Mehr zum Thema Kinder- & Jugendliteratur Testbericht

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Erfahrungsbericht von Smissonion

Prinzen im Exil

Pro:

+ Direkter Stil durch die Ich-Perspektive der Hauptfigur + fesselnde Handlung + pädagogisch und psychologisch wertvoll

Kontra:

- es macht süchtig *g*

Empfehlung:

Nein

Das Buch Prinzen im Exil aus dem Jungbrunnen-Verlag entstand 1983 unter der Feder des damals 20-jährigen Mark Schreiber und ist seit 1995 in der zweiten Auflage erhältlich.

Die Geschichte beginnt im Kopf des jungen Ryan Rafferty, der im Camp Hawkins angekommen ist und an der umgebenden Natur überhaupt nichts Schönes erkennen kann. Ryan leidet an einem Hirntumor, dessen lateinischer Fachausdruck ihm mittlerweile so leicht von den Lippen geht wie sein eigener Name.
Ryan hat mit seinem Leben bereits abgeschlossen, und das Camp ist ihm nicht mehr als ein Zufluchtsort, um der behütenden Enge seiner Eltern und Ärzte zu entfliehen. Doch auch dort sieht er nichts anderes als die zerstörerische Kraft seiner Krankheit.

Dr. Morland ist der Campleiter. Mit seinem einfühlsamen Humor und seiner weisen Ausstrahlung findet er recht schnell eine Art Zugang zu dem verbitterten Jungen. Doch es ist ein langer Weg, Ryan in die Gruppe zu integrieren, zumal es noch eine Menge anderer kranker Jugendlicher gibt.
Das Camp Hawkins liegt inmitten eines idyllischen Waldes. Die Holzhütten mit den Schlafgelegenheiten passen gut in die Szenerie, man kann beim Lesen fast die saubere Waldluft riechen.

Um den Jugendlichen nicht zu viel Zeit zum Nachdenken über ihre Krebsleiden zu lassen, steckt der Tagesplan voller Aktivitäten. Von Schwimmwettbewerben über Crossfahren und Skulpturenbau bis hin zu Sketchaufführungen und Lagerfeuergesang. Ryan nimmt nur sehr widerwillig an allem teil und gibt mehrfach zu erkennen, wie wenig das Ziel des Camps zu ihm durchdringt. Er ist sehr verschlossen und teilt seine Gedanken nur seinem Tagebuch mit.
Doch ganz allmählich beginnen seine Mauern zu bröckeln und er erkennt, dass es keinen Sinn hat, sich selbst zu bemitleiden. Zumindest nicht hier, wo fast alle anderen genauso schlimm oder schlimmer dran sind als er. Die Bewohner seiner Hütte werden schon bald zu guten Kameraden.

Im krassen Gegensatz zu Ryans Verschlossenheit steht Robert, der vor Energie nur so sprüht und daher eine Gruppe von Leuten um sich schart. Das passt anfangs überhaupt nicht in Ryans Konzept und er lehnt ihn ab. Doch so groß die anfängliche Antipathie der beiden ist, so groß ist die daraus wachsende Freundschaft. Robert hilft Ryan, eines der Mädchen für sich zu gewinnen, er spornt ihn bei Wettkämpfen an und er lockt ihn aus der Reserve. Langsam beginnt Ryan wieder zu leben, er nimmt seine Umwelt wahr und wird ein wertvoller Bestandteil der Gruppe.

Mit jeder Seite, die man liest, erlebt man die kontinuierliche Steigerung der Hauptfigur, die Geschichte wird immer lebhafter, immer intensiver. Was mit einem tottraurigen Gesicht beginnt, verwandelt sich zu einem glücklichen Lächeln. Auch ein tragischer Einschnitt der Story kann diesem Lächeln keinen großen Schaden mehr zufügen.
Am Ende der 224-seitigen Geschichte war ich traurig, dass sie zuende ist, aber auch sehr glücklich sie gelesen zu haben und wiederholte sie mehrere Male. Zwar ist das Gefühl, dass ich beim ersten Lesen verspürte, einmalig, aber die Geschichte tut einfach gut.

Das unscheinbare Hard-Cover des Buches verrät nichts von seinem ergreifenden Inhalt, dass nach meiner Meinung ab 14 Jahren (nach oben offen!) geeignet ist.
Mit einem Preis von ca. 15,- € ist das Buch eine lohnenswerte Anschaffung. Es erschien 1995 in der Ehrenliste zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis.
Unter dem Titel Prinzen für einen Sommer ist die Geschichte außerdem ganz passabel verfilmt worden.

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