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Erfahrungsbericht von Ingwer

"Die Stadt der Blinden" von José Saramago

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

José Saramago hat mit diesem Roman, seinem bekanntesten Wer, ein Stück Literatur geschaffen, dass sowohl philosphisch als auch psychologisch und soziologisch den Menschen in der Gesellschaft betrachtet. Dieses Buch ist mehr als ein bloßer Zeitvertreib; es zu lesen, bedeutet nicht, sich bloß unterhalten zu lassen.

Zuerst einmal ein bisschen zu Story-
um nicht zuviel zu verraten, der Klappentext:

"Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Autos bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden. Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbrauch gelingen..."



Infizierte Blinde werden also in eine leerstehende Irrenanstalt eingesperrt- und unter menschenunwürdigen Umständen dort untergebracht. Denn bald schon wird der Platz extrem knapp, da immer neue Blinde eingeliefert werden, während die Essensrationen weitgehend gleichbleiben und die Schlafsäle bald schon hoffnungslos überbelegt sind. Einzig und allein eine einzige Frau kann sehen- was allerdings zunächst nur ihr Mann weiß. Die konzentrierte Aufmerksamkeit des Erzählers liegt fokussiert auf dem Personenkreis, der diese Frau umgibt. Diese Personen führen als Haputdarsteller durch die Geschichte.
In der Irrendanstalt wirde die Situation der Blinden immer auswegloser- und wie immer in solchen Situationen siegt der Egoismus und Überlebenswille des Menschen. Das Recht der Evolution "Der Stärkere siegt". Sozialdarwinismus pur.
Bald schon leben die eingesperrten Blinden nicht mehr friedlich zusammen- gab es anfangs kleine Streitigkeiten über Essensverteilungen kommt es bald schon zu Erpressung, Vergewaltigung und Mord.
All dies wird mithilfe der sehenden Frau beschrieben, die offenen Augens mitten innerhalb dieses Infernos ist, und nicht mehr weiß, ob sie nicht auch lieber die Augen für immer schließen können möchte.

Irgendwann gelingt der Ausbruch aus der Anstalt- und die Gewissheit folgt, dass die ganze Stadt, wenn nicht sogar das ganze Land oder die ganze Welt, erblindet ist. Die chaotischen Zustände herrschen fort.

Der Mensch ist nicht mehr Mensch, sondern nur noch bloßer Trieb auf der Suche nach Befriedigung. Hunger muss gestillt werden, koste es, was es wolle. Und die verwüstete Gesellschaft findet keine Möglichkeiten mehr, Kontrolle herzustellen. Im Extremfall sind eben alle Institutionen machtlos.

Rein aussagemäßig kann man dieses Buch vielleicht mit Albert Camus' "Die Pest" vergleichen, obwohl "Die Stadt der Blinden" vielleicht nicht ganz so tiefschürfend ist.



Sprachliche Gestaltung:
Zur Sprache des Autors ist zu sagen, dass er ohne große Emotionalität und wenn, dann nur durch die Augen der sehenden Frau alles recht deskriptiv darstellt. Obwohl die Sprache recht nüchtern in ihrer Aussage ist, ist das Buch stellenweise doch recht anstrengend zu lesen: Saramago verwendet mit Vorliebe lange vertrickte Satzgefüge, spart nicht mit Kommata.
Ein wenig unübersichtlich ist auch, dass keine Anführungszeichen verwendet werden, es also schwierig zu übersehen ist, wer wann spricht.


Mein persönliches Fazit:
Alles in allem ist dieses Buch sehr empfehlenswert, besonders für "Geisteswissenschaftler", die sich Gedanken über sich, die Gesellschaft und den Menscen im allgemeinen machen möchten. Philosophische Antropologie in Reinform.


Originalausgabe:
Die Originalausgabe des Buches erschien 1995 unter dem Titel "Ensaio sobre a Cegueira" bei Editoral Caminho, Lissabon.

Deutsche Ausgabe:
Veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuchverlag im April 1999.

Preis:
16,90DM

ISBN:
3-499-22467-4

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