Mehr zum Thema Testbericht

No-product-image
ab 16,38
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Itbabe

Die Fehde von Joan und Bette

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

könnte ein Alternativtitel des Films \"Was geschah wirklich mit Baby Jane\" lauten. In diesem Psychothriller von Regisseur Robert Aldrich können Bette Davis und Joan Crawford endlich einmal vor der Kamera ihre \"Intimfeindschaft\" ausleben. Aber zuerst ein paar Worte zur Story:

\"Baby\" Jane Hudson ist ein ehemaliger Kinderstar, der in jungen Jahren durch das Trällern von belanglosen Liedchen sehr erfolgreich war. Jane\'s ältere Schwester Blanche hat unter den Starallüren der Schwester zu leiden und steht immer in ihrem Schatten. Doch nach Jahren wendet sich das Blatt. Blanche ist längst aus dem ehemals übermächtigen Schatten ihrer Schwester hervor getreten und eine erfolgreiche Schauspielerin. Der Charme von \"Baby\" Jane ist verflogen. Mangelndes Talent tut
sein übriges und führt dazu, dass Jane absolut erfolglos ist.
An einem Abend ändert sich jedoch sowohl für Blanche, als auch für Jane alles.
Nach einem Autounfall ist Blanche an den Rollstuhl gefesselt. Gerüchte machen die Runde, dass Jane in betrunkenem Zustand ihre Schwester einfach über den Haufen gefahren hat.
Jahre später... Blanche und Jane wohnen gemeinsam in einem Haus. Blanche ist auf die Pflege durch ihre Schwester angewiesen.
Bis hier ist das alles noch harmloses Vorgeplänkel und quasi der Wegbereiter für das eigentlich Grauenhafte.
Jane fällt durch massiven Alkoholmissbrauch offenbar immer mehr dem Wahnsinn anheim. Sie fängt an ihre Schwester zu terrorisieren und entwickelt ihren eigenen Sinn für Realität. Jane fängt an sich wieder wie ein Kinderstar zu kleiden, frisiert ihre Haare wie zu Zeiten der Kindheit. Besessen von dem Glauben an ein Comeback als \"Baby\" Jane Hudson engagiert sie sogar einen abgehalfterten Pianisten, der sie auf der Bühne begleiten soll. Zusehends wird ihr Verhalten gegenüber Blanche immer unerträglicher. So setzt sie z.B. Blanche deren eigenen Kanarienvogel als Mittagessen vor.
Das ganze spitzt sich immer dramatischer zu und gipfelt schliesslich in einem bedrückenden, wie auch genialem Ende.

Die Darsteller:

Jane wird absolut überzeugend von Bette Davis, die in diesem Film extremen Mut zur Hässlichkeit beweist, dargestellt.
Bette Davis schafft es überzeugend die facettenreiche und kranke Persönlichkeit der Jane darzustellen.
Blanche wird von Joan Crawford dargestellt. Joan schafft es die gesamte Verletzlichkeit und auch Abhängigkeit der Blanche Hudson
eindrucksvoll darzustellen. In manchen Szenen glaubte ich, dass ich soviel geballtes Leid auf der Mattscheibe kaum noch aushalten könnte. Beiden Hauptdarstellerinnen möchte ich hier noch einmal sehr grossen Respekt zollen.
In Szene gesetzt wurden die beiden durch Regisseur Robert Aldrich, der später auch bei \"Wiegenlied für eine Leiche\" (erneut mit Bette Davis in der Hauptrolle) Regie führte.

Fazit:

Dieser Film aus dem Jahr 1962 ist ein Meilenstein und Klassiker des Psychothrillers. Die Spannung wird hier nicht durch gezeigtes Grauen erzeugt, sondern viel subtiler, z.B. durch die Hauptfiguren. Dass der Film Schwarzweiss ist, erzeugt zusätzlich eine Spannung und Düsterkeit, wie ich sie selten gesehen habe. Ich kann diesen Film auf jeden Fall empfehlen. Hier wird grandiose Schauspielkunst mit einer bedrückenden, und zugleich spannenden Geschichte verbunden und sorgt somit für ein einmaliges Filmerlebnis. Also auf jeden Fall ansehen!

Nachwort:


Warum die Fehde von Joan und Bette? Joan Crawford und Bette Davis konnten sich im wahren Leben nicht ausstehen und pflegten eine
passionierte Intimfeindschaft. Bette Davis hat sich mehr als einmal bezüglich Joan geäussert. Hier eine kleine Kostprobe an Zitaten:

\"Sie hat mit jedem männlichen MGM-Star geschlafen - außer Lassie.\"
\"Ich würde nicht mal auf sie pinkeln, wenn sie in Flammen stünde.\"

Auch bei den Dreharbeiten zu diesem Film haben beide ihre Feindschaft nicht ruhen lassen und damit etliche Leute am Set (auch den Regisseur) auf eine harte Probe gestellt. So musste zum Beispiel Bette in einer Szene Joan durch das Zimmer Richtung Tür schleifen. Joan hatte sich auf diese Szene gut vorbereitet, indem sie sich Gewichte umband die durch das Kostüm verdeckt waren.
Bette revanchierte sich indem sie in einer Gewaltszene Joan ganz aus Versehen mal vor den Kopf trat. Vielleicht sorgt auch gerade die reale Feindschaft der beiden für eine so überzeugende Darstellung im Film. Auf jeden Fall verdient der Film durch diese Umstände noch eine Extra-Bonus, da Robert Aldrich nicht einfach hingeworfen hat, sondern den Film trotz dieser teilweise widrigen Umstände fertig gestellt hat.

13 Bewertungen, 1 Kommentar

  • ingoa09

    28.07.2008, 02:03 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön beschrieben! Liebe Grüße, Ingo