann.
Neoptolemos lässt sich zwar zuerst überzeugen, doch im Endeffekt bricht das Gute doch in ihm durch, worin sich auch das positive Menschenbild der Griechen zeigt.
So gehört mit zur Botschaft, dass wenn alle an einem Strang ziehen es für alle ein gutes Ende gibt.
Durch diese Gesamtbotschaft ist dieses Werk, wie so viele andere aus dem antiken Griechenland zeitlos und sollte auch heute öfter gelesen werden. Vielleicht konnte ich es euch ein bisschen schmackhaft machen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-01 14:34:38 mit dem Titel DAS ENDE EINES GROßEN MANNES
Von den Sagengestalten der Antike ist Ödipus wohl eine der berühmtesten. So ist sein legendäres Leben bis heute in der Literatur aktuell.
Der antike Tragiker Sophokles beschrieb sein Leben in insgesamt 3 Tragödien („König Ödipus“, „Ödipus auf Kolonos“ und „Antigone“) beschrieben.
Damit auch diejenigen, die sich mit dem Leben des Ödipus nicht gut auskennen, etwas von diesem Bericht haben, hier erst einmal eine kleine Vorgeschichte.
Die Vorgeschichte
Laios, der König Thebens, erhält aus Delphi (Orakel des Apollon) den Orakelspruch, dass wenn er einen Sohn bekommt, dieser ihn töten werde und seine Mutter heiraten würde. Daraufhin setzt Laios seinen Sohn im Gebirge mit zerstochen Fersen aus, damit dieser dort ums Leben komme.
Das Kind wird jedoch von einem Hirten aufgenommen und an den Königshof von Korinth gebracht. Dort wird es von der Königsfamilie, die kinderlos ist, als ihr eigenes Kind groß gezogen. Wegen seiner Schwellfüße wird Ödipus genannt.
Ödipus verlebt in der Folgezeit eine äußerst glückliche Kindheit bis auf einem großen Fest in Korinth ein Betrunkener ihm erzählt, dass er nicht der richtige Sohn des korinthischen Königspaares sei. Getrieben von dieser Ungewissheit, zieht Ödipus zum Orakel nach Delphi, um durch einen Orakelspruch seine wahre Herkunft zu entdecken. In Delphi erhält er jedoch die niederschmetternde Antwort, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde. Da er jedoch immer noch glaubt, dass seine Eltern in Korinth sind, flieht er und begibt sich auf eine lange Wanderschaft.
An einem Gebirgspass kommt es dann zu einer verhängnisvollen Begegnung mit seinem Vater Laios, der versucht Ödipus mit seinem Wagen abzudrängen. In Notwehr erschlägt Ödipus seinen Vater und dessen Begleiter.
Nun kommt er schließlich nach Theben in die Stadt seines Vaters, die gerade von einer Sphinx bedroht wird. Diese tötete nämlich jeden, der ihr Rätsel nicht lösen konnte. Ödipus schafft dies und befreit damit die Stadt. Als Dank wird er der neue König und bekommt die Königin, seine Mutter, zur Frau. Zusammen bekommen sie vier Kinder Antigone, Ismene, Polyneikes und Etheokles.
Als nun jedoch eine Pest in Theben wütet und diese nur besiegt werden kann, wenn der Mörder des Laios gefunden wird, kommt Ödipus hinter das schreckliche Geheimnis. In Folge dessen sticht er sich die Augen aus und lebt, geführt von seiner Tochter Antigone, in Verbannung.
Hier setzt nun Sophokles mit seiner Tragödie „Ödipus aus Kolonos“ ein.
Die Tragödie
Ödipus merkt das sein Leben allmählich zu Ende geht und bemüht sich darum vielleicht doch noch in seiner Heimatstadt bestattet zu werden. Doch zuerst muss er in Kolonos, einem heiligen Randbezirk Athens Rast machen. Die dortige Bevölkerung erschreckt sich jedoch vor diesem verfluchten Mann und will dazu bewegen wieder zu gehen. Ödipus bittet sie jedoch darum, dass sie für ihn den athenischen König Theseus rufen.
Theseus, der gerade in der Nähe opfert, kommt auch sogleich herbei und gewährt Ödipus Bleiberecht und vor allem auch Schutz. Ferner bietet er ihm an, dass Ödipus in Kolonos bestattet werden solle, da er weiß, dass auf Grund des Fluches von Apollon Ödipus niemals in Theben bestattet werden kann.
Nachdem sich Theseus wieder entfernt hat, tritt nun Kreon, der Berater des momentanen thebanischen König Etheokles, auf. Er will Ödipus zur Rückkehr nach Theben zwingen, da um die Stadt hart gekämpft wird (nachzulesen in Aischylos „Sieben gegen Theben“, dazu habe ich auch schon einen Bericht verfasst). Und nur der, der Ödipus auf seiner Seite hätte, könnte diesen Krieg gewinnen. Ödipus weigert sich entschieden Kreon zu folgen, der dann versucht in mit Waffengewalt zu zwingen. Doch nun kommt Theseus, der Ödipus auch Schutz versprochen, herbeigeeilt und weist Kreon in seine Schranken. Als Kreon ihm nicht folgt, lässt er ihn aus Athen verbannen und verdammt sein frevelhaftes Verhalten.
Nun tritt noch Polyneikes, Ödipus Sohn, der gegen Etheokles um die Herrschaft in Theben kämpft, vor seinen Vater und bittet ihn ebenfalls um Unterstützung. Doch auch ihn weist Ödipus und verflucht ihn wegen seinem schändlichen Verhalten die Heimatstadt anzugreifen.
Nun stirbt Ödipus in einer Höhle und wird zum Heros (Schutzheiligen) von Kolonos und damit von ganz Athen.
Die Wirkung
Kernstück des „Ödipus auf Kolonos“ ist die Darstellung der perfekten Staatsmannes. Diese Position nimmt der legendäre Theseus ein, der zum einen als Stadtgründer Athens gilt und zum anderen die Stadt vor dem Minotaurus bewahrt hat.
Theseus wird in der gesamten Tragödie als demütig, bescheiden, durchsetzungsstark und tugendhaft charakterisiert.
Dem gegenüber steht der schändliche Kreon, der sich über jedes Recht und Gesetzt hinwegsetzt.
Hier sind zwei für die Deutung wichtige Aspekte im zeitlichen Hintergrund zu finden. Zu dieser Zeit war Theben die Hegemonialmacht Griechenlands und hat auch schon die Mauern Athens schleifen lassen. Dieses Verhalten wird hier von Sophokles, der selbst lange Jahre in der Politik war, kritisiert. Im gleichen Atemzug verweist er jedoch darauf, dass es völlig legitim sei, dass jede Stadt versucht so mächtig wie möglich zu sein.
So lehrt uns diese Tragödie zum einen wie der richtige Herrscher sich zu verhalten hat und vor allem aber lehrt sie uns auch vom Wert des Menschen. Denn selbst dem verfluchten Ödipus darf ein guter Mensch die Hilfe nicht verweigern. So muss man auch über Ängste hinwegsehen und sich vor allem nicht von anderen bedrängen lassen.
So ist diese Tragödie ein weiteres Meisterstück des Sophokles und ich kann sie euch auch ans Herz legen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-02 14:43:35 mit dem Titel ERKENNE DICH SELBST
Die Pest tobt im antiken Theben und rafft eine ganze Stadt nieder. Die vollkommen verängstigte Bevölkerung zieht vor den Palast ihres Herrschers, den großen Ödipus.
So lautet die jetzige Situation, die über der Stadt Theben liegt. Doch was viele nicht wissen bewegt sich vernichtend und unaufhaltsam auf die Stadt zu. Denn niemand kennt den Grund der Pest, die nach Meinung der Priester vom delphischen Gott Apollon geschickt worden sein soll.
Eine Vorgeschichte brauche ich euch hier nicht aufzuführen, da die ganze Geschichte im Verlauf des Dramas aufgedeckt wird.
Als nun die verängstigten Menschen vor den Palast ihres Herrschers ziehen und ihm ihre Not unterbreiten, verspricht er ihnen sofort zu reagieren und alles Menschen mögliche zu tun, um sie von der Pest zu befreien. So hat er bereits Tage zuvor seinen Schwager Kreon zum Orakel nach Delphi geschickt, damit dieser dort die Lösung des Problems erfahren sollte.
Als Kreon dann endlich vor Ödipus tritt, verkündet er, dass man den Mörder des Laios finden müsse und ihn dann töten oder außer Landes weisen müsse.
Nun erfährt Ödipus, dass Laios vor ihm der König von Theben war, der dann jedoch angeblich von Räubern erschlagen wurde. Ödipus, der zur derselben Zeit nach Theben kam, wurde dann, nachdem er das Rätsel der Sphinx gelöst hatte, der neuen König Thebens und heiratete die Königin Iokaste.
Der Mord an Laios wurde jedoch nie aufgeklärt, da die Stadt Theben mit der Sphinx, die alle die ihr Rätsel nicht lösen konnten, in einen Abgrund warf.
Ödipus verkündet nun, dass man den Schuldigen sofort finden müsse und niemand diesen schützen oder verstecken dürfe, da ihm sonst dasselbe Schicksal blühe.
Da sich niemand meldet, wird der erfahrene Seher Teiresias gerufen, der bei der Aufklärung des Falles helfen soll. Teiresias möchte jedoch nichts dazu sagen und will die Stadt sofort wieder verlassen. So beginnt ein Streit, der immer weiter hoch kocht, bis Teiresias schließlich mit der Wahrheit herausrückt und Ödipus offenbart, dass Ödipus selbst der Mörder von Laios sei. Ödipus glaubt ihm natürlich überhaupt nichts im Streit. Doch als Teiresias noch weiter redet und sagt Ödipus habe seine eigene Mutter geheiratet und sei der Bruder seiner Kinder, platzt Ödipus komplett der Kragen und er will Teiresias wegen Verleumdung aus der Stadt werfen lassen, doch dann stockt er und kommt nach längerer Überlegung zu dem Schluss, dass eine Verschwörung im Gange ist und nur sein Schwager Kreon dahinter stecken könne, da schließlich auch er ihm geraten hatte Teiresias herzuholen.
Er stellt Kreon zur Rede, doch der streitet alles ab. Als dann noch Ödipus Frau Iokaste einschreitet ist der Streit geschlichtet.
Ödipus ist doch etwas misstrauisch geworden, ob er nicht doch der Täter sein könnte und berichtet seiner Frau, dass seine Herkunft nicht ganz klar ist und er einen Orakelspruch erhalten habe, dass er seinen Vater töten werde und seine Mutter heiraten würde. Aus diesem Grunde sei er auch aus seiner vermeintlichen Heimatstadt Korinth geflohen. Doch mitten in diese Überlegungen stürzt nun ein Bote, der vom Tod des Korinthischen König berichtet. Dies erleichtert Ödipus, da er ihn trotz seiner Zweifel immer noch für seinen Vater hält.
Plötzlich berichtet der Chor, der aus den ältesten Thebaner besteht, von einem Boten, der damals bei dem Mord des Laios dabei gewesen war und überlebt hat. Dieser sei auch schon auf dem Wege zum Palast.
Als der alte Bote angekommen ist, berichtet er, dass Laios von einem einzigen Wanderer an einem Bergpass erschlagen wurde. Ödipus schwant Schlimmes, denn er selbst hatte in Notwehr an einem Bergpass einige Männer erschlagen. Als dann der Bote auch noch berichtet, dass er vor langer Zeit ein Kind aussetzen sollte, dass wegen eines Orakelspruchs die Macht des Königs bedrohte und sogar der Sohn des Königs selbst war, dass er dann nach Korinth gebracht hatte, bricht Ödipus zusammen und rennt in den Palast. Iokaste folgt ihm.
Wegen der großen Schande erhängt sich Iokaste in ihren Gemächern. Als Ödipus dies sieht sticht er sich die Augen aus und will das Land verlassen, doch Kreon sagt sein Schicksal läge in der Hand Apollons.
Interpretation
In der Mitte des Werkes steht die Frage der Gerechtigkeit, die sich eigentlich jeder selbst beantworten muss. Ist Ödipus schuldig am Mord an seinem Vater oder war es Notwehr oder „göttliche Bestimmung“? Was ich aus meiner Sicht klar sagen kann, ist, dass er in Notwehr gehandelt, da Laios ihn nachdem er ihn einmal verdrängt hat, an einem Bergpass ein zweites Mal verdrängen wollte, Ödipus sich dort aber wehren konnte, denn sonst wäre er abgestürzt.
So werden es wohl auch die meisten Griechen damals gesehen haben, deshalb kann davon ausgehen, dass Sophokles die große Gerechtigkeit diskutieren wollte. Hätte Laios nicht den Orakelspruch des Apollon missachtet, wäre es zu all diesen schrecklichen Ereignissen nie gekommen. Demnach muss die gnadenlose Gerechtigkeit, die hier nach grausamen Naturgesetzen verfährt, auf den einzelnen nicht achtet und nur ein allgemeines Recht durchsetzen will, Ödipus vernichten, obwohl es für ihn überhaupt nie einen Ausweg gab.
Mit diesem Gerechtigkeitsverständnis habe ich persönlich starke Probleme, da das einfach nicht gerecht ist.
Dieser Punkt darf jedoch nicht separat gesehen werden, sondern muss in den zeitlichen Kontext und die damaligen geistlichen Strömungen eingeordnet werden.
Zu dieser Zeit wandten sich immer mehr von der alten Volksreligion mit Zeus, Apollon, Hera usw, ab, die zum Beispiel in Homers Epen beschrieben werden. Besonders die Sophisten, die heute eher negativ dargestellt werden, da man ihnen Käuflichkeit und Morallosigkeit vorwirft, standen an der Spitze der griechischen Aufklärung, vergleichbar mit der Aufklärung im Europa der Früh-Moderne. Aus dieser Richtung stammt der homo-mensura-Satz des Protagoras, der besagte, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, also eine totale Abkehr von äußeren Einflüssen und damit von allen anderen Gottesbildern.
So muss man diesen Gerechtigkeitsbegriff im „König Ödipus“ mit dieser Geistesströmung übereinanderlegen und bemerkt, dass der Gerchtigkeitsbegriff nicht die Meinung des Sophokles widerspiegelt, sondern eindringlich daraufhinweist, dass es nun einmal Mächte gibt die der Mensch nicht beeinflussen und steuern kann. Der Mensch kann sogar von diesen Mächten dominiert werden.
Ödipus ist einer dieser Menschen, die glauben sie könnten alles. Diese Hybris (Hochmut) wird von Sophokles durch diverse Übertreibungen und Ausschmückungen innerhalb seiner Reden stark hervorgehoben. Diese sprachlichen Feinheiten, die für das Verständnis des Werkes überaus wichtig sind, werden leider in den meisten Übersetzungen unterdrückt und einfach herausgelassen. Mein Vorteil war, dass ich dieses Werk im griechischen Original gelesen habe, was eben nicht jeder machen kann und auch nicht jeder machen will.
So muss der hochmütige Ödipus, der mit seinem Verhalten die Götter in Frage stellt, fallen, da dies nicht geduldet werden kann.
Das schlimmste daran ist, dass Ödipus durch seinen Scharfsinn sich sogar selbst enttarnen und sich selbst erkennen muss.
Das Werk ist neben dieser geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzung eine Fundgrube für politischen Denken und gesellschaftliches Verhalten, was vom heutigen nur marginal unterscheidet.
So kann ich jedem diese Lektüre nur empfehlen und freue mich über zahlreiche Kommentare.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 13:46:20 mit dem Titel DIE EINHEIT DER GEGENSÄTZE
Zehn Jahre eines grausamen Krieges haben viele Helden dahingerafft, doch Troja ist immer noch nicht gefallen. Nachdem Achilleus den Hektor, den stärksten Krieger der Trojaner getötet hat, ereilt auch ich der Tod.
Die Trojaner versuchen nun jedoch, wie es Achilleus bei Hektor getan hatte, den Leichnam in ihre Gewalt zu bekommen. Dies wird jedoch von Aias, den Homer in der Ilias als größten Kämpfer bezeichnet und der die vorzeitige Niederlage der Griechen mehrfach abwenden konnte, und Odysseus, dessen Irrfahrten das Thema der Odyssee ist, durch großen Heldenmut verhindern.
Nach altem Brauch soll nun einer von beiden die Waffen des Achilleus erhalten, die Hephaistos der Gott der Schmiedekunst für ihn angefertigt hatte.
Dies soll durch einen Wettkampf gelöst werden, da jedoch Aias Odysseus im Kampfe überlegen ist, erreicht Odysseus, dass der Wettkampf im Bereich der Rhetorik stattfinden soll.
Diesen Wettkampf kann natürlich der schlaue Odysseus für sich entscheiden.
Aias fühlt sich betrogen und wird zum Spielball der Göttin Athene, da Aias zwar ein frommer Mann war, jedoch lieber auf seine eigenen Fähigkeiten vertraute und die Hilfe der Götter schon oft zurückgewiesen hatte.
Athene stürzt ihn nun in den Wahnsinn, worauf Aias die Schafsherde für das Herr der Argeier hält, zu dem seine Feinde Odysseus und Agamemnon gehören. Er wütet nun fürchterlich und peitscht den Widder, den er für Odysseus hält, brutal aus.
Nun setzt der große Tragiker Sophokles mit seinem wohl ältesten der erhaltenen Stücke ein.
Den Inhalt diesen teilweise sehr archaischen Stückes möchte ich euch nun kurz wiedergeben.
Der Inhalt
Aias ist zu Beginn des Stückes noch in seiner Hütte und foltert den Widder, den er für Odysseus hält. Nun betritt die Göttin Athene mit ihrem Schützling Odysseus die Bühne und führt ihm Aias in seinem Wahnsinn vor. Athene ist sehr belustigt, doch Odysseus ist über die Tat der Göttin schockiert und möchte so schnell wie möglich diesen Ort verlassen, was er daraufhin auch ausführt.
Während dessen treibt sich das Gerücht herum, das Aias etwas furchtbares getan habe. Seine Gefährten wollen ihn nun aufsuchen, treffen jedoch nur seine Frau Tekmessa an. Mit ihrer Hilfe erfahren sie alles und wollen so schnell wie möglich mit Aias fliehen, da ihm für sein Handeln schlimmste Strafen drohen.
Nun tritt Aias aus der Hütte und kommt wieder zur Besinnung und bemerkt was geschehen ist. In seiner nun folgenden Rede spricht er sehr verklausuliert, was dazu führt, dass seine Frau und auch seine Gefährten glauben alles sei in bester Ordnung. In Wahrheit hat Aias schon den Entschluss gefasst sich das Leben zu nehmen. Als letztes trägt er seinen Gefährten noch auf, seinem Halbbruder Teukros, der zu den besten Bogenschützen der Griechen gehört, zu sagen, er solle sich um seine Frau und seinen Sohn kümmern.
Teukros hat unterdessen schon von den Gerüchten um Aias getan und erhält einen Orakelspruch, dass er seinen Bruder heute beschützen müsse, da er nur noch heute unter dem Fluch der Götter läge. Ein Bote, den er schickt, kommt jedoch zu spät, denn Aias ist verschwunden. Eine Suche ist erfolglos.
An einem abgelegenen Strand steckt Aias, das Schwert, das er von Hektor dem Trojaner erhalten hatte, in den Sand und stürzt sich nach einem Abschlussmonolog, die sogenannte Trugrede in sein Schwert.
Kurz darauf wird der Leichnam gefunden und soll von Teukros begraben werden. Doch einer der Heerführer Menelaos will dies verhindern, doch Teukros bleibt hart, da er seinem Bruder diese letzte Ehre nicht verwehren will.
Nun will der König von Argos Agamemnon, der die Griechen anführt, den Befehl erlassen, dass Aias unter keinen Umständen bestattet werden darf, doch nun greift Odysseus ein. Er überzeugt Agamemnon und verweist auf das göttliche Recht, auf die Taten des Aias und die Verantwortung vor den Menschen. Agamemnon ist völlig überrumpelt und gibt nach.
Überglücklich beginnt nun Teukros mit der Bestattung seines Halbbruders Aias.
Interpretation
Wie in der Dramenforschung schon oft festgestellt wurde, handelt es sich zweifelsohne bei dem Stück „Aias“ um ein Problemstück. Im „Aias“ werden unheimlich viele Fragenstellungen der antiken Zeit angesprochen. Ferner weisen viele Sätze in die in andere Bereiche, wie zum Beispiel in die Geschichtsschreibung, was ich aber am Ende nur kurz anschneiden werde.
Vom Aufbau her ist das Stück offensichtlich zweigeteilt, was man am für die griechische Tragödie selten Szenenwechsel deutlich merkt.
Im ersten Teil wird die Tat und das Leiden des Aias thematisiert. Während der zweite Teil die Frage der Bestattung diskutiert.
Allein schon der Ausgangspunkt birgt einige Fragen. Aias ist nur nach Troja gekommen, da er dem Vater der Helena, deren Entführung der Grund für den trojanischen Krieg war, einen Eid zum Schutze der Ehe geleistet hat und nicht, da er dem Hegemonialherrscher der Griechen Agamemnon gefolgt ist. Somit kam er als freier Mann und nicht als Untertan, obwohl er vom Stande tiefer ist, doch er stützt sich auf seine eigene Kraft und nicht auf die Herkunft.
Als er dann der List des Odysseus zum Opfer fällt, kann er seine eigene Kraft nicht mehr kontrollieren und wird zum Spielball der Athene.
Hier liegt etwas begraben, was noch heute den Menschen bestimmt. Das Verhältnis zwischen dem eigenen Handeln und den äußeren Einflüssen, und in wie weit man frei von ihnen ist. Heraklit hat dies in der Antike schon die Frage der „Einheit der Gegensätze“ genannt. So muss der beste Mensch diese Einheit auch am besten vollziehen, wobei jeder im Tode diese Gegensätze entgültig vereint.
Aias bemerkt, dass er in dieser von schlechten Mächten bestimmten Welt nicht mehr existieren kann, wenn er sich ihr nicht beugt, doch dieser Mann will sich nicht beugen und antwortet mit der totalen Entsagung von der Welt, nämlich mit dem Selbstmord.
Soweit ging auch die Überlieferung des trojanischen Krieges, doch nun dreht Sophokles die Handlung im zweiten Teil in eine andere Richtung. Zwar besteht der Standeskampf weiter, was in den Rededuellen zwischen Teukros und Menelaos zu sehen ist, doch Hauptfigur wird nun der vielgescholtene Odysseus.
Sein Verhalten erhebt ihn und zeigt seinen guten Charakter und sein Vereinbarung der „Einheit der Gegensätze“. Sophokles hat hier eine deutliche Botschaft versteckt, die zum Leben in der Leistungsgesellschaft des demokratische Athens passte. Jeder muss mit seinen Fähigkeiten das Bestmögliche schaffen, dabei darf er jedoch auch den größten Feinden die Ehre nicht verweigern und anständig bleiben. Die Person des Odysseus ist ein besonders guter Träger dieser Botschaft, da er in der Überlieferung eher schlechter dargestellt wurde und Veränderungen in der Darstellung so viel besser erkannt werden konnten.
Neben diesen Dingen möchte in besonders noch einmal die Trugrede des Aias vor seinem Selbstmord hervorheben. Hier liegt das Geschichtsverständnis der griechischen und damit auch westlichen Welt begraben. So sagt Aias, dass die lange unmessbare Zeit alles was unklar ist hervorbringt, während alles, was sich offenbart hat, wieder verborgen wird. Nichts ist von Dauer. Von diesem Satz ist auch das große Werk des Herodot geprägt, das ich nur jedem empfehlen kann.
Fazit
Neben den Standesgegensätzen der griechischen Zeit kann man aus dem Aias viele Aspekte mit in unsere heutige „moderne“ Zeit übernehmen. So bestimmt die Frage der „Einheit der Gegensätze“ bis heute unser tägliches Leben.
Ferner der Gedanke einer Leistungsgesellschaft, die auf dem Boden der Demokratie geboren wurde, wobei Sophokles klar macht, dass nicht das geschehen darf, was wir heute „Ellenbogen-Gesellschaft“ nennen.
Aus diesen Gründen kann ich euch dieses Werk mehr als empfehlen und vergebe die höchste Bewertung.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare.
So schrieben über dieses Thema Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin und viele andere, um hier nur wenige zu nennen.
Und wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, so fragen auch wir uns manchmal, ob das was wir tun richtig ist, oder wir fragen uns wieso sich andere auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.
Der berühmte Tragiker Sophokles hat diese Problemstellung in seinem Werk „Philoktet“ behandelt und diskutiert.
Zu Sophokles nur ein paar Worte: Er lebte im 5Jhd. v.Chr., war Staatsmann und hochgebildet.
Solche Politiker würde man sich heute wünschen.
Die Vorgeschichte
Die Geschichte beginnt schon etwas länger vor der eigentlichen Tragödie mit dem Tod des Herakles (Herkules). Herakles wird langsam von dem Gift des Kentauren (Halb Pferd-Halb Mensch) Nessus zerfressen. So bittet er seinen Sohn darum nicht wie ein Sterblicher sondern wie ein Gott verbrannt zu werden. Sein Sohn bringt es jedoch nicht übers Herz seinen eigenen Vater zu verbrennen. So erfüllt ihm sein bester Freund Philoktet diesen Wunsch und erhält dafür zum Dank den unfehlbaren Bogen des Herakles mit den Drachengift überzogenen Pfeilen. Zu dieser Zeit tobte der trojanische Krieg, an dem auch Philoktet teilnehmen wollte.
Auf der Schiffsreise wurde jedoch bei einer Rast auf einer Insel von einer Schlange gebissen. Dieser Biss war jedoch nicht tödlich, sondern er schuf eine ewig eiternde Wunde. Die Qualen und die damit verbundenen Schreie des Philoktet waren so laut, dass seine Gefährten ihn auf einer Insel zurückließen und zwar durch eine List des Odysseus.
In Troja angekommen und nach einigen weiteren Jahren des Kampfes erhielten die Griechen den Orakelspruch, dass nur mit dem unfehlbaren Bogen des Herakles, den jetzt Philoktet hatte, der Krieg zu gewinnen sei.
So schickten die Griechen Odysseus und den Neoptolemos des Sohn des Achilleus des Bogen zu holen.
Die Tragödie
Odysseus schwört Neoptolemos gleich darauf ein sich bloß nicht von der schrecklichen Situation des Philoktet beeindrucken zu lassen und keinesfalls Mitleid mit ihm zu haben. Ihm würden aber wenn er den Bogen beschaffen könnte eine große Belohnung und viel Ruhm und Ehre winken.
Der junge Neoptolemos lässt sich dazu verführen und verwickelt auf der Insel angekommen Philoktet in ein Gespräch und erweckt so dessen Vertrauen. Philoktet bittet daraufhin seinen Bogen mitzubeschützen, da dieser seine einzige Möglichkeit sein Nahrung zu bekommen, da er wegen seiner Wunde nicht richtig jagen könne.
Nun tritt Odysseus auf, der nicht mehr auf Neoptolemos warten wollte und reißt den Bogen an sich. Philoktet ist am Boden zerstört und ergibt sich fast in sein Schicksal, doch Neoptolemos schwenkt plötzlich um und erkennt, dass er falsch gehandelt hat. So bietet er an Philoktet mitzunehmen und in Troja heilen zu lassen. In dem nun folgenden heftigen Streit wird zwischen den dreien keine Löschung, da niemand so recht dem anderen traut.
Diese Situation wird nun für den bei Sophokles unüblichen „deus ex machina“ (=Gott aus der Maschine, ein Schauspieler erschien am oberen Teil des Bühnenbildes als Gott und löste Konflikte). Herakles löste somit als Gott den Konflikt.
Damit endet die Tragödie mit einem guten Ende und im trojanischen Krieg kamen alle drei zu höchster Ehre.
Die Botschaft des Sophokles
Im „Philoktet“ wird explizit die Frage behandelt, wie man sich richtig zu verhalten hat. Der junge Neoptolemos wird von Odysseus dazu verführt dem armen Philoktet, den seine Freunde einfach ausgesetzt haben, seine Überlebensmöglichkeit und das letzte Geschenk seines Freundes Herakles zu nehmen. Hier zeigt sich eine unglaubliche Skrupellosigkeit. Diese hat Sophokles sein ganzes Leben lang angeprangert.
Und wenn man sich die heutige Zeit so anschaut machen einfach zu viele Menschen nur das was ihnen nützt oder was sie persönlich voranbringt. Dabei kennen sie keine Schranken. Diese Entwicklung ist überall in der Gesellschaft zu bemerken, nicht nur wie die meisten jetzt wahrscheinlich denken in der Politik.
Dieser Personenkreis wird durch Odysseus symbolisiert, während Neoptolemos die Jugend die zwischen Gut und Böse wählen muss, repräsentiert. So bekommt er das verlockende Angebot zu Geld und Ruhm zu kommen, mit dem man heute sicher auch noch viel erreichen kann.
Neoptolemos lässt sich zwar zuerst überzeugen, doch im Endeffekt bricht das Gute doch in ihm durch, worin sich auch das positive Menschenbild der Griechen zeigt.
So gehört mit zur Botschaft, dass wenn alle an einem Strang ziehen es für alle ein gutes Ende gibt.
Durch diese Gesamtbotschaft ist dieses Werk, wie so viele andere aus dem antiken Griechenland zeitlos und sollte auch heute öfter gelesen werden. Vielleicht konnte ich es euch ein bisschen schmackhaft machen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-01 14:34:38 mit dem Titel DAS ENDE EINES GROßEN MANNES
Von den Sagengestalten der Antike ist Ödipus wohl eine der berühmtesten. So ist sein legendäres Leben bis heute in der Literatur aktuell.
Der antike Tragiker Sophokles beschrieb sein Leben in insgesamt 3 Tragödien („König Ödipus“, „Ödipus auf Kolonos“ und „Antigone“) beschrieben.
Damit auch diejenigen, die sich mit dem Leben des Ödipus nicht gut auskennen, etwas von diesem Bericht haben, hier erst einmal eine kleine Vorgeschichte.
Die Vorgeschichte
Laios, der König Thebens, erhält aus Delphi (Orakel des Apollon) den Orakelspruch, dass wenn er einen Sohn bekommt, dieser ihn töten werde und seine Mutter heiraten würde. Daraufhin setzt Laios seinen Sohn im Gebirge mit zerstochen Fersen aus, damit dieser dort ums Leben komme.
Das Kind wird jedoch von einem Hirten aufgenommen und an den Königshof von Korinth gebracht. Dort wird es von der Königsfamilie, die kinderlos ist, als ihr eigenes Kind groß gezogen. Wegen seiner Schwellfüße wird Ödipus genannt.
Ödipus verlebt in der Folgezeit eine äußerst glückliche Kindheit bis auf einem großen Fest in Korinth ein Betrunkener ihm erzählt, dass er nicht der richtige Sohn des korinthischen Königspaares sei. Getrieben von dieser Ungewissheit, zieht Ödipus zum Orakel nach Delphi, um durch einen Orakelspruch seine wahre Herkunft zu entdecken. In Delphi erhält er jedoch die niederschmetternde Antwort, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde. Da er jedoch immer noch glaubt, dass seine Eltern in Korinth sind, flieht er und begibt sich auf eine lange Wanderschaft.
An einem Gebirgspass kommt es dann zu einer verhängnisvollen Begegnung mit seinem Vater Laios, der versucht Ödipus mit seinem Wagen abzudrängen. In Notwehr erschlägt Ödipus seinen Vater und dessen Begleiter.
Nun kommt er schließlich nach Theben in die Stadt seines Vaters, die gerade von einer Sphinx bedroht wird. Diese tötete nämlich jeden, der ihr Rätsel nicht lösen konnte. Ödipus schafft dies und befreit damit die Stadt. Als Dank wird er der neue König und bekommt die Königin, seine Mutter, zur Frau. Zusammen bekommen sie vier Kinder Antigone, Ismene, Polyneikes und Etheokles.
Als nun jedoch eine Pest in Theben wütet und diese nur besiegt werden kann, wenn der Mörder des Laios gefunden wird, kommt Ödipus hinter das schreckliche Geheimnis. In Folge dessen sticht er sich die Augen aus und lebt, geführt von seiner Tochter Antigone, in Verbannung.
Hier setzt nun Sophokles mit seiner Tragödie „Ödipus aus Kolonos“ ein.
Die Tragödie
Ödipus merkt das sein Leben allmählich zu Ende geht und bemüht sich darum vielleicht doch noch in seiner Heimatstadt bestattet zu werden. Doch zuerst muss er in Kolonos, einem heiligen Randbezirk Athens Rast machen. Die dortige Bevölkerung erschreckt sich jedoch vor diesem verfluchten Mann und will dazu bewegen wieder zu gehen. Ödipus bittet sie jedoch darum, dass sie für ihn den athenischen König Theseus rufen.
Theseus, der gerade in der Nähe opfert, kommt auch sogleich herbei und gewährt Ödipus Bleiberecht und vor allem auch Schutz. Ferner bietet er ihm an, dass Ödipus in Kolonos bestattet werden solle, da er weiß, dass auf Grund des Fluches von Apollon Ödipus niemals in Theben bestattet werden kann.
Nachdem sich Theseus wieder entfernt hat, tritt nun Kreon, der Berater des momentanen thebanischen König Etheokles, auf. Er will Ödipus zur Rückkehr nach Theben zwingen, da um die Stadt hart gekämpft wird (nachzulesen in Aischylos „Sieben gegen Theben“, dazu habe ich auch schon einen Bericht verfasst). Und nur der, der Ödipus auf seiner Seite hätte, könnte diesen Krieg gewinnen. Ödipus weigert sich entschieden Kreon zu folgen, der dann versucht in mit Waffengewalt zu zwingen. Doch nun kommt Theseus, der Ödipus auch Schutz versprochen, herbeigeeilt und weist Kreon in seine Schranken. Als Kreon ihm nicht folgt, lässt er ihn aus Athen verbannen und verdammt sein frevelhaftes Verhalten.
Nun tritt noch Polyneikes, Ödipus Sohn, der gegen Etheokles um die Herrschaft in Theben kämpft, vor seinen Vater und bittet ihn ebenfalls um Unterstützung. Doch auch ihn weist Ödipus und verflucht ihn wegen seinem schändlichen Verhalten die Heimatstadt anzugreifen.
Nun stirbt Ödipus in einer Höhle und wird zum Heros (Schutzheiligen) von Kolonos und damit von ganz Athen.
Die Wirkung
Kernstück des „Ödipus auf Kolonos“ ist die Darstellung der perfekten Staatsmannes. Diese Position nimmt der legendäre Theseus ein, der zum einen als Stadtgründer Athens gilt und zum anderen die Stadt vor dem Minotaurus bewahrt hat.
Theseus wird in der gesamten Tragödie als demütig, bescheiden, durchsetzungsstark und tugendhaft charakterisiert.
Dem gegenüber steht der schändliche Kreon, der sich über jedes Recht und Gesetzt hinwegsetzt.
Hier sind zwei für die Deutung wichtige Aspekte im zeitlichen Hintergrund zu finden. Zu dieser Zeit war Theben die Hegemonialmacht Griechenlands und hat auch schon die Mauern Athens schleifen lassen. Dieses Verhalten wird hier von Sophokles, der selbst lange Jahre in der Politik war, kritisiert. Im gleichen Atemzug verweist er jedoch darauf, dass es völlig legitim sei, dass jede Stadt versucht so mächtig wie möglich zu sein.
So lehrt uns diese Tragödie zum einen wie der richtige Herrscher sich zu verhalten hat und vor allem aber lehrt sie uns auch vom Wert des Menschen. Denn selbst dem verfluchten Ödipus darf ein guter Mensch die Hilfe nicht verweigern. So muss man auch über Ängste hinwegsehen und sich vor allem nicht von anderen bedrängen lassen.
So ist diese Tragödie ein weiteres Meisterstück des Sophokles und ich kann sie euch auch ans Herz legen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-02 14:43:35 mit dem Titel ERKENNE DICH SELBST
Die Pest tobt im antiken Theben und rafft eine ganze Stadt nieder. Die vollkommen verängstigte Bevölkerung zieht vor den Palast ihres Herrschers, den großen Ödipus.
So lautet die jetzige Situation, die über der Stadt Theben liegt. Doch was viele nicht wissen bewegt sich vernichtend und unaufhaltsam auf die Stadt zu. Denn niemand kennt den Grund der Pest, die nach Meinung der Priester vom delphischen Gott Apollon geschickt worden sein soll.
Eine Vorgeschichte brauche ich euch hier nicht aufzuführen, da die ganze Geschichte im Verlauf des Dramas aufgedeckt wird.
Als nun die verängstigten Menschen vor den Palast ihres Herrschers ziehen und ihm ihre Not unterbreiten, verspricht er ihnen sofort zu reagieren und alles Menschen mögliche zu tun, um sie von der Pest zu befreien. So hat er bereits Tage zuvor seinen Schwager Kreon zum Orakel nach Delphi geschickt, damit dieser dort die Lösung des Problems erfahren sollte.
Als Kreon dann endlich vor Ödipus tritt, verkündet er, dass man den Mörder des Laios finden müsse und ihn dann töten oder außer Landes weisen müsse.
Nun erfährt Ödipus, dass Laios vor ihm der König von Theben war, der dann jedoch angeblich von Räubern erschlagen wurde. Ödipus, der zur derselben Zeit nach Theben kam, wurde dann, nachdem er das Rätsel der Sphinx gelöst hatte, der neuen König Thebens und heiratete die Königin Iokaste.
Der Mord an Laios wurde jedoch nie aufgeklärt, da die Stadt Theben mit der Sphinx, die alle die ihr Rätsel nicht lösen konnten, in einen Abgrund warf.
Ödipus verkündet nun, dass man den Schuldigen sofort finden müsse und niemand diesen schützen oder verstecken dürfe, da ihm sonst dasselbe Schicksal blühe.
Da sich niemand meldet, wird der erfahrene Seher Teiresias gerufen, der bei der Aufklärung des Falles helfen soll. Teiresias möchte jedoch nichts dazu sagen und will die Stadt sofort wieder verlassen. So beginnt ein Streit, der immer weiter hoch kocht, bis Teiresias schließlich mit der Wahrheit herausrückt und Ödipus offenbart, dass Ödipus selbst der Mörder von Laios sei. Ödipus glaubt ihm natürlich überhaupt nichts im Streit. Doch als Teiresias noch weiter redet und sagt Ödipus habe seine eigene Mutter geheiratet und sei der Bruder seiner Kinder, platzt Ödipus komplett der Kragen und er will Teiresias wegen Verleumdung aus der Stadt werfen lassen, doch dann stockt er und kommt nach längerer Überlegung zu dem Schluss, dass eine Verschwörung im Gange ist und nur sein Schwager Kreon dahinter stecken könne, da schließlich auch er ihm geraten hatte Teiresias herzuholen.
Er stellt Kreon zur Rede, doch der streitet alles ab. Als dann noch Ödipus Frau Iokaste einschreitet ist der Streit geschlichtet.
Ödipus ist doch etwas misstrauisch geworden, ob er nicht doch der Täter sein könnte und berichtet seiner Frau, dass seine Herkunft nicht ganz klar ist und er einen Orakelspruch erhalten habe, dass er seinen Vater töten werde und seine Mutter heiraten würde. Aus diesem Grunde sei er auch aus seiner vermeintlichen Heimatstadt Korinth geflohen. Doch mitten in diese Überlegungen stürzt nun ein Bote, der vom Tod des Korinthischen König berichtet. Dies erleichtert Ödipus, da er ihn trotz seiner Zweifel immer noch für seinen Vater hält.
Plötzlich berichtet der Chor, der aus den ältesten Thebaner besteht, von einem Boten, der damals bei dem Mord des Laios dabei gewesen war und überlebt hat. Dieser sei auch schon auf dem Wege zum Palast.
Als der alte Bote angekommen ist, berichtet er, dass Laios von einem einzigen Wanderer an einem Bergpass erschlagen wurde. Ödipus schwant Schlimmes, denn er selbst hatte in Notwehr an einem Bergpass einige Männer erschlagen. Als dann der Bote auch noch berichtet, dass er vor langer Zeit ein Kind aussetzen sollte, dass wegen eines Orakelspruchs die Macht des Königs bedrohte und sogar der Sohn des Königs selbst war, dass er dann nach Korinth gebracht hatte, bricht Ödipus zusammen und rennt in den Palast. Iokaste folgt ihm.
Wegen der großen Schande erhängt sich Iokaste in ihren Gemächern. Als Ödipus dies sieht sticht er sich die Augen aus und will das Land verlassen, doch Kreon sagt sein Schicksal läge in der Hand Apollons.
Interpretation
In der Mitte des Werkes steht die Frage der Gerechtigkeit, die sich eigentlich jeder selbst beantworten muss. Ist Ödipus schuldig am Mord an seinem Vater oder war es Notwehr oder „göttliche Bestimmung“? Was ich aus meiner Sicht klar sagen kann, ist, dass er in Notwehr gehandelt, da Laios ihn nachdem er ihn einmal verdrängt hat, an einem Bergpass ein zweites Mal verdrängen wollte, Ödipus sich dort aber wehren konnte, denn sonst wäre er abgestürzt.
So werden es wohl auch die meisten Griechen damals gesehen haben, deshalb kann davon ausgehen, dass Sophokles die große Gerechtigkeit diskutieren wollte. Hätte Laios nicht den Orakelspruch des Apollon missachtet, wäre es zu all diesen schrecklichen Ereignissen nie gekommen. Demnach muss die gnadenlose Gerechtigkeit, die hier nach grausamen Naturgesetzen verfährt, auf den einzelnen nicht achtet und nur ein allgemeines Recht durchsetzen will, Ödipus vernichten, obwohl es für ihn überhaupt nie einen Ausweg gab.
Mit diesem Gerechtigkeitsverständnis habe ich persönlich starke Probleme, da das einfach nicht gerecht ist.
Dieser Punkt darf jedoch nicht separat gesehen werden, sondern muss in den zeitlichen Kontext und die damaligen geistlichen Strömungen eingeordnet werden.
Zu dieser Zeit wandten sich immer mehr von der alten Volksreligion mit Zeus, Apollon, Hera usw, ab, die zum Beispiel in Homers Epen beschrieben werden. Besonders die Sophisten, die heute eher negativ dargestellt werden, da man ihnen Käuflichkeit und Morallosigkeit vorwirft, standen an der Spitze der griechischen Aufklärung, vergleichbar mit der Aufklärung im Europa der Früh-Moderne. Aus dieser Richtung stammt der homo-mensura-Satz des Protagoras, der besagte, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, also eine totale Abkehr von äußeren Einflüssen und damit von allen anderen Gottesbildern.
So muss man diesen Gerechtigkeitsbegriff im „König Ödipus“ mit dieser Geistesströmung übereinanderlegen und bemerkt, dass der Gerchtigkeitsbegriff nicht die Meinung des Sophokles widerspiegelt, sondern eindringlich daraufhinweist, dass es nun einmal Mächte gibt die der Mensch nicht beeinflussen und steuern kann. Der Mensch kann sogar von diesen Mächten dominiert werden.
Ödipus ist einer dieser Menschen, die glauben sie könnten alles. Diese Hybris (Hochmut) wird von Sophokles durch diverse Übertreibungen und Ausschmückungen innerhalb seiner Reden stark hervorgehoben. Diese sprachlichen Feinheiten, die für das Verständnis des Werkes überaus wichtig sind, werden leider in den meisten Übersetzungen unterdrückt und einfach herausgelassen. Mein Vorteil war, dass ich dieses Werk im griechischen Original gelesen habe, was eben nicht jeder machen kann und auch nicht jeder machen will.
So muss der hochmütige Ödipus, der mit seinem Verhalten die Götter in Frage stellt, fallen, da dies nicht geduldet werden kann.
Das schlimmste daran ist, dass Ödipus durch seinen Scharfsinn sich sogar selbst enttarnen und sich selbst erkennen muss.
Das Werk ist neben dieser geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzung eine Fundgrube für politischen Denken und gesellschaftliches Verhalten, was vom heutigen nur marginal unterscheidet.
So kann ich jedem diese Lektüre nur empfehlen und freue mich über zahlreiche Kommentare.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 13:46:20 mit dem Titel DIE EINHEIT DER GEGENSÄTZE
Zehn Jahre eines grausamen Krieges haben viele Helden dahingerafft, doch Troja ist immer noch nicht gefallen. Nachdem Achilleus den Hektor, den stärksten Krieger der Trojaner getötet hat, ereilt auch ich der Tod.
Die Trojaner versuchen nun jedoch, wie es Achilleus bei Hektor getan hatte, den Leichnam in ihre Gewalt zu bekommen. Dies wird jedoch von Aias, den Homer in der Ilias als größten Kämpfer bezeichnet und der die vorzeitige Niederlage der Griechen mehrfach abwenden konnte, und Odysseus, dessen Irrfahrten das Thema der Odyssee ist, durch großen Heldenmut verhindern.
Nach altem Brauch soll nun einer von beiden die Waffen des Achilleus erhalten, die Hephaistos der Gott der Schmiedekunst für ihn angefertigt hatte.
Dies soll durch einen Wettkampf gelöst werden, da jedoch Aias Odysseus im Kampfe überlegen ist, erreicht Odysseus, dass der Wettkampf im Bereich der Rhetorik stattfinden soll.
Diesen Wettkampf kann natürlich der schlaue Odysseus für sich entscheiden.
Aias fühlt sich betrogen und wird zum Spielball der Göttin Athene, da Aias zwar ein frommer Mann war, jedoch lieber auf seine eigenen Fähigkeiten vertraute und die Hilfe der Götter schon oft zurückgewiesen hatte.
Athene stürzt ihn nun in den Wahnsinn, worauf Aias die Schafsherde für das Herr der Argeier hält, zu dem seine Feinde Odysseus und Agamemnon gehören. Er wütet nun fürchterlich und peitscht den Widder, den er für Odysseus hält, brutal aus.
Nun setzt der große Tragiker Sophokles mit seinem wohl ältesten der erhaltenen Stücke ein.
Den Inhalt diesen teilweise sehr archaischen Stückes möchte ich euch nun kurz wiedergeben.
Der Inhalt
Aias ist zu Beginn des Stückes noch in seiner Hütte und foltert den Widder, den er für Odysseus hält. Nun betritt die Göttin Athene mit ihrem Schützling Odysseus die Bühne und führt ihm Aias in seinem Wahnsinn vor. Athene ist sehr belustigt, doch Odysseus ist über die Tat der Göttin schockiert und möchte so schnell wie möglich diesen Ort verlassen, was er daraufhin auch ausführt.
Während dessen treibt sich das Gerücht herum, das Aias etwas furchtbares getan habe. Seine Gefährten wollen ihn nun aufsuchen, treffen jedoch nur seine Frau Tekmessa an. Mit ihrer Hilfe erfahren sie alles und wollen so schnell wie möglich mit Aias fliehen, da ihm für sein Handeln schlimmste Strafen drohen.
Nun tritt Aias aus der Hütte und kommt wieder zur Besinnung und bemerkt was geschehen ist. In seiner nun folgenden Rede spricht er sehr verklausuliert, was dazu führt, dass seine Frau und auch seine Gefährten glauben alles sei in bester Ordnung. In Wahrheit hat Aias schon den Entschluss gefasst sich das Leben zu nehmen. Als letztes trägt er seinen Gefährten noch auf, seinem Halbbruder Teukros, der zu den besten Bogenschützen der Griechen gehört, zu sagen, er solle sich um seine Frau und seinen Sohn kümmern.
Teukros hat unterdessen schon von den Gerüchten um Aias getan und erhält einen Orakelspruch, dass er seinen Bruder heute beschützen müsse, da er nur noch heute unter dem Fluch der Götter läge. Ein Bote, den er schickt, kommt jedoch zu spät, denn Aias ist verschwunden. Eine Suche ist erfolglos.
An einem abgelegenen Strand steckt Aias, das Schwert, das er von Hektor dem Trojaner erhalten hatte, in den Sand und stürzt sich nach einem Abschlussmonolog, die sogenannte Trugrede in sein Schwert.
Kurz darauf wird der Leichnam gefunden und soll von Teukros begraben werden. Doch einer der Heerführer Menelaos will dies verhindern, doch Teukros bleibt hart, da er seinem Bruder diese letzte Ehre nicht verwehren will.
Nun will der König von Argos Agamemnon, der die Griechen anführt, den Befehl erlassen, dass Aias unter keinen Umständen bestattet werden darf, doch nun greift Odysseus ein. Er überzeugt Agamemnon und verweist auf das göttliche Recht, auf die Taten des Aias und die Verantwortung vor den Menschen. Agamemnon ist völlig überrumpelt und gibt nach.
Überglücklich beginnt nun Teukros mit der Bestattung seines Halbbruders Aias.
Interpretation
Wie in der Dramenforschung schon oft festgestellt wurde, handelt es sich zweifelsohne bei dem Stück „Aias“ um ein Problemstück. Im „Aias“ werden unheimlich viele Fragenstellungen der antiken Zeit angesprochen. Ferner weisen viele Sätze in die in andere Bereiche, wie zum Beispiel in die Geschichtsschreibung, was ich aber am Ende nur kurz anschneiden werde.
Vom Aufbau her ist das Stück offensichtlich zweigeteilt, was man am für die griechische Tragödie selten Szenenwechsel deutlich merkt.
Im ersten Teil wird die Tat und das Leiden des Aias thematisiert. Während der zweite Teil die Frage der Bestattung diskutiert.
Allein schon der Ausgangspunkt birgt einige Fragen. Aias ist nur nach Troja gekommen, da er dem Vater der Helena, deren Entführung der Grund für den trojanischen Krieg war, einen Eid zum Schutze der Ehe geleistet hat und nicht, da er dem Hegemonialherrscher der Griechen Agamemnon gefolgt ist. Somit kam er als freier Mann und nicht als Untertan, obwohl er vom Stande tiefer ist, doch er stützt sich auf seine eigene Kraft und nicht auf die Herkunft.
Als er dann der List des Odysseus zum Opfer fällt, kann er seine eigene Kraft nicht mehr kontrollieren und wird zum Spielball der Athene.
Hier liegt etwas begraben, was noch heute den Menschen bestimmt. Das Verhältnis zwischen dem eigenen Handeln und den äußeren Einflüssen, und in wie weit man frei von ihnen ist. Heraklit hat dies in der Antike schon die Frage der „Einheit der Gegensätze“ genannt. So muss der beste Mensch diese Einheit auch am besten vollziehen, wobei jeder im Tode diese Gegensätze entgültig vereint.
Aias bemerkt, dass er in dieser von schlechten Mächten bestimmten Welt nicht mehr existieren kann, wenn er sich ihr nicht beugt, doch dieser Mann will sich nicht beugen und antwortet mit der totalen Entsagung von der Welt, nämlich mit dem Selbstmord.
Soweit ging auch die Überlieferung des trojanischen Krieges, doch nun dreht Sophokles die Handlung im zweiten Teil in eine andere Richtung. Zwar besteht der Standeskampf weiter, was in den Rededuellen zwischen Teukros und Menelaos zu sehen ist, doch Hauptfigur wird nun der vielgescholtene Odysseus.
Sein Verhalten erhebt ihn und zeigt seinen guten Charakter und sein Vereinbarung der „Einheit der Gegensätze“. Sophokles hat hier eine deutliche Botschaft versteckt, die zum Leben in der Leistungsgesellschaft des demokratische Athens passte. Jeder muss mit seinen Fähigkeiten das Bestmögliche schaffen, dabei darf er jedoch auch den größten Feinden die Ehre nicht verweigern und anständig bleiben. Die Person des Odysseus ist ein besonders guter Träger dieser Botschaft, da er in der Überlieferung eher schlechter dargestellt wurde und Veränderungen in der Darstellung so viel besser erkannt werden konnten.
Neben diesen Dingen möchte in besonders noch einmal die Trugrede des Aias vor seinem Selbstmord hervorheben. Hier liegt das Geschichtsverständnis der griechischen und damit auch westlichen Welt begraben. So sagt Aias, dass die lange unmessbare Zeit alles was unklar ist hervorbringt, während alles, was sich offenbart hat, wieder verborgen wird. Nichts ist von Dauer. Von diesem Satz ist auch das große Werk des Herodot geprägt, das ich nur jedem empfehlen kann.
Fazit
Neben den Standesgegensätzen der griechischen Zeit kann man aus dem Aias viele Aspekte mit in unsere heutige „moderne“ Zeit übernehmen. So bestimmt die Frage der „Einheit der Gegensätze“ bis heute unser tägliches Leben.
Ferner der Gedanke einer Leistungsgesellschaft, die auf dem Boden der Demokratie geboren wurde, wobei Sophokles klar macht, dass nicht das geschehen darf, was wir heute „Ellenbogen-Gesellschaft“ nennen.
Aus diesen Gründen kann ich euch dieses Werk mehr als empfehlen und vergebe die höchste Bewertung.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare.
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