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Erfahrungsbericht von emmtie

Stoll,C.-Die Wüste Internet: Kritik am Internet - auch nach 7 Jahren noch stichhaltig

Pro:

Spannend und gleichzeitig informativ

Kontra:

ich hätte noch 500 Seiten mehr lesen können :-)

Empfehlung:

Nein

Ist ein Buch, das sich mit dem Internet beschäftigt und im Original schon 1995 geschrieben wurde, heute nicht absolut veraltet und lohnt sich daher das Lesen nicht mehr? Spontan werden die meisten Leser diese Frage mit ja beantworten. Denn das Internet ist ein so schnelllebiges Medium, das im Hinblick auf die Nutzung, die Möglichkeiten und die eingesetzte Technik das Jahr 1995 „internet-technisch“ fast schon „Steinzeit“ ist.

Doch ich möchte diese Frage für das hier besprochene Buch, „Die Wüste Internet“ von Clifford Stoll, (mit kleinen Einschränkungen) doch mit nein beantworten und werde dies natürlich auch begründen.

Der Autor:

Normalerweise geht man erst auf den Inhalt eines Buches ein und stellt dann den Autor, doch ich drehe diese Reihenfolge hier einmal bewusst um.
Clifford Stoll, geboren 1951, ist von Haus aus Astronom und Astrophysiker, und wurde eher durch Zufall zum Computerexperten.. Nachdem seine Stelle als Astronom wegfiel und er ein paar Computerkenntnisse hatte, wurde er 1989 alsSytemadministrator in den Lawrence Berkeley Labors in Kalifornien eingesetzt. Als er dort eine Differenz von 75 Cent in der Abbrechung der Online-Zeiten entdeckte, sah er dies als eine praktischen Einsteigsübung in Systemsicherheit und ging dieser Differenz nach. Am Ende dieser Suche war ein Jahr vergangen, er hatte er einen der größten bekannten Hacker-Angriffe, den vom KGB beauftragten Angriff deutscher Hacker auf das Pentagon, aufgedeckt und war bei der Suche zu einem der besten Experten für Systemsicherheit geworden. Und diese Geschichte hat er in seinem Buch „Kuckucksei“ fest gehalten. Für mich eines der faszinierernsten und zugleich anschaulichsten Bücher, wenn es um das Thema Sicherheit im Internet geht, weil Stoll zum einen technisch sehr genau darlegt, als Seiteneinsteiger aber noch genügen Abstand zur Computer-Szene hat, um in die übliche „Fachsülzerei“ zu verfallen und außerdem einen wunderbar unterhaltsamen Schreibstil hat. „Kuckucksei“ liest sich fast wie ein Thriller. Jeder der mit Computersicherheit zutun hat sollte es unbedingt lesen.

Das Buch:

6 Jahre nach seinem Buch über die Hacker, also im Jahr 1995, veröffentliche Stoll, der in diesen Jahren immer wieder mit dem Thema Netz-Sicherheit zutun hatte, sein nächstes Buch „Die Wüste Internet Geisterfahren auf der Datenautobahn“. Eigentlich wollte ich mir das Buch damals sofort kaufen, doch irgendwie geriet es in Vergessenheit, bis es mir vor einiger Zeit durch Zufall in einer Internet-Auktion über den Weg lief und ich nicht zögert, es trotz der in der Einleitung geäußerten Bedenken zu kaufen. Der Stil Stolls hatte mich ja schon beeindruckt und im Zweifel konnte man es ja als „historisches“ Werk lesen :-)

„Die Wüste Internet“ versammelt auf 350 Seiten kritische Überlegungen zu dem damals wie heute vehement vertretenen Thesen, das das Internet oder noch genaue die Informationtechnologie in all ihren Ausprägungen alles besser macht, Informationen allen Menschen zugänglich gemacht werden und man nun die Möglichkeit hat, weltweite Kontakte aufzubauen.

Die kritische Grundhaltung, die Stoll in diesem Buch vertritt, wird in der deutschen Übersetzung des Titels nicht so deutlich wie im Original. Denn das Buch heißt eigentlich „Silicon snake oil“. Wenn man nun weiß, das „Snake oil“, also Schlangenöl, in den USA als obskures, eigentlich wirkungsloses Heilmittel für allerlei Gebrechen gilt, das man einsetzt, wenn man keine andere Hoffnung hat, erkennt man schon im Titel seien Sarkasmus.

Da in dem Buch viele verschiedene, hauptsächlich gesellschaftliche Aspekte der Informationstechnologie hinterfragt werden, würde eine Besprechung aller Aspekte den Rahmen einer Buchbesprechung sprengen. Dies soll ja schließlich eine Anregung und keine Zusammenfassung sein. Daher greife ich nur ein paar Aspekte exemplarisch heraus:

Die Schnelllebigkeit des Internets, insbesondere der Technik, ist nach Ansicht Stolls gleichzeitig auch eine seiner Schwachstellen. Während Bücher, die vor Hunderten von Jahren geschrieben wurden, auch heute noch lesen kann, besteht bei den auf Bändern, Disketten, Platten gesicherten Daten von heute die große Gefahr, dass in 10 Jahren kein Mensch mehr zugreifen kann, da es sowohl die Hardware als auch entsprechende Software zum Lesen der Daten nicht mehr gibt. Wer kommt heute z.b. an Dokumente, die mit den ersten Mac-Textverarbeitungen geschrieben wurden noch heran. In diesem Zusammenhang bring er ein aus meiner Sicht hervorragendes Beispiel, das diese Problematik auch Nicht-Computerfreaks nahe bringt: Wir können heutzutage immer noch mit Autos, die vor Jahrzehnten gebaut wurden fahren. Die aktuellen Modelle werde aber höchstwahrscheinlich nie als Oldtimer fahren, da in ihnen so viele speziell produzierte Elektronik-Bauteile verwendet werden. Dies entwickeln sich natürlich auch weiter und da es so viele verschiedene Arten gibt, ist weder eine langfristige Lagerhaltung noch eine erneute Produktion in einigen Jahren rentabel. Wenn der Vorrat eines bestimmten Bauteils für ein bestimmtes Fahrzeug irgendwann aufgebraucht ist, beendet vielleicht ein 5-Cent-Teil das Leben dieses Modells.

Eine weitere These, die Stoll stark anzweifelt, sind die Vorteile die die weltweite Vernetzung für das Bildungswesen haben soll. Seiner Ansicht nach gehen all die Bemühungen, Schulen zu vernetzen, am Ziel vorbei. Denn ein Computer ersetzt nicht die Tatsache, das nicht nur Fakten vermittelt werden sollen, sondern auch Methoden und Lerntechniken vermittelt werden. Je mehr der Computer in den allgemeinen Unterricht Einzug hält, desto mehr weniger kann sich ein Lehrer mit seine Schülern auseinander setzen. Den Lernen bedeutet auch Diskussion, Auseinandersetzung mit anderen. Wenn schon in Grundschulen im allgemeine Unterricht Computer eingesetzt werden, wird seiner Ansicht nach viel zu viel Zeit mit dem Erlernen der Bedienungstechnik und zu wenig Zeit mit den eigentlichen Inhalten verbracht, und zwar sowohl von Schülern UND Lehrern.

Das blinde Vertrauen der Menschen in Daten, die aus dem Internet kommen, erstaunt Stoll sehr. Gerade als Wissenschaftler kann er nicht verstehe, warum sich z.B.auch Studenten bei Hausarbeiten kritiklos auf das verlassen, was eine Suchmaschine als Ergebnis liefert und es in ihre Arbeiten ohne Hinterfragen einbauen. Die Verwendung von Informationen aus dem Internet überfordert viele Menschen, da diese in keiner Form gefiltert werden. Er meint dabei noch nicht einmal Zensur, sondern eher den Nachteil das heutzutage jeder „Spinner“ im Internet eine Plattform findet und man ohne größeren Aufwand kaum Chancen hat, zu unterscheiden, was Spinnerei und was realistische Infos sind.

Das soll als Beispiel für die Themenkreise, die das Buch anscheidet, reichen. Vom Stil ist es, ähnlich wie sein Erstlingswerk, locker und amüsant geschrieben, mit witzigen Anekdoten aufgefüllt. Daher liest es sich sehr leicht und flott und wird keine Minute langweilig.


Fazit:

Natürlich sind einige der von Stoll aufgeführten Dinge in den 7 Jahren, die seit der Erstveröffentlichung vergangen sind, von der Entwicklung der Technik überholt worden und mittlerweile nicht mehr so problematisch, wie er sie damals sah. Was mich, der mittlerweile auch schon fast 20 Jahre Datenverarbeitung und Datenkommunikation betreibt, aber gleichermaßen erstaunt und fasziniert hat, ist die Tatsache, das die Grundaussage des Buches, die keinesfalls eine Ablehnung der technischen Entwicklungen und deren Nutzung vertritt, sondern einfach nur dazu auffordert, dem Hurra-Patriotismus im Hinblick auf dies nicht blind zu folgen, sondern sich kritisch damit auseinander zu setzen, die Jahre schadlos überdauert. Fast alle von Stoll aufgeführten Punkte kann man auch heute noch problemlos nachvollziehen und mit minimalen Anpassungen in der aktuellen Situation wiederfinden. Obwohl das Buch ja locker und amüsant geschrieben ist, ist es mir immer wieder passiert, dass ich innegehalten habe, und nachdenklich wurde. Auch wenn ich bei einigem die Kritik nicht ganz so scharf sehen würde wie Clifford Stoll, wird hier doch vieles auf den Punkt gebracht, das man so weder in Computerzeitschriften noch den Hochglanzprospekten der Firmen lesen wird. Nämlich die Tatsache, das Internet und die verbundenen Technologien zwar sehr praktisch und nützlich sein können, man aber wie bei allem auch durchaus Nachteile erkennen kann und sich dieser bewusst sein sollte.

Und daher kann ich die anfangs von mir gestellte Frage, ob ein Buch über das Internet nach 7 Jahren nicht total veraltet ist, für dieses spezielle Buch ganz eindeutig mit Nein beantworten. Allen, die auch man einen Blick „über den Tellerrand“ der „schönen neuen Informationswelt“ werfen wollen, sei diese Buch wärmstens empfohlen.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-14 13:32:55 mit dem Titel Singh, Simon - Geheime Botschaften: Wissenschaft - Spannend wie ein Krimi geschildert

Wer den Titel „Geheime Botschaften“ sieht, denkt wahrscheinlich als erstes an einen Thriller. Doch weit gefehlt und doch auch nicht so weit daneben. Denn bei dem hier besprochenen Buch handelt es sich um ein Wissenschaftssachbuch. Genauer gesagt um ein Buch, das sich mit der Geschichte der Verschlüsselung von der Antike bis ins Internet-Zeitalter beschäftigt. Aber dieses Buch ist so spannend geschrieben, dass es sich mit vielen Thrillern durchaus messen kann.

Der Autor dieses Buches, Simon Singh, wird manchem Leser durch sein Buch „Fermats letzter Satz“ ein Begriff sein. In diesem Buch hat er die Lösung eines der ältesten und bekanntesten Problem der Mathematik in unglaublich mitreißender und unterhaltsamer Form geschildert.(Und mir fällt auf, dass man dieses Buch mal wieder lesen könnte und dann unbedingt dazu eine Meinung schreiben sollte).

Und genau auf diesem hohen Unterhaltungsniveau macht der Autor auch bei seinem jüngsten Werk „Geheime Botschaften“ weiter. Beginnend mit den alten Griechen erläutert er die grundlegenden Verfahren der Verschlüsselung, das Verschieben (Transposition) und das Ersetzten (Substitution) von Zeichen nach bestimmten Regeln um Informationen für Außenstehende zu verbergen. Und er schildert im Verlauf der Jahrhunderte den Kampf zwischen Kryptographen und Kryptoanalytiker, also denjenigen die etwas verschlüsseln und denjenigen, die diese Verschlüsslung brechen wollen. Immer sehr anschaulich und mit spannenden Beispielen belegt wir aufgezeigt, wie die Verfahren weiter verbessert werden und dennoch kleinste Schwächen dieser Verfahren zum Knacken des Codes benutzt wird. Aber er beschränkt sich nicht nur auf die Theorie sondern zeigt auch auf, dass die vertrauliche Übermittlung von Daten schon immer entscheidend für politische Entwicklungen war. Beste Beispiel hierfür ist die schottischen Königin Maria Stuart im 16.Jahrhundert, die zum Tode verurteilt wurde, weil verschlüsselte Informationen eines Komplott entschlüsselt werden konnten.

Im weiteren Verlauf des Buches begegnen wir u.a. Charles Babbage, der als einer der Urväter des Computers gilt, aber auch ein begnadete Codebrecher war, es wird ausführlich die Enigma, die Codiermaschine des 3.Reiches, vorgestellt und die Tricks und Kniffe, die polnische und englische Codebrecher benutzten um diese als „unknackbar“ geltende Maschine doch zu entschlüsseln. In einem Exkurs wird dann aufgezeigt, wie Hieroglyphen und altgriechische Schriften von Archäologen entziffert wurden. Dies ist zwar keine Verschlüsselung im eigentlichen Sinne, sondern eher das Wiedererlangen vergessenen Wissens. Aber die Techniken, die dabei angewandt werden, sind die gleichen wie beim Codebrechen.

In den letzten Kapiteln beschäftigt sich Simon Singh schließlich mit den Errungenschafen der Kryptographie in den letzen 30 Jahren, die zur Grundlage der gesicherten Kommunikation im Internet- und Computerzeitalter wurden. Viele Begriffe wie RSA, DES, PGP oder PKI, die einem doch immer wieder begegnen, wenn man sich mit Sicherheit beschäftigt, werden in ihrer Historie und Bedeutung vorgestellt. Und schließlich gibt es auch noch einen Ausblick auf die mögliche Zukunft, z.B. mit Quantencomputern zur Verschlüsselung.

Abgerundet wird das Buch von einigen Anhängen, in denen teilweise tiefer als im eigentlichen Text z.B. auf die Mathematik hinter RSA eingegangen wird, einem Glossar und einer hervorragenden Liste von weiterführender Lektüre, jeweils den einzelnen Kapiteln des Buches zugeordnet.

Wie man schon an der Zusammenfassung unschwer erkennen kann, hat mich dieses Buch absolut fasziniert. Trotz des sehr mathematisch vorbelasteten Themas gelingt es Singh auch schwierige Zusammenhänge allgemeinverständlich darzustellen. Alle Verschlüsslungsverfahren werden immer an einfachen Beispielen dargestellt, es gibt dazu immer Skizzen, Muster und Abläufe. Und immer wieder wird der Text durch Informationen zum Kontext und Anekdoten aufgelockert. Es werden nicht nur Verfahren vorgestellt, sondern auch die Menschen, die dahinter steckten.

Ich bin der Meinung, dass man an diesem Buch auch seine Freude haben kann, wenn man nicht unbedingt mit der Mathematik auf gutem Fuß steht. Ich selbst hatte zwar mal Mathe-Leistungskurs, aber das ist mehr als 15 Jahre her. Und ich hatte keinerlei Probleme, den Verfahren zu folgen. (Die einzige Stelle, bei der dies eventuell etwas schwieriger werden könnte, ist der Ausblick am Ende des Buches. Quantenphysik ist nicht unbedingt etwas, was man beim ersten Lesen sofort als logisch ansieht. Aber auch hier ist der Autor um eine anschauliche Darstellung bemüht).

Dies Begabung, eigentlich trockenen wissenschaftliche Themen wie die Kryptographie oder einen einzigen mathematischen Satz in seinem vorigen Buch so spannend und verständlich darstellen kann, mag daran liegen, dass der 1964 in England geborenen Autor die Thematik von zwei Seiten kennt. Er ist studierter Physiker und hat danach jahrelang für die BBC Wissenschaftssendungen journalistisch betreut. Wer den hohen Standard und die Qualität des BBC-Wissenschaftssendungen einmal selbst gesehen hat, ahnt, wo er dieses Fähigkeit der Wissensvermittlung gelernt hat.

Noch ein Hinweis, bevor ich zum Abschluss komme: Ich habe nicht die gebundene Ausgabe des Buches, sonder die Ende 2001 bei dtv erschienen Taschenbuch-Ausgabe gelesen. Wobei man bei einer Größe von 21 x 14 cm und einem Preis von 24,50 DM oder jetzt 12, 50 Euro doch etwas stutzt bei dem Begriff Taschenbuch.


Ich kann dieses Buch nur jedem wärmstens ans Herz legen, der eine spannend, vergnüglichen und trotzdem fundierten Überblick über die Thematik der Kryptographie erlangen will.

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