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Erfahrungsbericht von leser@tte

Schattschneider, Peter / Zeitstopp: SCIENCE Fiction

Pro:

sehr bildhafte, mystische Schilderung

Kontra:

teils schwer zu verstehende Anspielungen

Empfehlung:

Nein

Zeitstopp gehört für mich zu den kleinen Schätzen meiner Büchersammlung. Es handelt sich dabei um eine Sammlung der 10 Science Fiction Kurzgeschichten:

• Das Whiskysyndrom
• Superzyte
• Zeitstopp
• Baustein Null
• Rechtsbrecher
• Banana Streams
• Das wirtschaftlichste aller Systeme
• Liebe ist ein Molekül
• Ein traumhafter Erfolg
• Universum Omega

Der Autor Peter Schattschneider wurde 1950 in Wien geboren, wo er auch Physik studierte und heute einen Lehrstuhl inne hat. Neben seiner Forschung in der Transmissionselektronenmikroskopie beschäftigt er sich nach eigenen Angaben in seiner Freizeit überwiegend damit zu reisen, guten Wein zu trinken und SF Geschichten zu schreiben. Vorlieben, die ich durchaus nachvollziehen kann. 1993 und 1995 wurde er mit dem Kurd-Lasswitz-Preis für die beste deutschsprachige SF-Kurzgeschichte ausgezeichnet.

Die Geschichte, welche mich am meisten fasziniert hat, war wohl Das Whiskysyndrom, auch wenn sie mit 66 Seiten für eine Kurzgeschichte schon etwas lang geraten ist. Darin beschreibt Schattschneider in einer Art Tagebuchform die Geschichte eines Handels zwischen der Erde und einem von Menschen besiedelten Planeten der um den Stern Ross 614 kreist. Die Geschichte beginnt im Jahre 2980 damit, daß ein Handelsschiff mit Weizen in Richtung Erde auf den Weg geschickt werden soll.

Die Raumfahrt findet nicht wie in heutigen Star Trek Folgen mit Warp Antrieben statt, sondern in Raumschiffen, die auf Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit beschleunigen. Die damit verbundenen Effekte der Zeitdilatation werden sehr schön dargestellt. So altern die Astronauten relativ zu den Planetenbewohnern recht langsam und verlieren nach mehreren Reisen alle Bekannten.

Neben den physikalischen Problemen spielen hier aber auch noch wirtschaftliche Faktoren eine große Rolle. So stellt es ein großes Problem dar, daß das Angebot und vor allem die Nachfrage während der langen Raumflüge natürlich wechseln können. Als der Weizen also nach Jahren ankommt besteht eher Bedarf an alkoholischen Getränken. Die Raumfahrer nehmen auf dem Rückflug dann auch lieber Destillerien als die geforderten Landwirtschaftlichen Maschinen mit. Eine Entwicklung, die sich im Laufe der Geschichte zur Katastrophe aufschaukelt...


Desweiterem findet sich in der Geschichte Rechtsbrecher die erste SF Veröffentlichung des Autors in diesem Band.

Bei der Titelstory Zeitstopp handelt es sich um eine Geschichte um eine Droge, welche das Zeitempfinden verlangsamt. Vielleicht gebe ich hier einfach mal eine Leseprobe, die auf dem Buchrücken zu finden ist:

Mit einemmal sah er nur noch Atome und Moleküle, die keinen Bezug zueinander hatten. Nichts veränderte sich. Die Naturgesetze zerfielen, weil es in der Zeitlosigkeit nichts gab, das sie beschreiben konnten, und mit ihnen zerfielen die Objekte. Bäume, Sträucher, das verdorrte Gras, Erde und Gestein, selbst die Sonne und der in der Luft erstarrte Vogel: Alles verlor sich in Bedeutungslosigkeit.

Auch wenn ich jetzt nicht auf jede Geschichte im einzelnen eingehen möchte, kann ich doch sagen, daß das Buch für mich alles andere als bedeutungslos ist. Es verbindet zwei meiner Interessen, Naturwissenschaft und phantastische Literatur auf sehr unterhaltsame Weise.


DATEN

Peter Schattschneider ZEITSTOPP
Suhrkamp Phantastische Bibliothek Band 76
ISBN 3-518-37319-6
230 Seiten Paperback
Preis: 9,00 DM

Neben Schattschneiders Kurzgeschichtensammlung Zeitstopp ist bei Suhrkamp ebenfalls der Science Fiction Roman Singularitäten erschienen.


FAZIT

Hier findet sich Science Fiction, die diesen Namen auch verdient. Wissenschaft und die Fiktion darüber hinaus zu spekulieren. Ein Buch, das mich bestimmt in meinem Entschluß Physik zu studieren bestärkt, mir aber auch abgesehen davon nette Unterhaltung beschert hat.

Jedem mit Spaß an Science Fiction mit starkem Hang zur Science kann ich hier nur raten hier zuzugreifen.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-23 14:33:41 mit dem Titel Strugatzki, Arkadi & Boris / Die zweite Invasion der Marsianer 

Die schleichende Invasion...

Die zweite Invasion der Marsianer hat mich sehr positiv überrascht, weil es mal ein Buch der Strugatzkis ist, von dem ich denke, daß ich es auch verstanden habe.


Die Story:

Bei dem Buch handelt es sich um das fiktive Tagebuch des ehemaligen Lehrers Apollo, der eines Nachts von einer Explosion geweckt wird. Von offizieller Seite wird diese zunächst dementiert und später mit einem Militärmanöver erklärt. Rasch tauchen Gerüchte auf, nach denen es sich um eine Invasion der Marsianer handeln soll.

Nach und nach werden einige kleine Neuerungen eingeführt: narkotisierende Medikamente werden verboten, nur noch das neue blaue Getreide soll angebaut werden; für die Abgabe von Magensaft erhält man Geld und es wird angekündigt, daß die Steuern demnächst ebenfalls mit Magensaft bezahlt werden müssen. Bis auf die kleinen Veränderungen verläuft das Leben wie gehabt.

Innerhalb von zwei Wochen übernehmen die Marsianer die Regierung und schaffen eine neue Ordnung, die es den Menschen ermöglicht besser zu leben.


Über die Autoren:

Arkadie Natanovich Strugatzki (geb. 28.8.1925 in Batumi) studierte Anglistik und Japanologie an der Hochschule für Fremdsprachen in Moskau. Seit 1949 arbeitet er als Übersetzer und Lektor am Institut für Fremdsprachen.

Boris Natanovich Strugatzki (geb. 15.4.1933 in Leningrad) studierte Stellarastronomie an der mathematisch-technischen Fakultät der Universität Leningrad und ist Astronom am Observatorium Pulkovo in Leningrad.

Zusammen gelten sie als beste Autoren der gegenwärtigen sowjetischen Phantastik.


Einige weiter Veröffentlichungen in deutsche Sprache:

Es ist nicht leicht ein Gott zu sein (1964)
Der Montag beginnt am Samstag (1965)
Die Schnecke am Hang (1978)
Picknick am Wegesrand (1981)
Die gierigen Dinge des Jahrhunderts (1982)
Fluchtversuch (1983)
Der ferne Regenbogen (1983)


Daten:

Suhrkamp Taschenbuch 2381
Phantastische Bibliothek 315,
Frankfurt am Main 1994
ISBN 3-518-38881-9
128 Seiten Paperback


Was finde ich nun so nett an dem Buch?

Zum einen ist es nach dem Film Stalker und Die Schnecke am Hang für mich sehr beruhigend, daß ich einer Geschichte der Strugatzkis auch mal folgen kann ohne nachher dazusitzen und mich zu fragen, was den da gerade durch mein Hirn gerauscht ist. Dennoch werden mir auch hier sicher nicht alle Anspielungen klar, da bei der Übersetzung aus dem russischen wohl einiges verloren geht.

Die Geschichte der Invasion ist aber auch ganz eigen und (vorausgesetzt da wären Invasoren) doch in meinen Augen realistischer als das meiste, was man in der SF an Szenarien angeboten bekommt. Eine schleichende Übernahme, an die sich die Menschen kaum merklich anpassen, und ihre Selbstständigkeit und Freiheit für eine Lösung der dringlichen Probleme wie z.B. den Hunger eintauschen ist halt mal was anderes als Laserstrahlen und Raketen.

Sehr interessant ist es auch das Buch mal mit der Revolution zur Wiedervereinigung in Deutschland zu vergleichen, aber ich will ja nun auch nicht alles vorwegnehmen.

Nein, eigentlich wollte ich nur sagen, daß Buch lohnt sich zu lesen!

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-23 15:16:14 mit dem Titel Strugatzki, Arkadi & Boris / Die Schnecke am Hang

Sisyphos-Schnecke?

Nach dem ich den Film Stalker gesehen hatte, der auf einem Buch der Strugatzkis (Picknick am Wegesrand) beruht war ich neugierig mehr von den russischen Brüdern zu lesen, welche ihre phantastischen Romane meines Wissens immer gemeinsam schreiben. Als ich beim Stöbern in meinem Lieblingsbuchladen auf Die Schnecke am Hang stieß habe ich also nicht lange gezögert und den Roman für meinen Urlaubslesekoffer gekauft.

Die Schnecke am Hang besteht aus zwei Teilen, die in der Sowjetunion nur getrennt publiziert und in meiner Suhrkamp Ausgabe zum ersten Mal in der ursprünglich geplanten Form veröffentlicht vorliegt. Die Kapitel wechseln zwischen den Erzählperspektiven von Pfeffer, welcher in der Kafkaesken VERWALTUNG arbeitet, die den WALD erforscht, und dem Blickwinkel Kandits, eines Piloten, der im WALD abgestürzt ist und versucht nach Hause zu kommen.

In beiden Fällen spiegeln sich viele Parallelen, wobei Pfeffer verzweifelt versucht in den WALD hereinzukommen und Kandit ebenso erfolglos versucht seinen Weg heraus zu finden. Möglicherweise bezieht sich der Titel auch auf eine Schnecke, die mir bisher nur aus dem Mathematikunterich bekannt ist und vielleicht mit Sisyphos zu vergleichen ist, weil sie Tags eine Wand hinauf klettert und Nachts wieder herunter rutscht. Ebenso muten die Bemühungen von Pfeiffer und Kandit an ihr Ziel zu erreichen. Dies ist aber lediglich eine Vermutung, den so wie der Titel bleibt mir vieles in dem Roman schleierhaft.

Die Pfeffer Kapitel erinnern stark an Kafka und oft ist mir nicht ganz klar, was wirklich passiert und was lediglich in der Phantasie von Pfeffer passiert. Der Bürokratische Apparat der VERWALTUNG scheint wohl an die russische Planwirtschaft angelehnt, was auch einer der Gründe dafür sein dürfte, daß das Buch in der Sowjetunion nur getrennt erschien. Der WALD ist noch schwerer zu interpretieren. Laut Nachwort ist eine Metapher für die ganze Welt. Pfeffer ist zu fern und sieht zu wenig um zu begreifen und Kandit ist zu nah. Während das Fehlen von Informationen eine graue Welt der Vermutungen hervorbringt führt im Gegensatz die Informationsflut zu einer Überflutung mit Farben, Formen und Gerüchen.

Auch wenn ich von der Geschichte nur die grobe Rahmenhandlung wiedergeben kann und Schwierigkeiten habe manche Szenen zu verstehen lebt sie doch von der phantastischen, ausschmückenden Sprache der Autoren und wirkt sehr mystisch und geheimnisvoll. Ähnlich wie bei Stalker war ich nach dem Buch fasziniert, obwohl ich das Gefühl habe vieles nicht verstanden zu haben.

Meine Suhrkamp Ausgabe bietet hier jedoch einige Hilfestellung, da ein langes Nachwort von Darko Suvin sich zum einen mit der Entwicklung der erzählenden Prosa der Brüder Strugatzki im allgemeinen und Der Schnecke am Hang im speziellen auseinander setzt. Der Roman wird als die legitime Fortsetzung der Gogolschen Ader in der russischen Literatur und der der großen sowjetischen Tradition von Ilf-Petrow oder Olescha angesiedelt. Zudem findet eine Verschmelzung mit Kafka, Lem und Swift statt, die den Roman zu einem surrealem Wortkunstwerk machen.


Über die Autoren:

Arkadie Natanovich Strugatzki (geb. 28.8.1925 in Batumi) studierte Anglistik und Japanologie an der Hochschule für Fremdsprachen in Moskau. Seit 1949 arbeitet er als Übersetzer und Lektor am Institut für Fremdsprachen.

Boris Natanovich Strugatzki (geb. 15.4.1933 in Leningrad) studierte Stellarastronomie an der mathematisch-technischen Fakultät der Universität Leningrad und ist Astronom am Observatorium Pulkovo in Leningrad.

Zusammen gelten sie als beste Autoren der gegenwärtigen sowjetischen Phantastik.


Einige weiter Veröffentlichungen in deutsche Sprache:

Es ist nicht leicht ein Gott zu sein (1964)
Der Montag beginnt am Samstag (1965)
Picknick am Wegesrand (1981)
Die gierigen Dinge des Jahrhunderts (1982)
Fluchtversuch (1983)
Der ferne Regenbogen (1983)


Daten:

ISBN 3-518-36934-2
Suhrkamp Phantastische Bibliothek Band 13
Paperback, 277 Seiten
Preis: 14 DM


Fazit:

Irgendwie habe ich nach dem Buch das Gefühl genauso schlau wie vorher zu sein. Aber ich bin auch weiterhin genauso neugierig wie vorher und werde mir sicher bei Gelegenheit weitere Werke der Strugatzki Brüder zu Gemüte führen.

Auch wenn man (wie ich) nicht den Durchblick bei russischer Literatur hat und nicht alle Anspielungen versteht handelt es sich doch um einen wahrhaft phantastischen Roman. Zum Lesen empfehle ich hier aber wirklich einen ruhigen Ort um die Atmosphäre des Romans zur vollen Wirkung kommen zu lassen.

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